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Warum läuft es zwischen den Geschlechtern oft so schlecht? Wissenschaftler auf der Suche nach Antworten. Danach Biographien über zwei fiktive Personen, die ihr Leben auch irgendwie zu überstehen haben. Die Beziehungen sind halt das Salz in der Suppe.
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Seitenzahl: 65
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Thomas Häring
Immer noch was zum Lesen
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Mann, Frau!
Ein Leben
Auszug aus einem nie gelebten Leben
Impressum neobooks
„Am liebsten sind mir die Einfühlsamen“, gestand Irena. „Ich weiß gar nicht, was Ihr immer mit Eurem Einfühl-Samen habt. Was ist so besonders daran?“ erkundigte sich Gina. „Ich spreche ja auch von den Männern. Was will ich mit so einem Super-Stecher, der außer Ficken nichts im Kopf hat?“ „Der bekommt wenigstens keine Falten vom vielen Denken.“ Sie saßen in Irenas Wohnung bei Kaffee und Kuchen und gingen der Lieblingsbeschäftigung aller Frauen nach: Kommunikation. Was sie nicht wußten war, daß sie überwacht wurden. In der Wohnung nebenan saßen sehr viele Wissenschaftler, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen herauszufinden und so der Menschheit einen großen Dienst zu erweisen. Einer der weißgekleideten Herren, nämlich Olaf, ergriff das Wort: „Also gut, eine kleine Zwischenbilanz: Während Armin und Rüdiger mit einem Kasten Bier vor dem Fernseher sitzen, sich die Bundesligaspiele anschauen und die ganze Zeit über Sport, Politik, Autos und die Optik von Frauen reden, unterhalten sich ihre beiden Freundinnen über Beziehungen, soziale Kontakte und Männertypen. Außerdem noch über alles Andere, was ihnen auf den frisch lackierten Nägeln brennt. Es ist faszinierend und schrecklich zugleich, vor allem, weil man sich nicht vorstellen kann, daß Mann und Frau jemals zusammen leben und glücklich sein können, da sie einfach völlig unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen haben. Erstaunlich, daß immer noch 50 Prozent aller Ehen nicht geschieden werden.“ „Männer und Frauen brauchen einander und das nicht nur zur Fortpflanzung. Das Wichtigste an der ganzen Sache ist das Ergänzungsprinzip, denn sie können viel voneinander lernen“, machte Olafs Kollegin Leila deutlich. „Das ist wahr. Allerdings stellt sich für viele Menschen die Frage, in welche Richtung sie sich entwickeln wollen. Daß sich Gegensätze anziehen, seht völlig außer Frage, aber ohne ein Fundament an Gemeinsamkeiten macht das alles keinen Sinn“, behauptete Olaf, bevor sie sich wieder in den Kaffeeklatsch einklinkten, der an Schärfe dazugewonnen hatte. „Sei mir nicht böse, aber Dein Rüdiger ist wirklich nicht der Hellste. Letztens hat er einer hübschen Frau hinterhergeschaut und ist dann über seine offenen Schnürsenkel gestolpert“, berichtete Gina. „Das geschieht ihm ganz recht. Aber ich habe mich an seine Macken gewöhnt. Natürlich hätte ich einen besseren Mann kriegen können und auch verdient, aber je primitiver mein Partner ist, desto mehr Glanz fällt auf mich ab“, glaubte Irena. „Mag sein, doch ich glaube nicht, daß das der Sinn der Sache ist. Ich jedenfalls habe in meinem Armin einen treuen und verläßlichen Seelenpartner gefunden.“ „Der zum Alkoholismus neigt.“ „Unbestritten, aber welcher Mann hat keine Fehler?“ „Vielleicht braucht er so viel Bier, um das Leben mit Dir leichter zu ertragen.“ „Was meinst Du damit?“ „War nicht persönlich gemeint, aber ich glaube, daß Du manchmal ganz schön anstrengend sein kannst.“ „Zweifellos. Genau das macht mich für die Männerwelt ja so interessant. Die meisten Kerle lieben Herausforderungen.“ „Irgendwie finde ich das schon kraß: Du verlangst von ihm absolute Treue, gehst aber ständig fremd.“ „Dafür kann ich nichts.. Das sind die Triebe, meine Liebe. Stell Dir vor, mein Partner würde auch dauernd fremdgehen, dann bräuchte ich erst gar nicht mit ihm zusammenleben.“
Derweil liefen die Bundesligaspiele in ihrer Schlußphase. Armin und Rüdiger saßen gebannt vor dem Bildschirm und regten sich fürchterlich auf: „Elfmeter! Ein glasklarer Elfmeter! Nichts gegen Behinderte, aber blinde Schiris sind wirklich eine Zumutung“, fand Rüdiger. „Du bist doch bloß ein schlechter Verlierer, das ist alles“, entgegnete Armin grinsend. „Von wegen. Ich bin mit meiner Mannschaft Niederlagen gewöhnt und feiere Siege deswegen um so mehr. Aber ich sehe nicht ein, daß mein Klub absteigt, nur weil die Wettmafia immer auf den Gegner meines Vereins setzt und die Schiedsrichter besticht.“ „Paß auf was Du sagst! So ein Wettskandal würde jetzt gerade noch fehlen. Laß uns noch ein Bier trinken!“ „Gute Idee!“ Und so spülten sie ihren Ärger hinunter und freuten sich ihres bequemen Couchdaseins. „Schluß für heute!“ rief Olaf und daraufhin verließen er und seine Crew ihren Arbeitsplatz und machten sich auf den Weg nach Hause.
Eine Stunde später saß Olaf ganz allein in seiner kleinen Wohnung und dachte über seine Forschung nach: „Der Mensch, das unbekannte Wesen. Den Durchschnittsmann und die Durchschnittsfrau trennen Welten und dennoch trifft man oft genau den Typus zusammen an. Das funktioniert auch gut, wenn die Rollenverteilung klar ist. Doch je mehr Intelligenz im Spiel ist, desto komplizierter wird das Ganze, weil dadurch natürlich auch die Ansprüche steigen. Der Bauer und die Bäuerin kamen im 20.Jahrhundert gut miteinander aus, da sie einer anstrengenden körperlichen Arbeit nachgingen und deshalb nicht viel nachdenken brauchten. Heutzutage tun sich Landwirte sehr schwer, eine Frau zu finden. Die moderne Frau von heute sucht einen Softie, der auch noch gut im Bett und dort ein Schwein sein soll. Das ist die Quadratur des Kreises. Sie sehnt sich nach einem Gefährten, den es so nicht gibt. Wenn sie sich damit abgefunden hat, dann sucht sie sich einen Typen mit Potential, den sie dann so bearbeitet, wie sie ihn haben will. Frauen wollen Weiterentwicklung und Veränderung, Männer reparieren etwas erst, wenn es kaputt ist. Deshalb sind die Frauen oft unzufrieden und ihre Männer wissen überhaupt nicht warum. Im Grunde müßten die Männer in der Schule ein Fach haben, das Frauenkunde heißt und umgekehrt, damit die jungen Leute auf das komplizierte Leben da draußen vorbereitet werden und nicht alle Fehler ihrer Vorfahren wiederholen müssen, bevor sie daraus lernen. Hoffentlich hilft uns unser Forschungsversuch dabei, die ganze Problematik in ihrer Komplexität darzustellen und hilfreiche Lösungsvorschläge anzubieten“, wünschte sich Olaf. Daraufhin schaltete er seine Denkfabrik mal für eine Weile aus, kochte sich eine Kleinigkeit, aß ohne Leidenschaft und ließ sich dann vom Fernseher berieseln, wobei er sich dachte: „Lächerlich, diese Liebesschnulzen. Völlig unrealistisch und weltfremd. Von Frauen für Frauen. Wir Männer können damit rein gar nichts anfangen. Möchte wissen, wer sich so einen geistigen Müll reinzieht.“
