Gilde der Jäger - Engelsdunkel - Nalini Singh - E-Book

Gilde der Jäger - Engelsdunkel E-Book

Nalini Singh

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Beschreibung

Als der Gefährte der Engelsfrau Neha ermordet wird, erhält der Spion Jason den Auftrag, den Mörder zu finden. Ihm wird die schöne Mahiya an die Seite gestellt, die ihm bei der Aufklärung des Falles helfen soll. Während Jason und Mahiya die Spur des Killers verfolgen, entwickeln sie tiefe Gefühle füreinander.

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NALINI SINGH

Gilde der Jäger

Engelsdunkel

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Cornelia Röser

Stille

Jason wusste nicht, wie lange er sich schon in diesem dunklen Loch im Boden versteckt hielt, in das seine Mutter ihn mit der Ermahnung gedrängt hatte, still zu sein. Er wartete schon so lange. Nicht einmal, als sein Magen vor Hunger schmerzte, war er hinausgekrochen. Aber sie war nicht wiedergekommen, wie sie es versprochen hatte. Seine Flügel waren in der Enge des Ortes geknickt worden und taten ihm weh, sein Gesicht war nass von Tränen.

Sie wusste, dass er die Dunkelheit hasste. Warum hatte sie ihn in dieses dunkle Loch geschickt?

Er war mit einer klebrigen Feuchtigkeit bedeckt, die von oben durch die Bodendielen getropft war und deren schwerer, satter Geruch in der Luft hing. Von diesem Geruch wurde ihm übel, und er wusste, er konnte nicht länger bleiben, auch wenn seine Mutter über seinen Ungehorsam enttäuscht wäre. Er streckte seine steifen Glieder, soweit das in dem beengten Raum möglich war; seine Flügel waren noch immer zusammengedrückt. Dann drückte er gegen die Falltür, doch sie gab nicht nach.

Er schrie nicht. Er hatte gelernt, niemals zu schreien.

»Du darfst kein Geräusch machen, Jason. Versprich es mir.«

Er stemmte die Füße in die Erde und schob und schob und schob, bis am Rand ein winziger Spalt trüben Lichts zu sehen war. Über der Tür lag eine handgewebte Matte, dünn genug, um das Sonnenlicht nicht ganz zu schlucken. Etwas Schweres blockierte die Falltür, aber er schaffte es, die Finger unter die Kante zu zwängen und die Matte zu berühren. Beim Weben dieser Matte hatte er seiner Mutter geholfen, nachdem sie gemeinsam die Fasern der Flachspflanzen zusammengetragen hatten. Sie fühlte sich rau an seinen Fingern an, als er diese in den Spalt schob. In dem Moment fiel die Falltür schmerzhaft auf seine Handgelenke, aber er wusste, dass seine Knochen nicht brechen würden – seine Mutter hatte ihm gesagt, dass er ein starker Unsterblicher und seine Macht schon jetzt weiter entwickelt sei als ihre an ihrem hundertsten Geburtstag.

»So stark, mein kleiner Junge. Das Beste von uns beiden.«

Er wusste nicht, wie lange er gebraucht hatte, um auch die andere Hand unter den Rand der Falltür zu zwängen und sich in dem Versteck umzudrehen – wobei er sich die Haut an den Handgelenken aufschürfte –, bis er schließlich die Kante zu fassen bekam und sie nach oben drückte. Er wusste nur, dass er nicht aufgeben wollte und sich deshalb fest genug dagegenstemmte, um das, was die Tür blockierte, zusammen mit der Matte zur Seite zu schieben. Die Tür öffnete sich mit einem dumpfen Schlag, als wäre sie auf etwas Weichem gelandet. Schwer atmend und mit schmerzenden Armen musste er sich eine Weile ausruhen, ehe er versuchen konnte, hinauszuklettern. Doch selbst dann rutschten seine Hände ab, weil sie feucht von dem Blut waren, das aus seinen zerschundenen Handgelenken getropft war.

Er wischte sie an der Hose ab und griff abermals nach der Kante … und da fiel das Sonnenlicht, das durch das Deckenfenster fiel, auf seine Hände.

Er erstarrte und musste an die dunkle, dicke Flüssigkeit zurückdenken, die in dem Verschlag auf ihn getropft war. Sie war verkrustet und getrocknet und blätterte wie eine Art Rost von seiner Haut ab. Nur Rost, hatte er sich einzureden versucht, es ist nur Rost. Aber jetzt konnte er sich nichts mehr vormachen, wie er es in der Dunkelheit getan hatte. Es war Blut, das seine Hände, sein Haar und sein Gesicht bedeckte und die Rückseiten seiner Flügel steif machte. Es war Blut, das durch die Matte und die Holzbohlen in dieses geheime Versteck gesickert war, das seine Mutter für ihn angelegt hatte. Es war Blut, das seine Nase mit dem Geruch nach Eisen füllte, als er in stockenden Atemzügen nach Luft rang.

Blut, das wie Wasser geflossen war, nachdem die Schreie verstummt waren.

»Was auch immer du hörst, du darfst keinen Laut von dir geben. Versprich mir das, Jason. Versprich es mir.«

Zitternd zwang er sich, den Blick von dem Rost, der kein Rost war, zu lösen, stemmte sich durch die Luke nach oben und schloss die Tür mit vorsichtigen Bewegungen – und abgewandtem Blick –, damit sie kein Geräusch machte. Dann richtete er sich auf und wandte den Blick nicht von der Wand vor sich. Er wollte sich nicht umdrehen und sehen, was auf der anderen Seite lag. Er wollte nicht sehen, was er von der Falltür hinuntergeschoben hatte. Aber auch die Wand vor ihm war mit diesem Rost bespritzt, der kein Rost war. Getrocknet von der Sonne, die durch das Dachfenster fiel, begannen winzige Stückchen davon abzublättern.

Sein Magen war ein einziger Knoten und sein Herz ein schwerer Klumpen, als er den Blick von der Wand löste und auf den Boden richtete. Doch dieser war mit blassbraunen Streifen überzogen, und seine Füße hinterließen kleine Abdrücke auf den glänzenden Holzdielen. Am Anfang war die Erde in dem Loch nicht feucht gewesen. Erst danach.

Nachdem die Schreie verstummt waren.

Er schloss die Augen, doch den Rost, der kein Rost war, roch er noch immer.

Und er begriff, dass er sich umdrehen musste.

Es musste sein.

1

Auf dem samtig grünen Gras, in dem noch der Tau glitzerte, beobachtete Jason, wie Dmitri das Gesicht der Jägerin umfing, die er gerade zur Frau genommen hatte. Das Licht der aufgehenden Sonne küsste ihre Haut und ließ ihre Augen erstrahlen, die nichts sahen als den Mann, der vor ihr stand.

Das Grundstück, auf dem das Haus des Erzengels Raphael stand, hatte Jahrhunderte vorüberziehen sehen, dachte Jason; jenseits der Klippen rauschte der Hudson vorüber, und Unmengen duftender Rosen kletterten in voller Blüte an den Wänden des Hauses empor. Aber eine Szene wie diese hatte das Anwesen noch nie erlebt und würde es vielleicht auch nicht noch einmal tun: Einer der mächtigsten Vampire der Welt nahm eine Gildenjägerin zur Frau.

Dass Honor Dmitri liebte, stand außer Zweifel. Man musste kein Meisterspion sein, um die hell leuchtende Freude zu sehen, die ihre Haut bei jedem Atemzug erstrahlen ließ. Was Jason verblüffte, waren die starken Emotionen in den Augen des Vampirs, der in all den Jahrhunderten, die Jason ihn kannte, ein erbarmungsloser Krieger gewesen war.

Brutale Strafen gingen Dmitri leicht von der Hand, in letzter Zeit vielleicht zu leicht. Der Vampir war annähernd tausend Jahre alt und von der Zeit abgestumpft. Blut und Tod konnten ihn nicht schrecken, ließen ihn nicht einmal innehalten. Auf dem Schlachtfeld hatte Jason gesehen, wie Dmitri seinen Angreifern mit dem Krummsäbel den Kopf abgeschlagen und das Spritzen des Blutes in ihrem Todeskampf genossen hatte. Und er hatte gesehen, wie Dmitri mit sinnlicher Eleganz und ungerührtem Herzen nur zu seinem Vergnügen Frauen verführt hatte.

Aber in dem Mann, der in diesem Moment Honors Gesicht umfasste und ihre Lippen mit einem besitzergreifenden Kuss eroberte, wohnte eine Zärtlichkeit, die ebenso bedrohlich wie sanft war. Jason erkannte, dass Dmitri ein brutaler Gegner für jeden werden würde, der es wagen sollte, seiner Frau etwas zuleide zu tun. Die Dunkelheit in ihm war nicht bezähmt, nur an die Leine gelegt.

»Angeleint kann er es mit dem Kader nicht aufnehmen«, sagte er zu der Frau, die neben ihm stand, einer Jägerin mit Flügeln in den Farben von Mitternacht und Morgengrauen. Das Tiefschwarz ihrer Federn an den inneren Flügelwölbungen wich einem tiefen, seidigen Blau, um dann in ein weicheres Indigo überzugehen; die Handschwingen schließlich leuchteten in strahlendem Weißgold.

Elena war Raphaels Gemahlin, und Raphael war Jasons Lehnsherr. Vielleicht fühlte er sich in ihrer Gegenwart deshalb so unerwartet entspannt. Oder lag es daran, dass sie, ebenso wie er vor langer Zeit, eine Fremde im Reich der Unsterblichen war und noch nach einem Weg suchte, der sie durch die vor ihr liegenden Jahrhunderte führen würde? Vielleicht lag es aber auch an der viel düstereren Verbindung zwischen ihnen, von der Elena nichts wusste – einer Verbindung, die mit Müttern und Blut zu tun hatte.

Nach Eisen riechende Flüssigkeit verfilzte seine Haare, durchtränkte seine Tunika und klebte zäh an seinen Armen.

Elena sah auf und schüttelte den Kopf. Ihre erstaunlichen, fast weißen Haare hatte sie zu einem eleganten Knoten hochgesteckt, und das einfache, knöchellange Gewand, das sie trug, war so blau wie ein klarer See, hoch oben in den Bergen. Ihr einziger Schmuck waren die schmalen Bernsteinreifen, die sie immer trug, ein für jeden sichtbares Symbol ihrer Verbindung zu Raphael. »Siehst du es denn nicht, Jason?«, fragte sie, als das Brautpaar sich aus dem langen Kuss löste, bei dem mehr als nur ein Seufzer durch die frische Morgenluft gestrichen war. »Dieser Dmitri ist er nur für Honor.« Sie fiel in das Klatschen und Jubeln ein, als die Frischvermählten sich zu den versammelten Gästen umdrehten und die Gratulanten vortraten, um ihre Glückwünsche auszusprechen.

Jason, der vor der Zeremonie mit Dmitri gesprochen hatte, wartete ab, bis sich die Menge lichtete. Auch Elena blieb stehen und ließ erst die anderen mit dem frisch verheirateten Paar sprechen. So wie Jason vor der Zeremonie bei Dmitri gewesen war – zusammen mit Raphael, Illium und Venom –, war Elena bei Honor gewesen; der Erzengel und seine Gemahlin hatten den Gästen der Braut eine Suite in ihrem Haus zur Verfügung gestellt. Diese Gäste waren allesamt Jäger, und unter den glänzenden, eleganten Kleidern, die sie anlässlich dieser Hochzeit angezogen hatten, trug mit Sicherheit jeder von ihnen die eine oder andere Waffe.

Am Rand seines Blickfeldes flackerte etwas Blaues, und als er sich umdrehte, sah Jason, wie Illium seine Flügel für einen Jäger ausbreitete, der ihn darum gebeten hatte. Der Engel war ebenso in feierliches Schwarz gekleidet wie der Bräutigam, Raphael und die Übrigen der Sieben, die heute anwesend waren, aber auf seinem Gesicht lag ein kokettes Lächeln. Das Lächeln war echt, soweit es reichte; aber es reichte nicht weit. Illium hatte geliebt, bis sein Herz gebrochen war, und er hatte getrauert, bis alles Licht in seinen Augen aus geschmolzenem Gold erloschen war.

»Verstehe«, sagte Jason zu Elena, als sie ihn wieder ansah. Einmal mehr wurde ihm bewusst, dass andere zu unzähligen Nuancen von Gefühlen fähig waren. Über Jahrhunderte hinweg hatte Jason Sterbliche wie Unsterbliche beobachtet und konnte selbst die feinsten Veränderungen in ihrem emotionalen Gleichgewicht erkennen, denn ohne diese Fähigkeit konnte man kein Meisterspion sein. Doch er selbst hatte in all dieser Zeit nie so empfinden können wie sie. Es war, als kratze das Leben nur über seine Oberfläche und ließe sein Herz und seine Seele unangetastet.

»Du bist der perfekte Meisterspion. Ein intelligentes, begabtes Phantom, das von allem, was es sieht, unberührt bleibt.«

Diese Worte hatte vor vierhundert Jahren Lijuan zu ihm gesagt. Außerdem hatte ihm die Älteste unter den Erzengeln ein Angebot gemacht: Reichtum und Frauen, versiert in den sinnlichen Künsten – oder auch Männer, falls er das wünschte –, wenn er die Seiten wechselte und sich in ihre Dienste stellte. Aber Jason hatte bereits genug Wohlstand für hundert unsterbliche Leben verdient und angehäuft. Und was den anderen Punkt anging – wenn Jason eine Frau wollte, bekam er eine. Er brauchte niemanden, der für ihn den Zuhälter spielte.

Sacht strich Elenas Flügel über seinen, als sie sich ein wenig streckte, und Jason wich nicht zurück, um die flüchtige Berührung zu verhindern. In vielerlei Hinsicht war er das Gegenteil von Aodhan, dem Engel, der so zerstört war, dass er nicht die leiseste Berührung ertragen konnte. Jason nämlich fühlte sich manchmal nur dann real und nicht wie das Phantom, als das Lijuan ihn bezeichnet hatte, wenn er den Widerstand von fremder Haut und fremden Flügeln auf seinem Körper spürte. Es war, als hätten all die Jahre, oder vielmehr Jahrzehnte, ohne Berührungen anderer fühlender Wesen einen Durst in ihm geweckt, der niemals gestillt werden konnte.

Aus ihm hätte ein Genusssüchtiger werden können, der sich an Empfindungen berauschte, hätten nicht diese Jahre der quälenden, endlosen Einsamkeit ihre Narben in ihm hinterlassen. Dieser Narben wegen hatte er sich schließlich mit den Schatten verbündet, die er als Kind so gehasst hatte, und diese Narben bedeuteten auch, dass er sein Vertrauen nur sehr zögernd verschenkte. Und so kam es, dass Jason es trotz dieses Bedürfnisses außerhalb des Schlafzimmers nur wenigen gestattete, ihn zu berühren; die Berührung eines Freundes nämlich war etwas ganz anderes als die Zärtlichkeiten einer Geliebten, die man in der Dunkelheit der Nacht genoss und bei Tagesanbruch hinter sich ließ.

»Eine schöne Hochzeit, nicht wahr?«, sagte Elena. Ihr Blick war weich, wie er es bei Frauen zu solchen Anlässen häufig war.

»Wünschst du dir auch eine?« Hochzeiten waren eher etwas für Sterbliche, aber wie der heutige Tag gezeigt hatte, hielten auch einige Unsterbliche daran fest – es war Dmitri gewesen, der am stärksten auf dieser Zeremonie bestanden hatte.

Überraschtes Lachen von Elena. »Raphael und ich haben über den Trümmern von New York geheiratet, als er mit mir in seinen Armen gefallen ist.«

Auch Raphael war bei seiner Gemahlin ein anderer, dachte Jason. Eine Sterbliche, die zum Engel geworden war. Was ihre Macht anging, war sie ein sehr schwacher Engel, ihre Unsterblichkeit glich einer flackernden Flamme, und doch trug sie eine Stärke in sich, die dem Überlebenswillen in ihm gefiel. Deshalb hatte er sie gelehrt, wie sie am Himmel unentdeckt bleiben konnte, und mitangesehen, wie sie ihren Körper gnadenlos bis zum Äußersten strapaziert hatte, um schon bald nach ihrer Erschaffung einen Senkrechtstart zu meistern. Und deshalb hatte er sich auch nach allem umgehört, was eine Gefahr für ihr Leben bedeuten könnte.

Denn Elena war Raphaels größte Schwäche.

Ein leises Kichern war zu hören, und ein kleines Mädchen mit verschmitztem Blick rannte Elena auf wackeligen Beinen entgegen. Ihre schwarzen Locken mit den bronzefarbenen Strähnen wurden an den Seiten von Bändern in sommerlichem Orange zusammengehalten. Mit einem Lächeln voll unverhohlener Freude bückte sich Elena, um das Kind aufzufangen und auf den Arm zu nehmen. »Hallo Zoe, du angehende Kriegergöttin.« Sie drückte einen Kuss auf Zoes rosiges Pausbäckchen, das Blumenmädchenkleid aus zuckersüßer Spitze strich über Elenas Arm. »Bist du deiner Mami entwischt?«

Jason fing den offenen Blick des Kindes auf, als dieses nickte, und sah die silberumrandete Feder in unverkennbarem Blau, die es vorsichtig in seiner Faust hielt. Die Tochter der Gildedirektorin starrte einen Augenblick lang auf seine Flügel, bevor sie Elena etwas ins Ohr flüsterte. Jason hörte jedes ihrer Worte, verstand jedoch nichts davon, weil sie in der Sprache sehr kleiner Kinder sprach.

Elena schien das nichts auszumachen, denn als sie Jason ansah, leuchtete ein Lachen in ihren silbergrauen Augen. »Der kleine Racker wünscht sich noch mehr von deinen Federn für ihre Sammlung, Jason. Ich wäre vorsichtig.« Gleich darauf wurde Elena von einem großen Mann abgelenkt, dessen langes, schwarzes Haar im Nacken ordentlich zu einem Zopf gebunden war und dessen Wangenknochen sich scharf unter seiner kupfergoldenen Haut abzeichneten.

Ransom Winterwolf.

Jäger.

Es war seltsam, so viele Mitglieder der Gilde auf Raphaels Anwesen in der Engelsenklave zu sehen, das auf der anderen Seite des Flusses, gegenüber von all dem glänzenden Glas und Metall Manhattans lag. Obwohl es zweifellos elegant war, wusste Jason, dass der Sire Dmitri viel eindrucksvollere Orte für seine Hochzeit mit Honor zur Verfügung gestellt hatte. Aber der Anführer der Sieben war unnachgiebig geblieben.

»Bei Tagesanbruch«, hatte er kaum drei Stunden vor Sonnenaufgang gesagt. »Wir heiraten bei Tagesanbruch.«

In diesen drei Stunden hatten es Elena und die Gildedirektorin geschafft, alle Jäger im Umkreis von New York zu benachrichtigen, die in Reichweite und nicht gerade im Einsatz waren, während Jason, Illium und Venom den Rest der Sieben vertraten. Naasir, Galen und Aodhan waren benachrichtigt worden, und alle drei hatten vor der Hochzeit mit Dmitri gesprochen.

Vereint in ihrer Treue zu Raphael – und zueinander – hatten die Sieben unzerstörbare Bande geknüpft, aber selbst wenn sie mehr Zeit gehabt hätten, wäre es unmöglich gewesen, sie alle zur selben Zeit am selben Ort zusammenzubringen. Um das Gleichgewicht der Mächte in der Welt aufrechtzuerhalten, musste Raphael in der Zufluchtsstätte und in New York ständig Präsenz zeigen, und jetzt zusätzlich in der verlorenen Stadt von Amanat, der Heimat von Raphaels Mutter, einer Uralten.

Dass drei von ihnen hier waren und Dmitris Hochzeit miterleben konnten, war ein unerwartetes Geschenk. Natürlich gab es weitere geladene Gäste – die stolze Belegschaft, die Raphaels Haushalt führte, einige Männer und Frauen, die im Turm direkt unter Dmitri arbeiteten und deren Loyalität ebenso sehr dem Vampir wie Raphael galt, und zwei sterbliche Polizisten, die zur Familie der Gilde gehörten. Ebenfalls ein Mitglied dieser Familie war der hoch angesehene Mann, der die Zeremonie abgehalten hatte; er hatte die Gilde geleitet, bevor er den Stab weitergereicht hatte.

Während der Zeremonie hatte Raphael persönlich an Dmitris Seite gestanden. Die Freundschaft der beiden Männer war so alt und so tief, dass der Erzengel an diesem Tag eine untergeordnete Rolle einnahm. Jason wusste nicht, ob es im Kader der Zehn, jener Gruppe von Erzengeln, die über die Welt herrschten, vergleichbare Freundschaften gab. Was er aber wusste, war, dass diese Freundschaft Jahrhunderte überdauert hatte, trotz Zorn und Krieg und sogar trotz Dmitris kurzzeitigem Überlaufen in Nehas Dienste. Das allerdings war nicht von langer Dauer gewesen, und jetzt lächelte Dmitri über etwas, das Raphael sagte.

Während der Vampir in einem eleganten, schwarzen Anzug und schwarzem Hemd erschienen war, trug seine Frau ein Abendkleid von tiefem, strahlendem Grün, das ihre Kurven umschmeichelte, ehe es in einem wogenden Wasserfall bis auf das taufeuchte Gras hinabfiel. Der Stoff war an ihrer linken Hüfte so raffiniert drapiert, dass die Illusion von Wellen entstand. Als ihr Blick auf Jason fiel, lächelte sie und kam auf ihn zu. Am Rande des unsichtbaren Bereichs, der ihn von der Welt trennte, blieb sie stehen. Sie hielt den Strauß Wildblumen in der Hand, den Elena mit Blüten aus ihrem Gewächshaus zusammengestellt hatte.

»Danke«, sagte sie. Ihr Glück leuchtete so hell, dass es sogar die Diamanten an ihrem Hals überstrahlte. Damals, vor drei Jahrhunderten, hatte Jason gesehen, wie Dmitri diese Diamanten als ungeschliffene Steine gekauft hatte.

Es hatte den Vampir hundert Jahre gekostet, sie fein zu facettieren und in eine Halskette von erlesener Schönheit zu verwandeln, in der die Steine wie Tropfen aus eingefangenem Sternenfeuer wirkten.

»Wem wirst du sie schenken?«, hatte Jason ihn damals gefragt.

Dmitris Antwort war ein sarkastisches Zucken seiner Lippen gewesen, sein Gesicht so hart wie die Edelsteine in seiner Hand. »Einer Frau, deren Geist heller strahlt als diese Steine.«

Nie hatte die Halskette einen anderen als diesen honigfarbenen Hals geschmückt, den sie jetzt umschloss.

»Danke für diesen atemberaubenden Traum von einem Kleid«, fuhr Honor fort und strich mit der Hand über den Stoff. »Ich weiß nicht, wie du es so früh am Morgen auftreiben konntest. Es passt, als sei es für mich gemacht.«

»Nichts zu danken.« So viel Zeit seines Lebens hatte Jason am Rand gestanden – oft aus freien Stücken, manchmal aber auch, weil er nicht wusste, wie man dazugehörte –, aber an diesem Tag war er über seinen eigenen Schatten gesprungen, weil er tiefsten Respekt vor dem Mann hatte, der heute diese Jägerin zur Frau nahm. Er war ihm ein so enger Freund, wie es ihm nur möglich war.

»Jason kann alles auftreiben«, sagte Dmitri, der zu ihnen herüberkam und seinen Arm um Honors Taille legte. »Der Wind spricht zu ihm und weist ihm den Weg.«

Honor lachte heiser und warm. Dann wurde sie von Elena umarmt, deren Flügel im weißen Licht des Morgens schillerten. Jason machte einen kleinen Schritt nach rechts, um Dmitris Blick aufzufangen, dessen Worte unausgesprochen, nicht aber ungehört blieben.

Niemand wird es je glauben.

Nein, dachte Jason, das würde niemand. Selbst er hatte sich damals, als Junge an der Grenze zum Erwachsensein, für verrückt gehalten. Nach seiner Ankunft in der Engelshochburg, der Zufluchtsstätte, hatte er erst Jessamys Geschichtsbücher lesen müssen, um zu begreifen, dass er das »Ohr« seiner Mutter geerbt hatte: ihre Fähigkeit, Dinge wahrzunehmen, die Hunderte von Meilen entfernt geschahen, selbst wenn Meere und Berge dazwischenlagen. Deshalb hatte sie ihm immer Geschichten von den Engeln in der Zufluchtsstätte erzählen können, obwohl sie auf einem einsamen Atoll mitten im schimmernden Blau des Pazifiks lebten.

»Ich werde die Geschichte für dich aufschreiben, Jason. Du musst lesen üben.«

Das hatte er. Wieder und immer wieder hatte er diese Geschichten gelesen, bis das Pergament zerfallen war, ebenso wie alle anderen im Haus. Dann hatte er die Worte auf Holz übertragen, auf Leinen und in den Sand, und hatte sich gezwungen, nicht zu vergessen, dass er jemand war, der eigentlich lesen konnte. Es hatte funktioniert … für eine Weile.

»Ich freue mich für dich, Dmitri«, sagte er jetzt und ließ die Geister der Vergangenheit in den Hintergrund wandern. »Das ist mein Geschenk für dich und deine Braut.«

Als Dmitri auf das kleine Kärtchen hinabblickte, das Jason ihm gereicht hatte, trat Honors Trauzeugin – eine langbeinige Jägerin, die ebenfalls einmalige Fähigkeiten besaß – zu Elena und Honor. Die Frauen lachten und redeten alle gleichzeitig.

»Ein sicherer Ort«, sagte Jason, als Dmitri die Adresse auf der Karte gelesen hatte und den Blick hob. Die Sonne glitzerte auf dem schlichten goldenen Ring, den er am Ringfinger der linken Hand trug. »Wo euch niemand finden wird.«

Verstehen zeigte sich auf Dmitris sinnlichen Gesichtszügen. Er entfernte sich ein kleines Stück von den Frauen, ehe er sagte: »Es dürfte mich eigentlich nicht überraschen, was du alles weißt – und doch tut es das.« Er steckte die Karte ein. »Wie sehr kann ich mich auf die Sicherheit des Ortes verlassen?«

»Das Haus gehört mir, und in zweihundert Jahren hat es noch niemand gefunden.« Verborgen in den dichten Wäldern eines sonst unbewohnten Berges, war es nur über einen ganz bestimmten Weg zu erreichen, den er nun direkt an Dmitris Gedanken übermittelte. Selbst der Zugang durch die Luft ist unmöglich, solange der betreffende Engel nicht weiß, wo eine bestimmte kleine Lichtung zu finden ist. Er gab Dmitri die Koordinaten. Ohne dieses Wissen ist mit schweren Flügelverletzungen zu rechnen – wegen des dichten Blätterdachs und auch wegen der Schutzvorrichtungen, die sich darunter verbergen.

Dmitris Augen glänzten. Die nächsten Worte sprach er laut aus. »Ich wusste nicht, dass du in diesem Land noch ein weiteres Zuhause hast.«

»Das habe ich auch nicht.« Er hatte Häuser, die er bei Bedarf nutzte, aber der Begriff Zuhause hatte für ihn keine Bedeutung, auch wenn Dmitri vermutlich annahm, dass er seine Wohnung im Erzengelturm von New York als ein solches Heim betrachtete. »Dort seid ihr sicher und ungestört.« Honors Wandlung von einer Menschenfrau zu einer Vampirin würde Zeit brauchen. Zwar würde Dmitri auf jeden Fall dafür sorgen, dass sie diese Zeit in tiefem Schlaf durchlebte und vor allem Leid geschützt war, aber Jason wusste, dass ihr Gemahl währenddessen auch nicht von ihrer Seite weichen würde. »Es wird nicht nötig sein, eine Wacheinheit mitzunehmen.«

»Kämen diese Worte aus einem anderen Mund als dem deinen, würde ich ihnen nicht trauen«, sagte Dmitri, den Blick zu Honor gewandt. »Ich weiß nicht, wann wir von deinem Geschenk Gebrauch machen werden. Sie hat es mir versprochen … aber ich will sie in dieser Sache nicht drängen.«

»Und ob du das willst.«

»Ja.« Ungeschönt und gnadenlos. »Aber wie es aussieht, Jason, habe ich eine Schwäche, wenn es um Honor geht – selbst wenn sie ihre Meinung ändern sollte und beschließt, sterblich zu bleiben, würde ich es nicht fertigbringen, sie zu zwingen.«

Jason schwieg, und Dmitri ging zu seiner Frau zurück; sie hob den Blick und sah ihn mit einem Lächeln an, das sie sonst niemandem zeigte. Ihre Freunde zogen sich zurück, um dem frisch vermählten Paar einen Augenblick der Ungestörtheit zu lassen, aber alle verweilten noch auf dem üppigen Grün des Rasens. Zart untermalte der Gesang der Vögel die leisen Gespräche. Im hellen Schein der Freude, die Honor und Dmitri verströmten, nippte man Champagner, tauschte Grüße aus und erneuerte Freundschaften.

Im Gegensatz zu den anderen fühlte sich Jason hier draußen im Sonnenlicht ungeschützt, als machte das vollkommene Schwarz seiner Flügel ihn zu einer Zielscheibe. Aber er widerstand dem Drang, hoch über die Wolkendecke zu fliegen, wo niemand ihn sehen konnte. Dann lauschte er, als kurz darauf der Wind zu flüstern begann.

Ein einziges Wort. Einen Namen.

Eris.

Der einzige wichtige Mann mit diesem Namen, der Jason einfiel, war der Gemahl von Neha. Der dreitausend Jahre alte weibliche Erzengel war das einzige Kadermitglied, das sich für diese Bindungszeremonie der Sterblichen entschieden hatte. Darüber hinaus war Eris auch ihr Engelsgemahl, aber seit etwa dreihundert Jahren war er nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden. Viele hielten ihn für tot, aber Jason wusste, dass er lebte und in einem Palast in Nehas ausgedehnter Festungsanlage gefangen gehalten wurde. Bis auf das eine Mal, als er zu Beginn seiner Gefangenschaft einen Fluchtversuch unternommen hatte, war ihm kein körperlicher Schaden zugefügt worden.

Neha liebte Eris zu sehr, um ihm wehzutun.

Das war auch der Grund, warum sie ihn so sehr wegen seines Betruges hasste.

Eris.

Jason glitt in den Schatten der Bäume, die Raphaels Grundstück säumten – eine willkommene Erholung vom Licht –, und holte sein Handy hervor. In früheren Jahrhunderten hatte es ihn trotz seiner beträchtlichen mentalen Fähigkeiten oft Tage gekostet, mit seinen Agenten in Verbindung zu treten, und Wochen, um an eine einzige Information zu kommen. Technik machte das alles so viel einfacher – anders als einige der altmodischen Engel verabscheute Jason die moderne Welt nicht, auch wenn seine bevorzugte Waffe noch immer das Schwert war.

Jetzt sah er eine Reihe von Anrufen auf dem Display, die während der Zeremonie eingegangen sein mussten, als er das Handy auf lautlos gestellt hatte. Alle kamen von Samira – einer Dienerin, die sich in Nehas Privatgemächern aufhalten durfte und eigentlich seine ranghöchste Spionin am Hof dieses Erzengels war. Allerdings hatte Jason seine Zweifel daran, wie effizient sie auf Dauer wirklich sein würde. »Samira«, sagte er, sobald der Anruf entgegengenommen wurde. »Was ist passiert?«

»Eris ist tot.« Ein gedämpftes Flüstern. »In seinem Palast ermordet.«

»Wann?«

»Ich weiß es nicht, aber gefunden wurde er vor einer Stunde. Neha weicht nicht von der Seite des Toten. Mahiya ist bei ihr.«

Jason hatte noch nie persönlich mit Mahiya gesprochen. Aber weil er damals, als Neha sie vor etwas mehr als dreihundert Jahren adoptiert hatte, diskrete Erkundigungen über sie eingeholt hatte, wusste er, dass sie Nehas Blutlinie entstammte. Das Wissen um ihre Verwandtschaft war hinlänglich bekannt, die Fakten dahinter jedoch waren lange verborgen geblieben. Selbst viele von Nehas eigenen Höflingen wollten sich nicht erinnern, wollten die Wahrheit nicht sehen: dass Mahiya von Nehas Schwester Nivriti zur Welt gebracht worden war, und diese war schon so lange tot, wie ihr Kind lebte.

Das war noch kein so furchtbares Geheimnis … solange man den Namen von Mahiyas Vater nicht kannte.

Eris.

2

Obwohl Mahiya aus der verbotenen Beziehung zwischen Eris und Nivriti hervorgegangen war, wurde sie von ihrer Tante allem äußeren Anschein nach wie eine geliebte Prinzessin behandelt. Der Titel war eine höfliche Geste, die ihren Status als Nehas Verwandte kenntlich machen sollte. »Gibt es sonst noch etwas?«

Für eine Minute wurde Samiras Atem sehr leise, und Jason wartete, ohne zu unterbrechen, ab, weil er wusste, dass sie darauf bedacht sein musste, nicht belauscht zu werden. »Neha ist halb wahnsinnig«, sagte sie schließlich. »Ich mache mir Sorgen, dass sie ihre Macht entfesseln könnte.«

Da er wusste, wie tief Nehas Gefühle für ihren Gemahl waren – so tief, dass sie ihm seine Untreue nie verziehen und ihn auch nach Jahrhunderten der Gefangenschaft nicht freigelassen hatte –, teilte Jason Samiras Besorgnis. Denn Neha war ein Wesen von unermesslicher Macht. Wenn sie ihrem Leid Ausdruck verlieh, konnte sie Städte in Schutt und Asche legen, und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit würde sie ihren Zorn gegen jene richten, die sie für einen anderen furchtbar schmerzhaften Verlust verantwortlich machte: für die Hinrichtung ihrer Tochter Anoushka.

Raphael hatte den letzten Schlag ausgeführt, unter dem Nehas Tochter zu Staub zerfallen war.

»Gib mir Bescheid, sobald sie sich rührt.«

Als er auflegte und über die Grünanlagen blickte, sah er die Angehörigen der Braut und die anderen Gäste ins Haus gehen, um das gewiss exquisite Frühstück einzunehmen, das das stolze Hauspersonal unter der würdevollen Leitung des Butlers Montgomery zubereitet hatte. Im Sonnenlicht glitzerten die goldenen Fasern in Raphaels schneeweißen Flügel. Sire.

Raphael zögerte keine Sekunde, seine Miene verriet nichts. Was gibt es, Jason?

Eris ist tot. Ermordet. Raphael hatte miterlebt, wie Eris um Neha geworben und sie für sich gewonnen hatte, und musste daher wissen, welche pervertierten Gefühle die beiden miteinander verbanden.

Die Antwort des Erzengels fiel knapp aus. Komm in mein Arbeitszimmer.

Zwei Minuten später schlüpfte Jason vom Garten durch die Terrassentüren ins Arbeitszimmer, und zwar so verstohlen, dass ihn niemand dabei sah, obwohl die Sonne mit jedem Atemzug höher an den Himmel kletterte. So sollte es sein – es war sein Metier, nicht gesehen und nicht gehört zu werden; ein Schatten unter Schatten zu sein. Nach sechs Jahrhunderten war seine Position als Raphaels Meisterspion kein Geheimnis mehr für die Ältesten unter den Unsterblichen, doch dieses Wissen nützte ihnen nichts und hatte sogar noch weniger Auswirkungen auf Jasons Aktivitäten. Während sich die Aufmerksamkeit auf ihn konzentrierte, fanden seine Agenten still und leise ihre Plätze an den Höfen und in den Türmen auf der ganzen Welt.

In diesem Moment betrat Raphael das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. »Schon nach Anoushkas Hinrichtung war Neha am Rande des Wahnsinns.« Die Worte des Erzengels ließen keine Zweifel zu. »Diese Sache könnte ihr den Rest geben.«

Jason hatte bereits erlebt, wie andere Erzengel auf verhängnisvolle Weise die Kontrolle verloren hatten, und war durch zerstörte Städte voller verwesender Leichen gewandelt; er hatte ein ganzes Land in einem dunklen Zeitalter versinken sehen, in dem alle Hoffnung erloschen und die Augen der Kinder voller Verzweiflung gewesen waren. Selbst wenn Neha sich ein Ziel außerhalb Raphaels Territoriums suchte, würde die Welt so kurz nach der Zerstörung von Peking nicht noch eine solche Verwüstung verkraften, ohne daran zu zerbrechen. Und unabhängig davon würde der daraus resultierende Engelskrieg sie alle verschlingen.

In diesem Augenblick summte dezent sein Handy. Er nahm ab und hörte Samira sagen: »Ihr Geist hat ihren Körper verlassen – in ihren Augen liegt der Wahnsinn.«

»Bring sie in das Zimmer mit ihrer Telefonanlage.«

»Jason, sie wird nicht zur Vernunft kommen.«

»Du musst eine Möglichkeit finden.« Jeder seiner Agenten verfügte über eine messerscharfe Intelligenz und war in der Lage, eigenständig zu denken und zu handeln. »Und anschließend verlass die Festung und Nehas Territorium.«

Samira holte tief Luft. »Ich könnte es schaffen, wenn ich die Wahrheit ein wenig verbiege und sage, der Kader möchte mit ihr sprechen.«

»Vergeude keine Zeit, Samira.« In dieser Stimmung war Neha tatsächlich fähig, sie zu töten.

»Ich breche auf, sobald ich die Nachricht überbracht habe.«

Beim Auflegen sah er Raphael an. »Wenn wir jetzt mit ihr telefonieren, haben wir eine Chance, sie abzufangen, bevor sie vor Zorn nichts mehr sieht und hört.«

»Ich kann sie davon abbringen«, gab Raphael zurück, »aber dafür könnte deine Anwesenheit in ihrem Territorium erforderlich sein.«

»Ich mache mich auf den Weg.« Für Samira war das Risiko jetzt zu groß, aber Jason war viel stärker als sie, und er wusste, dass er sich Neha gegenüber ein gewisses Maß an Respekt verschafft hatte.

Raphael nickte, wartete ab, bis sich Jason außer Sichtweite begeben hatte, und forderte dann am großen Bildschirm in einer Ecke seines Arbeitszimmers die Verbindung an – denn auch Raphael kannte den Wert der Technik. Die Antwort ließ so lange auf sich warten, dass Jason bereits glaubte, Samira habe in ihrer Aufgabe versagt. Aber endlich hellte sich der Bildschirm auf und zeigte eine Neha, wie er sie nie zuvor gesehen hatte.

Der Erzengel von Indien war stets elegant, stets anmutig in Erscheinung getreten.

Jetzt hing Neha ihr schwarzes Haar matt und wirr ins Gesicht, als hätte sie es gerauft. Ihre Haut war mit blutigen Schlieren überzogen, die in ihren ringelblumengelben Seidensari sickerten. »Raphael«, sagte sie mit tödlich ruhiger Stimme. »Wie ein Geier kreist du über mir, während meine Hände noch feucht von Eris’ Herzblut sind.«

Raphaels Antwort war milde. »So war ich nie, Neha.«

Ein mattes Lächeln, ähnlich dem jener Reptilien, denen Neha ihren Namen als Königin der Schlangen verdankte. »Nein, vielleicht nicht. Also, möchtest du mir dein Beileid aussprechen?« Eine beinahe gelangweilte Äußerung. Sie senkte die Lider, um den wilden Zorn zu verbergen, der darunter brodelte.

»Ich möchte ein Angebot zur Hilfe aussprechen.«

Neha zog eine ihrer majestätischen Augenbrauen hoch. »Wenn du keine gut versteckten Geheimnisse in dir birgst, dürfte es außerhalb deiner Fähigkeiten liegen, Eris wieder zum Leben zu erwecken. Selbst Lijuan brächte das nicht fertig.«

Jason fragte sich, ob Neha es in Betracht gezogen hatte, ihren verstorbenen Gatten dem Grauen auszusetzen, einer von Lijuans »Wiedergeborenen« zu werden – ein schlurfendes, geistloses Monster, das sich von Menschenfleisch ernährte –, und konnte die Vorstellung nicht sofort wieder loswerden. Das machte die Situation noch heikler, denn wenn Neha und Lijuan ihre Kräfte vereinten, würde die Welt in Blut und Tod und schreiendem Entsetzen untergehen.

»Nein«, erwiderte Raphael auf Nehas höhnische Bemerkung. »Eris wurde innerhalb deiner Festung ermordet, was bedeutet, dass du niemandem trauen kannst, der sich darin aufhält. Ich habe einen Mann mit den nötigen Fähigkeiten, um den Mörder für dich ans Tageslicht zu bringen.«

Diesmal war die Pause länger, der Wahnsinn in Nehas Augen wich nach und nach kühler, unerbittlicher Vernunft. »Dein schwarzer Schatten? Der gerettete Welpe?«

Jason war nicht gekränkt, obwohl die letzte Beschreibung unzutreffend war. Niemand hatte ihn gerettet.

Auch Raphaels Antwort war gelassen, das makellose Blau seiner Augen so ruhig wie ein Gletschersee. »Jasons Fähigkeiten stehen außer Frage.«

»Außerdem ist er dein Meisterspion.« Sie hob ihre blutverschmierte Hand und starrte darauf; ohne Vorwarnung senkte sich ihre Stimme zu einem zitternden Flüstern. »Eris hat so viel Blut verloren – ich wusste nicht, dass er so viel davon in sich hatte.«

»Es tut mir sehr leid, Neha. Er war dein Ehemann und Gefährte.« Es war eine feierliche Bekundung, von Erzengel zu Erzengel.

»Ja.« Wirbelnd und reißend kehrte der Wahnsinn zurück. »Außerdem war er der Vater meines Kindes, an dessen Ermordung du beteiligt warst«, zischte sie. So schnell, dass Jason es kaum erkennen konnte, veränderten sich ihre Augen für einen kurzen Moment und wurden dann wieder normal. Wieder fühlte er sich an ihre Schlangen erinnert.

Raphael ging nicht auf diese Anschuldigung ein und erinnerte Neha auch nicht daran, dass Anoushka ihr eigenes Todesurteil unterschrieben hatte, indem sie in ihrem Machtstreben ein Kind misshandelt hatte. »Du willst Gewalt üben, so viel ist klar«, sagte er, »aber anstatt wahllos um dich zu schlagen, wäre es nicht viel befriedigender, denjenigen zu foltern, der dafür verantwortlich ist?«

Neha wandte sich von der Kamera ab, um etwas aufzuheben, das wie eine junge Python aussah, und legte sich die Schlange um den Hals. Während sie das Tier streichelte, als wäre es eine Katze, setzte sie sich auf einen Stuhl, dessen helles Holz mit unendlicher Geduld geschnitzt, poliert und lackiert worden war, bis es wie ein Edelstein glänzte. »Du glaubst, ich bin verrückt«, sagte sie. Die Schlange hob den Kopf und prüfte die Luft mit der Zunge.

»Ich glaube, dass du trauerst. Und außerdem glaube ich, dass es eine feige Tat war.«

Ein träges Blinzeln, Nehas Finger verharrten auf dem glatten Leib der Python. »Wirklich?«

»Eris war nicht mächtig. Er war schön, wie es nur wenige Männer sind, aber er besaß wenig persönliche Stärke. Diese Tat sollte dich verletzen, dich kränken.«

»Mein armer Eris.« Ein weiteres zögerliches Streicheln. »Du hast recht. Ich kann niemandem in meiner Festung trauen, solange ich die Identität des Attentäters nicht kenne … aber wenn dein Meisterspion sie betreten soll, muss er sich mir verpflichten.«

»Das«, sagte Raphael mit einer Sanftheit, die der Zurückweisung den Stachel nahm, »kann ich nicht zulassen, nicht einmal in deinem Fall. Er ist einer meiner Sieben.«

»Du würdest ihn um den Preis von Tausenden Leben beschützen?« Eiskalt, rational und manipulativ – in diesem Moment war sie ganz der Erzengel von Indien.

»Loyalität legt man nicht so einfach ab wie einen Mantel.«

Aus irgendeinem Grund verzogen sich Nehas Lippen daraufhin zu einem beinahe echt wirkenden Lächeln. »So sehr bist du deinen Männern zugetan. An deiner Redlichkeit konnte ich nie etwas auszusetzen finden.« Ihr Lächeln veränderte sich, wurde unergründlich. »Also gut, dann muss es Mahiya sein.«

Diesmal war es Raphael, der zögerte.

Eris’ Kind mit Nivriti, erinnerte Jason den Erzengel, denn sie beide hatten nicht oft Anlass, über dieses Thema zu sprechen. Sie ist knapp über dreihundert Jahre alt.

»Einen so jungen Engel willst du mit Jason vergleichen?«, fragte Raphael.

»Nein, wahrlich nicht. Mahiya ist eine Zierde an meinem Hof, mehr nicht.« Der Erzengel ließ die Python über ihre blutigen Finger züngeln. »Aber wie der Welpe dir sicher mitgeteilt hat, stammt sie aus meiner Familie. Es wird genügen, wenn er ihr einen Blutschwur leistet.«

Raphael hielt Nehas Blick stand. »Ich werde mit ihm sprechen.«

Ihm zustimmend, neigte Neha majestätisch den Kopf, ehe sie das Gespräch beendete.

Die Flügel ordentlich auf dem Rücken zusammengelegt, wandte Raphael sich zu Jason um. »Im Moment scheint sie stabil zu sein, aber wer weiß, wie lange dieser Zustand dauert. Je mehr sie über den Mord brütet, desto gefährlicher wird sie.«

»Ich bin bereit, den Blutschwur abzulegen.« Es war ein altertümlicher Brauch, der selbst bei den Ältesten unter den Engeln nur selten praktiziert wurde – indem er Mahiya gegenüber einen Blutschwur ablegte, gehörte Jason gewissermaßen zu ihrer Familie und wäre dadurch verpflichtet, die Interessen dieser Familie wahrzunehmen. Dieser Brauch war unter anderem deshalb aus der Mode gekommen, weil er sich zu nahe an der Grenze zu erzwungener Intimität bewegte – denn in ferner Vergangenheit war mit diesem Schwur tatsächlich die intimste aller Beziehungen besiegelt worden.

Wie alle Gesetze und Traditionen der Engel war der Blutschwur jedoch eine weitaus raffiniertere Erfindung, als es auf den ersten Blick den Anschein hatte. Zwar würde das zeremonielle Band selbst niemanden aufhalten, der betrügerische Absichten hegte, aber indem Neha das Angebot aussprach, erkannte sie Raphaels Ansehen und das seiner Sieben an. Wenn Jason daraufhin den zu ihrem Hof gewährten Zutritt ausnutzte, um nach Schwächen in ihrer Verteidigung zu suchen und davon zu profitieren, würde er jeglichen Respekt einbüßen, den er sich bei den mächtigsten Unsterblichen erworben hatte.

Das war keine Kleinigkeit, ganz besonders nicht für einen Meisterspion. Einen großen Teil seiner Informationen erhielt er von ebendiesen Unsterblichen. Und was noch schlimmer war: Seine Mitarbeiter waren in weit größerer Gefahr. Obwohl sie die Besten waren, ließ es sich nicht vermeiden, dass einige von ihnen in der Ausübung ihrer Pflichten enttarnt wurden. Hätte man ihnen zuvor vergeben, weil die älteren Engel so große Achtung vor Jason hatten, würden dieselben Engel sie nun als Ausdruck ihres Missfallens über den Bruch des Blutschwurs hinrichten lassen.

Raphaels Flügel raschelten, als er sie zurechtrückte; es war das einzige Zeichen seiner Überraschung über Jasons Einwilligung in diesen archaischen Brauch. »Du musst das nicht tun«, sagte der Erzengel. »Der Kader kann sie vielleicht unter Kontrolle bringen, da ich jetzt genug Zeit habe, die anderen zu warnen. Und durch den Blutschwur setzt du dich einem Risiko aus – sollte Neha zu dem Urteil kommen, du hättest ihn gebrochen, kann sie deine Hinrichtung fordern.« Er schüttelte den Kopf. »Sie hat deiner Anwesenheit in ihrem Territorium zu bereitwillig zugestimmt. Sie will dich in ihre Gewalt bringen, um dich in ihrem Vergeltungsschlag gegen mich benutzen zu können.«

»Ja.« Jason hatte die Berechnung in Nehas Blick gesehen; der Erzengel von Indien wusste, was Raphael seine Sieben bedeuteten. Wenn Neha sein Herz nicht verletzen konnte, weil sie nicht an Elena herankam, war es ihr durchaus zuzutrauen, dass sie sich auf das Nächstbeste konzentrierte. »Aber«, fügte Jason hinzu, »auch wenn Neha vielleicht von ihrem Rachedurst getrieben wird, ist sie doch ein sehr stolzes Geschöpf. Mit dem Blutschwur geht die Zusicherung von Unversehrtheit einher. Ein solches Versprechen zu brechen würde nach ihren Maßstäben ihre Ehre beflecken – und auch wenn sie etwas anderes behauptet, diese Ehre ist ihr wichtig.« Sie war alles, was ihr noch geblieben war.

»Würdest du dein Leben darauf verwetten?«

»Ja.« Jason hatte Neha – wie auch alle anderen Kadermitglieder – schon seit Jahrhunderten beobachtet, und daher wusste er, dass sie als Erzengel nicht mit harter Hand regierte, wo subtilere Methoden genügten. »Neha ist es eher zuzutrauen, dass sie mich gegen dich aufzubringen versucht oder dazu bewegen will, das Lager zu wechseln.«

Raphael fing seinen Blick auf. »Es wird ein gefährliches Spiel um Geduld und Macht.«

»Und ein kurzes.« Jason hatte schon eine gewisse Ahnung, was Eris’ Tod betraf. »Wir vereinbaren, dass der Schwur in dem Augenblick als erfüllt gilt, in dem ich den Mörder entlarve.« Neha würde mit dieser Bedingung rechnen. »Nichts an diesem Brauch hindert mich daran, meinen sonstigen Pflichten nachzukommen, solange ich Neha in diesem Zeitraum nicht verrate.«

Mit unergründlichem Blick sagte Raphael: »Es bleibt ein schlechtes Geschäft … es sei denn, du möchtest noch aus anderen Gründen an Nehas Hof gehen.«

»Dort geht irgendetwas vor«, räumte Jason ein. »Samira kam nicht nahe genug heran – Neha weiß wahrscheinlich, dass sie meine Agentin ist.« Für einige der Erzengel war es eine unterhaltsame Abwechslung, ein gewisses Maß an Ausspähungen zuzulassen – in erster Linie, um falsche Informationen zu streuen.

»Der Schwur«, fuhr er fort, »wird mir Zugang zu den inneren Bereichen der Festungsanlage verschaffen, und da ich in dieser anderen Sache nur beobachten und nicht eingreifen möchte, riskiere ich damit nicht, den Schwur zu brechen.« Von dem, was er dort entdeckte, würde er nichts verwenden können, solange dieselben Informationen nicht durch eine andere Quelle bestätigt wurden, aber er konnte sich zumindest vergewissern, dass er auf der richtigen Spur war.

»Ein schmaler Grat.«

»Darauf kann ich mich bewegen.«

Raphaels nächste Worte waren pragmatischer Natur. »Sie wird dir nicht freie Hand lassen. Diese Mahiya dürfte dein Schatten werden.«

»Das spielt kaum eine Rolle.« Jason hatte die Gabe, mitten im Gedränge zu verschwinden und selbst dann unsichtbar zu bleiben, wenn er direkt vor jemandem stand. »Sie ist verhältnismäßig jung und hat Nehas Paläste meines Wissens noch nie verlassen.« Da sie sicherlich in der Kunst höfischer Intrigen ausgebildet war, bestand eine große Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht nur eine »Zierde« war. Aber sie konnte es unmöglich mit einem Mann aufnehmen, der sein ganzes Leben damit verbracht hatte, sich mit der Dunkelheit zu verbünden, bis die Nacht sein natürlicher Lebensraum geworden war.

»Ich habe mich dir nie in den Weg gestellt«, sagte Raphael, »und ich werde es auch jetzt nicht tun. Es ist deine Entscheidung.« Er runzelte die Stirn. »Was Mahiya angeht – ich entsinne mich, dass du Zweifel an der Vaterschaft hattest, da die Gerüchte über Eris’ Untreue nie bewiesen wurden. Außerdem war Nivriti offenbar schon mehrere Monate, bevor das Kind an Nehas Hof auftauchte, wegen eines anderen Verbrechens hingerichtet worden. Was macht dich jetzt so sicher, dass sie Eris’ Kind ist?«

»Man sieht ihr die Ähnlichkeit im Gesicht an.« Mahiyas absolut unverkennbare Augen verrieten jedem ihre Herkunft, der sich nicht durch die Angst vor dem Zorn eines Erzengels blenden ließ. »Außerdem habe ich von meinen Spionen im Laufe der Jahrhunderte genug Einzelheiten erfahren, um den sichtbaren Beweis noch zu untermauern.«

Raphael nickte nachdenklich. »Neha steht in dem Ruf, Kindern nichts zuleide zu tun, ob sie nun sterblich oder unsterblich sind. Daher kann ich mir vorstellen, dass sie das Kind selbst unter diesen Umständen adoptiert hätte.« Er hob den Blick und sagte: »Ich überlasse die Entscheidung dir, Jason. Und wer weiß? Vielleicht wird diese Mahiya noch dein Sündenfall – die Intimität eines Blutschwurs soll wirklich sehr machtvoll sein.«

Jason schwieg, aber sie wussten beide, dass das ein Ding der Unmöglichkeit war. Jason hatte niemanden mehr geliebt, seit er jenes Grab unter der tropischen Sonne ausgehoben hatte; er kannte dieses Gefühl nicht mehr. Und der Junge von einst war nur noch ein schemenhaftes Abbild in seinem Geist. Seine Loyalität zu Raphael kam diesem Gefühl am nächsten, aber da er Dmitri mit seiner Frau, Raphael mit Elena, Galen mit Jessamy und vor langer Zeit Illium mit seiner Sterblichen gesehen hatte, wusste er, dass das nicht annähernd dasselbe war. »Ich breche noch in dieser Stunde auf.«

»Vergiss nicht«, sagte Raphael mit leiser Stimme, die die Luft wie ein Messer durchschnitt, »dass sie nicht nur die Königin der Schlangen ist, sondern auch die Königin der Gifte.«

Und Jason war im Begriff, sich in ihr Nest zu begeben.

3

Sie trägt meinen Ring.

Dmitri sah, wie sich Honors Gesicht aufhellte, als sie über etwas lachte, das ihre kluge Freundin Ashwini ihr ins Ohr geflüstert hatte. Mit ihrem listigen Witz und ihren Augen, die zu viel sahen, war die Jägerin Honor stets eine gute Freundin gewesen. Deshalb hätte Dmitri sie auch dann gemocht, wenn sie nicht ständig ein Quell der Erheiterung für ihn gewesen wäre – das Katz-und-Maus-Spiel, das sie und Janvier sich seit mehr als zwei Jahren lieferten, war ebenso unerklärlich wie faszinierend.

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