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Liam Parker, Mitarbeiter der Forrester Ranch, freut sich wie jedes Jahr auf die Erntesaison der Benson Farm. Denn die bringt viele Helferinnen nach Melfort, um die er sich privat nur zu gern kümmert. Aber diesmal ist für ihn alles anders. Sara Terence, die aus Montreal geflüchtet ist und auf der Farm als Erntehelferin zu arbeiten beginnt, geht dem Rancharbeiter ordentlich unter die Haut. Schnell merkt Liam, dass Sara etwas verbirgt. Zwischen den beiden beginnt es zu knistern. Doch ehe sie sich ihrer Liebe hingeben können ist Sara wie vom Erdboden verschwunden. Warum hat Sara Melfort verlassen? Wurde sie von ihrer schrecklichen Vergangenheit eingeholt? Werden die beiden zueinander finden oder war es nur ein kleiner Sommerflirt?
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Prolog
Sara
Liam
Sara
Liam
Sara
Liam
Sara
Liam
Sara
Liam
Sara
Liam
Sara
Liam
Sara
Liam
Sara
Liam
Sara
Liam
Sara
Liam
Sara
Liam
Sara
Liam
Sara
Liam
Sara
Liam
Jake
Sara
Liam
Sara
Liam
Epilog Sara
Danksagungen
Eternity
Sara & Liam
Liebesroman von Ella Green
Daniela Krenn
Siedlerstraße 5
83714 Miesbach
http://www.ella-green.com
© Ella Green Oktober 2019
Cover: Art for your Book Sabrina Dahlenburg
Korrekturleserin: Sandra Paczulla, Martina Schneider
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.
»Sara!«, hörte ich Bob laut rufen, als ich die Wohnung betrat. Augenblicklich zuckte ich zusammen. Eine Gänsehaut überzog meinen Körper und ich begann zu zittern. »Sara, komm ins Wohnzimmer. Sofort!«
Mit leisen Schritten durchquerte ich den Flur, um in den Wohnbereich zu gelangen. Meine Mutter und er saßen auf dem schäbigen, schwarzen Ledersofa, das seine besten Zeiten längst hinter sich hatte. Mom starrte vor sich hin. In der Hand hielt sie eine Flasche billigen Whiskey. Über ihrem rechten Auge klaffte eine Wunde. Eingetrocknetes Blut klebte an ihrer Schläfe. Es war nicht das erste Mal, dass ich meine Mutter so sah. Bob hatte wieder die Hand gegen sie erhoben. Wie er es auch bei mir tat. Doch schützen konnte weder ich sie vor ihm, noch sie mich vor ihm. Wenn er mich schlug, schaute sie wortlos zu. Nur wenn ich in der Arbeit, in einer Bar am Stadtrand von Montreal war, war ich sicher.
»Hast du das Geld?«, fragte er, stand auf und kam auf mich zu.
Am Ende der Woche bekam ich meinen Lohn ausbezahlt und musste diesen bei Bob abgeben. Sogar meine Trinkgelder wollte er. Mein Traum war es gewesen, auf das College zu gehen. Weit weg von den beiden ein besseres Leben zu führen. Aber da wir nie Geld hatten und ich die Schule teilweise nicht besuchte, weil er mich so verprügelt hatte, dass ich nicht vor die Tür konnte, blieb mir ein Stipendium verwehrt. Die Highschool hatte ich ohne Abschluss verlassen und in einem Café zu arbeiten begonnen. Als ich volljährig wurde, wechselte ich zu Joey’s Bar.
Bob und Mom waren arbeitslos. Wir mussten von meinem Geld leben. Was er allerdings nicht wusste, war, dass ich seit einigen Monaten von meinem Verdienst etwas zur Seite legte. Ich sparte für meine Flucht! Ich musste hier raus, ehe er mich umbrachte. In einem Schließfach am Bahnhof lagen mein Ausweis, das angesparte Geld und eine Tasche mit Klamotten. Mir fehlten nur noch 300 Dollar, dann könnte ich irgendwo hingehen, wo sie mich nicht finden würden. Ein neues Leben beginnen, das war mein Plan. Was aus meiner Mutter würde, war mir egal. Ihr war es ja auch immer egal, dass er mich bis zur Bewusstlosigkeit schlug. Für mich zählte nur das blanke Überleben und das würde ich in dieser Wohnung niemals können.
»Hier«, sagte ich und reichte ihm das Kuvert mit meinem Lohn.
Er riss es auf, zählte die Scheine und blickte mich finster an.
»Willst du mich verarschen? Das kann unmöglich alles sein!«
»Doch, das ist alles. Trinkgeld fiel schlecht aus, weil wenig los war.« Das war eine Lüge. Mein Trinkgeld war besser als sonst. Die 150 Dollar hatte ich aber ins Schließfach gelegt. Spätestens in zwei Wochen könnte ich abhauen, aber nur, wenn die Kunden spendabel wären.
»Man sollte dich auf den Strich schicken, da würdest du mehr bekommen!«, blaffte er mich an, warf die Geldscheine auf den Tisch. Er entriss meiner Mutter die Flasche Whiskey, setzte sie an seinen Lippen an und trank einen großen Schluck daraus.
»Aber für eine Nutte hast du zu kleine Titten! Vielleicht doch keine gute Idee, dich auf den Strich zu schicken!«
Mutter sagte nichts. Sie starrte weiter vor sich hin und wirkte abwesend. Sie war zu hundert Prozent auf Drogen.
»Ich bin müde und geh jetzt ins Bett.«
Ich wollte mich umdrehen, um in mein Zimmer zu gehen und mir Gedanken darüber zu machen, wo ich einen Neustart wagen könnte. Doch Bob sah gar nicht ein, mich gehen zu lassen. Mit einem heftigen Ruck, der meinen ganzen Körper zum Beben brachte, riss er mich zu sich, packte mich am Kinn und zwang mich ihn anzuschauen.
»Nächste Woche wirst du mehr Geld nach Hause bringen! Haben wir uns verstanden?« Seine Stimme war laut und bedrohlich.
»Ja«, antwortete ich leise und schluckte den Kloß, der sich in meinem Haus gebildet hatte, hinunter.
Dann stieß er mich weg, sodass ich am Türrahmen anschlug.
»Und du Schlampe, könntest dir mal das Gesicht waschen und mir einen blasen«, sagte er zu meiner Mutter.
Ich musste das Würgegeräusch unterdrückten. Allein die Vorstellung, dass sie sich von ihm anfassen ließ und ihm für Sex zur Verfügung stand, wann immer er wollte, ließ mir den Brechreiz hochkommen. Gut, dass er sich nie an mir vergriffen hatte. Die Schläge hielt ich aus, aber einen sexuellen Übergriff hätte ich seelisch nicht verkraftet. Meine Mutter erhob sich, torkelte an mir vorbei und verschwand im Bad.
»Verpiss dich! Oder willst du zuschauen, wie die Schlampe, die sich deine Mutter schimpft, mir den Schwanz lutscht?«
Eilig drehte ich mich um und rannte in mein Zimmer. Hinter mir schloss ich die Tür und drehte den Schlüssel um. Sicher ist sicher!
Das kleine Zimmer schien mich wie jeden Abend zu erdrücken. Es passte nur ein kleines Bett und ein Hängeregal hinein. Jede Abstellkammer war größer als das hier. Unter meinem Bett zog ich eine Kiste hervor. Darin befand sich eine Landkarte, die ich mir immer wieder anschaute und darüber nachdachte, in welchem Teil von Kanada weder Bob noch meine Mutter mich finden würden.
Ich ließ mit geschlossenen Augen meinen Finger über die Karte schweben und tippte darauf. Mein Zeigefinger hatte den Ort Collings in British Columbia getroffen. Collings wäre weit genug weg. Morgen müsste ich mich am Bahnhof erkundigen, wie viel ein Ticket dorthin kostete. Arbeit würde ich bestimmt finden. Irgendwer würde mich schon einstellen. Mir war egal, was ich machte. Ich würde sogar Toiletten putzen, nur um von diesem Alptraum wegzukommen. Ich legte die Karte zurück in die Kiste, schob sie unter’s Bett und zog mir meinen Pyjama an.
Nun hoffte ich Schlaf zu finden, denn ich befürchtete, jeden Moment ihn und Mom nebenan zu hören. Träumen von einem besseren Leben, das war mein Ziel.
Gerade als ich die Augen schloss, hörte ich ein Rumpeln, gefolgt von einem lauten Knall.
»Du betrunkene Schlampe sollst mir einen blasen oder bist du dafür zu blöd?«
Ich hielt mir die Ohren zu und kniff die Augen zu. Die Nächte waren grausam. Wenn Bob durchdrehte, flogen nicht nur Flaschen und Gläser durch das Wohnzimmer, sondern auch meine Mom. Aber ich konnte ihr nicht helfen und sie beschützen. Würde ich mich vor Bob stellen, hätte mein letztes Stündchen geschlagen.
Gedämpft vernahm ich ihre Stimmen, das Kreischen von meiner Mutter und das Klirren von Glas.
Bitte lieber Gott, lass mich von diesen grausamen Leben flüchten.
3 Wochen später
Meine Rippen schmerzten, als ich mich im Bett umdrehte. »Autsch!« Vor einer Woche war ich nach meiner Schicht in Joey’s Bar zum Bahnhof gegangen, setzte mich in einen Zug und fuhr davon. Meine Flucht war geglückt. Allerdings hatte Bob mich einen Tag vorher zusammengeschlagen. Er war betrunken gewesen. Das Geld, das ich mit nach Hause brachte, war ihm zu wenig. Bob ließ all seine Wut an mir aus. Meine Mutter hatte in der Ecke gelegen und nur zugeschaut, wie er mich quer durch’s Wohnzimmer schlug. Sie konnte mir nicht helfen. Ihr Gesicht war blutüberströmt gewesen. Er hatte sie vermöbelt.
Ich rollte mich zur Seite. Die Sonne schien durch das Fenster, Vögel zwitscherten vor sich hin. Als ich vor ein paar Tagen in Collings angekommen war, hatte ich mir ein kleines Zimmer in einer Pension genommen. Nach Arbeit hatte ich mich noch nicht umgesehen, denn mein Körper schmerzte. Ich hatte mich nur ausgeruht und war froh, dass meine Flucht geglückt war. Bob war bestimmt auf der Suche nach mir. Aber er würde mich niemals finden. Ich hatte das ganze Land durchquert. Mitten auf dem Land. Mitten in der Pampa. Hier würde er mich niemals vermuten.
Für heute hatte ich mir vorgenommen, in der kleinen Bäckerei, wo ich mir meine Brötchen holte, nach Arbeit zu fragen.
Mit Schmerzen erhob ich mich aus dem Bett, ging in das Bad hinüber, um mich für den Tag fertig zu machen. Bob hatte mich nur in die Rippen geboxt. Na ja, was heißt nur. Das reichte. Denn Hämatome zierten meinen ganzen Oberkörper. Ich blickte mich im Spiegel an. Die Schmerzen würden vorübergehen. Ich war frei. Nie wieder kann er mir was antun.
Ich stellte mich unter die Dusche und ließ das warme Wasser auf mich hinabprasseln. Alle Sorgen wurden hinfort gespült. An mein altes Leben wollte ich nicht mehr denken. Jetzt begann mein Neuanfang. Wo es mich wohl hinführt?Wo werde ich wohnen? Für immer konnte ich in dieser Pension nicht bleiben. Das Geld, das ich mir angespart hatte, würde mich maximal zwei Monate über Wasser halten. Ich brauchte dringend einen Job und vor allem ein Dach über den Kopf.
Als ich mit dem Duschen fertig war, legte ich ein bisschen Make-up auf, föhnte die Haare trocken und band sie zu einem Pferdeschwanz zusammen. Aus meiner Reisetasche holte ich eine Jeans und einen Pullover heraus. Vor dem Spiegel schaute ich mich an. Für ein Bewerbungsgespräch war ich zu underdressed, aber ich wollte ja keine Stelle als Chefsekretärin, sondern irgendwas, was mir half, auf die Beine zu kommen. Ganz egal was ich künftig arbeiten würde, alles war besser, als von Bob gefoltert zu werden.
Ich schlüpfte in die Sneakers, nahm meine Handtasche und verließ das Zimmer. Die Stufen knarzten, als ich nach unten ging, um zum Ausgang zu gelangen.
Draußen schien die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Ich blickte mich um. Es war ruhig hier. Viel ruhiger als in der Großstadt. Collings war ein netter Ort. Ich ging die Straße entlang, zu der Bäckerei, bei der ich fragen wollte, ob sie Arbeit für mich hätten. Und wenn ich die Backstube putzen würde. Hauptsache ein Job, bei dem ich Geld verdiente.
****
Die Glocke über der Tür kündigte mich an. Hinter dem Tresen stand die Frau, die mich öfter bedient hatte.
»Guten Morgen«, begrüßte sie mich und lächelte.
»Guten Morgen«
»Was darf es für dich sein?«
»Ich ... ich wollte fragen, ob Sie vielleicht eine Aushilfe für Ihre Bäckerei brauchen. Ganz egal für was, ich mach alles.« Mein Herz klopfte mir bis zum Hals. Ich war nervös und hatte Angst vor einer Absage.
»Hm, das tut mir sehr leid, wir suchen im Moment niemanden.«
»Schade. Sollte sich was ändern, wäre es toll, wenn Sie mir Bescheid geben würden.«
Sie beäugte mich. »Du brauchst dringend einen Job, oder?«
Ich nickte. »Ja.«
»Ich hör mich mal um, okay?«
»Das wäre sehr lieb.« Ich wandte mich zur Tür.
»Warte mal.«
Ich blieb stehen, drehte mich zu ihr. »Ja?«
»Du hast gesagt, dass es ganz egal ist, was für Arbeit es ist?«
»Ja. Ich mach wirklich alles.«
»Muss die Stelle in Collings sein?«
Ich schüttelte den Kopf. »Nein.«
»In Melfort ungefähr 20 Meilen von hier, gibt es eine Apfelfarm. Die Ernte beginnt demnächst und ich weiß, dass dort immer Helfer gesucht werden. Vielleicht hast du Glück.«
Ich ging auf die Dame zu. »Können Sie mir die Adresse geben?«
»Ja, natürlich«, sagte sie und schrieb mir die Anschrift auf einen Zettel. »Sag Mr. Alan Benson liebe Grüße von Becky aus Collings. Er ist der Besitzer der Farm und unser Apfelsaftlieferant.«
Sie gab mir den Zettel und zwinkerte mir zu.
»Vielen Dank.«
»Gerne. Ich drücke dir die Daumen.«
»Wie komme ich am besten nach Melfort?«, wollte ich noch wissen, bevor ich den Laden verließ.
»Mit dem Auto.«
»Okay.«
Dass ich gar keinen Wagen besaß, sagte ich nicht. Nun musste ich wohl das tun, was ich noch nie getan hatte. Trampen.
Ich verließ die Bäckerei, ging die Straße hinunter, bis ich an einer Kreuzung ankam. Die Straßenschilder wiesen den Weg. Nach links ging es nach Melfort, also stellte ich mich in diese Richtung und hielt den Daumen nach oben. Mein Körper zitterte. In meinem ganzen Leben war ich noch nie per Anhalter gefahren. In der Großstadt konnte ich mit Bussen oder Zügen von A nach B kommen. Aber hier auf dem Land war alles etwas anders.
Ein Pick-up fuhr an den Straßenrand und hielt neben mir. Der Fahrer ließ das Fenster der Beifahrerseite herunter. »Hey, wo willst du hin?«
»Nach Melfort«, antwortete ich so selbstbewusst, wie es mir möglich war.
Ich wollte dem Fahrer nicht zeigen, dass ich Schiss hatte.
»Dann ist heute dein Glückstag. Hüpf rein.«
Zaghaft griff ich nach dem Türgriff und zog daran. Ich kletterte in den Wagen und spürte, wie mein Herz heftig gegen den Brustkorb schlug.
»Danke.« Ich setzte mich neben ihn und stellte meine Tasche in den Fußraum.
»Ein konkretes Ziel in Melfort?«
»Die Apfelfarm von Alan Benson.«
»Perfekt, das liegt genau auf meiner Strecke.« Er fuhr los.
Jetzt gab es kein Entkommen mehr. Aber der junge Kerl sah nicht aus, als würde er mir was antun wollen.
»Ich bin Jason.«
»Sara.«
»Bist du eine der Erntehelferinnen?«
»Noch nicht.«
Jason schaute zu mir hinüber und zog eine Augenbraue nach oben. »Das soll heißen?«
»Dass ich erst fragen muss, ob die Farm noch Hilfe braucht.«
»Die brauchen immer Hilfe. Du wirst bestimmt Glück haben.«
»Hoffentlich.«
»Bist du Backpacker?«
Ich nickte.
Niemand würde die Wahrheit über mich erfahren. Es war mein Geheimnis und das musste es bleiben.
»Okay«, gab er von sich und fuhr schweigend weiter.
Die Landschaft war schön. Wiesen, Wälder und vereinzelt sah man Kühe auf der Weide. Es wirkte beruhigend. Aber so richtig ruhig war ich nicht. Es würde wahrscheinlich noch einige Zeit dauern, bis ich mir zu 100 % sicher war, dass Bob mich nicht finden würde. Nein, er kann und wird dich nicht finden.
»So, wir sind da. Das dort drüben ist die Benson Farm«, sagte Jason, nachdem wir fast zwanzig Minuten gefahren waren.
»Vielen Dank für’s Mitnehmen«, erwähnte ich und öffnete die Tür.
»Viel Glück, vielleicht sieht man sich mal wieder.«
Ich hob die Hand, winkte ihm und schloss die Beifahrertür. Jason fuhr weiter und ich wandte mich zur Farm.
Auf der linken Seite erstreckten sich jede Menge Apfelbäume. Dahinter war ein großes Wohnhaus zu sehen. Auf der anderen Seite eine Lagerhalle, dahinter sah man Blockhütten. Ich ging den Kiesweg, der von Büschen gesäumt war, entlang. Niemand war zu sehen. Es war absolut ruhig. Mit wackligen Beinen ging ich auf das Haus zu, stieg die Stufen zur Veranda nach oben und klopfte. Im Inneren waren Schritte zu hören, dann wurde die Tür geöffnet. Mein Herz setzte kurz aus und mein Körper überzog sich mit einer Gänsehaut. Vor mir stand ein großer Mann mit Vollbart. Er hatte ein paar Kilos zu viel auf den Rippen. Und ... oh Gott, er erinnerte mich an Bob. In mir kam Panik hoch.
»Hallo«, sagte er mit tiefer Stimme und schaute mich fragend an.
Er wirkte nicht böse, dennoch hatte ich Angst vor ihm.
»Hallo«, kam es leise aus meinem Mund.
»Wie kann ich dir helfen?«
»Ich ... ich ... bin auf der Suche nach Mr. Alan Benson.« Meine Stimme war zittrig.
»Der bin ich.«
Oh nein, das ist Mr. Benson.
»Und was willst du von mir?« Ein Lächeln legte sich auf seine Lippen. Nun wirkte er nett. Nahezu sympathisch.
»Ich soll liebe Grüße von Becky aus Collings ausrichten.«
»Hm, war das alles?«
Ich schüttelte den Kopf. »Nein. Sie meinte, dass Sie Helfer für die Apfelernte suchen würden.«
»Ah, jetzt kommen wir dem Ganzen näher«, lachte er. »Allerdings haben wir für dieses Jahr genug Erntehelfer.«
Mist! Ich spürte, wie sich Tränen in meinen Augen sammelten. Weder Becky noch Jason hatten recht, dass hier Hilfe gebraucht würde. Nun musste ich wohl wieder zurück nach Collings, und mich dort auf die Suche nach Arbeit machen.
»Okay, äh ... entschuldigen Sie die Störung«, sagte ich mit belegter Stimme und drehte mich um.
Ich hörte, wie die Tür geschlossen wurde. Nun konnte ich die Tränen, die sich in den Augen gesammelt hatten, ausbrechen lassen. Ich weinte bitterlich. Warum konnte ich nicht Glück haben? Zwei Jobabsagen an einem Tag, innerhalb einer Stunde, das war zu viel für mein zartes Wesen. Ich ging den Weg zur Straße hinunter, bog ab und setzte mich unter einen Apfelbaum. Hoffentlich war das nicht verboten. Es war das Grundstück von Mr. Benson. Na ja, er würde mich schon wegschicken, wenn es nicht erlaubt wäre.
Ich zog die Beine an meinen Körper, legte mein Kinn auf den Knien ab und heulte. Wie ein Häufchen Elend saß ich da. Wie sollte es weitergehen? Ich wusste keine Antwort. Wenn ich nur Absagen bekäme, dann ... ja, was dann?
»Hallo?«, hörte ich eine weibliche Stimme und hob den Blick.
Am Straßenrand war ein Wagen stehen geblieben, darin saß eine Frau, die schätzungsweise ein bisschen älter war als ich.
»Hi«, schniefte ich und wischte mir die Tränen von den Wangen.
»Ist dir was passiert?«, fragte sie, nachdem sie aus dem Auto gestiegen war und auf mich zukam.
»Nein, alles gut«, winkte ich ab und versuchte, zu lächeln.
Sie ging vor mir in die Hocke. »Nach ›Alles gut‹ sieht das aber nicht aus.«
Durch meine mit Tränen gefüllten Augen schaute ich sie an. Sie war hübsch. Blond, süßes Gesicht. Eine Traumfrau für die Männerwelt. Und wahrscheinlich hatte sie an jedem Finger fünf Kerle, die ihr den Hof machten.
»Ich bin Hazel und du?«
»Sara.«
»Hi, Sara. Erzähl, was dir Kummer macht«, forderte sie mich auf.
Sie war wohl eine von der Sorte Mensch, die das Schicksal nie übel traf. Die nie Sorgen hatte, sondern der Typ Frau, der sich um andere sorgte.
»Ach, ich will dich mit meinem Problem nicht belästigen. Du hast sicherlich Besseres zu tun, als irgendeiner Backpackerin zuzuhören.«
Hazel setzte sich mir gegenüber ins Gras und grinste. »Ich bin eine gute Zuhörerin und gar nicht in Eile.«
Ich seufzte. Sie war wohl auch eine dieser Frauen, die so lange nachhakte, bis man zu sprechen begann.
»Ich wollte als Erntehelferin arbeiten, aber die Stellen sind alle besetzt. Vielleicht ist das auch gar nicht schlimm, weil mir Mr. Benson irgendwie Angst einjagte.«
Hazel begann zu lachen. »Bär macht dir Angst?«
»Bär?«
»Ich nannte Alan schon als Kind Bär. Und glaub mir, er ist ein herzensguter Mensch. Mein Schwiegervater in spe tut wirklich niemandem was.«
Oh nein, ich hätte ja ahnen müssen, dass auf dem Land jeder jeden kennt. Klasse, Sara.Du hast voll zugegeben, dass dir Mr. Benson Angst macht.
»Komm, steh auf. Wir gehen gemeinsam zu Alan. Ich bin mir sicher, dass er dich noch unterbringt. Und falls nicht, können wir im Blockhütten Resort Hilfe brauchen.«
»Arbeitest du in dem Blockhütten Resort?«, wollte ich wissen und erhob mich.
»Es gehört mir und meinem Freund.«
War ja klar. Sie war nicht nur bildhübsch, sondern hatte ein tolles Leben.
Ich folgte ihr zum Auto, stieg ein und wir fuhren den Kiesweg nach oben. Vor dem Wohnhaus blieb sie stehen und deutete mir auszusteigen.
»Bär wird dich nicht beißen, versprochen«, versicherte sie mir, als wir die Veranda nach oben gingen.
Ohne zu klopfen betrat sie das Haus und rief durch den Flur: »Alan, bist du da?«
»In der Küche«, kam es von ihm zurück.
»Komm«, erwähnte sie und nahm mich an der Hand.
Als wir die Küche betraten, die so groß war, wie das Apartment, in dem ich mit Bob und Mom gewohnt hatte, blickte uns Mr. Benson verwirrt an.
»Hey, Hazel.«
»Hallo, Bär. Ich denke, Sara hast du schon mal gesehen.«
Er stand auf, kam auf mich zu. »Mh, sie war vorhin hier und wollte einen Job als Erntehelferin.«
»Wir können doch bestimmt noch eine Helferin brauchen.« Sie klimperte mit ihren Wimpern.
»Eigentlich nicht.«
»Ach komm, Bär. Sie hat geweint. Ich denke, sie braucht dringend Arbeit.«
Danke, sag ihm halt, dass ich wie ein kleines Kind am Straßenrand saß und heulte.
Mr. Benson verschränkte seine Arme oberhalb von seinem Bauch und seufzte. »Hast du schon mal als Erntehelferin gearbeitet?«
»Nein, aber ich lerne schnell.«
»Was hast du bisher gearbeitet?«
»Ich war Kellnerin in einem Café und zuletzt in einer Bar.«
»Dann wäre ein Job bei Lizzy wohl eher was für sie«, sagte er an Hazel gewandt.
»Lizzy hat genug Personal. Aber stell dir mal vor, einer von den Erntehelfern sagt kurzfristig ab oder wird krank.«
»Ich verspreche, ich werde mir alle Mühe geben«, versicherte ich ihm.
»Okay, dann werden wir es versuchen. Komm morgen Vormittag wieder. Ich brauche einige persönliche Daten von dir.«
»Vielen Dank, Mr. Benson.«
»Mh«, brummte er und setzte sich an den Küchentisch.
»Danke, Alan. Wir sehen uns später.«
»Okay.«
»Bis morgen, Mr. Benson«, sagte ich.
»Bis morgen.«
Dann folgte ich Hazel nach draußen. »Na, das lief doch super.«
»Na ja, begeistert, schien er nicht zu sein.«
»Das kommt dir nur so vor.«
Hoffentlich.
»Wo wohnst du?«, fragte Hazel und blieb neben ihrem Wagen stehen.
»Noch in Collings, aber ich muss mir eine Wohnung in Melfort suchen. Ich hab keinen Wagen.«
»Die Wohnungssuche kannst du gleich streichen. Die Erntehelfer bekommen Kost und Logis frei. Ihr seid alle in dem alten B&B von Betty Franklin untergebracht. Aber ... Moment, wenn du kein Auto hast, wie bist du nach Melfort gekommen?«
»Per Anhalter.«
Hazel machte große Augen. »Na, du traust dich.«
»War das erste Mal, aber der Fahrer Jason war sehr nett.«
»Ah, das kann nur Jason Forrester von der Forrester Ranch gewesen sein. Ja, der ist nett.«
»Ich hab nicht viel mit ihm geredet, aber hier kennt wohl jeder jeden.«
»Oh ja, das ist so. Wir sind wie eine riesige Familie. Soll ich dich nach Collings fahren?«
Verlegen blickte ich sie an. »Mach dir wegen mir keine Umstände.«
»Doch, komm das mache ich. Und morgen um 9 Uhr hol ich dich ab und bring dich zur Farm.«
»Das ist lieb von dir.«
Wir stiegen in das Auto und fuhren los. Während der Fahrt erzählte mir Hazel einiges über Melfort und deren Einwohner. Es schien so, als hätte ich doch das Glück gefunden. In mir breitete sich ein gutes Gefühl aus.
»Bald kommen die Erntehelfer auf die Benson Farm«, sagte George und reichte mir ein Bier.
Wir hatten Feierabend und den verbrachten wir gemeinsam auf der Veranda unseres kleinen Angestelltenhauses.
»Mh, ich weiß.«
»Mal sehen, ob dieses Jahr wieder scharfe Häschen dabei sind.«
Ich schmunzelte vor mich hin. George und ich hatten vor vier Jahren auf der Forrester Ranch zu arbeiten angefangen. Jedes Jahr schleppten wir die ein oder andere Erntehelferin ab. Nach der Saison, wenn die Damen weiterzogen, hörten wir nichts mehr von ihnen. Traurig darüber waren wir nie. Wir waren Cowboys und die trauerten keiner Frau hinterher.
Der Job auf der Ranch, war der beste, den ich bisher hatte. Unsere Chefs Jason und sein Vater John waren super.
»Bestimmt sind für uns welche dabei. War in den letzten Jahren ja auch so.«
George hob mir sein Bier entgegen und stieß mit mir an. »Auf die schönste Zeit des Jahres.«
»Auf die Apfelernte und die heißen Helferinnen.«
Wir lachten. Es war unsere Zeit des Jahres. Sonst war es in Melfort sehr ruhig. Die Mädels, die hier lebten, waren alle vergeben und glücklich. Wenn wir auf Frauenjagd gingen, dann in Collings. Aber viel Zeit für die Frauenwelt hatten wir eh nicht, denn die Arbeit auf der Ranch war viel. Pferde auf die Weide bringen, Ställe ausmisten, nach den Rindern auf den Weiden schauen. Pferde füttern und natürlich trainieren. Einen anderen Job würde ich niemals wollen.
»Ich glaube, wir müssen in den nächsten Tagen mal Tyler besuchen und Ausschau nach den neuen Damen halten«, riss mich George aus meinen Gedanken.
Ich lachte. »Ja, das können wir tun.«
Tyler war der Sohn von Alan Benson, dem die Farm gehörte. Tyler und seiner Freundin Hazel gehörte das Blockhütten Resort, das neben der Apfelfarm war.
»Hey, Jungs«, begrüßte uns Jason, der zu uns kam und sich neben uns setzte. »Alles klar bei euch?«
»Ja, Boss, alles bestens. Wir genießen unseren Feierabend. Willst du auch ein Bier?«, fragte ich an ihn gewandt.
»Sehr gerne.«
George stand auf. »Ich bring dir eins, muss eh für große Königstiger.«
»Du meinst wohl kleine Königstiger«, witzelte ich und begann zu lachen.
»Kollege, nicht frech werden. Die Damen haben sich bisher nie beschwert.« Er griff sich zwischen die Beine, zwinkerte und ging hinein.
»Oh Mann, ihr zwei«, sagte Jason. »Ich wette, ihr könnt es kaum erwarten, bis die ersten Erntehelferinnen auf der Benson Farm aufschlagen.«
Ich grinste spitzbübisch. »Genau dieses Thema hatten wir eben. Sei dir bewusst, dass wir demnächst mal einen Abstecher bei Tyler machen.«
Jason schüttelte den Kopf. »Oh je, das wird wieder die Saison der gebrochenen Herzen.«
»Ach komm, bisher wussten die Ladys immer, dass es nicht für die Ewigkeit ist.«
»Das meinst du? Wie viele werden wohl heulend zu Hause in ihren Betten liegen und wegen euch trauern.«
Ich legte meinen Zeigefinger an den Mund und überlegte. Wie viele Damen hatten wohl je wegen mir geheult?
»Hier, bitte«, sagte George, der zurückgekommen war und reichte Jason eine Flasche Bier.
»Auf euch, ihr Herzensbrecher«, lachte Jason und wir stießen an.
»Hoffentlich ist eine Braunhaarige dabei«, erwähnte ich, nachdem ich von meinem Bier getrunken hatte.
»Es könnte eine dabei sein«, antwortete Jason und schmunzelte.
»Weißt du etwa schon mehr als wir?«
»Na ja, wenn die Backpackerin, die ich heute aus Collings mitnahm, den Job bekommen hat, dann ja.« Er setzte die Flasche am Mund an, trank und grinste.
»Erzähl«, forderte ich ihn auf.
Jason berichtete uns von einer Tramperin, die er an der Kreuzung in Collings aufgegabelt hatte. Er hatte sie zur Farm gefahren, weil sie dort nach Arbeit fragen wollte. Sie hieß Sara, war zierlich, nicht größer als einssechzig und sah süß aus.
»Trish, darf nicht hören, dass ich so von einer anderen Frau schwärme.«
Trish war seine feste Freundin. Die beiden waren schon lange ein Paar. Sie lebte wie wir in Melfort. Trish arbeitete im Little Cappuccino, das Lizzy Franklin gehörte, dem einzigen Café in diesem kleinen Dorf.
»Wir werden deiner holden Maid nichts verraten«, versicherte George und hielt seine Finger zum Schwur an seine Brust.
»Appetit darf man sich holen, gegessen wird zu Hause«, kommentierte ich und schwor ebenfalls, dass ich Trish nichts sagen würde.
»Sara ist genau dein Typ, Liam. Aber ich denke, sie wird dich nicht ranlassen. Auf so einen Dorfcasanova, wie du es bist, wird sie verzichten.«
»Wir werden sehen.«
Jason hatte mich auf Sara neugierig gemacht. Dieses Mädel wollte ich unbedingt sehen. Vielleicht würde ich morgen mal zu Betty Franklin in das B&B fahren. Die alte Dame hatte vor einigen Jahren ihre Pension aufgegeben und vermietete die Zimmer nur noch an Mr. Benson, der sie für seine Helfer nutzte. Vielleicht würde ich Sara über den Weg laufen, falls sie den Job bekam.
Ich schaute hinüber zu den Stallungen. Es war so schön hier. Ich liebte die Pferde. Alles auf dieser Ranch war perfekt. Unser Angestelltenhaus hatte alles, was wir brauchten. Eine Küche, einen Gemeinschaftsraum mit Flatscreen und Spielekonsole. Die Zimmer waren schön eingerichtet, was hauptsächlich Stacy Forrester, Jasons Mom, zu verdanken war. Sie hatte ein Auge für geschmackvolle Einrichtung.
»He, Liam. Träumst du von Sara, wie du sie auf dem Heuboden nagelst.« George boxte mir in die Seite.
»Nope, ich hab mal nicht ans Vögeln mit irgendeiner Frau gedacht.«
»Sondern?«, fragte er neugierig.
»Daran, wie schön wir es hier haben. Uns fehlt es an nichts.«
»Mh, da stimme ich dir zu.«
»Ihr Lügner. Euch fehlt eine Freundin«, erwähnte Jason. »Ihr seid Mitte Zwanzig und treibt es viel zu bunt.«
»Nur weil du monogam lebst, und dir eine heiße Braut geangelt hast, müssen wir das doch nicht tun.« Ich schaute zu ihm und sah, wie seine Augen zu leuchten begannen. Mann, dieser Kerl war noch immer total verschossen in seine Trish.
»Glaubt mir, wenn man jeden Morgen neben der Frau aufwacht, die man liebt und jeden Abend neben ihr einschläft, wisst ihr, wie wunderschön eine feste Beziehung sein kann. Und eins sei euch gesagt, erst wenn man jemanden richtig gut kennt, ist der Sex gigantisch.«
»Ich hab auch gigantischen Sex. Also wenn ich so an die letzte Erntehelferin, die mir einen blies, zurückdenke, dann war das schon wie der Himmel auf Erden«, kommentierte George und lachte dreckig.
»Ey, ich will kein Kopfkino«, entgegnete ich ihm und schüttelte mich.
Ich wusste ganz genau, welche Helferin er meinte. Und ich wusste leider auch, wo sie ihm einen geblasen hatte und er sie anschließend von hinten nahm. Nämlich in unserem Gemeinschaftsraum. Ich war versehentlich hineingeplatzt. Bilder, bitte geht raus aus meinem Kopf.
George der Idiot hatte nämlich vergessen, eine Socke an den Türknauf zu hängen. Ein unter uns ausgemachtes Zeichen, dass es hinter der Tür heiß herging.
»Ihr werdet beide noch an meine Worte denken, wenn es euch mal erwischt. Wenn ihr diejenigen seid, die einer Frau nachtrauern.« Jason erhob sich, stellte das Bier in den leeren Kasten und wandte sich zu uns.
»Jungs, ich leg mich jetzt zu meiner Traumfrau ins Bett. Macht nicht mehr allzu lange, wir haben morgen einiges an Arbeit vor uns.«
»Du Angeber«, rief ich ihm hinterher, als er hinüber zum Anbau ging, in dem seine eigenen vier Wände waren.
»Irgendwie beneide ich ihn.«
»Schrumpfen dir grad die Eier, oder was?« Noch nie hatte ich George so reden gehört.
Er war ja immer einer der Ersten, der sich eine der Saisonarbeiterinnen schnappte.
»Nein, die haben ihre richtige Größe.« Er griff sich zum zweiten Mal an diesem Abend zwischen die Beine.
»Alter, hör endlich auf, dir wie Michael Jackson, an den Sack zu greifen.«
»Bekommst du etwa Kopfkino?«
Ich schüttelte mich, nahm einen großen Schluck vom Bier. »Du bist ekelhaft.«
»Nein, du nur neidisch, weil ich es war, dem sie einen geblasen hatte und das bereits am ersten Abend.«
»Ach, halt doch die Klappe.«
George lachte laut und ich stimmte mit ein. Wir waren nicht nur Kollegen, sondern gute Kumpels.
»Also, wenn dir diese Sara nicht gefallen sollte, dann ...«
Ich warf ihm einen bösen Blick zu. »Sie wird mir gefallen. Wenn Jason so von ihr schwärmt, ist sie genau mein Fall. Lass bloß die Finger bei dir.«
Abwehrend hob er die Hände. »Bro, bleib mal locker. Erstens ist noch gar nicht sicher, ob sie eine Stelle auf der Farm bekommen hat und zweitens, haben wir uns noch nie wegen einer Dame gestritten.«
»Und das werden wir auch nie.«
Es war ein unausgesprochenes Gesetz zwischen uns, dass wir nie bei derselben Frau versuchten zu landen. Bisher kamen wir uns nie in die Quere. George stand auf Latinas. Kleine süße Mexikanerinnen fand er heiß. Nur hatte sich so eine nie in Melfort verirrt. Das einzige Südländische was er abgekommen hatte, war eine Italienerin, die auf der Farm gearbeitet hatte.
»So, ich geh mal ins Bett. Du weißt ja, morgen nach der Stallarbeit geht’s zu den Rindern.« Er stellte die leere Flasche in den Kasten, hob die Hand zum Gruß und verschwand.
In den frühen Morgenstunden mussten wir einen Teil der Pferde auf die Weide bringen. Die Boxen sauber machen und anschließend zu den Rindern reiten. Am späten Nachmittag würden wir zurückkehren und dann ... ja dann, mache ich einen kleinen Besuch bei Betty. Mal sehen, wie gut Sara aussieht.
Mr. Benson saß mir gegenüber und schaute mich neugierig an.
In der Pension hatte ich bereits ausgecheckt und war mit meinem Hab und Gut, und das war nicht viel, mit Hazel nach Melfort gefahren. Sie hatte mich wie ausgemacht abgeholt.
»So, dann werden wir gemeinsam mal den Personalbogen ausfüllen.
