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Ella Green

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Beschreibung

Sechs Monate Praktikum in einer Kanzlei in der Heimat ihrer leiblichen Mutter. Das ist es, auf was sich Darya freut. Vor allem aber freut sie sich auf Rick, für den sie mehr als nur freundschaftliche Gefühle hegt. Die beiden schmieden bereits seit Monaten einen Plan, wie Darya Kontakt zu ihrem leiblichen Vater aufnehmen kann. Doch dann werden die Pläne von einer Person durchkreuzt und die Missverständnisse nehmen ihren Lauf. Werden Darya und Rick zueinanderfinden? Können die Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden? Und wie geht es für Darya nach dem halben Jahr weiter? Bleibt sie in Melfort oder kehrt sie nach Vancouver zurück?

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

Impressum

Prolog

Rick

Darya

Rick

Darya

Rick

Darya

Rick

Darya

Rick

Darya

Rick

Darya

Rick

Darya

Rick

Darya

Rick

Darya

Rick

Darya

Rick

Darya

Rick

Darya

Rick

Epilog

Danksagungen

Serendipity

Darya & Rick

Liebesroman von Ella Green

Impressum

Daniela Krenn

Siedlerstraße 5

83714 Miesbach

[email protected]

http://www.ella-green.com

© Ella Green Januar 2021

Coverdesign: Art for your book

Korrektorat: Sandra Paczulla

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

Prolog

»Daddy, wann kommt Mommy wieder?«, fragte ich, als ich zu ihm in die Autowerkstatt lief. Er stand unter einem Wagen, der auf einer Hebebühne war und wischte sich die schmutzigen Hände am Overall ab.

»Rick«, seufzte er leise und kniete sich vor mich. »Sie kommt nicht mehr.«

Traurig blickte ich zu Boden. Verstehen konnte ich es nicht, dass uns meine Mommy alleine ließ. Sie war gegangen. Sie liebte Daddy nicht mehr, hatte sie gesagt, ihre Sachen gepackt und das Haus verlassen.

Aber ich begriff es nicht, warum sie das tat. Liebte sie mich auch nicht mehr? Mittlerweile waren drei Wochen vergangen, seit mein Dad und ich auf uns alleine gestellt waren. Würde uns Betty Franklin nicht im Haushalt helfen, würden sich die Wäscheberge türmen und das Geschirr womöglich davonlaufen. Die nette Dame, die mich kannte, seit ich geboren war, half uns, wo sie nur konnte. Obwohl sie genug mit ihrem Bed & Breakfast zu tun hatte. Sie war ein herzensguter Mensch. Mein Dad war total überfordert, aber Betty meinte, er sollte sich um die Werkstatt kümmern, sie würde den zusätzlichen Haushalt locker schaffen. Für mich war Betty wie eine Oma. Nach der Schule ging ich immer zu ihr, um dort mit ihrer Enkeltochter Lizzy Hausaufgaben zu machen. Lizzy ging mit mir in eine Klasse und war ein liebes Mädchen. Manchmal war ich auch bei meinen Kumpels Tyler oder Jason, deren Eltern sich auch ein bisschen um mich kümmerten. Aber es stimmte mich immer wieder traurig, wenn ich sah, wie liebevoll deren Mütter mit ihnen umgingen. Sie mussten keine Angst haben, dass ihre Mütter abhauen würden, denn ihre Familien waren glücklich.

»Hey Kumpel, wir zwei … wir sind doch ein super Team, oder?«, meinte mein Dad und wuschelte durch meine Haare.

Ich nickte nur. In seinen Augen sah ich, dass ihn die Trennung mitnahm. Er versuchte, das zwar vor mir zu verheimlichen, aber ich hatte ihn oft genug belauscht, wenn er mit Tylers und Jasons Väter über meine Mom gesprochen hatte. Er verstand die Welt selbst nicht mehr.

»Wir sind ein Männerteam und wenn du groß bist, kannst du mir beim Reparieren der Autos helfen. Irgendwann wirst du die Werkstatt übernehmen. Aber erst wenn ich alt und grau bin. Er zwinkerte mir zu und stand auf. »Ich mach den Wagen noch fertig und am Abend machen wir es uns gemütlich.«

»Okay.« Ich seufzte leise und ließ die Schultern hängen. »Ich geh zu Betty rüber.«

»Mach das, mein Kleiner.«

Ich winkte ihm zu und verließ die Werkstatt.

Melfort, das Dorf, in dem wir lebten, war klein. Jeder kannte jeden. Und so wusste auch jeder darüber Bescheid, dass meine Mom uns verlassen hatte. Aber alle halfen uns, damit es uns besser ging.

Ich lief durch Melfort, schaute mich um und stellte fest, dass wie immer nicht viel los war in dem kleinen Dorf. Aber von hier wollte ich niemals weg. Keine Ahnung, warum meine Mom in eine Großstadt am anderen Ende von Kanada ziehen wollte. Hatte sie einen anderen Mann? Gefiel ihr Melfort nicht mehr?

Mit diesen Fragen überquerte ich die Straße, ging die Stufen zu Bettys B&B nach oben und drückte die schwere, dunkle Holztür auf.

»Na, wer besucht mich denn da?«, sagte sie, als ich bei ihr in der Küche ankam.

»Hallo, Betty.«

»Du willst bestimmt ein Stück Apfelkuchen.«

Ich nickte eifrig und setzte mich an den Esstisch.

»Lizzy kommt auch noch.«

»Ich mag Lizzy.«

»Das ist schön.« Betty reichte mir ein Stück Kuchen und schenkte mir Limonade ein. »Lass es dir schmecken.« Sie strich mir über den Kopf und seufzte leise.

Immer wenn ich bei ihr war, blickte sie mich traurig an und seufzte. Ich wusste, dass ich ihr leidtat. Aber das würde meine Mommy auch nicht mehr nach Melfort zurückbringen. Die Menschen um mich herum versuchten zwar immer vor mir geheimzuhalten, dass sie Mitleid mit mir hatten, aber ich merkte es dennoch.

»Du bist ein guter Junge«, sagte sie und setzte sich zu mir.

»Wenn ich groß bin, werde ich Mechaniker, so wie mein Daddy«, meinte ich kauend.

»Das kann ich mir gut vorstellen, wie du Autos reparierst.«

»Hallo, Granny«, hörte ich Lizzy durch das Haus rufen.

Lizzy und ich hatten eine Gemeinsamkeit, denn wie ich wuchs sie ohne Mutter auf. Noch dazu kam, dass ihr Vater auch nicht in Melfort wohnte. Ihre Eltern lebten in Europa. Allerdings war es Lizzy viel länger gewohnt, dass sie von ihrer Granny und ihrem Onkel Roger großgezogen wurde.

»Hallo, Rick«, sagte sie zu mir und nahm neben mir Platz.

»Hey.«

Sie schaute mich eindringlich an. »Ich weiß, wie du dich fühlst. Und glaub mir, irgendwann wird es besser.«

Ich schluckte das Stück Kuchen hinunter und schaute ihr in die Augen. »Es wird nichts besser.«

»Doch.«

»Nein.«

»Doch.«

Wütend stemmte ich die Hände in die Hüften. »Deine Eltern kommen wenigstens ab und zu nach Melfort und du telefonierst mit ihnen. Meine Mom wird nie wieder nach Hause kommen und anrufen wird sie mich auch niemals.«

»Kinder, in meinem Haus wird nicht gestritten«, ermahnte uns Betty und hob den Zeigefinger.

»Entschuldigung«, murmelte Lizzy und senkte den Blick.

Nichts würde mehr so werden wie früher. Ich musste mich damit abfinden, dass Mom meinen Daddy und mich nicht mehr wollte. Nicht mehr liebte. Irgendwann würde ich sie vielleicht verstehen. Oder auch nicht. Ich musste es akzeptieren, dass es nur noch meinen Dad und mich gab.

Rick

16 Jahre später

»Rick«, rief mein Dad durch die Werkstatt.

»Hier«, antwortete ich ihm und trat unter dem Wagen, unter dem ich gestanden hatte, hervor.

»Wir haben eben eine Reifenpanne reinbekommen. Kannst du bitte mit dem Abschlepper Richtung Collings fahren, um das Auto von Mrs. Hedges zu holen?«

Ich wischte mir die schmutzigen Hände an einem Lappen ab. »Klar. Wie lautet die genaue Adresse?«

Er gab mir einen Zettel, auf dem die Adresse stand und reichte mir zugleich den Schlüssel für unseren Autotransporter.

»Die Dame war echt verzweifelt und es hörte sich so an, als würde sie heulen.«

»Oh je.« Eine Frau in Not, bei solchen Fällen schickte mich mein Dad immer gerne vor, denn er hatte, seitdem ihn Mom verlassen hatte, die Nase gestrichen voll von den Weibern. Seit sechzehn Jahren ist er Single und hatte überhaupt kein Interesse, eine neue Frau an seiner Seite zu wissen.

Ganz im Gegensatz zu mir, denn ich liebte Frauen. Allerdings war ich wie er Single und aktuell gab es keine in meinem Leben. Obwohl … eine gab es, die ich sehr interessant fand, seit ich sie auf dem Melfort Music Festival im letzten Jahr kennengelernt hatte. Darya Troy. Ein superliebes Mädchen aus Vancouver, die ihre leibliche Mom, Carol, erst vor einigen Monaten kennengelernt hatte. Carol lebte wie ich in Melfort und musste als Teenager Darya auf Zwang von ihren Eltern zur Adoption freigeben.

Darya würde in zwei Tagen nach Melfort kommen, um hier für sechs Monate zu leben und ein Praktikum in Collings in einer Kanzlei zu machen. Sie war eine sehr intelligente junge Frau, die Jura studierte. Als sie in den Wintersemesterferien bei ihrer leiblichen Mom war, hatten wir jeden Tag zusammen was unternommen. Rein freundschaftlich. Ich mochte sie und irgendwie könnte ich mir sogar mehr mit ihr vorstellen, allerdings störte mich die Entfernung, denn Vancouver war von Melfort sechs Autofahrtstunden entfernt. Eine Fernbeziehung würde niemals funktionieren. Aber vielleicht könnten wir einfach das halbe Jahr, das sie hier verbringen würde, zusammen schön gestalten.

Ich stieg in den Abschlepper, startete den Motor und machte mich auf den Weg zur Frau in Not. Just in dem Moment, als ich aus Melfort rausfuhr, klingelte mein Handy. Daryas Name stand auf dem Display. Über die Fernsprechanlage nahm ich den Anruf entgegen.

»Hi«, meldete ich mich.

»Na, stör ich?«

»Du störst nie.«

»Was machst du gerade?«

»Ich fahre zu einer Autopanne Richtung Collings. Und du?«

Durch die Lautsprecher hörte ich sie lachen. »Ich packe.«

»Bald geht die große Reise los. Freust du dich?«, wollte ich von ihr wissen.

»Na klar.«

»Auf was freust dich am meisten?«

Es herrschte kurz Stille, ehe sie antwortete. »Auf dich und meine Freunde in Melfort.«

Darya hatte sich mit allen angefreundet und würde herzlich aufgenommen werden, so viel stand fest.

»Auf deine Mom etwa nicht?«

»Doch klar, auf die auch.«

»Wann kommst du an?«, fragte ich sie.

»Gegen späten Nachmittag.«

»Aber du fährst die Strecke nicht alleine, oder?«

»Ich fahre mit dem Zug.«

»Hast du jemanden, der dich in Collings am Bahnhof abholt?«

»Meine Mom holt mich.«

»Ich könnte dich auch abholen.«

»Na, das Angebot nehme ich doch gerne an.«

Ich begann zu grinsen, denn ich freute mich sehr auf Darya.

»Dann sag deiner Mom, dass ich dich holen werde, und gib mir die genaue Ankunftszeit.«

»Schick ich dir nachher via WhatsApp.«

»Super.« Ich bog in die Straße, in der die Autopanne von Mrs. Hedges war, ein. »Ich würge dich nur ungern ab, aber ich bin gleich bei der Dame mit der Panne.«

»Ich muss auch weiterpacken.«

»Wir hören uns später, okay?«

»Jo, ich freu mich.«

»Ich mich auch.«

Wir verabschiedeten uns voneinander und ich sah am Straßenrand eine dunkelblaue Mercedes C-Klasse, daneben stand eine Blondine, die die Arme vor ihrer Brust verschränkt hatte. War das meine Kundin?

Vor dem Wagen blieb ich seitlich stehen, stellte den Motor ab und stieg aus.

»Mrs. Hedges?«, fragte ich und ging auf die junge Frau, die ungefähr in meinem Alter war, zu.

»Na endlich«, schnaubte sie und verdrehte die Augen. »Ich dachte, ich muss hier in der Pampa campen.«

Ah, Marke Oberzicke, dachte ich und schüttelte mich innerlich.

»Sind Sie alleine unterwegs?«

»Siehst du noch jemanden außer mir?«, schnauzte sie mich an.

Ich hasste Frauen, die sich so zickig benahmen.

»Nein.«

»Könntest du anfangen, den Reifen zu wechseln? Ich muss heute noch nach Collings.«

Ich deutete mit der Hand Richtung Straße. »Nach Collings sind es nur noch zwei Meilen. Sie können sich ja auf den Weg machen und ich kümmere mich um ihren Wagen«, schlug ich ihr vor und blickte auf ihre High Heels.

Madame Mercedes Benz tippte sich an die Stirn. »Sicherlich nicht.«

»So leid es mir tut, aber den Reifen kann ich nicht wechseln«, meinte ich und ging auf den Wagen zu.

»Warum?«

»Weil diese neumodernen Wagen keine Ersatzreifen mehr haben.«

Sie stemmte die Hände in die Hüften. »Aber du hast doch sicherlich einen Ersatzreifen dabei.«

Ich reagierte nicht auf ihre Worte, sondern lenkte etwas ab. Denn ich war mir sicher, dass diese Panne noch sehr spaßig werden könnte. »Ich gehe davon aus, dass der Wagen Ihren Eltern gehört.«

Sie begann zu lachen. »Das ist meiner.«

Aha, aber sicherlich sponsered by Daddy. Verzogene Göre.

Während ich mir den Reifen ansah, stand sie neben mir und beobachtete mich genau.

»Und was fehlt?«

»Sie haben sich einen Nagel reingefahren«, sagte ich und deutete auf die Stelle.

»Und jetzt?«

»Ich nehme den Wagen mit, bestelle einen neuen Reifen, dann können Sie in ein paar Tagen Ihr Auto abholen.«

»Wie bitte? In ein paar Tagen?«, fragte sie verständnislos.

»Bis ein neuer Reifen in meiner Werkstatt ist, dauert es. Wir sind auf dem Land und nicht in der Großstadt.«

»Aber ich muss noch heute nach Collings«, meinte sie mürrisch.

»Wie ich schon gesagt habe, Collings wäre nur zwei Meilen von hier entfernt oder Sie fahren mit nach Melfort.« Ich dachte nicht im Traum daran, diese Tussi nach Collings zu bringen. Entweder sie fuhr nach Melfort mit oder ging zu Fuß.

Sauer ging sie auf und ab und begann vor sich hinzuschimpfen. »Ich wusste, dass die Pampa ein Drama wird. Aber nein. Beverly, mach das Praktikum bei meinem Freund in Collings. Grr, wie ich es hasse, nach seiner Nase tanzen zu müssen.«

Keine Ahnung, von wem sie sprach und was sie an der Pampa, wie sie unsere schöne Gegend nannte, so schlimm fand, aber es war mir ohnehin egal.

»Gut, dann komm ich halt mit nach Melfort. Haben Sie wenigstens einen Leihwagen für mich?«

Ich nickte nur und machte mich daran, den Wagen auf den Transporter zu ziehen.

Mrs. Oberzicke setzte sich mies gelaunt auf den Beifahrersitz und tippte auf ihrem Handy herum. Ihre Laune trieb meine auch in den Keller. Als ich zu ihr einstieg, hörte ich, dass sie telefonierte.

»Daddy, die Karre hat einen Platten. Ich bin jetzt auf dem Weg in die Werkstatt«, sagte sie in das Smartphone und schnaubte theatralisch auf. »Wenn ich wieder zu Hause bin, möchte ich das neue C-Klasse Coupé.«

Ach, sieh an. Madame äußert Wünsche. Warum brauchte sie einen neuen Wagen? Nur weil der jetzige einen Platten hatte? Aber wahrscheinlich würde sie einen neuen Wagen von ihrem Daddy bekommen. Verzogene Göre.

»Ja, ich melde mich, sobald ich in Collings im Hotel bin. Jetzt muss ich erst mal schauen, was ich von dieser Werkstatt für einen Leihwagen bekomme.«

Dieser Werkstatt? Am liebsten wäre ich rechts rangefahren, hätte ihre Karre abgeladen und sie stehen gelassen. Unverschämt diese Frau.

»Bye, Daddy.« Sie steckte ihr Handy in die Tasche und blickte zu mir.

»Wie heißt du?«

Ah, möchte sie jetzt auf Smalltalk machen?

»Rick«, antwortete ich knapp. Ich hatte keine Lust, mich mit ihr zu unterhalten.

»Rick? Nur Rick, oder hast du auch einen Nachnamen?«

»Cooper.«

»Geht doch«, meinte sie.

»Wir sind gleich da, Mrs. Hedges.«

»Du kannst ruhig Beverly zu mir sagen.«

Niemals würde ich sie Beverly nennen oder gar duzen.

Ich blickte zu ihr hinüber und sah, wie sie mit den Wimpern klimperte. Was sollte das jetzt? Wollte sie flirten? Junge Dame, so geht das nicht.Erst einen auf Oberzicke machen und dann auf freundlich.

Ich parkte vor unserer Werkstatt, stellte den Motor ab und deutete zum Eingang. »Im Büro bei meinem Dad bekommen Sie den Leihwagen.« Wortlos stieg sie aus und ich lud den Mercedes ab.

Während ich den Wagen in die Werkstatt schob und im Fahrzeugschein nach der Reifengröße schaute, um den richtigen zu bestellen, hörte ich ihre laute Stimme aus dem Büro direkt zu mir herüber.

»Das ist nicht Ihr Ernst, Mr. Cooper. Mit so einer Karre fahr ich gewiss keine einzige Meile.«

Neugierig ging ich zum Büro, öffnete die Tür und sah, dass Mrs. Hedges vor meinem Dad auf- und ablief und fluchte, was das Zeug hielt.

»Gibt es ein Problem?«, wollte ich wissen und blickte auf meinen Dad.

»Ja«, schnaubte er und erhob sich. »Sie möchte einen Mercedes als Leihwagen.«

»Äh ... haben wir aber nicht.«

»Das versuche ich ihr zu verklickern«, flüsterte er mir zu. »Aber die kapiert es nicht.«

»Mrs. Hedges, was passt Ihnen denn an dem Leihwagen, den mein Dad Ihnen geben möchte, nicht?«

Sie ging auf mich zu. »Sieh mich mal bitte an.« Sie deutete von oben bis unten auf sich. »Sehe ich so aus, als würde ich in einen Pick-up passen? Ich möchte einen Mercedes.«

Ich wusste, dass diese Panne noch spaßig werden würde. »Tut mir leid, aber wir haben keinen Benz. Entweder Sie nehmen den Pick-up oder gehen die nächsten Tage zu Fuß.«

Bitterböse blickte sie mich an. »Dann organisieren Sie gefälligst einen Mercedes.«

»Soll ich den etwa aus meiner Hosentasche zaubern?«

»Mir scheißegal, woher du den bekommst. Ich fahre nur Mercedes«, sagte sie schnippisch, setzte sich auf einen Stuhl und überschlug die Beine. »Auf was wartest du?«

Jetzt wurde ich allmählich sauer. Diese Trulla bildete sich weiß Gott was ein und war von oben bis unten einfach nur unecht. Alles an ihr war Fake. Die Haare, die Wimpern, die Nägel und ich war mir sicher, dass die Titten auch nicht Natur waren.

»Ich kann Ihnen gerne einen anderen Pannendienst rufen, der Ihnen den Reifen wechselt und einen Mercedes zur Verfügung stellt.«

»Ach, und warum tust du das nicht endlich?«

»Na ja, Sie müssen ja noch heute nach Collings und der nächste Mercedes Händler wäre in Vancouver.«

»Grr … von da komme ich. Ich brauche jetzt einen Wagen und ich muss jetzt nach Collings.«

»Mrs. Hedges, wenn Sie den Pick-up nicht fahren möchten, kann ich Sie gerne fahren«, schlug ihr mein Dad vor.

»Aber, dann hab ich kein Auto.«

»Das ist richtig«, antwortete er.

Sie erhob sich, blickte nach draußen und deutete auf den Pick-up. »Der da wäre es, oder?«

»Ja«, entgegnete ich ihr.

Sie rollte mit den Augen. »Zwei Tage gebe ich Ihnen, dann möchte ich wieder meinen Wagen fahren.«

»Ob das so schnell geht, kann ich Ihnen nicht versprechen. Wir sind mitten im Nirgendwo, müssen den Reifen erst bestellen und auf die Lieferung warten.«

»Zwei Tage und keinen Tag länger.«

»Okay, Sie können Ihren Wagen in zwei Tagen abholen«, versicherte ihr mein Dad, allerdings wusste ich, dass das niemals klappen würde.

»Geht doch«, meinte sie. »Dann wäre es sehr nett, wenn du meine Koffer in den Pick-up lädst.« Sie deutete auf mich und mein Dad reichte mir die Schlüssel von dem Geländewagen.

»Rick macht das und wir kümmern uns noch schnell um die Formalitäten.«

Kopfschüttelnd ging ich in die Werkstatt. Zwei Tage, das klappte nie im Leben.

Darya

Zwei riesige Koffer standen gepackt in meinem Zimmer. Für sechs Monate würde ich Vancouver verlassen, um in Collings ein Praktikum anzutreten. Ein großer Schritt für mich, denn ich war noch nie so lange von meinen Adoptiveltern getrennt gewesen. Aber ich musste flügge werden, denn mit neunzehn Jahren war ich nicht wirklich rumgekommen. Ich war immer das brave Mädchen, zu dem mich Mom und Dad erzogen hatten. Mein Leben bestand aus lernen, anständig sein und ein Jurastudium beginnen. Eigentlich hatte ich bis vor knapp einem Jahr noch gedacht, ich würde ein Praktikum in einer Kanzlei in Vancouver machen, doch dies hatte sich alles geändert, als ich erfahren hatte, dass ich adoptiert wurde.

Im ersten Moment war ich geschockt, aber ich war sehr interessiert und neugierig darauf, wer meine leibliche Mutter war und warum sie mich weggegeben hatte. Meine Adoptiveltern, die immer meine Eltern bleiben würden, halfen mir, meine leibliche Mom zu finden. Es war aufregend, denn ich wusste nicht, ob sie mich kennenlernen wollte. Aber sie wollte und so erfuhr ich, dass sie minderjährig war, als sie mich bekommen hat und von ihren Eltern gezwungen wurde, mich zur Adoption freizugeben.

Carol, meine leibliche Mom, wuchs wie ich in Vancouver auf, zog aber, als sie alt genug war nach Melfort zu ihrer Cousine Stacy auf die Forrester Ranch. Und genau diese würde meine neue Heimat werden. Denn ich wollte mehr Zeit mit ihr verbringen und hatte mich entschlossen in Collings, das nicht weit von dem kleinen Dorf Melfort entfernt war, ein Praktikum zu beginnen.

»Ach Schatz, du wirst mir so fehlen.« Mit diesem Satz riss mich Mom aus den Gedanken. Ich wandte mich zu ihr, schaute ihr in die Augen, die sich mit Tränen füllten.

»Ich werde dich und Dad auch vermissen.«

»Du bist in den letzten Monaten so schnell erwachsen geworden und dennoch kommt es mir vor, als wäre es erst gestern gewesen, als ich dich das erste Mal im Arm hielt.« Sie kam auf mich zu und zog mich in eine innige Umarmung.

Natürlich hatte ich mich etwas verändert, seit ich Carol kennengelernt hatte. Ich war zwar immer noch anständig, hatte noch immer keinen Rausch, wie so manch andere in meinem Alter und Sex hatte ich auch noch nie, genauso wenig wie einen Kuss. Allerdings stellte ich mir in meinen Träumen immer vor, wie es wäre, Rick Cooper zu küssen. Seit meinen Wintersemesterferien, die ich in Melfort verbracht hatte, war ich verknallt in ihn. Wir hatten jeden Tag etwas unternommen und selbst als ich zurück nach Vancouver musste, hielten wir Kontakt.

»Ich hab dich lieb«, flüsterte ich meiner Mom ins Ohr.

»Ich dich auch. Und ich weiß, dass Carol dich auch lieb hat und du wirst die Zeit mit ihr genießen.«

Ja, das würde ich. Endlich hätten wir lange Zeit, um über so vieles zu reden. Wobei wir das natürlich auch bei meinem letzten Besuch getan hatten. Zum Beispiel über meinen leiblichen Vater Jean-Pierre, der von meiner Existenz nichts wusste. Er war Franzose und hatte Carol während seinem Austauschjahr in Kanada auf der High School kennen und lieben gelernt. Die Romanze hielt nicht lange und leider hatte sich der Kontakt im Sande verlaufen, nachdem er zurück nach Frankreich gegangen war.

So konnte Carol ihm nicht von mir erzählen, denn ihre Internetrecherche nach ihm hatte damals nichts gebracht. Irgendwann hatte sie aufgegeben.

Aber seit meinem ersten Besuch in Melfort wusste ich mehr über ihn, denn die Freunde von Carol hatten ihn gegoogelt und ausfindig gemacht. Er war Jurist – da hatte ich wohl seine Gene geerbt – und hatte eine eigene Kanzlei in Paris. Ich hätte ihn jederzeit anrufen können, aber ich traute mich nicht. Lange hatte ich mit Rick darüber gesprochen, ob und vor allem wie ich mich bei ihm vorstellen könnte.

Ein Anruf und dann sagen: Hey, Jean-Pierre, ich bin´s, deine neunzehnjährige Tochter!

Nein, so konnte ich nicht mit der Tür ins Haus fallen. Also entschied ich, zusammen mit Rick in den nächsten Wochen einen genauen Plan auszuarbeiten, wie ich das anstellen könnte. Dass Carol und meine Eltern hinter mir standen und es guthießen, dass Jean-Pierre von mir erfahren sollte, half mir und bestärkte mich in diesem Vorhaben.

Carol, die ich auch Mom nannte, und ich verstanden uns so gut und ich hab sie sehr in mein Herz geschlossen. So wie ganz Melfort und seine Einwohner.

»Carol holt dich morgen am Bahnhof ab, richtig?«, fragte meine Mom und strich mir über die Wange.

Ich schüttelte den Kopf. »Ich muss sie noch anrufen, um ihr zu sagen, dass mich Rick abholen möchte.«

»Aha«, meinte meine Mom. Dass ich Interesse an einem Jungen hatte, passte ihr nicht so, das merkte ich, aber sie musste es akzeptieren. Ich war nicht mehr das kleine Mädchen. Ich war eine junge Frau und es war längst überfällig, dass ich endlich mal Erfahrungen in Sachen Jungs sammelte.

»Na gut, ruf sie an. Ich werde das Abendessen vorbereiten, dein Dad kommt bald nach Hause.« Sie seufzte leise.

Es wäre unser letztes gemeinsames Essen für die nächsten sechs Monate. Irgendwie stimmte mich das traurig, aber ich freute mich auch riesig auf meine Zeit in Melfort.

Nachdem sie das Zimmer verlassen hatte, holte ich mein Handy vom Schreibtisch und wählte die Nummer meiner zweiten Mom.

»Darya, schön dass du anrufst. Bist du aufgeregt?«, meldete sie sich.

»Hey, Mom. Oh ja, ich bin mega aufgeregt.«

»Das glaub ich dir. Es wird eine spannende Zeit auf dich zukommen.«

»Am meisten freue ich mich auf meine Freunde in Melfort.«

»Auf das Praktikum nicht?«

»Doch, darauf auch.«

»Aber bis das losgeht, kannst du noch ein paar Tage entspannen und wir machen uns eine schöne Zeit.«

Das Praktikum würde erst nächste Woche starten und bis dahin hätte ich noch genügend Zeit, um richtig in Melfort anzukommen.

»Jake und ich holen dich morgen am Bahnhof ab.«

Jake, ihr Freund, war zugleich ihr Chef und Pubbesitzer vom Green Pub in Melfort. Der Pub war so toll und ich ging gerne dorthin. Jake war vor einigen Jahren von Irland nach Melfort ausgewandert und hatte sich in dem kleinen Dorf etwas Tolles aufgebaut.

»Äh … ihr müsst mich nicht holen.«

»Warum?«

»Rick würde das gerne machen.«

»So, so. Rick also.« Ich hörte, wie sie leise zu lachen begann. »Du magst ihn sehr, oder?«

Ich spürte, dass ich rot wurde. Bisher hatte ich ihr noch nicht erzählt, dass ich total verknallt in ihn war.

»Ja, wir sind gute Freunde.«

»Nur Freunde?«

»Ja«, sagte ich, denn ich glaubte, dass Rick nicht mehr in mir sah als eine gute Freundin.

»Na gut, dann sehen wir uns auf der Forrester Ranch. Wir freuen uns alle so sehr auf dich.«

»Ich mich auch.«

»So ungern ich dich abwürge, aber ich muss gleich ins Green Pub.«

»Kein Problem. Ich muss auch bald runter und das letzte Mal mit Mom und Dad zu Abend essen.«

»Okay, sag ihnen liebe Grüße.«

»Mach ich, sag du Jake und den anderen einen Gruß von mir.«

»Das mach ich natürlich sehr gerne. Bye, meine Liebe.«

»Bye, Mom.« Wir legten auf und ich setzte mich seufzend auf mein Bett und starrte die Koffer an, in denen Klamotten für die nächsten Monate verpackt waren.

Hoffentlich klappte alles so, wie ich es mir vorstellte.

Hoffentlich würde ich nette Kollegen bekommen.

Hoffentlich würde ich viel Zeit mit Rick verbringen können.

Und hoffentlich würde mich mein leiblicher Vater akzeptieren, sollte er von mir erfahren.

Rick

Kopfschüttelnd blickte ich dieser Oberzicke hinterher, wie sie in den Pick-up stieg und davonfuhr. Diese Tussi war wirklich das Schlimmste, was ich seit Langem in meinem Job als Mechaniker erlebt hatte. Jetzt auch nur zwei Tage Zeit, um so einen dämlichen Mercedes Reifen zu besorgen? Ganz toll. Aber es half nichts, denn der Kunde ist König. Also nahm ich das Telefon und rief bei einem Reifenhändler in Vancouver an, der mir so schnell es eben ging, den Reifen nach Melfort liefern sollte.

»Tires & Wheels Baker, mein Name ist Leony. Guten Tag«, meldete sich eine Dame am anderen Ende der Leitung.

---ENDE DER LESEPROBE---