Der Preis der Lust - Amelie Wild - E-Book

Der Preis der Lust E-Book

Amelie Wild

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Beschreibung

Zwei Studentinnen. Eine App. Und ein Spiel, das mit einem Klick alles verändert. Sophie und Lena teilen sich eine kleine Wohnung im Herzen von München. Jung, schön, frei und pleite. Als eine mysteriöse App ihnen die Chance bietet, durch riskante Challenges Geld zu verdienen, scheint die Lösung ihrer Sorgen nur einen Fingertipp entfernt. Doch jede Aufgabe hat ihren Preis! Wer gewinnt erhält innerhalb von Sekunden einen hohen Geldbetrag auf dem Konto gutgeschrieben. Und wer verliert, muss mit dem eigenen Körper bezahlen, mit hocherotischen Dienstleistungen. Was als harmloses Abenteuer beginnt, wird schnell zu einem Rausch aus Geheimnissen, Sinnlichkeit und Machtspielen. Die Aufgaben führen die beiden quer durch München, von Studentenpartys bis in geheime Clubs, von nächtlichen Villen bis zu Räumen, in denen Lust und Angst zu einem gefährlichen Gemisch werden. Während Sophie und Lena um Geld, Würde und Kontrolle kämpfen, erwachen in ihnen Gefühle füreinander, die sie nie zugelassen hätten, zärtlich, echt und grenzenlos. Als eine verborgene Organisation eingreift, geraten Sophie und Lena zwischen zwei Fronten: Die Betreiber des Spiels setzen sie unter Druck, mit Geld, mit Geheimnissen, mit Drohungen. Gleichzeitig wendet sich die Kriminalpolizei an sie und bittet die beiden Mädchen, Undercover weiterzuspielen, um die wahren Drahtzieher der App zu entlarven. Zwischen Angst und Versuchung, Wahrheit und Verrat müssen Sophie und Lena entscheiden, welchen Weg sie gehen, den der Freiheit oder den der Lust. Doch jede Entscheidung hat ihren Preis, und manchmal ist der größte Einsatz das eigene Herz. "The Challenge, Band 1" ist der Auftakt einer fesselnden Romanserie über Versuchung, Dominanz, Leidenschaft und Freiheit – modern, gefährlich, sinnlich. Ein Spiel um Macht, Kontrolle und Liebe, in einer Welt, in der nichts mehr privat ist.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 239

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Amelie Wild

Der Preis der Lust

The Challenge (Band 1)

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

Impressum neobooks

Prolog

Es begann immer gleich.

Ein schlichtes Icon, verborgen in einem Forum, das nur wenige fanden. Zwei Silhouetten, ineinander verschlungen, als würden sie sich gerade entdecken.

Darunter die Worte: The Challenge.

Kein Reklamebanner, keine Werbung, kein Lockruf. Nur ein leises Versprechen: Geld, sofort und ohne Fragen. Oder etwas anderes, etwas, das tiefer ging, körperlicher, gefährlicher.

Wer spielte, tat es nicht aus Langeweile!

Es waren jene, die mehr brauchten: Geld, Abenteuer, Mut, Flucht aus grauen Tagen.

Wer die Aufgaben bestand, spürte den Rausch, wenn eine Überweisung im gleichen Moment auf dem Konto blinkte. Wer scheiterte, zahlte anders. Mit sich selbst. Mit Nähe. Mit Lust.

Die Stadt wurde zur Bühne.

Straßen, Parks, U-Bahn-Schächte, Dachterrassen, überall warteten Prüfungen. Eine Stimme aus dem Unsichtbaren lenkte die Spieler, als wären sie Figuren in einem Stück, das für fremde Augen inszeniert wurde. Denn immer gab es Zuschauer. Wohlhabende, Neugierige, Unsichtbare, die jede Sekunde verfolgten, die den Atem anhielten, wenn jemand zögerte, und Beifall zahlten, wenn jemand über seine Grenzen ging.

Niemand wusste, wer das Spiel erschaffen hatte. Es gab keine Regeln außer jenen, die auf dem Bildschirm erschienen: Belohnung bei Erfolg. Strafe bei Versagen. Consent verpflichtend. Abbruch jederzeit möglich. Eine saubere Oberfläche, doch jeder, der spielte, ahnte: Sauber war hier nur der Anstrich.

Und trotzdem klickten sie. Immer wieder.

Denn im Versprechen des Spiels lag etwas, das die Teilnehmer süchtiger machte als nur das Geld; es war die Ahnung, endlich gesehen zu werden.

Dieser erste Teil der neuen Roman Serie ist die Geschichte von zwei jungen Frauen, die glaubten, das Spiel würde ihnen helfen, die hohe Miete einer Wohnung in München zu bezahlen.

Doch bald schon lernten sie:

In München leuchtet nachts mehr als nur die Straßenlaternen. Und wer einmal in die Challenge eintauchte, kam selten ohne Narben, oder ohne Sehnsucht, wieder heraus.

1

Montage hatten in der Herzogstraße 74 ein eigenes Geräusch. Es klang wie der Kühlschrank, der sich räusperte, das Parkett, das sich beschwerte, und die Straßenbahn an der Ecke, die einen langen, metallischen Seufzer in die Luft schrieb.

Die Wohnung im dritten Stock war klein und vollgestopft mit Leben: Bücher in Weinkistenregalen, Pflanzen auf Fensterbrettern, die mehr Optimismus als Sonne abbekamen, und zwei Schreibtische, die sich gegenseitig Platz absprachen.

Lena Wagner war zuerst wach. Sie stand im Flur, zog die Schnürsenkel ihrer Sneaker fest und betrachtete ihr Spiegelbild: Dunkelbraunes langes Haar, zu einem Pferdeschwanz gebunden, klare, wache Augen, die jede Müdigkeit überspielten, ein Körper, der durch regelmäßigen Sport schlank und athletisch war.

„Kaffee?“, rief Lena laut.

„Nur, wenn er sich von selbst einschenkt!“, kam es aus Sophies Zimmer, gefolgt von einem gedämpften Poltern, als hätte ein Stapel Zeitschriften versucht, über Nacht aufzustehen.

Lena lachte und schnippte den Smart-Lichtschalter an. Die Küche antwortete mit einem warmen, honigfarbenen Schimmer. Der Wasserkocher summte. Auf dem Kühlschrank klebte eine Postkarte: „Alles wird gut. Und wenn nicht, wird’s eine Geschichte.“ Daneben eine Einkaufsliste: Hafermilch, Pasta, Obst.

Sophie erschien in der Tür, ein übergroßer Pullover bis über die Oberschenkel, blondes Haar in einer halbherzigen Klammer. Ihre Wangen waren noch zerknittert vom Kissen, ihre Augen hell. Sie gähnte wie jemand, der das Morgenlicht nicht aus Prinzip mochte, aber seine Ehrlichkeit schätzte.

„Du siehst aus, als würdest du gleich einen Marathon laufen“, sagte Sophie und deutete auf Lenas Sneaker.

„Nur durch den Tag“, erwiderte Lena. „Ist anstrengend genug.“

Sophie kicherte, griff zur Tasse und roch am Kaffee, als sei er ein Gedicht. „Wenn Kaffee sprechen könnte, würde er mich duzen.“

„Er würde dich duzen und dir eine Mahnung schicken“, sagte Lena, warf ihr das Handy zu und öffnete die Banking-App auf ihrem eigenen. „Wir müssen heute Abend Zahlen sortieren.“

Sophie fing das Handy, blinzelte auf den Screen, zog die Stirn zusammen. „Ich hab’s gestern nicht mehr geschafft, die Stunden im Café einzutragen. Maxvorstadt war crazy voll. Zwei Amerikaner haben mich gefragt, ob der Englische Garten wirklich Engländer hat.“

„Hat er. Er hat dich“, sagte Lena trocken.

Sophie schnitt eine Tomate, deren Saft über den Holztisch lief wie rotes Konfetti. „Du meinst, ich bin importiert? Ich bin aus Niederbayern!“

„Niederbayern ist ein Geisteszustand.“

„Aha. Und Schwaben?“

„Schwaben ist eine Religion“, grinste Lena. „Ich schmiere uns Brote. Du checkst die Mails des BAföG.“

„Ich liebe es, wie du montags gute Laune in Excel-Tabellen stopfst.“

Sie aßen im Stehen, weil der Küchentisch wahlweise Schreibtisch, Gesellschaftsspielbrett, Poststelle oder Wäscheablage war. Durch das Fenster sah man den Innenhof und daran entlang eine Wäscheleine, die heute früh leise applaudierte. Auf dem Fensterbrett saß Sophies Basilikum, der aussah, als würde er innerlich um Wasser beten.

„Es ist kurz vor zwölf“, sagte Lena und stellte ihre Tasse ab. „Wir müssen los, wenn wir noch einen Sitzplatz ergattern wollen.“

„Ich nehme den Stehplatz meines Vertrauens“, erwiderte Sophie, schnappte sich ihren Rucksack und eine dünne, beigefarbene Jacke, die mehr Stil als Wärme versprach.

Im Flur klemmte die Wohnungstür immer an derselben Stelle. Lena stemmte die Schulter dagegen, Sophie zog von innen, die Tür machte das gewohnte, trockene Schnappgeräusch. Unten im Hausflur roch es nach Waschmittel und altem Holz. Das Treppenhaus hatte den Glamour einer Theaterkulisse, die schon zu viele Stücke gesehen hatte und trotzdem jeden Abend aufblühte.

Draußen war die Luft kühl und klar. Auf der Herzogstraße rollten Fahrräder, ein Lieferwagen blockierte die zweite Reihe, und ein Hund schlenderte an der Leine, als hätte er Zeit gemietet. Sie bogen in Richtung Hohenzollernstraße ab, die Sonnenflecken zwischen den Bäumen tanzten über die Gesichter. Lenas Schritt war zügig, Sophies eher ein Tanz im Kopf.

„Hast du schon die neue Minga.Live gesehen?“, fragte Sophie und deutete auf die projizierte Anzeige an der Haltestelle, die via AR-Kacheln zeigte, wie voll die U-Bahn-Wagen waren. „Wagen 3 ist leerer, weil da immer die Tür klemmt.“

„Ich liebe Technologie, wenn sie mir Platz zum Atmen verschafft“, sagte Lena.

Sie stiegen in die U3, fanden einen Stehplatz an der Tür, hielten sich an der Stange fest, die immer ein bisschen zu glatt war. Auf den Bildschirmen liefen Nachrichten, darunter eine Uni-Ankündigung, dass „LudwigNote“ ab sofort alle Vorlesungen transkribieren würde, inklusive Markierungen für „wichtige Stellen“.

Sophie rollte die Augen. „Wenn jetzt sogar die Notizen für mich fühlen, verpasse ich das Fühlen.“

„Du kannst ja trotzdem mitschreiben“, erwiderte Lena, aber sie klang nicht überzeugt. Sie liebte Ordnung, aber sie hasste künstliche Abkürzungen, die den Weg langweiliger machten.

Am Odeonsplatz war das Licht breiter, der Himmel wirkte wie frisch gewaschen. Vor dem LMU-Hauptgebäude standen Gruppen von Studierenden, die aussahen, als könnten sie jederzeit zu einer Demo oder in einen Buchclub abbiegen. Die Stufen waren voll von Rucksäcken, Thermobechern, Gesichtern. Sie gingen durch die schweren Türen, die sich so anfühlten, als hätte man sie nicht gebaut, sondern gezähmt.

Die Vorlesung in Kommunikationswissenschaft gab sich modern: eine Professorin mit weinrotem Blazer, grauem Dutt und einer Stimme, die Butter in Argumente verwandelte. An der Wand prangte ein Smartboard, das Diagramme freihändig zeichnete, als hätte es einen eigenen Puls.

Sophie setzte sich in die dritte Reihe, Lena daneben, obwohl ihr Kopf schon bei Statik und Modellen war. Die Professorin sprach über „Narrative in der digitalen Öffentlichkeit“, über „Selbstinszenierung als Überlebensstrategie“, über Algorithmen, die Wünsche schätzten wie Wetter.

Sophie schrieb mit, nicht was gesagt wurde, sondern was in ihr nachhallte: „Wer erzählt, regiert das Gedächtnis.“

Als die Vorlesung endete, strömten sie wie eine geordnete Flut auf den Hof. Die Luft roch nach Kaffee und Papier. Sophie lehnte sich gegen eine Säule.

„Manchmal denke ich, ich bin ein offenes Buch, aber in einer Bibliothek ohne Beschriftung.“

„Dann ordnen wir dich in die Abteilung ‚Herz mit WLAN‘ ein“, sagte Lena und stupste sie mit der Schulter. „Komm. Türkenstraße. Matteo macht heute Cannoli, sagt die Gerüchte-App.“

Das Café lag eine Ecke weiter, mit großen Fenstern, die die Straße wie einen Film streckten. Drinnen mischten sich das Schnarren der Mühle, das Zischen der Dampfdüse und der Duft nach warmem Zucker.

Matteo, der Barista, trug ein T-Shirt mit der Aufschrift „Espresso first, decisions later“ und hatte diese Art von Lächeln, die selbst montags ein Wochenende versprach.

„Zwei Cappuccino?“, fragte er, ohne hinzusehen.

„Du liest Gedanken“, sagte Sophie.

„Ich lese Gesichter“, antwortete er. „Und Lenas ‚Ich-hab-keine-Zeit-aber-Kaffee-ist-Politik‘-Blick.“

Sie lachten, setzten sich an einen kleinen runden Tisch, dessen Oberfläche Tassenränder sammelte wie ein Tagebuch. Am Nachbartisch diskutierten zwei Architektur Studenten über Fassaden, als wären sie Charaktere.

„Warum arbeiten wir eigentlich nicht hier?“, fragte Sophie, als die Milchschaumherzen in den Tassen still wurden.

„Weil du dann jeden Satz in Latte-Art schreiben würdest“, sagte Lena. „Und ich Fassaden kritisieren müsste, die aus Kuchen sind.“

Sophie grinste, wurde dann still. „Ich habe heute Morgen wieder die Miete im Kopf jongliert. Sie fällt immer runter.“

„Ich weiß“, sagte Lena leise. „Heute Abend rechnen wir. Und wir schreiben Mails. Und ich ruf die Bar an, ob ich noch zwei Schichten extra bekomme.“

„Ich kann wieder als Hostess arbeiten. Messegelände ist zwar nervig, aber…“

„Du hasst es, im Blazer zu lächeln.“

„Ich lächle gern. Ich hasse nur Blazer“, gab Sophie zurück. „Vielleicht sollten wir was erfinden. Eine App, die – ich weiß nicht – Menschen ihre Stimmung mixt. Heute zwei Tropfen Mut, drei Spritzer Gelassenheit.“

„Das heißt Aperol Spritz, Sophie.“

Sie hielten die Tassen in den Händen wie Taschenwärmer. Durch das Fenster zog die Stadt vorbei; Gesichter, Fahrräder, E-Scooter, ein Hund mit einem Halstuch, auf dem „Karl“ stand. Eine Benachrichtigung ploppte auf Lenas Handy auf: Strom Rechnung.

Sophie sah es, sagte nichts, biss in die Cannoli, die so knusprig war, dass man kurz an Schnee dachte, obwohl Herbst war.

Zurück in der U-Bahn war der Wagen voller, die Menschen trugen den Tag wie Jacken, die ihnen nicht ganz passten. An der Münchner Freiheit stieg eine Frau mit einem riesigen Strauß Eukalyptus zu. Es roch plötzlich wie in einem Spa.

„Wenn ich groß bin, kaufe ich mir Geruch“, murmelte Sophie.

„Wenn du groß bist, kaufst du die Stadt“, sagte Lena. „Aber fang mit der Miete an.“

Sie stiegen aus, liefen an einem Kiosk vorbei, der Klimakarten, Kaugummi und Hoffnungen verkaufte, und bogen wieder in die Herzogstraße. Das Altbauportal klemmte wie immer. Im Treppenhaus begegnete ihnen Herr Krause aus dem ersten Stock, der aussah, als trüge er seit 1992 denselben Pullover und dieselbe Skepsis.

„Es wurden Pakete abgegeben“, sagte er, als hätte er den Beweis, dass die Welt zu viel bestellte.

„Danke, Herr Krause“, sagte Sophie freundlich. „Wir bestellen nur, was wir lieben.“

„Dann lieben sie Kartons“, brummte er und verschwand in einer Wolke aus Mottenkugeln.

Oben in der Wohnung lag ein Brief auf dem Fußabtreter. Kein Paket. Ein Umschlag aus festem Papier, der aussah wie schlechte Laune in A5. Auf der Rückseite stand der Name der Hausverwaltung. Lenas Nacken wurde still.

Sie öffnete vorsichtig, als würde der Umschlag bei falscher Bewegung schreien. Ein Schreiben, sachlich, korrekt, bedauernd: „Wir möchten Sie daran erinnern, dass …“ Ein Zahlungsziel, eine Summe, eine freundliche Drohung. In ihrem Bauch klappte etwas zu.

Sophie las über die Schulter mit. „Okay“, sagte sie schnell. „Okay. Kein Drama. Wir kriegen das hin.“

„Ich weiß“, antwortete Lena, aber es klang nicht überzeugend. Sie legte den Brief auf den Küchentisch, strich ihn glatt, als sei er ein zerknittertes Hemd.

Der Rest des Nachmittags zersplitterte in Szenen: Lenas Architekturmodelle, die wie kleine Städte auf dem Schreibtisch standen, Sophies Notizen, die wie Konfetti auf den Boden fielen, ein Telefonat mit der Bar („Zwei Zusatzschichten gehen“), eine Mail an das BAföG-Amt („freundliche Erinnerung bezüglich…“), eine Liste mit „Schnelljobs in München“, die von Hundeausführen bis Dateneingabe alles versprach.

„Mir schwirrt schon der Kopf“, sagte Sophie. „Ich gehe kurz duschen!“

„Ich werde nochmals die heutige Vorlesung nacharbeiten“, antwortete Lena nickend.

Sophie holte aus ihrem Zimmer frische Unterwäsche, ein Shirt und ein sauberes Handtuch.

Sie betrat das kleine, aber funktionable Badezimmer. Weiße Fliesen, leicht vergilbte Fugen, eine Dusche mit Vorhang, der immer ein bisschen am Körper klebt. Auf dem Waschbecken standen zwei Zahnputzbecher, rosa für Sophie, schwarz für Lena. Dazwischen stapelten sich Shampoo, Duschgel und Cremes. An der inneren Fläche der Badezimmertür war ein bodentiefer Spiegel angebracht.

Mit einer fließenden Bewegung zog sich Sophie nackt aus. Sie drehte ihren Körper vor dem Spiegel, betrachtete sich ausgiebig. Vor ihr stand eine 22-jährige junge Frau, die aus einem kleinen Dorf bei Landshut in Niederbayern den Weg nach München gewagt hatte. Ihre langen, blonden Haare fielen leicht gewellt auf den Rücken. Sie schob eine Strähne zur Seite, betrachtete das Spiel von Glanz und Schatten darin, und für einen Moment wirkte es, als würde sie ihr eigenes Spiegelbild nicht erkennen, sondern neu entdecken.

Ihre Gesichtszüge waren zart, fast feingeschnitten, das Kinn schmal, die Lippen voll, und selbst dann, wenn sie nicht lächelte, lag dort ein unausgesprochenes Versprechen von Heiterkeit. Ein Hauch von Wärme, das jederzeit aufflackern konnte.

Am längsten blieben ihre Augen an sich selbst hängen. Hellblaue Pupillen, klar wie ein Winterhimmel, zugleich mit etwas Kindlichem, das sie manchmal jünger wirken ließ, als sie war. Und doch lag darin ein Funkeln, lebendig, neugierig, ansteckend, als würden diese Augen die Welt nicht nur sehen, sondern ihr einen kleinen, frechen Vorschlag machen.

Kurz blieben ihre Blicke an dem kleinen Muttermal hängen, dass sich knapp unterhalb der linken Schulter befand; doch dann wanderten ihre Augen tiefer, betrachteten die festen, faustgroßen Brüste, mit den ausgeprägten, langen Nippeln. Dann senkte sie die Blicke weiter ab, war mit dem flachen Bauch zufrieden, betrachtete anschließend das naturblonde Schamhaardreieck auf dem Venushügel.

Sie nickte sich selbst zu, sachlich, fast prüfend, und trat dann unter die Dusche. Das Wasser war heiß, fast brennend, genau, wie sie es mochte. Es rann über ihren Rücken, zeichnete die Linie ihrer Wirbelsäule nach, tropfte über ihre Hüften, ihre Schenkel, ihre Brust.

Sie schloss die Augen, und mit einem leisen Atemzug öffnete sich in ihr eine andere Welt. Es waren die Erinnerungen an die Zeit in Niederbayern, an ihre ersten sexuellen Erfahrungen, als sie von den Jungs aus der Nachbarschaft unterworfen, benutzt und missbraucht wurde. Sie hatte es auf dem harten Weg gelernt, die Befehle und Wünsche von Männern ohne Widerspruch auszuführen.

Ohne die Augen zu öffnen, streckte Sophie die Hand aus und pumpte ein paar große Spritzer Duschgel aus der Flasche. Sie drehte sich leicht herum, so dass das Wasser nur ihren Rücken hinunterspülte, und begann, die Lotion auf die Vorderseite ihres Körpers aufzuschäumen. Ihre zarten Hände glitten über ihre glatte Haut. Sie rieb das Duschgel über ihre athletisch durchtrainierten Bauchmuskeln, über ihre Seiten, dann fuhr sie mit beiden Händen über ihre Brust und die erigierten Nippel.

Nachdem sie die Bewegungen einige Male wiederholt hatte, war ihr nackter Körper vollständig mit dem Duschgel bedeckt. Sie begann, sich zu säubern. Als sie mit einer Hand von ihren Beinen, über ihren Bauch, zu ihren Brüsten strich, hielt sie kurz inne und umfasste das volle Fleisch.

Sie umgriff mir den Kuppen des Daumens und des Mittelfingers die rechte erigierte Brustwarze; quetschte, drehte und zog an der Knospe, bis es schmerzte.

Gleichzeitig sah sie wieder die Bilder aus ihrer Vergangenheit vor ihrem geistigen Auge, wie die Nachbarsjungen ihr Befehle erteilten, wie sie gehorsam alles tat, was von ihr verlangt wurde. Diese Form der Unterwerfung erzeugte eine sofortige Erregung in ihrem Körper. Sie hatte nie gelernt, dass Sexualität auch durch Liebe und Vertrauen entstehen konnte.

Sie atmete tief ein und fuhr mit ihrer seifigen Hand über durch das blonde Schamhaardreieck, dann tiefer zu ihrem glattrasierten Schlitz. Sofort lief ein warmes Kribbeln durch ihren Unterleib. Langsam schob sie die Kuppe ihres Mittelfingers zwischen die Schamlippen.

Die Bilder vor ihrem geistigen Auge veränderten sich!

Sie kniete auf dem Boden, wurde von dem Nachbarn hart in den Arsch gefickt, während sie den Penis eines anderen Jungen in den Hals geschoben bekam. Sie würgte, begann aber unverzüglich an der harten Stange zu lutschten.

Hastig riss sie den Duschkopf aus der Halterung und führte ihn nach unten, wobei sie den heißen Wasserstrahl direkt auf ihre Muschi richtete. Sie atmete tief ein und schob zwei Finger in ihre Muschi. Dabei öffnete sie leicht ihre Schamlippen und ließ das dampfende Wasser in ihre Fotze fließen.

Sie erzitterte, und begann sich selbst mit den beiden Fingern zu ficken.

Rein und raus. Etwas tiefer. Ja, nur ein bisschen tiefer ... ich brauche es … so dringend … rein und raus ... noch tiefer … die Finger drehen und anwinkeln … tiefer ... ja, einfach da ...

Ihre Finger bearbeiteten die inneren Scheidenwände, während der Wasserstrahl weiterhin einen konstanten Druck auf ihre Schamlippen ausübte.

Rein und raus ... rein und raus ... tiefer ...

„Bitte … oh, ah …“, stöhnte Sophie und hoffte, dass Lena die Geräusche nicht hörte.

Ihr Orgasmus baute sich auf und sie konnte ihn jetzt nicht mehr stoppen. Er packte sie und füllte sie auf, bereit, mit voller Wucht herauszubrechen. Sie weinte, keuchte und saugte die winzige Menge an Luft ein, die sie bekommen konnte.

Sie explodierte innerlich in einer Welle nach der anderen, von heißen, dann von kalten und dann von elektrischen Schockwellen. Sie wand sich und zitterte, ihr Körper war von einem gewaltigen Anfall betroffen. Sterne füllten ihre Augen, ihr Verstand konnte nicht denken, sie konnte nicht atmen. Sie kam wieder und wieder, ihre Fotze brannte in einer Vielzahl heftiger Empfindungen.

Es dauerte einige Sekunden, bis sich ihr Körper von dem heftigen Orgasmus wieder erholt hatte.

Als sie aus der Dusche kam, lag die Lichterkette im Zimmer wie ein flacher Sternenhimmel über dem Spiegel. Sie wickelte ein Handtuch um den Körper, ging barfuß über das kühle Parkett und blickte in das kleine Wohnzimmer.

Lena saß über den Plänen, hielt einen Bleistift zwischen den Fingern, als sei er ein Metronom. Sie warf einen Blick auf Sophie, stand auf und sagte: „Ich mach Nudeln. Unsere Budget-Version.“

„Mit Soße aus Hoffnung?“, antwortete Sophie.

„Mit Soße aus allem, was noch da ist.“

„Ich ziehe mir kurz etwas an, dann helfe ich dir.“

Sie kochten gemeinsam und aßen am Couchtisch. Die Nudeln waren besser, als man aus ihnen machte, der Parmesan war knapp, aber pointiert. Sie sprachen über alles, was größer war als der Brief: die Stadt, die in der Dämmerung glitzerte, als hätte sie einen geheimen Schmuck angelegt; die Träume, die sich benahmen wie störrische Haustiere; und die kleinen Siege, eine gute Note, ein Lächeln von Matteo, eine Mail, in der „Vielen Dank für Ihre Geduld“ stand.

Später, als die Teller gespült, die Tassen neu gefüllt und die Fenster einen Spalt geöffnet waren, saßen sie nebeneinander auf dem Sofa. Die Geräusche des Hauses wurden leiser, als würden sie in die Kissen kriechen. Sophie scrollte auf ihrem Handy, ohne zu wissen, wonach sie suchte. Lenas Kopf lehnte an der Sofalehne, der Blick war auf irgendetwas gerichtet, das nur sie sehen konnte: ein Gebäude, das noch nicht da war, aber bereits einen Schatten warf.

„Wenn wir jetzt eine Lösung bestellen könnten“, sagte Sophie nach einer Weile, „was würdest du in den Warenkorb legen?“

„Zwei Monate Ruhe“, sagte Lena. „Und eine Quittung, die sagt, es ist alles bezahlt!“

„Ich würde Mut in Großpackung nehmen.“

„Hoffnung Pro als App für das Handy“, sagte Lena und lächelte.

Sophie lachte leise, wurde wieder still. „Ich hab heute etwas gesehen. In einem Forum. Nichts, worauf man stolz ist, wenn man es sucht. Aber ich hab’s nicht gesucht. Es war… da.“

Lena drehte den Kopf. „Was denn?“

Sophie zögerte. „Es sah aus wie ein Spiel.“

„Klingt nach Zeitverschwendung.“

„Nicht so. Eher wie… Aufgaben. In der Stadt. Man bekommt Geld, wenn man es schafft. Sofort. Wenn nicht…“ Sie sah in ihre Tasse. „Man zahlt anders.“

Lena hob eine Augenbraue. „Wie meinst du das?“

„Mit sich. Mit Nähe. Es gibt Regeln. Einverständnis. Stoppknopf. Alles sauber designte Worte.“ Sie zuckte mit der Schulter. „Ich will’s dir nicht anpreisen. Ich will nur sagen, ich hab’s gesehen.“

„Und du denkst dabei an uns?“

„Ich denke an unsere Miete, an unseren leeren Kühlschrank, an unsere finanziellen Probleme! Und daran, wie sich mein Brustkorb anfühlt, wenn ich an Ende-des-Monats denke.“

Lena schwieg. Hinter der Stille stand nicht Ablehnung, sondern ein vorsichtiges Sortieren. Sie stand auf, ging zum Fenster, sah in den Innenhof, in dem ein Fahrrad stand, das aussah, als hätte es vergessen, wie man fährt.

„Ich will keine Dummheiten machen“, sagte sie schließlich. „Aber ich will auch nicht, dass die Angst unser drittes WG-Mitglied ist.“

„Ich will nur, dass wir Optionen haben“, flüsterte Sophie. „Und dass wir selbst entscheiden.“

„Selbst entscheiden klingt nach einem guten Vertrag“, antwortete Lena. „Aber gute Verträge haben oft Fußnoten.“

„Wir können ja morgen die Fußnoten lesen.“

Lena nickte, langsam. „Morgen lesen wir die Fußnoten.“

Sie räumten ab, löschten das Licht, ließen die Fenster einen Spalt offen. Im Wohnzimmer roch es nach Nudeln, nach Seife, nach einem Hauch Basilikum, der sich tapfer gab. Der Kühlschrank seufzte, als würde er ihnen Glück wünschen.

In ihren Zimmern breitete die Nacht sich aus wie ein ruhiges Tuch.

Sophie lag auf dem Bett, sah die Lichterkette im Spiegel und das schwache Leuchten ihres Handys auf dem Nachttisch.

Lena lag auf dem Rücken, zählte im Kopf keine Schafe, sondern Rechnungen, beschloss dann, damit aufzuhören. Irgendwo draußen schob die Straßenbahn einen letzten Gedanken durch die Schienen.

München war still, aber nicht leer. In der Stadt lagen Fragen unter Kissen, in Postfächern, in Herzen. Und eine App, irgendwo da draußen, wartete darauf, dass jemand auf „Erkunde“ tippte.

2

Der Morgen in der Herzogstraße 74 roch nach Toast, warmem Staub und der Idee eines Neubeginns. Die Sonne schob sich durch das schmale Küchenfenster und malte helle Rechtecke auf die Arbeitsplatte, auf denen Krümel wie kleine Sterne funkelten. Der Kühlschrank brummte selbstzufrieden, als hätte er in der Nacht heimlich Energie gespart.

Lena stand am Herd, die Haare zu einem schlichten Knoten gebunden, und jonglierte Pfanne, Toaster und einen kleinen Topf mit Hafermilch, der drohte, überzukochen.

Sophie, barfuß, mit einem glockenweichen T-Shirt und einer weiten Jogginghose, balancierte zwei Tassen zur Spüle, als führe sie eine langsame Choreografie auf.

„Dienstag, aber im freundlichen Modus“, stellte Sophie fest. „Die Sonne hat ’nen Filter.“

„HDR fürs echte Leben“, sagte Lena und zog den Topf vom Herd. „Wir lesen heute die Fußnoten. Keine Ausreden.“

Sophie nickte, legte ihr Handy auf den Küchentisch, als legte sie eine Wahrheit ab. Das Icon lag da: zwei Silhouetten, ineinander verschränkt, unschuldig-sauber, die Farben weich wie ein guter Vorsatz.

Darunter stand: The Challenge.

Sie aßen im Stehen. Ein „wir schaffen das“ lag in der Luft, ohne dass jemand es aussprach. Im Wohnzimmer schaltete sich automatisch die smarte Leiste unter dem Weinkistenregal ein; das Licht wanderte warm über Bücherrücken und Fotografien, die vom Ammersee und von Innenhöfen erzählten, in denen die Stadt anders atmete.

„Okay“, sagte Lena und setzte sich an den Couchtisch. „Aufmachen.“

Sophie entsperrte das Handy, öffnete die App. Das Interface war elegant wie eine gute Uhr: ruhige Farben, klare Typo, nichts, was schrie. Ein Button, der nicht drängte. Erkunde ohne Anmeldung.

„Wir sind nicht zum Erkunden hier“, sagte Lena. „Wir lesen.“

Sophie tippte Infos & Regeln. Ein dünnes Menü fuhr von links ins Bild, als hätte jemand eine Papiertür aufgeschoben.

Spielprinzip:

Zwei Spieler bilden ein Team. Aufgaben erscheinen zeitgebunden. Belohnung bei Erfolg sofort. Abbruch jederzeit möglich. Grenzen sind konfigurierbar. Consent ist verpflichtend. Bei Versagen kann eine Ausgleichsleistung gewählt werden.

Consent-Profil:

Stellt eure Grenzen auf einem Schieberegler-System ein: körperlich (sportlich/akrobatisch), sozial (mutige Gespräche), kreativ (Performance/Aktion), Sexualität/Intimität (Berührung/Nähe). Ihr könnt jede Kategorie deaktivieren oder auf „nur nach expliziter Zustimmung“ setzen. Ein Stoppknopf beendet jede Aufgabe sofort.

Transparenz:

Ihr entscheidet, ob Aufgaben anonym oder mit Publikum laufen. Ihr könnt Zuschauer komplett ausschalten, euch auf moderierte Zuschauer beschränken oder gezielte Privataufgaben annehmen. Kein Zwang. Kein Druck. Kein Verstecken. Alles wird protokolliert und ist abrufbar.

Sicherheit:

24/7-Support, GPS-basierte Sicherheitszonen, Eskalationsstufen (von sanftem Abbruch bis Notruf).

„Klingt fast zu glatt“, murmelte Lena.

„Oder nach Menschen, die gelernt haben, woran Spiele scheitern“, sagte Sophie und scrollte weiter.

Auszahlungen:

Wallet-Verknüpfung, sofortige Transfers, wahlweise auf euer Konto oder auf Prepaid. Transparente Gebühren (0,0 % bei Erstteilnahme, danach minimal).

Ausgleichsleistungen:

Wenn ihr scheitert, könnt ihr aus eurem Consent-Profil wählen: sozial (z. B. öffentliches Geständnis eines peinlichen Moments), kreativ (z. B. improvisierter Song an einem Ort), körperlich (z. B. Extra-Workout), Sexualität/Intimität (z. B. zärtliche Nähe im Privaten, nur mit eurer Bestätigung).

Sophie und Lena sahen sich an. Für einen Moment stand zwischen ihnen die ganze Wohnung still.

„Wir stellen Sexualität/Intimität auf: nur nach expliziter Zustimmung!“, sagte Lena.

„Und sozialen Kram nehmen wir mit Humor“, erwiderte Sophie. „Kreativ?“

„Geht. Körperlich?“ Lena grinste. „Du bist Yoga. Ich bin Laufen. Wir überleben.“

Sophie tippte in die Schieberegler. Farbbalken wanderten, als würden sie atmen. Dann kam die Team-Erstellung.

Teamname? blinkte auf.

„Herzog74“, schlug Sophie vor.

„Klingt wie eine Modemarke. Ich mag’s.“ Lena nickte. „Oder: Herz mit WLAN?“

Sophie lachte. „Das heben wir uns für unsere App-Idee auf. Herzog74.“

Sie gaben die Namen ein, bestätigten Alter (beide deutlich über 21), klickten durch die Sicherheitshinweise, hinterlegten eine Wallet. Ein kleiner Haken erschien neben Verifiziert.

„Wir sind drin!“, sagte Sophie leise, als hätte sie das Wort in die Tasse flüstern müssen, damit es gültig war.

Ein sanfter Vibrationston lief durch das Holz des Couchtischs. Dann erschien auf dem Bildschirm:

Willkommen, Herzog74. Möchtet ihr eine Nullrunde spielen?

Darunter: Level 0 – Kalibrierung.

Keine Strafen. Kleine Belohnung.

Stadt: München.

„Sicherheitsgurt für Anfänger“, meinte Lena. „Nehmen wir.“

Sie tippten. Drei Aufgaben erschienen, jede mit einem kleinen Kreis, der sich als Timer füllen würde, sobald man Start drückte.

Sound der Stadt: Nehmt an der Münchner Freiheit 10 Sekunden lang ein „signifikantes Geräusch“ auf und markiert es.

Wort im Stein: Findet am Hofgarten den Begriff „Freiheit“ in einer Inschrift, fotografiert ihn, markiert Koordinaten.

Kleiner Mut: Sprecht am Marienplatz einen Fremden freundlich an und lobt etwas Ehrliches an ihm. Keine Aufzeichnung nötig, nur kurzer Selbstbericht.

„Das ist ja fast schön“, sagte Sophie. „Noch kein Geld, nur… wir.“

„Noch kein Geld, aber wir fangen an, uns zu zeigen“, erwiderte Lena. „Los.“

Sie machten sich fertig.

Lena schlüpfte in ihre Lederjacke, steckte einen dünnen Akku in die Innentasche, als würde sie ein Geheimnis einpacken.

Sophie band ihre Haare zusammen, ließ eine Strähne frei, die sowieso wieder ausreißen würde. In der Küche streifte sie an der Kante des Tisches vorbei, und die Lichterkette am Spiegel in ihrem Zimmer blinkte kurz auf, als wollte sie winken.

Die Stadt war klar. Ein kühler Luftzug lief die Leopoldstraße hinab, die Bäume raschelten wie unentschlossene Zuschauer. An der Münchner Freiheit war die Welt ein Knoten aus Trambahnen, Bussen, Stimmen. Straßenmusiker testeten Akkorde, ein Kind zählte Tauben, jemand lachte mit vollem Mund.

Sophie hielt das Handy hoch. „Bereit?“

„Start“, sagte Lena.

Der Timer sprang an. Sophie schloss die Augen und hielt das Mikro Richtung Platz. Zuerst rauschte alles durcheinander, dann kristallisierte sich ein Klang heraus: das gleichmäßige Rattern einer Straßenbahn, die über eine Weiche lief, ein metallisches Klingeln, ein Scharren. Es klang, als ob die Stadt ein großes Uhrwerk war, das gut gelaunt tickte.

„Zehn Sekunden“, sagte Lena.

Die App vibrierte und lobte minimalistisch: Signifikant. Gut gehört.

„Danke, du Laptop mit Herz“, murmelte Sophie und verpackte das Handy.

Sie gingen Richtung Hofgarten. Der Weg führte an Schaufenstern vorbei, in denen Herbstmäntel aussahen wie Versprechungen auf Kredit. Auf dem Platz vor der Oper standen Touristengruppen, die aussahen, als hätten sie alle denselben Stadtplan ausgedruckt. Der Hofgarten empfing sie mit Kies, der unter Schuhsohlen sang, und einem Licht, das durch die Arkaden wie durch Rippen floss.

„Freiheit“, sagte Lena und betrachtete die Inschriften. „Hätte ich jetzt gern auf dem Konto.“

„Zum Mitnehmen oder hier essen?“ Sophie streifte mit Blicken über die Steinflächen und fand das Wort in einer Tafel, die den Blick der Stadt nach außen erklärte. Sie knipste ein Foto, zoomte auf die Buchstaben, die alt und stoisch wirkten, und ließ die App die Koordinaten setzen.

Erkannt, meldete der Bildschirm. Ein kleiner, zufriedener Haken.

„Noch der Marienplatz“, sagte Lena. „Kleiner Mut.“

„Kleiner? Ich bin groß in Komplimenten“, erklärte Sophie, aber ihre Stimme klang so, als probiere sie das noch.

Die S-Bahn unter ihnen atmete, als hätte jemand einen riesigen Blasebalg angesetzt. Auf dem Marienplatz stand die Welt in Postkartenpose, das Rathaus thronte, die Figuren der Uhr warteten auf ihren Auftritt, und irgendwo roch es nach Zimt, obwohl es noch nicht Advent war.

„Wen lobst du?“, fragte Lena.

Sophie ließ den Blick schweifen. Ein Mann Mitte fünfzig stand am Rand und beobachtete zwei Fahrräder, die sich lässig zwischen den Menschen hindurchschlängelten. Er trug eine alte, gut gepflegte Lederjacke, die Hände in den Taschen, die Augen freundlich.

Sophie ging hin.

„Entschuldigen Sie“, sagte sie. „Das ist eine schöne Jacke. Sie steht Ihnen. Und Sie sehen aus, als hätten Sie Geschichten, in denen man sich wohlfühlen kann.“

Der Mann sah überrascht aus, dann schmolz etwas in seinen Zügen zu einem Lächeln. „Das ist das Netteste, was mir seit Wochen passiert ist“, sagte er. „Danke. Sie haben gerade meinen Tag repariert.“