Schweben auf Wolken - Ella Green - E-Book

Schweben auf Wolken E-Book

Ella Green

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Beschreibung

Seit einem Unfall vor 6 Jahren zieren das Gesicht von Colleen Pearson Narben. Durch eine Therapie, einige Operationen und einen Jobwechsel fand sie langsam ihr Selbstbewusstsein zurück. Doch nicht nur ihr Aussehen trägt Narben, auch ihr Herz. Denn Phil, zu dem sie nur zögerlich wieder Kontakt aufgenommen hat, spielt mit ihren Gefühlen. Durch einen Zufall kann sie für einige Wochen ihren Job als Altenpflegerin in Melfort ausüben. Was sie als Gelegenheit nutzt, um ihre Wunden zu lecken. Dort nimmt das Schicksal seinen Lauf. Nicht nur Ryan Dawson, ein Rechtsanwalt aus der Großstadt, der sich in dem kleinen Dorf eine Auszeit gönnt, hat ein Auge auf sie geworfen. Auch der Dorfarzt Dr. Michael Andrews macht ihr Avancen. Welchen Mann lässt Colleen in ihr Herz? Phil, der nur mit ihr spielt? Ryan, der sie bereits einmal angelogen hat? Oder hat Michael eine Chance?

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

Prolog

Colleen

Ryan

Colleen

Ryan

Colleen

Ryan

Colleen

Ryan

Colleen

Ryan

Colleen

Ryan

Colleen

Ryan

Colleen

Ryan

Colleen

Ryan

Colleen

Ryan

Colleen

Ryan

Colleen

Ryan

Colleen

Ryan

Colleen

Ryan

Michael

Ryan

Colleen

Ryan

Colleen

Epilog

Schweben auf Wolken

Liebesroman

von

Ella Green

Über die Autorin

Ella Green wurde 1983 in Oberbayern geboren wo sie auch heute noch zusammen mit ihrem Hund Rusty lebt. Seit 2014 hat sie sich den Genres Romance und Drama verschrieben. Das Schreiben ist für sie nicht nur eine Berufung, sondern das Abtauchen in eine andere Welt. Wenn sie nicht an einer neuen Geschichte arbeitet, geht sie gerne in die Berge oder backt Cupcakes.

Impressum

Daniela Krenn

Siedlerstraße 5

83714 Miesbach

www.ella-green.com

Korrektorat: Trüffelschwein der Fehler / Gabi Rögner

Coverdesign: Nadine Kapp / Booklover Coverdesign

Titelbilder:

Shutterstock Bildnr. 232011280 / YAKOBCHUK VIACHESLAV

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

Wenn man verliebt ist, schwebt man auf Wolken.

Prolog

„Colleen, wird das heute noch was mit dem Feuer?“, rief mir Violetta entgegen und trat mit einer Salatschüssel auf die Terrasse.

Seit langem planten wir ein Barbecue mit unserer Clique, nur bekam ich die Kohle nicht zum Glühen.

„Ja, ich versuch doch schon alles, damit das endlich mal zündet“, schnaubte ich, beugte mich über den Grill und blies hinein. Aber es half einfach nichts. „Wir sollten warten, bis die Jungs da sind, die können das bestimmt besser wie ich.“

„Pah! Damit wir uns anhören können, dass wir ohne Männer nicht lebensfähig sind?“, erwähnte Violetta und schüttelte den Kopf. „Das kommt gar nicht in Frage.“

„Na ja, du siehst ja selbst, dass es nicht klappt und wir ohne die Jungs aufgeschmissen sind.“

Vio stellte sich vor mich und verschränkte die Arme. „Ich lass mich aber später bestimmt nicht von Kirk und Bobby auslachen.“

„Sollen sie doch lachen, mir egal. Aber ich gebe gleich auf!“, sagte ich und blies abermals gegen die Kohle.

„Mach mal weiter, ich denke, wir schaffen das“, forderte sie, drehte sich um und griff nach einer grünen Flasche.

„Was hast du vor?“, fragte ich und dann schoss eine Stichflamme nach oben.

Meine langen blonden Haare fingen Feuer, mein Gesicht brannte schmerzhaft und tat höllisch weh.

„Ahh, scheiße!“, hörte ich Vio schreien, dann wurde mir schwarz vor Augen.

Colleen

6 Jahre später

4 Tage, das sind 96 Stunden oder 5760 Minuten oder 345600 Sekunden. Genau das war die Zeit, seit ich von Phil die letzte Nachricht erhalten hatte. Vor zwei Tagen hatte ich es nicht mehr ausgehalten und ihm eine SMS geschickt. Eine Antwort bekam ich aber nicht. Es schien so, als wäre er vom Erdboden verschwunden. In dieser Zeit hatte ich mein Handy keinen Moment aus den Augen gelassen. Immer wieder starrte ich darauf. Ja, ich hypnotisierte es nahezu, nur damit ich endlich ein Lebenszeichen von ihm erhielt. Fehlanzeige. Er meldete sich nicht.

Madison, die Freundin meines Bruder, hatte mir geraten, endgültig einen Haken hinter diesen Kerl, der es nicht für nötig hielt, mir zu schreiben, zu machen. Warum habe ich eigentlich vor zwei Wochen wieder Kontakt zu ihm aufgenommen? Gefehlt hatte er mir doch eigentlich die letzten sechs Monate nicht oder etwa doch? Natürlich hatte ich ihn vermisst, denn sonst hätte ich die Verbindung nicht wiederhergestellt. Die Gefühle, die entstanden, als er mir geantwortet hatte, waren sofort wieder da. Gefühle lassen sich nicht unterdrücken. Wir hatten über eine Woche hin und her geschrieben, dann kam der große Tag des Wiedersehens.

Wir hatten uns zum Mittagessen getroffen und es war verdammt reizvoll gewesen. Mein Herz hatte mir bis zum Hals geschlagen, als er vor mir gestanden hatte. So wie damals, als ich ihn in der Carlson Bar kennenlernte. Niemals werde ich diesen Moment in meinem Leben vergessen. Mir hatte es wirklich den Boden unter den Füßen weggerissen, so heftig waren die Schmetterlinge in meinem Bauch gewesen.

Und jetzt? Jetzt saß ich auf meinem Sofa, mit dem iPhone in der Hand und starrte darauf. Immer und immer wieder. Ich hatte gehofft, dass wir in Kontakt bleiben würden, aber anscheinend wollte er nicht. Hoffentlich ist ihm nichts zugestoßen. Ich verwarf den Gedanken so schnell, wie er gekommen war. Phil will einfach nicht.

Ich blickte auf die Uhr und stellte fest, dass ich nur noch 40 Minuten hatte, ehe ich zur Carlson Bar, aufbrechen müsste. Gemeinsam mit Madison, meinen Bruder Anthony und Frederick wollte ich den Freitagabend ausklingen lassen.

Mit hängenden Schultern stand ich auf und ging hinüber ins Bad. Ich schaute mein Gesicht, das von verblassten Narben gezeichnet war, an. Durch einige Operationen sah ich wieder fast so aus wie früher, aber ohne Make-up ging ich nicht außer Haus.

Seit meinem 24. Lebensjahr war ich ein anderer Mensch. Zwar nicht vom Charakter her, aber vom Äußeren. Dass ich vor dem Unfall als Visagistin gearbeitet hatte, half mir, um die Narben so abzudecken, damit sie nicht für jeden sofort ersichtlich waren. Phil war der erste Mann, der mich ohne Make-up gesehen hatte. Er fand mich auch ohne Kleister im Gesicht wunderschön. Tja, aber jetzt wohl nicht mehr.

Aus meinem Kosmetikkoffer holte ich das flüssige Make-up, Puder und Consealer. Ohne diese drei Produkte war ich unvollständig.

Meinen Job als Visagistin hatte ich nach dem Klinikaufenthalt verloren. Mein Arbeitgeber fand es nicht mehr tragbar, dass ich, sowie ich aussah, Kunden schminkte. Mir blieb nichts anderes übrig, als eine neue Ausbildung zu machen. Und so landete ich in der Altenpflege. Die Menschen, die ich pflegte, interessierte es nicht, wie ich aussah und dass ich Narben im Gesicht hatte. Einige Jahre hatte ich in einem Altenheim gearbeitet. Im letzten Jahr wechselte ich in die ambulante Pflege und versorgte alte Menschen, die bei ihren Familien lebten. Mir machte die Arbeit große Freude und es war für mich wie eine Berufung anderen zu helfen, statt sie zu schminken.

****

„Schätzchen, was machst du denn für ein Gesicht?“, fragte Frederick, als ich auf ihn zuging.

Er war schon in der Carlson Bar und saß am Tresen. Ich zuckte belanglos mit den Schultern. Frederick wusste nichts von Phil. Nicht jedem hatte ich erzählt, dass ich den Kontakt zu ihm wieder aufgenommen und ihn getroffen hatte.

„Ach, ich bin nur müde“, antwortete ich ihm, aber er sah mich eindringlich an, so als glaubte er mir kein Wort.

„Das kannst du den alten Leuten erzählen, die du pflegst, aber nicht mir.“

Er blickte mich auffordernd an. Ihn hatte ich durch Madison kennengelernt. Frederick war ein sehr netter Kerl, der in einer Beziehung mit dem Barkeeper Sasha war. Ja, Frederick ist schwul. Leider. Er war ein unglaublich gutaussehender Mann. Vor ein paar Monaten waren wir übers Wochenende in Melfort gewesen und hatten richtig Spaß. Er war so lustig und hatte immer einen Scherz auf den Lippen.

„Liebling, bringst du Colleen bitte einen Tequila. Die muss locker werden“, rief er seinem Freund zu.

„Ich bin locker“, protestierte ich.

„Nein, eben nicht. Und jetzt sprich dich aus. Was ist los?“

Ich seufzte tief. Ehe ich nicht mit der Sprache rausrückte, würde er keine Ruhe geben.

Sasha stellte ein kleines Glas mit einer klaren Flüssigkeit, auf dem eine Zitronenscheibe lag, vor mir ab und schob mir einen Salzstreuer zu. „Zum Wohl.“

„Es geht um einen Mann“, begann ich zu erzählen.

„Oh, das klingt interessant.“ Frederick klatschte aufgeregt in die Hände.

„Ich kenne ihn schon länger. Wir hatten vor sechs Monaten was miteinander ... na ja, er wollte damals keine Beziehung und wir gingen getrennte Wege.“

„Und jetzt will er?“

Ich schüttelte den Kopf. „Vor zwei Wochen hab ich wieder Kontakt zu ihm aufgenommen. Nach einer Woche trafen wir uns zum Mittagessen. Aber seitdem hab ich nichts mehr von ihm gehört.“

Frederick verzog sein Gesicht. „Hast du ihm denn geschrieben?“

Ich nickte. „Ja, aber ich bekomme keine Antwort.“

„Schätzchen, vergiss den Typ. Wenn er Interesse an dir hätte, würde er sich bei dir melden.“

„Aber ich kann ihn nicht vergessen.“

Frederick hielt mir das Glas Tequila hin. „Trink und vergiss ihn. Schlag ihn dir aus dem Kopf. Hast du bei eurem letzten Treffen mit ihm geschlafen?“

„Nein.“ Ich nahm das Glas, setzte es an meine Lippen an und kippte die klare Flüssigkeit hinunter, auf das Salz und die Zitrone verzichtete ich. „Hätte ich mit ihm geschlafen, würde ich mich noch mieser fühlen.“

„Ich versteh den Kerl nicht. Du bist eine hübsche, liebevolle Frau. Er hätte mit dir den Sechser im Lotto.“

„Ich kapier es auch nicht. Wir hatten jeden Tag Kontakt und plötzlich ist es so, als wäre er verschwunden.“

„Hey“, hörte ich die Stimme von Madison und drehte mich um.

„Hallo Süße“, begrüßte ich sie und drückte sie kurz.

Hinter ihr tauchte mein Bruder auf, der mich in seine Arme zog und mir ein Küsschen auf die Wange gab.

„Geht es dir gut?“, wollte er von mir wissen.

„Ja, passt.“

Anthony blickte mich fragend an. Er spürte sofort, dass es mir nicht gut ging.

„Du hast Liebeskummer wegen Phil, richtig?“

Ich nickte nur und seufzte.

„Ich hab dir schon vorgestern gesagt, schick den Typen dahin, wo der Pfeffer wächst“, mischte sich Madison in das Gespräch ein.

„Wenn es so einfach wäre.“

„Du hast was Besseres verdient. Jemanden der dich achtet und wahres Interesse an dir hat“, sagte Anthony und setzte sich neben mich.

Er hatte recht, nur wollte mein Herz das nicht akzeptieren.

Madison und Anthony bestellten bei Sasha ihre Drinks. Wir stießen an und ich hoffte, dass ich Phil wenigstens für heute Abend vergessen könnte.

„Wir haben vorhin spontan beschlossen, morgen früh nach Melfort zu fahren. Wollt ihr mit?“, fragte Madison an mich und Frederick gewandt.

„Oh ja, sehr gerne“, antwortete ich ihr. Was Besseres könnte mir nicht passieren. Etwas Ablenkung würde mir nicht schaden und ich hatte am Wochenende frei.

„Also ich passe. Sasha muss nicht arbeiten und wir wollten mal ein bisschen für uns sein.“

„Dann kommt ihr halt das nächste Mal mit“, erwähnte Anthony.

„Sehr gerne.“

„Wann soll es denn losgehen?“, fragte ich meinen Bruder.

„Um 6 Uhr ist Abfahrt.“

Ich blickte auf das Glas von Anthony und nahm es ihm ab. „Dann solltest du die Finger vom Alkohol lassen.“

Er nickte. „Da hast du recht, allerdings ist das ein alkoholfreier Cocktail.“

Ich reichte ihm seinen Drink wieder, damit wir anstoßen konnten.

„Auf ein schönes Wochenende in Melfort“, sagte ich und freute mich auf den Kurztrip in das kleine Dorf.

Ryan

„Ryan, ich sag dir das jetzt nicht nur als dein Arzt, sondern vor allem als dein Freund.“ Dr. Nicholas White, mein guter Kumpel, der auch mein Doc war, blickte mich finster an. „Du musst dir eine Auszeit nehmen.“

Ich lachte leise auf. „Sorry, aber das ist nicht möglich. Außerdem war ich erst auf den Malediven, um abzuschalten.“

Nicholas zog eine Augenbraue nach oben, lehnte sich in seinem Bürostuhl zurück und schüttelte den Kopf. „Da hattest du jede Nacht eine andere, das hat nichts mit Erholung zu tun.“

Einmal im Jahr ließ ich mich von ihm untersuchen und jedes Mal versuchte er, mir ins Gewissen zu reden, dass ich mir ein Time-out nehmen sollte.

„Sex ist für mich Erholung“, gab ich ihm schmunzelnd als Antwort.

„Ich meine es ernst, wenn du dich weiterhin so in die Arbeit stürzt, stehst du spätestens in drei Monaten mit einem Burnout in meiner Praxis.“

„Du weißt ganz genau, dass ich Partner der Kanzlei werden möchte und dafür muss ich hart und viel schuften.“

Mein Freund seufzte auf. „Und was bringt es deinem Chef, wenn du irgendwann gar nicht mehr arbeiten kannst, weil du absolut ausgepowert bist?“

Meine Stelle als Rechtsanwalt in der Kanzlei Owen war mir verdammt wichtig und ich setzte alles daran, endlich Partner zu werden.

„Ich gebe schon auf mich acht. Versprochen“, versicherte ich ihm und wollte mich erheben, aber er ließ sich damit nicht abspeisen.

„Oh nein, ich lass dich erst gehen, wenn du mir versprichst, dir eine längere Auszeit zu nehmen.“

„Und was soll ich meinem Chef Mister Owen sagen? Sorry Chef, ich bin mal paar Wochen weg.“

„Ja“, antwortete Nicholas knapp. „Genau das.“

„Du bist verrückt.“

„Nein, du bist verrückt. Ich verschreibe dir eine Kur und zu der gehst du. Punkt.“

Ich tippte mit dem Zeigefinger an meine Stirn. „Ich geh doch nicht auf eine Kur, wo nur alte Menschen um mich herumwuseln.“

Gerade als ich erneut aufstehen wollte, um dieses Gespräch endgültig zu beenden, schlug Nicholas auf den Tisch.

„Verdammt, ich schau nicht zu, wie sich mein Freund ins Grab arbeitet. Du wirst dir eine Auszeit nehmen.“

„Whoo, beruhig dich mal.“

„Ich kann mich nicht beruhigen, wenn ich sehe, dass du blass bist und fast auf dem Zahnfleisch daherkommst.“

„Es geht mir gut.“

„Würdest du einem Aufenthalt auf dem Land zustimmen? Keine Kurklinik im üblichen Sinn?“

Er gab nicht auf. Ehe wir hier zu streiten beginnen würden, schaute ich ihn neugierig an. „Was ist dein Vorschlag.“

Nicholas Gesichtszüge wurden weicher. Ihn freute es, dass ich mir wenigstens seinen Vorschlag anhören wollte. „Ein ehemaliger Studienkollege von mir lebt in Melfort, dort gibt es ein Blockhütten Resort. Ich denke, das Landleben und die Luft dort würden schon ausreichen, damit du etwas runterkommst und dich erholen kannst.“

Aus der Innentasche meines Jacketts holte ich mein Smartphone, tippte den Ort Melfort ein und machte große Augen. „Das ist ja am Arsch der Welt.“

„Ich weiß“, lachte Nicholas.

„Vergiss es, da ist ja nichts außer ein paar Häuser, Rinder, Wiesen und Wälder.“

„Und genau das brauchst du.“

„Ich brauch mal wieder einen ordentlichen Fick.“

Dr. Nicholas White schnaubte laut und griff sich an den Kopf. „Du bereitest mir Kopfschmerzen.“

Ich ergriff die Gunst des Moments, stand auf und klopfte auf den Tisch. „Ich wünsch dir was.“

„Überleg es dir. Ok?“

Während ich zur Tür ging, versprach ich, mir Gedanken darüber zu machen. Allerdings stand mein Entschluss schon fest. Nach Melfort bringen mich keine zehn Pferde.

Ich verließ das Gebäude, in dem seine Praxis war und lief den Bürgersteig entlang. Die milde Abendluft umhüllte mich und ich atmete tief ein und wieder aus. Es war Freitagabend und anders als meine Kollegen, die das Wochenende mit einem Bier begrüßten, machte ich mich auf den Weg ins Büro. Mein Ziel, Partner zu werden, wollte ich unbedingt erreichen und dafür nahm ich Überstunden auf mich. Es kam nicht selten vor, dass ich an den Wochenenden arbeitete.

Ich fühlte mich gut und an eine Auszeit, wie mir Nicholas vorschlug, dachte ich nicht im Traum. Ich stehe nicht vor einem Burnout. Völliger Schwachsinn.

Colleen

Mein Kopf lehnte an der kalten Fensterscheibe von Anthonys Wagen. Wir waren heute Morgen zusammen mit Madison nach Melfort aufgebrochen.

Die Landschaft zog an uns vorbei, aber ich nahm sie nur halb wahr, denn meine Gedanken waren bei Phil. Er hatte mir immer noch nicht geantwortet. Ihn einfach vergessen, konnte ich nicht. Mein Herz hing an ihm. Wenn er sich meldete, würde ich ihn sofort mit Kusshand nehmen. Auch wenn meine Freunde das für falsch hielten. Man kann es sich einfach nicht aussuchen, in wen man sich verliebt. Phil hatte einen Platz in meinem Herzen und in meinem Kopf. Mittlerweile war ich mir gar nicht mehr sicher, ob der Ausflug nach Melfort helfen würde, ihn zu vergessen.

Madison hatte für das Wochenende einiges geplant. Sie wollte wandern und den heutigen Abend im Green Pub ausklingen lassen.

„Wir sind gleich da“, informierte Anthony uns und ich sah die Apfelbaumplantage der Bensons.

Normalerweise war das Blockhütten Resort immer ausgebucht, aber durch eine Stornierung konnten wir an diesem Wochenende eine Hütte haben. Tyler und Hazel hatten sich vor einem Jahr ihren Traum erfüllt und das Resort eröffnet. Hazel war Madisons Schwester und eine ganz liebe junge Frau. Ich mochte sie. Auch ihr Freund Tyler war ein netter Kerl. Ich hatte ihn bei meinem letzten Besuch kennengelernt.

Anthony bog auf den Kiesweg ab. Jetzt konnte man bereits die Blockhütten sehen. Mir gefiel es sehr gut hier.

„Wenn wir ausgepackt haben, möchte ich gerne zu Lizzy ins Café“, sagte Madison und drehte sich zu mir um. „Du kommst doch mit, oder?“

Ich nickte als Antwort.

Lizzy war ihre beste Freundin aus Teenagertagen und besaß ihr eigenes Café in dem kleinen Örtchen.

„Ihr könnt ohne mich Lizzy besuchen“, erwähnte Anthony. „Ich würde mich gerne etwas ausruhen.“

Es war verständlich, dass er sich hinlegen wollte, schließlich saß er seit 6 Stunden hinter dem Steuer. Anthony parkte auf dem Parkplatz vor den Blockhütten. Aus der Empfangshütte sah ich Hazel kommen. Als sie uns erblickte, winkte sie und rannte auf den Wagen zu.

„Ahh, endlich seid ihr da“, rief sie uns zu, als wir ausgestiegen waren.

Wie ein aufgeregtes Reh sprang sie auf ihre Schwester zu und drückte sie eng an sich. „Mann, hab ich dich vermisst.“

„Ich dich auch“, antwortete Madison und gab ihr ein Bussi auf die Wange.

„Hey Anthony“, begrüßte sie meinen Bruder und nahm ihn ebenfalls in die Arme. „Wie war die Fahrt?“

„Gut, aber wie immer anstrengend“, seufzte er leise.

„Colleen, schön, dass du auch wieder da bist. Ist ja schon ein paar Monate her, dass wir uns gesehen haben“, sagte Hazel und zog mich an sich.

„Hi Hazel, es war bitter nötig, mal wieder Landluft zu schnuppern.“

„Geht es dir gut?“, wollte sie wissen.

„Ja, danke. Und dir?“

„Auch. Kommt, ich zeig euch eure Blockhütte.“

Anthony reichte mir meine Reisetasche aus dem Kofferraum und dann folgten wir Hazel zu einer der Holzhütten.

„Wo ist denn Tyler?“, fragte Madison.

„Der liefert heute Äpfel aus.“

Ich atmete die frische Luft ein und fühlte mich sofort wohl. Obwohl ich Vancouver liebte, war es hier viel schöner. Hinter den Hütten erstreckten sich Wälder und ein leichter Wind wehte den Geruch von Nadelbäumen zu mir hinüber.

„So, das ist euer Reich“, erwähnte Hazel und öffnete die Tür einer Hütte.

Wie schon beim letzten Mal war ich total begeistert. Mein Bruder war der Architekt des Resorts und Madison die Innenarchitektin gewesen. Die beiden hatten sich selbst übertroffen bei der Gestaltung, dieser Blockhütten. Man glaubt gar nicht, dass sich die zwei am Anfang nicht wirklich riechen konnten.Aber mittlerweile sind sie ein Traumpaar. Für mich jedenfalls. Ich gönnte Anthony sein Glück von Herzen.

Wir betraten die Hütte und standen mitten im Wohnbereich, der von einem offenen Kamin dominiert wurde. An den Wänden hingen Jagdtrophäen. Ein großes Sofa lud zum Verweilen ein.

Hazel nahm meine Hand und zog mich zu einer Tür. „Das ist dein Zimmer.“

Sie öffnete sie und ich betrat den Raum. Ein wunderschönes großes Bett aus Holz war der Blickfang des Raums. Mir gefiel es. Die Hütten waren unterschiedlich eingerichtet. Das wusste ich, denn beim letzten Besuch, war ich in einer anderen untergebracht gewesen.

Ich stellte meine Reisetasche neben das Bett und begann zu lächeln. Ja, hier könnte ich gut entspannen.

„Es ist toll“, erwähnte ich, an Hazel gewandt.

„Das freut mich.“

„Lass uns fix auspacken. Ich will so schnell wie möglich zu Lizzy. Kommst du mit Hazel?“ Madison war hippelig und konnte es gar nicht mehr erwarten ihre Freundin zu besuchen.

„Ich kann leider nicht. Es kommen heute noch einige Gäste, die einchecken möchten.“

„Schade, aber am Abend kommt ihr mit ins Green Pub.“

„Natürlich, das ist doch Pflicht“, lachte Hazel.

„Ich bin mit dem Auspacken gleich fertig“, teilte ich Madison mit und begann damit, Kleidung im Schrank zu verstauen.

„Ich wünsche euch einen schönen Aufenthalt“, sagte Hazel und verließ das Zimmer.

„Gut, dann mach ich mich auch mal ans Koffer auspacken. Anthony hat sich schon hingelegt.“ Ich nickte Madison zu und schaute ihr nach, wie sie mein Zimmer verließ.

****

Als wir das Little Cappuccino, das kleine Café von Lizzy betraten, ertönte eine leise Glocke und kündigte uns an. Hinter dem Tresen stand Trish. Die große Dunkelhaarige, die ich bei meinem letzten Besuch kennengelernt hatte, lächelte uns freundlich an.

„Hey ihr zwei, ich hab gar nicht gewusst, dass ihr kommt“, sagte sie, kam auf uns zu und drückte erst Madison und dann mich.

„Hi Trish, wie geht es dir?“, fragte Madison.

„Danke, sehr gut. Und euch?“

„Auch. Danke“, gab sie ihr als Antwort.

„Ist Anthony gar nicht dabei?“

„Doch, aber der hat sich hingelegt.“

„Wollt ihr einen Cappuccino?“

„Gerne“, antwortete ich und ließ kurz meinen Blick über sie wandern.

Sie trug eine schwarze Hose, darüber eine weiße lange Schürze und ein Shirt, auf dem ein Cupcake aufgedruckt war. Das war für Trish ungewöhnlich, denn als ich sie zum ersten Mal gesehen hatte, war ihr Outfit sehr gewagt. Aber wahrscheinlich war das ihre Arbeitskleidung.

„Setzt euch, ich bringe die Getränke gleich.“ Sie deutete auf einen freien Tisch, an dem Madison und ich Platz nehmen sollten.

„Ist Lizzy gar nicht da?“, wollte Madison wissen.

„Sie musste mit ihrer Granny ins Krankenhaus“, antwortete Trish seufzend.

„Oh Gott, was ist mit Betty?“

Betty Franklin war die Grandmom von Lizzy. Eine sehr nette alte Dame, die vor einem halben Jahr ihren 80. Geburtstag gefeiert hatte. Ich war zwar nicht auf der Feier, weil ich an dem Wochenende arbeiten musste, aber Anthony hatte mir davon erzählt. Es war eine Überraschungsparty gewesen, die auf ganzer Linie geglückt war.

„Betty ist heute Morgen von einer Leiter gefallen.“

„Oh je, weißt du schon mehr?“, wollte Madison wissen.

Trish drückte einen Knopf am Kaffeeautomaten und schüttelte den Kopf. „Leider nein. Die Untersuchungen dauern anscheinend länger.“

„Hoffentlich muss sie nicht im Krankenhaus bleiben“, sagte ich.

„Das hoffe ich auch. Krankenhäuser sind doof“, entgegnete Trish und kam mit zwei Tassen auf uns zu.

Der herrliche Geruch von frischem Kaffee stieg mir in die Nase. Ich liebte Cappuccino und der im Little Cappuccino war einer der besten.

„In welchem Krankenhaus sind sie denn?“

„Im St. George Hospital in Collings.“

„Das ist ja ein Gutes, wie ich weiß. Hoffen wir, dass Betty nichts Schlimmes hat.“

Trish setzte sich zu uns und nickte. „Ja, das hoffen wir alle.“

„Und sonst, läuft alles in Melfort?“, fragte Madison.

„Jap, alles beim Alten. Hier tut sich nicht viel.“

Das kleine Dorf hatte seinen ganz eigenen Charme. Die Häuser waren alt, aber nicht renovierungsbedürftig. Hier fühlte man sich sofort wohl und man konnte alle Sorgen und Probleme vergessen. Es schien so, als wäre man in einer völlig anderen Welt. Einer viel Besseren. Einer Welt, in dem es keine doofen Männer namens Phil gab. Oh nein, warum muss ich nun an ihn denken? Wie lange hatte ich es geschafft nicht einen Gedanken an ihn zu verlieren? Dreißig Minuten? Na ja, immerhin.

„Und bei dir, alles gut. Schon ein Stechbärli gefunden?“, witzelte Trish.

Stechbärli oh Mann, dieses Wort hatte ich ja total vergessen. Bei einem Mädelsabend in Melfort kam es ans Licht. Frederick hatte es sozusagen geboren und für ihn war ein Stechbärli ein Typ, mit dem man sich ab und an vergnügte. Wir Mädels hatten aber ein vollkommen anderes Bild im Kopf, denn wir stellten uns einen Teddy mit Strap-on vor.

Das Lachen von Madison riss mich aus meinen Gedanken. „Diesen Mädelsabend werde ich niemals vergessen.“

„Mhh ... ich auch nicht“, erwähnte ich summend.

„Und, hast du einen oder nicht?“, fragte Trish neugierig.

Von Phil, der ja irgendwie eine Zeit mein Stechbärli war und an den ich mein Herz verloren hatte, wollte ich ihr nicht erzählen.

„Nein, es gibt keinen.“

„Oh, dann können wir dich vielleicht endlich mal verkuppeln.“ Trish klatschte in ihre Hände, so als hätte sie schon eine Idee, welchen Junggesellen sie mir schmackhaft machen wollte.

„Nee, lass mal.“

„Ach komm, ein Kerl kann nicht schaden“, zwinkerte Madison mir zu.

Sie meinte damit wohl: Ein Gegengift, um Phil endgültig zu vergessen, könnte nicht schaden.

„Also, soweit ich weiß, ist Dr. Andrews immer noch Single und er entspricht deinem Beuteschema. Außer, das hat sich mittlerweile geändert.“

Ich konnte mich noch gut daran erinnern, dass Hazel mir den Dorfarzt vorstellen wollte. Laut ihren Erzählungen war er blond und hatte blaue Augen. Zu einem Kennenlernen kam es aber nicht. Und was mein Beuteschema betraf. Das hatte sich seit Phil geändert. Blonde Männer interessierten mich nicht mehr.

„Du kannst ihn dir ja wenigstens mal anschauen“, schlug Trish mir vor.

„Und wie soll das funktionieren? Soll ich wie Betty stürzen, damit ihr mich zu ihm bringen könnt?“ Ich rollte mit den Augen.

„Nein, aber ich bin mir sicher, er wird heute Abend im Green Pub sein.“

Oh je, ich ahne nichts Gutes.Ich will doch nur einen einzigen Mann und der meldet sich nicht. Ein anderer kommt nicht in Frage. Auch nicht als Ablenkung.

Ryan

Nicholas wollte, dass ich mir eine Auszeit nahm, also beschloss ich, am Wochenende mal nicht zu arbeiten. Normalerweise hatte ich meine Fälle immer mit nach Hause genommen und war diese durchgegangen.

Heute in den frühen Morgenstunden war ich schon joggen gewesen.

Den Nachmittag ließ ich in einem Spa in der Sauna ausklingen. Nur mit einem Handtuch um die Hüften, ging ich zum Informationsschalter des Wellnessbereichs. Eine schlanke Blondine, die ich bestimmt nicht von der Bettkante schubsen würde, lächelte mich an. Ihre weiße Bluse war sehr enganliegend und auf ihrem Namensschild stand Daya. Die ersten zwei Knöpfe waren offen, so dass man einen Blick auf ihr De­kolle­té werfen konnte.

„Guten Tag“, grüßte sie mich mit einem zuckersüßen Lächeln.

„Guten Tag, Daya. Ich wollte wissen, ob Sie einen Termin für eine Massage frei haben.“

Sie tippte mit ihren perfekt manikürten Fingernägeln auf der Tastatur rum.

„Mal sehen ...“, sagte sie und blickte auf den Bildschirm.

Sie sah wirklich verdammt heiß und sexy aus. Fast schon verboten. Nur gut, dass ich ein Handtuch um mich gewickelt hatte, denn ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass mein bester Freund bei ihrem Anblick nicht erfreut zuckte.

„In zwanzig Minuten wäre ein Termin bei Natalia frei.“ Sie blickte auf und schaute mich schüchtern an.

„Bei Ihnen ist keiner frei?“, wollte ich wissen.

„Äh ... ich bin nur für den Empfang zuständig und keine ausgebildete Masseurin.“

„Schade. Aber ich nehme den Termin bei ihrer Kollegin.“

„Sagen Sie mir bitte Ihren Namen.“

„Ryan Dawson“, teilte ich ihr mit und sie schrieb mich auf eine Liste, die auf dem Bildschirm zu sehen war.

„Gut Mister Dawson. Der Termin ist eingetragen. Natalia erwartet Sie um 16 Uhr in Kabine 5.“

Erwartet ... wie das klang. Als hätte ich eben einen Termin für eine heiße Nummer bei einer Nutte vereinbart.

„Danke“, sagte ich und wandte ihr den Rücken zu.

An der großen Fensterfront mit Blick auf den Garten des Spas blieb ich stehen und legte mich auf eine der Liegen.

Ja, es war entspannend hier zu sein und mal nicht zu arbeiten. Aber was mache ich morgen? Die Sonntage liefen ja genauso ab wie die Werktage. Ich stürzte mich immer in die Arbeit, denn mein Job war mir heilig. Ich kann meine Eltern mal wieder besuchen. Schon lange war ich nicht mehr bei ihnen zum Essen gewesen. Tatsächlich hatte ich ein gutes Verhältnis zu ihnen. Wir telefonierten einmal in der Woche und Mom lag mir schon lange in den Ohren, dass ich mich mal wieder blicken lassen sollte.

Ich schloss meine Lider und genoss die Sonnenstrahlen, die durch die Fensterfront auf mich trafen. Erholung ist gar nicht so schlecht. Aber so wie Nicholas es mir vorgeschlagen hatte, war dann doch etwas übertrieben. Die Zeit in irgendeinem Kuhkaff, dessen Namen ich schon vergessen hatte, zu verbringen war mir zu fad. Was soll ich denn dort? Kühe zählen?Mich mit irgendwelchen Hinterwäldler unterhalten? Nein, das bin ich nicht.Ich bin ein Großstadtmensch und das Landleben ist nichts für mich.

Pünktlich um 16 Uhr betrat ich Kabine 5. Mit dem Rücken zu mir gewandt stand eine dunkelhaarige Frau vor einer Massageliege. Als sie mich bemerkte, drehte sie sich um.

„Ah, Sie müssen Mister Dawson sein“, erwähnte sie und lächelte.

Sie sah nicht schlecht aus, war aber nicht mein Typ. Ich bevorzugte Blondinen, so wie ihre Kollegin des Empfangs.

„Richtig, der bin ich.“

„Würden Sie sich bitte auf die Liege legen, mit dem Bauch nach unten“, wies sie mich an.

„Soll ich das Handtuch abnehmen?“, fragte ich und Natalia blickte mich mit großen Augen an.

„Nein, das lassen Sie bitte um.“

Es war meine erste Massage, woher sollte ich wissen, wie so was ablief.

Wie sie von mir verlangte, legte ich mich auf die Liege, platzierte den Kopf in der Öffnung und starrte auf den hellen Parkettboden.

„Bevorzugen Sie irgendwelche Düfte?“

„Was meinen Sie damit?“, wollte ich wissen.

„Ich werde Sie mit Öl massieren und Sie können sich einen Duft aussuchen.“

„Was haben Sie denn im Angebot?“

„Lemongras, Lavendel, Rosenholz ...“, zählte sie auf.

„Lemongras“, unterbrach ich sie, ehe sie mit der Aufzählung fortfahren konnte.

Ich hörte, wie sich Natalia von mir entfernte. Leise Musik drang in meine Ohren, deren Klänge beruhigend wirkten. Ich schloss die Augen und spürte, wie sie warmes Öl auf meinen Rücken tröpfelte. Der Geruch stieg mir in die Nase und ließ mich entspannen. Als Natalie mit der Massage begann, merkte ich, wie gut es mir tat. Ja, es war richtig, mal einen Tag zur Erholung zu nutzen. Dass diese zierliche Frau so eine Kraft hatte und meine Muskeln kräftig knetete, hatte ich nicht für möglich gehalten.

„Sie sind sehr verspannt. Vor allem hier oben im Nacken und an den Schultern. Ich gehe davon aus, dass Sie einen Bürojob haben.“

„Ja, richtig“, murmelte ich.

Auf Smalltalk hatte ich keine Lust. Ich wollte die dreißigminütige Massage genießen. Natalia merkte wohl, dass ich im Moment wortkarg war und fragte nichts mehr. Sie machte ihre Arbeit und ich glitt in einen leichten Schlaf.

„Mister Dawson“, hörte ich eine leise Stimme an meinem Ohr und kam mit flatternden Lidern zu mir.

„Ja?“

„Wir sind fertig. Und wie es scheint, haben Sie die Massage genossen. Sie sind nämlich eingeschlafen.“

„Oh“, sagte ich und richtete mich langsam auf.

„Geht es Ihnen gut?“, fragte Natalia und blickte mir in Augen.

Das Grün ihrer Iriden blitze auf und sie lächelte.

„Ja, es war super“, lobte ich ihre Arbeit und sprang von der Liege.

„Das freut mich, dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Aufenthalt in unserem Spa“, entgegnete sie mir und verließ den Raum.

Natalia hatte wirklich gute Arbeit geleistet und ich fühlte mich rundum wohl. Jetzt fehlte nur noch heißer Sex und mein Wellnesstag wäre perfekt.

Entschlossen, die blonde Daya vom Empfang anzuflirten, machte ich mich auf den Weg zu ihr.

„Hat Ihnen die Massage gutgetan, Mister Dawson?“, fragte sie, als ich vor ihr am Tresen stehen blieb.

„Ja, sehr.“

Sie schaute mich schüchtern an und ich setzte mein schönstes Lächeln auf. „Was machen Sie denn heute Abend, Daya?“

Mit großen Augen starrte sie mich an und ihr Mund öffnete sich leicht. Sie hatte volle Lippen, die ich nur zu gerne um meinen Schwanz sehen wollte.

„Ich ... äh ... ich ... nichts, warum?“, stammelte sie und blinzelte dabei.

„Würden Sie mich zum Essen begleiten?“

Sie antwortete mir nicht, sondern griff nach einem Post-it und einem Kugelschreiber. Ich beobachtete, wie sie mir eine Adresse notierte und mir den Zettel entgegen schob. „Holen Sie mich um 20 Uhr dort ab. Ich begleite Sie gerne“, sagte sie entschlossen.

Doch nicht so schüchtern wie vermutet, die Kleine.

„Ich freu mich und sag bitte Ryan zu mir“, antwortete ich mit einem Zwinkern und ging zu den Umkleidekabinen.

„Danke äh ... ich freu mich auch, Ryan“, rief sie mir hinterher.

Für heute hatte ich genug Erholung im Spa bekommen und am Abend würde ich mich mit ihr in den Laken wälzen. Ich würde sagen: Läuft!

****

Um kurz vor 20 Uhr parkte ich meinen Wagen vor dem Wohngebäude, dessen Adresse Daya mir notiert hatte. Ich stieg aus, blickte mich um und blieb neben dem Audi stehen. Da ich ihren Familiennamen nicht wusste, würde mir nichts anderes übrigbleiben, als auf sie zu warten. Der Zeiger an meiner Armbanduhr bewegte sich langsam. Zu langsam für meinen Geschmack. Ich hatte uns einen Tisch bei Valentino, einem Italiener im Zentrum von Vancouver reserviert. Es war ein sehr nobles Restaurant und damit wollte ich sie um den Finger wickeln. Dass mir das gelingen würde, darüber war ich mir schon jetzt sicher. Sie wäre nicht die erste Frau, die meinem Charme verfiel. Nach einigen Minuten, die ich wartend verbrachte, öffnete sich die Haupttüre des Gebäudes. Daya trat heraus und haute mich fast aus den Socken. Sie trug ein enges, kurzes schwarzes Kleid, dazu High Heels und ihre blonden Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.

„Hi Ryan“, begrüßte sie mich mit engelsgleicher Stimme.

„Hallo Daya, schön dich zu sehen“, entgegnete ich ihr, senkte meinen Kopf und küsste sanft ihre Wange.

Ganz der Gentleman öffnete ich ihr die Beifahrertür und ließ sie einsteigen. Mit langen Schritten umrundete ich das Auto und setzte mich hinter das Steuer.

„Ich hoffe, du magst italienisch.

---ENDE DER LESEPROBE---