Silent Beauty - Ella Green - E-Book

Silent Beauty E-Book

Ella Green

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Beschreibung

Margaret "Maggie" Smith wurde seit ihrer Kindheit von ihrer Mutter dazu gedrillt, eine Karriere als Model anzustreben. Kein Casting und kein Schönheitswettbewerb wurde ausgelassen. Jahre später ist Maggie ein gefragtes Topmodel, doch der Druck ihrer Mutter lässt nicht nach. Die junge Amerikanerin hat Angst, ihre Mutter zu enttäuschen und zu versagen. Wenn diese Empfindungen zu viel werden, dann fügt sich das Model selbst Schmerzen zu. Als Mason Hedges in ihr Leben tritt, versucht sie ihre Gefühle ihm gegenüber zu unterdrücken, denn ihre Mutter würde keinen Mann in Maggies Leben dulden. Ein tragischer Unfall lässt ihre Welt aus den Fugen geraten und alles ändert sich ....

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Silent Beauty

Drama

von

Ella Green

Band 1

Silent Reihe

Impressum

Ella Green

Siedlerstraße 5

83714 Miesbach

www.ella-green.com

https://www.facebook.com/EllaGreenAutorin/

Copyright: Ella Green August 2016

Korrektorat: Vanessa Ostiadal und Sissy Kaiser

Coverdesign: Lena Spehling

Titelbild: Coka / Shutterstock Bildnummer:265250882

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

Über die Autorin

Ella Green wurde 1983 in Oberbayern geboren.

New York - der "Big Apple" - ist ihr absoluter Traum, denn die pulsierende, riesige und atemberaubende Stadt bedeutet für Sie "Lebe deinen Traum und glaube an Dich selbst!"

Zusammen mit ihrem Hund lebt sie in Bayern und backt für ihr Leben gerne, besonders bunte Cupcakes - inspiriert wurde sie bei ihrer New York Traumreise durch die berühmte Magnolia Bakery mit den allerbesten Schoko-Cupcakes der Welt!

Wenn der Druck erst mit Schmerzen nachlässt …

Prolog

Boston / March 17th 2001 / 06:00 p.m. (evening)

“Margaret, du musst dich richtig anstrengen, hörst du!”, sagte meine Mommy in einem ernsten Tonfall zu mir und schminkte meine Lippen mit rosa Lippenstift.

Es war wieder einer der Abende, an dem sie mich zu einem Schönheitswettbewerb schleifte. Seit ich 5 Jahre alt war, verging so gut wie kein Wochenende, an dem sie nicht mit mir zu irgendeinem Wettbewerb in den Staaten fuhr. Bei dem heutigen Schönheitswettbewerb, konnte die Siegerin ein Covershooting für einen Kindermodekatalog gewinnen. Zwar hatte ich schon einige Shootings für Kinderkleidung, aber auf einem Cover war ich noch nie zu sehen. Es war der größte Wunsch meiner Mom, dass ich das endlich schaffen würde.

„Du musst gewinnen, hörst du!“, entgegnete sie mir. „Und jetzt lächle mal, denn so wird das sonst nichts.“

Gezwungenermaßen hob ich meine Mundwinkel an und grinste, doch dieses Lächeln war gespielt. Es war aufgesetzt. Aber ich wollte sie nicht enttäuschen und machte das, was sie von mir verlangte. Sie gab mir ein sanftes Küsschen auf die Wange, nahm mich bei der Hand und führte mich aus der Umkleidekabine hinaus.

Im Flur kam uns eine Dame entgegen, die uns mitteilte, dass ich als nächstes an der Reihe wäre.

„Komm, Margaret“, sagte meine Mom und zog mich hinter sich her in Richtung Bühne.

Mit großen Augen beobachtete ich das Mädchen, das gerade vor der Jury ihr bestes gab. Ihre langen lockigen roten Haare hüpften lustig auf und ab. Sie lächelte, als gäbe es kein Morgen. Das Mädchen war zierlich und ihr himmelblaues Kleid, das bis zum Boden reichte, schwang hin und her. Mein Kleid war rosa, aber ich mochte es nicht. Viel lieber trug ich Hosen, doch das ließ meine Mom selten zu. Jeden Tag steckte sie mich in ein Kleidchen und schickte mich so zur Schule. Im Dreck spielen, so wie es andere Kids in meinem Alter machten, durfte ich nicht. Ich musste immer das brave Mädchen sein, das sich nicht schmutzig machte.

„Ihre Tochter ist jetzt dran“, hörte ich eine weibliche Stimme und blickte nach oben.

Es war die Frau, die uns vorher im Flur entgegenkam und sie strahlte bis über beide Ohren.

Als das Mädchen die Bühne verließ, gab mir meine Mom einen Schups und sagte: „Los geh und gib dein bestes! Du musst gewinnen!“

Die Scheinwerfer waren auf mich gerichtet und blendeten grell in mein Gesicht, als ich mit langsamen Schritten, die Bühne betrat. Wie bei allen Wettbewerben, die ich bisher mitmachte, stellte ich mich vor die Jury und lächelte. Meine Mom wollte es so und ich würde sie nicht enttäuschen. Auch wenn ich viel lieber jetzt zuhause in meinem Zimmer gewesen wäre.

„Hallo, wie heißt du denn?“, fragte eine Dame, die zur Jury gehörte.

„Margaret Smith.“

Bei diesen Veranstaltungen musste ich immer meinen vollständigen Namen sagen. Maggie, so wie mich meine Freundinnen in der Schule nannten, war nur mein Spitzname.

„Und wie alt bist du, Margaret?“, wollte ein Mann, der ebenfalls zur Jury gehörte wissen.

„Sieben.“

„Was sind denn deine Hobbies?“, fragte die Dame.

Innerlich seufzte ich, denn Hobbies hatte ich keine. Für so etwas ließ mir meine Mommy weder Zeit noch den Freiraum. Während meine Freundinnen Klavierstunden nahmen, auf Ponyhöfen waren oder Ballett tanzten, musste ich immer zuhause mit meiner Mom für den nächsten Wettbewerb üben.

„Ich spiele gerne mit meinen Puppen“, gab ich als Antwort, denn das war das einzige, was ich in meiner Freizeit, wenn ich nicht für einen Wettbewerb üben musste, tun durfte.

„Sehr schön“, erwähnte die Dame.

Dass ihr die Antwort nicht gefiel und sie viel lieber gehört hätte, dass ich gerne tanzte oder Klavier spielte, sah ich an ihrem Gesichtsausdruck.

„Margaret, würdest du für uns einmal auf der Bühne auf und ablaufen, bitte“, bat mich der Mann und ich nickte stumm mit dem Kopf.

Oft genug hatte mich meine Mom gedrillt, so zu laufen wie ein Model. Ich setzte mein schönstes Lächeln auf, stemmte meine linke Hand in die Hüfte und ging los. So wie ich es gelernt hatte, stellte ich mich in Pose, warf meine langen blonden Haare keck über die Schulter und strahlte die Jury an.

„Sehr schön“, hörte ich den Juror über die Lautsprecher.

Als ich zum anderen Ende der Bühne marschierte, sah ich meine Mom, die mich ganz genau beobachtete. Ich hasste es, wenn sie das tat, denn es machte mich nervös. Gerade als ich mich vor der Jury wieder in Pose stellen wollte, passierte es. Ich kam ins Straucheln und landete unsanft auf meinen Knien. Ein Raunen war im Saal zuhören. So etwas Peinliches war mir noch nie passiert. Langsam rappelte ich mich wieder auf und blickte entschuldigen zu meiner Mommy. Ihr Blick sprach Bände. Sie war sauer. Ich hatte es verbockt und wusste ganz genau, dass ich mit diesem Missgeschick keine Chance mehr auf den Sieg hatte. Sie würde mich, sobald ich die Bühne verließ, ordentlich schimpfen.

„Danke, Margaret, dass du da warst. Du darfst jetzt die Bühne verlassen“, sagte die Dame und deutete mir zum Ausgang.

Mit hängenden Schultern ging ich auf meine Mom zu.

„Na das hast du ja großartig hinbekommen“, fauchte sie mich an, griff nach meinem Arm und schleifte mich zur Umkleidekabine.

„Tut mir leid“, flüsterte ich kleinlaut und war den Tränen nahe.

„Du hast dir mit deinem Missgeschick, den Sieg versaut. Du hättest gewinnen können.“

„Die Schuhe sind einfach zu hoch für mich“, sagte ich entschuldigend.

Extra für diesen Wettbewerb hatte sie mir neue Schuhe mit Absatz gekauft und darauf zu laufen, war für mich fast unmöglich.

„Jetzt gib nicht den Schuhen die Schuld, weil du zu blöd bist, zum Gehen“, schnaubte sie, öffnete die Tür der Umkleide und schupste mich hinein.

„Sorry, Mommy!“, wisperte ich und setzte mich auf das weiße Sofa.

„Du hast mich maßlos enttäuscht, Margaret“, keifte sie und funkelte mich bitterböse an.

Sie zu enttäuschen, war immer meine größte Angst. Und jetzt hatte ich sie so sehr enttäuscht, dass sie wütend auf mich war.

„Das wird dir nächste Woche in Las Vegas nicht noch einmal passieren. Wir werden jeden Tag üben, üben, üben!“

Mit gesenktem Kopf stimmte ich ihr zu.

Meine Mom packte meine Sachen in einen Koffer und sprach kein weiteres Wort mit mir. Sie war wütend, sauer und enttäuscht. Ich war mir sicher, dass sie mich das die nächsten Tage noch spüren lassen würde.

Irgendwann wenn ich groß bin, werde ich ihr sagen, dass mir das alles keinen Spaß macht und ich diese Schönheitswettbewerbe hasse.

Kapitel 1

Paris / May 30th 2015 / 10:00 a.m. (morning)

Blut ran die Innenseite meines linken Oberschenkels entlang und ich atmete tief durch. Der Druck, den ich fast täglich durch meine Mom zu spüren bekam, ließ nach. Endlich. Es war ein befreiendes Gefühl. Doch schon bald, würde dieser Druck wiederkommen. Dann würde ich wieder zum Messer oder zu einer Rasierklinge greifen. Warum lasse ich mir das eigentlich noch immer von meiner Mutter gefallen? Als ich sieben Jahre alt war, hatte ich mir geschworen, sobald ich älter war, ihr zu sagen, dass ich diese Schönheitswettbewerbe und Castings, zu denen sie mich immer schleppte, hasste. Jetzt, vierzehn Jahre später, bekam ich immer noch nicht meinen Mund auf. Seit meinem 16. Lebensjahr, war ich ein gefragtes Model. Meine Mom hatte mich ja darauf gedrillt, in der Modelbranche Fuß zu fassen. Die Designerlabels rissen sich förmlich um mich. Doch das reichte meiner erfolgsgeilen Mutter nicht und sie übte immer wieder Druck auf mich aus. ‚Du musst noch besser werden‘, sagte sie immer und immer wieder.

Meine Angst, sie zu enttäuschen und einen Job nicht zu bekommen, war groß. Ein paar Monate vor meinem 20. Geburtstag, konnte ich den Druck nicht mehr standhalten und fügte mir zum ersten Mal selbst Schmerzen zu. Mit einer Rasierklinge ritze ich mir damals die Innenseite meines rechten Oberschenkels. Der Schmerz nahm mir den Druck, der auf mir lastete und ich fühlte mich frei. Ab diesem Zeitpunkt war ich Borderlinerin. Immer wenn ich glaubte, ich versagte oder der Stress meiner Mom wurde zu groß, dann verstümmelte ich mir meine Schenkel. Unzählige Narben waren es schon. Narben, die ein stummer Schrei waren. Narben einer stummen Schönheit. Bisher hatte niemand die Verletzungen zu Gesicht bekommen, denn Jobs für Unterwäsche oder Bademode, hatte ich grundsätzlich abgelehnt. Meine egozentrische Mutter hieß das gut, denn ihre Tochter, Margaret „Maggie“ Smith, sollte sich nicht halbnackt vor einer Kamera räkeln.

Niemand bekam mit, wenn ich – im wahrsten Sinne des Wortes – am Boden lag und das Blut an meinen Innenschenkeln, entlang rann.

„Maggie?“, hörte ich Blanche, die Assistentin des Fotografen, nach mir rufen.

Mittlerweile bestand ich darauf, dass mich mein Umfeld Maggie nannte. Margaret, so sagte nur meine Mutter zu mir.

Heute hatte ich in Paris, einer der Modemetropolen, ein Shooting für Chanel. Ein Anruf meiner Mom, war der Auslöser dafür, dass ich auf die Toilette ging und zum Messer griff. Sie hatte mir mitgeteilt, dass ich nächste Woche in Mailand ein Casting für eine Werbekampagne von Roberto Cavalli hätte. Schon jetzt machte sie mir mit ihrer Aussage ‚Du musst den Job bekommen‘ enormen Druck. In mir keimte sofort die Angst auf, dass ich versagen würde. Sie enttäuschen könnte, wenn mich dieses angesagte Label nicht auswählte. Obwohl es nicht das erste Mal wäre, dass ich für Roberto Cavalli vor der Kamera stand. Dennoch setzte sie mich unter Druck und verlangte von mir, dass ich mein Bestes geben müsste, denn die Konkurrenz wäre nicht ohne. Delena Santiago, Vanessa Amarossi und Sarina DeLuca, drei sehr erfolgreiche Topmodels, würden sich ebenfalls nächste Woche in Mailand befinden. Zwar wusste ich, dass ich genauso gefragt war, wie diese Schönheiten, trotzdem stresste es mich schon jetzt.

Vor zehn Jahren, hatte meine Mutter ihre eigene Modelagentur mit dem Namen Smith Models, gegründet. Sie verdiente nicht schlecht an mir und den anderen Models, die sie unter Vertrag hatte. Das Geld, das ich mir mit meinen Aufträgen erarbeitete, war nicht wenig und das - man glaubte es kaum - ließ sie mir. Welch Wunder! Wenigstens etwas, was sie mir nicht wegnahm. Nur die Entscheidungen, über mein Berufsleben, darüber hatte sie die Macht und entschied über meinen Kopf hinweg, zu welchen Castings ich gehen sollte. Doch mir fehlte der Mut, ihr die Meinung zu sagen und mich aus dem Staub zu machen, denn irgendwie mochte ich meinen Job ja doch. Was daran lag, dass ich dazu gedrillt wurde ein Topmodel zu werden.

Ohne Celeste Smith, würde ich nicht hier in Paris für Chanel vor der Kamera stehen. Ob mich eine andere Modelagentur unter Vertrag nehmen würde? Womöglich schon, aber meine Mom würde mir Steine in den Weg legen und mich bei anderen Agenten schlechtmachen, nur damit ich ja bei ihr bliebe.

„Ich komme gleich“, antwortete ich Blanche, griff in meine Tasche und zog ein Taschentuch heraus. Fein säuberlich wischte ich das Blut von meinem Oberschenkel und klebte ein Pflaster darüber.

Als ich damit fertig war, ließ ich das schwarze lange Kleid von Chanel, das ich trug, über meine Beine fallen, der Stoff verdeckte alles und niemand würde sehen, was ich mir selbst angetan hatte.

„Kann losgehen!“, sagte ich zu der jungen schwarzhaarigen Frau, als ich die Tür öffnete und sie mich sanft anlächelte.

„Gut, denn Tommaso wartet schon ungeduldig.“

Tommaso Rossi, war ein italienischer Fotograf. Einer der besten und es war nicht das erste Mal, dass ich vor seiner Linse stand.

„Ciao, Bella!“, begrüßte er mich, als ich das Studio betrat.

„Hallo Tommaso“, grüßte ich und gab ihm links und rechts ein Küsschen.

Er war nicht nur ein toller Fotograf, sondern auch ein sehr attraktiver Mann, der allerdings auch, als mein Vater hätte durchgehen können.

„Du siehst wieder umwerfend aus“, grinste er, als ich mich vor seine Kamera stellte.

„Danke, Tommaso“, flüsterte ich und setzte mich auf den Stuhl, der für mich vorbereitet war.

„Bella, bist du bereit?“, fragte er und griff nach seiner Kamera.

„Natürlich“, antwortete ich ihm.

„Blick gerade in die Kamera, stütze dein Kinn an deiner linken Hand ab und Lippen leicht öffnen“, wies er mich an und schon war ich das perfekte Model, dem niemand ansah, dass es sich noch vor wenigen Minuten, ein Messer über den Oberschenkel gezogen hatte.

„Sehr schön“, strahlte Tommaso und knipste das erste Foto.

Immer wieder musste ich die Pose wechseln. Mit ihm zusammen zu arbeiten, machte mir Spaß und ich war froh, dass meine Mutter nicht nach Paris mitgekommen war. Sie kam selten zu Shootings mit, aber es reichte, dass sie von zuhause aus Druck auf mich ausübte, in dem sie mich fast täglich anrief.

Nachdem mich Tommaso gut 5 Stunden fotografiert hatte und ich mich immer wieder umziehen musste, war meine Arbeit getan. Er hatte sich überschwänglich bei mir verabschiedet und würde sich freuen, wenn wir demnächst wieder zusammen einen Auftrag hätten.

Müde und erschöpft kam ich im Hotel Ritz, in dem ich immer gastierte, wenn ich in Paris war, an. Ich wollte gerade ins Bad, um zu duschen, als mein Handy piepste und mir somit den Eingang einer Nachricht signalisierte.

Bitte lass das nicht meine Mutter sein, dachte ich und zog mein iPhone aus meiner Handtasche.

Ein Lächeln umspielte meine Lippen, als ich sah, dass mir Mason geschrieben hatte. Wir kannten uns noch nicht lange, aber er war ein toller Mann. Einer, in den ich mich verlieben könnte, doch dann müsste ich mich ihm anvertrauen, denn er würde wissen wollen, woher ich die Narben hatte. Außerdem war da noch meine Mutter, die mir bisher jeden Kerl, vergraulte. Mit vielen Männern war ich noch nicht zusammen, denn sie hatte alle zum Teufel gejagt. ‚Dein Job ist wichtiger als ein Mann‘, sagte sie immer wieder. ‚Für einen Kerl gibt es keinen Platz in deinem Leben‘, hallte ihre Stimme in meinem Kopf und ich begann zu seufzen. Manche Typen konnte ich gut vor ihr verstecken, und mit ihnen Spaß haben. Allerdings auch nur so lange bis sie dahinterkam. Sie tischte den Männern irgendeine Lüge auf und diese brachen den Kontakt zu mir ab. Der letzte Mann, der mir näherkam, war Brad Connar und das liegt schon zwei Jahre zurück. Damals hatte ich die Narben noch nicht. Niemals könnte ich mich in einen Mann – auch wenn ich ihn vor meiner Mom Geheimhalten könnte – verlieben und mit ihm ins Bett steigen. Die Gefahr, dass er meine Verletzungen sah und danach fragen würde, war mir zu riskant.

Das mit Mason könnte nie mehr, als nur eine gute Freundschaft werden, von daher musste ich meine Gefühle unterdrücken. Dennoch grinste ich von einem zum anderen Ohr, als ich seine Nachricht zu lesen begann.

Mason: Hallo Süße, wie geht es dir? Wie war der Job?

Er nannte mich Süße, das ließ mein Herz schneller schlagen und war nicht gut. Du darfst dich nicht in ihn verlieben.

Maggie: Hallo Mason, danke mir geht es gut. Der Job war anstrengend aber super. Wie geht es dir?

Mason: Mir geht es auch gut. Wann kommst du zurück?

Maggie: Morgen Nachmittag lande ich in Boston.

Mason: Soll ich dich am Flughafen abholen?

Zu gerne hätte ich Ja geantwortet, aber meine Mom bestand immer darauf, mich nach meinen Reisen abzuholen. Würde ich ihr mitteilen, dass sie mich nicht abholen bräuchte, dann würde sie wissen wollen, warum und würde trotzdem am Flughafen aufkreuzten. Und dann könnte ich mir eine Freundschaft mit Mason abschminken, denn sie würde denken, dass er mich von meinem Beruf ablenken könnte. Ja, sie duldete nicht einmal einen Kumpel in meinem Leben.

‚Eine Freundschaft zwischen Frau und Mann ist nicht möglich, also lass die Finger von den Kerlen, bevor du dich verliebst und dein Job auf der Strecke bleibt‘, sagte sie vor einigen Jahren zu mir.

---ENDE DER LESEPROBE---