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Die niederländische Autorin Ada Rosman-Kleinjan hat zusammen mit ihrem Mann mehrmals das südliche Afrika bereist. In diesem Buch werden zwei Reisen beschrieben, in deren Mittelpunkt Namibia steht. Ausgangspunkt der Reisen war Kapstadt in Südafrika. Im ersten Teil warten Ada und Jan Rosman immer wieder vor Elefanten, die die Straße überqueren. Sie bewundern die roten Dünen der Sossusvlei, in den Städtchen Lüderitz und Swakopmund wähnen sie sich in Deutschland. Gezeltet wird auf den schönen Campingplätzen in Etosha und in der Nähe der urtümlichen Köcherbäume bei Keetmanshoop. Die Reise führt bis nach Opuwo, der afrikanischsten Stadt Namibias, nahe der Grenze zu Angola. Zu Besuch bei den traditionell lebenden Himba und den San reisen sie zurück in die Vergangenheit. Im zweiten Teil, Tiere unterwegs, werden die Eindrücke einer neuen Reise geschildert, die Ada und Jan durch die beiden Länder im südlichen Afrika unternommen haben. Dabei werden bekannte Orte besucht und neue entdeckt. Während dieser Reisen legten sie mehr als 16.000 Kilometer zurück, davon Tausende von Kilometern auf Schotterstrassen. Das Buch bietet eine gute Übersicht über das, was den Reisenden in diesem Teil Afrikas erwartet.
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Seitenzahl: 169
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Vielen Dank bin Ich an Willem Kleine Dopke, Edda Bauer und Patrice Kragten verschuldet; zonder hun hulp zou dit boek niet in zijn huidige vorm zijn verschenen. Baie dankie!
Wer einmal den Sand zwischen den Zehen gespürt hat, kehrt immer wieder hierher zurück. (Südafrikanisches Sprichwort)
Unsere Liebe für dieses große und einsame Land im südlichen Afrika begann im Jahr 1999. Wir reisten wochenlang umher und bereisten das ganze Land, von Keetmanshoop bis Swakopmund, von Windhuk bis Opuwo. Wir besuchten die San und die Himba. In der eindrucksvollen Tierwelt in Etosha machten vor allem Elefanten, die die Straße überquerten, auf uns einen unvergesslichen Eindruck.
Wir unternahmen später noch zahlreiche Reisen in diesen Teil Afrikas, wobei wir jedes Mal Neues entdecken. Auf unseren Reisen begegneten uns viele deutsche Touristen, die diese frühere deutsche Kolonie besuchten. Das Interesse für Namibia ist in Deutschland besonders groß; ich hoffe, es besteht auch Interesse für eine niederländische Schriftstellerin, die ihr Herz an Namibia verloren hat und darüber schreibt.
Dem Anraten meines Mannes Jan, ich solle mein Buch auch auf Deutsch übersetzen lassen, ist es zu verdanken, dass mein Buch jetzt auch diese Sprachgrenze überschreitet. Darüber freue ich mich besonders.
Reisen Sie mit uns durch Namibia: Ein einsames Land, in dem es unglaublich viel zu sehen gibt!
Ada Rosman-Kleinjan
S
üdafrika
Die Stadt am Kap
Der Mann des Jahrhunderts
Unterwegs nach Namibia
N
amibia
Das einsamste Land der Welt
Lüderitz und Umgebung
Eine Düne für uns allein
Einmalige Pflanzen und besondere Frauen
Die Küste des Todes
In Afrika
Die Himba
Eine Giraffe in der großen weißen Ebene
Cappuccino in Tsumeb
Bei den Buschmännern
Aufwachen in Windhuk
Kalaharisand und Köcherbäume
S
üdafrika
Zurück am Kap
Frühstück auf dem Tafelberg
T
iere unterwegs
Literatur
Die Reste einer typisch niederländischen Grippe stecken mir noch in den Gliedern, als wir am letzten Tag im Oktober nach Südafrika fliegen.
Ab London braucht man mit South African Airways noch mehr als 11 Stunden, aber dann ist man mitten in Kapstadt. Die Zollformalitäten gehen reibungslos, und nachdem wir unser Gepäck rasch vom Band genommen haben, stehen draußen schon Busse und Taxis bereit, um die Touristen zu den verschiedenen Hotels zu bringen. Es ist noch früh, vor 8 Uhr morgens, die Sonne scheint und vom Flugplatz aus werfen wir einen ersten Blick auf den prächtigen Tafelberg. Wir sind in Südafrika, unserer Ausgangsbasis für unsere Reise nach Namibia!
Wir entscheiden uns für den Bus, bezahlen 100 südafrikanische Rand und fahren ins Hotel. Unterwegs sehen wir schon einen Teil der Townships: Hütten aus Holz, Reklametafeln und allen möglichen Abfall. Das Ganze wird einfach aneinander gelehnt, so dass es nicht auseinanderfallt. Von der Straße aus ein deprimierender Anblick.
Wir brauchen kaum eine halbe Stunde zu unserem Hotel im Waterfront-Viertel, leider ist unser Zimmer noch nicht fertig. Aber das Warten lohnt sich, denn vom Fenster haben wir eine fantastische Aussicht auf dem Tafelberg. Er präsentiert sich von seiner schönsten Seite: Unter tiefblauem Himmel, kein Nebel, für heute werden 25° erwartet.
Oft ist der Zugang zum Tafelberg wegen zu viel Nebel und Wind geschlossen. Der Mann an der Rezeption bestellt ein Taxi und wir fahren in weniger als einer Viertelstunde durch die noch stille Stadt zur Talstation der Seilbahn. Seit 1997 ist hier eine neue Seilbahn in Betrieb, mit der circa 900 Menschen pro Stunde auf den Berg hinauf und herunter gebracht werden. Der Boden des Wagens dreht sich langsam, so dass man die imponierende Aussicht aus verschiedenen Winkeln betrachten kann. Wir bewundern die Aussicht.
Oben angekommen schlendern wir stundenlang umher und genießen den Anblick der rauen Felsenlandschaft und der prächtigen Wanderwege. Kleine Klippschliefer (Rockdassies) schießen wie große Murmeltiere links und rechts zwischen den Besuchern hindurch. Obwohl die Tiere anatomisch mit Pferden und Elefanten verwandt sind, ähneln sie in meinen Augen eher dicken, faulen Murmeltieren. Kleine, scheue Leguane sitzen keck in der Sonne und lassen sich manchmal fotografieren. Regelmäßig hören wir niederländische Touristen und oft auch das in unseren Ohren etwas hart klingende Afrikaans. Wenn es langsam ausgesprochen wird, verstehen wir Niederländer das Afrikaans relativ gut. Vor allem Schilder und Reklamebotschaften auf südafrikanisch sind eine Lust für das Auge. Für mich klingt die Sprache etwas kindlich, aber angenehm in den Ohren.
Hier auf dem Tafelberg ist die Atmosphäre angenehm und entspannt. Die Touristen sind ruhig und verteilen sich rasch. Vor weniger als 24 Stunden saß ich in meinem Wohnzimmer noch bei einer Tasse Kaffee - und jetzt sitze ich bei einem Cappuccino auf dem Tafelberg…
Südafrika zeigt sich uns von seiner schönsten Seite: Es ist herrliches Wetter, windstill und wir sitzen auf einem der schönsten Aussichtspunkte der Welt. Unbegreiflich, dass Menschen auch hier auf der Terrasse noch telefonieren: Immer wieder klingeln Handys, Hände greifen hastig nach den Telefonen und es folgen lautstarke irritierende Gespräche, die andere Besucher absolut nicht interessieren. Viel lieber wollen wir ungestört in der Ferne die Wale im klaren, blauen Wasser des Atlantischen Ozeans spielen sehen…
Wir nehmen die Seilbahn zurück und entschließen uns, in Richtung Stadtzentrum zu spazieren und dort ein Taxi zu nehmen. Der angenehme Weg führt an stark gesicherten Häusern entlang. Laut unserem Reiseführer hat Kapstadt mehr als eineinhalb Millionen Einwohner, aber die Stadt erscheint mir ungewöhnlich still: Kaum Verkehr und wenige Fußgänger. Ohne dass wir es gemerkt haben, sind wir bereits im malaiischen Viertel angekommen und beschließen, auch das letzte Stück noch zu Fuß zu gehen. Erschöpft vom langen Marsch und rot verbrannt schleppen wir uns Richtung Waterfront und sinken auf der erstbesten Terrasse auf die Stühle.
Das gemütliche Viertel Waterfront besteht aus Häfen, Geschäften, Terrassen und Restaurants. Nach reichlicher Zuführ von Flüssigkeit und einem großen Sack salziger Chips haben wir wieder genug Energie, um zu unserem Hotel zu gelangen. Die Breakwater Lodge ist ein gemütliches Hotel. Früher scheint es ein berüchtigtes Gefängnis gewesen zu sein, daran erinnern aber nur noch die dicken Mauern.
Nach einer erfrischenden Dusche und der Behandlung aller rot verbrannten Stellen gehen wir zurück zur Waterfront und suchen ein nettes Restaurant. Auswahl gibt es genug! Der mehr als 1000m hohe Tafelberg setzt sich eine Wollmütze auf, er verschwindet langsam unter dicken Wolken.
Morgen wird bestimmt wieder ein schöner Tag - und in Afrika schwindet meine holländische Grippe rasch dahin…
Nach einer geruhsamen Nacht beginnt für uns ein neuer Tag in Kapstadt. Die Aussicht aus dem Fenster zeigt wieder den Tafelberg in der Sonne. Seinen Namen verdankt er seinem flachen Gipfelplateau. Auf dem Berg sind keine Menschen zu sehen und das Gebäude der Seilbahn verschmilzt mit den Farben des Berges.
Gegenüber dem Hotel steht auf demselben Gelände die Universität, da können wir frühstücken. Die Auswahl ist groß, und wir stärken uns draußen auf der Terrasse.
Um 9:00 Uhr fährt das Fährboot ab zum Robben Island, der berüchtigten Gefängnisinsel 11 Kilometer vor der Küste. Seehunde spielen links und rechts vom Schiff im Wasser, immer wieder ein heiterer Anblick. Das Wasser ist unglaublich klar und die Insel ist schnell erreicht. Sie genießt einen traurigen Ruhm, weil auf ihr der berühmteste Gefangene des 20. Jahrhunderts eingesperrt war: Nelson Mandela.
Unvergesslich sind die Fernsehbilder, auf denen er zusammen mit seiner damaligen Frau im Februar 1990 das Gefängnis verließ. Es wurde weltweit live im Fernsehen übertragen. Wegen seiner Prinzipien und seines Glaubens an ein freies Südafrika für alle Menschen ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihres Glaubens oder ihrer Rasse saß er 27 Jahre in Haft. Ohne seiner Überzeugung jemals untreu geworden zu sein und ohne Hass ging er schließlich 1990 der Freiheit entgegen. Einige Jahre später war er der erste schwarze Präsident Südafrikas: Die höchste denkbare Bestätigung seiner Überzeugungen. Mandela ist für mich der Mann des 20. Jahrhunderts.
Früher war die Insel unter anderem eine Kolonie für Leprakranke, danach befand sich dort bis 1996 ein strenges und grausames Gefängnis für politische Gefangene und echte Kriminelle.
Vom Schiff aus gehen wir zum Bus, mit dem wir eine Rundfahrt auf der Insel machen. Der Führer ist durch den Lärm des Motors und die lautstarke Unterhaltung einiger französischer Touristen hinten im Bus nur schwer zu verstehen. Die Insel ist auch heute noch bewohnt und hat circa 190 Einwohner. Außerdem leben dort Tausende von Pinguinen, die wir aber leider nicht zu sehen bekommen. Dafür sehen wir verschiedene Arten von Springböcken, Straußen und Bontebok-Antilopen, zierliche und elegante Tiere, die unseren Hirschen ähneln. An verschiedenen Stellen stehen noch Bunker und Kanonen, Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Friedhof für die Leprakranken, eine Kirche, eine Moschee, eine Schule und Häuser für das Personal - es ist eine Welt für sich. Bei den Mergelhöhlen können wir sehen, wo früher Hunderte Gefangene in Wind und Wetter, Sonne und Hitze Steine hacken mussten. Ich kann der Versuchung nicht widerstehen und stecke mir rasch ein Stück Mergel in die Tasche.
Beim großen Gefängnis erwartet uns ein früherer politischer Gefangener und gibt uns eine Führung. Ironischer weise arbeiten frühere politische Gefangene und ihre früheren Bewacher jetzt auf der Insel zusammen, und schwarze und weiße Kinder besuchen dieselbe Schule.
Lionel Davies hat hier sieben Jahre als politischer Gefangener gesessen. Im Innenhof erzählte er uns ausführlich die Geschichte von Robben Island und über Nelson Mandela.
‚Die politischen Gefangenen wurden von den echten Kriminellen getrennt. Auch im Gefängnis galt strenge Apartheid. Die Weißen bekamen Betten, Schwarze mussten auf dem kalten Betonboden schlafen. Mischlinge und Inder hatten es wieder etwas besser als die Schwarzen. Es war die Hölle‘, erzählt Lionel.
Es durfte nur Afrikaans oder Englisch gesprochen werden. Wir sind tief beeindruckt, selbst die ansonsten so gesprächigen französischen Touristen werden still.
‚Durch Hungerstreiks und Druck von außen verbesserten sich langsam die Lebensumstände. Später wurde auch die Arbeit in den furchtbaren Mergelgrotten abgeschafft und man durfte etwas Sinnvolles tun. So hat Nelson Mandela hier die Grünanlagen angelegt‘, erzählt er und weist auf die Pflanzen im Innenhof.
‚Es gab auch die Gelegenheit zu studieren. So wurden auch manche Bewacher angeregt irgendetwas zu lernen. Die politischen Gefangenen suchten den Dialog mit den Bewachern. Ein glücklicher Umstand war dabei, dass die meisten politischen Gefangenen gut gebildete, intelligente Menschen waren, die einem Gespräch nicht aus dem Weg gingen. Dank Studium und Dialog entstand bei einigen Bewachern ein gewisses Verständnis. Das Gute an der Situation der politischen Gefangenen war, dass wir gezwungen waren zusammenzuarbeiten. Man konnte sich absolut nicht auf seine Rasse, Herkunft, Sprache oder politische Richtung berufen. Wir mussten gemeinsam etwas erreichen, indem wir für andere offen standen und Verständnis zeigten. Wir setzten uns für die anderen ein und hatten einen Sprecher, der uns vertrat. Im Gegensatz dazu dachten die echten Kriminellen nur an sich selbst und erreichen deshalb viel weniger‘, so beschließt er seinen Bericht.
Der Blick in die Zelle ist tief beeindruckend: Sie misst ganze ist 2 x 3m. Hier war Nelson Mandela 18 von insgesamt 27 Jahren im Gefängnis eingesperrt. Der Kontakt mit der Außenwelt war auf ein Minimum reduziert und an unzählige Vorschriften gebunden. Erlaubt war ein Brief mit 500 Wörten in sechs Monaten. Alles wurde zensuriert und erbarmungslos abgeschnitten, wenn der Brief auch nur ein Wort zu lang war. Besuche waren äußerst seltsam, nur ein Familienmitglied im halben Jahr, das außerdem mindestens 16 Jahre alt sein musste. Man durfte sich nicht berühren, der Besucher saß hinter einer Glaswand. Die meisten Kinder sahen ihre Väter zum ersten Mal im Alter von 16 Jahren. Unvorstellbar das Ganze, vor allem weil es sich noch in jüngster Vergangenheit abgespielt hat. Es gab Pläne, die Gefängnisinsel zu einer Luxus-Ferieninsel umzubauen, die aber glücklicherweise nicht realisiert wurden. Es wäre ein unvorstellbarer Gedanke, dass ein reicher Tourist in Zelle 5 übernachten würde….
Still gehen wir zur zum Fährschiff zurück und stehen eine halbe Stunde später wieder im lebhaften modernen Waterfront. Dort sind alle Geschäfte geöffnet, und wir machen Einkäufe für unsere Reise nach Namibia. Morgen können wir den Mietwagen abholen und dann fängt die Reise richtig an. Den Rest des Monats haben wir Zeit genug, um Namibia zu entdecken bevor wir am 30. November wieder ins Flugzeug steigen.
Es gibt alles Mögliche zu kaufen, aber leider keine Klappstühle. Da wir zelten, wollen wir gerne Klappstühle für uns beide haben, die sind aber nirgendwo zu haben.
Bevor wir den Wagen abholen, rufe ich in den Niederlanden an. Ich habe vergessen, dass es dort 1 Stunde früher ist und klingle meine Mutter aus dem Bett, sie nimmt‘s mir aber nicht übel.
Wir gehen zum Büro von Avis, wo das Auto bereitsteht, das wir von den Niederlanden aus gemietet haben. Es ist ein knallroter Volkswagen Polo, mit ganzen 662km auf dem Tacho. Da wir nach Namibia wollen und vielleicht auch nach Botswana, bitten wir um einen ‚Letter of Authority‘. Mit diesem Dokument können wir problemlos die Grenze überqueren
Man muss sich erst einmal daran gewöhnen, dass hier links gefahren wird. Jan fährt rasch zurück zum Hotel, wo noch unser Gepäck steht.
Alles passt in den Kofferraum und auf die Rückbank, es ist sogar noch Platz übrig.
Bevor wir Kapstadt endgültig verlassen, wollen wir noch eine E-Mail an Freunde und Verwandte senden. Im Kommunikationszentrum von Waterfront geht das problemlos, außerdem können wir gleich unsere eigenen E-Mails ansehen. Noch schnell die letzten Einkäufe, und schon sind wir unterwegs zum Kap der Guten Hoffnung, dem südwestlichsten Punkt Afrikas.
Die Straße ist wunderschön, überall sind Picknickplätze und herrliche Aussichtspunkte auf den atlantischen Ozean. Wie überall auf der Welt, muss man für den Blick auf die Natur bezahlen.
40 Südafrikanische Rand ärmer und ein schlappes Prospekt reicher fahren wir zum Kap der Guten Hoffnung.
Natürlich wollen wir ein Foto mit dem weltberühmten Schild, aber das wollen zwei Busse voller Japaner auch. Mit etwas Geduld gelingt es schließlich. Überall stehen Schilder, dass es verboten ist die Paviane (bobbejanen) zu füttern. Aber so viel wir auch suchen, wir sehen keinen einzigen Affen.
Auf dem Rückweg stehen an einer Kreuzung viele Karren mit wunderschönen Holzschnitzereien, afrikanischen Teppichen, Schmuck und vielen prächtigen Kishi-Statuen. Ich kann nicht widerstehen und kaufe ein paar schöne silberne Ohrringe. Gott sei Dank findet die Marktfrau, dass ich einen speziellen Preis verdiene, und für 20 Südafrikanischer Rand wechseln die Ohrringe den Besitzer.
Auf einmal halten einige Autos mitten auf der Strecke – und da sind sie dann: Paviane sitzen, laufen, springen und spielen auf der Straße. Sie wirken sehr groß und etwas bedrohlich und ich fotografiere sie aus der Entfernung. In Vishoek können wir endlich ein paar Klappstühle kaufen.
Gegen Abend finden wir einen Campingplatz in Muizenberg. Ein paar Wohnwägen stehen da, und das Gras ist übersät mit Entendung. Wir bauen das neue Zelt auf, richten das Auto für eine Reise von einigen Wochen ein, klappen die Stühle auf, essen ein paar Brötchen und einen Becher Joghurt und fühlen uns wie Gott in Frankreich.
Das Duschwasser ist warm und ein einsamer Bewacher grüßt uns, bevor wir in die Stadt fahren um dort eine Tasse Kaffee zu trinken. Nach kurzer Suche finden wir zwei Plätze in einem Café. Die gesamte Einrichtung ist bereits weihnachtlich geschmückt und die Musik dröhnt. Wir setzen uns in eine Ecke, endlich habe ich Zeit an meinem Tagebuch zu arbeiten.
Regen und Wind schlagen auf unser Zelt, aber unsere neue Unterkunft hält sich prima. Wir wachen jedoch immer wieder auf und kriechen schließlich um 6 Uhr aus dem Zelt. Inzwischen ist es trocken geworden, und um 7.00 Uhr fahren wir schon Richtung Springbok. Heute ist ein Reisetag.
Es ist still auf der Straße, nur ab und zu ein Auto; regelmäßig sehen wir Menschen, die an der Straße entlanggehen, nur schwarze Menschen. Auch in öffentlichen Verkehrsmitteln sieht man nur selten Weiße. Schwarze und Weiße arbeiten zwar zusammen, auf den ersten Blick ohne Probleme. Man sieht sie jedoch nur selten gemeinsam unterwegs. Reinigungsarbeiten werden nur von schwarzen Menschen durchgeführt, und in alten Autos sieht man fast nie einen Weißen. Alte und verfallene Häuser werden fast immer von Farbigen bewohnt. Genaueres über die Beziehungen weiß ich nicht, jedenfalls sind alle Menschen uns gegenüber sehr hilfsbereit. Im Übrigen wäre es wohl anmaßend, nach einigen Tagen in Südafrika schon eine eindeutige Meinung zu haben.
Von Muizenberg fahren wir Richtung Stellenbosch; dem Weinanbaugebiet von Südafrika. Viele Weingüter mit niederländisch klingenden Namen. Die Route ist schön und abwechslungsreich, romantisch kahl und dann wieder grün.
Bei Malmesburg nehmen wir die N7. Jan sucht nach großen und kleinen Wildtieren. Wir sehen verschiedene Vögel, Schildkröten, Strauße, Esel und ich entdecke an der linken Straßenseite einen Springhasen. Gestern haben wir in Kapstadt zwei Bücher gekauft: Einen Vogelführer und ein kleines Buch mit den am häufigsten vorkommenden Säugetieren. Immer wieder blättern wir in den Büchern auf der Suche nach dem richtigen Namen für das, was wir um uns herum sehen.
Das Wetter hält sich gut und wir kommen schnell voran. Ein paar Stunden übernehme ich das Steuer von Jan; man muss sich sehr daran gewöhnen, vor allem das Schalten mit der linken Hand bleibt verwirrend.
Um 14:30 Uhr und 640km weiter parken wir das Auto in Springbok. Etwas außerhalb von Springbok gibt es einen Campingplatz mit einem Caravanpark De Kokerboom.
‚Sucht euch nur einen Platz, wo ist egal. Für zwei Personen kostet es 40 südafrikanische Rand‘, antwortet der Mann am Empfang. Es Platz sieht prima aus: Großzügige Plätze, ein Grillplatz (Braai), gute Sanitäranlagen und eine schöne, raue und einsame Landschaft. In den kahlen, spärlich bewachsenen Hügeln wird bis zum heutigen Tag Kupfer abgebaut.
Springbok ist die Hauptstadt von Namaqualand und Verwaltungszentrum des Gebietes. Zugleich ist es die letzte Station für Reisende unterwegs nach Namibia. Noch circa 100km und dann sind wir an der Grenze.
Sobald die Sonne hinter den Felsen verschwindet, verschwindet auch die Wärme. Wir packen unsere langen Hosen und Fleece-Jacken aus. Jan kocht ein schmackhaftes Essen auf dem Benzinkocher und gegen acht Uhr liegen wir schon im Zelt. 10 Stunden Schlaf pro Nacht sind in unserem Urlaub ganz normal.
Am prächtigen, tiefblauen Himmel kann ich am nächsten Morgen auch mit Mühe kein Wölkchen weit und breit entdecken. Schon um 8.30 Uhr stehen wir an der Grenze zu Namibia in Noordoewer am Oranje-Fluss. Der Grenzübergang ist 24 Stunden täglich geöffnet, aber es ist nicht viel los. Südafrika zu verlassen ist genauso einfach wie nach Namibia einzureisen. Wir werden rasch und freundlich bedient, bekommen ein Visum für 90 Tage in unseren Pass gestempelt und 10 Minuten später machen wir bereits ein Foto von dem Schild, das uns herzlich willkommen heißt. Obwohl sich in der Landschaft vieles wiederholt, wird es nie langweilig. Große, wilde Felsformationen werden von Elektrizitätsmasten gesäumt. An beiden Seiten der gut gepflegten Asphaltstraßen stehen lange Umzäunungen. Soll damit das Wild gegen den spärlichen Verkehr geschützt oder die Reisenden hinter dem Zaun gehalten werden? Auf jeden Fall bleiben wir auf der Straße. Obwohl die Landschaft unwirtlich ist, fährt man entspannt und angenehm. Nach etwas mehr als 50km biegen wir links auf eine nicht asphaltierte Piste nach Ai-Ais im Fish River Canyon ab, unserem heutigen Ziel. Wir hätten auch die asphaltierte C10 nehmen können, aber es wären dann 50km mehr. Ich nehme die Piste, die prima befahrbar ist.
Man wähnt sich hier auf dem Mond. In der Ferne manchmal Anzeichen von Zivilisation, einmal ein Fußgänger. Auf halbem Weg halten wir an und machen unser erstes 1000km-Foto.
Als wir 1995-1996 mehr als drei Monate in Australien unterwegs waren, haben wir nach jeweils 1000km ein Foto vom Auto, Jan, mir oder von der Umgebung gemacht. So machen wir es auch in Afrika, obwohl wir diesmal sicher keine 23.000km fahren, sondern eher 8000.
Ich lasse das Auto einfach mitten auf der Straße stehen, es kommt doch niemand. Dann mache ich ein Foto. Es ist totenstill, keine zwitschernden Vögel, nichts. Noch nie habe ich eine solche Stille erlebt. Wir gehen ein Stück von der Straße weg, klappen unsere Stühle aus und trinken Kaffee. Irgendwo finde ich ein Päckchen Waffeln und wir essen sie mitten in dieser abgeschiedenen Welt. Ein merkwürdiges Gefühl.
In regelmäßigen Abständen muss man wegen der Wildgitter bremsen, die man nur langsam überqueren kann. Bei einem der Gitter stehen zwei Autos mit Allradantrieb. Es sind Touristen, ich hupe und wir winken. Sie schauen nicht gerade begeistert, wahrscheinlich gefällt ihnen nicht, dass wir mit einem normalen Auto auf dieser Straße fahren können.
