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Germania Inferior (Niedergermanien) im Jahre 120 n.C.: Ein kleines Dorf in der Nähe der Stadt Novaesium (dem heutigen Neuss) wird durch den neuen Präfekten zerstört, als die Bewohner nicht in der Lage sind, erhöhte Abgaben zu entrichten. Im Affekt tötet Iska den Mörder ihres Vaters, einen römischen Soldaten. Ihr bleibt nur die Flucht, die ihr schließlich mit Hilfe eines jungen Kriegers knapp gelingt. Ihr Bruder, sowie die anderen Bewohner des Dorfes, werden von den Römern verschleppt und versklavt. Iska findet Unterschlupf und Freunde beim Stamm der Sugambrer. Jedoch wird sie dort in Intrigen verstrickt und aus dem Dorf verbannt. Als eines Tages die Römer das Dorf angreifen und dem Erdboden gleichmachen, muss Iska erneut fliehen. Mit drei Freundinnen gelingt es ihr, sich zu den befreundeten Brukterern durchzuschlagen. Doch der Gedanke an ihren Bruder lässt Iska keine Ruhe und alsbald eröffnet sich ihr eine Möglichkeit, über den Rhenus und hinter den Limes zurückzukehren. Der Plan, ihren Bruder wiederzusehen und vielleicht sogar zu befreien, nimmt Gestalt an. Nach einem Umweg über die Insel Britannia gelangt Iska schließlich unter römischer Obhut in die Colonia Ulpia Traiana (beim heutigen Xanten). Wird sie dort ihren Bruder wiedersehen?
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Seitenzahl: 635
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Jürgen Ruhr
Iska - Die Flucht
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Inhaltsverzeichnis
Titel
-
Vorwort
Prolog
I. Das Geheimnis
II. Das Versprechen
III. Der Mord
IV. Das Versteck
V. Die Flucht
VI. Die erste Liebe
VII. Der römische Soldat
VIII. Über den Rhenus
IX. Eingeschlossen
X. Die Patrouille
XI. Das Dorf
XII. Die weise Frau
XIII. Die Entscheidung
XIV. Alltagsleben
XV. Schwertübungen
XVI. Der Magister
XVII. Verbannung
XVIII. Nerkus Geheimnis
XIX. Die Wölfe
XX. Omko
XXI. Der Traum
XXII. Wibke
XXIII. Germar
XXIV. Der Angriff
XXV. Die Höhle
XXVI. Der Fiebertraum
XXVII. Der Einsiedler
XXVIII. Das verlassene Dorf
XXIX. Die Brukterer
XXX. Die Räuber
XXXI. Der Plan
XXXII. Die Friesen
XXXIII. Die Überfahrt
XXXIV. Britannien
XXXV. In Gefangenschaft
XXXVI. Die Befreiung
XXXVII. Der Centurio
XXXVIII. Marius Satius
XXXIX. Die Geschichte
XXXX. Die List
XXXXI. Die Abreise
XXXXII. Colonia Ulpia Traiana
XXXXIII. Antonius Lucus Plorilior
XXXXIV. Hadrian
Epilog
Erläuterungen
Über den Autor
Impressum neobooks
Iska - Die Flucht
Roman
© by Jürgen H. Ruhr
Mönchengladbach
Im Jahr 122 a.D. weilte der Kaiser Publius Aelius Hadrianus (Hadrian) in der römischen Provinz Niedergermanien und in der Stadt Colonia Ulpia Traiana.
Die folgende Geschichte ist frei erfunden, basiert aber auf diesem realen geschichtlichen Hintergrund.
Freundlich schien das Sonnenlicht auf die kleine Lichtung. Bunte Sommerblumen bildeten einen duftenden Teppich und schmiegten sich an die Körper eines Jungen und eines Mädchens. Der süße Duft des Sommers lag in der Luft und betäubte die Sinne.
Träge drehte sich der Junge zur Seite und stützte seinen Kopf in die Hand. „Was hast du da?“ Er sprach die Worte unter mühsam unterdrücktem Gähnen aus. Langsam ließ er den Blick von dem Mädchen über die sonnendurchflutete Lichtung bis zum Waldrand schweifen. Ein leichter Wind spielte in den Baumwipfeln. Sanftes Rauschen hüllte die beiden jungen Menschen ein. Am Himmel segelten kleine weiße Wölkchen langsam dahin. Ein Hase hoppelte durch das dichte Gras, blickte neugierig auf die beiden Personen und setzte seinen Weg dann fort. Der Junge beobachtete das Tier versonnen und ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Ihrer Aufgabe, Beeren im Wald zu sammeln, waren sie rasch nachgekommen. Die kleinen Weidenkörbe waren voll reifer, lecker riechender Früchte und es blieb ihnen sogar noch Zeit für ausreichend Müßiggang. Der Junge dachte an die vielen Beeren, die sie direkt gegessen hatten. Jetzt genossen sie satt und zufrieden die warmen Strahlen Sunnas. Erneut schaute er zu dem Mädchen. „Iska, komm sag schon, was hast du gefunden?“
Seine Schwester antwortete nicht. Verträumt hielt sie ihren Fund gegen die Sonne und war ganz vertieft in den Anblick. Sie schien dieser Welt vollkommen entrückt zu sein. Jetzt wurde der Junge erst recht neugierig. Er setzte sich auf. „Iska, wenn du mir nicht sofort sagst, was du da in der Hand hältst, dann komme ich zu dir herüber!“ Angesichts seiner augenblicklichen Trägheit waren das mutige Worte, denn er beabsichtigte jetzt bestimmt nicht, sich mehr als unbedingt notwendig zu bewegen.
Doch die Drohung schien Wirkung zu zeigen. Seine Schwester wandte den Blick von ihrem Fund ab und sah den Jungen an. „Ich weiß nicht, was es ist. Aber nachdem ich den Dreck abgekratzt habe, erschien ein Bild darauf und wenn ich es in die Sonne halte, leuchtet es gelb.“
Schließlich siegte die Neugier des Jungen doch und langsam erhob er sich. „Zeig doch mal.“
Iska hielt ihm den kleinen Gegenstand hin. „Hier, Wiborg, aber mache es nicht kaputt!“
„Keine Sorge, ich bin doch kein kleines Kind.“ Wiborg nahm seiner ein Jahr jüngeren Schwester den Gegenstand vorsichtig aus der Hand. „Hmm, das ist das Bild einer Frau mit einer Ähre; vielleicht eine Göttin?“
„Eine Göttin? Ich kenne keine solche Göttin. Könnte es eine Göttin der Römer sein?“ Iska hielt bittend die Hand auf.
Wiborg überlegte. „Vielleicht. Auf jeden Fall muss es jemand um den Hals getragen haben. Siehst du das kleine Loch dort? Da lässt sich bestimmt eine Schnur durchziehen.“ Er gab es Iska zurück.
Die schaute ihren Bruder fragend an: „Was für ein Material könnte das sein? Ich habe so etwas noch nie gesehen.“
Wiborg legte die Stirn in Falten. Mit seinen siebzehn Jahren war er zwar fast schon ein Mann, doch auch er fand nicht auf alle Fragen eine Antwort. „Also, ein Metall ist es nicht, dafür ist es zu leicht. Und Holz ist es auch nicht. Und die Sonne scheint hindurch.“ Dann kam ihm eine Idee. „Wir sollten es Thoralf, dem Dorfältesten, zeigen. Der kann uns bestimmt sagen, um was es sich handelt!“
Langsam nickte Iska. „Ob ich es behalten darf?“
„Bestimmt, wir machen ein Band dran und du kannst es um den Hals tragen. Vater wird sicherlich nichts dagegen einzuwenden haben.“
Beide Kinder saßen jetzt nebeneinander im Gras und schauten gedankenverloren auf das Fundstück in Iskas Hand. „Wer mag so etwas hier verloren haben?“ Das Mädchen war schon immer ein wenig träumerisch veranlagt gewesen und in ihrer Phantasie sah sie eine hochgewachsene Römerin über die Lichtung schweben, das Medaillon um den Hals. Lachend folgte ihr ein festlich gekleideter Mann und als er die schöne Römerin einholte und die Arme um sie schlang, zerriss das Band, das das Medaillon hielt. Aber weder der Römer, noch die Frau bemerkten es, sondern fanden jetzt im innigen Kuss zueinander.
Wiborg bemerkte, dass Iska wieder einmal in ihre Phantasiewelt entrückt war und mit einem Schmunzeln auf den Lippen hauchte er seiner Schwester einen Kuss auf die Wange. „Komm in die Realität zurück, Schwesterchen! Wer weiß, wie das Ding hier hingekommen ist.“ Iska gab ihm einen Stups in die Seite. „Lass das, du gemeiner, gemeiner ...“ Ihr Satz ging im Lachen ihres Bruders unter. Dann musste sie plötzlich auch lachen und übermütig ließen sie sich nebeneinander in das weiche Gras plumpsen.
So lagen sie dort eine ganze Weile, schon nachdem sie sich lange beruhigt hatten, und schauten in den blauen Himmel. Hin und wieder verdunkelte eine weiße Wolke ein wenig die Sonne und wenn Iska jetzt nicht plötzlich aufgesprungen wäre, hätte der Schlaf zumindest Wiborg übermannt. „Was ist jetzt los? Warum springst du auf?“, murmelte er träge und ein wenig mürrisch. Seine Gedanken wanderten eben noch durch ihr kleines Dorf und verweilten bei einem Mädchen namens Elfrun. Und dieser Name passte auch wirklich zu ihr. Immer wenn Wiborg an sie dachte, wurde ihm ganz warm ums Herz. Und jetzt störte seine kleine Schwester schon wieder seine Träume ...
„Hast du vergessen, was du mir versprochen hast?“
Wiborg wurde ernst. Was seine Schwester da plante, und was er im hitzigen Eifer eines Spieles so voreilig versprochen hatte, war kein Spaß mehr. „Iska, was du da tun willst, ist dumm. Du wirst deiner Heirat mit Guntram nicht entgehen. Im Gegenteil. Vater wird sehr böse werden und du beziehst wieder einmal Prügel!“
Darin war Iska ganz groß: Es schien ihre Bestimmung zu sein, gegen Regeln und Gebote ihres Vaters zu verstoßen. Regelmäßig war er dadurch gezwungen, sie zu verprügeln. Allerdings blieb die Frage offen, wer dabei mehr Schmerz verspürte, sie oder ihr Vater. Iska verzog trotzig den Mund. „Ich will Guntram nicht heiraten. Ich liebe ihn nicht.“
„Liebe, Liebe. Man heiratet nicht aus Liebe. Wo hast du denn solch einen Unsinn her? - Liebe!“ Wiborg schüttelte den Kopf. Dabei dachte er erneut an Elfrun. Empfand er da etwa so etwas wie Liebe? Noch war das Mädchen niemandem versprochen.
Iska sah ihren Bruder ernst an: „Du hörst dich genauso an wie Vater. Aber ich will Guntram einfach nicht. Er ist widerlich und grob - und dumm“, fügte sie nach kurzer Überlegung hinzu.
Wiborg erkannte, dass es mit der Ruhe nun endgültig vorbei war. Unwillig stand er auf, trat zu Iska und sah ihr direkt ins Gesicht. „Iska, wo hast du so wirres Zeug her? Guntram ist nicht dumm.“
„Guntram ist dumm!“ Iska verschränkte die Arme vor der Brust.
„Ist er nicht“, konterte ihr Bruder.
Iska schüttelte den Kopf. „Das sagst du nur, weil ihr Freunde seid!“
Wiborg ballte die Hände zu Fäusten. Seine Schwester unterschied sich so sehr von den anderen Frauen und Mädchen im Dorf ... Immer wollte sie alles ganz genau wissen. Immer musste sie so viele Fragen stellen. Fragen, auf die kaum jemand eine Antwort fand. Wiborg öffnete die rechte Faust und hob fragend die Hand. „Warum soll Guntram dumm sein? Iska, bist du schlau? Und woran willst du dumm und schlau erkennen?“
Iska schaute erst zu Boden, dann auf den kleinen Gegenstand in ihrer Hand. „Nun, ich, ich ...“
„Aha, du? Ja, du bist also schlau?“
„Nun, Thoralf hat gesagt ...“
Wiborg schaute seine Schwester unverwandt an: „Thoralf hat gesagt! Thoralf ist ein alter Mann, der selbst noch einmal gerne eine junge Frau nehmen würde. Willst du etwa Thoralf heiraten?“
Iska schüttelte ernst den Kopf. „Nein, Thoralf meinte nur, ich sei nicht dumm und ich könnte Lesen und Schreiben und die Sprache der Römer lernen und ich könn...“
Wiborg fiel ihr in den Redefluss: „Iska, das sind doch Hirngespinste. Wir sind einfache Bauern und was dir Thoralf da an Flausen in den Kopf setzt, das ist dumm. Wozu soll das denn alles gut sein? Kannst du besser das Feld bestellen oder Schafe hüten, wenn du die Sprache der Römer sprichst? Oder kannst du besser Kinder bekommen und aufziehen oder das Essen für deinen Mann zubereiten oder ...“
Jetzt war es Iska, die ihrem Bruder ins Wort fiel. „Ich könnte in eine der Römersiedlungen gehen. Thoralf sagt, die Siedlungen sind so groß, dass sehr viele Menschen darin Platz finden. Und man kann dort arbeiten und bekommt dann immer genügend zu essen und eine eigene Hütte, die man nicht mit der Familie und dem Vieh teilen muss! Und die Römer nennen die Hütte Haus un...“
„Noch niemals ist jemand von uns in eine Römersiedlung gegangen!“ Wiborg wurde plötzlich sehr verschlossen und abweisend, ja beinahe wütend. „Die Römer sind schlechte Menschen, die von dem Wenigen was wir haben, immer einen großen Teil verlangen, so dass für uns kaum etwas zum Leben bleibt. Danach solltest du den Dorfältesten einmal fragen. Oder frage Vater!“
Iska, die mittlerweile vor ihrem Bruder stand, stampfte trotzig mit dem rechten Fuß auf: „Thoralf sagt, die Römer geben uns Schutz. Dafür müssen wir sie entlohnen.“ Sie schaute herunter auf ihre nackten Füße, die sich braun von der Sonne auf dem grünen Gras abmalten. „Thoralf meint, wenn wir mit den Römern mehr Handel treiben würden und weniger feindlich zu ihnen wären, dann ...“
Wiborg nahm die Hand seiner Schwester und drückte sie fest. In dieser Beziehung gingen ihre Meinungen stark auseinander. Wollte oder konnte seine Schwester nicht verstehen, was durch die Römer mit ihnen geschah? Gut, sie kannten kein anderes Leben - aber jenseits des großen Flusses wohnten noch freie Menschen. Freie Germanen, die ihre eigenen Regeln und Gesetze besaßen. Denen kein Römer das Handeln vorschrieb und denen kein Römer die Nahrung nahm.
„Iska, schau mich an. Die Römer haben unser Land überfallen und wir müssen für sie arbeiten. Diese Soldaten verlangen einen großen Teil unserer Ernten. So bleibt kaum etwas für uns und im Winter haben wir nie genug zu essen. Du redest von Sicherheit, von Schutz - pah, in früheren Zeiten haben wir uns selbst verteidigt. Wir waren Kämpfer und unsere Brüder jenseits des großen Flusses, den die Römer Rhenus nennen, sind es immer noch. Dort herrscht Freiheit und kein Römer wagt es seinen Fuß dorthin zu setzen - und wenn doch, so werden sie glorreich zurückgeschlagen.“
Auf Iskas Gesicht spiegelte sich Entsetzen. Schaudernd entzog sie ihrem Bruder die Hand. „Wiborg - du sprichst wie ein Krieger. Wir sind zivilisierte Menschen, wir leben unter römischem Schutz. Auch wenn wir einen Teil unserer Ernte - wie du sagst - abgeben, so ist es doch besser, als immer kämpfen zu müssen. Und zu sterben“, fügte sie noch hinzu und schüttelte sich bei dem Gedanken an den Tod.
Wiborg beruhigte sich allmählich wieder etwas. Er musste einfach akzeptieren, dass seine Schwester in dieser Beziehung völlig andere Vorstellungen hegte als er. Trotzdem durfte er nicht aufgeben, sie von der Wahrheit zu überzeugen. Zu klein war Iskas Welt, als dass sie die Zusammenhänge erkennen könnte. Im Stillen musste Wiborg zugeben, dass seine eigene Welt ja auch nicht viel größer war. Zärtlich legte er eine Hand auf die Schulter seiner Schwester. „Iska, der Dorfälteste Thoralf ist ein alter Mann. Sicher mag er sich mit den Römern arrangieren und mit ihnen auskommen - und unser Dorf respektiert seine Entscheidung und die des Dorfrates - aber es gibt auch andere Stimmen!“
„Andere Stimmen? Wer, Wiborg, wer spricht so?“
Wiborg schaute verlegen zu Seite. „Das kann ich dir nicht sagen. Es ist ja auch nicht so wichtig. Schau, dort am Waldrand - ein Reh.“ Und wirklich schien sein Ablenkungsmanöver Wirkung zu zeigen, denn Iska betrachtete fasziniert das Tier, das friedlich und ohne sich durch die Menschen stören zu lassen, am Waldrand graste. Beide betrachteten es eine Weile und hingen ihren Gedanken nach.
Doch Wiborg freute sich zu früh und rechnete nicht mit der Hartnäckigkeit seiner Schwester. Die wandte sich abrupt wieder zu ihm um: „Gibt es jemanden in unserem Dorf, der solche Zwietracht sät?“
„Nein, Iska, lass es gut sein. Ich möchte dich nicht in Gefahr bringen.“ Das sollte beschwichtigend klingen, erreichte bei seiner Schwester aber nur das Gegenteil. Jetzt war sie erst recht hellhörig geworden. Wiborg stellte sich auf einen längeren Disput ein.
„Gefahr? Wiborg du bringst uns alle in Gefahr! Sprich endlich, wer dir solche Dinge erzählt!“ Auffordernd sah sie ihren Bruder an und der ahnte, dass er zumindest um ein Teilgeständnis nicht herumkommen würde. Vor allem dann, wenn er verhindern wollte, dass ihr Vater oder der Dorfälteste von diesem Gespräch erfahren sollten. Im Stillen verfluchte der Junge sich für seine Geschwätzigkeit. Wieso hatte er nicht einfach seine Worte im Griff halten können? Dann atmete er tief durch: „Also, Iska, du musst mir versprechen, dass das, was ich dir sage, unser Geheimnis bleibt. Es besteht keine Gefahr, bestimmt nicht. Versprichst du mir, mit niemandem darüber ein Wort zu wechseln?“
Iska sah ihren Bruder ernst an, überlegte kurz und nickte dann. „Gut, ich verspreche es. Ich werde keinem Menschen ein Wort darüber erzählen.“
Doch das genügte Wiborg noch nicht: „Du musst es schwören - bei Donar!“
Iska warf jetzt zweifelnd einen Blick auf ihren Bruder: „Bei Donar? Muss das sein? Du übertreibst, Wiborg.“
„Wenn du nicht schwörst, erzähle ich dir garnichts! Dann bleibt es für ewig mein Geheimnis. Was auch besser so wäre“, fügte er leise hinzu.
Iska gab sich geschlagen. In dieser Beziehung konnte Wiborg eisern bleiben: Wenn sie nicht den gewünschten Schwur sprach, bekäme sie nicht ein einziges Wort seines Geheimnisses zu hören. Und was änderte denn schon so ein blöder Schwur? Sie wollte die Geschichte ja ohnehin niemandem erzählen. „Also gut, ich schwöre.“
„Du musst richtig schwören. Sage: Ich schwöre bei Donar, niemandem ein Wort von unserem Geheimnis zu berichten; ich schwöre bei Donar und wenn ich meinen Schwur breche, so soll mich Hödur in die dunkle Welt der Verdammnis tragen. Also, Iska, sprich diese Worte!“ Wiborg hob die rechte Hand und Iska tat es ihm nach. Feierlich sprach sie dann den geforderten Schwur und sah ihren Bruder dabei unverwandt an. Jetzt ergriff auch sie der Ernst der Situation.
Wiborg schien endlich zufrieden. Zustimmend nickte er. Jetzt war er bereit, sein Geheimnis preis zu geben. Bevor er sprach, sah Wiborg sich noch einmal um. Nein, sie waren allein auf der Lichtung. Was er jetzt zu sagen hatte, war ja auch nicht für fremde Ohren bestimmt. Eigentlich nicht einmal für Iskas Ohren. Einzig das Reh am Waldrand schaute ihnen kauend zu. „So, Iska, dieser Schwur wird uns beide nun ein Leben lang binden. Brich ihn nie, unter keinen Umständen, denn Hödur wird nicht nur dich, sondern auch mich strafen.“ Iska nickte mit ernster Miene, während sie den Arm sinken ließ.
„Dann sollst du nun mein Geheimnis erfahren!“ Wiborg sprach jetzt mit leiser Stimme und wieder einmal fiel Iska auf, dass ihr Bruder zum Mann wurde, dass er herangereift und kein Kind mehr war. So wie sie allmählich zur Frau wurde.
„Von Zeit zu Zeit streifen Männer von der anderen Seite des Flusses Rhenus durch unsere Wälder. Sie erkunden regelmäßig, wie wir leben und beobachten die Römer. Einmal bin ich durch Zufall auf einen von ihnen gestoßen und es war die Fügung der Götter, dass er mich nicht sofort umbrachte. Aber er war verletzt als ich ihn fand und ich konnte ihm helfen. Aus Dankbarkeit erzählte er mir von sich und unseren Brüdern und den Römern. Wir haben uns regelrecht angefreundet und alle paar Monde treffen wir uns erneut. Sein Name ist Sigmar. Das ist alles.“
Wiborg beendete hier seine Erzählung. Natürlich war das nicht alles, Iska brauchte ja nicht die volle Wahrheit zu erfahren. Deshalb schaute er seiner Schwester nun auch nicht ins Gesicht, sondern zu Boden.
Aber Iska kannte ihren Bruder und obwohl sie erst sechzehn Jahre alt war, entwickelte sie doch schon ein feines Gespür für Menschen. „Wiborg - schau mich an. Das war doch noch nicht alles?“
Wiborg schaute auf. „Doch, doch wirklich, mehr gibt es nicht zu berichten.“
„Wiborg - ich sehe mich nicht an unseren Schwur gebunden, wenn du mich belügst.“
Ihr Bruder wurde rot. „Nun, ja, hmm. Es gibt noch ein Geheimnis, aber ...“
Durch die ganze Heimlichtuerei wurde seine Schwester allerdings nur noch neugieriger. Jetzt bedrängte sie ihn: „Aber? Nun erzähle schon.“
„Sie werden mich töten, wenn ich darüber spreche! Ich habe versprochen, es niemandem zu erzählen.“
Iska nahm Wiborgs Hand und sah ihn fest an: „Aber sie werden niemals erfahren, dass du mit mir darüber gesprochen hast, Wiborg. Denk an unseren Schwur. Ich erzähle unser Geheimnis bestimmt keiner Menschenseele. Das habe ich doch bei Donar geschworen. Und dazu gehört auch, dass du mir die volle Wahrheit sagst!“
Wiborg gab sich geschlagen. Jetzt war er an einem Punkt angelangt, da er nicht mehr zurückkonnte. Wieder einmal schalt er sich dafür, überhaupt etwas angedeutet zu haben. Dann begann der Junge zu erzählen; zunächst stockend, nach und nach aber immer flüssiger: „Ja, also: Im Wald nahe unserem Dorf am kleinen Bach gibt es eine Lichtung auf der drei Bäume stehen, die sich zueinander neigen. Du kennst diese Stelle.“ Iska nickte bejahend. „Zwischen zwei Bäumen, genau in der Mitte, befindet sich eine Grube, die mit Baumstämmen, Erde, Laub und Sträuchern verschlossen ist.“
Iska schaute ihren Bruder fragend an: „Ja - und?“
Wiborg druckste ein wenig herum, sah aber ein, dass er jetzt alles erzählen musste. „In dieser Grube befinden sich Waffen und Schilde. Waffen der Römer und Waffen unserer germanischen Brüder. Und nicht nur Messer, wie wir sie tragen. Nein, Schwerter und Dolche, Schilde und Helme, aber natürlich auch Messer und Pfeile für Bögen. Teilweise Beutestücke von den Römern und teilweise Waffen, die über den Rhenus gebracht wurden. So und das ist nun wirklich alles!“
Iska sah ihren Bruder ernst an: „Du hast doch mit diesen Waffen nichts zu tun - oder?“
„Nein, bestimmt nicht. Ich weiß das nur von Erzählungen!“
Iska überlegte. Ihr Bruder sagte ihr die Wahrheit, soviel war gewiss. Bestimmt aber auch nicht die ganze Wahrheit. Dafür kannte sie Wiborg zu gut. Aber sie sah ein, dass es auch keinen Sinn machte, jetzt noch weiter in ihn zu dringen. Sie schaute zum Himmel. Sunna mit ihrem Sonnenwagen war mittlerweile ein ganzes Stück weitergewandert und bald würde es Zeit sein, heimzukehren. Wollte sie ihr eigentliches Vorhaben noch ausführen, so wurde es dafür langsam Zeit. Wieder überlegte sie, wie Wiborg am einfachsten zu überzeugen sei. Auf keinen Fall wollte sie Guntram heiraten, egal was sie dafür auch alles noch anstellen musste.
„Du hast es versprochen!“
„Was versprochen?“
„Na, dass du mein Haar kürzt, so dass ich wie ein Junge aussehe.“
Wiborg erkannte, dass Iska ihren Plan nicht aufgeben wollte. Wie sollte er ihr klarmachen, dass diese dumme Idee doch nur Ärger einbringen konnte? Das ganze Dorf würde sich über sie lustig machen und am Ende müsste sie Guntram doch heiraten. Was beschlossen war, das war halt beschlossen. Jeder wusste das, nur seine kleine, dumme Schwester nicht. Oder sie wollte es einfach nicht wissen!
Noch einmal versuchte er Iska von dem unsinnigen Plan abzubringen: „Iska, sei doch vernünftig. Es hat keinen Sinn. Vater und das ganze Dorf haben beschlossen, dass du Guntram heiratest. Guntram wird dir ein guter Mann sein, glaube mir. Und die Familie von Guntram ist nicht arm. Es wird dir also gutgehen. Dein dummer Plan, die Haare zu kürzen, wird an der Hochzeit nichts ändern!“ Versonnen betrachtete er ihre wunderhübsche Lockenpracht. Es wäre eine Schande diese schönen Haare einfach abzuschneiden. Iska war wirklich ein hübsches Mädchen und Guntram könnte sich eigentlich glücklich schätzen, solch eine hübsche Frau zu bekommen. Andererseits ...
„Es ist kein dummer Plan“, unterbrach Iska seine Gedanken. „Wenn Guntram erkennt, dass ich mehr ein Junge als eine Frau bin, dann wird er mich nicht mehr heiraten wollen! Auch wenn ich zum Gespött des ganzen Dorfes werde.“
„Das bildest du dir nur ein, Iska. Schau dich an, du bist ein hübsches Mädchen und wirst ihm eine gute Frau sein! Deine Haare werden nachwachsen und das Einzige, was dir die Sache einbringen wird, sind Prügel von Vater. Das ganze Dorf wird über dich lachen. Und man wird sich die Geschichte von der kleinen, dummen Iska noch in vielen, vielen Monden am Feuer erzählen. Niemand hat Verständnis für deinen Wunsch, Guntram nicht zu heiraten.“
Iska schaute trotzig an Wiborg vorbei. „Sollen sie lachen, vielleicht gehe ich so einer Heirat aus dem Weg. Wenn erst einmal alle mit dem Finger auf mich zeigen, nimmt Guntram bestimmt Abstand von der Hochzeit. Wiborg, du hast es versprochen! Willst du dein Versprechen jetzt brechen?“
Wiborg überlegte. Seine Schwester brachte ihn in eine schwierige Situation, denn sein Versprechen galt. Das konnte er jetzt nicht einfach zurückziehen. Andererseits wären die Prügel wohl kaum auf Iska beschränkt, denn Vater würde schon erfahren, dass er seiner Schwester geholfen hatte, sich zu verunstalten. Wiborg überlegte hin und her. Es musste doch eine Lösung geben! Wie konnte er es schaffen, seine Schwester zur Vernunft zu bringen? Endlich meinte er einen Ausweg gefunden zu haben und ein Grinsen stahl sich auf sein Gesicht. „Gut, du sollst deinen Willen haben. Ich werde dir das Haar kürzen.“ Dann sah er sich suchend um. „Aber ach, ich sehe gar kein Messer. Soll ich dir die Haare einzeln ausreißen?“ Siegessicher lachte Wiborg seine Schwester an. „Also, vergiss die Sache und lass uns endlich zum Dorf zurückkehren.“
„Nein, warte.“ Iska rannte über die Lichtung und verschwand kurz darauf im Wald. Es dauerte nicht lange, schon kam sie mit einem Beutel in der Hand zurück. Schwer atmend blieb sie vor Wiborg stehen. „Schau her, ich habe ein Messer. Und nicht nur das. Ich habe auch Beinkleider und einen Hemdenkittel. Hier sieh!“ Iska öffnete den Beutel und zog die Sachen heraus.
Wiborg schüttelte staunend den Kopf. Seine Schwester war aber auch auf alles vorbereitet. „Wo hast du das her? Und wem gehört die Kleidung?“
„Das ist doch egal. Ich habe im Wald einen hohlen Baum gefunden, mein Versteck. Hier, nimm das Messer und kürze mir endlich die Haare!“
Iska reichte Wiborg das Messer. Es war eines der Messer, die sie zum Schilfschneiden benutzten, eines mit einer langen, spitzen Klinge. Wiborg ließ seinen Daumen prüfend über die Schneide gleiten. Ein Tropfen Blut trat aus seiner Haut. „Verdammt scharf. Das scheint ein Messer von Thoralf zu sein.“ Wiborg sprach mehr zu sich selbst, als zu Iska, doch die hatte ihn gut verstanden.
„Der Dorfälteste überließ es mir vor einiger Zeit. Ich habe es nicht gestohlen, falls du das denkst!“
„Ich weiß nicht mehr, was ich denken soll. Iska, bitte überlege dir das noch mal. Es wird uns beiden nur Ärger einbringen. Sind die Haare erst einmal abgeschnitten, gibt es keinen Weg mehr zurück. Denk doch an die Prügel, die auf uns warten werden!“
Eindringlich sah Wiborg seine Schwester an. Dann wanderte sein Blick über deren dunkle Locken, die bis auf die Schulter reichten. Er betrachtete seine Schwester und seine Augen bettelten darum, diese Haarpracht nicht abschneiden zu müssen. Verzweifelt suchte er immer noch nach einem Ausweg aus dieser Situation. „Es wäre eine Schande, solch schöne Haare abzuschneiden. Du wirst nichts erreichen, Iska. Bitte sei vernünftig!“
Iska schüttelte den hübschen Kopf. Von dieser Idee ließ sie sich nicht mehr abbringen. Für sie war das jetzt der einzige Weg, nicht heiraten zu müssen. Nicht Guntram und auch niemand anderen. „Nein, tu es. Bitte. Du hast es versprochen und dein Versprechen musst du halten. Und nun mach, wir müssen bald zurück ins Dorf.“ Iska drehte ihm den Rücken zu. Kurz überlegte Wiborg, ob es einen Sinn machen würde, die Prozedur noch ein wenig hinauszuzögern. So lange, bis es zu spät war und sie ins Dorf zurückkehren mussten. Dann aber zuckte er mit den Schultern und machte sich vorsichtig daran, die Lockenpracht seiner Schwester zu kürzen. Strähne für Strähne und Locke für Locke fielen dem Messer zum Opfer und landeten im grünen Gras. So, als wollte sie diese Schande nicht erblicken müssen, verfinsterte eine große dunkle Wolke das Licht Sunnas. Wiborg blickte kurz zum Himmel und bat die Götter in Gedanken um Verzeihung. Das Messer war scharf und so dauerte es nicht lange, bis alle Haare kurzgeschoren waren.
„Fertig.“
„Und wie sehe ich aus?“
„Wie ein Junge, es fehlt dir nur noch die Kleidung.“ Wiborg zeigte sich von seinem Werk nicht sonderlich angetan. Im Geiste spürte er schon die Prügel. Warum hatten die Götter ihm auch keine Hilfe geschickt?
Iska zog sich mittlerweile die Männerkleider an und verstaute ihr Gewand im Beutel. Das Messer nahm sie ihrem Bruder aus der Hand und klemmte es im Hosenbund ein. „So, jetzt bin ich ein richtiger Junge. So wird mich Guntram bestimmt nicht heiraten.“
„Nein, so nicht. Aber nachdem Vater dir eine ordentliche Tracht Prügel verabreicht hat und du wieder dein Frauengewand anziehen musstest, dann vielleicht ...“ Wiborg betrachtete Iska von allen Seiten. ‚Bei Donar‘, dachte er bei sich, ‚sie sieht wirklich aus wie ein Junge‘.
Iska trug den Beutel an einem Band über der Schulter. „Lass uns heimkehren, Vater wird uns bestimmt schon vermissen. Außerdem muss noch das Vieh versorgt werden.“ Sie klang jetzt nicht mehr ganz so selbstsicher wie zuvor und Wiborg merkte, dass seine Schwester sich wohl auch Gedanken machte. Aber jetzt war es zu spät, um noch etwas ändern zu wollen.
Langsam gingen sie nebeneinander auf das Dorf zu, jeder trug stolz einen Korb voller Früchte, und je näher sie den wenigen Hütten kamen, desto einsilbiger wurde Iska. Aber auch Wiborg schien in Gedanken versunken. Das ganze Dorf würde über sie lachen und sie könnten schon zufrieden sein, wenn es bei den Prügeln bliebe, die ihnen ihr Vater mit Sicherheit verabreichen dürfte. Mit Schrecken dachte Wiborg daran, was Elfrun dann über ihn denken würde. Wieso musste er auch seiner Schwester dieses dumme Versprechen geben? Und bekäme er nach dieser Angelegenheit überhaupt noch eine Chance mit Elfrun zusammenzukommen? Das hässlichste und dümmste Mädchen im Dorf würden sie für ihn zur Strafe, dass er seine Schwester so verunstaltet hatte, aussuchen. Wiborg begann leise die Götter um Gnade anzuflehen. Gnade für sich und seine Schwester.
Nach einem kurzen Fußmarsch ließen sie den Wald hinter sich und spazierten jetzt über eine Wiese, die von einem kleinen Hügel zu der Ansammlung von Hütten führte. Von hier aus überblickten sie einen Großteil der Felder und das an einem Waldrand gelegene Dorf.
Um einen kleinen Platz gruppierten sich weitläufig Hütten, die sowohl den Menschen, als auch den Tieren ein Zuhause waren. Aus einer dieser Hütten stieg leichter Rauch zum Himmel auf. Mittlerweile zählte das Dorf sieben dieser Behausungen. Geplant war der Bau einer weiteren direkt am Waldrand. Es sollte zunächst nur eine kleine Hütte werden und nur wenige Bäume würden dafür weichen müssen. Guntram und Iska würden dort ihr Heim finden. Der Platz war vom Dorfältesten und ihrem Vater schon bezeichnet worden. Alle Männer des Dorfes würden mit anfassen und in kürzester Zeit die Hütte bauen. Alles war geplant, alles stand fest. Nie und nimmer verzichtete Guntram auf die Hochzeit! Welch eine dumme Idee von Iska. Er betrachtete seine Schwester von der Seite. Selbst mit diesen kurzen, franseligen Haaren war sie noch wunderhübsch. Guntram wäre nie und nimmer der Narr, der auf diese Frau verzichten würde!
Plötzlich schaute Wiborg auf. Zunächst mutete es an wie eine dunkle Rauchwolke zwischen den Bäumen, dann erkannte er, dass auf der gegenüberliegenden Dorfseite Reiter auf einem Weg aus dem Wald preschten. Hochgewirbelter Staub ließ die Männer verschwommen erscheinen. Es handelte sich um geordnete Zweierreihen und unschwer erkannte der Junge, dass es römische Soldaten waren. Wiborg gab seiner Schwester einen Stoß. „Schau!“
Iska sah angestrengt zu der Stelle, die ihr Bruder ihr mit ausgestrecktem Arm zeigte. „Was ist das?“
„Das sind römische Soldaten. Sie kommen in diesem Jahr sehr früh in unser Dorf. Normalerweise ist noch ein wenig Zeit, bis die Römer ihren Tribut fordern. Sonst kommen sie doch immer nach dem vollen Mond, bevor er wieder schwindet, in unser Dorf. Diese hier sind zu früh. Was das wohl zu bedeuten hat?“ Wiborg klang besorgt. Dieser Besuch der Soldaten machte keinen Sinn und er konnte sich deren Verhalten nicht erklären.
Auch Iska machte sich jetzt Gedanken. „Vielleicht greifen sie das Dorf an?“ Sie war entsetzt, aber Wiborg konnte sie beruhigen: „Nein, dafür sind es zu wenige. Außerdem halten sie keine Waffen in Händen! Das kann ich ganz genau erkennen. Komm, beeilen wir uns. Ich bin neugierig, warum die Soldaten alle dort unten sind.“
Schon wollte Wiborg losrennen, als Iska ihn zurückhielt. „Sollten wir uns nicht lieber verstecken? So wie ich es sonst auch mache, wenn die Römer in unser Dorf kommen?“ Wiborg schüttelte den Kopf. „Du kannst dich ja verstecken. Aber ich glaube, dass diesmal kaum Zeit geblieben ist, die Frauen und Kinder im Dorf zum Versteck zu führen. Geh zurück in den Wald und warte dort, bis ich dich hole!“
Iska krallte sich in die Schulter ihres Bruders. „Nein, Wiborg. Ich gehe mit dir. Wenn alle Männer und Frauen des Dorfes dort sind, möchte ich mich nicht feige verstecken.“
Beide rannten über die Wiese zu den Hütten hinunter. Mittlerweile erreichten die Soldaten den Platz in der Mitte des Dorfes. Die Männer saßen in einem Halbkreis hinter einem einzelnen Reiter auf ihren Pferden. Gegenüber den Soldaten und links und rechts zu den Seiten fanden sich allmählich die Dorfbewohner ein. Nach und nach wurden es immer mehr und es schien, als käme das ganze Dorf jetzt hier zusammen. Schwer atmend erreichten Wiborg und Iska den Rand des Platzes. Das Mädchen, das jetzt wie ein Junge aussah, schaute mit großen Augen auf die prächtig gekleideten römischen Soldaten. Bisher waren die Frauen und Kinder immer rechtzeitig in ein Versteck gebracht worden, wenn die Römer in das Dorf kamen. Trotz aller Friedensbeteuerungen von Seiten der Römer trauten die Männer des Dorfes den Fremden nicht. Zum ersten Mal in ihrem Leben betrachtete Iska jetzt die stolzen Reiter mit ihren prächtigen Waffen und den in der Mitte des Halbkreises mit hocherhobenem Kopf auf seinem Pferd sitzenden einzelnen Römer. Seine Kleidung erschien dem Mädchen noch prächtiger und wertvoller als die der anderen. Der Mann war nicht so schlank und drahtig wie die Soldaten hinter ihm, sondern verfügte über eine enorme Leibesfülle. In dem schwammigen Gesicht saßen viel zu kleine Augen, die er jetzt halb zusammenkniff. Mit grimmigem Blick beobachtete er seine Umgebung. Jeder der Soldaten trug einen metallenen Brustpanzer, Helm, ein Schwert und einen Dolch am Gürtel. Unruhig scharrten die Pferde mit den Hufen. Es waren prächtige, große Tiere, wohlgenährt und voller Kraft. So etwas hatte Iska noch nicht gesehen und fasziniert schaute sie von einem Soldaten zum anderen. Thoralf, der Dorfälteste lehrte sie hin und wieder ein wenig zählen und rechnen, es war eines ihrer Geheimnisse, und im Stillen zählte Iska nun die Reiter. Dabei benutzte sie ihre Finger, wie Thoralf es ihr gezeigt hatte. Fünf waren an jeder Hand und Iska stellte fest, dass sie vier Hände haben müsste, wenn jeweils ein Finger für einen Soldaten stehen sollte. Den Anführer vorne noch nicht einmal mitgezählt.
Im Dorf herrschte Stille, keiner der Dorfbewohner sagte etwas. Lediglich das Schnauben und Scharren der römischen Pferde war zu vernehmen.
Jetzt trat der Dorfälteste vor den Mann, der von seinem Pferd auf den alten Dorfbewohner herabsah. Thoralf sagte etwas in der fremden Sprache der Römer und ein Grinsen erschien auf dem Gesicht des Reiters. Iska verfügte trotz ihrer sechzehn Jahre schon über genug Menschenkenntnis, um zu erkennen, dass es kein fröhliches Lächeln war, was der Mann jetzt zeigte. Es erschien ihr ausgesprochen bösartig. In ihrer Magengrube machte sich ein flaues Gefühl breit. Dass diese Römer nichts Gutes im Schilde führten, war offensichtlich.
Der Römer antwortete dem Dorfältesten. Dabei sprach er laut und mit barscher Stimme. Nachdem seine kurze Rede endete, machte er eine herrische Handbewegung hin zu Thoralf. Der Dorfälteste drehte sich um und wandte sich an die Dorfbewohner. Langsam und deutlich, so dass jedermann ihn gut verstehen konnte, sprach er zu ihnen: „Leute des Dorfes. Ich soll euch übersetzen, was der römische Herr sagt, da ich die Sprache der Römer leidlich verstehe und auch sprechen kann. Die Reiter sind vor der eigentlichen Zeit, da wir ihnen Tribut zu zollen haben, in unser Dorf gekommen und ich fragte nach dem Grund.“
Thoralf wandte sich wieder an den Anführer der Soldaten. Der sprach jetzt etwas leiser zu dem Dorfältesten, aber dafür um so eindringlicher. Iska spitzte die Ohren, konnte den fremden Worten aber keinen Sinn abgewinnen.
Thoralf drehte sich erneut um: „Dieser Römer ist der neue Präfekt der römischen Stadt Novaesium, die nicht allzu weit entfernt von unserem kleinen Dorf in der Nähe des Flusses Rhenus liegt.“ Er hielt kurz inne, wie um sich zu erinnern. „Sein Name ist Gaius Quintus Vulturius.“ Thoralf wollte sich gerade wieder zu dem Römer wenden, als dieser sprach. Wieder übersetzte der Dorfälteste: „Der gnädige Kaiser Hadrianus hat seinen treuen Diener Gaius Quintus Vulturius in einer weisen und weitsichtigen Entscheidung als praefectus castrorum in unser Land geschickt.“ Thoralf machte eine kurze Pause und lauschte erneut den Worten des Präfekten. „Gaius Quintus Vulturius erwartet von den auf römischem Gebiet siedelnden Germanenstämmen ...“
Iska stupste ihren Bruder an. Flüsternd fragte sie ihn: „Siedelnde Germanenstämme?“
„Leise, Iska. Damit meint er uns. Unseren Stamm, unser Volk!“
„... und Verbundenheit. Der Schutz, den die Römer gewähren, kommt allen Menschen hier gleich zuteil. Aber die von euch geleisteten Abgaben waren bisher zu gering. Die römischen Schutztruppen wollen versorgt sein. Daher verfüge ich, Gaius Quintus Vulturius, dass eure Abgaben ab sofort um die Hälfte der bisherigen Zahlungen erhöht werden.“
Ein Raunen ging durch die Dorfbewohner. Einzelne missmutige Rufe wurden laut. „Thoralf, erkläre dem Römer, dass wir selbst kaum noch etwas für uns haben. Wir können keine zusätzlichen Abgaben leisten!“
Iska erkannte in dem Sprecher ihren Vater. Zustimmendes Gemurmel erhob sich. Der Dorfälteste wandte sich dem Römer zu und übersetzte. Iska sah, wie sich das Gesicht des Präfekten vor Zorn verzerrte. Er warf dem Dorfältesten ein paar Worte hin und forderte ihn mit einer Handbewegung auf, zu übersetzen. Schon sprach Thoralf wieder zu den Dorfbewohnern: „Die Höhe der Abgaben steht unumstößlich fest. Wir müssen Rom unseren Tribut zollen. Wenn wir das nicht können, so sagt der Präfekt, dann sind wir nicht des Schutzes der Römer wert und dürfen nicht länger auf römischem Boden siedeln.“
Iskas Vater löste sich aus der Gruppe der Dorfbewohner und trat vor Thoralf hin: „Thoralf, dies war und ist unser Boden, Land der Ubier! Schon unsere Vorfahren haben hier gelebt. Viele viele Generationen. Lange bevor die Römer überhaupt unser Land überfielen. Wir können und wollen keine höheren Abgaben leisten. Selbst wenn wir dem Römer unsere letzten Vorräte und Tiere geben würden, beschützt er uns dann vor dem Winter? Kaum einer von uns könnte überleben. Uns fehlen das Korn und das Vieh. Wir müssten elendig verhungern. Schon jetzt wird es für uns schwer genug den kommenden Winter zu überstehen. Hat nicht der bisherige Präfekt enorm hohe Tributzahlungen gefordert? Und ist nicht letzten Winter, vor unseren Augen, die weise Gefion verhungert und niemand konnte ihr helfen? Und das, obwohl wir alle an Nahrung sparten und selber kaum überlebten?“
„Gerwolf, du hast weise gesprochen,“ Der Dorfälteste schaute Iskas Vater fest an, „aber das ist kein Argument bei den Verhandlungen mit dem Präfekten. Sieh dir den Mann an, seht euch alle den Römer an,“ Thoralf breitete die Arme aus, „sieht dieser Römer aus, als würde er Nachsicht üben?“ Während Thoralf noch zu den Dorfbewohnern sprach, stiegen fünf der Soldaten auf einen Wink ihres Anführers von den Pferden. Wie zufällig lagen ihre Hände über den Griffen der Schwerter. Wieder sprach der Präfekt und wieder musste der Dorfälteste übersetzen: „Rom fordert seinen Tribut. Jetzt. Seid ihr nicht bereit dem Caesar des römischen Reiches und damit auch eurem Herrn das Seinige zu geben, so sehe ich mich gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen! Ich verlange von euch auf der Stelle die Zahlung von fünftausend Denarii.“
Als Thoralf dies übersetzte, ging ein ungläubiges Raunen durch die Menge. Iska vernahm Wortfetzen, aus denen sie die immer gleiche Frage heraushörte: ‚Wie viel ist das, fünftausend Denarii?‘ Gerade wollte sie die gleiche Frage Wiborg stellen, als Thoralf rasch zu dem Präfekten sprach: „Herr, ich glaube, Ihr seid nicht richtig informiert über unser armes Dorf. Wir verfügen über kein Gold oder Silber oder gar römische Münzen. Bisher haben wir unseren Tribut in Weizen und Tieren gezahlt und euer Vorgänger war stets zufrieden mit unseren Zahlungen. Wie sollten wir armen Bauern zu Münzen kommen, kann doch kaum einer von uns lesen oder schreiben, noch Eure Sprache sprechen? Ich bitte euch, seht von solch unerfüllbaren Forderungen ab!“
Der Präfekt wurde während der Rede des Dorfältesten immer ungehaltener. Mit hochrotem Kopf rief er seinen Soldaten einige Anweisungen zu. Weitere fünf Männer sprangen von ihren Pferden. Wie auf ein geheimes Kommando zogen alle Soldaten gleichzeitig ihre Schwerter. Diejenigen, die noch auf ihren Pferden saßen, lenkten diese jetzt um die Dorfbewohner herum, so dass sie alle von einem lockeren Ring berittener Soldaten umgeben waren. Der Anführer erhob wieder das Wort und seine Stimme klang jetzt schrill und bösartig.
Thoralf übersetzte erneut: „Ihr verweigert Rom das, was Rom zusteht! Meine Soldaten werden jetzt die Hütten und Ställe durchsuchen. Schenkt mir Glauben, wenn ich euch sage, dass Rom auch von euch den zustehenden Tribut erhalten wird!“ Noch während der Dorfälteste die Worte übersetzte, gab der Präfekt seinen Leuten ein Zeichen. Die zehn Soldaten, die zuvor von ihren Pferden gestiegen waren, schwärmten in die Hütten. Keiner der Dorfbewohner wagte es, sich zu rühren. Alsbald kehrten die Männer zu ihrem Anführer zurück. Es war offensichtlich, dass ihm die Soldaten berichten mussten, weder Geld noch Gold oder Edelmetalle gefunden zu haben. Der Präfekt ließ sein Pferd vor Wut vor- und zurücktänzeln, dann wechselte er einige Worte mit einem der Soldaten. Wieder verteilten sich die Männer. Diesmal gingen sie aber durch die Reihen der Dorfbewohner. Rasch war zu erkennen, dass sie dabei alle jungen Männer des Dorfes in der Mitte vor dem Präfekten zusammentrieben. Ängstlich warf Iska ihrem Bruder einen Blick zu, sah sich und ihn aber auch schon kurz darauf von kräftigen Soldatenhänden gepackt und zu den anderen gezogen. Unsanft wurden sie zu Boden gestoßen.
Wieder musste Thoralf die Worte des Präfekten übersetzen: „Dies ist der Tribut, den Rom nun von euch fordert! Jeder dieser jungen Männer, die Rom werden dienen dürfen, wird von mir großzügigerweise mit fünfhundert Denarii angerechnet. So wird Rom auch nur zehn eurer Kinder einfordern. Ich, Gaius Quintus Vulturius, von Caesars Gnaden Präfekt von Novaesium entscheide so!“
Arrius Lupus gab einem Soldaten erneut Anweisungen. Dann zeigte er auf einzelne Kinder, die von dem Soldaten zu den Dorfbewohnern zurückgeschickt wurden. Iska und ihr Bruder waren nicht dabei. Übrig blieben zehn der ältesten, kräftigsten und hübschesten Kinder des Dorfes. Erneut ging ein Stöhnen durch die Reihen der Dorfbewohner. Mutlos stand Thoralf vor dem Präfekten. Die Tränen in seinen Augen konnte er nicht unterdrücken.
Wieder musste er übersetzen: „Diese Kinder werden Rom dienen dürfen, sie werden als Sklaven dem glorreichen Caesar in meiner Stadt Novaesium dienen. Seid froh und dankbar, dass ich diese Lösung für euer Problem gefunden habe. Und seht zu, dass ihr die nächste Forderung Roms erfüllt! Sonst findet ihr euch alle noch als meine Sklaven wieder.“ Bei den letzten Worten lachte der Präfekt schallend und seine Soldaten fielen wiehernd in das Gelächter ein.
Gerwolf, Iskas und Wiborgs Vater, trat erneut zu Thoralf. Ein Soldat wollte ihn in die Reihen der Dorfbewohner zurückschicken, doch Gerwolf war ein großer und kräftiger Mann und er wischte die Hand des Soldaten wie nebenbei zur Seite. Bevor dieser sein Schwert ziehen konnte, stand Gerwolf schon vor Thoralf. Der Präfekt hieß seinen Soldaten zu warten. Neugierde war auf seinem Gesicht zu lesen. Gerwolf sprach so laut zu dem Dorfältesten, dass ein jeder ihn gut verstehen konnte: „Thoralf, sag dem Präfekten, dass er nicht einfach unsere Kinder mitnehmen kann. Sie sind unser Fleisch und Blut und wir sind keine Sklaven Roms, sondern wir leben unter römischem Schutz auf diesem Land. Die Forderungen, die er stellt, sind zu hoch und wir werden versuchen, sie das nächste Mal zu erfüllen. Aber er soll uns, um der Götter willen, unsere Kinder lassen, denn sonst nimmt er uns die Zukunft!“ Thoralf nickte, dann übersetzte er die Worte Gerwolfs.
Gespannt schauten alle Dorfbewohner auf den Präfekten, wie dieser wohl reagieren würde. Ein belustigtes Lächeln spielte um seine Lippen, ansonsten zeigte er keine Regung. Dann, als Thoralfs Rede endete, gab er dem Soldaten, der vorhin Gerwolf aufhalten wollte, einen Wink. Aus dem Augenwinkel erkannte Gerwolf, wie der Soldat mit erhobenem Schwert auf ihn zukam und er reagierte automatisch. Als der Soldat nahe genug heran war, drehte Gerwolf seinen Körper gerade so weit, dass er den Arm des Soldaten mit dem Schwert abwehren konnte. Mit der anderen Hand schlug er dem Römer ins Gesicht, so dass dieser einen weiten Satz nach hinten machte und auf dem Boden landete. In Sekundenschnelle färbte sich dessen Gesicht rot vom Blut, das aus der Nase quoll. Erstaunt blickte der Soldat auf den dastehenden Gerwolf. Er wischte sich das Blut aus dem Gesicht und schaute nun ebenso erstaunt auf seine feuchte Hand.
Keiner der Menschen achtete auf den Präfekten, der inzwischen einem anderen Soldaten ein Zeichen gab, worauf dieser Gerwolf mit gezücktem Schwert von hinten ansprang. Thoralf erkannte die Gefahr und stieß einen warnenden Schrei aus. Doch zu spät. Gerwolf wirbelte herum und noch in der Drehung trennte der Schlag des Soldaten seinen Kopf vom Rumpf. Blut spritzte und ein Schrei ging durch die Dorfbewohner. Aber noch immer wagte es niemand, sich zu rühren. Grinsend drehte der Soldat, der Gerwolf getötet hatte, sich um die eigene Achse, bereitete die Arme aus, wie ein Gladiator in der Arena, beifallheischend. Dann bückte er sich, um Gerwolfs Kopf aufzuheben.
Doch plötzlich hielt der Soldat inne. Erst wurde sein Blick erstaunt, dann starr. Während er langsam vornüber zu Boden kippte und Gerwolfs Kopf unter sich begrub, wurde hinter ihm Iska erkennbar, das blutige Messer noch in der Hand haltend.
Niemand im Dorf bewegte sich. Es schien, als würden alle die Luft anhalten. Solch eine Tat, noch dazu von einem kleinen Mädchen, auch wenn es wie ein Junge aussah, hatte niemand erwartet. Es herrschte in diesem Moment Totenstille. Der erste, der sich wieder fasste, war Thoralf und er zischte Iska die Worte zu: „Flieh, Iska, flieh!“ Dann warf er sich dem heranpreschenden Präfekten entgegen. Der hielt sein Schwert hoch erhoben und zum Schlag bereit, wurde aber durch den im Weg stehenden Thoralf ein wenig aufgehalten.
Iska handelte wie im Traum. Das Messer glitt ihr aus der Hand, sie drehte sich um und rannte zwischen den Dorfbewohnern, die eine schmale Gasse bildeten, in Richtung Wald. Links und rechts standen Soldaten mit ihren Pferden, aber die Dorfbewohner behinderten sie durch die gebildete Gasse. Aus dem Augenwinkel sah Iska noch, wie der Präfekt den Dorfältesten einfach über den Haufen ritt und dann ohne Rücksicht auf etwaige Opfer hinter ihr her preschte. Iska konnte von Glück reden, dass sie durch das allgemeine Durcheinander ein wenig Zeit gewonnen hatte. Aber würde sie vor den Römern den Wald erreichen können?
Iska handelte instinktiv. Wie ein gejagtes Reh. Hören und Fühlen waren ausgeschaltet, die einzigen Geräusche, die sie vernahm, waren das Klopfen ihres Herzens und ihr Atem, der stoßweise ging. In ihrem Kopf wiederholte sich ständig die Szene, wie ihrem Vater der Kopf abgeschlagen wurde. Träumte sie? Konnte das alles Wirklichkeit sein? Ihr Vater? Einfach so ermordet? Ermordet wegen einer Frage, einem Einwurf, einer Bitte? Wieder und wieder sah sie den Kopf rollen, den Soldaten hämisch grinsen und triumphierend die Arme heben.
Iska war jung, durch die ständige harte Arbeit und viele Bewegung gut trainiert und gut im Laufen. Rasch näherte sie sich dem Waldrand, da erkannte sie aus den Augenwinkeln einen Pferdekopf neben sich auftauchen. Der Präfekt gelangte mit ihr auf gleiche Höhe und schon holte er zum Schlag mit dem Schwert aus. Instinktiv wollte Iska einen Haken schlagen, kam aber ins Straucheln und prallte gegen den Leib des Pferdes. Der Schwertstreich des Römers verfehlte sie nur knapp, dafür scheute das Pferd und tat einige Schritte zur Seite. Iska fing sich wieder und erreichte genau in diesem Moment den rettenden Wald. Hier standen die Bäume so dicht und die Büsche waren so zahlreich, dass an dieser Stelle kein Pferd hindurch kommen würde. Doch sicher vor den Verfolgern war sie noch lange nicht. Iska lief weiter. Sie spürte nicht, wie Äste ihr das Gesicht zerkratzten und sie spürte auch nicht, wie ihre Füße auf dem Waldboden blutig aufrissen. Sie wusste weder wohin sie rannte, noch ob Verfolger weiter hinter ihr waren.
Als sie laute Kommandos und Rufe in der ihr so unbekannten Sprache der Römer hinter sich vernahm, steigerte sie ihren Lauf noch einmal. Lieber vor Erschöpfung tot umfallen, als in die Hände der Römer zu gelangen.
Iska erwachte, als sie Stimmen hörte. Es musste sich um römische Soldaten handeln, denn sie redeten in der Sprache der Römer miteinander. Sie vernahm, wie sich die Geräusche ihrem Versteck näherten und ihr Herz begann heftig zu pochen. Würde man sie jetzt entdecken? Dann verstummte das Gespräch der Soldaten plötzlich und Iska hörte das Rauschen von Wasser. Ein erleichterter Seufzer beendete den Wasserfluss und kurz darauf entfernten sich die Stimmen wieder.
Wie Iska es bis hierhin in ihr Versteck geschafft hatte, konnte sie nicht mehr sagen. Instinktiv war sie einen Bogen gelaufen und bis zu ihrem hohlen Baum gerannt. Hier lag auch ihr Beutel mit der Kleidung. Iska dachte an das Geschehene. Ihr Vater war tot. Entsetzt schlug sie die Hände vor ihr Gesicht. War das wirklich kein Traum? Dann blickte sie auf ihre Hände. Blut klebte daran. Blut eines Menschen. In einem Moment des Zorns hatte sie zugestochen. Den Mörder ihres Vaters getötet. Ihren Vater gerächt. War das auch Mord? War sie jetzt eine Mörderin? Iska dachte an die vielen Gespräche mit dem Dorfältesten, mit Thoralf. Ganz genau erinnerte sie sich an die Worte von Recht und Gesetz. Von den Vorteilen und Annehmlichkeiten, die das römische Leben bot. Waren das alles nur leere Worte, wenn ein römischer Soldat einfach so einen Menschen umbringen durfte? Einfach so - auf den Befehl eines Präfekten? Iska regte sich nicht und lautlos rannen ihr die Tränen die Wangen herab. Ihr bisheriges Leben war beschwerlich gewesen, voller Entbehrungen. Ihre Mutter starb bei ihrer Geburt - aber niemals gab Vater ihr die Schuld daran oder ließ sie so etwas spüren. Ja, der Tod gehörte selbstverständlich zum Leben und niemand wusste das besser als die Menschen im Dorf. Aber es war ein, trotz allen Mangels, gutes Leben. Sie hatten sich, sie hatten die Freunde und die Gemeinschaft. Was wäre jetzt, wie würde es weitergehen? Iska war bewusst, dass sie nicht wieder in das Dorf zurückkehren konnte. Sie fragte sich, wie lange sie wohl noch zu leben hatte. Die Römer waren auf der Suche nach ihr. Wo sollte sie hin? Dann wanderten ihre Gedanken zu Wiborg. Wiborg, ihr Bruder. Was war aus ihm geworden? Würde sie ihn jemals wiedersehen? Vermutlich hatten ihn die Römer ebenfalls verschleppt oder sogar getötet. Und sie saß jetzt hier in ihrem Baum und wusste nicht weiter.
Das Versteck war einigermaßen sicher, denn nur derjenige, der auf den Baum kletterte, konnte den Eingang in den hohlen Stamm finden. Aber lange würde sie sich hier nicht aufhalten können. Ihr Bruder erzählte ihr einmal, dass die Römer blutrünstige Hunde hielten, um damit Menschen zu verfolgen. So richtig glauben wollte sie es eigentlich nicht. Sie selbst hatte keine besondere Beziehung zu den von Menschen gezähmten Wölfen. Die Wölfe, die sich hier in den Wäldern herumtrieben, waren schon genug der Plage. So manches Schaf und so manche Ziege wurden ein Opfer dieser Tiere und immer wieder erzählte man sich Geschichten von Menschen, die im Kampf mit diesen Kreaturen ihr Leben lassen mussten. Iska konnte gut auf die Bekanntschaft mit diesen Wesen verzichten. Sie machte sich keine Illusionen. Wenn nicht die Römer sie fangen würden, so blieben noch genug Gefahren. Und sie müsste essen und trinken, also ihr Versteck verlassen. Oder verhungern und verdursten. Aber würde sie nicht sowieso sterben, von römischen Soldaten gefangen und gefoltert? Dann doch lieber hier in ihrem Versteck verhungern!
Die Zeit verging nur schleichend und Iska lauschte immer wieder angespannt, ob sie noch Stimmen vernehmen konnte. Aber alles war ruhig. Immer wieder wandte sie den Blick nach oben, dort wo sich der Einstieg in den Baum befand. Sie konnte jedoch keinen Lichtschimmer entdecken. Hatte Sunna ihre Reise am Himmel noch nicht begonnen? Iska überlegte. Wenn die Römer mit ihren Hunden kämen, könnten sie den Eingang zum Versteck finden. Sicher würden die Tiere sie hier drinnen wittern und ihre kleine Baumhöhle verraten. Dann säße sie in der Falle. Vielleicht sollte sie ihr Glück versuchen und während der Dunkelheit fliehen? Aber wohin?
Sie kannte die Umgegend des Dorfes sehr gut, aber viel weiter war sie noch nie fort gewesen. Ja, aus Erzählungen - insbesondere vom Dorfältesten Thoralf - wusste sie vom großen Fluss, von der Römerstadt Novaesium oder der Siedlung, die die Römer Colonia Ulpia Traiana nannten. Und auch von dem römischen Grenzwall, der entlang des Flusses verlaufen sollte. In zahlreichen Gesprächen erzählte ihr Thoralf von den Siedlungen der Römer, von Dingen, die für die Römer selbstverständlich waren; aber eine richtige Vorstellung, um was es sich bei all dem handelte, bekam Iska dabei nicht. Viel zu fremd und zu anders waren all diese ‚Errungenschaften‘ der Römer.
In welcher Richtung sollte sie fliehen? Über den Fluss? Iska konnte nicht schwimmen, alle Bäche hier waren flach genug, dass sie so durchschritten werden konnten. Nie gab es die Notwendigkeit, sich wie ein Fisch fortzubewegen. Wie weit würde sie fliehen müssen, um vor den römischen Soldaten in Sicherheit zu sein? Thoralf sprach einmal während einer ihrer Unterhaltungen davon, dass die Römer die ganze Welt beherrschten. Und wie groß war die ‚ganze Welt‘? Iskas Welt spielte sich bisher immer um das Dorf herum ab und das genügte ihr schon vollkommen. Sie war zufrieden gewesen und es gab nie eine Notwendigkeit nach anderem zu streben. Gab es überhaupt ein Entkommen vor den römischen Soldaten?
Iska war verzweifelt. Ihre Füße brannten und juckten gleichzeitig und wenn sie sich mit ihren Händen durch ihr Gesicht fuhr, spürte sie die Risse und Striemen von den Ästen. War das die Strafe der Götter für ihren Frevel? War das die Strafe, dass sie Guntram nicht heiraten wollte? Sie hatte die festgelegten Abläufe durch ihr Verhalten ändern wollen. Wie dumm und verbohrt war sie eigentlich gewesen? Sie, die kleine Iska, wollte das von den Göttern und dem Dorf Vorbestimmte ändern oder umgehen? War sie es, die das ganze Dorf in Schwierigkeiten gebracht hatte?
‚Odin‘, dachte sie im stillen Gebet, ‚verzeih mir und hilf mir. Ich wäre mit Guntram nicht glücklich geworden, aber stünde ich noch einmal vor dieser Entscheidung und könnte ich damit das Geschehene rückgängig machen, ich wäre bereit mich zu fügen.‘
Mutlos schaute das Mädchen erneut nach oben. Ein leichter Wind kam auf und plötzlich sah sie durch die Öffnung das Licht des Mondes. Nur ein schwacher Schein, aber war dies vielleicht ein Zeichen Odins? Sollte dieses Licht ihr die Richtung deuten? ‚Flieh, Iska, flieh‘, schien es zu sagen. Der Wind flaute wieder ab und Blätter verdeckten erneut den Mond.
Langsam richtete sie sich auf. Der Baum war eng und jemand, der nicht so schlank war wie sie, würde darin stecken bleiben. Vorsichtig kletterte sie aus ihrem Versteck. Hier oben in der Baumkrone ließ sich die nähere Umgegend gut einsehen. Wie ein Tier, das gejagt wird, sicherte sie in alle Richtungen. Wieder auf dem festen Boden, ging Iska in die Hocke und lauschte angestrengt. Bis auf ein leises Rauschen des Windes konnte sie nichts vernehmen. Fast lautlos bewegte sie sich fort. Hinter jedem Baum konnte ein römischer Soldat lauern und ihr Herz pochte vor Angst. Die Richtung stand nun fest: es war der Mond, der ihr mit seinem fahlen Licht beschied, hier entlang zu gehen. Iska stellte fest, dass der Weg in dieser Richtung sie geradewegs in das Dorf führen würde. Dorthin könnte sie aber auf gar keinen Fall zurückkehren. Sie müsste also erneut einen Bogen um die Hütten schlagen. Danach kam der kleine Wald und dahinter lag Sumpfland, das von den Menschen stets gemieden wurde. Zu groß war die Gefahr, dort im Morast stecken zu bleiben und elendig zu ertrinken oder zu ersticken.
Wollte ihr Odin diesen Weg zeigen? Durch den Sumpf hindurch? Aber was erwartete sie dahinter? Iska kannte einige Wege in dem morastigen Gebiet, die halbwegs sicher waren, doch niemals hatte sie es komplett durchquert. Nahm der Sumpf überhaupt ein Ende?
Mittlerweile lag das Dorf fast hinter ihr, auch wenn sie einen großen Bogen darum machen musste und sehr vorsichtig war. Sie achtete immer darauf, genügend Abstand zu den Hütten zu halten, kam aber trotzdem recht gut voran. Die ersten Büsche als Vorboten des nahen Waldes gaben ihr Schutz, nahmen aber auch die Sicht. Iska wurde noch vorsichtiger. Streiften die römischen Soldaten hier herum oder hatten die sich zur Ruhe begeben? Immer wieder verharrte sie und lauschte angestrengt. Vor jedem Schritt den Boden absuchend, um auch ja nicht auf einen morschen Ast zu treten, schlich Iska langsam vor. In der Ferne heulte ein Wolf und bei dem Gedanken an die Gefahr, die von diesen Tieren ausging, musste das Mädchen erschauern. Eine Gänsehaut lief ihr den Rücken herunter. Erneut blieb sie stehen.
Da, ein Geräusch! Iska war der festen Überzeugung, ein Geräusch zu hören. Langsam drehte sie sich um ihre eigene Achse. Aber so sehr sie ihre Augen auch anstrengte, es war nichts zu sehen. Eine Wolke verdunkelte den Mond, es wurde stockfinster.
Plötzlich legte sich eine Hand auf ihren Mund und jemand riss sie unsanft zu Boden. Fast bekam sie keine Luft mehr, so fest wurde ihr Mund verschlossen. Iska wollte sich wehren, doch wer auch immer sie festhielt, war kräftiger und gewandter als sie. ‚Ein geübter Krieger‘, ging es ihr durch den Kopf, ‚das sind die römischen Soldaten. Es ist alles vorbei, sie haben dich doch noch gefangen. So schnell endet also deine Flucht!‘
Schwer lastete ein Knie auf ihrem Brustkorb. Allmählich gab sie ihre Gegenwehr auf. Gegen die schwer bewaffneten Römer hatte sie keine Chance.
„Wehr dich nicht und sei ruhig! Gib keinen Ton von dir, wenn ich meine Hand fortnehme, sonst muss ich dich töten!“ Der römische Soldat redete sie in ihrer Sprache an. Iska konnte jedes Wort verstehen.
„Hast du meine Worte verstanden?“ Iska versuchte zu nicken. Langsam zog der Soldat seine Hand fort. Der Druck des Knies auf ihrer Brust verringerte sich. „Wer bist du?“
Iska fragte sich, warum der Römer so leise zu ihr sprach und seine Kameraden noch nicht bei ihnen waren. Doch auch sie flüsterte, als sie ihm antwortete. „Mein Name ist Is...“ Iska hielt mitten im Wort inne. Fast wäre ihr ein böser Fehler passiert, denn immer noch wollte sie als Junge gelten. Niemand sollte erfahren, dass sie ein Mädchen war! Was würden die Römer alles mit ihr anfangen, wenn die ihr wahres Geschlecht herausbekommen würden!
„Wiborg. Mein Name ist Wiborg und ich bin aus dem Dorf Voghat.“ In der Eile war Iska kein besserer Name, als der ihres Bruders, eingefallen.
Die Wolke gab den Mond inzwischen wieder frei und neugierig betrachtete Iska den immer noch auf ihr knienden Mann. Nein, das war kein Römer. Er war eher so gekleidet wie die Leute ihres Dorfes.
Aber auch er betrachtete sie neugierig. „Du bist nicht Wiborg aus Voghat! Du lügst. Sprich die Wahrheit, sonst töte ich dich!“
„Wieso soll ich nicht Wiborg sein? Du kennst mich doch gar nicht.“
Jetzt verstärkte sich der Druck auf ihre Brust wieder. „Aber ich kenne Wiborg aus Voghat. Und du bist es nicht!“
Iska überlegte. Bei all den Ängsten und trotz ihrer Verwirrung arbeitete ihr Verstand messerscharf. Dies war niemand aus ihrem Dorf und auch niemand aus der Gegend, sonst würde sie ihn kennen. Was hatte Wiborg ihr noch von einem Mann aus dem Land jenseits des Rhenus erzählt? Dieser hier könnte der Krieger sein. Wie war noch sein Name? „Du bist Sigmar!“
Iska hatte nicht mit der durchschlagenden Wirkung ihrer Eröffnung gerechnet. Der Druck des Knies wich von ihrer Brust und der Mann sah sie verwundert an. „Du kennst mich?“
„Nein, aber mein Bruder hat mir von dir erzählt!“
„Dein Bruder? Wer ist das denn nun wieder?“
„Wiborg ist mein Bruder.“
Der Fremde schüttelte den Kopf. „Du lügst erneut. Wiborg hat keinen Bruder, das hat er mir selbst erzählt. Junge, eine Lüge noch und mein Schwert wird dich durchbohren!“
Iska erschrak, denn Sigmar zog plötzlich sein Schwert und bedrohte sie. Abwehrend streckte sie die Hände von sich. „Lass mich erklären.“ Iska sprach leise und hastig. Nach und nach erzählte sie dem Fremden ihre Geschichte, von ihrem Gespräch mit Wiborg und von dem, was im Dorf geschehen war.
Endlich steckte Sigmar sein Schwert wieder in die Scheide. „Euer Dorf wurde von den Römern niedergebrannt. Soweit ich herausfinden konnte, stehen nur noch zwei Hütten. In der einen haust der Präfekt und in der anderen seine Soldaten. Im Morgengrauen erwarten sie eine Meute Bluthunde und weitere Soldaten. Du hast wirklich einen römischen Soldaten erstochen? Du, die kleine Schwester von Wiborg?“ Der Ton des Mannes wurde versöhnlicher, ja fast schon ehrfurchtsvoll.
Iska nickte ernst. „So klein bin ich nicht mehr. Ich bin eine Frau!“
Sigmar musste lachen. Sofort rief er sich wieder zur Ordnung. Mit einem Blick auf ihre Haare und ihre Kleidung warf er ein: „Du siehst aber nicht gerade wie eine Frau aus, kleine Iska.“ Dann nahm er Iska an der Hand und zog sie in den Wald. „Ich war gerade auf dem Weg zurück über den Rhenus. Meine Aufgabe hier ist jetzt erfüllt. Und wenn die römischen Soldaten ihre Bluthunde laufen lassen, kann ihnen niemand entkommen. Haben die Tiere erst einmal die Witterung aufgenommen, so jagen sie ihre Beute unerbittlich. Das wäre auch mein Tod. Deswegen ist die sofortige Flucht unausbleiblich.“
Plötzlich überkam Iska die Angst, in Kürze wieder allein zu sein. „Zurück über den Fluss? Wie weit ist es denn bis dorthin? Und woher weißt du das alles?“
„Du stellst eine Menge Fragen, kleine Iska. Nun, wie dir der geschwätzige Wiborg ja erzählt hat, bin ich hier, um einiges in Erfahrung zu bringen. Dazu gehört auch, dass ich die Römer beobachte und belausche.“
Iska unterbrach Sigmar mit einem Schmollen: „Wiborg ist nicht geschwätzig!“
Der lachte kurz und freudlos auf: „Nein, bestimmt nicht, wenn er jedem unsere Geheimnisse verrät!“
„Ich bin nicht jeder. Außerdem habe ich ihm keine Wahl gelassen. Und ... und dein Geheimnis ist bei mir gut verwahrt. Ich werde dich bestimmt nicht verraten. Die Römer jagen mir ja selbst hinterher!“
Sigmar nahm erneut Iskas Hand: „Ja, das glaube ich dir. Aber du kennst die Römer nicht. Sie haben Methoden, ihre Gefangenen zum Sprechen zu bringen. Also höre: Bis zum Fluss sind es vielleicht zwei Tagesmärsche zu Fuß. Es kann aber auch länger dauern, denn wenn ich auf römische Soldaten stoße, werde ich sie umgehen müssen. Außerdem sind die Stellen, an denen man durch den Wall der Römer schlüpfen kann, rar gesät und es ist immer gefährlich den Wall zu kreuzen. Und dann ist da noch das Sumpfgebiet vor uns. Das muss ich umgehen!“
