Einsame Spur - Nalini Singh - E-Book

Einsame Spur E-Book

Nalini Singh

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Beschreibung

Der SnowDancer-Wolf Riaz fühlt sich unwiderstehlich zu der schönen Adria hingezogen. Doch dann werden die beiden in einen tödlichen Konflikt der Medialen verwickelt, der das Schicksal der ganzen Welt bedroht. Sie müssen eine Entscheidung treffen, die ihre Liebe auf eine harte Probe stellt.

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NALINI SINGH

EINSAME SPUR

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Nora Lachmann

Inhalt

Finsternis

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Aufgespürt

Personenregister

Impressum

Finsternis

Das Medialnet ist ein Ort unvergleichlicher Schönheit und unendlicher Macht; die geistige Energie von Millionen Gehirnen strahlt als Sternenmeer auf samtschwarzem Grund. Für die meisten Medialen ist das Netzwerk so lebenswichtig wie die Luft zum Atmen.

Sich von dem Medialnet zu trennen kommt einem Todesurteil gleich.

Doch im herannahenden Herbst des Jahres 2081 droht dem Medialnet selbst der Tod. Fäulnis dringt immer tiefer ins Innere vor, tilgt Sinn und Verstand, sodass Unverstand und Irrsinn regieren.

Sollten die Medialen kein Mittel gegen das krebsartige Geschwür finden, wird sich die Fäulnis bald in allen Gehirnen ausbreiten, die mit dem Medialnet verbunden sind.

Aber vielleicht … ist das bereits geschehen.

1

Riaz sah jemanden mit nachtschwarzem Haar und langen Schritten vorbeieilen und rief: »Indigo!« Doch als er näher kam, bemerkte er, dass er sich geirrt hatte. »Adria.«

Tiefviolette Augen trafen seinen Blick so frostig, dass die Temperatur im Flur um mehrere Grade sank. »Indigo ist in ihrem Büro.« Die Worte waren hilfreich, auch wenn sie scharf wie eine Klinge durch die Luft schnitten.

Was ihn aufbrachte. »Habe ich deinen Hund geschlachtet?«

Auf der hübschen Stirn erschienen Falten. »Wie bitte?«

Mein Gott, dieser Ton! »Ein anderer Grund fällt mir nicht ein«, sagte er und war kurz davor, in die Luft zu gehen. »Keine Ahnung, warum du sonst so verdammt sauer auf mich sein könntest.« Adria war vor etwa einem Monat zur Unterstützung im Kampf gegen Henry Scott und die Makellosen Medialen in die Höhle zurückgekehrt und danach als erfahrene Soldatin im Revier geblieben. Zu allem entschlossen, hatte sie an Riaz Seite gekämpft und war seinen Befehlen ohne Zögern gefolgt.

Aber außerhalb des Kampfeinsatzes?

Schieres Eis.

Unbeirrbar.

Erbarmungslos.

Zum Reinbeißen.

Als sie nicht antwortete, verschränkte er die Arme vor der Brust, trat einen Schritt näher und witterte einen Hauch von zerstoßenen Beeren und Reif. Eigenartig zart für diesen Eisblock von Frau, kam ihm kurz in den Sinn, bevor sein Zorn jeden anderen Gedanken beiseiteschob. »Du hast meine Frage nicht beantwortet«, knurrte er.

Mit stahlhartem Blick trat auch sie einen Schritt näher, langsam und entschlossen, die reine Provokation. Sie war groß, aber er überragte sie dennoch. Was sie offenbar aber nicht davon abhielt, hochnäsig auf ihn herunterzuschauen. »Mir war nicht klar«, sagte sie mit ausgesuchter Höflichkeit, die messerscharf ins Herz traf, »dass Katzbuckeln zur Jobbeschreibung gehört.«

»Jetzt weiß ich, woher Indigo ihre gemeine Seite hat.« Doch unter der harten Schale seiner Offizierskameradin schlug ein warmes, großzügiges Herz, während er nicht sicher war, ob Adria über Gefühle verfügte, die das Thermometer höher als null Grad Celsius treiben würden.

Ihre Antwort war dann auch wie mit dem Skalpell gezogen. »Keine Ahnung, was sie mal an dir gefunden hat, aber jede Frau hat das Recht, Fehler zu machen.« Ein klitzekleiner Riss in der Fassade, bevor sie sich wieder in sich zurückzog und ihr Gesicht zu einer undurchdringlichen Maske wurde.

Mit finsterer Miene wollte Riaz ihr gerade mitteilen, was er von ihr und ihrem abschätzigen Blick hielt, als sein Handy läutete. Ohne sich auch nur einen Zentimeter von dieser Frau fortzubewegen, die ihn durch ihre bloße Gegenwart auf hundertachtzig brachte, nahm er den Anruf entgegen. »Ja?«

»In mein Büro«, sagte Hawke. »Du musst draußen was abholen.«

»Bin in zwei Minuten da.« Riaz klappte das Handy zu und trat so nah an Adria heran, dass sie den Kopf heben musste, um ihm ins Gesicht zu sehen. Nun fiel ihm auf, dass in den tiefvioletten Augen goldene Punkte schimmerten – wunderschön und etwas exotisch. »Wir werden unser Gespräch später fortsetzen.«

In dem Augenblick läutete auch Adrias Handy. »Ja?«, meldete sie sich, ohne den Augenkontakt zu dem großen, muskulösen Wolf zu unterbrechen, der dachte, er könne sie einschüchtern.

»In mein Büro«, befahl Hawke.

»Schon auf dem Weg.« Sie legte auf und zog ganz bewusst eine Augenbraue hoch. »Der Leitwolf wünscht mich zu sehen. Würdest du dich gefälligst verziehen«, sagte sie zuckersüß.

Augen in der Farbe von gehämmertem Gold wurden ganz schmal. »Na, dann haben wir wohl denselben Weg.«

Sie bewegte sich nicht einen Zentimeter, bis er zurücktrat und sich auf den Weg zu Hawke machte. Dann schloss sie sich ihm schweigend an, obwohl die Wölfin in ihr die Zähne fletschte und mit Krallen und Zähnen ein blutiges Zeichen setzen wollte. Der verdammte Kerl. Der Blödmann. Ihr war es so gut gegangen nach der endgültigen Trennung von Martin. Und dabei hatten sie sich bis aufs Blut bekämpft!

Du wirst noch angekrochen kommen. Vielleicht werde ich auf dich warten, vielleicht aber auch nicht.

Adria unterdrückte ein heiseres Lachen. Martin hatte noch nicht begriffen, dass es ein für alle Mal vorbei war. Endgültig. Vor über einem Jahr war er aus ihrer gemeinsamen Wohnung gestürmt und hatte vier Monate lang nichts von sich hören lassen. Erstaunlich war nur, dass er die Chuzpe hatte, darüber erstaunt zu sein, dass sie ihm bei seiner Rückkehr ins Gesicht hinein gesagt hatte, er solle sich eine andere Bleibe suchen, und ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte.

»Hast du dir die Zunge abgebissen?« Ein ätzender Kommentar der tiefen männlichen Stimme, bei der sich ihr stets die Nackenhaare aufstellten.

»Beiß dich doch selbst«, grollte sie, denn ihr war überhaupt nicht nach Spielchen zumute. Sie war zu empfindlich, als hätte sie eine Schutzschicht verloren und könnte jederzeit aus der Haut fahren.

»Dich sollte mal jemand beißen«, antwortete Riaz, der ein Knurren nur mühsam unterdrücken konnte. »Und dir dabei gleich den Stock aus dem Hintern ziehen, den du verschluckt hast.«

Adria knurrte vernehmbar in dem Moment, als sie vor der offenen Tür von Hawkes Büro angelangt waren. Der Leitwolf sah auf, als sie eintraten, die blassblauen Augen eines Wolfes in menschlicher Gestalt blickten ihnen fragend entgegen, doch seine Worte waren ganz pragmatisch. »Könnt ihr zwei euch für einen Auftrag freimachen?«

Adria nickte, Riaz ebenfalls. »Um was geht es?«, fragte Riaz nun weit ruhiger.

»Mack ist mit einem Auszubildenden zu einer Routinekontrolle der Wasserstation gefahren«, erklärte Hawke und schob ein paar silbrig goldene Strähnen zurück, die dieselbe Farbe hatten wie sein Fell in Wolfsgestalt. »Ihr Wagen springt nicht an, und sie müssen einige Teile zur Reparatur in die Höhle bringen.«

»Kein Problem«, sagte Riaz. »Ich nehme einen Geländewagen und hole sie.«

Auch Adria war der Meinung, dass die Aufgabe nur einen erforderte, doch Hawke wandte sich jetzt an sie. »Du gehörst zu den Soldatinnen und Soldaten, die die meiste Erfahrung mitbringen.« Hawkes Dominanz forderte Adrias volle Aufmerksamkeit. »Ich möchte, dass du dich wieder mit der Gegend vertraut machst, denn du hast nie längere Zeit in der Höhle verbracht, seit du erwachsen bist.«

Sie nickte. »Ich werde Riley und Eli bitten, mir zwischen meinen Schichten genug Zeit dafür zu lassen.« Das war eine notwendige Zusatzaufgabe – sie stand in der Hierarchie nur knapp unter den Offizieren, und ranghohen Soldaten wurden oft Führungsaufgaben übertragen. Dafür mussten sie jeden Zentimeter des Territoriums kennen, nicht nur den Abschnitt, für den sie im Kampf eingeteilt wurden. »Am besten mache ich das zu Fuß.« So würde sie mehr sehen und wittern.

»Um Einzelheiten kannst du dich später kümmern. Ich möchte, dass du dir sobald wie möglich ein ausreichendes Wissen aneignest.« Er reichte ihr eine dünne Plastikkarte. »Die Fahrt zur Wasserstation führt durch mehrere wichtige Abschnitte – du bist ja als Automechanikerin ausgebildet, oder liege ich da falsch?«

»Das ist richtig.« In der zusätzlichen Ausbildung, die alle weiblichen und männlichen Soldaten ableisten mussten, hatte sie ihr Interesse für diesen Bereich entdeckt. Später hatte ihr die Fähigkeit, Dinge zu reparieren, geholfen, bei Verstand zu bleiben. »Ich werde mir das Fahrzeug ansehen.«

»Was ist mit der Aufforstung?«, fragte Riaz, seine Stimme kratzte über ihre Haut wie Fingernägel auf den altmodischen Schreibtafeln, auf denen die Jungen so gerne zeichneten. »Ist Felix’ Team genügend abgesichert?«

»Alles in Ordnung.« Hawke trat zu der großen Karte an der Wand und tippte auf die mit einem Kreuz gekennzeichnete Stelle, an der die Schlacht mit den Makellosen Medialen stattgefunden hatte. »Die Freiwilligen und freiwillig Verpflichteten –«, scharfe Reißzähne blitzten bei einem wölfischen Grinsen auf, »– forsten das Gebiet mit schnell wachsenden heimischen Gewächsen auf. Noch ist es dort allerdings so leer, dass die Überwachung nicht schwer ist, vor allem, da auch die Raubkatzen einen Teil der Wachen übernehmen.«

Adria fielen die Szenen auf dem Schlachtfeld ein, die Schreie der verwundeten Wölfe, die kalten, tödlichen Flammen. Welchen Preis hatte die junge Mediale wohl dafür zahlen müssen, die eine solche Macht in sich barg – und das Herz des Leitwolfs erobert hatte. »Wie wahrscheinlich ist ein weiterer ernsthafter Angriff der Makellosen Medialen?«, fragte sie, noch fasziniert von dieser Beziehung, die nach außen so ungleich wirkte, obwohl die Wölfin in ihr spürte, dass sie so fest und unerschütterlich wie die Felsmauern der Höhle war.

Riaz war derjenige, der antwortete: »Judds Quellen zufolge mehr als unwahrscheinlich. Die haben ganz andere Probleme.«

»Ein Bürgerkrieg im Medialnet steht möglicherweise bevor«, sagte Hawke und schüttelte den Kopf. »Wenn Judd recht behält, bricht die Hölle los – deshalb sollten wir uns darauf vorbereiten, ein paar Stürme abzuwettern.«

»Also Störmanöver?«, fragte Riaz. Adria wusste, worauf er anspielte: Ab und zu gab es Versuche, Fallen zu stellen.

»So ist es«, stimmte Hawke mit finsterem Blick zu. »Der Witterung nach sind es ein paar wenige überlebende Makellose Mediale, die nicht aufgeben wollen. Sie sind schlecht organisiert, und die Fallen sind lachhaft. Dennoch musste ich alle Wachen anweisen, auf Löcher in der Erde zu achten, um nicht hineinzufallen. Die graben doch tatsächlich Löcher!«

Adrias Wölfin nickte angewidert. Wenn einem nichts anderes mehr einfiel, als Löcher mit Blättern abzudecken und zu hoffen, dass die Wölfe die Falle nicht schon kilometerweit rochen, sollte man sich wirklich zurückziehen. »Früher oder später werden sie die Lust verlieren, aber bis dahin könnte man vielleicht einen Wettbewerb aus der Suche nach den Löchern machen.«

Riaz legte den Kopf in Wolfsmanier schräg, und selbst in Hawkes nervlich strapazierter Miene regte sich Interesse.

»Mir ist aufgefallen«, sagte sie und vermied den Blick auf den Mann zu ihrer Rechten, »dass es die Soldaten an den Grenzen frustriert, so viel Zeit damit verbringen zu müssen, die Fallen auszuschalten, das kann ganz schnell in Wut umschlagen. Was nach einer kräftezehrenden Schlacht gar nicht gut für unsere Leute wäre. Aber wenn derjenige, der die meisten Fallen entdeckt, am Ende der Woche einen Preis erhalten würde –«

»– wird ein Spiel daraus«, vervollständigte Riaz den Satz und nickte. »Das ist richtig gut.«

Adria hielt hinter ihrem Rücken ihr rechtes Handgelenk fest umklammert, um Riaz nicht anzufahren, dass sie von ihm keine Bestätigung brauchte. Eine solch heftige Reaktion lag ihrem ansonsten eher gleichmütigen Wesen so fern, dass sie sich auf die Lippen biss und starr geradeaus schaute, um aus diesem Gemütszustand herauszukommen. »Vielen Dank.« Zuckersüß. »Da bin ich aber froh, dass dir der Vorschlag gefällt.«

Die Luft erzitterte von einem Knurren.

»Wölfe spielen gerne«, sagte Hawke, dessen Gesicht verdächtig wenig Regung zeigte. »Drew ist wohl am besten geeignet, um so etwas zu organisieren – ich werde mich darum kümmern.« Er sah auf die Zeitanzeige an der Wand. »Ihr solltet euch auf den Weg machen, wenn ihr vor dem Abendessen zurück sein wollt.«

Als sie das Büro an der Seite des Mannes verließ, dessen Witterung – dunkel wie der Wald mit einem Hauch von Zitrusduft und Rauch – auf ihrer Haut kribbelte, sagte Adria: »Wir sollten Verpflegung mitnehmen.« Die Fahrt war weit, außerdem hatten Mack und der Techniker eigentlich gar nicht so lange dort oben bleiben wollen und waren sicher hungrig.

»Hier gibt es bestimmt etwas«, sagte Riaz und betrat den Aufenthaltsraum der älteren Soldaten.

Mit geübten Gesten belegten sie rasch ein paar Brote und waren zehn Minuten später am Wagen. Adrias Bauchmuskeln verkrampften sich, als sie einstieg, und sie nahm sich vor, sich auf den Weg und die Gegend zu konzentrieren, auf alles, nur nicht auf den männlichen Duft, der von der Fahrerseite kam … denn jetzt wusste sie genau, warum er so heftige Gefühle in ihr auslöste.

Riaz fuhr in die Berge, das eisige Schweigen auf dem Beifahrersitz war ihm nur allzu bewusst. Je mehr Zeit er mit Adria verbrachte, desto mehr fiel ihm auf, wie sehr sie sich von Indigo unterschied, trotz der äußerlichen Ähnlichkeit der beiden. Die Gesellschaft von Indigo hatte er unter anderem deshalb so genossen, weil sie so geradeheraus war – Adria dagegen war wie ein verschlossener Kasten, an dessen Seiten Schilder klebten, auf denen Zutritt verboten stand.

Das konnte er verstehen. Himmel, auch er hatte Verbotszonen, doch bei Adria bestand die Rüstung aus Glassplittern, an denen man sich blutig stach. »Dieser Weg ist der schnellste zur Wasserstation«, sagte er, denn jenseits aller persönlichen Animositäten wusste er um seine Verantwortung und tat, was zu seinem Job gehörte.

»Nicht nach der Karte, die Hawke mir gegeben hat.« Sie warf ihm einen kurzen Blick zu. »Warum nehmen wir nicht die andere Straße?«

Er hielt den Wolf in sich zurück, der schon die Zähne fletschte, weil er nach der Provokation vorhin nur auf eine Gelegenheit zum Kampf wartete. »Steil abfallende Klippen.« Als Offizier schätzte er ihre Intelligenz und die Entschlossenheit zu lernen – obwohl sie ihren scharfen Verstand oft genug nutzte, um ihm verbal eins zu verpassen.

Er nahm zwei scharfe Kurven und fuhr weiter in die Berge, deren Spitzen fast den Himmel berührten.

»Soll Angreifer aufhalten, falls sie jemals so weit kommen.«

Adria sagte eine ganze Zeit lang nichts, verfolgte nur ihren Weg auf der Karte. »Ich werde jemanden bitten, mich auf meinen Erkundungszügen zu begleiten, damit ich solche Dinge nicht übersehe.« Die heisere Stimme war kaum hörbar, weil sie ihren Gedanken nachhing. »Für Jugendliche gab es keinen Grund, sich all das zu merken oder überhaupt kennenzulernen, und bestimmte Sicherheitsvorkehrungen haben sich sicher geändert.«

»Ich werde dich begleiten«, sagte Riaz. Verdammt noch mal, er war Offizier, selbst für einen stachligen Kaktus wie Adria. »Indigo hat dafür gesorgt, dass ich mich mit allem vertraut machte, als ich aus Europa kam.« Während seiner Zeit in Übersee hatte es auch eine Reihe von Veränderungen gegeben. »Tut mir sicher gut, mein Gedächtnis aufzufrischen.«

Adria blinzelte und klammerte sich an die Karte. »Das Angebot weiß ich zu schätzen.« Etwas anderes konnte sie nicht sagen, ohne sich zu verraten.

Riaz schnaubte, mit festem Griff lenkte er den Wagen an einem besonders steilen Flussbett entlang, auf den gebräunten Unterarmen schimmerte ein Flaum von schwarzen Haaren. »Ungefähr so sehr wie eine Wurzelbehandlung«, sagte er und stellte den Hoverantrieb ein. »Aber ganz egal, welche Probleme du mit mir hast, wir müssen zusammenarbeiten.«

Sie schob den Unterkiefer vor und konzentrierte sich auf das, was sie durch die Windschutzscheibe sah – die beeindruckendste Landschaft der ganzen weiten Welt. Der Sommer ging dem Ende zu, der Herbst hing wie eine kühle Verheißung in der Luft, doch an diesem Ort war das Land noch in tiefes Grün getaucht, und auf den fernen Bergwipfeln lag Schnee. Sie war hier aufgewachsen, und obwohl sie so lange weg gewesen war, regten sich bei dem Anblick in ihrer Wölfin dieselben Empfindungen wie bei allen anderen Wölfen im Rudel auch. Das Revier der Höhle war für alle ein Zuhause, selbst wenn sie einem anderen Ort diesen Namen gegeben hatten.

Hier kann ich genesen.

Ein Gedanke ganz tief in ihr, der beinahe die Anspannung löste, die – »Wer ist denn das?« Sie beugte sich vor, als ein großer hellbrauner Wolf links an ihnen vorbei über eine Wiese eine schlanke silberne Wölfin verfolgte, die sie sofort erkannt hatte. »Der Rabauke stürzt sich auf Evie.« Wut stieg in ihr auf. »Halt an.«

Riaz’ amüsiertes Auflachen fachte ihren Zorn noch mehr an. »Das ist Tai, und Evie würde eine Störung nicht zu schätzen wissen, Tante Adria.«

Adria verkniff sich eine harsche Zurechtweisung und sah sich die beiden Wölfe noch einmal genauer an. Nun fiel ihr auf, was sie zuerst übersehen hatte. Sie balgten sich spielerisch mit Krallen und Zähnen, aber keineswegs wirklich aggressiv. In dem Augenblick, als Riaz einen Schlenker machte und die beiden gleich darauf aus ihrem Blickfeld verschwanden, rieben sie gerade die Köpfe aneinander: Tai und Evie spielten gar nicht, sie warben umeinander.

»Sie ist noch zu jung.« Indigo war beinahe so alt wie Adria, aber Evie war erst weit später zur Welt gekommen. Das kleine Mädchen war um sie herumgekrabbelt, als Indigo und Adria Teenager gewesen waren – ein süßes, eigenwilliges und von allen geliebtes Kind. Adria konnte sich nicht vorstellen, dass ihre unterwürfige Nichte in der Lage war, mit einem dominanten Mann umzugehen. Sie hatte Tai kennengelernt und wusste, dass er weit stärker und gefährlicher als Evie war.

»Sie ist eine Wölfin«, sagte Riaz mit tiefer Stimme, die unangenehm auf Adrias Brüsten vibrierte. »Eine erwachsene Wölfin. Berührung ist für die meisten von uns eine Notwendigkeit, auch wenn Sie es vergessen haben sollten, Miss Frost.«

Ihre Hand ballte sich zur Faust, die Nerven lagen blank.

Ein Jahr.

Seit einem Jahr hatte sie keine intime Berührung mehr gehabt, was für eine Raubtiergestaltwandlerin in den besten Jahren ein schmerzhaft langer Zeitraum war. Und selbst davor waren die Gelegenheiten rar gewesen, und ihre Wölfin hungerte nach Zuneigung. Aber sie war damit zurechtgekommen, hatte mit dieser Seite in sich Frieden geschlossen, bis Riaz und die heftige sexuelle Anziehung, die er auf sie ausübte, die Krallen in ihr Fleisch geschlagen hatten, sodass sie kaum noch klar denken konnte.

»Da wir schon mit Steinen auf Glashäuser werfen«, sagte sie und schützte sich, indem sie zum Angriff überging. »Ich bin hier nicht die Einzige, die alleine schläft.« Riaz war ein begehrenswerter Mann – die Tatsache, dass er keine Geliebte hatte, machte alle Wölfinnen nervös, die sich nichts Besseres vorstellen konnten, als mit ihm in die Kiste zu hüpfen. »Vielleicht solltest du mal lieber über dich selbst nachdenken.«

Riaz knurrte tief, sie spürte seine Dominanz deutlich. Er fuhr an die Seite und hielt den Wagen an. »Das reicht jetzt.« Unter seinem Blick wagte sie es nicht, sich zu rühren. »Was zum Teufel ist nur mit dir los?«

2

»Fahr weiter«, sagte sie, obwohl sie fast aus der Haut gefahren wäre, so stark war der Wunsch, ihm das T-Shirt herunterzureißen und die Zähne in die festen Muskeln zu schlagen. »Mack wartet.«

»Der kann ruhig noch ein paar Minuten länger warten.« Augen, die nichts Menschliches mehr an sich hatten, bohrten sich in ihre. »Seit du wieder in der Höhle bist, hast du mich auf dem Kieker. Ich will endlich wissen, warum.«

Mit einem Knoten im Magen löste sie den Gurt, öffnete die Tür und trat hinaus in die kalte Bergluft, die nur noch sehr entfernt an den Sommer erinnerte. Doch die Kälte kühlte weder ihr Blut noch die wütende Begierde in ihrem Körper, die sie wieder zu einer Sklavin machen wollte. Dabei hatte sie doch gerade erst ihre Freiheit wiedergefunden.

Verzweifelt versuchte sie den innerlichen Sturm mit der Konzentration auf die beeindruckende Umgebung zu bekämpfen, während die Wölfin in ihr an der Haut kratzte, denn der gefiel es ganz und gar nicht, dass sie sich zurückgezogen hatte. Riesige Felsbrocken aus der Eiszeit türmten sich vor ihr auf, hinter denen großen Tannen aufragten. Und über allem thronte ein schmerzhaft blauer Himmel.

Heimat.

Eine Tür schlug zu, Stiefelschritte näherten sich und machten jeden Versuch zunichte, die Kontrolle über sich wiederzuerlangen. Dann stand Riaz vor ihr. Sie sah nur noch starke Muskeln und roch mit jedem Atemzug die dunkle, wilde Witterung.

»Wir werden nicht gehen, bis das hier erledigt ist«, sagte er. Blauschwarz glitzerte sein Haar im Sonnenlicht.

Sie bekam kaum noch Luft, fühlte sich wie in einer Falle. Deshalb schob sie ihn fort und stellte sich so, dass sie nicht mehr mit dem Rücken zum Wagen, sondern ein wenig seitlich von ihm stand. »Du kannst mir nicht alle Schuld zuschieben.« Gelassenheit gab es nicht mehr, instinktiv schlug sie zurück. »Du piesackst mich doch, seit ich den Fuß wieder in die Höhle gesetzt habe.«

Er knurrte, und diesmal legte sich der Ton wie eine raue Hand um ihren Hals. »Scheißselbstschutz. Nach dem ersten Blick hast du doch beschlossen, mich zu hassen. Ich will nur wissen, warum.«

O Gott, wie war sie bloß da hineingeraten? Sie hatte doch sonst immer ihre Gedanken und Worte in der Hand. Sie war ruhig und einfühlsam, hatte stets einen kühlen Kopf behalten und gewusst, wo es langging, als die Hormone ihre Freundinnen und sie in jungen Jahren gebeutelt hatten. Sie war die Einzige gewesen, die stets die richtigen Worte gefunden hatte, um jede von der adrenalingesteuerten Klippe zurückzureißen, an der sie nun selbst stand.

»Es ist nichts Persönliches«, sagte sie und nahm sich bewusst zurück, bevor ihre frustrierte Wölfin die Führung übernahm und sie sich an den Lippen eine Mannes labte, dessen Mund gerade vor Wut schmal wie ein Strich war. »Ich bin nun mal zickig.« Martin zufolge war sie eine Zicke mit einem Stein in der Brust statt eines Herzens.

Riaz schnaubte. »Netter Versuch, aber ich habe gesehen, wie du zu anderen im Rudel bist.« Er kam wieder einen Schritt näher, nahm ihren Raum und ihre Sinne in Beschlag, der Waldduft wurde vom Geruch des zornigen Wolfs überlagert. »Du kannst sogar lachen. Wie wär’s mit einem Lächeln für mich?« Das dunkle Gold seiner Augen durchbohrte sie.

Zum Teufel, sie würde sich von ihm doch nicht überrennen lassen. »Geh mir aus den Augen!«

»Bist du sicher, dass es das ist, was du willst?«, fragte er und schob den Unterkiefer gefährlich vor. »Vielleicht fauchst du ja nur wie eine Katze, weil ich näher kommen soll.«

Sie hielt die Luft an.

Riaz riss die Augen auf.

»Verdammt noch mal.« Er war höchst erstaunt.

Nur einen Sekundenbruchteil später lagen starke, raue Hände um ihren Kopf, ein fordernder Mund suchte ihre Lippen, und der köstlich erregende Duft von Zitrone und bitterer Schokolade erfasste ihre Sinne.

Adria erstarrte, dann übernahm ihr ausgehungerter Körper die Führung, und die Wölfin brach hervor. Sie griff nach Riaz’ Schultern, genoss den sinnlichen, leidenschaftlichen Kuss eines freigiebigen Partners. Als er sie mit kräftigen Händen hochhob, schlang sie die Beine um seine Hüften und ließ sich gegen die Wagentür drücken. Er schmeckte so sinnlich und gefährlich wie er aussah, mit der einen Hand wühlte er in ihrem Haar, mit der anderen hielt er ihre Hüfte umfangen.

Teile von ihr, die schon weit länger als ein Jahr in einem Kühlhaus geschlummert hatten, erwachten nun hungrig und überaus wild zum Leben. Riaz knurrte, als ihre Krallen blutige Striemen in seinen Nacken zogen, doch er küsste sie umso leidenschaftlicher und näherte sich unter dem T-Shirt ihrer Brust.

Der Schock dieser besitzergreifenden Geste katapultierte sie fast aus ihrer Raserei, aber dann glitt die Hand unter den Büstenhalter, und jeder rationale Gedanke wurde von starken Empfindungen fortgerissen. Sie konnte nicht genug von seinen Lippen bekommen, saugte sich fest an seiner Zunge, küsste die stoppligen Wangen und biss kräftig in seine Halsmuskeln.

Erneut knurrte er tief, bog ihren Kopf nach hinten, um sich ihrem Mund zu widmen. Er war nicht sanft, aber das wollte sie auch nicht, hieb die Krallen tief in seine Schultern und rieb sich ungeduldig an ihm. Er nahm die Hand von ihrer Brust, öffnete den Knopf ihrer Jeans und zog den Reißverschluss auf. Als sie sich von seinem Mund löste, um Luft zu holen, schob er die Hand in ihren Slip, in die feuchte Spalte zwischen ihren Beinen – und stieß mit zwei Fingern so fest in sie hinein, dass sie aufschrie und sich in Wellen von Lust auflöste.

Der Orgasmus schnitt sie wie ein Schwert entzwei und ließ sie ganz leer zurück. Sie öffnete die Augen, als er die Finger herauszog, und sah ein Glitzern in seinen Augen, das sie nur zu gut kannte. Wut. Auf sie. Und auf sich selbst. »Lass mich runter«, sagte sie, bis ins Innerste erschüttert von ihrer heftigen Reaktion.

Noch nie hatte sie etwas Vergleichbares erlebt … und sich so verloren gefühlt, als säße ein Eisblock in ihr.

Ohne ein Wort setzte er sie ab und hielt sie an der Taille fest, weil ihre Beine zitterten. »Nimm die Hände weg.« Verdammt noch mal, sie würde nicht zulassen, dass er sie mit diesem Blick berührte, mit diesem Zorn, der wie ein Schlag ins Gesicht war.

Riaz ließ die versteinerte Frau in seinen Armen los und drehte sich auf dem Absatz um. »Mist, verdammter.« Was zum Teufel war da gerade passiert? Er mochte Adria nicht einmal und hätte dennoch seine Gefährtin fast mit ihr betrogen, würde sie bereits wild vögeln, wenn sie nicht abgebrochen hätte. Sein Schwanz war so steif, dass es wehtat. Nein!

»Hier, bitte.«

Als er sich wieder umwandte, hielt sie ihm eine Wasserflasche hin.

»Wasch dir die Finger«, sagte sie mit hochroten Wangen. Schon bevor sie die nächsten Worte ausspuckte, wusste er, dass die Röte nichts mit Scham zu tun hatte. »Ich will meinen Irrtum nicht an die große Glocke hängen«, presste sie zwischen den Zähnen hervor.

Innerhalb von Sekunden saß sie im Fahrzeug, erneut die Eisstatue, an der nichts mehr an die leidenschaftliche Frau erinnerte, die er noch vor zwei Minuten feucht und heiß an seinen Fingern gespürt hatte.

3

Ratsherr Kaleb Krychek untersuchte das Bewusstsein des Individuums, auf das ihn der Netkopf – Bibliothekar und Wächter des Medialnet – aufmerksam gemacht hatte. Es war ein mäßig mächtiger Telepath von fünf Komma sieben, der bei einem großen Unternehmen angestellt war. Sein Silentium bröckelte, ein genauer Beobachter konnte bereits die feinen Risse erkennen. Doch das war nichts Ungewöhnliches und interessierte Kaleb nicht.

Der Mann hatte das Pech, besonders anfällig für die namenlose und weithin unbemerkte Krankheit zu sein, die lautlos und umso tödlicher ins Medialnet sickerte. Früher Infizierte waren inzwischen tot oder dem Wahnsinn verfallen. Der Massenwahnsinn auf der Sunshine Station hatte einhunderteinundvierzig Opfer gefordert, elf von ihnen hatte man ins Koma versetzt, weil man glaubte, sie dadurch retten zu können.

Aber das war nicht der Fall gewesen.

Doch das Individuum 8–91 funktionierte trotz fortgeschrittener Infektion ganz normal, woraus Kaleb schloss, dass sich die Krankheit im Medialnet verändert hatte und nun länger in ihrem Wirt überleben konnte. Bislang war die Infektion nur im direkten Kontakt mit einem bereits »toten« Abschnitt des Medialnet aufgetreten und übertrug sich nicht von einem Individuum auf das andere, doch es war mehr als wahrscheinlich, dass sie weiter mutieren und noch gefährlicher werden würde. Kaleb selbst war immun gegen die Infektion, was offensichtlich seiner Verbindung zum Zerrbild des Netkopfzwillings zuzuschreiben war.

8–91 war der erste Wirt, in dem der Netkopf die neue Variante des Virus gefunden hatte, und damit hatte Kaleb nun ein Messinstrument, einen »Kanarienvogel im Kohlenschacht«. Der altmodische Ausdruck passte genau. Wenn 8–91 weiterhin so reagierte wie bisher, würden sich bei ihm katastrophale Effekte der Fäulnis eher zeigen als bei jedem anderen im Medialnet.

Falsch, korrigierte sich Kaleb, 8–91 zeigte ja bereits diese Effekte. Im Schlaf war es vor zwei Tagen zu einem Gewaltausbruch gekommen, der Mann hatte sich die Hand gebrochen, als er gegen eine Wand geschlagen hatte. Interessant war nur, dass dieser Ausbruch offensichtlich nicht auf einen Bruch von Silentium zurückzuführen war – obwohl der Mann das nicht wusste. Auslöser war die Veränderung der Krankheit in seinem Kopf gewesen.

8–91 war schlau genug gewesen, sich eine plausible Geschichte auszudenken, bevor er einem M-Medialen die Hand gezeigt hatte, doch der Netkopf beobachtete den Mann schon eine ganze Weile und war über jeden seiner Schritte informiert. Und da sowohl der Netkopf als auch dessen Zwilling, der Dunkle Kopf, in Verbindung mit Kaleb standen, wusste auch dieser immer über den Zustand von 8–91 Bescheid.

Weiter beobachten, beschied Kaleb den Netkopf nicht in Worten, sondern durch eine intuitive Verbindung, die er nicht einmal einem anderen Medialen hätte erklären können. Schütze ihn vor Entdeckung. 8–91 musste im Medialnet aktiv sein. Jede Störung würde das Bild verdunkeln, das Fortschreiten der Krankheit nicht mehr deutlich zeigen und es so Kaleb schwerer machen, den Prozess zu verstehen.

Ein Bewusstseinsstrom des Netkopfes: eine Frage.

Nein, antwortete Kaleb. Du kannst ihn nicht retten. Er ist schon zu sehr beschädigt. Die Fäulnis saß bereits in den Gehirnzellen, fraß Teile des Frontallappens – die Veränderung war allerdings so schleichend, dass sie dem M-Medialen selbst dann entgangen wäre, wenn er kein Orthopäde, sondern Neurologe gewesen wäre. Wie sich schon bei den Infizierten der Sunshine Station erwiesen hatte, gab es keine Heilung, und die neue Variante war noch viel komplexer als das damalige Virus. Doch selbst wenn eine Heilung möglich gewesen wäre, hätte Kaleb nicht anders entschieden – der Tod von 8–91 war unausweichlich.

Jemand musste der Kanarienvogel sein.

Nachdem er die Veränderungen notiert hatte, entließ Kaleb den Mann aus seinen Gedanken und kehrte in seinen Körper zurück, stellte aber vorher noch dem Netkopf und dem Dunklen Kopf eine Frage: Wisst ihr, wo sich diese Person befindet? Er schickte ein Bild und ein geistiges Profil, das er aus Erinnerungen und Informationen aus Akten zusammengestellt hatte, zu denen er sich im Laufe der Jahre Zutritt verschafft hatte.

???

Etwas anderes als dieses Zeichen von Verwunderung hatte er noch nie von den beiden Wesenheiten erhalten, seit er zum ersten Mal nach der Person gefragt hatte, die er aus ganz persönlichen Gründen suchte. Als befände sie sich überhaupt nicht mehr im Medialnet. Doch Kaleb wusste es besser. Und nichts, nicht einmal das unerklärliche Versagen von Netkopf und Dunklem Kopf, würde bewirken, dass er sein Ziel aus den Augen verlor und die Suche aufgab.

4

Hawke schnappte sich Siennas Hand, als sie einander im Flur begegneten, und zog sie in eine Ecke, wo die neugierigen Gefährten sie nicht sehen konnten. »Wohin so eilig?« Der Wolf in ihm freute sich, sie zu sehen, und tollte wie ein Junges in ihrem Herbstduft herum. Der Geruch erinnerte ihn daran, wie er sie heute Morgen geweckt und ihren Duft auf höchst intime Weise eingesogen hatte.

»Ich treffe mich mit ein paar Leoparden zum Mittagessen«, antwortete Sienna leise und liebevoll, während sie ihm über die Brust streichelte.

»Mit Kit?« Er knurrte.

»Ja.« Die Falten auf ihrer Stirn waren ebenso gerade wie ihr Mund. »Wir sind Freunde.«

Der Junge hatte sie geküsst, hatte es gewagt, sie anzufassen und ihr seine Witterung aufzudrücken. »Nein.« Der Befehl eines Wolfes, der an Gehorsam gewöhnt war.

Doch Sienna Lauren Snow hatte sich ihm noch nie gebeugt. Sie entzog ihm ihre Hand, stellte sich auf die Zehenspitzen und fuhr ihm mit beiden Händen durchs Haar. »Doch.«

Sie hielt seinem einschüchternden Blick stand, setzte der Dominanz des Wolfs den stählernen Willen der kardinalen X-Medialen entgegen. »Dafür sollte ich dich wieder beißen«, grummelte er und rieb mit dem Finger über die Stelle zwischen Hals und Schulter, wo er sie am liebsten zwickte.

Die Drohung brachte Sienna nur dazu, weiter mit seinem Haar herumzuspielen. »Das hast du doch heute Morgen schon getan. Jetzt bin ich dran.« Sie biss ihm in die Unterlippe. »Willst du nicht mitkommen?«

Klar, verdammt noch mal – denn obwohl er seine kluge und sinnliche Gefährtin nicht einschüchtern konnte, konnte und würde er der kleinen Raubkatze, die sie einen Freund nannte, nur zu gerne eine Warnung zukommen lassen. Aber – »Ich muss mich mit den Müttern treffen.« Die Erinnerung daran ließ ihn zusammenzucken, und er senkte den Kopf, damit ihn Sienna besser liebkosen konnte. »Die sind wegen der Jugendlichen auf dem Kriegspfad.«

Lachend fuhr Sienna mit den Fingernägeln über seine Kopfhaut, sein Wolf reckte sich ihr entgegen. »Hört sich an, als hättest du Angst vor ihnen.«

»Ein Mann, der sich vor einem Haufen Mütter nicht fürchtet, die sich gegen ihn verbündet haben, sollte untersuchen lassen, ob er noch ganz richtig im Kopf ist.« Noch immer aufgebracht wegen ihrer Verabredung, richtete er sich auf, und die Hände seiner Gefährtin glitten auf seine Schultern. »Wenn das Katzenjunge dich auch nur berührt, reiße ich ihm beide Arme aus, und wenn er hundertmal dein Freund ist.« Das war kein Spaß – das Band zwischen ihnen war so kurz nach ihrer Vereinigung noch zu frisch und sein Wolf über alle Maßen besitzergreifend.

Das Lächeln auf Siennas Gesicht verschwand. »Du weißt genau, dass ich nie –«

»Klar weiß ich das«, blaffte er, weil er wütend war, dass sie an seinem Vertrauen gezweifelt hatte. »Aber darum geht es nicht.«

Eine hochgezogene Augenbraue und spitze Fingernägel in seinen Schultern. »Und um was geht es denn, Eure Leitwolfhoheit?«

Er schnappte nach ihr, weil sie so kess daherkam. »Du gehörst mir. Ein für alle Mal. Kein anderer Mann darf dich berühren.« Er überlegte kurz. »Sondererlaubnis für familiäre Zuneigung von männlichen Verwandten.«

Als sie darauf nichts sagte, beugte er sich vor und flüsterte: »Ich habe dich gewarnt.« Seine Lippen streifen ihr Ohr. Er hatte ihr genau beschrieben, was es bedeutete, ihm zu gehören, wie schwierig er war, wie vollkommen er sie besitzen wollte. Dennoch war sie zu ihm gekommen. Doch nun fragte er sich, ob ihr erst jetzt klar geworden war, was er von ihr verlangte. Der Gedanke, dass er, so wie er nun einmal war, seiner Gefährtin Leid zufügte, ließ beide Teile von ihm in Lauerstellung auf eine Reaktion warten.

Sienna erschauerte und schob ihn von sich, damit sie ihm in die Augen sehen konnte. Ihr Blick war dunkel und ernst … doch dann lachte sie – es fuhr wie ein Blitz über seinen Pelz. »Geschieht mir wohl ganz recht, dass ich die Gefährtin eines Leitwolfs bin«, sagte sie, und die Sterne in ihren schwarzen Augen funkelten.

Sein Wolf entspannte sich. Er nahm keine Angst in ihrer Witterung wahr, auch nicht in ihrem spöttischen Lächeln; die rotgoldenen Flammen im Band zwischen ihnen flackerten hell. Er hatte den Kopf auf ihre Schulter gelegt und strich ihr über den Rücken. »Vielleicht werde ich ein wenig … lockerer, wenn wir eine Weile zusammen sind.«

»Wirst du sicher nicht.« Sienna küsste ihn heiß auf die Wange. »Aber ich liebe dich, so wie du bist – und ich weiß mich zu wehren. Also tu dein Schlechtestes, du wunderbarer Mann.«

Er war zugleich stolz auf ihre Stärke und gereizt, weil sie so unbeugsam war. Eine nicht unbekannte Konstellation, wenn es um diese Frau ging. Sienna war zwar jünger und kleiner als er, bot ihm aber ohne Zögern die Stirn. Bei dem Gedanken musste er grinsen, wahrscheinlich würden ihre Dickschädel noch die nächsten zehn Jahre aneinanderkrachen. Er konnte es kaum erwarten.

»Also«, sagte sie und fuhr mit dem Finger die Umrisse seines Lächelns nach. »Worüber regen sich die Mütter auf.«

Er war gewohnt, mit den Offizieren und älteren Gefährten über Rudelangelegenheiten zu sprechen, aber mit Sienna war es etwas völlig anderes. Weil sie ihm gehörte und ihm nicht nur zuhörte, wenn es um das Rudel ging, sondern weil sie gerne mit ihm zusammen war und wissen wollte, was ihn beschäftigte.

»Das Wort ›Hormone‹ ist gefallen«, sagte er und spürte schon ein Pochen im Schädel. »Ein paar ältere Jugendliche sind offensichtlich zu agil. Wahrscheinlich muss ich am Ende die Jungs von den Mädels wegziehen und ihnen deutlich machen, dass sie ihre Pfoten bei sich behalten sollen.« Aufstöhnend legte er seine Stirn an ihren Kopf. »Und dann muss ich dasselbe womöglich auch noch den Mädchen sagen.« Normalerweise hätten sich Indigo oder Riley der Sache angenommen, aber in manchen Fällen drang nur der Leitwolf durch.

»Aber Körperprivilegien gehören zum Leben im Rudel und sind allgemein akzeptiert.« Siennas Atem strich über seine Lippen. »Meine Freunde hatten alle schon in jungen Jahren Beziehungen.«

»Dennoch gibt es Grenzen«, sagte Hawke und widerstand der Versuchung, ihren Zopf zu lösen und die Hände in dem rubinroten Haar zu vergraben. »Manchmal muss man den Wolf daran erinnern, dass er warten muss, bis die menschliche Hälfte auch bereit ist.«

Sienna überlegte. »Das verstehe ich. Aus demselben Grund hast du dem Wolf die Führung überlassen, als du jünger warst – er war damals reifer als der Mensch.«

Seine Finger zupften spielerisch an ihrem Zopf. »Wir lernen als Kinder, den Wolf in uns zu beherrschen. Das müssen wir unser Leben lang beibehalten. Ohne diese Kontrolle würde es noch mehr wilde Einzelgänger geben.« Gestaltwandlerwölfe, die sich ihrem Tier überließen, wurden zu grausamen Mördern – und oft fielen ihnen die eigenen Gefährten zum Opfer.

»Meinst du, das ist die Reaktion auf die Evakuierung aus der Höhle?«

»Ja, aber wenn dieser Umstand sie so durcheinanderbringt, müssen wir das ganze junge Volk beobachten und neu unterweisen.«

Sienna strich über seinen Nacken. »Ich weiß, dass die Sache dir Kopfschmerzen bereitet, aber ich liebe dich nur umso mehr, wenn ich sehe, wie du für jeden Einzelnen im Rudel sorgst, für Junge und Alte, Starke und Schwache.«

Verbale Streicheleinheiten hatte er nie gebraucht, aber wenn Sienna so etwas sagte, bedeutete es ihm viel. Er hob den Kopf, ließ ihren Zopf los und strich mit dem Handrücken über ihre Wange. »Geh jetzt zu deinem Mittagessen.« Der Satz kostete ihn Überwindung, schließlich schickte er sie zu einem Mann, der früher eindeutig Interesse an ihr gezeigt hatte. »Aber ihr verlasst das Revier doch nicht?« Es war noch zu gefährlich für sie, sich nach draußen zu wagen.

Denn nun wusste der Rat, dass sie am Leben war, und damit auch Ratsherr Ming LeBon, der versucht hatte, sie bereits als Kind zu einer tödlichen Waffe auszubilden. Und Siennas Fähigkeiten waren unvergleichlich – niemand konnte vorhersehen, wie sich ihre Kräfte noch entwickeln würden … denn bislang hatte noch kein anderer kardinaler X-Medialer so lange überlebt wie sie.

Sein Magen zog sich zusammen, wenn er sich vorstellte, dass Sienna vernichtet oder tot in der Hand des Feindes wäre, und er ballte die Fäuste, um nicht sofort nach ihr zu greifen und sie in ihrer Wohnung einzusperren, wo sie in Sicherheit wäre. Er kämpfte dagegen an, denn das wollte er niemals tun. Er würde sie nie in einen Käfig sperren. Sie hatte schon genug Zeit eingesperrt zugebracht – das geistige Gefängnis, das ihre Kräfte im Zaum halten sollte, war eine Tortur für sie gewesen.

»Nein«, versicherte sie ihm. »Das würde ich in einer solch unsicheren Lage nie riskieren. Wir treffen Kit und die anderen in der Weißen Zone und gehen dann zum Wasserfall.«

»Wir?«

»Riordan, Evie und Lake kommen mit.«

Sein Wolf beruhigte sich. Die Jungs würden schon aufpassen, dass niemand in seinem Revier wilderte – aber das würde er nicht laut hinausposaunen, beschloss er mit einem zufriedenen Grinsen. »Willst du mit den Kindern zu Abend essen?«, fragte er rasch, denn sie würden sich bald trennen.

Wieder dieses Lächeln, das sie ihm nie gezeigt hatte, als sie noch umeinander herumgeschlichen waren … und das er nun jeden Tag sah. Es durchfuhr ihn jedes Mal aufs Neue. »Gerne«, sagte sie. »Macht es dir nichts aus, so viel Zeit mit ihnen zu verbringen?«

»Natürlich nicht.« Toby war Siennas Bruder, Marlee ihre Cousine. Sie gehörten zum Rudel; Junge mussten geliebt und geschützt werden. »Seit Walker mich nicht mehr mit dem Todesblick anstarrt, ist es ganz gemütlich geworden.« Der älteste Lauren war sehr beschützend gegenüber denen, für die er sorgte, und betrachtete Sienna als seine Tochter. Hawke hatte keinerlei Zweifel, dass Walker ihm still und sehr methodisch das Gedärm aus dem Leib reißen würde, wenn er Sienna auch nur das kleinste bisschen Leid zufügte. Sein Wolf wusste das zu schätzen.

Lachen schlang sich wie Seidenbänder um ihn, das blutrote Feuer seiner Gefährtin pulsierte in seinen Adern. »Lara wird dich beschützen.« Sie stahl ihm noch einen Kuss, trat einen Schritt zurück und blieb dann stehen. »Ich liebe dich«, sagte sie aus ganzem Herzen.

Er wusste, was es ihr bedeutete, diese Worte zu sagen und zu wissen, dass niemand ihr Schmerzen zufügen würde, nur weil sie es wagte, etwas zu fühlen und aus vollem Herzen zu lieben. Er trat ganz nah an sie heran und küsste sie so zart, wie er konnte, legte die Finger besitzergreifend um ihren Hals.

»Musst du ganz bestimmt zu diesem Treffen?«, flüsterte sie mit feuchten Lippen, als er den Kopf hob.

Sein Wolf war in Versuchung. Sehr in Versuchung. »Nell und ihre Frauen würden uns suchen und aufstöbern.« Mit Müttern legte man sich besser nicht an. »Und dann dafür sorgen, dass wir uns schämen müssten wie Kleinkinder.« Er küsste sie noch einmal und rieb mit dem Daumen über ihre Halsschlagader, versagte sich aber einen Biss. Später, versprach er seinem Wolf. »Wir sehen uns heute Abend.«

Er sah ihr nach, bis sie um die Ecke verschwunden war, die Besitzgier schoss so überwältigend in ihm hoch, dass er sie am liebsten über die Schulter geworfen und sofort ins Bett getragen hätte. Am besten noch daran gefesselt, um die Sache komplett zu machen.

»Denk nicht mal dran«, sagte Riley, als er zu ihm trat, um gemeinsam dem Jüngsten Gericht gegenüberzutreten.

Hawke sah seinen ranghöchsten Offizier an, der immer so ruhig und ausgeglichen wirkte. »Du kannst nur wissen, woran ich gedacht habe, wenn du schon einmal ähnliche Gedanken gehegt hast.«

»Mercy vergibt mir … meistens jedenfalls.« Er lächelte. »Komm schon. Wir haben es lang genug hinausgezögert.«

Sie gingen los und Hawke fragte: »Irgendwelche Probleme zwischen Riaz und Adria?«

»Persönliche Konflikte, glaube ich. Trotzdem arbeiten sie einigermaßen gut zusammen.« Der Offizier sah Hawke an. »Warum fragst du? Soll ich ihre Schichten trennen?«

»Nein. Sie sollen das lieber austragen.« Hawke hatte etwas Heftigeres als banale persönliche Konflikte wahrgenommen, doch sein Wolf wusste, wann er schweigen musste. Deshalb brachte er das Gespräch jetzt auf die Jugendlichen, und sie legten den Rest des Weges mit Überlegungen zu diesem Thema zurück.

Besprechungen wie die anstehende gehörten zwar nicht zu Hawkes Lieblingsaufgaben, aber es war gut, einmal etwas so Normales zu tun, wie sich um Jugendliche Sorgen zu machen. Man musste nicht die Überwachung von Medialen organisieren oder sich auf einen Angriff vorbereiten. Musste kein Waffenlager aufstocken oder überprüfen, ob genügend Medikamente vorrätig waren, während man auf den Zeitpunkt wartete, an dem die Schwachen evakuiert werden mussten. Man musste sich nicht einmal mit den Leoparden zusammensetzen, um einer eventuellen Bedrohung begegnen zu können.

Seit Monaten hatten sie keine Gelegenheit mehr gehabt, einfach nur ein Rudel zu sein.

Hawke war natürlich auch klar, dass der Feind sich nicht für immer zurückziehen würde, nur weil die SnowDancer-Wölfe und ihre Verbündeten eine Schlacht gewonnen hatten. Aber er war ein Wolf. Er konnte den Augenblick genießen, in dem er eine Gefährtin gefunden hatte, die ihn forderte, liebte und neckte, in dem sein Rudel in Sicherheit war und die Höhle erneut von den lebhaften Rufen der Kinder widerhallte. »Wie weit sind die Planungen für das Fest gediehen?« Sienna war zwar schon die seine, doch das Rudel musste Gelegenheit haben, die Paarung des Leitwolfs zu feiern, was in vier Tagen der Fall sein würde.

»Drew hat Tänzerinnen vorgeschlagen.«

Hawke grinste. »Wie viele?«

Rileys Blick war nicht begeistert. »Ermutige ihn nicht noch, sonst heuere ich eine Stripperinnentruppe an mit allem Drum und Dran und schaue mit Freuden zu, wenn Sienna dich grillt.«

Hawke fragte sich, was Drew wohl sonst noch vorgeschlagen hatte, und unterdrückte ein Lachen. »Jetzt mal im Ernst, wie geht es voran?« Riley und Nell teilten sich die Last der Organisation und sorgten dafür, dass die einzelnen Teile sich zu einem Ganzen zusammenfügten.

»Gut. Neben der E-Mail-Korrespondenz mit brasilianischen Sambatänzerinnen und Showgirls aus Las Vegas hat mein Bruder es geschafft, für jeden, der sich beteiligen wollte, eine Aufgabe zu finden.«

Das war der Grund, warum Drew so ausgezeichnet auf den Posten passte, den er innehatte. Er stand außerhalb der Hierarchie und hielt für Hawke Augen und Ohren offen. Selbst die Schwächsten konnten sich an ihn wenden, denen es unangenehm war, andere dominante Gefährten anzusprechen. Vor Drew war niemandem etwas peinlich, was eine große Kunst war, denn schließlich war er der Fährtensucher des Rudels, stöberte wild gewordene Einzelgänger auf und tötete sie, wenn es notwendig war. »Es wird ein schöner Abend werden.«

»Der Beste«, sagte Riley leise, dann holte er tief Luft. »Wir sind da.«

Hawke verschränkte die Arme vor der Brust und starrte säuerlich auf die Tür vor ihnen. »Ich hasse solche Besprechungen.«

»Wir sollten mal Drew mitnehmen. Ihm eine Lektion erteilen.«

Sie sahen sich an und grinsten. O ja, dachte Hawke, als er durch die Tür ging, es war richtig schön, einmal etwas so Normales zu tun, wie über ein Treffen mit Müttern zu meckern.

Alice

Von: Lara <[email protected]>

An: Ashaya <[email protected]>; Sascha <[email protected]>; Tammy <[email protected]>; Amara <[email protected]>

Datum: 26. August 2081 11:00

Betreff: Patientin A

Ich dachte, ihr würdet wohl alle gern wieder etwas über Patientin A erfahren. Sie zeigt weiterhin keinerlei Reaktionen und befindet sich in einem komaähnlichen Zustand. Ich nenne den Zustand komaähnlich, weil die Messinstrumente verwirrende Daten anzeigen, um ganz ehrlich zu sein. Sicher ist allerdings, dass sie nicht hirntot ist. Das ist eindeutig feststellbar.

Man könnte fast meinen, dass J sich die Unterhaltung mit ihr nur eingebildet hat, allerdings ist er nicht jemand, der dazu neigt, sich etwas einzubilden.

Ich sorge dafür, dass ihre Gliedmaßen regelmäßig bewegt werden und sie die benötigte Nahrung bekommt.

Lasst mich wissen, wenn ihr einen Durchbruch geschafft habt.

Von: Ashaya <[email protected]>

An: Lara <[email protected]>

Cc: Sascha <[email protected]>; Tammy <[email protected]>; Amara <[email protected]>

Datum: 26. August 2081 13:00

Betreff: AW: Patientin A

Amara und ich arbeiten noch an den Spuren der Chemikalien, die wir in ihrem Blut gefunden haben. Wir hoffen, dass wir ein besseres Gegenmittel finden als unser Notfallmedikament, aber manche Stoffe scheinen unbekannt zu sein.

Von: Amara <[email protected]>

An: Ashaya <[email protected]>

Datum: 26. August 2081 13:02

Betreff: AW: AW: Patientin A

Nicht unbekannt, nur auf keiner Liste. Wir beide kennen sie.

Von: Sascha <[email protected]>

An: Lara <[email protected]>

Kopie: Tammy <[email protected]>; Amara <[email protected]>; Ashaya <[email protected]>

Datum: 26. August 2081 16:45

Betreff: AW: AW: Patientin A

Ich würde mir Patientin A gerne ansehen. Meine empathischen Sinne sind durch die Geburt noch stärker geworden und die Wahrscheinlichkeit höher, dass ich etwas spüren könnte, vor allem, da sie nun schon einmal aufgewacht ist. Eines kann ich jetzt schon mit Sicherheit sagen: In diesem Körper ist jemand, der denkt und fühlt. Wir müssen nur einen Weg finden, sie zu befreien.

5

Adria wusste nicht, wie sie den Rest der Fahrt zur Wasserstation überstanden hatte; die Stille im Wagen hatte quälend auf ihr gelastet. Die Rückfahrt im sanften Nachmittagslicht war besser verlaufen – sie war in Macks Wagen gefahren, den sie wieder in Gang gebracht hatte. Die vorgeschobene Erklärung, sie müsse mit ihm fahren für den Fall, dass erneut ein Problem auftauchte, war kommentarlos akzeptiert worden. Macks Auszubildender war mit Riaz gefahren, und dem braunen Mack selbst mit den Locken, in denen Silberfäden glitzerten, machte ihr Schweigen nichts aus.

In der Höhle ging Adria schnurstracks auf ihr Zimmer und atmete erst auf, als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte. Dann ließ sie sich aufs Bett fallen. »Um Himmels willen, Adria.« Der Tag war aus dem Ruder gelaufen, seit sie Riaz begegnet war – zitternd versuchte sie, ihre Gefühle wieder in den Griff zu bekommen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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