Das Spiel einer Frau - Amelie Wild - E-Book

Das Spiel einer Frau E-Book

Amelie Wild

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Beschreibung

Das Spiel ist tödlich, sobald Lust nicht mehr privat ist und Wahrheit zur Munition wird. Sabrina Lenz, ist eine Privatdetektivin mit Witz, messerscharfem Blick und einer Schwäche für schöne Frauen. Als sie die Luxus-Yacht MIRAGE CASTELL betritt, spürt sie sofort, dass dieses Wochenende gefährlich wird, nicht allein wegen der exklusiven Gäste, sondern wegen der Stimmung an Bord, die von Nähe, nackter Haut und sexueller Begierde lebt. Die Gastgeberin Lara Castell eröffnet ein Spiel, das Lust zur Regel macht. Jeder Gast trägt ein Aurea-Armband, das Aufgaben verteilt und Menschen in Situationen führt, in denen körperliche Berührungen selbstverständlich werden. Hemmungen lösen sich, unterdrückte Triebe kommen ans Licht, Grenzen verschieben sich, Ekstase wird beobachtet und bewertet. Wer mitspielt, gibt mehr von sich preis, als ihm in diesem Moment bewusst ist, und oft mehr, als er später zurückholen kann. Zwischen nackten Körpern, heißen Blicken und Nächten, die schwer nach Sex, Parfüm und verschwitzter Haut riechen, begreift Sabrina schnell, dass dieses Spiel weit mehr will als bloße Erregung. Jemand hat das System gekapert, sammelt intime Daten, speichert Reaktionen, beobachtet, wie Verlangen Menschen lenkt. Lust wird zur Waffe, Schwachstellen gezielt ausgenutzt, und die MIRAGE CASTELL verwandelt sich Stück für Stück in ein Labyrinth aus Überwachung, verborgenen Gängen und verschlossenen Räumen, in denen nichts zufällig geschieht. Als die Nacht kippt, zerreißt die Illusion endgültig. Sabrina folgt einer Spur unter Deck, hinein in enge Korridore, durch versteckte Türen und Wartungsschächte, dorthin, wo das Schiff seine dunklen Geheimnisse verbirgt. Die Jagd beginnt, Körper prallen aufeinander, es kommt zu Kämpfen, zu roher Gewalt, zu Blut auf kaltem Metall. Ein Schuss durchschneidet die Nacht wie ein Messer und macht klar, dass dieses Spiel keine Regeln mehr kennt. Menschen werden verletzt, Masken fallen, Vertrauen zerbricht, und Sabrina steht mitten in einer Eskalation, die niemand mehr kontrolliert. Wenn du spannende Krimis liebst, in denen erotische Funken überspringen, starke Frauen die Regeln brechen und Gefühle ebenso gefährlich werden wie ein Schuss in der Nacht, dann ist Das Spiel einer Frau dein Roman. Ein Roman, der lesbische Intimität, tiefe Emotionen und rasante Spannung vereint, sinnlich, wild, zärtlich, ehrlich. Alle handelnden Personen sind volljährig. Erotik wird nicht beschönigt, sondern authentisch erzählt.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 427

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Amelie Wild

Das Spiel einer Frau

Ein Fall für Sabrina Lenz (Band 6)

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

Epilog

Impressum neobooks

Prolog

Es gibt Einsätze, bei denen man schon beim ersten Schritt spürt, dass man ein Spiel betritt, dessen Regeln man nicht kennt. Nicht die Art von Spiel, die Akten füllt oder Gerichtssäle beschäftigt, sondern jene Sorte, bei der jede Berührung, jeder Blick, jedes leise Atmen zur Information werden kann. Und manchmal zur Waffe.

Ich weiß das, weil ich an einem solchen Ort stand: auf dem Deck der Mirage Castell, einer Luxus-Yacht, die im Mondlicht glänzte wie ein Versprechen und gleichzeitig wie eine Warnung. Ich war nicht eingeladen worden. Ich war geschickt worden. Als Ermittlerin. Als Beobachterin. Und, wie ich erst später begriff als etwas viel Gefährlicheres: als jemand, der von einer fremden Macht längst ausgewählt worden war.

Die Seeluft war warm, trug den Duft von Parfüm, Champagner und der leisen Anspannung, die entsteht, wenn Menschen glauben, ihre Geheimnisse seien sicher. Über mir bewegten sich elegante Silhouetten, Gäste in glitzernden Kleidern, in makellosen Anzügen, und an ihren Handgelenken funkelten die Aurea-Armbänder wie kleine Sterne, die viel zu viel wussten. Man erzählte mir, alles wäre nur ein erotisches Spiel mit Aufgaben, Berührungen und Herausforderungen. Alles freiwillig. Alles stimulierend. Alles kontrolliert.

Ich habe noch nie einen Mann oder eine Frau getroffen, der wirklich glaubte, er hätte die Kontrolle, wenn Lust im Spiel war.

Aber schon auf dem Weg über das Deck, zwischen den vibrierenden Basslinien der Musik und den halb geflüsterten Stimmen, die wie warme Finger über meine Haut glitten, wusste ich:

Diese Yacht war kein Ort für Entspannung.

Sie war ein Schlachtfeld. Perfekt ausgeleuchtet. Verführerisch getarnt.

Ich sah Frauen, die lachten, während ihre Blicke etwas ganz anderes sagten. Männer, die glaubten, das Spiel zu führen, während sie längst Teil davon waren. Türen, die wie zufällig offenstanden, aber nur dann, wenn man hinsah. Und Gänge, die viel zu sauber wirkten, um nur für die Crew bestimmt zu sein.

Dort unten, in diesen Gängen, begann die Wahrheit zu atmen.

Ein unsichtbarer Gegner war an Bord, jemand, der das Armband-System manipulierte, als würde er die Herzen der Gäste mit den Fingerspitzen steuern. Ich wusste nicht, ob es ein Mann oder eine Frau war, ob er im Schatten stand oder direkt neben mir. Aber ich spürte, dass dieser Einsatz nicht nur ein Auftrag war. Und dass ich nicht nur jagen würde.

Ich würde gejagt werden.

Es gab einen Moment, sehr früh in dieser Nacht, in dem ich an der Reling stand und das Meer zwischen Schwarz und Silber flackerte, und ich spürte, wie sich etwas an mich heftete, ein Blick, ein Interesse, ein stilles Erkennen, das durch mich hindurchging wie ein warmer Schnitt. Ich drehte mich um, doch niemand war da.

Später verstand ich, dass manche Jäger nicht mit Schritten, sondern mit Absichten kommen. Und dass sie die Fährte längst gelegt haben, bevor man überhaupt begreift, dass man hingehen wird.

Ich wusste damals nicht, wer mein Gegner war.

Aber eines wusste ich sofort:

Manche zahlen mit Geld.

Andere mit Lust.

Wieder andere mit der Wahrheit.

Und ich?

Ich zahlte – wie immer – mit allem drei.

1

Am Morgen lag noch dieser zarte, milchige Schleier über dem Reihenhausviertel im Münchner Westen, durch den die Sonne sich vorsichtig tastete, als hätte sie selbst noch nicht ganz beschlossen, ob der Tag bereits begonnen hatte.

In der Küche von Sabrina Lenz roch es nach frischem Kaffee, getoastetem Brot und dem Kakao, den Pedro grundsätzlich immer erst trinken wollte, wenn der Schaum auf seiner Oberlippe klebte.

Sabrina stand barfuß am Herd, die Haare zu einem lockeren Knoten hochgesteckt, und schob mit einem Kochlöffel das Rührei hin und her, während sie mit halbem Ohr den Geräuschen am Esstisch lauschte. Pedro saß auf seinem Stuhl, die Beine viel zu kurz, um den Boden zu erreichen, und schlenkerte damit in der Luft, während er sich mit einer kindlichen Ernsthaftigkeit über ein Blatt Papier beugte. Seine Buntstifte waren wie eine kleine Explosion über den Tisch verstreut, irgendwo zwischen Butterdose und Marmeladenglas.

„Mama, schau mal, das wird ein Wal“, verkündete er, ohne den Blick zu heben.

Sabrina drehte sich mit der Pfanne in der Hand halb zu ihm um und schmunzelte, als sie die Zeichnung sah. Das, was er da mit blauen, grauen und viel zu vielen gelben Strichen produzierte, hatte mit einem Wal nur entfernt zu tun, aber etwas anderes fiel ihr sofort ins Auge. Der Körper war langgezogen, fast elegant, mit kleinen Fenstern an der Seite und einer Art Pool auf dem Rücken, den er liebevoll ausmalte.

„Ein sehr moderner Wal“, sagte sie und stellte die Pfanne in der Mitte des Tisches ab. „Mit Swimmingpool und Fenstern.“

Pedro sah endlich hoch, seine dunklen Augen blitzten neugierig, und er lachte dieses helle Lachen, das ihr Herz verlässlich weich machte.

„Das ist kein Swimmingpool“, erklärte er mit der geduldigen Überlegenheit eines Fünfjährigen, „das ist ein Deck. Wie bei den Schiffen in dem Film, den Papa geschaut hat.“

„Aha“, machte Sabrina und setzte sich ihm gegenüber, während sie ihm ein kleines Stück Rührei auf den Teller schob. „Also ein Schiff. Und warum hat dein Schiff so viele Fenster?“

Er zuckte mit den Schultern, stopfte sich den ersten Bissen in den Mund und sprach dann mit vollem Mund weiter, obwohl sie ihn schon tausend Mal ermahnt hatte. „Damit die Leute rausgucken können. Wenn sie reich sind und keinen Kindergarten mehr brauchen.“

Sabrina musste lachen, leise, fast zärtlich. „So funktioniert das leider nicht, mein Schatz. Auch reiche Leute waren mal in einem Kindergarten. Und manche hätten besser zugehört, was ihnen dort gesagt wurde.“

Pedro sah sie nachdenklich an, als müsste er diese Information sortieren, dann legte er den Kopf schief.

„Wirst du mal reich, Mama? Dann kannst du dir auch so ein Schiff kaufen.“

Sie trank einen Schluck Kaffee, ließ den Blick kurz über den hellen Vanilleton der Wände, den abgenutzten Küchentisch aus dunkler Eiche und Pedros nackte Füße schweifen, die beim Reden wieder energischer in der Luft pendelten.

„Weißt du“, sagte sie, „ich glaube, wenn ich mir etwas Teures kaufe, dann sind das eher Stifte für kleine Künstler, die Wale und Schiffe malen.“

Pedro grinste, griff nach einem anderen Stift und setzte noch ein winziges Boot neben seinen gigantischen „Wal“.

„Dann musst du mehr Fälle lösen“, sagte er. „Damit du reich wirst.“

Sie strich ihm über die Stirn, strubbelte ihm leicht durch die Haare und küsste ihn dann auf den Kopf.

„So einfach ist das“, murmelte sie. „Mehr Fälle, mehr Stifte, mehr Rührei auf dem Teller. Und bis dahin bringe ich dich in den Kindergarten, damit du weiter üben kannst.“

Sie standen schließlich vom Frühstückstisch auf, und in dieser Bewegung lag jene sanfte Morgenroutine, die sich über die Jahre wie ein eigenes Ritual eingewoben hatte. Sabrina strich Pedro ein paar Krümel vom Pulli, zog ihm behutsam die kleine Strickjacke über, während er ungeduldig auf den Zehenspitzen wippte, als könne er den Tag kaum erwarten. Sie nahm seine Kindergartentasche vom Haken – dunkelblau mit kleinen Raketen darauf – und schob den Reißverschluss zu, der schon wieder halb offenstand, weil Pedro vorhin unbedingt noch einen Buntstift hineinstecken musste.

Mit einem leichten Schwung ließ sie die Tasche über ihre Schulter gleiten und tippte ihm auf die Nase. „Los, Admiral. Auf ins Abenteuer.“

Pedro kicherte, schnappte nach ihrer Hand und zog sie Richtung Flur, wo Sabrina nebenbei ihren Mantel überwarf und die Haare mit einer ungeduldigen Bewegung ordnete.

Bevor sie die Wohnung verließen, rief sie die Treppe hinauf: „Toby, wir gehen! Brauchst du irgendwas?“

Von oben kam ein kurzes Rascheln, gefolgt von Tobys verschlafener Stimme: „Alles gut! Einen schönen Tag euch zwei! Und Pedro, benimm dich besser als ich in deinem Alter!“

Pedro prustete vor Lachen, während Sabrina den Kopf schüttelte und ein leises „Schwer zu schaffen, Toby“ zurückwarf.

Dann verließen sie gemeinsam das Reihenhaus, der kalte Türgriff unter Sabrinas Fingern fühlte sich wie der offizielle Schritt in den Tag an. Die Luft draußen war klar und frisch, ein Hauch von frühen Herbstblättern mischte sich mit dem Duft nach nassem Asphalt. Ihr dunkelroter Mini Cooper stand am Straßenrand wie ein kleiner, zuverlässiger Freund, ein wenig verbeult an der Stoßstange, aber charmant wie immer.

Pedro rannte die letzten Schritte voraus, zog die Autotür mit dem ganzen Eifer eines Fünfjährigen auf und kletterte auf den Beifahrersitz, während Sabrina den Gurt sorgfältig einzog und ihn leicht an der Schulter berührte.

„Fest wie ein echter Abenteurer?“

Er nickte mit übertriebener Entschlossenheit.

Sie schloss seine Tür, ging um den Wagen herum und glitt auf den Fahrersitz. Das Leder war kühl, der Innenraum roch nach einer Mischung aus altem Vanille-Lufterfrischer und ein wenig nach ihrem Parfüm vom Vortag. Mit einem vertrauten Schnurren sprang der Motor an, die Scheiben spiegelten das fahle Morgenlicht, und Sabrina setzte den Blinker, während Pedro bereits begann, eine neue Geschichte zu erzählen, irgendwas über seinen gemalten „Wal“, der jetzt plötzlich ein Piratenschiff war.

Der Mini rollte durch die ruhigen Straßen, vorbei an Hecken, die vom Jahr etwas mitgenommen waren, vorbei an Nachbarn, die Mülltonnen zur Straße schoben oder hastig in ihre Autos stiegen. Und während sie zum Kindergarten fuhren, legte sich dieser kurze, friedliche Moment wie eine weiche Decke über ihren Morgen, bevor der Tag begann, seine komplizierteren Fragen zu stellen.

Der Kindergarten war ein altmodischer Bau mit gelben Fensterrahmen, einem niedrigen Zaun und einem Vorgarten, der aussah, als hätte jemand alle Farben des Regenbogens in Form von Gießkannen und Plastikspielzeug dort verteilt. Beim Öffnen der Tür schlug ihnen der typische Geruch entgegen, eine Mischung aus Bastelkleber, warmem Holz, leicht abgestandenem Saft und einer Generation von Parfüms, die sich seit den Achtzigern hartnäckig in Textilien festsetzten.

Pedro atmete tief ein, als sei das sein persönlicher Startschuss, riss sich fast schon ein wenig früh von ihrer Hand los und rannte in Richtung Garderobe.

Und dann öffnete sich die Bürotür der Kindergartenleitung und Jenny trat heraus. Sie trug an diesem Morgen eine schlichte, dunkle Jeans und ein weiches, hellgraues T-Shirt, das an einer Schulter ein wenig verrutscht war, und den Blick auf ein gebräuntes Schlüsselbein freigab. Ihr blondes Haar hatte sie zu einem lockeren Zopf gebunden, ein paar Strähnen hatten sich gelöst und fielen ihr in die Stirn, was ihr etwas Unfertiges, Spontanes gab, das Sabrina jedes Mal gefährlich fand. Die Lachfältchen um ihre Augen vertieften sich, als sie Sabrina sah, und ihre Stimme, als sie „Guten Morgen, ihr zwei“ sagte, trug dieses eingebaute Lächeln, das selbst skeptische Eltern besänftigte.

Sabrina spürte, wie sich in ihrem Bauch etwas löste, ein vertrauter Mix aus Wärme und leiser Unruhe.

Jenny kniete sich neben Pedro, half ihm mit einer beiläufigen Routine, die sie unzählige Male mit Kindern durchlaufen hatte, die Jacke auszuziehen, den Rucksack an den Haken zu hängen, die Schuhe mit einem eleganten Handgriff zu lösen.

„Du hast ja wieder ein Meisterwerk gezeichnet“, sagte Jenny und nahm sich das Blatt mit dem „Wal“, der Yacht, dem Schiff, was auch immer es am Ende sein würde. „Ist das für mich?“

Pedro nickte feierlich.

„Aber du musst aufpassen, das ist teuer“, erklärte er. „Da wohnen reiche Leute drauf.“

Jenny lachte, kurz und weich, und warf Sabrina einen Blick zu, in dem sich Humor und etwas anderes mischten, etwas, das man nicht vor Kindern aussprechen durfte.

„Dann hänge ich es in meinem Büro auf“, sagte sie und tippte sich mit dem Finger gegen die Schläfe. „Ganz weit oben, wo nur besondere Leute drankommen.“

Als Pedro schließlich in den Gruppenraum verschwunden war und sich seine Aufmerksamkeit längst auf Bauklötze und andere Kinder verlagert hatte, blieb Sabrina noch einen Moment im Flur stehen.

Jenny behielt ihre leicht vorgebeugte Haltung einen Moment lang bei, als müsse sie einen letzten Blick über die Flure werfen, bevor sie zu einem heiklen Thema ansetzte. Doch ihr Atem verriet mehr als ihre Körpersprache; er ging etwas schneller, fester, und als sie Sabrina wieder ansah, lag darin dieses flackernde Etwas, eine Mischung aus Nervosität und Zärtlichkeit.

„Können wir uns kurz unterhalten? Nur einen Moment… bitte.“ Ihre Stimme klang leise, fast brüchig, und Sabrina wusste sofort, dass dies nichts mit Bastelprojekten oder Elternabendeinladungen zu tun hatte.

Sabrina nickte und folgte Jenny durch den kurzen Flur, an bunten Papiergirlanden und einem Regal voller Bilderbücher vorbei, bis sie vor der Tür zur Kindergartenleitung standen. Jenny öffnete sie mit einem kleinen Schlüssel und winkte Sabrina hinein, als wäre dies ein Raum, in dem man nur gemeinsam Luft holen konnte.

Das Büro wirkte warm und überraschend harmonisch. Helles Holz, beige Wände mit handgemalten Blumenranken, ein großer Schreibtisch unter dem Fenster, auf dem ein kleiner Strauß frischer Tulpen stand, deren Blüten sich zur Sonne reckten. Daneben lag ein Stapel farbiger Ordner, über denen eine halb ausgetrunkene Tasse Kräutertee schwebende Wärme verbreitete. In der Ecke stand ein tiefgrüner Sessel, dessen Polster ein wenig verblichen waren, aber jene einladende Weichheit hatten, die man nur in Räumen fand, in denen Kinder oft Zuflucht suchten. Auf der Fensterbank standen bunte Tonfiguren, mal schief, mal überraschend detailreich, die eine Gruppe Vorschulkinder gebastelt hatte. Ein leichter Duft von Holzspielzeug, Papier und einem frisch versprühten Parfüm lag in der Luft.

Jenny schloss die Tür, lehnte sich dagegen und atmete einmal tief ein, als müsse sie Mut sammeln. Ihre blauen Augen suchten Sabrinas Blick, und diesmal wich Sabrina nicht aus.

„Es gibt etwas, das ich dir sagen muss“, begann sie, und ihre Stimme hatte diesen Ton, den sie nur benutzte, wenn etwas sie gleichzeitig schmerzte und erleichterte.

„Ich wollte es nicht zwischen Tür und Angel sagen… aber ich konnte es auch nicht länger mit mir herumtragen.“

Sabrina antwortete nicht, sie wartete nur, ruhig, offen, mit dieser feinen Anspannung, die Jenny immer sofort bemerkte.

Jenny trat einen Schritt näher, faltete die Hände, öffnete sie wieder. „Ava ist… bei mir eingezogen.“

Sabrinas Herz setzte einen kleinen, schwer zu definierenden Schlag aus. Nicht aus Eifersucht, eher aus diesem Moment, wenn eine Wahrheit in den Raum tritt und es plötzlich still wird.

Ava.

Die Frau, die vor wenigen Wochen wie ein unscheinbarer Funke in ihr Leben getreten war und sich dann als Sturm entpuppt hatte. Die angebliche Erbin mit dem gestohlenen Stammbaum, deren Identität ebenso falsch gewesen war wie die Gutachten, die sie glaubwürdiger machen sollten. Die Frau, die Sabrina zuerst misstrauisch, dann fasziniert und schließlich unwiderruflich berührt hatte. Und jene, die Jenny mit ihrer Mischung aus Verletzlichkeit und rebellischer Stärke sofort in den Bann gezogen hatte.

Ava, die am Ende alles verloren hatte — Namen, Herkunft, ein halbes Leben — und doch etwas Unerwartetes gefunden hatte: Zärtlichkeit. Nähe. Und die Ahnung einer Zukunft, die nicht mehr aus Lügen bestand.

Ava, deren Traum es gewesen war, Kindergärtnerin zu werden, weil sie Kindern geben wollte, was ihr selbst nie geschenkt worden war.

„Sie wohnt bei dir“, wiederholte Sabrina leise.

Jenny nickte, dieses winzige, verletzliche Nicken, das sie sonst so gut zu verbergen wusste. „Ja. Seit zwei Wochen. Es hat sich einfach ergeben. Sie hatte Angst, allein zu sein, und ich… ich wollte nicht, dass sie es ist. Wir… verbringen viel Zeit miteinander.“ Sie holte erneut Atem. „Zu viel Zeit, wahrscheinlich.“

Sabrina trat ein paar Schritte durch den Raum, betrachtete die Blumen auf dem Schreibtisch, berührte kurz eine der Tonfiguren auf der Fensterbank. „Ihr mögt euch“, sagte sie, ohne es als Frage zu formulieren.

Wieder nickte Jenny, diesmal etwas entschlossener. „Ja. Wir mögen uns sehr.“

Sie sah weg, dann wieder hin. „Und ich glaube… ich glaube, da ist mehr. Gefühle. So etwas wie Verliebtheit. Bei uns beiden.“

Einen Moment lang sagte Sabrina nichts. Der Raum schien auf diesen Atemzug zu warten.

„Und jetzt willst du…“ Sie drehte sich zu Jenny um, die Hände in die Hüften gestemmt, der Kopf leicht geneigt. „…unsere heimliche Affäre beenden?“

Jenny presste die Lippen zusammen, suchte nach Worten, die weder verletzten noch gelogen wirkten.

„Ich will sie nicht beenden“, sagte sie schließlich. „Ich will sie aussetzen.“

Ihre Finger spielten nervös mit dem Saum ihres Shirts. „Ich möchte immer deine Freundin sein. Ich liebe dich, Sabrina. Du weißt das. Aber…“ Sie schloss kurz die Augen. „Ich habe mich auch in Ava verliebt. Und das ist kompliziert.“

Sabrina lächelte. Nicht verletzt, nicht bitter, eher mit diesem sanften Humor, der auftauchte, wenn sie sich selbst dabei ertappte, dass sie menschlicher war als ihr Beruf erlaubte. Sie trat langsam auf Jenny zu, bis sie so dicht vor ihr stand, dass ihre Nasenspitzen sich beinahe berührten.

„Wir unterbrechen unsere Affäre?“, fragte sie, und ihre Stimme klang wie ein warmer Sommerwind. „Klingt, als würdest du sagen: ‚Bitte leg die Schokolade kurz in den Kühlschrank, ich verspreche, sie wird nicht weniger süß davon.‘“

Ein kleines Lachen entwich Jenny, leise und gleichzeitig erleichtert.

Sabrina hob die Hände, legte sie sanft an Jennys Taille, zog sie behutsam zu sich, und in dem Moment, in dem ihre Körper sich berührten, veränderte sich die Luft im Raum. Das Licht schien wärmer zu werden, ihr Atem fiel im gleichen Rhythmus, und dann neigte Sabrina den Kopf.

Der Kuss kam wie eine Welle, weich und tief, aber voller Energie, die sich nicht zurückhalten ließ. Jennys Lippen waren warm und vertraut, ein Geschmack aus süßer Vertrautheit und dem Versprechen von Dingen, die sie beide nicht vollständig aussprechen konnten. Sabrina zog sie fester an sich, spürte den Druck ihres Körpers, den zaghaften Griff ihrer Hände an ihrem Rücken. Es war ein Kuss, der gleichzeitig Abschied, Dank und Verlangen war, kein schneller Abschiedsgruß, sondern ein Moment, der sich dehnte, weil keiner von beiden ihn zu früh lösen wollte.

Als Sabrina sich schließlich zurückzog, tat sie es langsam, fast liebevoll, löste ihre Hände von Jennys Taille und sah ihr einen Moment tief in die Augen. Kein Vorwurf, kein Groll, nur dieses stille Verständnis zwischen zwei Frauen, die beide schon genug Sehnsucht in ihrem Leben hatten, um zu wissen, wann man loslassen musste, und wann nicht.

Sie drehte sich um, öffnete die Tür zum Flur und trat hinaus, ohne sich noch einmal umzudrehen. Der Duft von Holzspielzeug und Kinderfarben empfing sie wieder, die Stimmen aus den Gruppenräumen klangen lebendiger als zuvor, und die klare Luft des Eingangsbereichs fühlte sich an wie ein Schnitt zwischen zwei Welten.

Sabrina verließ den Kindergarten mit ruhigen Schritten, aber die Wärme von Jennys Lippen blieb wie ein Nachklang auf ihrer Haut zurück, ein zarter, brennender Abschied inmitten eines Tages, der gerade erst begonnen hatte.

Die Luft draußen war klarer geworden, ein Hauch von herbstlicher Frische lag in den Straßen. Sabrina atmete tief durch, bevor sie sich auf den Weg nach Schwabing machte.

Das Büro lag im zweiten Stock eines älteren Hauses an einer Ecke, an der sich Straßenbahnschienen und kleine Boutiquen kreuzten. Im Treppenhaus roch es nach Kaffee, Staub und einem Hauch von Reinigungsmittel, und die Stufen knarrten diskret, als sie hinaufging.

Die Tür mit dem mattierten Glas, auf dem in geschwungener Schrift stand: „Sabrina Lenz – Privatdetektei“, öffnete sich mit dem vertrauten Klicken des alten Schlosses, und sofort empfing sie die Mischung aus Papier, Akten, einem Hauch von Raumduft und Milas Parfüm, das irgendwo zwischen fruchtig und gefährlich lag.

Mila Novak, die Sekretärin von Sabrina, saß hinter der Empfangstheke, die roten Locken wie ein lebendiger Rahmen um ihr Gesicht, und tippte in einer Geschwindigkeit auf der Tastatur, als würde sie nebenbei ein Rennen gewinnen. Sie trug heute ein enganliegendes schwarzes Kleid, das ihre schmalen Hüften und die üppige Oberweite eher betonte als versteckte, und Sabrina war sich sicher, dass es einen Grund gab, warum der Paketbote in letzter Zeit deutlich öfter klingelte.

„Ah, die Mutter des Jahres“, begrüßte Mila sie, ohne den Blick von ihrem Bildschirm zu nehmen. „Wie viele Kunstwerke hat der junge Meister heute produziert?“

„Nur eins“, antwortete Sabrina und hängte ihren Mantel an den Haken. Sie zog das zusammengefaltete Blatt aus ihrer Tasche, strich es glatt und hielt es Mila hin. „Hier, schau dir das an. Mein Sohn lebt offenbar in einer Phase, in der alles entweder ein Tier oder ein Schiff ist. Heute war es… das hier.“

Mila nahm das Bild zwischen zwei Finger, betrachtete es einen Moment, und ihre Augen begannen sofort zu funkeln.

„Aha“, sagte sie langsam, „ein Schiff also. Oder eine schwimmende Villa. Oder irgendwas, das aussieht, als hätte Jeff Bezos es im Katalog bestellt.“

Sie hob den Blick, stützte sich mit dem Ellbogen lässig an die Empfangstheke und grinste breit.

„Wenn Pedro anfängt, Yachten zu zeichnen, solltest du vorsichtig werden“, meinte sie.

Sabrina nickte. „Das Universum macht selten Witze.“

Mila grinste, legte Pedros Zeichnung behutsam auf den Tresen und schob eine Haarsträhne hinter ihr Ohr, als würde sie ein Geheimnis einleiten. „Apropos Universum… Isabella Weigel, die süße Staatsanwältin, hat vorhin angerufen. Sie würde dich gerne heute noch sehen. Irgendwas mit dringender Besprechung, aber kein offizieller Kram. Es klang eher nach… privaten Schwingungen.“

Sabrina spürte, wie sich in ihrem Brustkorb etwas zusammenzog, ein vertrautes, unvernünftiges Ziehen, das bei Isabellas Namen immer einsetzte. Sie zwang sich zu einer neutralen Miene, obwohl Mila sie sowieso durchschaute.

„Ich rufe sie an“, sagte sie, ein wenig zu sachlich, um überzeugend zu wirken.

Sie ging in ihr Büro, ließ die Tür halboffen und setzte sich an den Schreibtisch. Der Raum wirkte durch das frühe Tageslicht sanfter als sonst, als würde er selbst ahnen, dass eine bestimmte Frau gleich durch das Telefon gleiten würde. Sabrina atmete einmal tief durch, strich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und wählte Isabellas Nummer.

Es klingelte nicht lange.

„Sabrina?“ Isabellas Stimme klang warm, sanft und auf eine Weise leicht, die Sabrina jedes Mal aus dem Gleichgewicht brachte.

„Mir wurde zugetragen, eine sehr wichtige Frau möchte mich heute noch persönlich sehen“, antwortete Sabrina, und versuchte ihrer Stimme einen neutralen Klang zu verleihen.

„Eine sehr wichtige Frau?“ Isabella lachte leise, dieses weiche, kontrollierte Lachen, das Sabrina sofort in den Bauch fuhr. „Ich bin mir sicher, Mila meinte das rein objektiv.“

„Natürlich!“, sagte Sabrina und ließ sich ein wenig zurücksinken. „Objektiv betrachtet, bist du eine atemberaubende Frau, sehr intelligent, charmant, und manchmal so kontrolliert, dass ich Angst habe, deine Spülmaschine nicht richtig einräumen zu dürfen.“

„Bitte nicht übertreiben.“

„Ich habe noch gar nicht angefangen.“

Isabella schwieg kurz, und in diesem Schweigen lag ein leises, elektrisches Grinsen.

„Ich brauche dich, Sabrina“, sagte sie dann, und der Ernst in ihrer Stimme löste die spielerische Schicht nur sanft. „Es gibt etwas, das ich dir erklären muss. Etwas, das… besser in einem persönlichen Gespräch, und nicht am Telefon, besprochen werden sollte.“

„So gefährlich?“

„So persönlich.“

Sabrina schloss für einen Moment die Augen, weil allein dieser Satz ihr mehr verriet, als sie sollte. „Wo treffen wir uns?“

„Im Café Cotidiano am Gärtnerplatz“, antwortete Isabella. „Du weißt schon, das mit den zu hübschen Törtchen und den Stühlen, auf denen eigentlich nur schmale Studentinnen bequem sitzen.“

Sabrina lächelte. „Ich erinnere mich an viele Dinge aus diesem Laden. Die Törtchen gehören nicht dazu.“

Isabella atmete hörbar ein, als würde sie etwas zurückhalten, das sie nicht sagen durfte. „Komm in einer Stunde. Ich bin dort.“

„Ich freue mich“, sagte Sabrina leise, fast unvorsichtig.

„Ich auch“, antwortete Isabella, ebenso leise, bevor das Gespräch sich wie ein warmer Hauch auflöste.

Sabrina blieb noch einen Moment sitzen, das Telefon in der Hand, den Blick auf die Bronzen im Regal gerichtet, die weiblichen Körper, die sich in Kurven und Linien verloren. Dann stand sie langsam auf und ging hinaus zu Mila.

„Alles klar?“, fragte Mila, die schon die Augenbraue hob, als wäre die Antwort sowieso vorhersehbar.

„Ja“, sagte Sabrina und griff nach ihrer Tasche. „Ich fahre gleich hin. Wenn irgendjemand anruft, der mehr Geld hat als Geschmack, sag ihm bitte, ich melde mich zurück.“

„Mach ich“, grinste Mila. „Und falls du länger bleibst: Ich halte hier die Stellung. Und ich meine nicht nur am Schreibtisch.“

Sabrina schüttelte lachend den Kopf, verabschiedete sich mit einem knappen Handzeichen und verließ das Büro. Auf dem Treppenabsatz roch es nach frischem Reinigungsmittel und einem Hauch Kaffee aus der Nachbarwohnung. Draußen hatte die Sonne die herbstliche Kühle ein wenig vertrieben, das Licht lag golden zwischen den Fassaden, und die Stadt vibrierte im Mittagsrhythmus.

Sie stieg in ihren Mini Cooper, dessen dunkelroter Lack in der Sonne wie ein Rubin schimmerte, und startete den Motor. Der Wagen klang vertraut, fast intim, und als sie in den Verkehr einbog, hatte sie dieses eigenartige Gefühl zwischen Brustkorb und Bauch, ein feines, sehnsüchtiges Ziehen.

Nicht wegen des Falls.

Wegen Isabella.

2

Der Gärtnerplatz lag in einem dieser sanften Münchner Mittagslichter, die nicht wirklich entscheiden wollten, ob sie den Tag erhellen oder den Himmel nur zärtlich bestreichen sollten.

Es war warm für die Jahreszeit, ein dünner goldener Schleier lag über den Fassaden, und die Platanen am Platz standen reglos, als hielten sie den Atem an.

Sabrina parkte ihren Kleinwagen in einer Seitenstraße, stieg aus und ließ die Tür mit einem leisen Klicken ins Schloss fallen. Der Weg zum Café Cotidiano führte über Pflastersteine, die in der Sonne matt glitzerten, und bereits aus einigen Metern Entfernung drang das gedämpfte Gemurmel des Cafés zu ihr, gemischt mit dem Klang von Tellern, die sanft aufeinandertrafen.

Das Cotidiano am Gärtnerplatz war wie immer gut besucht. Junge Menschen saßen dicht an dicht, viele vermutlich Studenten der umliegenden Hochschulen, einige hatte Laptops vor sich auf dem Tisch stehen, andere zerfledderte Bücher oder gigantische Cappuccino-Becher. Die großen Fenster ließen ein warmes, honigfarbenes Licht hinein, das sich auf den Holztischen brach. Die Atmosphäre war ein duftender Mix aus frisch geröstetem Kaffee, warmem Gebäck und den süßen Törtchen hinter der langen Glas-Vitrine, die in ihrer makellosen Perfektion beinahe unanständig wirkten.

Die Einrichtung des Cafés war modern, aber nicht kühl. Helle Holztische, in die kleine Blumenvasen mit einzelnen weißen Blüten gestellt waren, daneben Kerzen, die selbst am Mittag brannten und ein sanftes Zittern ins Licht brachten. Die Stühle waren hübsch, eher Designobjekte als Sitzmöbel.

Ganz hinten, in der schattigsten Ecke, dort, wo man die Tür im Blick hatte und gleichzeitig niemand hinter einem vorbeigehen konnte, saß Isabella Weigel.

Sabrina spürte das Ziehen in ihrem Bauch sofort.

Isabella war eine Frau, an der Blicke hängenblieben wie an einem Kunstwerk, das man nicht nur sieht, sondern spürt. Es lag nicht allein an ihrem Gesicht, sondern an dieser eleganten, leisen Autorität, die sie ausstrahlte, an der Art, wie sie sich durch einen Raum bewegte, als würde jedes Licht instinktiv wissen, wo es hinfallen musste.

Heute trug sie einen maßgeschneiderten, cremefarbenen Blazer, der ihre schmale Taille so präzise betonte, dass er wie eine zweite Haut wirkte, darunter ein seidiges, elfenbeinfarbenes Top, dessen Stoff bei jeder ihrer Bewegungen sanft schimmerte. Der Rock war dunkel, schmal geschnitten, hautnah anliegend, ein feiner Wollstoff mit minimalem Stretch, luxuriös unaufdringlich, doch in jeder Linie perfektioniert.

Als sie die Beine leicht übereinanderschlug, blitzten halterlose Nylonstrümpfe hervor, hauchdünn, matt schimmernd, und oben am Oberschenkel endeten sie in bestickten Spitzenbändern, so filigran, dass sie aussahen, als hätte jemand Blumen in Seide verwandelt. Die Stickereien wirkten wie ein Geheimnis, das nur jene sehen sollten, die ihr wirklich nahekamen.

Ihre Schuhe waren hochhackig, elegant, echte Louboutins, weiches italienisches Leder, schmale Fesselriemen, ein zehn Zentimeter hoher Absatz, geschwungen wie ein musikalischer Taktstrich. Und natürlich die rote Sohle, dieser stille, weltberühmte Hinweis darauf, dass sie die Art Frau war, die sich nicht nur Qualität leisten konnte, sondern Geschmack besaß.

Ihre blonden Haare fielen in weichen, glänzenden Wellen über ihre Schultern, sorgfältig frisiert, aber nicht steif, eher wie das Ergebnis einer Routine, die Perfektion längst verinnerlicht hatte. Kleine goldene Ohrringe funkelten dezent im Licht, und an ihrer linken Hand trug sie einen schmalen Ring mit einem hellen Stein, so unauffällig teuer, dass nur Kenner seinen Wert erkannten.

Ihre Gesichtszüge waren makellos: klare Linien, hohe Wangenknochen, ein Mund, der immer so wirkte, als könne er im nächsten Moment entweder lächeln oder etwas sagen, das einem den Boden unter den Füßen wegzog. Isabellas Augen, seegrün, lebendig und gefährlich aufmerksam, folgten Sabrina, lange bevor Sabrina ganz bei ihr angekommen war.

Und natürlich: Isabella war Staatsanwältin. Eine verdammt gute. Die Art Frau, die Entscheidungen traf, die Karrieren zerstörten oder retteten, und die gleichzeitig aus einem Elternhaus stammte, in dem sich Vermögen und Einfluss so selbstverständlich vererbt hatten wie glänzendes Haar und perfekte Haltung. Eine Frau, die sich nicht verstellen musste, um Eindruck zu machen.

Sabrina näherte sich dem Tisch, und obwohl sie sich bemühte, ruhig zu wirken, konnte sie die Wärme nicht verbergen, die sich in ihr sammelte.

Isabella stand auf, nur einen kleinen Moment, aber er reichte aus, um Sabrina den Atem stocken zu lassen. Dann legte sie ihr sanft eine Hand an die Taille, als wäre dieser Raum und die Welt um sie herum plötzlich nur Nebenschauplatz, und beugte sich für eine kurze, aber tief spürbare Begrüßung vor. Ihre Lippen berührten Sabrinas Wange, zu nah am Mund, um zufällig zu sein.

In diesem Augenblick wurden sie tatsächlich betrachtet. Nicht nur beiläufig, sondern aufmerksam, neugierig, begehrlich. Die Studentengruppe am Nebentisch, drei Frauen und ein Mann, versuchte zwar, so zu tun, als konzentrierten sie sich auf ihre Notizen, doch ihre Blicke glitten über die beiden wie warme Hände, die etwas ertasten wollten, das man nicht benennen durfte.

Sabrina setzte sich Isabella gegenüber, ihre Knie streiften sich unter dem Tisch, nicht zufällig, aber so unauffällig wie möglich.

„Du siehst gut aus“, sagte Isabella leise.

„Du auch“, antwortete Sabrina, „aber du weißt das.“

Ein kleines, wissendes Lächeln huschte über Isabellas Gesicht. Dann hob sie eine Hand, und der Kellner brachte zwei Cappuccino, als hätte er geahnt, dass sie weder Zeit noch Konzentration für Speisekarten hatten.

Als die Tassen vor ihnen standen, wurde Isabellas Blick ernster. Nicht kühl, sondern fokussiert. Sie lehnte sich ein wenig vor, sodass sich ihr Parfüm mit dem Kaffeegeruch mischte.

„Du fragst dich, warum ich dich wirklich hierhergebeten habe“, begann sie.

Sabrina hob eine Augenbraue. „Ich vermute, es hat nicht nur mit gutem Kaffee zu tun.“

Isabella seufzte, ein kaum hörbares, weiches Geräusch, das zwischen ihnen wie ein feiner Riss in der Luft stand. Sie strich sich eine Haarsträhne hinter das Ohr, und in dieser kleinen, unsicheren Bewegung lag plötzlich etwas so Menschliches, so Verletzliches, dass Sabrina unwillkürlich den Impuls verspürte, ihre Hand über den Tisch zu schieben, und Isabella zu berühren.

„Es geht um Lara Castell“, sagte Isabella schließlich, und allein wie sie den Namen aussprach, ließ den Raum um sie beide einen Moment lang stiller werden. Es war, als würde dieser Name einen schimmernden Schleier in die Luft legen, schwer zu greifen, aber voller Bedeutung.

Sabrina hob langsam den Blick. „Ich kenne den Namen aus dem Fernsehen. Toby und Pedro schauen abends regelmäßig diese Klatschsendungen im Fernsehen. Die Frau scheint sehr reich und hübsch zu sein. Sogar Toby war beeindruckt, und das geschieht selten bei ihm, ich meine … äh, wenn es um Frauen geht.“

Isabella nickte kaum sichtbar und strich ihren Finger über den Rand ihrer Cappuccino-Tasse.

„Unsere Familien kennen sich seit… praktisch immer. Mein Vater hat früher mit ihrem Großvater zusammengearbeitet. Alte Geldkreise, alte Geschichten.“ Sie verzog leicht den Mund. „Man entscheidet nicht, ob man zu solchen Menschen gehört. Man wird automatisch hineingezogen.“

Sabrina beobachtete, wie Isabella den Blick senkte, nicht aus Scham, sondern aus dieser seltenen Vorsicht, die sie nur zeigte, wenn es um ihre Familie ging.

„Also ist es persönlich?“, fragte Sabrina behutsam.

Isabella hob wieder den Blick, und für einen Augenblick glänzte darin etwas, das wie eine Mischung aus alten Erinnerungen und unguten Vorahnungen wirkte.

„Nicht nur. Ich kenne Lara seit unserer Kindheit. Wir hatten denselben Klavierlehrer, dieselben Sommerfeste, dieselben langen Wochen auf irgendwelchen italienischen Landgütern unserer Eltern. Aber während ich irgendwann verstanden habe, wie man Verantwortung trägt… ist sie in etwas anderes hineingewachsen.“

„In was genau?“

„Lara ist ein Einzelkind. Nachdem ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kamen, hat sie das gesamte Familienvermögen geerbt. Die Leitung der Firmen übergab sie den Vorständen. Aktuell genießt sie ihr Leben“, antwortete Isabella.

„Und was bedeutet das?“

„Sie hat sich eine Yacht gekauft, und bereist damit die Welt. Sie lädt Menschen aus den höchsten Kreisen ein, die sie begleiten.“ Isabella atmete leise aus. „Es gibt Gerüchte darüber, was an Bord ihrer Yacht abläuft. Offiziell kreative Retreats, spirituelle Selbsterfahrungen, Musik, Sinnlichkeit, all dieser neumodische Unsinn. Aber manche Stimmen behaupten, dass es mehr ist. Viel mehr. Spiele. Machtspiele. Psychologische Experimente mit Menschen, die glauben, sie könnten sich alles erlauben.“

Sabrina runzelte die Stirn. „Und du glaubst, sie ist außer Kontrolle geraten?“

„Nein. Nicht Lara. Aber es besteht der Verdacht, dass jemand anderes versucht, die Situationen auszunutzen.“ Isabella sah sie nun direkt und intensiv an. „Lara erhielt anonyme Hinweise, die sie mit mir besprochen hat. Es wirkt… als hätte jemand begonnen, ihre Spiele für eigene Zwecke zu nutzen.“

Sabrina lehnte sich zurück und glitt mit dem Blick kurz durch das Café. Die Studentinnen am Nebentisch kicherten über ein Handyvideo, ein Mann am Fenster tippte konzentriert auf seinem Laptop, ein Kellner stellte ein lächerlich perfektes Himbeer-Törtchen ab, niemand ahnte, dass direkt neben ihnen ein Gespräch stattfand, das die Grenzen zwischen Politik, Macht und Verführung berührte.

„Und was bedeutet das nun für mich?“, fragte Sabrina ruhig.

Isabella verschränkte die Hände, als wollte sie eine unsichtbare Tür hinter ihnen schließen. „Lara möchte jemanden engagieren, der die anonymen Hinweise überprüft, noch bevor etwas passiert. Sie möchte eine Person an Bord haben, die Atmosphären erkennt. Jemanden, der Stimmungen liest, noch bevor sie kippen. Jemanden, der nicht in einer Uniform oder mit einer Waffe kommt, sondern mit Intuition, Beobachtungsgabe und diesem unfassbar präzisen Gefühl, dass du hast.“

Sabrina blinzelte. „Lara Castell will mich engagieren?“

„Sie hat mich gefragt, in meiner Funktion als Staatsanwältin und Freundin, ob ich ihr jemand empfehlen kann. Und du bist die beste Ermittlerin, die ich kenne. Daher habe ich dich empfohlen!“, antwortete Isabella. „Allerdings will Lara zwei Personen! Eine Frau und einen Mann. Das ist ihre Bedingung.“

Isabella legte eine kleine Pause ein, so, als müsse sie eine innere Tür öffnen, bevor die Worte herausdurften. „Ich erzählte dir bereits, dass Lara eine riesige Yacht besitzt. Es ist nicht irgendein Boot, sondern ein schwimmendes Anwesen. Einhundertzwanzig Meter lang, mehrere Decks, ein halbes Hotel auf dem Wasser. Die Yacht liegt in Südfrankreich, im Hafen von Antibes, vor Anker. Dieses Wochenende möchte sie wieder hinausfahren, raus aufs offene Mittelmeer, wie sie es ausdrückt, als wäre es eine Art Bühne für ihre … Spiele.“

Isabella strich mit dem Daumen über die Innenseite von Sabrinas Hand, während sie weitersprach. „Sie hat eine exklusive Gästeliste zusammengestellt. Sehr reich, sehr einflussreich. Und sie möchte für diesen Trip zwei neutrale Personen an Bord haben, die nicht zu ihren Kreisen gehören.“

Sie seufzte leise, und der Klang davon war ein Gemisch aus Sorge, Pflichtgefühl und etwas, das Sabrina als persönliche Furcht identifizierte. „Und sie zahlt dafür Summen, die selbst mich kurz haben schlucken lassen. Lara hat über dich recherchiert, nachdem ich dich empfohlen habe. Sie weiß jetzt, dass du gut bist. Sie will dich unbedingt an Bord haben.“

Isabella ließ den Blick kurz über Sabrinas Gesicht gleiten, als würde sie etwas abwägen, bevor sie weitersprach. „Lara besteht auf eine zweite Person, einen Mann. Ich habe Samuel Beck, deinen Partner vorgeschlagen. Er macht einen vertrauenswürdigen, zuverlässigen Eindruck. Was meinst du, würde dich Samuel begleiten, dich unterstützen?“

Sabrina dachte einen Moment nach, spürte, wie ihre Gedanken automatisch zu Samuel glitten, seiner Ruhe, seiner Loyalität, seiner Fähigkeit, Räume zu sondieren, ohne aufzufallen. Schließlich nickte sie langsam.

„Ich muss mit ihm sprechen. Ich kann niemanden auf ein Schiff voller Unbekannter schicken, ohne ihm zu erklären, worum es wirklich geht.“

„Es würde mir ein besseres Gefühl geben, wenn jemand an deiner Seite ist“, sagte Isabella und strich mit ihren Fingerkuppen erneut über Sabrinas Handrücken.

„Für welchen Zeitraum will mich Lena buchen?“

„Es geht um das kommende Wochenende. Wie lange sie dich bezahlt, musst du direkt mit Lara besprechen“, antwortete Isabella.

Sabrina seufzte leise. „Und jetzt gib mir deine Sichtweise. Was genau soll ich dort tun?“

„Lara beauftragt dich, damit du die anonymen Hinweise überprüfst, ob jemand Informationen über die Gäste sammelt!“

Dann schob Isabella ihre Finger über Sabrinas Hand, als wollte sie etwas hinzufügen, dass sie nicht laut sagen konnte.

„Inoffiziell…“ – ihre Stimme wurde leiser –, „inoffiziell bist du meine Augen dort. Und meine Ohren. Die Staatsanwaltschaft möchte wissen, ob jemand sehr private Informationen sammelt, um diese für nachfolgende Erpressungen zu verwenden. Es sind schwerwiegende Straftaten! Wir sprechen über Personen, die mächtige Positionen bekleiden. Ich muss wissen, ob an dem Verdacht etwas dran ist, wer dahintersteckt und wie das Ziel ist.“

Sabrina ließ Isabella nicht aus den Augen, spürte, dass hinter all den Andeutungen noch etwas fehlte. Ein Puzzleteil, das den Verlauf der nächsten Tage bestimmen würde.

„Gut“, sagte sie leise, „aber wie geht es weiter? Bekomme ich einen offiziellen Auftrag von ihr? Oder reicht eine mündliche Zusage? Ich möchte nichts halbseiden beginnen. Schon gar nicht auf einer Yacht, die wahrscheinlich mehr wert ist als mein ganzes Leben.“

Isabella nickte langsam, als hätte sie mit dieser Frage gerechnet.

„Das verstehe ich. Und eigentlich ist es auch der Grund, warum ich dich heute sehen wollte.“ Ihre Stimme senkte sich, ihr Blick wurde weicher, fast zärtlich, aber zugleich geschäftlich klar. „Lara möchte dich vorab sprechen. Nicht lang. Nur fünf Minuten per Video. Ein kurzes Kennenlernen, eine Art Vorgespräch. Sie will sehen, wie du denkst. Wie du wirkst. Für sie ist das wichtiger als jeder Lebenslauf.“

„Und der Auftrag?“, fragte Sabrina.

„Der liegt für dich bereit“, antwortete Isabella. „Aber nicht hier. Lara hat darauf bestanden, dass die Verträge an Bord unterschrieben werden. Persönlich. Sie sagt, das erhöhe die Diskretion.“

Sie verzog die Lippen zu einem Ausdruck, der irgendwo zwischen Ironie und Besorgnis lag. „Und ja, vermutlich gehört auch ein Hauch von Theatralik dazu. Das ist ihre Art.“

Sabrina schnaubte leise und streckte ein Bein aus, sodass ihre Knie unmerklich Isabellas berührten.

„Ich brauche eine Bestätigung vorher. Ich fahre nicht auf ein Schiff voller Fremder ohne Auftrag in der Tasche.“

„Du bekommst eine schriftliche Zusicherung per Mail“, versicherte Isabella. „Ich habe sie bereits mit ihr abgestimmt. Sobald du sagst, dass du dabei bist, schickt sie dir die vorläufige Beauftragung. Kurz, knapp, juristisch sauber, aber noch ohne Details. Die Details kommen erst auf der Yacht, dort wird alles festgehalten, unterschrieben, eingescannt. Das ist der Deal, den sie mir gegenüber bestätigt hat.“

„Ich werde mit Samuel sprechen. Dann führe den Video-Call mit Lara. Gib ihr meine Kontaktdaten, sie kann mich heute Nachmittag erreichen“, sagte Sabrina.

Isabella nickte. „Ich werde das erledigen. Es gibt noch etwas, dass ich mit dir besprechen möchte.“

Sabrina hob den Blick, und in Isabellas Augen lag nun etwas Unmissverständliches, etwas, das nichts mit Lara zu tun hatte.

„Nicht hier“, flüsterte Isabella, „zu viele Augen.“

Sie stand auf. Nicht hastig, sondern mit dieser faszinierenden Ruhe, die Sabrina jedes Mal verrückt machte. „Komm.“

Sabrina folgte ihr durch den schmalen Gang am Ende des Cafés, vorbei an einem kleinen Regal mit Weinflaschen und einer Tür, die zu den Toiletten führte, und daneben befand sich eine zweite Tür, kaum beschriftet, vermutlich für Personal oder Lieferanten. Isabella öffnete sie mit der Selbstverständlichkeit einer Frau, die nie gefragt hatte, ob sie irgendwo hineindurfte.

Der Raum dahinter war eng, aber sauber. Ein Abstellraum, in dem Säcke mit Kaffee standen, Serviettenstapel, Kartons mit Gläsern und ein schmales Fenster, durch das nur gedämpftes Licht fiel. Es roch nach Kaffee, Holz und etwas, das eindeutig nach Isabella duftete.

Sie traten ein, und schlossen die Tür von innen. Von draußen hörte man gedämpft das Klirren von Geschirr und das Murmeln der Gäste, doch hier drinnen schien alles in einem langsamen Schwebezustand zu stehen.

Isabella wandte sich zu Sabrina, und etwas in ihrer Bewegung war weicher als zuvor, entschlossener, beinahe schutzlos.

„Für ein Gespräch, das sich so … aufgeladen anfühlt, ist das wirklich ein ungewöhnlicher Ort“, murmelte Sabrina, und ihre Stimme hatte diese leichte Unsicherheit, die nur dann auftauchte, wenn ihr Herz schneller schlug, als sie zugeben wollte.

Isabella trat ein kleines Stück näher, so dicht, dass Sabrina die feine Wärme ihrer Haut spüren konnte, noch bevor sie sie berührte.

„Ich kenne das Gebäude“, sagte Isabella leise, mit einem Tonfall, der gleichzeitig professionell und viel zu vertraut klang. „Der Eigentümer hat zurzeit ein paar juristische Schwierigkeiten. Einige davon liegen auf meinem Tisch. Er möchte keine Schlagzeilen … also lässt er mich gewähren. Frei ermitteln.“

Während sie sprach, senkten sich ihre Blicke zu Sabrinas Lippen, bevor er wieder den Weg zu ihren Augen fand. Dann beugte sie sich ein wenig vor, als könne sie dem Drang nicht widerstehen, und inhalierte den zarten Duft aus Sabrinas Haaren, aus ihrer Haut, aus der Wärme, die sie umgab wie ein unsichtbarer Schleier. Es war ein Hauch von Parfüm und etwas Tieferem, etwas Eigenerem, ein Duft, den Isabella längst zu gut kannte.

„Und jetzt stehe ich hier… mit dir“, flüsterte Isabella, so nah, dass Sabrina ihre Worte an der eigenen Wange spürte. „In einem Gebäude, das für Akten und Verhöre gedacht ist. Und trotzdem fühlt es sich an, als wäre alles hier gerade für uns gemacht.“

„Und du willst hier ein Verhör mit mir führen?“ Sabrinas Stimme war kaum mehr als ein warmes Lächeln, während ihre Fingerspitzen in einer sanften, langsamen Bewegung über Isabellas Unterarm glitten, nur ein Hauch von Berührung, aber genug, um Isabellas Atem einen Moment lang stocken zu lassen.

„Wenn es ein Verhör wäre“, murmelte Isabella und hob den Blick, „dann wäre es das einzige, bei dem ich… deine Wärme überprüfen möchte. Deinen Duft. Und ja… den Geschmack deiner Lippen.“

Ihre Augen funkelten nicht verspielt, sondern weich, sehnsüchtig, als hätte sie diesen Moment länger herbeigewünscht, als sie zugeben wollte.

Sabrina beugte sich leicht vor, nicht drängend, sondern einladend. „Und warum willst du das tun?“

Sie kannte die Antwort bereits, sie fühlte sie unter ihrer Haut, aber sie wollte hören, wie Isabella die Worte formte, wollte die Wahrheit aus ihrem Mund, warm und leise.

Isabella schluckte, und zum ersten Mal fiel der kühle Schutz in ihrem Blick für einen Atemzug. „Du weißt doch genau… was ich… warum ich…“

Die Worte stolperten, als seien sie zu groß, um sie einfach auszusprechen.

Sabrina lächelte sanft. „Ich will es hören.“

Isabella schloss kurz die Augen, als müsse sie die richtige Stelle in sich selbst finden, bevor sie antworten konnte.

„Es fällt mir schwer, über Gefühle zu sprechen“, sagte sie schließlich leise, so ehrlich, dass Sabrina die Wahrheit hinter jeder Silbe spürte. „Über Sehnsüchte erst recht. Ich war nie gut darin. Ich habe immer gelernt, Haltung zu bewahren, Stärke zu zeigen, nicht zu viel zu wollen… aber du weißt das.“

Sie machte einen Schritt näher, so nah, dass ihre Körper nur noch einen hauchdünnen Abstand voneinander hatten, als würden sie sich gegenseitig wärmen.

„Bei dir fällt all das zusammen“, flüsterte sie. „Und genau das macht mir Angst.“

Sabrina hob die Hand und legte sie sanft an Isabellas Taille, als wollte sie sagen: Du musst nichts verstecken.

Ihre Stimme war weich wie warmer Milchkaffee. „Wir haben eine besondere Verbindung. Keine klassische, keine einfache, keine definierbare. Weder Freundschaft noch Affäre, weder Distanz noch Nähe. Aber gerade, weil es so ist, müssen wir offen sein. Wir können nur funktionieren, wenn wir einander sagen, was in uns brennt. Alles andere würde uns nur auseinanderreißen.“

Isabella sah sie an, und ihre Augen wurden dunkel vor Gefühl.

„Ich will nicht, dass uns etwas auseinanderreißt“, sagte sie mit einer Dringlichkeit, die unter die Haut ging. ertragen.“

Sabrinas Herz krampfte sich zusammen, und sie zog Isabella noch ein Stück näher.

Isabella atmete tief ein, als würde sie Mut sammeln, dann sagte sie mit einer Klarheit, die fast wehtat: „Wir führen eine Beziehung unter dem Radar unserer Ehen. Wir werden keine Partnerschaft eingehen, das wissen wir beide. Aber wir werden uns Momente stehlen. Stunden. Atemzüge. Wir werden uns finden, auch wenn wir uns offiziell nicht gehören dürfen. Und ich … ich will das. Ich will dich nicht verlieren.“

Sabrina spürte Isabellas Herz, spürte ihre Wärme, und ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Dann wiederhole ich meine Worte… ich will es hören. Sag mir, was du fühlst. Was du dir ersehnst. Wovon du träumst.“

Sie sah Isabella so an, wie nur jemand schaut, der bereits liebt, aber nie besitzen wird, und genau deshalb tiefer liebt.

Isabella holte langsam Luft, als müsste sie erst all die Wörter befreien, die sie jahrelang in sich eingesperrt hatte. Ihre Schultern senkten sich, ihr Blick wurde weich und ungeschützt, und als sie sprach, klang ihre Stimme wie etwas, das nur Sabrina hören durfte.

„Ich wünsche mir dich“, begann sie, kaum hörbar. „Ich wünsche mir… deine Nähe. Deine Hand an meinem Arm. Deine Stimme, wenn du lachst. Deine Wärme, wenn du neben mir sitzt und tust, als wäre es nur Zufall. Ich wünsche mir die Art, wie du den Kopf leicht zur Seite legst, wenn du wissen willst, ob jemand lügt. Die Art, wie du atmest, wenn du versuchst, Gefühle zu verstecken… und es nicht ganz gelingt.“

Sie hob ihre rechte Hand und legte sie an Sabrinas Wange, ganz sachte, als würde sie ein seltenes, kostbares Etwas berühren.

„Ich sehne mich nach dir, Sabrina. Mehr als gut für mich ist. Du bist die einzige Person, bei der ich vergesse, wie man kontrolliert wirkt. Die einzige, bei der ich… weich werde.“

Ihre Finger glitten langsam in Sabrinas Haar, spielten sich in die dunklen Strähnen hinein, als liege dort die Wahrheit, die sie suchte.

„Ich träume davon… dich zu küssen, ohne darauf achten zu müssen, ob uns jemand sieht. Dich zu halten, ohne Reue. Dich zu berühren, ohne ständig daran erinnert zu werden, dass wir beide in Ehen stecken, die mehr Arrangement sind als Liebe.“

Sie stockte, ihre Unterlippe befeuchtete sich in einem leisen Atemzug.

„Ich träume davon, dich irgendwohin mitzunehmen, an einen Ort, an dem wir keine Rollen spielen müssen. Ich träume davon, dass du meine Hand nimmst, wenn du müde bist. Dass du zu mir kommst, wenn du etwas brauchst, das nicht in Akten, Fällen oder Aufträgen steht. Ich träume davon… dich zu lieben, ohne dass die Welt dazwischensteht.“

Ihre Stirn berührte sanft Sabrinas Stirn, ein zarter Hauch, der tiefer ging als jeder Kuss.

„Und ich begehre dich“, flüsterte Isabella, und das Wort war nicht roh oder laut, sondern warm und vibrierend. „Ich begehre dich auf eine Weise, die mir manchmal Angst macht. Ich denke an deine Haut, an den Geschmack deiner Schulter, an die Art, wie du meinen Namen sagst, wenn du…“

Sie brach ab, nicht aus Scham, sondern weil die Sehnsucht zu groß wurde, um sie nüchtern auszuformulieren.

„Du bist mein schönster Fehler“, hauchte sie, „und meine liebste Versuchung. Und ich will dich. Heute. Morgen. Immer, wenn wir Mut und Gelegenheit finden.“

Ihre Lippen streiften Sabrinas, gerade so, als würde ein Kuss noch in der Luft hängen, ein Versprechen, das schmeckte wie warmer Atem und aufgesparte Leidenschaft.

„Sag mir jetzt…“, flüsterte Isabella, „was du mit mir tun willst.“

Sabrina hob langsam den Kopf, als hätte Isabella mit dieser einen Frage etwas in ihr berührt, dass sie seit Wochen, vielleicht seit Monaten, sorgfältig verschlossen gehalten hatte.

Ihr Blick wurde weich, fast schmerzhaft liebevoll, und sie legte beide Hände an Isabellas Taille, so zärtlich, als würde sie eine zerbrechliche Wahrheit berühren.

„Was ich mit dir tun will?“, wiederholte sie leise, und ihre Stimme klang wie warmer Atem über nackter Haut. „Zuerst will ich dir sagen, was du so hartnäckig nicht hören willst.“

Ihre Stirn strich sanft an Isabellas entlang, und der Raum schien sich um sie herum zu verengen, als würde die Welt den Atem anhalten.

„Ich liebe dich“, flüsterte Sabrina. „Mehr, als gut für mich ist. Mehr, als vernünftig wäre. Und jede Nacht, wenn ich allein in meinem Bett liege, wenn das Haus still ist, dann denke ich an dich. Daran, wie du sprichst. Wie du atmest. Wie du dich bewegst.“

Sie lächelte schwach, verletzlich, aber voller Sehnsucht. „Und ich stelle mir vor, dass du bei mir bist. Dass deine Hände meine finden. Dass du nicht weggehst, wenn der Morgen kommt.“

Isabella hielt den Atem an, ihr Körper vibrierte in einer Mischung aus Erschrecken, Erkennen und purer, warmer Liebe.

Doch genau in diesem Moment änderte sich etwas in Sabrina. Ihr Blick wurde dunkler, ruhiger, sicherer. Ein Tonwechsel, so subtil und gleichzeitig so mächtig, dass Isabella unwillkürlich die Lippen leicht öffnete.

Sabrina strich mit einem einzigen, präzisen Finger über Isabellas Kinn, ein Hauch von Führung, ein Versprechen von Kontrolle.

„Aber du willst nicht nur hören, was ich fühle“, sagte sie sanft, doch mit einer neuen, klaren Unterströmung. „Du willst hören, was ich mit dir tun will.“

Isabellas Knie gaben kaum merklich nach, und Sabrina bemerkte es sofort.

„In dieser Sekunde willst du geführt werden“, sagte Sabrina ruhig, fast flüsternd, aber unmissverständlich. „Du willst nicht überlegen. Nicht reden. Nicht entscheiden. Du willst nur… gehorchen.“

Isabellas Augen wurden groß, glänzend, atemlos.

Sabrina trat noch näher heran, ihre Lippen nur Millimeter von Isabellas Ohr entfernt. Die Wärme ihres Atems ließ einen zarten Schauer über Isabellas Haut laufen.

„Dann hör gut zu“, murmelte Sabrina. „Du gibst jetzt die Kontrolle ab. An mich.“

Es entstand eine kurze Pause. Isabella bebte innerlich. Sabrina hob ihr Kinn mit zwei Fingern, langsam, bestimmend.

„Ich sage dir, was ich will. Und du wirst es tun.“

Isabella schluckte hart, ihre Brust hob sich schneller. „Ja“, hauchte sie, kaum hörbar. „Bitte.“

Sabrina lächelte, dieses gefährlich ruhige, weiblich mächtige Lächeln, das Isabella jedes Mal wehrlos machte.

„Gut!“, sagte Sabrina. „„Dann heb deinen Rock bis zu den Hüften empor, zieh deinen Slip aus und gib ihn mir.“

„Du willst meinen Slip?“

„Ja!“

„Warum …?“

„Ich werde ihn mir heute Nacht, wenn ich meinem Bett liege, an die Nase drücken, deine Säfte inhalieren und heftig masturbieren. Reicht dir die Antwort?“, lächelte Sabrina.

„Du bist ein Ferkel!“

„Und du wirst mir gleich deinen Slip schenken … wer ist also ein Ferkel?“

Isabella grinste, zwinkerte mit dem rechten Augenlid. Sie liebte Sabrina auch für diese frechen Dialoge. Ihre Knie fühlten sich plötzlich leichter an, ihre Haut sensibler, ihr Atem fließender.

Langsam, wie in einem stillen Ritual, machte Isabella einen Schritt zurück. Ihr Blick blieb an Sabrina hängen, voller glühender Liebe, voller stummer Bitte, voller zarter, weiblicher Verletzlichkeit.

Dann hob sie die Hände an den Saum ihres engen Rockes. Der Stoff war glatt, schwer, teuer, der sich der Form ihres Körpers anpasste wie ein Geheimnis. Mit einem Atemzug rollte sie ihn langsam nach oben, Zentimeter für Zentimeter.

Über die Oberschenkel.

Über die Spitzenbänder ihrer halterlosen Strümpfe.

Bis er sich auf Hüfthöhe sammelte, wie ein dunkler Rahmen um ihre Eleganz.

Isabellas Finger zitterten leicht, nicht vor Angst, sondern vor Erwartung, vor dieser schmerzlichen Sehnsucht, Sabrina zu gefallen. Sie senkte den Blick kurz auf ihre eigenen Beine, auf die makellosen Strümpfe, die Stickereien, die feine Haut, als würde sie für einen Moment begreifen müssen, dass sie sich tatsächlich entblößte.

Dann glitt sie mit beiden Daumen in ihren Slip.

Es war ein zarter Hauch aus Stoff, La Perla „Souple Lace“, champagnerfarben, ein feiner italienischer Seidenmix mit floraler Spitze, so dünn, dass er fast durchsichtig wirkte, so edel, dass er nicht wie Unterwäsche aussah, sondern wie ein Schmuckstück.

Isabella hob einen Fuß, dann den anderen, so elegant und kontrolliert wie eine Tänzerin, und stieg langsam aus dem Slip.

Der Moment war still, weich, fast feierlich, nicht schamhaft, sondern wie eine medizinisch genaue, intime Handlung, die jedoch von Liebe getragen wurde.

Sie hielt das feine Stück Stoff in der Hand, betrachtete es einen Sekundenbruchteil lang, als würde sie sich bewusst machen, was sie gerade getan hatte, und reichte ihn dann Sabrina entgegen.

Langsam.

Zögernd.

Mit einem Ausdruck, der zwischen Hingabe und Erregung schwebte.