3,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 3,99 €
Liza hasst Weihnachten. Für sie ist diese Zeit der reinste Horror. Als sie ihr geliebtes Paar Winterhandschuhe im Uber von Luke vergisst, macht sie sich auf die Suche und landet in der verschneiten Kleinstadt Plentville. Als ein Blizzard die ländliche Gegend erreicht, ist es ihr nicht möglich, zurück nach New York zu fahren. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als die Feiertage in der wohl weihnachtlichsten Kleinstadt der USA zu verbringen. Luke liebt Weihnachten. Als Uber-Fahrer finanziert er sich sein Leben und Studium in New York. Das Fest verbringt er in seiner Heimat Plentville. Für ihn ist Liza ein Grinch, der mit ihm und seiner Familie Weihnachten verbringen muss. Zwischen den beiden beginnt es zu knistern. Kann Luke Liza das Fest der Liebe näherbringen? Wird sie ihm sagen, warum sie Weihnachten hasst?
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2024
Weihnachtsroman
von Ella Green
Ella Green
c/o Emma-Sonnenscheins-Impressumservice
Auenstraße 37 85639 Brunnthal
www.ella-green.com
© Ella Green Oktober 2024
Cover-Design by Nancy Salchow
www.nancysalchow.de/buchcover
Unter Verwendung der Grafiken:
#237062800 © by weyo,
#302478107 © by Prostock-studio
– alle Grafiken von Adobe Stock.
Alle Grafiken unter Standard-Lizenz erworben bei Adobe Stock: https://stock.adobe.com/
Korrektorat: Sandra Paczulla Korrekturfeen: Martina Schneider und Nadja Schütz
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin.
Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.
Für alle die Weihnachten lieben.
Für alle die einen Menschen verloren haben.
Ella Green wurde 1983 in Oberbayern geboren, wo sie zusammen mit ihrem Herzensmann lebt. Seit 2014 hat sie sich den Genres Romance und Drama verschrieben. Das Schreiben ist für sie nicht nur eine Berufung, sondern das Abtauchen in eine andere Welt. Wenn sie nicht an einer neuen Geschichte arbeitet, geht sie gerne in die Berge.
Liza hasst Weihnachten. Für sie ist diese Zeit der reinste Horror. Als sie ihr geliebtes Paar Winterhandschuhe im Uber von Luke vergisst, macht sie sich auf die Suche und landet in der verschneiten Kleinstadt Plentville. Als ein Blizzard die ländliche Gegend erreicht, ist es ihr nicht möglich, zurück nach New York zu fahren. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als die Feiertage in der wohl weihnachtlichsten Kleinstadt der USA zu verbringen.
Luke liebt Weihnachten. Als Uber-Fahrer finanziert er sich sein Leben und Studium in New York. Das Fest verbringt er in seiner Heimat Plentville. Für ihn ist Liza ein Grinch, der mit ihm und seiner Familie Weihnachten verbringen muss.
Zwischen den beiden beginnt es zu knistern. Kann Luke Liza das Fest der Liebe näherbringen? Wird sie ihm sagen, warum sie Weihnachten hasst?
»Mom, die sind wunderschön«, sagte ich, strahlte über das ganze Gesicht und hielt die roten Winterhandschuhe aus Leder an meine Brust. Dieses Paar hatte ich in der New York Mall gesehen und vor einigen Wochen Mom davon erzählt.
Wir saßen unter dem wunderschön geschmückten Christbaum und trugen Christmas-Pyjamas. Es war früh am Weihnachtsmorgen und es war unsere Tradition, dass wir zwei das Fest so starteten. Seit ich denken konnte, gab es nur Mom und mich.
Sie war siebzehn, als sie mich geboren hatte. Ihre Eltern waren ihr keine Hilfe gewesen. Als sie erfuhren, dass ihre Tochter schwanger war, hatten sie sie rausgeworfen. Mein Erzeuger – niemals würde ich ihn Dad nennen – hatte ihr nicht geglaubt, dass er der Vater war. Eine Lehrerin hatte Mom unterstützt und für sie eine Einrichtung in New York für Teenie-Mütter gefunden. Die ersten drei Jahre meines Lebens wohnten wir dort. In dieser Zeit konnte Mom ihren High-School-Abschluss machen und in einem Supermarkt arbeiten, damit sie uns versorgen konnte.
»Du hast sie dir so gewünscht«, sagte sie mit einem Lächeln auf den Lippen.
»Sie sind so schön. Danke.« Ich umarmte sie und war glücklich, sie als Mom zu haben.
»Jetzt mach dein Geschenk auf.« Ich überreichte ihr eine kleine Schachtel, die mit rotem Papier und einer weißen Schleife verpackt war.
»Du weißt doch, du musst mir nichts schenken.«
Ich rollte mit den Augen. »Das sagst du jedes Jahr.«
Mom lachte. »Und jedes Jahr schenkst du mir was. Du brauchst dein Geld für die Collegegebühren.« Sie seufzte.
Um mir mein Journalismusstudium zu finanzieren arbeitete ich nebenbei als Babysitterin. Da der Verdienst nur für das Studium reichte, wohnte ich zu Hause bei meiner Mom. Wir teilten uns ein kleines Apartment in Queens.
»Ich bin stolz auf dich, du gehst deinen Weg und studierst«, meinte sie und öffnete ihr Geschenk. »Liza, o mein Gott, das ist wunderschön.« Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie nahm die silberne Halskette aus der Schachtel und hielt sie nach oben. An ihr war ein Herzanhänger angebracht. Mom liebte Schmuck, leistete sich aber selten welchen.
»Es freut mich, dass es dir gefällt.«
Wir umarmten uns.
»Lass uns frühstücken«, sagte sie und erhob sich. Wir gingen in die Küche und bereiteten gemeinsam unser Weihnachtsfrühstück vor.
»Ach Mist«, sagte sie, während sie in den Kühlschrank blickte.
»Was ist?«, wollte ich wissen.
»Ich habe den Bacon vergessen.« Sie seufzte und blickte auf die Uhr.
»Dann gibt es halt Rührei ohne Bacon. Ist nicht schlimm«, erwähnte ich und zuckte mit den Schultern.
Mom schüttelte den Kopf. »Nein, Bacon gibt es immer.« Sie drehte sich zu mir. »Ich geh zum Supermarkt, der hat am Vormittag noch geöffnet.« Sie arbeitete in diesem Supermarkt, aber hatte heute frei.
»Mom, das muss nicht sein.«
»Doch, doch, das muss sein.« Sie eilte in ihr Schlafzimmer, zog sich um und kam nach kurzer Zeit in die Küche. »Bin in zehn Minuten wieder da.«
»Okay«, sagte ich und drückte sie, bevor sie ging.
Fünf Jahre später
Aus den Boxen dröhnte Jingle Bells und ich hätte am liebsten im Strahl gekotzt. »Talisha, kannst du das abstellen, bitte?«, rief ich meiner Kollegin, die den Christbaum im Café anstrahlte, zu.
»Du bist ein Weihnachtsmuffel«, meinte sie und drehte die Musik leiser.
Mit verschränkten Armen stellte ich mich vor sie. »Du weißt, warum meine Laune zu dieser Jahreszeit nicht die Beste ist.«
Es war kurz vor den Feiertagen, alle waren in Weihnachtsstimmung, überall funkelten bunte Lichter. Doch tief in meiner Seele war es schwarz. Ich hasste Weihnachten und alles, was damit zu tun hatte. Für mich war diese Zeit die schrecklichste des Jahres.
Aus Moms »Bin in zehn Minuten wieder da«, wurde: »Ich komme nie wieder«.
Talisha trat zu mir und drückte mich. »Ich weiß, es ist schlimm für dich, aber …«
Ich hielt die Hand nach oben und stoppte Talisha, das zu sagen, was sie immer sagte. Es bringt deine Mom nicht zurück, nur weil du Weihnachten hasst.
Tränen stiegen mir in die Augen. »Ich vermisse sie.«
Talisha umarmte mich wieder. Sie als Kollegin und beste Freundin zu haben, war mein größtes Glück. Sie verstand mich, sie half mir auf, wenn ich am Boden war, und sie stärkte mich, wann immer ich sie brauchte.
Als Mom damals wegen diesem verfickten Bacon zum Supermarkt ging, wurde sie von einem Auto erfasst, als sie den Zebrastreifen überquerte. Der Fahrer hatte die Unfallstelle fluchtartig verlassen. Er wurde nie gefunden. Mom war sofort tot.
An diesem Weihnachtsmorgen vor fünf Jahren brach für mich die Welt zusammen. Seitdem hasste ich alles, was mit Weihnachten zu tun hatte. Leider kam man in einer Großstadt wie New York überhaupt nicht drumherum, dem Wahnsinn zu entfliehen.
»Danke«, sagte ich zu Talisha und löste mich aus ihrer Umarmung. »Ich muss los.«
Meine Schicht im Café war zu Ende, endlich konnte ich zurück nach Queens. In eine einsame Wohnung, in der man nichts fand, was mit Weihnachten zu tun hatte.
»Das Angebot, die Feiertage mit mir und meiner Familie zu verbringen, steht.«
Seit Mom tot war, lud sie mich jedes Jahr ein, das Fest bei ihrer Familie in Boston zu feiern. Ich mochte ihre Eltern und Geschwister gerne, aber ich konnte Weihnachten nicht mehr feiern, wie ich es früher getan hatte.
»Danke, aber ich bleibe zu Hause.«
Talisha seufzte. »Schade, aber falls du es dir anders überlegst, bist du immer willkommen.«
Ich nickte, wusste aber, dass ich die Einladung niemals annehmen würde.
»Bis morgen«, sagte ich zu Talisha, packte die Tasche und zog die roten Lederhandschuhe an. Mit einem Seufzen blickte ich darauf. Das letzte Weihnachtsgeschenk von meiner Mom. Sie erinnerten mich immer an sie und waren das Einzige, was mich mit ihr verband.
»Bye«, rief Talisha mir nach, als ich die Tür öffnete und in die kalte Abendluft hinaus trat. Dicke Schneeflocken fielen vom Himmel. Es hatte den ganzen Tag geschneit. Die Gehwege waren weiß, der Schnee knirschte unter meinen Winterstiefeln. Es herrschte Chaos in der City, da man mit dem Räumen kaum hinterherkam. Zum Glück musste ich nicht mit dem Auto durch die vollgestopften Straßen fahren, sondern konnte gemütlich mit der Subway nach Hause. Wie viele andere stellte ich mich an den Bahnsteig und wartete.
»Meine verehrten Fahrgäste, aufgrund des hohen Schneeaufkommens fallen die nächsten Züge aus«, ertönte eine Durchsage.
O nein. Das durfte nicht wahr sein. Nichts mit gemütlich nach Hause fahren und ein Buch lesen. Wie alle anderen Passanten schnaubte ich frustriert und ging nach oben, um zur Bushaltestelle zu gelangen. Den ersten Bus konnte ich nicht nehmen. Dieser war brechendvoll. Ich wollte nach Hause und diesem Weihnachtsgedöns entfliehen. Überall waren Weihnachtslieder zu hören, Weihnachtsmänner liefen durch die Straßen. Die weihnachtliche Dekoration erschlug einen.
Ich hasste es.
Ich hasste es so sehr.
Auch der nächste Bus war voll. Wie eine Ölsardine wollte ich mich nicht fühlen, während man über eine Stunde nach Queens brauchen würde. Die Rushhour war der Horror, noch dazu dieses Schneechaos. Da konnte es locker länger als üblich dauern, bis man durch die City kam. Ich hob die Hand, um mir ein Taxi heranzuwinken, aber keines hielt. Sie waren alle besetzt.
»Dann halt ein Uber«, sagte ich zu mir selbst und öffnete die App, um mir einen Wagen zu bestellen. Der nächste Fahrer könnte mich in fünf Minuten abholen, das war in Ordnung. Besser als in einem überfüllten Bus zu stehen war es und ich könnte ein bisschen lesen. In Büchern konnte ich versinken. Am liebsten waren mir Liebesromane. Nur durfte die Geschichte nichts mit Weihnachten zu tun haben, das war das einzige Gesetz bei der Auswahl eines neuen Romans.
Eine Fahrt vom Time Square nach Queens, das würde bei diesen Witterungsverhältnissen und dem Verkehrsaufkommen dauern. Ich drehte die Musik lauter und ein fröhliches, weihnachtliches Lied erfüllte den Wagen.
Ich liebte Weihnachten. Für mich gab es kein schöneres Fest im Jahr. Endlich konnte ich meine Familie in Plentville, einer Kleinstadt mitten im Nirgendwo vom Bundesstaat Maine, besuchen. Ich war ein Familienmensch. Wir liebten die Festtage und dass wir diese Zeit gemeinsam verbringen konnten. Am liebsten wäre ich viel öfter in Plentville, aber mein Medizinstudium in New York und der Nebenjob als Uber-Fahrer machten das leider nicht möglich. Mir machte mein Job Spaß. Vor allem zu Weihnachten, wenn die Menschen mit funkelnden Augen in meinem Wagen saßen, die Lieder mitsangen, die ich abspielte und sich freuten, dass ich eine Weihnachtsmannmütze trug. Natürlich gab es auch Fahrgäste, die gestresst waren und ihre Ruhe wollten, das akzeptierte ich.
Ich hielt am Straßenrand und blickte mich um. Wer war mein Fahrgast?
Eine junge Frau mit dunklen langen Haaren kam auf mich zu, öffnete die Tür und sagte: »Sind Sie mein Uber-Fahrer, der mich nach Queens bringt?«
»Ho ho ho, der bin ich.«
Sie rollte mit den Augen, setzte sich auf den Rücksitz, zog ihre Handschuhe aus und legte sie neben sich.
»Könnten Sie bitte die Musik ausmachen?«
»Schlechten Tag gehabt?«, wollte ich wissen und drehte die Musik leiser.
»Nein«, murmelte sie und blickte nach draußen.
Sie war hübsch, aber in ihren Augen sah ich Traurigkeit. Dort war nichts Fröhliches. Keine Mimik, dass sie sich auf etwas freute.
»Wird wohl etwas dauern, bis wir in Queens sind, aber Sie können sich ja unsere wunderschön dekorierte Stadt anschauen«, meinte ich und fädelte mich in den Verkehr ein.
»Darauf könnte ich verzichten.«
»Oh, ein Grinch?«, fragte ich und blickte über den Rückspiegel zu ihr.
Sie straffte die Schultern und schaute mich an. »Ja.«
»Hm … schade. Sie sind nämlich im Weihnachtsmobil gelandet«, versuchte ich, sie zum Lachen zu bringen. Was mir nicht gelang.
»Rennen Sie immer so rum?« Sie deutete auf meine Weihnachtsmannmütze.
»Während der schönsten Zeit des Jahres, ja. Sie sollten mal meine Socken sehen.«
Die junge Frau schüttelte den Kopf. »Nein, danke.«
Eigentlich unterhielt ich mich immer gut mit meinen Fahrgästen, aber bei ihr stieß ich an Grenzen. Sie wollte nicht reden, also ließ ich sie in Ruhe. Das würde die wohl längste, schweigsamste Fahrt meiner Karriere als Uber-Fahrer werden. Nach wenigen Minuten war es mir zu doof und ich drehte das Radio wieder lauter. Es war mein Wagen, darin konnte ich tun und lassen, was ich wollte. Sollte es ihr nicht passen, könnte sie gerne aussteigen.
»Muss das sein?«, fragte sie, als ich leise zu Driving Home For Christmas mitsang.
»Das Lied passt perfekt, denn ich fahre über die Feiertage nach Hause. Was machen Sie?« Ich startete einen neuen Versuch, mit ihr ins Gespräch zu kommen.
»Nichts.«
»Wie nichts?«, wollte ich wissen.
»Na, einfach nichts.«
»Haben Sie keine Familie?«
»Nein.« Sie wirkte traurig. Ich hatte wohl einen Nerv getroffen.
»Tut mir leid.« Ich stellte das Radio ab. Den Bogen wollte ich nicht überspannen. »Danke«, erwähnte sie leise.
»Kein Problem.«
Wieder startete ich den Versuch für einen Smalltalk. »Leben Sie schon lange in Queens?« Irgendwie musste ich sie zum Reden bringen, denn Schweigen war für mich das Schrecklichste.
»Bin dort aufgewachsen.«
»Ein richtiges Citygirl?«
Nun lächelte sie und nickte. »Und Sie? Wo leben Sie?«
»In Brooklyn. Aber ich bin kein Cityboy.«
»Sondern?«
»Ein waschechter Landjunge«, gab ich ihr lachend als Antwort. »Aufgewachsen in Plentville, Maine.«
Interessiert beugte sie sich nach vorne. »Was treibt einen waschechten Landjungen in die Großstadt?«
»Das Studium.«
»Hm, das heißt, sobald Sie damit fertig sind, möchten Sie zurück auf's Land?«
»Das wäre mein Traum.«
»Aber?«
»Es gibt kein Aber.«
»Was studieren Sie?«, fragte sie neugierig und ich freute mich, dass sie entspannter wirkte.
»Medizin. Ich möchte Augenarzt werden. Studieren Sie auch?«
Sie senkte ihren Blick. »Nicht mehr.«
»Oh, warum?«
»Das Leben kam dazwischen.«
Da ich merkte, dass ihr das Thema nahe ging, hörte ich auf. »Soll ich Ihnen von der wunderbaren Kleinstadt, aus der ich komme, erzählen?«
Sie hob den Kopf, rutschte auf der Rückbank nach vorne und stütze sich am Beifahrersitz ab. »Gerne, aber ich denke, wir können zum Du übergehen, oder?«
»Klar, ich bin Luke Philipps.« Da wir ohnehin im Stau standen, konnte ich mich zu ihr umdrehen und ihr die Hand reichen.
»Freut mich. Ich bin Liza Crosby.« Sie lächelte so schön, dass es mich kurz durchzuckte. So was kannte ich nicht. Ihre grünen Augen strahlten mir entgegen. Die dunklen Haare umrahmten ihr schmales Gesicht. Diese Frau war wunderschön, nur schade, dass sie Traurigkeit mit sich trug.
»Jetzt erzähl mir von der Kleinstadt«, forderte sie mich auf.
»Plentville ist klein. Jeder kennt jeden. Jedes Jahr an Weihnachten verwandelt sich der Ort in ein einziges Lichtermeer und die Schneelandschaft kennt man so nur aus dem Fernsehen.«
Sie verzog kurz den Mund. »Scheint für einen Weihnachtsfreak wie dich ideal zu sein.«
Ich grinste. »Total. Schade, dass du ein Grinch bist.«
Sie seufzte leise. »Nicht ohne Grund.«
»Willst du darüber reden?«
Liza schüttelte den Kopf, was ich akzeptierte.
»In Plentville wird immer etwas geboten, auch wenn es ein kleines Kaff mitten im Nirgendwo ist. Man findet immer jemanden zum Quatschen.«
»Es scheint so, als wärst du verliebt in die Kleinstadt.«
»Bin ich. Deshalb möchte ich irgendwann wieder dorthin und meine eigene Praxis eröffnen.«
»Du hast Ziele, das finde ich toll.«
»Was sind deine Ziele? Willst du wieder studieren?«
»Wenn ich genug Geld zusammen habe, gerne, aber ich lebe ohne Studium auch ganz okay.«
»Was arbeitest du?«
»Ich bin Barista.«
»Cool, dann kannst du bestimmt ganz tolle Kaffeekreationen zaubern.«
Liza begann zu grinsen. »Ich möchte behaupten, so einen guten Kaffee wie von mir hast du noch nie getrunken.«
»Ist das eine Einladung?«
Wir blickten uns in die Augen, doch der Moment wurde vom Gehupe der Autos hinter uns gestört.
»Du kannst gerne mal auf einen Kaffee vorbeikommen.«
»Wo müsste ich dafür hin?«, wollte ich wissen.
Sie lehnte sich zurück. »In das beste Café in der Nähe vom Time Square.«
»Puh, wird das jetzt ein Rätsel?«
Sie nickte.
»Okay, nach den Feiertagen komme ich vorbei und hoffe, dass ich den richtigen Coffeeshop finde.«
»Das finde ich witzig.«
»Was?«
»Dass du nicht weiterfragst, sondern dich auf diese Art Schnitzeljagd einlässt.«
Die Zeit verflog viel zu schnell und wir hatten Queens erreicht.
»Jetzt, wo ich weiß, wo du wohnst, könnte ich ja jederzeit hierherkommen und mir einen Kaffee abholen.«
Liza bezahlte, öffnete die Tür und meinte mit einem Augenzwinkern. »Wer sagt denn, dass ich hier wohne?« Dann schloss sie die Wagentür und ich sah ihr hinterher, wie sie zwischen zwei Häusern verschwand. Ihr frohe Festtage zu wünschen hatte ich unterlassen. Einem Grinch wünschte man kein schönes Weihnachten.
Ob wir uns je wiedersehen würden?
»Was ist denn los, Liza?«, fragte Talisha, als ich wie eine Irre unseren Aufenthaltsraum auf den Kopf stellte.
»Ich finde meine roten Lederhandschuhe nicht mehr«, antwortete ich verzweifelt.
Talisha kam auf mich zu und legte ihre Hände auf meine Schultern. »Beruhige dich mal. Es sind nur Handschuhe.«
Bitterböse sah ich sie an. »Es ist das letzte Geschenk, das mir meine Mom zu Weihnachten gemacht hatte. Mir sind die verdammt wichtig.«
Talisha schluckte sichtlich. »Sorry. Wann hattest du sie zuletzt an?«
»Gestern.«
»Nach der Arbeit?«
Ich nickte.
»Na, dann können sie ja nicht hier sein. Überleg noch mal ganz genau, wo du sie ausgezogen hast.«
Dann fiel es mir plötzlich ein. »Shit. Ich muss sie im Uber liegen gelassen haben.«
»Im Uber?«, echote Talisha. »Warum bist du mit einem Uber gefahren?«
»Zu lange Story. Ich muss den Fahrer ausfindig machen.« Meine Hände zitterten, als ich die Telefonnummer der Zentrale von Uber wählte.
»Herzlich willkommen bei Uber, was kann ich für Sie tun?«, meldete sich eine weibliche Stimme fragend.
»Guten Tag, mein Name ist Liza Crosby. Ich brauche dringend Ihre Hilfe. Gestern hatte mich ein Fahrer in der Nähe vom Time Square nach Queens gefahren. Dessen Nummer bräuchte ich unbedingt oder könnten Sie mir den Fahrer vorbeischicken? Ich habe nämlich meine Lederhandschuhe bei ihm im Wagen liegen gelassen«, erklärte ich aufgeregt und wischte mir über die Stirn.
Wären mir diese Handschuhe nicht so verdammt wichtig, wäre es mir egal und ich würde neue kaufen.
»Um wie viel Uhr haben Sie den Uber gebucht?«
»Ich denke, es war so ungefähr sieben Uhr abends.«
Man hörte, wie die Frau auf einer Tastatur herumklimperte. »Ah, da hab ich die Fahrt gefunden. Der Fahrer war Luke Philipps.«
»Ja, genau, er hieß Luke. Könnten Sie mir seine Nummer geben?«
»Es tut mir leid, aber Luke befindet sich seit heute im Urlaub und die Privatnummer darf ich nicht rausgeben.«
»Mist. Wann kommt er zurück nach New York?«
»Im System steht, dass er ab dem 7. Januar als Uber-Fahrer zur Verfügung steht.«
Das sind zwei Wochen. So lange ohne meine Lieblingshandschuhe?
