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Wenn du glaubst, in einem anderen Land würde alles besser werden, und in der Hölle landest…. Für Valentina war es eine Chance! Das jedenfalls dachte, sie, als sie sich von einem Schlepper illegal in die USA einschleusen ließ. Aber es wurde die Hölle auf Erden. Anders als ihr versprochen, wurde ihr Leben nicht besser, sondern ein Alptraum. Die junge Mexikanerin landete im geheimen Underground Casino von Scorpion, einem Mann, der alles andere als nette Absichten mit ihr hat. In diesem exklusiven, illegalen Casino muss sie Männer bei Laune halten und ihnen zur Verfügung stehen. Doch eines Tages scheint ihr Retter zu kommen, denn sie spürt, dass Damian genannt Wolf alles andere als eiskalt ist. Wird er sie retten? Wird sie endlich aus der Hölle ausbrechen und ein schönes Leben beginnen können?
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Obscure Secret
Impressum
Über die Autorin
Prolog
Valentina
Damian
Valentina
Damian
Valentina
Damian
Valentina
Damian
Valentina
Damian
Valentina
Damian
Valentina
Damian
Valentina
Damian
Valentina
Damian
Valentina
Damian
Valentina
Damian
Valentina
Damian
Valentina
Damian
Valentina
Damian
Epilog
Daniela Krenn
Siedlerstraße 5
83714 Miesbach
www.ella-green.com
© Ella Green Dezember 2021
Coverdesign: Nadine Kapp
Korrektorat: Sandra Paczulla
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.
Ella Green wurde 1983 in Oberbayern geboren, wo sie auch heute noch zusammen mit ihrem Herzensmann lebt. Seit 2014 hat sie sich den Genres Romance und Drama verschrieben. Das Schreiben ist für sie nicht nur eine Berufung, sondern das Abtauchen in eine andere Welt.
Die Luft war stickig, es roch nach Zigarettenrauch und mir war so heiß, dass sich Schweißperlen auf meiner Stirn sammelten und mir über das Gesicht rannen. Wir waren schon lange unterwegs, aber ich konnte nicht einschätzen wie lange, denn ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Zehn Stunden waren es aber gewiss schon, die ich mit hundert anderen auf einer Ladefläche eines Lastwagens verbrachte. Auf dem Weg in ein besseres Leben.
Ich betete zu Gott, dass in den Staaten alles anders werden würde. Meine Familie hatte ihr ganzes Geld zusammengekratzt, um den Schlepper zu bezahlen.
Wo ich landen würde? Das wusste ich nicht. Man hatte mir versprochen, dass ich Arbeit bekäme. Arbeit, ja das wollte ich. In meinem Heimatland Mexiko gab es keine Möglichkeiten, sich ein gutes Leben aufzubauen. Mein Ziel war es, Geld zu verdienen, damit ich mir eine Wohnung leisten konnte und um meine Eltern und Schwester finanziell zu unterstützen.
Dass meine Reise in diesem Lastkraftwagen ein großes Risiko war, dessen war ich mir bewusst. Würden wir nicht unbemerkt über die Grenze kommen, würde ich in Abschiebehaft kommen und zurück nach La Colorada geschickt werden.
Mein Name ist Valentina Juana Flores Garcia. Typisch für Mexikaner hatte ich zwei Vornamen und zwei Familiennamen. Flores war der Familienname meines Vaters. Garcia der meiner Mutter.
Vor lauter Hunger war mir schlecht geworden. Seit Stunden hatte ich keine feste Nahrung mehr zu mir genommen. Und die Wasserflasche, die ich mir mitgenommen hatte, war fast leer. Mit nur einem Liter musste ich auskommen und den hatte ich versucht mir gut einzuteilen. Die letzte Pause, die der Schlepper gemacht hatte, war gefühlt Tage her.
Der beißende Geruch von Urin stieg mir in die Nase, es war nicht zu ertragen. Wie Ölsardinen eingepfercht, saßen und standen wir nebeneinander. Es war ekelhaft.
Plötzlich stoppte der LKW und wir trauten uns kaum mehr zu atmen, was ohnehin kaum möglich war, so stickig, wie es hier war.
Waren wir an der Grenze angekommen?
Machten wir eine Pause?
Die Laderampe öffnete sich und Sonnenstrahlen, die hereinschienen, blendeten mich, sodass ich gegen die Helligkeit anblinzeln musste. Das Tageslicht war ich nicht mehr gewohnt.
»Aussteigen!«, rief ein Mann und die Menschenmenge, in der ich gefangen war, löste sich auf.
Schritt für Schritt ging ich auf die Helligkeit zu. Frische Luft drang mir entgegen. Ich sog sie in meine Lungen und schloss für einen Moment die Augen.
»Steig aus!«, brüllte der Mann, dessen Gesicht von Narben gezeichnet war. In seinen Händen hielt er ein Gewehr. Panisch blickte ich ihn an. Das Wort Mitleid war ihm wohl fremd, denn er packte mich am Arm und zog mich unsanft von der Rampe. Kalter Schauer lief mir über den Rücken, solche Angst hatte ich vor ihm. Müsste ich diesen Hünen mit jemandem vergleichen, so fiel mir nur ein Bösewicht aus der Filmwelt ein.
Freddy Krueger.
»Stell dich dort rüber.« Mit der Hand deutete er auf die anderen, die in Reih und Glied neben dem Lastwagen standen.
Ich kannte niemanden von meinen Mitreisenden. Wir waren Fremde und doch hatten wir dasselbe Ziel. Junge Menschen in meinem Alter waren in der Überzahl. Ältere Menschen waren nicht viele dabei.
Fünf Männer hatten sich vor uns aufgestellt. Jeder von ihnen blickte grimmig drein und hatte eine Waffe bei sich. Sicherlich würden sie nicht mal mit der Wimper zucken, und einen von uns abknallen, wenn wir nicht gehorchten.
»Du da! Komm her!«, rief mir jemand entgegen und bedeutete mir mit dem Kopf, ihm zu folgen.
Meine Knie waren weich wie Gummi. Keine Ahnung, was der Kerl von mir wollte. Da ich nicht reagierte, griff er nach meinem Handgelenk und zerrte mich um den Transporter herum. Neun junge Frauen, die verängstigt dreinblickten, standen nebeneinander. Sie zitterten, hielten die Blicke gesenkt und spielten nervös mit ihren Händen.
»Stell dich dazu«, forderte er und schubste mich.
»Die Auswahl wird Scorpion gefallen«, lachte einer diabolisch auf.
Scorpion? Wer sollte das sein? Warum sprach der Mann von einer Auswahl?
Dann hörte ich, wie ein weiterer Lastwagen heranfuhr, vor uns stehen blieb und die Laderampe geöffnet wurde.
»Einsteigen!«, befahl man uns.
Gehorsam, denn wir hatten Angst, stiegen wir in das Transportmittel. Bevor die Türen geschlossen wurden, warf einer der Männer eine Kiste Wasser auf die Rampe. Wie die Hyänen stürzten wir uns darauf. Wir hatten Durst und waren alle kurz vor dem Kreislaufkollaps. Dann wurde es dunkel. Man hatte die Türen geschlossen und ich spürte, dass wir losfuhren.
»Wo bringen die uns hin?«, fragte eine der Frauen mit zittriger Stimme.
»Nach Amerika«, antwortete jemand leise.
»Sind wir noch nicht über die Grenze gekommen?«, wollte eine andere wissen.
»Nein. Wir sind noch in Mexiko«, vernahm ich die Stimme einer weiteren Frau.
»Bist du dir sicher?«, wollte ich wissen.
»Ja.«
»Warum bist du dir sicher?«
»Ich habe gehört, wie die Männer gesagt haben, dass wir noch fünfzig Meilen bis zur Grenze haben.«
In mir kam Panik hoch. War dies eine Fahrt in ein besseres Leben oder in die Hölle? Langsam ließ ich mich auf den harten, kalten Boden nieder und lehnte mich gegen die Wand. Schlückchenweise trank ich das Wasser, welches meine trockene Kehle befeuchtete.
In meinem Kopf überschlugen sich die Fragen.
Wer war Scorpion? Was hatte er vor?
Meine Augen wurden schwer und Müdigkeit überkam mich.
****
Das Licht einer Taschenlampe blendete mich. Schützend hielt ich eine Hand vor meine Augen.
»Das ist deine Lieferung«, hörte ich einen Mann rufen und schaute mich um.
In den letzten Stunden, die wir unterwegs waren, hatte ich geschlafen. Zwar nicht gut, denn der harte, kalte Boden war unbequem, aber ich hatte immerhin den Schlaf bekommen, der mir in der letzten Zeit gefehlt hatte.
»Steht auf!«, schrie uns einer an.
Eilig erhoben wir uns. Das Licht der Taschenlampe blendete noch immer.
»Schön. Sehr schön«, sagte ein Mann, der den Lastwagen betrat und an einer Zigarre zog. Die Glut knisterte. Mit gemächlichen Schritten kam er auf mich zu.
»Wie heißt du?«, fragte er, und ich verstand ihn, denn ich hatte in der Schule Englischunterricht gehabt. Ohne die Sprache zu verstehen, hätte ich niemals den Schritt gewagt, in die Staaten zu fliehen.
»Valentina Juana Flores Garcia«, antwortete ich mit leiser Stimme.
Meine Augen hatten sich an das Licht der Taschenlampe gewöhnt, sodass ich die Umrisse des Mannes erkennen konnte. Er war klein und dick, trug einen dunkelbraunen Anzug und ein weißes Hemd.
»Willkommen in Las Vegas, Valentina«, lachte er böse auf, dann wandte er sich zu den Männern. »Bringt sie nach unten. Sie sollen sich duschen und umziehen. Dann möchte ich sie noch mal sehen.«
»Geht klar, Scorpion.« Der Mann nickte mit dem Kopf, um uns zu bedeuten, dass wir ihm folgen sollten.
Nun wusste ich, dass dieser kleine, dicke Mann Scorpion war. Aber was wollte er von uns?
Wir waren in einer Tiefgarage, die von grellen Neonröhren erhellt wurde. Drei Männer mit Gewehren standen vor uns. Gehorsam folgten wir dem Mann, der vorhin mit dem Kopf genickt hatte.
Keine Ahnung, wo wir waren.
Keine Ahnung, was wir hier sollten.
Aber wir dürften duschen und uns umziehen.
Wir stiegen einige Treppen hinab und durchliefen einen langen Flur. Alles war aus Beton. Es war kalt und die Lichter über uns grell.
Am Ende des Gangs blieb er stehen und wandte sich zu uns. »Rein mit euch«, befahl er und stieß die Tür auf. Dahinter war ein großer Raum, der eingerichtet war wie eine Umkleidekabine. Mit lüsternen Blicken begafften uns die Hünen. Panik stieg in mir hoch. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich begann zu zittern.
»Ausziehen!«, befahl er.
Benommen stand ich da und konnte nicht glauben, was er von mir verlangte.
»Ausziehen!«, wiederholte er lauter.
Langsam schob ich mir das Shirt über den Kopf und hielt es fest umklammert in meinen Händen. Er leckte sich über die Lippen und kam mir viel zu nahe. »Ganz ausziehen.«
Ich senkte meinen Blick, denn ich konnte ihm nicht in die Augen schauen. Mit zittrigen Fingern knöpfte ich die Jeans, die total verdreckt war, auf und streifte sie von den Beinen. Er riss mir Hose und Shirt weg.
»Na los, weiter.«
In meinen Augen brannten die Tränen, aber ich kämpfte dagegen an. Ich zog Slip und BH aus und der Kerl starrte mich an.
»Und du, bist du taub?«, fragte er die junge Frau neben mir, die ihre Kleidung noch anhatte. »Oder sprichst du unsere Sprache nicht?«
Sie schüttelte den Kopf, fing bitterlich zu weinen an. Doch das war ihm egal. »Ausziehen.«
Wieder schüttelte sie den Kopf. Dann packte er sie am Oberarm und zog sie zu sich. »Entweder du ziehst dich freiwillig aus, oder einer meiner Männer macht das.«
»Bitte, nicht«, wimmerte sie, zog sich aber dennoch nicht aus.
»Los, ausziehen.«
Sie gehorchte nicht. Dann trat einer der Männer an sie heran, riss ihr das Shirt mit nur einem Ruck vom Körper und zerrte an ihrer Jeans. Sie weinte und flehte darum, sie in Ruhe zu lassen. Aber er hörte nicht auf. Die anderen Frauen zogen sich eilig aus.
Nackt standen wir vor fremden Männern und hatten keine Ahnung, was sie von uns wollten.
»Mitkommen«, rief man uns zu.
Gehorsam folgten wir und kamen bei den Duschen an. Man reichte uns Handtücher, Duschgel und Shampoo.
»Duscht euch.«
Würde ich es nicht tun, wie man es von mir forderte, würde dies wohl kein gutes Ende nehmen. Also stellte ich mich unter die Brause. Warmes Wasser prasselte auf mich herab. Es tat gut, aber dennoch war es nicht entspannend. Die Blicke der Männer hafteten an mir.
Eilig seifte ich mich ein. Ich hatte Angst. Mein Puls raste. Einer der Männer kam auf mich zu, stellte sich vor mich und schaute direkt auf meine Scham.
»Schöne Pussy.«
Ich schloss die Augen und betete zu Gott, dass er mich nicht anfassen würde. Mein ganzer Körper zitterte. Mit schnellen Handgriffen schamponierte ich mir die Haare.
»Du brauchst dich gar nicht so zu beeilen. Lass den Männern mal den Spaß und mach ein bisschen Show für uns.«
Erschrocken schaute ich den Kerl an, der sich über die Lippen leckte. »Na los, beweg deine Hüften.«
Ich tat es nicht.
Ich wollte das nicht.
Diese Reise war die Hölle.
»Du sollst dich bewegen!«, brüllte er und hielt mir das Gewehr vor das Gesicht. »Tanz für uns oder ich knall dich ab.«
Sterben wollte ich nicht, darum tat ich das, was er verlangte. Ich begann mich langsam zu bewegen. Die Augen der Männer klebten förmlich auf meinem nackten Körper.
»Und jetzt ihr. Los, macht es wie eure Freundin«, sagte er zu den anderen und ging zur nächsten.
Die jungen Frauen ließen ihre Hüften kreisen, nur die letzte nicht. Sie umschlang mit ihren Händen ihren Oberkörper, stand unter der Dusche und ließ das Wasser über sich laufen.
»Tanz!«, schrie er sie an, doch sie reagierte nicht. »Tanz!«, wiederholte er und hielt ihr die Waffe an die Stirn.
Sie schüttelte den Kopf.
»Ein letztes Mal«, knurrte er. »Tanz oder ich mach dich kalt.«
Doch auch dieser Aufforderung kam sie nicht nach. Dann hörte ich einen Knall.
Die Frauen kreischten.
Blut floss vermischt mit Wasser in den Abfluss.
Die junge Frau, die vielleicht Anfang zwanzig war, lag tot auf dem gefliesten Boden. Er hatte sie erschossen.
Jetzt wusste ich, ich war in der Hölle gelandet.
Niemals könnte ich von hier entkommen.
Niemals könnte ich ein schönes Leben in den Staaten erleben.
Niemals würde ich wieder meine Familie sehen.
Ich war eine Gefangene und das war erst der Anfang.
Einige Wochen später
»Los, ihr werdet erwartet«, sagte Ohio und forderte uns auf, ihm zu folgen.
Die Männer von Scorpion hatten alle Decknamen. Von keinem kannte ich den echten Namen. Sie nannten sich wie die Bundesstaaten. Ohio, Kansas und Missouri waren die Männer, die aufpassten, dass wir Mädchen keinen Unfug machten, wie zum Beispiel zu fliehen.
Seit Wochen war ich in der Hölle und ich wusste, von hier würde ich nie mehr wegkommen. Und wenn, dann nur tot.
Untergebracht waren wir in einem Keller, in dem man selten das Tageslicht zu Gesicht bekam. Einem Kreis ausgewählter Männer, die illegale Glücksspiele wie Poker und Wetten machten, mussten wir zu Diensten stehen. Wann immer sie wollten, mussten wir für sie tanzen oder ihre ekelhaften sexuellen Wünsche erfüllen. Wir hatten strikte Anweisungen zu befolgen. Wenn die Männer, die wie alle Decknamen hatten, einen Lapdance wollten, mussten wir das tun, ob wir wollten oder nicht. Wir wussten, was passieren würde, würden wir nicht Folge leisten. Zu meinem Glück hatte mich bisher noch keiner dieser widerlichen Kerle ausgesucht. Noch nicht. Die ekelhaften Männer bevorzugten die jüngeren Mädchen, die teilweise aussahen, als wären sie noch keine achtzehn Jahre alt. Aber ich war mir sicher, dass irgendwann von mir verlangt werden würde, mit einem der Kerle Sex zu haben.
Nur in Strapse, BH und Heels bekleidet folgten wir Ohio, der die Tür, die in das Gewölbe, in dem wir die Männer unterhalten mussten, führte. Zigarrenrauch drang mir in die Nase. Das Licht war gedimmt. Scorpion saß an einem runden Tisch. Noch waren die widerlichen Kerle nicht da. Brav stellten wir uns vor ihn.
»Schön. Sehr schön«, sagte Scorpion und beäugte jede von uns ganz genau. Er kam auf mich zu. »Na, Valentina.«
»Scorpion«, sagte ich mit leiser Stimme und senkte den Blick. Es war uns nicht gestattet, ihm in die Augen zu schauen.
»Du wirst heute wieder eine schöne Show an der Stange machen.« Er griff um mich und gab mir einen Klaps auf den Po.
Demütig nickte ich mit dem Kopf. Was anderes blieb mir nicht übrig. In der kurzen Zeit hatte ich gelernt, mich zu fügen und das zu tun, was man von mir verlangte. Denn ich hatte mitbekommen, was passieren konnte, wenn man sich verweigerte. Man wurde geschlagen oder erschossen. Von den neun Mädchen, die mit mir hierhergebracht wurden, waren nur noch fünf da. Vier wurden ermordet, weil sie nicht das taten, was Scorpion von ihnen wollte.
Es war die Hölle.
Zwar hatte ich ein Dach über dem Kopf und zu essen, aber lieber hätte ich gehungert und würde unter einer Brücke schlafen.
»Geht auf eure Plätze«, befahl Scorpion und wir taten es.
Leise Musik drang durch die Lautsprecher. Das kleine Podest, auf dem die Tanzstange angebracht war, wurde von blauem Licht erhellt. Scorpion blickte mich auffordernd an und ich begann, mich zu bewegen. Sein Blick war lüstern. Mich ekelte er an.
Wie man es von mir verlangte, schlängelte ich mich um die Poledancestange. Ich schloss die Augen und blendete aus, dass mich, wie jeden Abend, gleich einige Männer angaffen würden. Mein Magen rebellierte beim Gedanken daran, dass ich mich auf dem Schoß einer der ekelhaften Männer räkeln musste. Aber manchmal waren sie so in ihr Pokerspiel vertieft, dass sie uns Mädchen nicht wahrnahmen. Das waren die guten Tage. Aber an den schlechten … ich wollte nicht über diese Tage nachdenken.
Ich öffnete die Augen und sah, dass die ersten Männer zur Tür hereinkamen. Sie begrüßten Scorpion per Handschlag, setzten sich an den runden Tisch und zündeten sich Zigarren an. Durch die Rauchschwaden sah ich, wie Kansas Karten an die Männer verteilte. Damit kannte ich mich nicht aus, aber ich wusste, dass sie immer um sehr hohe Summen spielten.
Die Poledancestange fühlte sich kalt an, so wie mein ganzer Körper. Im Kellergewölbe war es nicht kalt, aber ich fror, weil ich panische Angst hatte. Mein Köper war überzogen mit einer Gänsehaut, denn ich wusste nicht, was mich erwarten würde. Wollte einer der Männer einen Lapdance, musste ich es tun. Würde mich einer für Sex kaufen, müsste ich die Beine breitmachen. Ob ich wollte oder nicht. Mein Körper gehörte mir nicht mehr, sondern Scorpion. Ich war sein Eigentum. Er hatte die Macht.
Mein Blick wanderte zu Camilla. Eine junge Frau, die erst zwanzig Jahre alt war. Sie war hübsch, hatte langes braunes Haar, dunkle Augen und gebräunte Haut. Sie war zu ihrem Leidwesen der Liebling der Männer. Sie musste jeden Abend zwei Männer sexuell bedienen. In ihren Augen konnte ich die Angst erkennen. Unsere Blicke trafen sich. Sie versuchte zu lächeln, aber es gelang ihr nicht. Sie war gebrochen und würde nie mehr fröhlich sein können. Die illegale Reise hatte unsere Leben verändert. Leider nicht zum Positiven, wie wir uns erhofft hatten.
Es tat mir weh, zu sehen, wie jede von uns immer mehr zerbrach. Jeden Tag wurde unser Leben schlimmer. Ein Zurück gab es für keine von uns. Wir würden von diesem Ort nicht mehr wegkommen.
Ich schlängelte mich um die Stange, bewegte mich zur Musik und dachte an meine Familie. Wahrscheinlich gingen meine Eltern davon aus, dass ich es nicht lebend in die USA geschafft hatte oder in Haft war. Mutter und Vater wollten doch nur, dass ich ein besseres Leben habe als in Mexiko. Dass die Schlepperbanden illegale und krumme Geschäfte trieben, war uns bewusst gewesen. Aber dass ich an einen Menschenhändler geriet, damit hatte niemand gerechnet.
Mit dem Bein umschlang ich die Stange und blickte mich um. Meine Augen wanderten zur Tür, die just in diesem Moment von Missouri geöffnet wurde. Ein junger Mann, den ich noch nie gesehen hatte, betrat den Raum und wurde von Missouri begrüßt. Scorpion erhob sich und ging auf den Mann zu. Die beiden reichten sich die Hände und traten an den Pokertisch.
Der Fremde sah gut aus. Man konnte gar nicht denken, dass er sich in solchen Untergründen herumtrieb und bei illegalen Wetten und Pokerspielen mitmachte. Sein helles Haar schimmerte im Licht. Sein Anzug sah aus, als wäre er maßgeschneidert, denn er saß perfekt. Er war groß, viel größer als die anderen anwesenden Männer. Und er wirkte … freundlich.
Er setzte sich und begrüßte die anderen mit einem Kopfnicken. Kansas teilte die Spielkarten aus und der Mann warf ein Bündel Geld in die Mitte des Tischs. Leider konnte ich wegen der Musik nicht hören, was sie sprachen. Scorpion nahm das Bündel Geld und nickte. Das war wohl der Einsatz, den der Mann für das Spiel bot. Ich kannte mich im Poker nicht aus, aber ich wusste, dass dieser junge Mann viel Geld haben musste, sonst wäre er nicht hier.
Wie die Motte vom Licht wurde ich angezogen und konnte meinen Blick nicht von dem Unbekannten abwenden. Als sich unsere Blicke trafen, zog sich alles in mir zusammen. Mein Herz begann schneller zu schlagen. Seine dunklen Augen nahmen mich gefangen. Und ich wusste, er war der Mann, der mich bis in meine Träume verfolgen würde.
Ihr Blick brannte sich in meine Seele. Mir kam es vor, als würde sie in mir Hilfe suchen, aber ich war kein Ritter mit einem weißen Gaul. Ich war ein einsamer Wolf. Deshalb war mein Deckname Wolf.
Noch nie hatte ich sie gesehen, was schlichtweg daran lag, dass ich einige Wochen nicht da gewesen war. Ich hatte anderes zu tun. Was? Das spielte keine Rolle und musste mein Geheimnis bleiben. Zu anderen Menschen pflegte ich wenig Kontakt. Warum? Weil ich es so wollte und machen musste. Alles was im Underground passierte, war illegal. Das fing bei den Pokerspielen und Wetten an und hörte bei den Mädchen auf. Scorpion ließ nur Auserwählte in seinen – nennen wir es mal – Club. Es war ein elitärer Kreis von Männern, die sich trafen, um Geld spielten und wetteten. Dabei handelte es sich um hohe Summen.
Ich bin Damian Remington.
Der einsame Wolf.
Der Mann, der niemanden an sich ranlässt. Warum? Das musste mein Geheimnis bleiben.
Mit meinen vierunddreißig Jahren hatte ich einiges erreicht. Ich war vermögend und besaß einige Immobilien. Vor fünf Jahren hatte ich auf legale Weise in einem Casino zehn Millionen US-Dollar gewonnen, wovon ich mir die ersten Häuser gekauft hatte. Irgendwie war Scorpion auf mich aufmerksam geworden und hatte mich in sein Gewölbe eingeladen. Aber nicht nur er wurde auf mich aufmerksam, auch ein Kreis anderer. Was ich aber nicht weiter preisgeben würde. Ab diesem Zeitpunkt war ich in den illegalen Dingen verfangen. So oft ich konnte, kam ich hierher und spielte.
Von den Mädchen ließ ich aber aus gutem Grund die Finger. Das war mir dann doch etwas zu heiß. Sie wurden von Scorpion aus Lateinamerika illegal eingeschleust und mussten sich für ihn prostituieren. Für die Männer des elitären Kreises tanzen und zur Verfügung stehen, wenn diese ekelhaften Lustmolche einen wegstecken wollten. Schätzungsweise waren die Mädchen zwischen achtzehn und fünfundzwanzig. Die Kerle, mit denen sie Sex haben mussten, waren alle sechzig Plus. Widerlich.
»Ein sehr hoher Einsatz«, meinte Scorpion und grinste vor sich hin.
»Alles oder nichts«, entgegnete ich ihm und blickte zufrieden auf meine Karten.
Das würde ein sehr gutes Spiel für mich werden, das hatte ich im Gefühl. Einer der Männer blickte lüstern zu einer jungen Frau, legte seine Karten auf den Tisch und sagte: »Ich bin raus.« Dann erhob er sich, sprach ein paar Worte mit Kansas, der eine der Damen zu sich winkte.
Das junge Ding könnte locker seine Enkeltochter sein. Sie ließ sich von ihm zu einer Tür führen. Dass sie nicht freiwillig mitging, konnte man ihr deutlich ansehen. Sie fand den alten Knacker widerlich, aber ihr blieb nichts anderes übrig, als zu gehorchen.
Mein Blick wanderte wieder zu der Schönheit, die an der Stange tanzte. Ihre Hüften bewegten sich zum Takt der Musik, aber man sah ihr an, dass sie das nicht mit Leidenschaft machte. Sie tat es, weil sie musste. Mit ihren Gedanken war sie woanders, das konnte ich genau sehen. Ihr langes schwarzes Haar glänzte im bläulichen Licht. Sie war hübsch. Ungefähr Mitte zwanzig. Wahrscheinlich wollte sie in den Staaten ein besseres Leben beginnen, aber wurde von den Schleppern für Scorpion aussortiert. Er kaufte den Schleppern immer fünf bis zehn Mädchen ab, die ihm dienen mussten. Pro Frau bezahlte er dafür zehntausend US-Dollar. Woher ich das wusste? Scorpion war, wenn er zu tief ins Glas geschaut hatte, sehr redselig und er vertraute mir. Gegenüber den anderen Männern war er sehr verschlossen. Mir kam das ganz gelegen, denn irgendwann würden mir alle Informationen, die ich von und über ihn hatte, zugutekommen.
Ich riss den Blick von der Schönheit und konzentrierte mich wieder auf das Pokerspiel. Ich war nicht hier, um mich an ihrem Anblick zu ergötzen.
»Ich geb auf«, sagte einer und warf seine Karten auf den Tisch. »Jetzt brauch ich Ablenkung.« Er stand auf, deutete auf eine junge Frau, die daraufhin auf ihn zukam. Der alte Sack packte sie am Handgelenk und schleifte sie förmlich hinter sich her.
Scorpion und drei weitere Männer spielten mit mir um viel Geld. Aber sie hatten keine Chance, denn ich würde jeden Moment einen Royal Flush auf den Tisch legen. Dann würde mir all das Geld, das in der Mitte lag, gehören. Der nächste Mann gab freiwillig auf, winkte Missouri zu sich, der eines der Mädchen an den Tisch holte.
»Sophia, Tiger möchte einen Lapdance«, hörte ich ihn sagen.
Die junge Frau lächelte künstlich und schlich um Tiger herum. »Sehr gerne.« Die Lüge konnte man deutlich heraushören. Nichts machte sie sehr gerne. Am liebsten hätte sie ihm auf den Schoß gekotzt, statt sich auf diesem zu räkeln. Sophia und Tiger verschwanden vom Tisch.
»Armes Ding«, murmelte ich.
»Wie bitte?«, fragte Scorpion.
»Nichts«, meinte ich, begann zu grinsen und legte meine Karten mit den Worten »Royal Flush« auf den Tisch.
Scorpion und die anderen zogen scharf die Luft ein.
»Gegen Sie spiel ich nie wieder«, sagte einer der Männer und fuhr sich durch die Haare.
Ich zuckte nur belanglos mit den Schultern. Es gab genug Spieler, die sich auf ein Pokerspiel mit mir einließen. Es war für sie reizvoll und alle wollten endlich gegen mich gewinnen.
»Herzlichen Glückwunsch«, erwähnte Scorpion und bat Ohio, das Geld für mich einzusammeln.
»Danke. Sie sind mir ein lieber Spielgenosse.«
Scorpion begann zu lachen. »Klar, weil Sie gewonnen haben. Ein Sieger wie Sie sollte sich eines der Mädchen gönnen«, meinte er und deutete auf die verbliebenen Frauen.
Keine würde ich zu Sex zwingen.
Keine sollte für mich tanzen.
»Ich würde Ihnen eine spendieren«, meinte Scorpion.
»Danke, aber ich verzichte. Wie Sie wissen, habe ich kein Interesse an den Mädchen.«
Er zuckte belanglos mit den Schultern. »Was halten Sie von einer Wette?«
Ich wurde hellhörig. »An was dachten Sie denn?«
»Ein Autorennen«, informierte er mich weiter. »Draußen in der Wüste. Sie können entweder selbst fahren, oder jemanden engagieren.«
Fragend zog ich die Braue nach oben. »Für Sie würde Ohio fahren, richtig?«
Zustimmend nickte er. »Er ist mein bester Fahrer.« Scorpion streckte mir die Hand entgegen.
»Wann soll das Rennen stattfinden?«
»Nächste Woche Mittwoch um Mitternacht.
