Lockruf des Verlangens - Nalini Singh - E-Book

Lockruf des Verlangens E-Book

Nalini Singh

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Beschreibung

Seit die Mediale Sienna Lauren sich dem Rudel der SnowDancer-Wölfe anschloss, hat sie nur eine Schwäche: Hawke. Der gefährliche Alphawolf verlor vor Jahren die Frau, die seine Gefährtin hätte sein sollen. Und die hübsche Sienna weckt eine ungeahnte Leidenschaft in ihm. Doch das Rudel wird von einem gefährlichen Feind bedroht, und Sienna ist die Einzige, die schlimmeres Unheil verhindern kann.

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NALINI SINGH

LOCKRUF DES VERLANGENS

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Nora Lachmann

Für meine Leserinnen und Leser

X

1979.

Das Jahr, in dem die Medialen sich für Silentium entschieden.

Für Kälte – für ein Leben ohne Gefühle, ohne Gnade.

Herzen brachen, Familien wurden auseinandergerissen.

Doch für viele war es die einzige Rettung.

Vor dem Wahnsinn.

Vor Mordlust.

Vor einem Grauen, wie es die Welt heute nicht mehr kennt.

Für die X-Medialen war Silentium von unschätzbarem Wert – einige wenige erreichten das Erwachsenenalter und konnten ein halbwegs normales Leben führen. Mehr als hundert Jahre sind vergangen, seit die eisige Welle des Programms Gewalt und Verzweiflung, Wahnsinn und Liebe hinweggeschwemmt hat, und doch sind und bleiben Mediale dieser Kategorie wandelnde Waffen, gesichert nur durch Silentium. Ohne die Konditionierung …

Es gibt Albträume, auf die die Welt niemals gefasst sein wird.

1

Hawke verschränkte die Arme vor der Brust, lehnte sich an seinen massiven Schreibtisch und maß die beiden jungen Frauen mit finsterem Blick. Maria und Sienna standen in soldatischer Haltung vor ihm – Hände hinter dem Rücken und Beine hüftbreit auseinander –, denn sie gehörten zur Truppe der SnowDancer-Wölfe, auch wenn sie im Augenblick kaum danach aussahen. Das Haar hing ihnen wirr im Gesicht, Blätter, Moos und kleine Zweige klebten an den schlammverkrusteten Strähnen; noch dazu waren die Kleider zerrissen, und es roch nach geronnenem Blut.

Hawkes innerer Wolf bleckte die Zähne.

»Habe ich das richtig verstanden?«, fragte er so gefährlich ruhig, dass Maria trotz der braunen Haut ganz blass wurde. »Statt an der Grenze unseres Reviers Wache zu stehen, habt ihr beide lieber euren persönlichen Machtkampf miteinander ausgetragen?«

Sienna hielt seinem Blick stand – ein Wolf hätte das nicht gewagt. »Es war –«

»Klappe!«, blaffte er. »Wenn du noch einmal ohne meine Erlaubnis den Mund aufmachst, sperre ich euch beide in die Krippe zu den Zweijährigen.«

Siennas nachtschwarze Kardinalenaugen mit den weißen Sternen wurden vollkommen schwarz – ein deutliches Zeichen von Wut, aber sie presste nur die Zähne fest aufeinander. Maria war noch etwas blasser geworden. Gut so.

»Wie alt bist du, Maria?« Die zierliche Figur der Gestaltwandlerin täuschte, als Mensch wie als Wölfin war sie äußerst kräftig und kampferprobt.

Maria schluckte. »Zwanzig.«

»Also kein Kind mehr.«

Maria nickte – stumpf und schwer vom Schlamm wippten die dunklen Locken.

»Dann erwarte ich eine Erklärung.«

»Ich habe keine.«

»Stimmt.« Dieser Kampf war durch nichts zu entschuldigen. »Wer hat angefangen?«

Beide schwiegen.

Das gefiel Hawkes Wolf. Denn ganz egal, wer angefangen hatte, beide hatten weitergemacht; gemeinsam hatten sie Wache halten sollen, gemeinsam sollten sie nun auch für ihren Ungehorsam bestraft werden – mit einer Einschränkung.

»Stubenarrest«, sagte er zu Maria. »Sieben Tage, pro Tag eine Stunde frei. In der restlichen Zeit kein Kontakt zu anderen.« Das war eine harte Strafe – Wölfe waren Rudeltiere, Familiengeschöpfe, und Maria war eine der geselligsten Wölfinnen in der Höhle. Ihr so lange jeglichen Kontakt zu den anderen zu verbieten, machte die Schwere des Vergehens deutlich. »Wenn du noch einmal deinen Wachposten verlässt, werde ich nicht so nachsichtig sein.«

Maria wagte einen kurzen Blick, dann schlug sie die dunkelbraunen Augen nieder, seiner Dominanz hatte sie nichts entgegenzusetzen. »Darf ich zu Lakes Einundzwanzigstem?«

»Es bleibt dir überlassen, wie du die eine Stunde nutzt.« Ja, das war bitter. Sie würde den größten Teil vom Fest ihres Freundes verpassen, dabei war die Beziehung der beiden noch ganz frisch; aber Maria hatte genau gewusst, welche Konsequenzen ein Machtkampf mit einer Kameradin haben würde.

Die Wölfe waren ein starkes Rudel, weil jeder dem anderen den Rücken freihielt. Weder Dummheit noch Arroganz würden das Fundament aushöhlen, das Hawke aufgebaut hatte, nachdem blutige Ereignisse ihm beide Eltern genommen und dem Rudel so zugesetzt hatten, dass mehr als ein Jahrzehnt der vollkommenen Isolation notwendig gewesen war, um sich wieder davon zu erholen.

Nur mühsam hielt er seine Wut im Zaum und wandte sich an Sienna. »Du hattest doch ausdrücklich den Befehl, dich nicht auf körperliche Auseinandersetzungen einzulassen«, sagte er, und es klang mehr wie das Knurren eines Wolfs.

Sienna erwiderte nichts. Das war auch nicht nötig – er spürte ihre Wut so heiß auf seiner Haut brennen wie einen Wüstensturm. Wenn sie so wie jetzt ihre wilde Seite gerade noch zurückhielt, war kaum mehr vorstellbar, dass sie vollkommen in Silentium zum Rudel gestoßen war; damals waren ihre Gefühle unter einer dicken Schicht Eis begraben gewesen, und sein Wolf hatte getobt.

Maria trat einen Schritt vor.

»Hast du etwas zu sagen?«, fragte er die junge Frau, die zu den Besten zählte, solange sie ihrem aufbrausenden Temperament Zügel anlegte.

»Ich hab angefangen.« Hochrote Wangen, verspannte Schultern. »Sie hat sich nur –«

»Nein.« Sienna klang ruhig und sehr bestimmt, sie hielt ihren Zorn mit eiserner Entschlossenheit zurück. »Es ist auch meine Schuld, ich hätte mich zurückhalten können.«

Hawke kniff die Augen zusammen. »Lass uns allein, Maria.«

Die Rekrutin zögerte kurz, aber sie war eine untergeordnete Wölfin, sie musste dem Befehl des Leitwolfs gehorchen, auch wenn sie Sienna gern beigestanden hätte. Hawke gefiel diese Loyalität viel zu sehr, als dass er sie für ihr kurzes Zögern zurechtgewiesen hätte.

Mit einem leisen Klicken fiel die Tür hinter Maria ins Schloss – in dem totenstillen Büro klang das wie ein Pistolenschuss. Hawke wartete auf eine Reaktion von Sienna. Doch sie rührte sich nicht.

Er nahm ihr Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger und drehte ihr Gesicht ins Licht. »Noch mal Glück gehabt. Dein Jochbein hätte leicht gebrochen sein können.« Die Haut unter ihrem Auge schimmerte in sämtlichen Purpurtönen. »Weitere Verletzungen?«

»Mir geht es gut.«

Er griff fester zu. »Weitere Verletzungen, raus mit der Sprache.«

»Maria hast du auch nicht gefragt.« Trotzig und stur.

»Maria ist eine Wölfin, sie kann fünfmal mehr aushalten als eine Mediale und wäre immer noch auf den Beinen.« Deshalb hatte er Sienna auch befohlen, körperliche Auseinandersetzungen mit den Wölfen zu meiden. Ein weiterer Grund war, dass sie ihre todbringenden Fähigkeiten nicht vollkommen unter Kontrolle hatte. »Spuck’s endlich aus oder ich sperre dich wirklich zu den Zweijährigen. Darauf kannst du Gift nehmen.« In der Krippe eingesperrt zu sein war äußerst demütigend. Sienna zitterte vor Wut.

»Geprellte Rippen«, stieß sie zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. »Geprelltes Brustbein, verrenkte Schulter. Gebrochen ist nichts. Müsste nach einer Woche wieder in Ordnung sein.«

Er ließ ihr Kinn los. »Streck die Arme aus.«

Sie zögerte.

Sein Wolf knurrte so laut, dass sie zusammenzuckte. »Von Anfang an habe ich dir viel zu viele Freiheiten gelassen. Aber jetzt ist Schluss damit.« Befehlsverweigerung wurde bei Jugendlichen bestraft und vergeben. Bei einer Erwachsenen, einer Soldatin noch dazu, war es ein weit schwereres Vergehen. Sienna wurde bald zwanzig, hatte sich in den Reihen der Rekruten bereits einen Rang erworben, er konnte ihr das einfach nicht durchgehen lassen. »Streck die verdammten Arme aus!«

Diesmal musste sein Ton den Ausschlag gegeben haben, denn sie gehorchte. Ein paar kleine Schrammen, aber keine tiefen Kratzer, wie Krallen sie schlugen. »Dann hat Maria ihre Wölfin zurückgehalten.« Falls nicht, hätte er sie sofort zurück ins Training geschickt. Es war eine Sache, seine Wut nicht zu beherrschen, aber wenn man seinen Wolf nicht beherrschte, konnte es böse enden.

Sienna ließ die Arme sinken und ballte die Fäuste.

Wieder sah er in schwarze Augen, in denen flüssige Lava wogte. Offensichtlich musste sie sehr an sich halten, um nicht auf ihn loszugehen. »Wie weit bist du gegangen?«, fragte er sie. Ihre Selbstkontrolle war beeindruckend – und das ärgerte ihn mehr, als ihm lieb war. Doch wann war ihm der Umgang mit Sienna Lauren je leichtgefallen?

»Ich habe keine medialen Fähigkeiten eingesetzt.« Unter der Schlammkruste traten die Nackenmuskeln hervor. »Sonst wäre Maria jetzt tot.«

»Deshalb hast du auch mehr Ärger als sie.« Als er den Laurens nach ihrer Abkehr vom kalten Medialnet Zuflucht gewährt hatte, war das unter bestimmten Bedingungen geschehen. Unter anderem war es ihnen verboten, ihre geistigen Fähigkeiten gegen Rudelgefährten einzusetzen.

Seitdem hatte sich einiges geändert, und die Laurens waren ein auf allen Ebenen akzeptierter Teil des Rudels. Siennas Onkel Judd war sogar Offizier und schützte die Wölfe mit seinen telepathischen und telekinetischen Fähigkeiten. Den beiden jüngsten Familienmitgliedern, Siennas Bruder Toby und ihrer Cousine Marlee, hatte Hawke nie Fesseln angelegt, denn sie brauchten die geistigen Krallen, um sich gegen ihre raubeinigen Spielgefährten zu schützen.

Doch für Sienna durfte es keinen Freiraum geben. Hawke wusste, wozu sie fähig war. Sobald Judd dem Blutbund der Offiziere beigetreten war, hatte ihm die Loyalität dem Leitwolf gegenüber nicht mehr erlaubt, Geheimnisse vor ihm zu haben.

»Aber warum?«, fragte Sienna mit hochgerecktem Kinn. »Ich habe mich doch zurückgehalten.«

Natürlich gab sie nicht gleich klein bei. »Aber«, sagte er und hielt ein Knurren gerade noch zurück, »du hast den ausdrücklichen Befehl missachtet, dich nicht auf einen Kampf einzulassen – obwohl du dich ihm hättest entziehen können, das hast du selbst zugegeben.«

Alle Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen. »Hättest du das denn getan?«

»Hier geht es nicht um mich.« Früher war er ein Hitzkopf gewesen und hatte mehr als einmal dafür Prügel bezogen … bis sich alles verändert hatte und seine Welt von einer Welle aus Schmerz, Blut und schrecklichem Leid hinweggespült worden war. »Deine mangelnde Selbstkontrolle hätte weit Schlimmeres auslösen können, das weißt du genauso gut wie ich.« Denn das war ja das Furchtbare: Trotz dieses Wissens hatte sie die Grenze übertreten. Was ihn mehr als alles andere aufbrachte.

»Wenn du mich nicht mehr auf eurem Land haben willst«, warf Sienna ein, während er noch überlegte, was er mit ihr machen sollte, »sollte ich den Hausarrest wohl lieber bei den Leoparden verbringen.«

Hawke schnaubte, die DarkRiver-Leoparden waren enge Verbündete, aber … »Damit du in Ruhe mit deinem Schatz rumhängen kannst? Netter Versuch.«

Sienna wurde flammend rot. »Kit ist nicht mein Schatz.«

Auf diese Diskussion würde er sich nicht einlassen. Jetzt nicht. Niemals. »Du hast kein Mitspracherecht, was deine Bestrafung angeht.« Er hatte sie verzogen. Verdammter Mist, er könnte sich dafür jetzt noch ohrfeigen. »Eine Woche Hausarrest im Soldatenquartier, pro Tag eine Stunde frei.« Mediale konnten Isolation besser aushalten als Gestaltwandler, aber Hawke wusste, dass sich Sienna seit ihrer Abkehr vom Medialnet verändert hatte; die Bindung zum Rudel, zur Familie, war stärker geworden. »Danach eine Woche Arbeit mit Kleinkindern, denn genau so verhältst du dich neuerdings. Andere Aufgaben wirst du erst wieder übernehmen, wenn ich sie dir zutraue.«

»Ich –« Sie schloss den Mund wieder, als er eine Augenbraue hob.

»Drei Wochen«, sagte er leise. »Die dritte hilfst du in der Küche beim Abwaschen.«

Ihre Wangen färbten sich noch eine Schattierung dunkler, aber sie unterbrach ihn nicht noch einmal.

»Du kannst gehen.«

Ihr würziger Herbstduft hing noch in der Luft, nachdem sie gegangen war – was sie bestimmt gefreut hätte. Erst jetzt ließ er den wilden Wolf in sich los.

Der ganz verrückt nach diesem Duft war.

HawkeholtetiefLuftundkämpftegegendasBedürfnisan,ihrhinterherzulaufen.SeitMonatenunterdrückteerdenInstinkt–seitderWolfSiennazudenErwachsenenzählteundsiefürihnnichtmehrtabuwar.DermenschlichenHälftewaresnichtgelungen,denWolfvomGegenteilzuüberzeugen;jedesMal,wennsieinseineNähekam,mussteergegendasheftigeVerlangenankämpfen,äußersteKörperprivilegienvonihrzufordern.

»Himmel!« Er nahm das kleine Satellitentelefon, das die Techniker ihm vor vier Wochen besorgt hatten, und gab die Nummer des Alphatiers der Leoparden ein.

Beim zweiten Klingeln meldete sich Lucas. »Was gibt’s?«

»Sienna wird eine Zeit lang nicht zu euch kommen.« Abgesehen davon, dass Sienna offensichtlich Abstand von der Höhle, von ihm brauchte, arbeitete sie auch mit Lucas’ medialer Gefährtin Sascha daran, ihre eigenen Fähigkeiten besser zu verstehen und zu beherrschen. Aber … »Ich kann ihr nicht alles durchgehen lassen. Diesmal ist Feierabend.«

»Verstanden«, antwortete das andere Alphatier.

Hawke hatte sich auf eine Ecke des Schreibtisches gesetzt und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. »Wird sie damit umgehen können?« Sie würde nicht zusammenbrechen – dafür war sie zu stark, und gerade diese Stärke zog seinen Wolf magisch an –, aber ihre ungeheuerlichen Fähigkeiten waren schwerer zu bändigen als wilde Bestien.

»Als sie das letzte Mal bei uns war, hat Sascha gesagt, Sienna wirke ausgesprochen stabil«, sagte Lucas. »Ganz anders als zu Beginn ihrer gemeinsamen Sitzungen. Es dürfte keine Probleme verursachen, sie treffen sich nur noch unregelmäßig.«

Zumindest an dieser Front musste er sich also keine Sorgen machen. »Ich werde Judd dennoch bitten, sie in der Ebene im Auge zu behalten.« Sienna würde es nicht gefallen, überwacht zu werden, aber es war nun einmal eine Tatsache, dass sie gefährlich war und er die Sicherheit des ganzen Rudels gewährleisten musste. Den heftigen Beschützerinstinkt, den er ihr gegenüber empfand, konnte er allerdings auch nicht verleugnen.

»Darf ich fragen, was vorgefallen ist?« Lucas klang neugierig.

Hawke setzte die Raubkatze kurz ins Bild. »In den letzten Monaten ist es wieder schlimmer mit ihr geworden.« Davor war ihre neu gewonnene Stabilität von allen älteren Mitgliedern des Rudels bemerkt – und begrüßt worden. »Ich muss härter durchgreifen, sonst herrscht Unfrieden in der Höhle.« Klare Hierarchien hielten das Rudel zusammen. Der Leitwolf stand an der Spitze. Die Rebellion einer Untergebenen durfte er nicht dulden und würde sie keinesfalls zulassen.

»Hab schon verstanden«, sagte Lucas. »Erstaunt bin ich trotzdem. Bei uns ist sie die perfekte Soldatin, muckt nie auf. Hat einen messerscharfen Verstand.«

Hawke fuhr die Krallen aus und zog sie wieder ein. »Tja, sie gehört eben nicht zu deinen Leuten.«

Eine längere Pause trat ein. »Man hat mir zugetragen, dass du dich mit jemandem triffst.«

»Komm mir jetzt bloß nicht mit Klatsch.« Hawke hielt seinen Ärger nicht zurück.

»Kit und ein paar andere Rekruten haben dich vor ein paar Wochen mit einer umwerfend aussehenden Blondine gesehen. In einem Restaurant am Pier 39.«

Hawke überlegte kurz. »Eine Medienberaterin von CTX.« Wölfe und Leoparden hielten die Aktienmehrheit bei dem Sender, die Investition war überaus sinnvoll gewesen, denn selbst Mediale suchten inzwischen nach von dem diktatorischen Rat ungefilterten Informationen. »Wollte mich zu einem Interview überreden.«

»Wann wird es ausgestrahlt?«

»Wenn Schweine fliegen lernen.« Hawke machte sich vor der Kamera nicht zum Affen und hatte Frau Medienberaterin sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass die SnowDancer-Wölfe in nächster Zeit nicht vorhatten, ihr blutrünstiges Image zu ändern und in der Öffentlichkeit zu niedlichen Schoßhündchen zu mutieren. Entweder konnte sie damit etwas anfangen oder sich einen anderen Job … Plötzlich wischte ein Gedanke die Erinnerung fort, seine Hand schloss sich fester um das Telefon. »War Sienna mit den Rekruten unterwegs?«

»Ja.«

Diesmal schwieg Hawke eine ganze Weile, sein Wolf lag vorsichtig auf der Lauer, zwei gegensätzliche Bedürfnisse behinderten sich gegenseitig. »Mir sind die Hände gebunden, Luc«, sagte er schließlich, jeder Muskel in ihm war so angespannt, dass es wehtat.

»Das hat Nate auch gesagt.«

Der Wächter der Leoparden war inzwischen glücklich verheiratet und hatte zwei entzückende Junge.

»Ist nicht dasselbe.« Es war nicht nur eine Frage des Alters – Hawkes Gefährtin war tot, war gestorben, als beide noch Kinder gewesen waren. Das waren die brutalen Fakten. Sienna würde nicht verstehen können, was das bedeutete, wie wenig er ihr noch zu geben hatte, wie wenig er überhaupt einer Frau geben konnte. Wenn er selbstsüchtig der namenlosen, aber umso stärkeren Anziehung zwischen ihnen nachgeben würde, würde es sie zerstören, das wusste er genau.

»Könntest trotzdem glücklich sein. Denk darüber nach.« Luc legte auf.

Sie hat noch nicht mit ihm geschlafen … Warte nicht zu lang, Hawke, du könntest sie verlieren.

Das hatte Indigo vor zwei Monaten gesagt. Dabei war es um Sienna und den Jungen gegangen, der an ihr klebte, sobald Hawke sich umdrehte. Wenn man davon absah, dass er ein Leopard war, stimmte alles an Kit. Er wäre der perfekte Gefährte …

Ein hässliches Geräusch.

Im Display des nagelneuen Satellitentelefons war ein Sprung.

WIEDERHERGESTELLTE DATEI COMPUTER 2(A)

STICHWORTE: PRIVATKORRESPONDENZ, VATER, E-MEDIALE, HANDLUNG ERFORDERLICH UND ABGESCHLOSSEN*

von: Alice <[email protected]>

an: Dad <[email protected]>

am: 26. September 1970 um 23:45

betrifft: Neuigkeiten!!

Hallo Dad,

ich habe aufregende Neuigkeiten. Kurz vor dem Abschluss meiner Arbeit über E-Mediale ist es mir gelungen, Geld für eine zweite Studie über die seltene X-Kategorie aufzutreiben! Die Kommission für die Vergabe von Stipendien hat sich zwei von mir im letzten Jahr veröffentlichte Aufsätze angesehen und ist zu dem Schluss gekommen, dass der Blick von außen einzigartige Erkenntnisse über mediale Fähigkeiten zutage fördert – was wahrscheinlich stimmt, denn ich bin ja keine Mediale. Allerdings haben mich die E-Medialen nie wie eine s behandelt, aber das ist ja ein Teil ihrer Gabe, wie du weißt.

George, der bald mehr Kollege als Mentor sein wird, ist der Ansicht, dieses Projekt könnte scheitern, da sich der Umgang mit dem Rat immer schwieriger gestalte. Außerdem wisse man kaum etwas über X-Mediale. Aber darum ginge es ja gerade, habe ich erwidert. Obwohl ich nicht Archäologin bin wie du, Dad, erforsche ich doch ebenso unbekanntes Gelände.

Apropos George: Er schreibt gerade eine Abhandlung über die Verbreitung des Internets. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass die Entwicklung nur so schnell fortschreiten konnte, weil wir das Medialnet als Beispiel und Anregung hatten und sehr schnell jede Menge Geld zur Verfügung stand, da die Unternehmen gleichen Zugang zu Informationen wollten – dem kann ich nur zustimmen. George möchte, dass noch ein anderer Anthropologe einen Blick auf seine Arbeit wirft. Ich habe ihm versprochen, Mom zu fragen (sprichst du bitte mit ihr?).

Ich hoffe, der ägyptische Sand ist euch beiden freundlich gesinnt.

In Liebe

Alice

* Aktennotiz: Verdeckter Hirnscan von George Kim ergab, dass alle Verbindungen zum Eldridge-Projekt nachhaltig aus seinen Gedanken gelöscht wurden. Der sehr feinfühlige Eingriff lässt auf einen E-Medialen schließen. George Kim verfügt weder über nützliche noch gefährliche Informationen. Liquidierung unnötig.

2

SobaldsiedieTürihresZimmershintersichgeschlossenhatte,fielSiennasSelbstbeherrschunginsichzusammen.SietratgegendieWanddesRaums,denmanihrimQuartierderungebundenenSoldatenzugewiesenhatte.DasZimmernutztesienurselten,lieberwohntesiebeiihremBruderToby,ihremOnkelWalkerunddessenTochterMarlee.AberjetztwarsieeineWochelangindiesemkleinen,unpersönlichenRaumgefangen.

Von Anfang an habe ich dir viel zu viele Freiheiten gelassen. Aber damit ist jetzt Schluss.

Die Erinnerung an diese Worte ließ sie zusammenzucken. In den blassblauen Augen, die denen der Huskys ähnelten, hatte nur eine unbändige Wut gestanden. Diese Augen, die silbrig goldene Mähne und nicht zuletzt seine Persönlichkeit als Leitwolf des Rudels sicherten Hawke die Aufmerksamkeit aller Frauen, ohne dass er sich groß anstrengen musste.

Sienna ballte die Fäuste. Denn heute hatte er nicht die Frau in ihr gesehen, sondern nur eine Rudelgefährtin, auf die man sich nicht verlassen konnte, die das Rudel mit ihren Handlungen in Gefahr brachte. Die Vorwürfe, die sie sich selbst machte, waren schlimmer als jede Strafe, die er über sie verhängen konnte. Wie einen Eisblock spürte sie die Scham im ganzen Leib, sie hatte es gründlich verbockt. So viel Zeit und Arbeit hatte sie investiert, und doch waren die Gefühle mit ihr durchgegangen und hatten die Vernunft einfach ausgeschaltet, als es darauf angekommen war, sich zusammenzureißen.

»Verdammt, Sienna.« Sie fuhr sich mit beiden Händen durchs Haar, verzog das mit Schlammspritzern bedeckte Gesicht und zog sich aus. In weniger als einer Minute war sie nackt und trat unter die kleine Dusche, höchst dankbar dafür, dass es in jedem Zimmer eigene Waschgelegenheiten gab. Sie wusch sich Schmutz, Gras und Blut vom Körper und mühte sich dann damit ab, die langen, von Schlamm und Dreck steifen Haare zu entwirren.

Es dauerte geraume Zeit.

Die ganze Zeit wütete wilder Zorn wie ein eingesperrter Tiger in ihr – Zorn auf sich selbst, auf ihre Unfähigkeit, etwas loszulassen, das sie Stück für Stück innerlich zerriss. Genau wie die Gestaltwandler hatte sie eine wilde Bestie in sich, doch war ihre Bestie gefährlicher und besaß die Fähigkeit, eiskalt zu zerstören. Im Augenblick richtete sich diese Fähigkeit nach innen, schlug ihre Klauen ins eigene Fleisch. Sienna stellte die Dusche kälter, wusch sich zweimal das Haar, trug eine Spülung auf und legte sie in einzelnen Strähnen nach vorn über die Schulter, um auch die Spitzen zu erwischen. Erst als sie fast fertig war, entdeckte sie es.

Sie hob das nasse Haar ganz nah an die Augen und fluchte. Ihre starken Fähigkeiten hatten die Tönung neutralisiert. Schon wieder. Zum dritten Mal in diesem Monat. Ihr Mangel an Selbstkontrolle erschreckte sie. Dabei war alles so gut gegangen, seit sie viel Zeit bei den Leoparden verbrachte; sie war so stabil gewesen, dass die Angst, die sie seit ihrer Abkehr vom Medialnet gefangen hielt, von einem Wirbel an Selbstvertrauen hinweggefegt worden war.

Dann hatte sie gesehen, wie … »Nein.«

Sie stellte das Wasser ab, stieg aus der Dusche und griff nach einem großen, flauschigen Handtuch, das ihr Brenna zum Geburtstag geschenkt hatte. Wunderbar warm und weich fühlte es sich an, sie konnte sich dem sinnlichen Genuss nicht entziehen – ebenso wenig wie dem zwanghaften Bedürfnis, das sie in ihre jetzige Lage gebracht hatte.

Sie biss die Zähne so fest aufeinander, dass der Schmerz wie ein Messer in ihren Kiefer schoss. Doch auch dieser Schock half nicht gegen die tiefe Sehnsucht, die sie nie ganz verließ. Mit aller Macht konzentrierte sie sich darauf, ihre Haut trocken zu reiben. Im Badezimmerspiegel sah sie eine Frau mittlerer Größe mit einem Schopf von so dunklem Rot, dass er nass fast schwarz wirkte.

»Funkelnd wie ein Rubin«, hatte Sascha gesagt, als sie beim letzten Mal die Tönung auftrugen, die Hände der Empathin hatten die Farbe sanft einmassiert. »Zu schade, dass wir es verstecken müssen.«

Leider hatten sie keine andere Wahl. Siennas Haarfarbe war zu einzigartig. Doch vielleicht konnte man es jetzt doch langsam wagen, dachte Sienna und starrte in ein Gesicht, das zarte weibliche Züge entwickelt hatte, alles Kindliche war daraus gewichen, ohne dass es ihr aufgefallen wäre.

Und ihr Haar war noch dunkler geworden, seit sie das Medialnet verlassen hatte. Ihr Körper wies deutlich mehr Kurven auf und auch mehr Muskeln. Obwohl sie das nicht größer machte, würde sie sicher niemand wiedererkennen, der sie im Medialnet gekannt hatte. Vor allem, da sie außerhalb des Territoriums der Wölfe stets braune Kontaktlinsen benutzte.

Heute trug sie keine. Kardinalenaugen sahen sie aus dem Spiegel an, vom Rest der Welt unterschieden sie Anlagen, die niemand, nicht einmal ein anderer Kardinalmedialer, verstehen konnte. Die Einzige, die jemals nahe daran gewesen war, die schreckliche Gewalt zu verstehen, die in ihr verborgen war, war ihre Mutter gewesen, eine kardinale Telepathin, die von ihren eigenen Dämonen geplagt worden war. Toby, ihr kleiner Bruder, war ebenfalls ein Kardinalmedialer. Drei in ein und derselben Familie … das war äußerst ungewöhnlich.

Aber noch ungewöhnlicher war es, wenn eine kardinale X-Mediale ihre Kindheit überlebte.

Ein lautes Klopfen unterbrach ihre Gedanken.

Sie fuhr zusammen, zog sich schnell Unterwäsche, ein sauberes T-Shirt und die weiche schwarze Hose an, die sie zu Hause gern trug. »Bin gleich da!«, rief sie, als es erneut klopfte. Da an der Tür ein Hinweis hing, dass sie unter Hausarrest stand, konnte es nur ein ranghoher Rudelgefährte sein.

Sie strich sich das feuchte Haar hinters Ohr und öffnete die Tür. Vor ihr stand ein Mann, der gefährlich wie der Tod war. »Judd.« Sie war überrascht, dass er gekommen war, statt auf telepathischem Weg mit ihr zu kommunizieren.

»Kommst du mit dem Arrest zurecht?«, fragte er.

Die Klinke grub sich schmerzhaft in ihre Hand, kalt wie beißender Frost. »Er hat dich wohl gebeten, nach mir zu sehen?«

Judd Lauren war der Bruder ihrer Mutter, zudem aber früherer Pfeilgardist und einst einer der gefährlichsten Auftragskiller des Rats. Sie kannte niemanden, der sich besser hinter einer Maske verbergen konnte, sein Gesichtsausdruck gab absolut nichts preis. »Antworte mir.« Das war deutlich, er fragte nicht als Onkel, sondern als Offizier der Wölfe.

Sie riss sich zusammen. »Mir geht’s gut.« Die Gefühle drohten, ihre Schilde zu zerschlagen, als die Gedanken in tausend verschiedene Richtungen auseinanderstoben, aber der Schutz hielt stand. Nur das allein zählte, denn ohne ihre Schilde wäre sie schrecklicher als alle von Menschenhand geschaffenen Waffen.

Judds Blick ruhte nach wie vor auf ihr, er bildete sich eine eigene Meinung, dann erst nickte er. »Du weißt, was du zu tun hast, wenn es Probleme gibt.«

»Ja.« Sie würde sich telepathisch an ihn wenden, und er würde auf der Stelle teleportieren und sie unschädlich machen. Falls der Schock des ersten Schlags ihren Geist nicht erreichte, würde er beim zweiten auf ihren Kopf zielen. Das hörte sich barbarisch an und würde gewiss auch etwas in ihm zerstören, aber jemand musste dafür sorgen, dass nichts Schlimmeres passierte, falls sie die Kontrolle über sich verlor. Denn ihre kardinalen Fähigkeiten lagen im Kampf. Wahrscheinlich würden ihre Schilde sofort dichtmachen, wenn dieser Teil losbrach. Dann konnte nicht einmal ein Pfeilgardist zu ihr durchdringen.

Ein körperlicher Angriff war der einzige Weg. Nur die Sicherheit, dass Judd diesen Schlag ausführen könnte und würde, gestattete ihr ein Leben ohne die permanente Furcht, ihrer Umgebung zu schaden. Abgesehen von der gegenwärtigen Lage hatte sie in den vergangenen Monaten eine fast vollkommene geistige Disziplinierung erreicht; niemand, nicht einmal sie, hätte das von einer X-Medialen außerhalb des Medialnets erwartet.

Die Erinnerung daran machte sie stark. »Ich werde die Zeit nutzen, um die Kontrollmechanismen zu verstärken, die ich mit deiner und Saschas Hilfe entwickelt habe.« Judd war kein X-Medialer, hatte aber gefährliche telekinetische Fähigkeiten; er begriff, dass tiefe Angst sie dazu trieb, ihre gewaltigen Kräfte tief in ihrem Geist einzuschließen. Deshalb würde er sie auch töten, wenn es notwendig wäre.

»Gut.« Er beugte sich vor und strich ihr über die Wange, was keineswegs überraschend war, denn die Wölfin, die seine Gefährtin war, hatte selbst einen Albtraum an Gewalt überlebt. »Ich habe mich schon gefragt, wann du es mit Hawke zu weit treibst.« Er fuhr mit dem Daumen über ihren Wangenknochen, küsste sie auf die Stirn. »Nutze die Zeit, um nachzudenken und dir zu überlegen, was du wirklich willst.«

Wie schwere Steine drückten die Gefühle auf ihre Brust; sie schloss die Tür und ging ins Badezimmer, nahm die Bürste wieder in die Hand. »Hawkes Gefährtin ist tot«, sagte sie zu ihrem Spiegelbild, und ihre Finger umklammerten den Griff so fest, dass alles Blut aus ihnen wich. »Er hat sein Herz mit ihr begraben.«

Selbst angesichts der brutalen Erkenntnis wurde das Verlangen in ihr nicht ausgelöscht, nicht einmal kleiner wurde es. Genau wie die zerstörerischen Kräfte der X-Medialen würde es sie verzehren, bis nur noch ein Häufchen Asche von ihr übrig war.

Lara wollte gerade die Höhle verlassen, als sie auf Judd traf. »Bitte sehr«, sagte er und half ihr, den Erste-Hilfe-Rucksack aufzusetzen.

»Vielen Dank.« Ihr war nicht entgangen, aus welcher Richtung er gekommen war. »Hab gehört, dass Sienna und Maria von ihrer Wache verletzt zurückgekehrt sind. Aber niemand hat nach mir verlangt. Ist alles in Ordnung?«

Der Offizier folgte ihr aus der Höhle in die kühle Luft und den hellen Sonnenschein der Sierra Nevada. »Ein paar Kratzer und blaue Flecken, nichts Ernstes.«

Das Herz der Heilerin war beruhigt, sie sah in den klaren, blauen Himmel. »An einem Tag wie heute bin ich überglücklich, zum SnowDancer-Rudel zu gehören.« Eine Wölfin zu sein.

»Brenna und ich haben ganz früh am Morgen gejagt, der Nebel stieg gerade auf.« Judd war sicher nicht bewusst, dass seine Stimme immer ganz sanft wurde, wenn er von seiner Gefährtin sprach.

»Meine liebste Tageszeit.« Dann war alles noch frisch und die Welt ein Geheimnis. »Wohin seid ihr?«

»Auf die andere Seite des Sees«, sagte er, als sie ihren Weg fortsetzten. »Und – wer ist verletzt?«

Sie verdrehte die Augen. »Zwei Jugendliche haben irgendwelchen Mist gemacht, und nun muss ich einen gebrochenen Arm und drei angeknackste Rippen heilen.«

»Dazu brauchst du normalerweise so was doch nicht.« Er klopfte auf den Rucksack.

»JungesVolk«,murrteLara,»mussmanchmallernen,dassmansichlieberinAchtnehmenundnichtsbrechensollte.Ichwerdesiesoweitheilen,dassallesseineOrdnunghat,unddanndenArmeingipsenunddieRippenbandagieren.«DerHeilungsprozesswürdelängerdauern,wennsieihreGabenichtvollständiganwandte,aberdieJungenwürdenkeinenSchadendavontragen.

»Die positiven Nebeneffekte sind, dass meine medizinischen Fähigkeiten auf diese Weise nicht einrosten, ich aber andererseits meine heilenden Fähigkeiten nicht vollkommen verausgaben muss und sie mir noch zur Verfügung stehen, wenn plötzlich ein schlimmer Unfall passiert.« Obwohl Hawke ihr durch das Band zwischen Heilerin und Leitwolf Energie zukommen lassen konnte, stieß ihr Körper irgendwann an Grenzen.

»Bitte.« Judd hob einen Ast, der Lara den Weg versperrte. So betrat sie als Erste die Lichtung, auf der ein Junge an einen Baum gelehnt dasaß und sich den Arm hielt. Der andere saß im Schneidersitz daneben, eine Hand auf die Rippen gepresst. Brace war groß und schlaksig geworden, und Joshua hatte in den letzten Monaten mehr Muskeln bekommen. Im Augenblick sahen sie beide allerdings eher aus wie Sechsjährige, die sich schämten.

Der Grund war sicher der Mann, der mit verschränkten Armen auf die Übeltäter herabsah. Laras Herz schlug schneller. »Walker.« Sie hatte den Geruch nach tiefem Waldsee und schneebedeckten Tannen schon beim Herannahen wahrgenommen, es aber der Tatsache zugeschrieben, dass Walker öfter mit den jüngeren Teenagern in der Gegend war – denn Hawke hatte ihm die Obhut für die Zehn- bis Dreizehnjährigen übertragen. Ein schwieriges Alter, aber Walker kam mit den jungen Wölfen zurecht, ohne die Stimme erheben zu müssen.

Warum, das wusste sie genau – denn der stille Walker war ebenso präsent wie sein dominanter Wolf. »Ich habe nicht damit gerechnet, dich hier zu treffen.« Ihre Stimme klang in ihren Ohren ein wenig heiser, doch den anderen schien das nicht aufzufallen.

Walkers blassgrüne Augen fixierten sie kurz. »Bin zufällig vorbeigekommen und habe die beiden gesehen.« Sein Blick fiel auf ihre Schulter. »Ich werde das da zurücktragen.«

»Wir müssen uns miteinander unterhalten – komm mit den Kindern zum Essen.« Judd war wieder im Wald verschwunden, ehe sie sich umgedreht hatte.

»Es tut weh, Lara.« Fast entschuldigend klang das.

Sie drängte das Durcheinander aus Verlangen, Ärger und Verletzung beiseite, das sie fast erstickte, und kniete sich vor ihn. »Lass mal sehen, Schätzchen«, sagte sie und untersuchte erst Brace und dann Joshua. »Haltet doch still.« Mit der Druckpistole verabreichte sie beiden eine Dosis Schmerzmittel.

Nur zu deutlich spürte sie, dass Walker neben ihr in die Hocke ging, spürte die Nähe des großen Mannes, roch seine Witterung, die genauso kühl und zurückgenommen wie der ganze Kerl war. Sie versorgte die beiden Jungen, und er sprach in der Zeit mit ihnen. Was immer sie angestellt hatten, seine Fürsorge beruhigte sie. Doch Lara wünschte sich, dass ihre Wölfin nicht so sensibel auf seine Gegenwart reagierte, ihr Fell stellte sich unter der Haut auf – sie war vorsichtig geworden und hielt Abstand. Beide Hälften von ihr hatten die Lektion nicht vergessen, die ihr Walker Lauren erteilt hatte.

»So«, sagte sie, als die Jungen später Braces Spezialgips aus durchsichtigem Kunststoff genauer begutachteten. »Bei Schmerzen oder Unwohlsein kommt ihr sofort zu mir, verstanden?«

»Danke, Lara.« Ein freundliches Lächeln von Joshua, dann küssten die beiden sie auf die Wange – einer rechts, einer links – erhoben sich und rannten davon, als wären nicht kurz zuvor beinahe Tränen geflossen.

Amüsiert schüttelten Wölfin und Heilerin den Kopf, dann packte Lara alles zusammen; Walker hob den Rucksack ohne größere Anstrengung auf. Ihre Kehle war wie ausgedörrt, und sie musste mehrere Anläufe nehmen, ehe sie etwas Verständliches herausbrachte, aber sie würde sich von Walker nicht aus der Ruhe bringen lassen. »Danke.«

Er nickte schweigend.

Als sie zur Höhle zurückgingen, wehrte sich Laras Verstand gegen die einmal getroffene Entscheidung und überflutete sie mit den Erinnerungen an den Kuss in der Nacht, als sie Riaz’ Rückkehr gefeiert hatten. Die älteren Rudelgefährten hatten spontan eine Begrüßungsparty für den Offizier organisiert. Die Korken knallten und Lara, die normalerweise keinen Alkohol zu sich nahm, trank ein wenig zu viel Champagner. Deshalb fand sie überhaupt den Mut, nicht nur einen Streit mit dem großen Medialen anzufangen, der sie faszinierte, seit er den ersten Schritt in die Höhle getan hatte, sondern ihn auch in eine Ecke zu ziehen, sich auf die Zehenspitzen zu stellen und ihre Lippen auf seinen Mund zu drücken.

Er erwiderte ihren Kuss, lange und intensiv, erst noch zurückhaltend, dann kräftig. Die starken Halsmuskeln waren unter ihren Fingern deutlich spürbar, und sein Kinn kratzte.

Er war so groß, dass sie sich vollkommen ausgeliefert, sinnlich überwältig fühlte, seine breiten Schultern schlossen die restliche Welt förmlich aus. Obwohl sie beschwipst war, würde sie nie einen einzigen Augenblick davon vergessen. Frau und Wölfin waren gleichermaßen erstaunt über diesen Erfolg … über die fünf Sekunden, die ihr vergönnt waren.

Dann hob Walker den Kopf und drängte sie zurück zu den anderen Gästen. Damals hatte sie gedacht, er wolle als Gentleman ihren beschwipsten Zustand nicht ausnützen, würde sich ihr aber, sobald sie nüchtern war, sicher wieder nähern wie alle dominanten Männer, die eine Frau haben wollten. Am nächsten Morgen jedoch meldete er sich nicht, was ihre Stimmung deutlich dämpfte. Erst am Nachmittag rief er an.

Sie gingen spazieren, und das Herz schlug ihr bis zum Hals. Denn sie glaubte, es würde nun richtig anfangen. Bis Walker an einem steilen Abhang stehen blieb, der schroff ins Tal abfiel. Ein Windstoß wirbelte sein Haar durcheinander, als er ihr eröffnete: »Was letzte Nacht geschehen ist, war ein Fehler.« Seine Stimme klang ganz sanft, was alles irgendwie noch schlimmer machte. »Es tut mir leid.«

Ihr Blut war zu Eis erstarrt, aber sie wollte jedes Missverständnis ausschließen und fragte: »Weil ich zu viel getrunken hatte?«

Die Antwort war klar und deutlich: »Nein.«

Sie hätte vielleicht eine witzige Bemerkung machen sollen, bevor sie sich allein auf den Rückweg begeben hatte, aber sie erinnerte sich nur an erdrückend dunkle Gefühle. Er hatte sie dermaßen verletzt. Sie hätte ihm noch vergeben können, wenn es sich einfach um unerwiderte Gefühle gehandelt hätte – man hatte es nicht in der Hand, in wen man sich verliebte, das wusste sie nur zu genau.

Doch am meisten verletzte sie, dass nicht alles nur in ihrem Kopf stattgefunden hatte. Sie spürte genau, wenn ein Mann sie begehrte, und Walker hatte sie begehrt … jedenfalls genug, um sie zu küssen, aber offensichtlich nicht genug, um weiterzumachen. Und wenn das der Fall war, hätte er sie vor dem Kuss aufhalten müssen, groß und stark genug war er. Doch er hatte es nicht getan. Er hatte sie im Arm gehalten, als würde sie ihm etwas bedeuten, und ihr dann das Herz gebrochen. Das konnte und würde sie ihm nie vergeben.

»Lara.«

Sie sah in die sehr männlichen Züge und zwang die Erinnerungen zurück in die Vergangenheit, wo sie hingehörten. »Tut mir leid«, sagte sie mit einem Lächeln, für das sie ihren ganzen Stolz brauchte. »Ich weiß, das Zeug ist schwer. Ich kann es den Rest des Wegs tragen.«

Walker ging nicht auf ihren Versuch ein, die Unterhaltung in leichtes Fahrwasser zu lenken. »Wir haben seit Wochen nicht mehr miteinander gesprochen.«

Das bezog sich auf die nächtlichen Gespräche, die sie vor dem Kuss geführt hatten. Walker war eine Nachteule. Lara wachte oft bis spät in die Nacht bei ihren Patienten. Irgendwann hatte es sich ergeben, dass sie fast jede Nacht um elf zusammen Kaffee tranken – wenn Sienna nicht auf ihren Bruder und Marlee aufpassen konnte, achtete Walker telepathisch auf die beiden. Sie hatten über nichts Besonderes gesprochen, aber dennoch hatten ihr diese Nächte Mut gemacht, etwas zu tun, das für eine unterwürfige Wölfin nicht gerade einfach war.

Heiler waren niemals dominant – sie hatten aber auch keinen untergeordneten Status. Normalerweise war die Dominanz ihrer Rudelgefährten für Lara unerheblich, sie konnte sowohl Junge als auch Alte beruhigen. Doch mit Walker war es anders. Dennoch hatte sie den ersten Schritt getan und den Kuss gewagt, der zu ihrer Demütigung geführt hatte.

Seit der Zurückweisung hatte sie darauf geachtet, nur ja nicht um diese nächtliche Stunde auf der Krankenstation zu sein. Die Wunde war noch zu frisch. Doch inzwischen war einige Zeit vergangen, und die Dinge hatten sich verändert; sie hatte es nicht nur überlebt, sondern konnte inzwischen auch in Walkers Gegenwart wieder frei atmen. Was allerdings nicht hieß, dass sie Walker erlauben würde, sich wieder zurück in ihr Leben zu schleichen, nicht jetzt, da sie endlich so weit war, ganz normal weiterzumachen.

»Ist es dir denn entfallen? Wir haben uns doch miteinander unterhalten, als ich Marlees aufgeschlagenes Knie versorgt habe«, sagte sie mit einem Lachen, das selbst in ihren Ohren ganz natürlich klang. »Im Übrigen«, sagte sie und streckte die Hand nach dem Rucksack aus, »würde ich jetzt lieber allein weitergehen, wenn du nichts dagegen hast. Dann kann ich besser nachdenken.«

Walker bewegte sich nicht, seine blassgrünen Augen starrten sie unverwandt an. »Und wenn ich etwas dagegen habe?«

Etwas Unbestimmbares lag in der Luft.

Sie wusste nicht, warum er sie bedrängte, aber sie wusste ganz genau, dass sie den Deckel dieser Büchse nicht öffnen würde. Weder heute noch an einem anderen Tag. »Wenn es dir nichts ausmacht, die Sachen zurückzubringen, danke ich dir dafür«, sagte sie, ihn absichtlich missverstehend, und verschwand mit einem fröhlichen Winken in Richtung Wasserfall.

Das war erledigt, dieses schmerzhafte Kapitel war für immer abgeschlossen.

3

Ratsherr Henry Scott hatte bereits vor zwei Monaten die Entscheidung getroffen, San Francisco zu opfern, trotz der ökonomischen und finanziellen Tumulte, die eine Zerstörung der Stadt unweigerlich nach sich ziehen würde. Nun ging es nur noch darum, die letzten Einzelheiten festzulegen.

Er wandte sich von den geschäftigen Straßen ab, die vor den Fenstern seines Londoner Büros lagen, und blickte den Mann an, dem er die Führung seiner Leute anvertraut hatte – die inzwischen alle wichtigen Posten der Makellosen Medialen besetzt hatten. Still und leise hatte man die Zivilisten von diesen Stellen verdrängt.

Henry brauchte keine Partei. Er brauchte eine schlagkräftige Waffe.

DeshalbkoordinierteVasquezalleAktionenderMakellosenMedialen.DerMannfielnichtbesondersauf–mitkaumeinemMeterfünfundsechzigwirkteereherwieeinSportleralseinSoldat,undseinGesichtwarsodurchschnittlich,dassmanihnsofortvergaß,sobalderausdemBlickfeldverschwundenwar.

»Wie lange dauert es noch, bis wir San Francisco und die umgebenden Gestaltwandler-Gebiete angreifen können?«, fragte Henry.

»Etwa einen Monat.« Vasquez lud mehrere Dokumente auf den großen Wandbildschirm hoch und gab Henry einen Überblick über den genauen Stand der verfügbaren Männer und Waffen. »Am schwierigsten wird es sein, das Gebiet einzunehmen, das die Wölfe ihr ›Territorium‹ nennen, aber ich arbeite schon an einer Lösung.«

Henry nickte und beließ es dabei. Vasquez wäre kaum von Nutzen, wenn er nicht selbstständig denken könnte – eine Tatsache, die auch Henrys Frau Shoshanna lieber beherzigen sollte, wenn es um ihre Ratgeber ging. Sie umgab sich mit Lakaien, die einer wie der andere strohdumm waren. Deshalb konnte Henry diese Operation planen, während Shoshanna noch dachte, sie habe die Zügel in der Hand. »Gibt es irgendwelche Probleme, über die ich Bescheid wissen sollte?«

»Nein.«

»Dann sehen wir uns in einer Woche wieder.«

Erst nachdem Vasquez gegangen war, öffnete Henry ein weiteres Dokument auf dem Monitor. Um seine Kapitalanlagen stand es wieder einmal schlechter, als es wünschenswert gewesen wäre. Er brauchte keinen Finanzexperten, um zu wissen, wer ihm allmählich den Hahn zudrehte – Nikita Duncan hatte es in Bezug auf finanzielle Manipulation zu einer wahren Meisterschaft gebracht. Doch obwohl die Verluste problematisch waren, konnten sie ihn nicht aufhalten. Bald würde er San Francisco einnehmen und damit das Fundament von Nikitas Imperium vernichten.

Was die Gestaltwandler betraf … die konnte man nicht am Leben lassen, denn sie boten steten Widerstand. Glaubten tatsächlich, sie befänden sich außerhalb der Reichweite des Rats, und wagten sogar, einen Hybriden zu zeugen, halb Medialen, halb Gestaltwandler. Falls das Kind jemals zur Welt käme, würden die geistigen Fähigkeiten verkümmern, die die Gattung der Medialen zur mächtigsten auf diesem Planeten machten.

Henry konnte und würde das nicht zulassen.

Die Welt musste endlich zu dem Zustand zurückkehren, der über hundert Jahre geherrscht hatte. Denn so sollte es sein: Makellose Mediale sollten herrschen, und die anderen Gattungen nur existieren, solange sie sich den Regeln der Medialen unterwarfen. Überall auf der Welt sollte man bei dem Gedanken an SnowDancer-Wölfe und DarkRiver-Leoparden stets vor Augen haben, welche blutigen Folgen Widerstand haben konnte. Das war Henrys größter Wunsch.

4

Drei Tage nach dem Vorfall mit Sienna und Maria wurde Hawke von einem kleinen Gesicht mit großen Augen aufgehalten. Er ging in die Hocke, um sich den kleinen Kerl genauer anzuschauen. »So ernst heute, Ben?«

Der Fünfeinhalbjährige, einer von Hawkes Lieblingen, nickte. »Haste echt Sinna einsperrt?«

Hawke biss sich auf die Lippen. »Ja.«

Die braunen Augen, die Ben von seiner Mutter hatte, wurden noch größer. »Warum?«

»Sie hat die Regeln nicht eingehalten.«

Ben dachte einen Augenblick nach, die weiche Kinderstirn legte sich in Falten. »Ist das Auszeit für Große?«

»Ja.«

»Aha.« Er nickte. »Muss ich Marlee erzählen.«

»Ist Marlee denn traurig?« Das Mädchen war Siennas Cousine und auch ein Teil des Rudels – Hawke durfte nicht zulassen, dass sie verletzt wurde.

Ben schüttelte den Kopf. »Ihr Vater sagt, Sinna war böse und is deshalb einsperrt, aber Marlee sagt, du tust so was nich, Sinna is nur mucksch und will keinen sehen.«

Nachdem Hawke Bens Worten gefolgt war und die Erklärung letztlich auch begriffen hatte, stand er auf und zerzauste das Haar des Jungen. »In ein paar Tagen ist sie wieder draußen.«Und würde im Kindergarten arbeiten, was ihr bestimmt nicht unangenehm war. Der ihr angeborene Beschützerinstinkt machte es ihr leicht, auf die Jungen aufzupassen, auch wenn sie keine Wölfin war. Und die Jungen fühlten sich aufgehoben bei ihr.

Die Arbeit im Kindergarten war also nicht schlimm für sie. Schlimm war die Tatsache, dass er sie von den Aufgaben abgezogen hatte, die bei ihrem Rang von ihr erwartet wurden und damit allen zeigte, dass er ihr diese Arbeit nicht mehr zutraute. Ein harter Schlag für den Stolz, den sie wie eine Rüstung trug, aber sein Wolf kannte ihren eisernen Willen, ihre unbeugsame Kraft. Sienna würde nicht akzeptieren, dass irgendetwas sie zerstörte, schon gar nicht Hawke. Schon aus Prinzip nicht.

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