Der Duft einer Frau - Amelie Wild - E-Book

Der Duft einer Frau E-Book

Amelie Wild

0,0
3,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Ein neuer Fall für Sabrina Lenz, der unkonventionellen Privatdetektivin mit einem scharfen Blick für das Verborgene und Verführerische. Als die exzentrische Operndiva Clara Bellmont die Privatdetektivin Sabrina Lenz beauftragte, den berühmten Parfümeur Jean-Noël Moreaux aufzuspüren, begann eine Reise ins Herz der Verführung. Ein verschwundener Mann, eine mysteriöse Orchidee, und ein Duft, der mehr konnte als nur betören. Im Schatten alter Villen, versteckter Gewächshäuser und opulenter Maskenbälle stieß Sabrina auf ein gefährliches Netz aus Begehren, Gier und weiblicher Dominanz. Und je tiefer sie ermittelte, desto tiefer versank sie selbst, in körperlichen Abgründen, in heimlichen Begegnungen hinter Vorhängen, in Händen, Blicken, Berührungen, die Spuren hinterließen. Verführerische Frauen kreuzten ihren Weg: die geheimnisvolle Valentina mit ihren dunklen Augen und ihrer weichen Haut; die dominante Künstlerin Dana, die sie unterwarf und berauschte; die Diva Clara, schön, klug und tödlich kontrolliert. Zwischen Seide, Kerzenlicht und dem betörenden Hauch der "Orchidée Noire" verlor Sabrina zunehmend die Kontrolle, bis sie schließlich auf den Parfümeur stieß: lebendig, geständig, gebrochen. Eingesperrt von der Frau, die alles wusste. Doch Wahrheit allein reichte nicht, nicht in einer Welt, in der Duft zur Droge wurde und Verlangen zur Falle. Und während Sabrina tiefer sank, als es ein Fall je erlauben dürfte, stellte sie sich die Frage, die alles veränderte: Wie nah darf man der Lust kommen, bevor sie zur Waffe wird? Lassen Sie sich in die wundervolle Welt des Sex & Crime mit atemberaubender Action entführen, voller Spannung und unerwarteten Wendungen erzählt. Ein Buch, das durch gleichgeschlechtliche Intimitäten, Tiefgang und wahre Liebe hervorsticht, das schriftstellerische Qualität mit schärfster Erotik verbindet. Alle handelnden Personen sind bereits volljährig. Aber Vorsicht! Erotikszenen werden nicht verniedlicht, sondern authentisch dargestellt.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 191

Veröffentlichungsjahr: 2026

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Amelie Wild

Der Duft einer Frau

Ein Fall für Sabrina Lenz (Band 3)

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

Epilog

Impressum neobooks

Prolog

Es heißt, männliche Detektive greifen unter Druck gern zur Flasche oder zu Tabletten, um das Gewicht ihrer Fälle, das Blut auf der Straße oder die Dunkelheit in den Akten wenigstens für einen Moment zu betäuben.

Frauen, so behauptet man, wären stärker. Oder diskreter. Aber die Wahrheit ist oft komplexer, und viel intimer.

Denn manche weibliche Ermittlerinnen flüchten nicht in Alkohol, sondern in etwas weitaus Gefährlicheres: in Leidenschaft. In Lust. In eine Form der Hingabe, die ebenso berauschend wie zerstörerisch sein kann.

Ich weiß das, weil ich eine von ihnen bin.

Ich bin Sabrina Lenz. Zweiunddreißig. Privatdetektivin. Und ich formuliere es ehrlich: ich bin eine selbstdiagnostizierte lesbische Nymphomanin.

Sex ist meine Droge.

Nicht der flüchtige, flache Akt, sondern die hemmungslose, rauschhafte Verschmelzung von Körpern, Düften, Stimmen, Haut. Leidenschaft, roh und unzensiert.

Meine sexuelle Orientierung entdeckte ich früh, in den verschwommenen Sommernächten meiner Schulzeit, als ich mit meiner besten Freundin mehr als nur Hausaufgaben teilte.

Der Duft ihrer Haut, der Geschmack weiblicher Lust auf meiner Zunge, das war keine Phase. Das war Erwachen.

Seitdem weiß ich: Wenn ich den Atem einer Frau spüre, werde ich gefährlich weich. Und hellwach.

In dieser Romanreihe werde ich mehr erzählen, von den Anfängen, den Abgründen, den süßen Kontrollverlusten. Und davon, was es heißt, Begehren und Beruf zu balancieren, wenn beides heiß in den Adern lodert.

Aber vorerst: eine kurze Vorstellung.

Ich heiße also Sabrina. Lenz. Ich bin nicht überirdisch schön, auch wenn ich manchmal so tue. Schulterlanges, dunkelbraunes Haar. Grüne Augen. 168 Zentimeter Kampfgröße. Kleidergröße 36, meist Jeans, manchmal Lippenstift. Kein Schmuck, kein Tamtam.

Ich falle nicht auf. Und das ist gut so. Denn wer nicht auffällt, hört mehr, sieht mehr, lebt gefährlicher.

Ich arbeite in München, mein Büro liegt in Schwabing. Es ist klein, chaotisch, charmant, so wie das Leben.

An meiner Seite: Mila Novak, meine kluge, toughe Sekretärin. Außerdem zwei freiberufliche Mitarbeiter, die ich je nach Bedarf hinzuziehe. Wir arbeiten diskret, gründlich und erfolgreich. Seit über fünf Jahren.

Aber hinter jedem Fall verbirgt sich eine andere Wahrheit.

Und manchmal ist der gefährlichste Ort nicht ein Tatort.

Sondern das eigene Bett.

1

Es war eine dieser Nächte, in denen die Stadt atmete, als wäre sie lebendig, heiß, duftend, undurchsichtig.

Über Nymphenburg lag der Himmel wie ein schwarzer Samtvorhang, einige Kerzen erhellten die Terrasse der vornehmen Villa.

Ein Mann schritt nervös auf und ab. Sein Gesicht glänzte vom Schweiß, obwohl er ruhig wirkte. Jean-Noël Moreaux. Der Parfümeur. Der Duftschöpfer, der über Nasen regierte wie andere über Herzen. In seiner rechten Hand hielt er ein halb geleertes Glas Rotwein. In der linken Hand befand sich ein Fläschchen, zierlich, schwer, verschlossen mit schwarzem Wachs. Darin schimmerte eine Flüssigkeit wie flüssiges Gold.

Auf einem eleganten Stuhl saß eine attraktive Frau, deren langes, schwarzes Haar im Schein der Kerzen glänzten. Das enganliegende seidene Kleid war kaum mehr als ein Versprechen, ihre Haut schimmerte im diffusen Licht. Der Geruch um sie herum, süß, wild, gefährlich, war fast greifbar.

„Hast du Elisabeth getötet?“, fragte sie leise, ohne sich zu rühren.

„Ach, Valentina, was soll die Frage? Das hier ist größer als das Leben eines Menschen!“ Er präsentierte ihr das Fläschchen, als wäre es der heilige Gral.

Valentina erhob sich, trat dicht vor den Mann, bis ihre Lippen beinahe seine berührten. Ihre Finger glitten über seinen Nacken, als wollte sie ihn gleichzeitig beruhigen und prüfen.

Dann küsste sie ihn.

Zuerst vorsichtig. Dann tiefer. Leidenschaftlich. Ihr Körper schmiegte sich an seinen, ihr Atem wurde schneller.

Der Parfümeur trat an den Tisch, stellte das Fläschchen und das Glas Rotwein ab und drehte sich wieder herum. Er streifte seine Jacke ab und warf sie auf den Boden.

„Jetzt zieh dich aus! Ich will deinen Körper betrachten und benutzen!“

Valentina lächelte, nicht mit dem Mund allein, sondern mit dem ganzen Körper. Es war ein Lächeln, das flüsterte, nicht sprach. Ihre Bewegungen wirkten wie ein fließender Tanz, als wäre sie selbst Musik. Jeder Schritt kontrolliert, jedes Heben der Hand ein Versprechen.

Ihr Körper war eine stille Komposition aus Anmut und Verführung. Nicht sportlich im klassischen Sinn, eher geschmeidig wie eine Tänzerin der alten Schule. Sie war keine Frau, die sich anbot – sie war eine, die man ersehnte.

Ihr Haar fiel wie flüssige Dunkelheit über ihre Schultern, tiefschwarz mit einem kühlen, bläulichen Schimmer, als habe der Mond selbst es gestreichelt. Ihr Gesicht war eine zarte Skulptur, schmal, oval, mit hohen, eleganten Wangenknochen, die ihr etwas Aristokratisches gaben. Doch es waren die Augen, die einen gefangen hielten: mandelförmig, fast violett getönt, schimmernd wie feuchter Rauch.

Mit langsamen erotischen Bewegungen streifte sie das seidene Kleid von ihrem Körper. Als sie nur noch ihre Unterwäsche trug, freche, verzierte Dessous, drehte sie sich provokativ vor dem Mann.

„Weg damit! Zieh dich komplett aus“, forderte der Parfümeur und strich sich mit der rechten Hand über die Wölbung seiner Hose.

Er war geil, hart und wollte ficken!

Valentina öffnete den Verschluss ihres Büstenhalters, streifte das Textil über die Schultern und präsentierte volle, straffe Brüste, die mit harten Nippeln gekrönt waren. Als nächstes zog sie den Slip nach unten, präsentierte einen kurzrasierten, schwarzen Schamhaarstreifen auf dem Venushügel.

„Du bis so geil“, stöhnte der Mann. „Jetzt zieh mich aus!“

Sie trat vor den Parfümeuer, nahm ihm Schlips, Ober- und Unterhemd ab, küsste seine nackte, haarlose Brust, schmiegte sich an ihn und ließ ihre suchende, schmale Hand zwischen seine Beine gleiten. Ihre Finger rieben über die enorme Größe seiner strammen Männlichkeit hinweg. Er schob sie behutsam beiseite, öffnete den Hosenbund und zog sich gänzlich aus.

Sie sanken nach unten, pressten und scheuerten wollüstig ihre nackten Leiber aneinander, küssten sich und betasteten leidenschaftlich ihre Geschlechtsteile.

„Leg dich auf den Rücken!“, forderte Valentina, der es Spaß machte, den Mann zu dirigieren, der es normal gewohnt war, anderen Menschen Weisungen zu erteilen.

Der Parfümeur gehorchte. Sein Penis hatte den maximalen Umfang erreicht und stand senkrecht nach oben. Er schloss die Beine, als er sah, was Valentina vorhatte. Sie kletterte über ihn, so dass ihre gespreizten Knie sich gegen seinen Leib pressten.

Langsam bewegte sie ihren Unterleib, ließ seine pralle Eichel über ihre feuchten Schamlippen reiben, drückte ihre Klitoris gegen seine Schwanzspitze, stimulierte sich selbst.

„Steck ihn endlich rein! Ich will dich ficken!“, stöhnte der Mann ungeduldig.

Sie rutschte ein wenig hoch, ergriff sein hartes Glied, führte dessen Spitze durch ihre nassen, sich öffnenden Schamlippen, hob die Hüften ein wenig an und ließ sich im nächsten Moment auf den erigierten Phallus herabsinken. Er verschwand bis ans Heft in ihrem schlanken Körper.

Der Parfümeur stöhnte!

Er umklammerte mit einer Hand die rechte Gesäßbacke der Frau, während er die andere Hand dazu benutzte, ihre volle Brust zu liebkosen. Die Steifheit ihrer Nippel erregte ihn ebenso wie die Hingabe, mit der Valentina sich im nächsten Moment auf ihm zu heben und zu senken begann. Sie war ja so herrlich eng. Es überkam ihn wie ein Rausch. Mit geschlossenen Augen überließ er sich stöhnend und ächzend dem berauschenden Genuss der Situation.

Valentina stützte sich mit ihren Händen auf seiner Brust ab. Ihre Fingerspitzen umspielten dabei voll Raffinesse seine Brustwarzen. Sie wusste, dass auch Männer an dieser Stelle sehr empfindsam sind. Das wollüstige Stöhnen ihres Partners bewies, wie Recht sie hatte.

Doch während sie auf seinem Unterleib immer schneller und härter ritt, begannen sich seine Bewegungen zu verändern. Erst zögerlich. Dann ruckartig. Die Leidenschaft wich Panik. Er versuchte zu sprechen. Aber seine Stimme brach ab.

Valentina sah ihm in die Augen, ohne zu blinzeln, und flüsterte: „Du wirst gleich das Bewusstsein verlieren! Ich habe dir ein Betäubungsmittel in den Wein getan. Dann werden wir erneut über Elisabeth sprechen!“

Er würgte, röchelte und verdrehte die Augen.

Und während sich Valentina mit einem angewiderten Gesichtsausdruck erhob, während sein steifen Schwanz aus ihrer Möse rutschte, hörte man nur noch sein letztes, kehliges Keuchen.

2

Als der Wecker klingelte, war der Duft von kaltem Kaffee das Erste, was Sabrina Lenz wahrnahm.

Das Zweite war ein Kinderfuß in ihrem Gesicht!

„Pedro!“, murmelte sie verschlafen, schob das Sechsjährige Energiebündel beiseite und blinzelte ins morgendliche Dämmerlicht.

Sabrina streckte sich. 168 Zentimeter Lebenslust, durchzogen von Muskelkater und leiser Müdigkeit. Ihre dunkelbraunen Haare klebten ihr an der Wange, grüne Augen schauten auf die weiße Decke wie auf das erste Rätsel des Tages: Was zur Hölle hatte sie geträumt?

Orchideen. Hitze. Ein Kuss, der nach Gefahr schmeckte.

Sie schüttelte den Gedanken ab. Träume waren selten Hinweise. Nur manchmal, wenn sie erneut an Isabella Weigel dachte, der süßen, blonden Staatsanwältin, die ständig in ihrem Kopf herumgeisterte. Sofort entstand ein warmes Kribbeln zwischen ihren Schenkeln. Mist! Der letzte Sex lag eindeutig zu lange zurück.

„Du sollst frühstücken kommen, Mami“, sagte Pedro, der ungeduldig neben dem Bett stand.

„Ich rieche den Kaffee, Schätzchen!“

„Papa hat Frühstück gemacht.“

„Dann sag ihm bitte, dass ich gleich nach unten komme“, sagte Sabrina, und drückte ihrem Sohn einen Kuss auf die Stirn.

Pedro lächelte und rannte aus dem Schlafzimmer. Sabrina zog den Vorhang zur Seite. Der Tag war noch blass, der Himmel fahl und dunstig. Ein Montag. Mit leeren Schulbrotdosen und zu wenig Kaffee.

Zwanzig Minuten später saßen sie zu dritt am Küchentisch. Pedro, wild und kakaoverschmiert. Toby, zerknittert und sanft. Sabrina trug bereits Jeans, Tanktop und darüber einen weichen, grauen Mantel – Detektivinnen mussten nicht immer im Trenchcoat herumlaufen. Manchmal reichte ein fragender Blick.

„Großer Fall heute?“, fragte Toby mit einem Gähnen.

„Vielleicht. Vielleicht auch nur eine Katze auf Abwegen.“ Sie lächelte, griff nach dem dampfenden Becher und trank. „Oder ein verschwundener Ehemann, der eigentlich nur im Bordell vergessen hat, die Uhrzeit zu checken.“

„Romantik pur“, grinste Toby.

Pedro kicherte. „Was ist ein Bordell?“

„Ein Ort mit viel Glitzer und sehr viel Parfüm“, sagte Sabrina trocken und schnappte sich ihre Tasche.

Sie beugte sich zu Pedro, küsste ihn sanft auf die Stirn, streichelte seine rechte Wange und verabschiedete sich. Heute kümmerte sich Toby um den gemeinsamen Jungen.

Sie verließ das Haus. Draußen roch es nach Regen. Der Himmel hatte sich verdunkelt. Sie fuhr mit ihrem Wagen nach Schwabing, vorbei an Bäckereien, kleinen Cafés, einem Plakat für eine Opernpremiere. In Schwabing roch selbst der Montag nach einem Hauch von Kunst.

Die Detektei von Sabrina Lenz befand sich im ersten Stock eines Altbaus in Schwabing, direkt über einem betörend duftenden Blumenladen, dessen Besitzer jede Rose wie ein Kunstwerk behandelte, und neben einem Buchantiquariat, dessen Tür seit Monaten geschlossen war, als schliefe es im Staub vergangener Geschichten.

Es war kurz nach neun Uhr als Sabrina das Büro betrat, ihr kleines Reich mit abgeschabtem Parkett, milchverglasten Türen und dem Geruchsgemisch, das sie sofort umarmte: frischer Kaffee, Lavendelreiniger in zu hoher Dosierung – und der feine, sündige Hauch von Chanel No. 5. Ein untrügliches Zeichen: Mila war bereits da. Und wahrscheinlich wieder zu früh, zu neugierig, und zu wenig beschäftigt mit den Dingen, für die sie eigentlich bezahlt wurde.

Im Eingangsbereich blieb Sabrina stehen, ließ die Handtasche auf die Ablagefläche der schmalen Theke gleiten und beugte sich ein wenig vor, gerade so weit, dass sie über die Schulter der Sekretärin auf das flackernde Handy-Display schauen konnte.

„Du schaust schon wieder Gruppensex-Videos, hm?“, fragte sie trocken, während sie sich das Haar aus dem Gesicht strich.

Mila Novak, rothaarig, sommersprossig, und heute in einem zu engen Top, dass ihre riesigen Brüste modellierte, zuckte zusammen wie ein Teenager, der beim heimlichen Wichsen auf der Toilette erwischt worden war. Auf dem Display war deutlich zu erkennen: Zwei durchtrainierte Männer und eine leidenschaftlich keuchende Rothaarige, mitten in einem ... sehr teamorientierten Erlebnis.

„Oh verdammt! Mist!“

Mila fummelte hektisch am Handy, schaltete es aus und schob es in einer fließenden Bewegung unter einen Aktenstapel. Ihre Wangen wurden tomatenrot, passend zum Lippenstift.

„Ich hab dich nicht kommen hören!“

„Das sagten sie auch im Film gerade“, kommentierte Sabrina mit einem schelmischen Grinsen, nahm die Sonnenbrille ab und legte sie neben ihre Tasche.

Mila verdrehte die Augen, zwang sich zu einem gequälten Lächeln.

„Es ist Montag. Und mein Hirn braucht Reize und Koffein. Oder fleischgewordene Motivation.“

„Oder alles drei gleichzeitig. Wer bin ich, dich da zu verurteilen?“ Sabrina zwinkerte. „Solange du mir vorher ankündigst, wenn du einen Dreier in der Teeküche planst.“

Mila schob ihre roten Locken zurück, versuchte Haltung zu bewahren.

„Für eine Dreier-Planung bräuchte ich zuerst zwei Männer, die es mit mir treiben wollen!“

„Gibt es in München keine geeigneten Exemplare?“

„Ich treffe ständig auf verheiratete Männer, auf Kerle mit Halbglatze, Bart im Gesicht und den Körper mit Tattoos bedeckt, als hätte sich Banksy mit seinen Sprühflaschen daran ausgetobt!“, erwiderte Mila.

„Und das gefällt dir nicht, hm?“

„Es ist eigentlich egal, da es nur um animalischen, harten Sex geht! Trotzdem hast du recht: Ich finde aktuell keine Typen, die mich ficken wollen! Er kommt aber nie über die erste Stufe hinaus.“

„Viel Versprechen, wenig Inhalt, hm?“

Sabrina lachte leise, schob sich die Ärmel ihres grauen Mantels hoch und trat näher an den Tresen.

„Gab’s sonst was Aufregendes heute? Abgesehen von deiner Vorliebe für pornografischen Frühunterricht?“, erkundigte sich Sabrina.

„Nur einen Anruf. Eine Frau. Irgendwas mit Auftrag. Sie will persönlich vorbeikommen“, antwortete Mila.

„Name?“

„Sie hat ihn nicht genannt!“

Sabrinas Braue hob sich langsam. „Oho. Ein Mysterium zum Wochenstart.“

„Ich bring dir gleich die Notizen …“

„Und eine Tasse Kaffee“, ergänzte Sabrina mit einem theatralischen Seufzer. „Sonst verhöre ich dich unter Einfluss von Entzugserscheinungen.“

„Oh, bitte nicht. Nicht noch mal mit dem Lichtkegel und deiner geheimen Keks-Folter.“

„Du meinst die Schokolade aus der Schublade? Die hebe ich mir für harte Fälle auf.“

„Na dann...“, Mila stand auf und stolzierte in die winzige Küche. Beim Weggehen warf sie über die Schulter: „Und falls du heute wieder so eine sinistre Femme fatale im Büro begrüßt, sag mir rechtzeitig Bescheid. Ich muss meine Lippen nachziehen.“

„Wenn sie so aussieht wie du denkst, brauchst du wahrscheinlich ein Ganzkörper-Make-up.“

„Ich bin bereit“, sagte Mila mit einem triumphierenden Grinsen und verschwand.

Sabrina schüttelte schmunzelnd den Kopf, trat durch die Glastür in ihr Büro und ließ sich auf den altmodischen, knarzenden Stuhl sinken. Ein Blick auf die noch leere Pinnwand, ein tiefer Atemzug. Es war Montag. Der Kaffee war auf dem Weg.

Die erste Stunde des Tages war Routine.

Sabrina saß an ihrem Schreibtisch, die Beine übereinandergeschlagen, die Lesebrille tief auf die Nase gerutscht, ein Accessoire, das sie hasste, aber leider nötig hatte. Die Tastatur klapperte gemächlich unter ihren Fingern, während sie E-Mails sichtete, Rechnungen sortierte, eine Mahnung las und sie direkt weiterleitete, mit dem vielsagenden Betreff: Ernsthaft, Herr Maier? Schon wieder?

Zwischendurch trank sie ihre zweite Tasse Kaffee, stark, schwarz, ein bisschen zu bitter, wie die Wahrheit an einem grauen Montag. Mila hatte ihn mit zitterfreiem Gewissen zubereitet, wahrscheinlich aus Reue über das Porno-Fiasko vom Morgen. Sabrina lächelte in sich hinein. Sie mochte Mila. Ihre Ungeniertheit. Ihre Kirschohrringe. Und ihre Fähigkeit, sich mit der Grazie eines Schmetterlings durch Fettnäpfchen zu bewegen.

Dann hörte sie es.

Ein Geräusch, das sich langsam durch den Flur ankündigte.

Klack.

Klack.

Klack.

Nicht das träge Tapsen von Paketbotenschuhen. Nicht das schlurfende Streifen von Milas Pumps. Nein, das hier war präzise. Hochhackig. Teuer. Selbstbewusst. Wie ein Versprechen. Oder eine Drohung.

Die Tür öffnete sich lautlos. Kein Knarren, kein Zögern. Nur ein sanftes Klicken der Klinke, wie das Öffnen einer Schmuckschatulle, in der etwas Seltenes, Wertvolles lag.

Mila betrat zuerst den Raum, einen Hauch zu eilig, als wolle sie sich selbst aus dem Blickfeld nehmen, und hinter ihr schwebte sie hinein.

Wie eine Erscheinung.

Wie Opernmusik in Menschengestalt.

Clara Bellmont!

Sabrina erkannte sie sofort. Die Frau war ständiger Gast im Fernsehen und in den Boulevard Blättern der Welt. Clara Bellmont war keine gewöhnliche Opernsängerin, sie war eine Diva alter Schule, eine dieser Frauen, die nicht einfach sangen, sondern atmeten, was sie auf der Bühne verkörperten. Ihre Stimme war ein Instrument aus Samt und Feuer, geschult in Paris, veredelt in Mailand, gefeiert in Wien und Berlin. Ein dramatischer Sopran, der sowohl brechen als auch befehlen konnte – wie ein dunkler Fluss, der aus dem Nichts kam und alles mitriss.

Sie war keine klassische Festangestellte eines Opernhauses, sondern eine gefragte Gast Diva mit weltweiten Engagements. München war ihr Rückzugsort, ihr Nest zwischen den Flügen. Ihr Name stand regelmäßig auf den Programmen der Bayerischen Staatsoper, besonders bei modernen Inszenierungen klassischer Werke.

Sabrina kannte die Diva nicht nur aus dem Fernsehen, sondern auch aus jenen Gesprächen, die sie mit Isabella Weigel geführt hatte, der opernverliebten Staatsanwältin, deren Stimme im Halbdunkel eines Hotelzimmers oft von Sehnsucht vibrierte. Zwischen zerwühlten Laken und leeren Weingläsern hatte Isabella ihr von Clara Bellmont erzählt, mit glühenden Augen und einer Stimme, die klang, als schmecke sie jeden Ton der Erinnerung.

Sabrina richtete sich auf. Ihre Hand fuhr wie automatisch zum Saum ihrer Jacke, glättete einen imaginären Faltenwurf. Ihre Augen aber blieben an der weltberühmten Opernsängerin hängen, die nun durch die Tür trat, wie durch einen Vorhang aus Licht.

Ein Kleid aus schwarzer Seide, fließend, körpernah, doch mit der selbstbewussten Zurückhaltung einer Frau, die genau weiß, was sie zeigt, und was sie lieber verbirgt. Die Lippen rot wie Sünde. Der Duft, schwer, orientalisch, eine Mischung aus Opium, Mysterium und dunkler Schokolade. Ihre dunklen Haare kunstvoll hochgesteckt, mit ein paar losen Strähnen, die sich zärtlich um ihren Nacken legten.

Ihre Augen, halb verborgen unter langen Wimpern, waren nicht nur grau, sondern tiefgrau, mit einem kaum sichtbaren violetten Hauch. Wie ein Sturm, der sich nicht erklären ließ. Ihr Blick war nicht neugierig, er war prüfend. Wach. Klar. Und dann, fast im selben Atemzug, durchbohrend. Sabrina fühlte ihn wie eine unsichtbare Fingerspitze auf der Haut.

Mila räusperte sich diskret, nickte kurz zu Sabrina, drehte sich dann mit einer eleganten Wendung um, ganz die aufmerksame Assistentin, und schloss die Tür hinter sich. Das Klacken war kaum hörbar. Wie das Einrasten eines Tresors.

Nun waren sie allein.

Clara Bellmont stand da wie ein Satz, der mit Absicht in der Schwebe blieb.

„Frau Lenz?“, fragte sie dann, und ihre Stimme war wie ein tiefer Zug aus einem Glas Rotwein, der nicht sofort wirkt, sondern langsam, gefährlich.

Sabrina brauchte einen Moment. Dann nickte sie, hob leicht das Kinn.

„Ganz recht. Und sie sind ... äh, Clara Bellmont?“

Ein kaum sichtbares Lächeln spielte um Claras Lippen, dann folgte ein theatralisches Nicken. Ihre Stimme war wie dunkler Honig.

„Ich brauche die Hilfe einer Privatdetektivin!“

Sabrina deutete auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch. „Setzen sie sich. Und erzählen sie mir, wie ich ihnen helfen kann, so detailliert wie möglich.“

Clara Bellmont ließ sich nieder, ihre Bewegungen geschmeidig wie der Beginn einer Arie. Mit einer anmutigen Selbstverständlichkeit schlug sie die Beine übereinander, und das schwarze Seidenkleid legte sich um ihre Schenkel wie eine dunkle Flut, weich, fließend, lasziv.

Der Raum atmete mit ihr, als hätte sich die Luft neu organisiert, um ihrer Präsenz Raum zu geben. Der Duft, der sie begleitete, war opulent, eine schwere Mischung aus Opium, warmer Vanille und einem Unterton von etwas Animalischem, Sündigem, das Sabrina nicht benennen konnte, aber tief in sich spürte.

Clara sah sie ruhig an, die rot geschminkten Lippen leicht geöffnet, als koste sie die Worte bereits, bevor sie sprach.

„Jean-Noël Moreaux ist verschwunden!“, begann sie schließlich.

Sabrina rutschte näher heran und fragte: „Wer ist das?“

„Jean-Noël …“, antwortete die Diva und lehnte sich zurück, als müsse sie ihn sich erst wieder ins Gedächtnis rufen, oder aus dem Schatten der Sehnsucht hervorlocken. „Er ist mehr als ein Parfümeur. Er ist ein Architekt der Sinne, ein Mann, der mit Molekülen Geschichten schreibt. Seine Kreationen sind keine Düfte, sie sind Erfahrungen. Erinnerung, Lust, Schmerz, Verführung, und das in einem einzigen Tropfen!“

Sie machte keine kurze Pause, atmete tief ein und wieder aus. Dann sprach sie weiter: „Sie nennen ihn die goldene Nase. Seine Werke werden gehandelt wie Kunstwerke, manche seiner Parfums erzielen bei Auktionen sechsstellige Summen. Jean-Noël entwirft nicht für die Massen, er kreiert die Düfte für Eingeweihte. Für Frauen wie mich.“

Sie hielt inne, ihr Blick glitt für einen Moment ins Leere, wie um sich selbst wieder zu sammeln. Dann fuhr sie fort: „Ich lernte ihn vor vielen Jahren in Paris kennen. Er war scheu. Fast empfindlich. Aber wenn er über die Düfte der Welt sprach, veränderte sich alles. Seine Augen begannen zu leuchten. Er konnte Gerüche sehen, sagte er. Farben schmecken. Gefühle riechen. Vielleicht ein Besessener. Aber einer, der wusste, was er tat.“

Sie beugte sich leicht vor, ihre Stimme wurde dunkler, beinahe verschwörerisch: „Er hat Düfte geschaffen, die Menschen veränderten. Die Paare wieder zusammenbrachten. Affären zerstörten. Politiker verwirrten. Und L’Orchidée Noire sollte sein Meisterwerk werden. Ein Duft, der die Seele berührt. Und vielleicht verführt.“

„Und der Mann ist verschwunden?“

„Ja.“

„Wann haben sie ihn zuletzt gesehen?“

„Vor drei Tagen, hier in München. Am Abend wollte er im Bayerischen Hof den Prototyp seines neuen Parfums vorstellen: L’Orchidée Noire. Aber er ist nicht erschienen. Es waren viele Pressevertreter anwesend, viel Prominenz aus der Kunst, der Wirtschaft und dem Film. Er ist einfach nicht erschienen! Das ist nicht seine Art! Er hätte den Auftritt genossen!“

Sabrinas Interesse flackerte auf.

Clara bemerkte es und fuhr fort, ihre Stimme tief und fast hypnotisch: „Er war verändert. Schon seit Wochen. Fahrig, abwesend, auf seltsame Weise gereizt. Und dann wie besessen. Von einem Duft. Von einer Pflanze sagte er. Einer schwarzen Orchidee. Ich habe ihn nie so erlebt. Nicht einmal zu seinen genialsten, verrücktesten Zeiten.“

Claras Blick ging kurz ins Leere, als würde sie etwas sehen, das nur sie erkennen konnte.

„Er sprach von einem Durchbruch. Einer Formel, die nicht nur verführt, sondern entwaffnet. Die den Willen ausblendet. Die Wahrheit freilegt. Oder zerstört.“

„Was glauben sie, ist passiert?“, fragte Sabrina leise.

Claras Stimme war nun kaum mehr als ein gehauchtes Bekenntnis.

„Ich glaube, er hat sich selbst darin verloren. In dem, was er geschaffen hat. Oder was ihn gefunden hat.“

Sie schwieg einen Moment. Dann richtete sie sich auf, ihre Augen fest auf Sabrina gerichtet, als wolle sie jede Regung darin lesen.

„Ich möchte, dass sie ihn finden, Frau Lenz. Ich brauche Antworten. Keine offiziellen Verlautbarungen, kein bürokratisches Abwarten. Ich will die Wahrheit, ganz gleich, was sie kostet.“

Sabrina hob leicht die Brauen, doch Clara war ihr zuvor.

„Ich weiß, was Ihre Arbeit wert ist. Ich bezahle, was nötig ist. Aber ich will nicht, dass sie einfach nur suchen. Ich möchte, dass sie verstehen. Dass sie tiefer nachforschen, als es die Polizei tun würde. Jean-Noël war kein einfacher Mensch. Er war empfindlich, brillant, geheimnisvoll, und wenn er verschwindet, ist es nie nur ein Zufall. Irgendjemand, oder irgendetwas hat ihn verschlungen.“

Clara beugte sich leicht vor.

„Ich brauche jemanden, der sehen kann, was verborgen ist. Und ich glaube, sie sind diese Frau.“

Sabrina nickte, nahm einen Vertrag aus ihrem Schreibtisch und schob das Papier über den Tisch.

„Unterschreiben sie den Vertrag!“, forderte Sabrina.

Die Opern Diva unterschrieb, ohne, den Inhalt überhaupt gelesen zu haben.

„Ich brauche noch einige Informationen für meine Nachforschungen“, sagte Sabrina, nahm einen Schreibblock und einen Kugelschreiber aus ihrer obersten Schublade.

„Was wollen sie wissen?“