Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 809 - Eva Berger - E-Book

Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 809 E-Book

Eva Berger

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Beschreibung

Fast zwanzig Jahren stand das Jagdhaus der Barone von Staufenberg leer. Nun sucht der letzte Staufenberger hier in der Einsamkeit des Waldes Vergessen. Die Magd Hella, die mit ihrer Großmutter in dem ehemaligen Forsthaus wohnt, verwöhnt Graf Gero nach Strich und Faden. Obwohl zwischen ihnen Welten liegen, verlieben die liebreizende Hella und der reiche Baron von Staufenberg sich ineinander. Gero ist fest entschlossen, Hella zu heiraten. Doch ihrem Glück stehen zahlreiche Hindernisse im Weg. Zuerst trachtet ein junger Waldarbeiter aus dem Dorf, der Hella seit Jahren begehrt, dem Baron nach dem Leben. Nur knapp entkommt er einem Anschlag. Und als Gero seine Braut mit in die Stadt nimmt, zeigt die sogenannte feine Gesellschaft Hella so offen ihre Abneigung, dass sie die Flucht ergreift ...

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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Die Magd des letzten Staufenberger

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Die Magd des letzten Staufenberger

Ein Klassiker voller Liebe, Leidenschaft und unerwarteter Prüfungen

Fast zwanzig Jahren stand das Jagdhaus der Barone von Staufenberg leer. Nun sucht der letzte Staufenberger hier in der Einsamkeit des Waldes Vergessen.

Die Magd Hella, die mit ihrer Großmutter in dem ehemaligen Forsthaus wohnt, verwöhnt Graf Gero nach Strich und Faden. Obwohl zwischen ihnen Welten liegen, verlieben die liebreizende Hella und der reiche Baron von Staufenberg sich ineinander. Gero ist fest entschlossen, Hella zu heiraten. Doch ihrem Glück stehen zahlreiche Hindernisse im Weg. Zuerst trachtet ein Waldarbeiter aus dem Dorf, der Hella seit Jahren begehrt, dem Baron nach dem Leben. Nur knapp entkommt er einem Anschlag. Und als Gero seine Braut mit in die Stadt nimmt, zeigt die sogenannte feine Gesellschaft Hella so offen ihre Abneigung, dass sie die Flucht ergreift ...

»Großmutter, wir haben Post!«, rief das hübsche junge Mädchen mit den roten Wangen und den grünen Augen seiner Großmutter zu.

Frau Gesine saß vor dem etwas baufällig wirkenden Haus, dem man ansah, wie sehr sich seine Bewohner bemühten, den Verfall aufzuhalten, auf einer Bank.

Jetzt hatte die Enkelin die alte Frau erreicht und setzte sich zu ihr.

»Von wem ist denn der Brief?«, fragte Großmutter Sieber.

Helene, die von allen nur Hella genannt wurde, schaute auf den Umschlag.

»Von einem Herrn Gero Baron von Staufenberg«, erwiderte sie dann. »Sag, ist das der Herr, dem alles hier gehört?«

»Ja.« Die alte Frau nickte. »Das kann nichts Gutes bedeuten«, fügte sie sofort hinzu.

»Und warum, Großmutter?«, fragte Hella verwundert.

Die alte Frau verlor sich in Erinnerungen. Zwanzig Jahre war es nun her, dass der Baron von Staufenberg zum letzten Male hier gewesen war. Damals hatte ihr Wilhelm noch gelebt und den Dienst als Jagdaufseher verrichtet. Zwanzig Jahre hatte sich der Herr um den herrlichen großen Wald rund um das Anwesen, auf dem sie und Helene lebten, nicht mehr gekümmert.

Warum schrieb er jetzt?, fragte sie sich ängstlich.

Wollte er etwa für all die Jahre nun die Miete einfordern? Damals hatte er gesagt, dass sie und Wilhelm bis zu ihrem Tode kostenlos in dem Häuschen wohnen bleiben könnten. Und wenn er es sich nun anders überlegt hatte?

Großmutter Gesine hatte im Laufe der langen Jahre fast vergessen, dass das Häuschen, der kleine Stall, die Wiesen und der Acker ihr nicht gehörten. Hier war sie einst als junge Frau eingezogen, und ihr Wilhelm war jung und fesch gewesen.

»Schau einmal, was in dem Brief steht«, sagte die Großmutter. »Ich habe meine Brille im Haus.«

Neugierig schlitzte Hella den Umschlag auf und las die wenigen Zeilen vor.

Der Schreiber befahl, unverzüglich das Jagdhaus in Ordnung zu bringen, da er demnächst zu kommen beabsichtige. Darunter war ein Namenszug in einer markanten, festen Schrift.

»Wir sollen das Jagdhaus putzen«, sagte Hella. »Woher bekommen wir den Schlüssel?«

»Den habe ich doch, Kind!«, wurde sie belehrt. »Ich habe früher, als der Herr Baron oft zur Jagd hierherkam, das Haus immer in Ordnung halten müssen«, erklärte die alte Frau.

»Und er kam oft?«, wollte Hella wissen.

»Einige Male im Jahr, und er brachte häufig viele Gäste mit. Man veranstaltete dann eine Jagd. Die Damen trugen herrliche rote Reitanzüge, die Herren grüne. Rassige Hunde und Pferde waren dabei.«

»Bitte, Großmutter, erzähle mir von dem Herrn!«, bettelte das Mädchen.

»Er war ein guter Herr. Als sein älterer Sohn bei einem Jagdunfall hier in unseren Wäldern zu Tode kam, ließ er das Jagdhaus verschließen und kam niemals wieder hierher. Der alte Herr hieß übrigens Leopold. Vermutlich lebt er gar nicht mehr.«

Hella schaute auf den Briefumschlag.

»Der Brief ist von Gero von Staufenberg«, sagte sie dann.

»Das muss sein jüngerer Sohn sein, Hella. Er war damals noch ein Kind.«

»Gleich morgen werde ich damit beginnen, das Jagdhaus zu putzen, Großmutter.«

Am liebsten hätte die Enkelin noch heute damit angefangen, aber sie musste unbedingt die Samen in die Erde bringen, die sie aus dem Dorf geholt hatte. Das Wetter war günstig, und die Jahreszeit drängte. Ihre Großmutter konnte nicht mehr viel tun. Sie saß an warmen Tagen auf der Bank vor dem Häuschen und an kühlen Tagen in dem verschlissenen Sessel am Ofen.

Hella trug den Brief geschwind ins Haus und zog das einzige Paar Schuhe aus, das sie besaß. Auf dem Weg ins Dorf musste sie sie freilich immer anziehen, aber daheim schonte sie sie. Auch ihr billiges Kleidchen, aus dem sie schon herausgewachsen war, wurde sorgfältig auf einen Bügel gehängt. Sie streifte eine geflickte Kittelschürze über und begann zu singen.

Ihre Großmutter lächelte glücklich. Hella hatte eine wundervolle Stimme.

Ein Lehrer hatte früher immer behauptet, sie müsse diese Begabung geerbt haben. Aber das konnte nicht stimmen. Gesine konnte nicht singen, ihr Mann nicht und Hellas Mutter ebenfalls nicht.

An den Vater des jungen Mädchens zu denken, das verbot sich die alte Frau eigensinnig. Er existierte für sie nicht, und wenn sie ihrer Enkelin irgendwelche Familiengeschichten erzählte, spielte darin nur ihre Mutter eine Rolle.

»Habe ich keinen Vater?«, hatte Hella vor langer Zeit einmal gefragt.

»Er ist tot! Und frage nun nicht mehr danach!«, hatte ihre sonst immer so liebevolle Großmutter barsch erwidert.

♥♥♥

Gegen Abend holte Hella ihre beiden Ziegen heim. Sie trieb sie immer ein Stück vom Haus entfernt auf eine Waldlichtung, wo die fettesten Kräuter standen.

»Hallo, wie geht es?« Ein junger Waldarbeiter kam mit geschultertem Rucksack auf Hella zu. Sein hageres Gesicht war von der Sonne und Luft bereits tief gebräunt, sein schwarzes lockiges Haar lag ein bisschen verwegen um den Kopf.

Fritz Pundlach galt im Dorf als best aussehender junger Mann und hatte beim Tanz die größten Chancen. Er galt als wild, der Pundlach-Fritz, und manche Mutter warnte ihr Töchterchen vor dem schneidigen Burschen.

Hella gegenüber blieb er stets kameradschaftlich und nett. Sie begegneten sich häufig im Walde, wenn Hella der Jahreszeit entsprechend, Beeren, Holz, Pilze oder Kräuter sammelte.

Großmutter bekam nur eine winzige Rente, wovon sie beide leben mussten. Und so tat die Enkelin alles, um ihren Teil zum Lebensunterhalt beizusteuern.

Schon oft hatte Fritz Pundlach ihr beim Zurechtschlagen des Holzes geholfen.

»Und wie geht es dir, Fritz?«, antwortete Hella mit einer Gegenfrage. »Wir haben uns lange nicht gesehen!«

»Ich habe immer weiter weg von euch gearbeitet«, erwiderte er ein wenig verlegen. Ablenkend zeigte er auf die beiden grasenden Ziegen. »Die geben heute gute Milch!«

»Freilich, das müssen sie auch! Ich koche doch jeden Abend und Morgen für uns Milchsuppe, und den Rest verbuttere ich!«

»Hättest es nicht nötig, immer alles so einzuteilen«, sagte er.

»Mir macht es nichts, Fritz. Großmutter und ich werden noch alle Tage satt. Und schau, ich kann doch Großmutter nicht verlassen, um Geld zu verdienen. Sie wird nicht mehr allein fertig.«

»So meinte ich es nicht.« Fritz fingerte an den Riemen seines Rucksackes herum.

Hella erzählte ihm, dass Baron von Staufenberg bald hierherkommen würde.

»Erinnert sich der hohe Herr wirklich einmal an seine weiten Forsten?«, entgegnete Fritz unfreundlich. »So reich müsste man sein, dann könnte man sich alles erlauben und hätte keine Sorgen.«

»Aber Fritz, bist du denn nicht glücklich?«, fragte Hella ihn erstaunt. »Du kannst doch den ganzen Tag im Wald sein!«

»Glücklich schon, aber mit dem Geld des Staufenbergers wäre ich wohl noch glücklicher!«

»Das glaube ich nicht.« Sie trat näher an ihn heran und legte ihre Hand auf Fritz' Unterarm. Dann redete sie auf ihn ein, dass er doch zufrieden sein müsse.

Der große Bursche stand ganz steif da und starrte auf die kleine, zarte Mädchenhand, die trotz der schweren Arbeit so unglaublich schmal geblieben war.

»Vergiss, was ich dahergeredet habe«, murmelte er. »Auf Wiedersehen!«

Er wandte sich ab und ging so eilig davon, als fürchte er sich vor Hella.

♥♥♥

Am nächsten Morgen stand Hella schon sehr zeitig auf. Sie erledigte ihre üblichen Aufgaben, und dann machte sie sich auf den Weg zum Jagdhaus.

Nach einer halbstündigen Wegstrecke tauchte es vor ihr auf. Von außen war das Haus arg verwittert, auf dem Dach wucherte Moos. Hoffentlich regnete es nicht bereits durch.

Im Laufe der vielen Jahre war das Schloss total verrostet und ließ sich beim besten Willen nicht mehr öffnen.

Rasch holte Hella zu Hause die Ölkanne, erklärte der Großmutter das Problem und lief zurück zur Jagdhütte.

Nach etlichen weiteren Versuchen gelang es ihr nun endlich, das Schloss zu öffnen.

Plötzlich stand wie aus dem Boden gewachsen ein Fremder neben ihr. Wo kam er her? Es passierte selten, dass sich in diese entlegene Gegend jemand verirrte. Sie knickste.

»Wenn sich der Herr verlaufen hat, so kann ich Ihnen den Weg zeigen«, bot sie an. »Ich bin ortskundig.«

Der große Fremde kam näher heran, und da sah Hella einen Hund an seiner Seite.

»Nick, hiergeblieben!«, kommandierte der Mann, als sich das schöne Tier auf Hella stürzen wollte.

»Ich fürchte mich nicht vor Hunden, vor allem nicht, wenn es ein so schöner wie Ihrer ist«, versicherte Hella treuherzig. »Aber wenn Sie jetzt weitergehen, dann nehmen Sie ihn besser an die Leine, der Förster hat es nämlich nicht gern, wenn hier ein Hund frei herumläuft. Neulich hat erst ein Hund aus dem Dorf ein Kitz gerissen!«

Ob der Fremde sich ihre Worte zu Herzen nehmen würde, wusste Hella nicht.

»Es tut mir leid, aber ich muss jetzt hier das Haus putzen«, sagte sie.

»Ich dachte, das sei längst geschehen!«, kam es streng zurück. »Außerdem habe ich nicht geahnt, dass man ein Kind mit dieser Arbeit betrauen würde!«

Helene taumelte einen Schritt zurück. Es bedurfte keiner großen Kombinationsgabe, um zu begreifen, wer vor ihr stand.

Baron von Staufenberg!

»Willkommen, Herr Baron!« Ihr Gesichtchen strahlte so viel Freude aus, dass sich Geros Empörung ein wenig legte.

»Schon gut, Kind, aber ich muss sagen, dass ich sehr enttäuscht bin!«

»Großmutter erhielt doch erst gestern die Nachricht, dass Sie kommen, Herr Baron!«

»Dann bist du die Enkelin von Frau Gesine Sieber?«

»Ja, Herr, und ich bin heute Morgen in aller Frühe hergekommen, um Ihren Auftrag auszuführen!«

»Es ist mir unverständlich, wieso der Brief so lange unterwegs war.« Gero stand vor dem wirklich nicht einladend aussehenden Haus und verwünschte seine Idee, hier das Frühjahr und den Sommer verbringen zu wollen, um wieder zu sich zu finden.

»Ich fürchte, das liegt am Hugo!«

»Wer ist denn nun schon wieder Hugo?«, kam es mit einer Spur Gereiztheit zurück.

»Der Postbote, Herr Baron! Ich war nämlich acht Tage nicht mehr im Dorf. Doch gestern musste ich Samen holen.«

Der Baron konnte es gar nicht fassen, dass hier anscheinend keine Post ausgeliefert wurde. Die hiesigen Verhältnisse kamen ihm reichlich vorsintflutlich vor.

»Gehst du denn nicht zur Schule?«, forschte er argwöhnisch.

Da erklang ein glockenhelles Lachen.

»Herr, ich bin doch schon lange konfirmiert! Ich werde im Sommer neunzehn Jahre!«

Dabei sah sie noch fast aus wie ein Kind! Das Kleidchen ging ihr noch nicht einmal bis zum Knie, und an ihren Füßen saßen weder Schuhe noch Strümpfe.

»Na gut, dann muss ich ja Sie zu Ihnen sagen. Wie heißen Sie also?«

»Oh Herr, das brauchen Sie nicht! Ich bin Helene Sieber, aber alle rufen mich Hella, und wenn ich ganz schön darum bitte, nennen Sie mich doch auch so! Ich bin halt so an den Namen gewöhnt.«

»Einverstanden, Hella!« Gero nickte ihr zu.

Als Hella nun die Tür aufstieß, wirbelte der Schmutz durch den Raum. Irgendwelche Tiere flatterten auf, und eine entsetzlich stickige Luft strömte ihnen entgegen.

So verwahrlost hatte sie sich das Innere des Hauses nicht vorgestellt.

»Ich werde doch besser wieder abfahren, Hella«, sagte der Baron.

»Es sieht schlimmer aus, als es ist, Herr«, versicherte sie ihm.

Sie stieß einen Fensterladen auf. Da fiel ein goldener Sonnenstrahl ins Zimmer, in dem tausend Staubteilchen tanzten.

»Ich putze rasch durch, und dann erkennen Sie die Jagdhütte nicht wieder, Herr. Sie können sich in die Sonne setzen und zu Mittag ins Dorf gehen, um dort zu essen. Wenn Sie zurückkommen, sieht alles schon ganz anders aus.«

»Gut, Hella«, willigte er ein.

Sie entdeckte einen bequemen Stuhl mit Armstützen, schleppte ihn ins Freie und staubte ihn ab.

»Wenn Sie sich setzen wollen, Herr«, bot sie Gero von Staufenberg an.

Der Baron war froh, sich setzen zu können. Seine Füße brannten. So einen langen Marsch war er nicht gewohnt. Der Hund legte sich zu ihm.

Sofort begann Hella mit der Arbeit und rückte dem Staub und den Spinnweben zu Leibe. Die Arbeit ging ihr gut von der Hand, und sie begann mit ihrer wundervollen Stimme zu singen.

Baron von Staufenberg lauschte aufmerksam. Ohne dass es ihm bewusst war, summte er die volkstümliche Melodie mit.

♥♥♥

Gegen Mittag machte Baron Gero sich auf den Weg ins Dorf. Ihn erfasste ein eigenartiges Gefühl, als er durch den Wald ging, der ihm gehörte und in den er bisher noch keinen Fuß gesetzt hatte.

Sein Vater hatte es niemals verwunden, hier seinen ältesten Sohn verloren zu haben. Und auch Gero hatte bisher wenig Interesse an seinem Besitz gezeigt. Bis er sich nach allem, was passiert war, darauf besonnen hatte.

Als Hella endlich von ihrer Arbeit einmal aufblickte, ging es bereits auf den Abend zu. Sie konnte mit dem, was sie geschafft hatte, zufrieden sein.

Wo nur der Herr blieb? Sie fühlte plötzlich eine törichte Furcht in sich aufsteigen, dass er vielleicht wieder abgereist sein könnte.

Doch jetzt musste sie erst einmal heim und Liese und Lotte in den Stall führen.

Endlich war auch das erledigt. Dann bereitete Hella das Abendbrot zu und setzte sich zu der Großmutter an den Küchentisch.

»Und?«, fragte die alte Frau.

»Er ist schon gekommen, Großmutter. Ein netter, freundlicher Mensch.«

»Wie sein Vater!«, murmelte Frau Gesine und hing wieder ihren Erinnerungen nach.

Nach dem Abendessen lief Hella ins Dorf zum Krug. Sie war voller Unruhe, dass der Herr Baron doch zurück in die Stadt gefahren sein könnte.

Von der Wirtin erfuhr sie, dass Baron von Staufenberg sich für ein paar Tage im Krug eingemietet hatte. Das enttäuschte Hella.

Ach, wie schön wäre es doch gewesen, wenn er ins Jagdhaus zurückgehrt wäre und sie ihn hätte umsorgen können. Er sah so müde und traurig aus. Die frische Waldluft hätte ihm sicher gutgetan.

Hella verließ das Gasthaus und ging mit gesenktem Kopf die Dorfstraße hinunter.

»Was machst du denn hier, Hella?« Fritz Pundlach stand vor ihr, und in seinen Augen lag freudige Überraschung.

Er hatte sein Arbeitshemd mit einem sauberen bunt karierten vertauscht, sein welliges schwarzes Haar war sorgfältig gekämmt. Ja, er hielt etwas auf sich, der Fritz!

»Ich komme gerade aus dem Krug«, sagte das junge Mädchen bedrückt.

Da legte Fritz Pundlach seine schwielige Hand auf Hellas Schulter. Zum ersten Male besaß er den Mut, auch nur annähernd auszudrücken, was er empfand.

»Was ist denn, Hella?«, erkundigte er sich dann fürsorglich. Im gleichen Moment ging ein Mann an ihnen vorüber. Er führte einen schönen Schäferhund an der Leine.

Nick wedelte mit seinem Schweif, als er Hella witterte. Aber als gut erzogener Hund unterließ er jegliche Wiedersehensbekundung.

Gero von Staufenberg warf nur einen flüchtigen Blick auf Hella und den jungen Burschen und machte sich seinen Reim auf das Bild, das sich ihm bot.

Nun, der junge Mann war wirklich stattlich, und er konnte die Kleine schon verstehen, dass sie an ihn ihr Herz verloren hatte. Eigenartig, dachte er, wie man sich irren konnte.

Er hätte darauf geschworen, dass sie noch ein Schulmädchen war, und nun stellte sich heraus, dass sie wohl durchaus nicht so kindlich und unerfahren war, wie sie wirkte.

Hella kam ihr Kummer nun töricht vor. War das ein Grund, traurig zu sein, wenn ein wildfremder Mensch wieder abreisen wollte?

»Eigentlich gar nichts, Fritz. Es handelt sich um den Herrn Baron. Schön, dass ich dich getroffen habe.«