Krimi-Klassiker - Band 12: Vielliebchen - Irene Rodrian - E-Book

Krimi-Klassiker - Band 12: Vielliebchen E-Book

Irene Rodrian

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Beschreibung

Ein junges Mädchen und ein schreckliches Verbrechen – Irene Rodrians „Vielliebchen“ erscheint in der Reihe „Krimi-Klassiker“ jetzt als eBook bei dotbooks. Isa war wunderschön, klug, zwölf Jahre alt. Nun wurde sie tot aufgefunden – die Polizei vermutet ein Sexualverbrechen. Zum Nachbar Johann Keller hatte das Mädchen ein inniges Verhältnis. Die Presse, die Ermittler, die Öffentlichkeit – für sie alle ist der Fall klar: Keller ist der Täter. Selbst seine Frau Helma glaubt nicht an seine Unschuld. Doch wie weit geht man, um den eigenen Ehemann trotzdem zu schützen? Jetzt als eBook kaufen und genießen: „Vielliebchen“ von Irene Rodrian. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.

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Seitenzahl: 242

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Über dieses Buch:

Isa war wunderschön, klug, zwölf Jahre alt. Nun wurde sie tot aufgefunden – die Polizei vermutet ein Sexualverbrechen. Zum Nachbar Johann Keller hatte das Mädchen ein inniges Verhältnis. Die Presse, die Ermittler, die Öffentlichkeit – für sie alle ist der Fall klar: Keller ist der Täter. Selbst seine Frau Helma glaubt nicht an seine Unschuld. Doch wie weit geht man, um den eigenen Ehemann trotzdem zu schützen?

Über die Autorin:

Irene Rodrian, 1937 in Berlin geboren, erhielt für ihren Roman Tod in St. Pauli 1967 den begehrten Edgar-Wallace-Preis. Seither hat sie sich mit zahlreichen Bestsellern in einer Gesamtauflage von mehreren Millionen und als Drehbuchautorin (Tatort, Ein Fall für Zwei) einen Namen gemacht. Irene Rodrian lebt heute in München.

Bei dotbooks erschienen bereits Irene Rodrians Barcelona-Krimis über das Ermittlerinnen-Team Llimona 5 (Meines Bruders Mörderin, Im Bann des Tigers, Eisiges Schweigen und Ein letztes Lächeln) sowie die Reihe Krimi-Klassiker.

Die Autorin im Internet: www.irenerodrian.com und www.llimona5.com

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Neuausgabe Juli 2014

Copyright © der Originalausgabe 1982 Wilhelm Heyne Verlag, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Tanja Winkler, Weichs

Titelbildabbildung: © Artem Furman - Fotolia.com

ISBN 978-3-95520-644-4

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Irene Rodrian

Vielliebchen

Kriminalroman

dotbooks.

1

Sie war so schön, daß es weh tat.

Die tiefstehende Nachmittagssonne glitzerte Goldreflexe auf das Wassergrün. Braunschnäblige Stockenten tauchten nach Brotrinden. Gravitätisch das Spiegelblau der Erpel. Zwei rundliche Teenager spielten Federball. Kreischten, verschlugen den Ball. Der junge Mann mit den Kopfhörern reagierte nicht. Sein Fuß wippte im Rhythmus der unhörbaren Musik. Ein älteres Ehepaar polierte liebevoll seinen Opel Kadett, eine Rentnerin glotzte.

Der Haselnußstrauch stand nicht direkt am Ufer weg. Man mußte ein Stück die Böschung hochklettern. Ihr Rock blieb im Unterholz hängen. Kniekehlen. Verletzlich hell aus sommerbraunen Waden. Schmal gewölbt über pulsierendem Herzschlag. Die nackten Füße in abgewetzten Ledersandalen. Schmutzgrau. Er schluckte. Sie war als erste oben und drehte sich jubelnd zu ihm um. Kirschenaugen. Viel zu groß für das Dreiecksgesicht unter dem verschwitzten Pony. Der Glanz von Millionen Karamelbonbons. Auf ihrer Nase ein winziger Rußfleck. Kindlich unschuldig über ihrem Lachmund mit den fast durchsichtigen Perlzähnen. Für einen winzigen Augenblick gab die Oberlippe den Silberdraht der Zahnspange frei.

Er bekam keine Luft mehr, hörte sein Schnaufen tausendfach verstärkt nachdröhnen, versuchte zu lächeln.

»War ja doch schon einer vor uns da!« Schmollmund. »Der hat alle weggefressen.« Immer noch letzte Lachfunken in ihren Augen. Aber es stimmte. Keine einzige Nuß mehr. Nur noch das gelbliche Herbstgrün der Blätter. Und der Geruch vom Fluß, von regenfeuchter Erde und vom Ende des Sommers. Er stand so dicht neben ihr, daß er sie berühren konnte. Spitzknochige Kinderschultern neben dem sonnengebleichten Weiß der Blusenärmel. Salzfäßchen. Winzige Schweißtropfen. Die Haut straff und porenlos wie alte Seide. Es schmerzte so sehr, daß er nicht länger hinsehen konnte. Er reckte sich nach oben, zog die leeren Äste auseinander und entdeckte kurz unter dem Wipfel eine ganze Traube samtig umschlossener Haselnüsse.

Zu hoch. Er sprang und reckt sich noch mehr, spürte, wie ihm das durchgeschwitzte Hemd aus dem Hosenbund rutschte. Sie lachte, schrie, hüpfte und grapschte nach den Zweigen. »Heb mich rauf, heb mich rauf, ich hol sie runter!«

Sie waren allein. Am Flußufer die Teenager, die Rentner, die letzten Sonnenhungrigen. Gedämpfte Stimmen und das Meeresrauschen vom Wehr. Sie waren allein. Er legte die Hände um ihre Taille. Hob sie an. »Höher«, befahl sie, »höher!« Zappelte voller Vorfreude. Sie war gar nicht federleicht. »Noch höher!« Er stemmte. Schnackeln in den Ellbogen. Zentnerschwer. Noch höher. Ihr Körper in seinen Händen. Vanilleeis mit flambierten Himbeeren. Er zitterte, schaffte es kaum noch, würde sie sofort fallen lassen. Ihr Hintern an seinem Gesicht, feste Muskeln. Eine erdige Sandalensohle auf seiner Schulter. Leichter. Sie war oben. Riß heftig an der Nußtraube. Blätter fielen herunter, Staubkörnchen in seine offenen Augen. Blinzeln, Brennen, Tränen, die er nicht zurückhalten konnte. Er ließ sie auf den Boden rutschen, ihre Sandalenschnalle schnitt einen Triangel in sein Hemd.

Sie lachten, knufften sich, rannten die Böschung hinunter, über den Uferweg und weiter die steilen Stufen in der Betoneinfassung bis ans Wasser. Sie sprang wie ein Gummiball vor ihm her, die Haselnüsse mit beiden Händen umschlossen wie einen Seeräuberschatz. Sonnendurchglühte Steine. Behäbig und rundrückig wie die Panzer vorsintflutlicher Riesenschildkröten, bereit, sie beide auf sich reiten zu lassen, sie mitzunehmen ins Märchenland. Über die Schaumkämme hinweg, durch die Wellentäler bis hinunter in die smaragdene Höhle des Wassergottes, zu den Gnomen und Feen, die kein Alter kannten und keine Jugend, die für sie schon die Tafel gedeckt hatten und schon zum Tanz aufspielten. Glück.

Isa zupfte die Blätter und Samtpelzchen von den Nüssen, ließ sie wie Schusser in den Händen kollern und versuchte eine mit den Backenzähnen zu knacken. Ein Entenpärchen kam hoffnungsvoll angeschwommen, wartete. Er nahm einen faustgroßen Kiesel und legte eine Nuß zurecht. Schlug zu. Nichts. Schlug heftiger. Traf seinen Daumennagel. Ein scharfer Schmerz, er ließ sich nichts anmerken. Noch einmal. Die hölzerne Schale platzte. Die erste Nuß. Hellbraun mit einem spitzen Näschen. Er hielt sie ihr hin, sie pickte sie aus den Schalen heraus, steckte sie in den Mund. Kaute, strahlte. »Richtig süß! Jetzt ich.« Er gab ihr den Kiesel und warf die Schalen ins Wasser. Die Enten trollten sich beleidigt. Isa suchte mit dem Zeigefinger eine kleine Kuhle in dem großen Stein, legte die Nuß hinein und schlug mit dem Kiesel drauf. Zermatschte die Nuß. Puhlte die weißen Fleischstückchen sorgfältig aus den Schalensplittern her aus und steckte sie sich in den Mund. Gab ihm ein fingernagelkleines Schnipselchen ab. Er schnappte nach ihrer Hand. Sie dachte schon an die nächste Nuß. Schlug diesmal vorsichtiger. Fand raus, wie es ging, und sammelte ein kleines Häufchen makellos geschälter Haselnüsse.

Und dann war nur noch eine einzige, letzte übrig. Sie sah genauso aus wie die anderen, höchstens ein bißchen größer, ein bißchen ebenmäßiger. Rotbraun mit einem silberhellen Flaum. Isa legte sie besonders sorgfältig zurecht, umschloß den Kiesel mit ihrer rechten Hand, konzentrierte sich. Eine steile Falte zwischen ihren Augenbrauen, die hellrote Zunge fast bis zur Nase hochgebogen. Klopfte zuerst einmal vorsichtig. Zärtlich. Zögerte kurz. Knack. Zwei Hälften wie die Schalen zweier käferkleiner Ruderboote. In der Mitte die Nuß. Doppelt. Zwei Nüsse. Zwillingsgleich nach außen gerundet, an der flachen Innenseite miteinander verschmolzen. Isas Fingernägel, geschwärzt und bis aufs Nagelbett abgekaut, zwängten sich dazwischen. »Zwei«, Triumphgeheul, »es sind zwei!« Sie hielt sie ihm auf der offenen Handfläche hin, Zwillingsnüsse mit der etwas helleren Plattseite nach oben mitten in dem rosaroten M ihrer Lebenslinien schaukelnd. »Zwei«, flüsterte sie. Andächtig leise.

»Das sind Vielliebchen«, er berührte mit dem Zeigefinger ihren glatten Daumenballen. »Da kann man sich was wünschen.« Ihre Hand, die sich eben schon zur Faust schließen wollte, zögerte.

»Was wünschen?«

»Wenn zwei, die sich mögen«, er schluckte, hustete, lächelte etwas krampfhaft, »wenn zwei so ein Vielliebchen finden und jeder von ihnen ißt eines davon, nun, dann darf der, der am nächsten Tag als erster zum anderen ›guten Morgen, Vielliebchen‹ sagt, sich was wünschen.«

»Egal, was?« Ihre Augen waren nicht zu sehen. Auf die Nüsse in ihrer Hand gesenkt, unter langen dunklen Wimpern verborgen. Zwischen den Ponys war ihre Stirn heller als die Nase oder die Backen. Er konnte ihre Gedanken lesen. Der freie Wunsch bedeutete die Trennung von einer der beiden Zwillingsnüsse.

»Egal, was.«

Die Wimpern hoben sich wie Theatervorhänge. Kirschenleuchten. »Juchhuuh, ich weiß schon, was.« Die erste Nuß verschwand zwischen ihren Lippen und wurde zermalmt. Ein weißes Bröckchen im rechten Mundwinkel.

»Aber es muß bis morgen ein Geheimnis bleiben.« Er nahm sich die zweite Nuß. Sie quiekte vor Wonne. Sie liebte Geheimnisse. Er hätte sie gern umarmt und an sich gedrückt. Stand auf. »Wir müssen gehen, deine Mutter wartet sicher schon.« Isa stopfte die restlichen Nüsse alle auf einmal in den Mund. Sie waren nicht mehr wichtig. Nur noch Nüsse eben. Kein Vielliebchen.

2

Sie verabschiedeten sich im Hausflur. Isa läutete, ihre Mutter machte so schnell auf, als hätte sie hinter der Tür gelauert.

»Da bist du ja«, sie bemerkte ihn und lächelte. »Guten Tag, Herr Keller.« Sie hatte hautenge Lurexhosen an und eine Goldbluse. Sie war Kosmetikerin, konnte sein, daß so ein Aufzug in dem Beruf normal war, aber ihm gefiel das nicht. Außerdem war sie viel zu jung für eine richtige Mutter. Er tat so, als wollte er sich am Kopf kratzen, legte dabei unauffällig einen Finger auf den Mund. Isa zwinkerte ihm zu und drängte sich an ihrer Mutter vorbei in die Wohnung. Er kramte seinen Wohnungsschlüssel heraus.

»Schönes Wetter heute.«

»Ziemlich spät. Wäre im Sommer passender gewesen.« Sie lachte gekünstelt. In ihrem Blusenausschnitt konnte man den Brustansatz erkennen. Teneriffa schwarz. Er wandte sich ab und schob den Schlüssel in das Schloß. Machte noch eine nichtssagende Bemerkung, hörte aber schon mitten im Satz das Zuklappen ihrer Tür.

Helma war noch nicht zu Hause.

Er registrierte das erleichtert und zog seine Schuhe aus. Der neue Teppichboden nannte sich Berber und verriet jeden Staubfleck. Das Frühstücksgeschirr in der Küche war weggeräumt. Die ganze Wohnung sah aus, als hätte nie ein menschliches Wesen in ihr gewohnt. Es roch nach künstlichen Zitronen und Fichtennadeln aus der Spraydose. Sogar an seinem Arbeitsplatz hatte sie aufgeräumt. Der Leimtopf war nicht mehr da. Dabei war es keine Tasse gewesen, nur ein alter Joghurtbecher. Er fand ihn im Klo und setzte sich wieder an seinen Tisch. Wunderbare Reisen des Freiherrn von Münchhausen zu Wasser und zu Lande. Keine besonders wertvolle Ausgabe, aber mit Holzstichen von Gustav Doré. Papiereinband. Völlig zerfleddert. Sorgsam löste er den äußeren Rand ab und legte die Laminierung frei. Der Leim war eingetrocknet. Er mußte neuen anrühren. Isa. Er lehnte sich im Stuhl zurück und schaute aus dem Fenster auf den Wohnblock gegenüber. Zwei Buchen und ein Ahorn. In ein paar Wochen würde er leuchten wie erkaltetes Gold. Sterntalergold neben dem düsteren Blutrot der Buchen. Manchmal kamen sogar Hasen her oder wilde Kaninchen. Man konnte sie an den Ohren und an der Blume unterscheiden. Das würde er Isa zeigen. Und sie könnten Kartoffeln auf offenem Feuer an der Isar unten rösten. Das glühendweiße Fleisch unter der schwarz-rußigen Schale. Vielliebchen. Er konnte sich den Wecker stellen und an der Bushaltestelle auf sie warten. Er würde der erste sein. Er würde sich ein Küßchen wünschen.

Er wußte auch schon ein Geschenk für sie. Er schob den Münchhausen zur Seite und nahm sich noch einmal Alice im Wunderland vor. Es war sein Lieblingsbuch. Die Leipziger Ausgabe. Er blätterte die bernsteindunklen Seiten auf und sog den Geruch von Geschichte in sich hinein. Versuchte sich vorzustellen, wie viele kleine Mädchen schon in dem Buch geblättert hatten. Gelesen. Mit ins Spiegelreich hinabgetaucht waren. Mit leuchten den Augen und roten Ohren. Meine kleine Alice. Hab keine Angst, ich bin bei dir, ich bin dein Weißes Kaninchen.

Er war elf Jahre alt. Sie hieß Lisa. Und sie roch nach Erde und Gummisohlen. Sie konnte am weitesten springen und am schnellsten laufen. Vorstehende Backenknochen und kantige Knie. Blondlocken. Die anderen machten sich über sie lustig. Brüllten nur beim Schul sportfest. Li-sa, Li-sa. Ihn nannten sie Mehlsack und kümmerten sich nicht weiter um ihn. Sie schaffte es nicht und weinte. Die Siegerin hieß Ernie und war viel größer. Das war kein Kunststück. Er tröstete sie und machte den Knoten in ihren Sportschuhen so auf, daß die Schnürsenkel nicht kaputtgingen. Flüsterte, wie toll er sie fand, und daß sie für ihn die Größte war. Sie lächelte unter Tränen. Blaublitzen der Zahnspange. Küßte ihn auf die Backe. Genau in dem Moment mußte seine Mutter in den Umkleideraum kommen. Mütter begreifen nichts. Sie verprügelte ihn und versuchte ihm Schlimmes über Lisa zu erzählen. Lisas Eltern zogen bald darauf weg.

Seine Mutter hatte vielleicht recht gehabt. Sie war eine gute Frau. Und sie hätte ein Auge oder eine Niere für ihn gegeben. Isa hieß eigentlich Isabel. Mit einem l. Das war kein Zufall. Lisa, Isa. Er war bis zuletzt bei seiner Mutter geblieben. Auch, als sie schon hohläugig im Krankenhausbett lag. Hinter dem Faltvorhang vor sich hin starb. »Du mußt heiraten«, flüsterte sie, »such dir eine gute Frau.« Er war erst siebenunddreißig Jahre alt, und sie ließ ihn allein zurück.

Helma kam erst kurz vor neun. Sie machte oft Überstunden. Da war so viel zu regeln und zu ordnen in der Apotheke, in der sie arbeitete. Sie sagte nichts, machte überall das Licht an und zog ihre Schuhe aus. Ließ sich ein Bad ein. Küßte ihn auf das Haar hinter dem Ohr. Und bemerkte den Riß im Hemd. Schimpfte. Warum hatte er auch nicht drangedacht. Sie sah auch den inzwischen blau angelaufenen Daumennagel. Zwang ihn, sich aus zuziehen und sich in das heiße Schaumbad zu setzen. Fichtennadelessenz. Saß auf dem Badewannenrand und wendete das ruinierte Hemd hin und her. Wahrscheinlich mußte man es wegwerfen. Obwohl man die Reste noch als Putzlumpen benutzen konnte. Bei diesen Kunstfasern wußte man ja nie. Allerdings. Er ließ sich in den heißen Schaum tauchen, hoffte ihr dadurch zu entgehen. Smaragdene Höhlen. Sie folgte ihm. »Plansch doch nicht so rum«, mütterliches Lachen. »Du bist wie ein kleiner Junge. Zeig mal deine Knie, sicher brauchst du da auch ein Pflaster.« Sie wühlte mit hochgekrempelten Ärmeln im Schaum herum. Er bedeckte seinen Mittelpunkt mit beiden Händen. Brennendes Klopfen im Daumennagel. Ihr aufgerissenes Frauengesicht so dicht vor ihm. Spröde Lippen, Falten neben dem Mund und auf der Stirn, blondgraues Haar. Hellblaue Ringe um die Augen, als wäre sie Brillenträgerin. Näher und immer näher. Ihre Glitschhand an seinem Schenkel. Albernes Kleinmädchenlachen, braune Zahnhälse. »Ich habe Durst«, krächzte er. Sie zog die Hand zurück. Ein lächerlich kurzer Moment der Ruhe, dann saß sie wieder auf dem Wannenrand. Eisgekühlter Kakao mit einem Spritzer Rum. Richtig exotisch. Sie sah ihm zu, wie er trank, sich zurücklehnte, sich wusch, sich abtrocknete.

Er war ihr Eigentum. Auch wenn er sich wegdrehte. »Was hast du heute nachmittag schon wieder angestellt?« Sie gab ihm eine frische Unterhose und ein sauberes Hemd. Das Hämmern im Daumennagel war zu stark, um es auszuhalten. Er stapfte aus dem Bad. Helma trug ihm die Hausschuhe und die Hose nach.

Noch eine kaum wahrnehmbare Pause an seinem Tisch. Die breiig aufgeweichten Fingerkuppen glitten gefühllos von den vergilbten Papierseiten. Selbst wenn er die Nase tief zwischen die Blätter steckte, er roch nur Fichtennadelessenz. Künstlich, feucht und schaumdampfend. Sie räumte im Bad auf, bereitete das Essen in der Küche vor. War überall gleichzeitig. Plapperte quadrophon. Was sie so alles erlebt hatte. Daß die Leute alle schon wieder Grippe haben wollten. Aspirin gab sie aus, aber keine Schlafmittel. Valium nicht ohne Rezept. Sie kannte Drogenfreaks schon am Gesicht. Bei ihr kam keiner durch. Hitzler hatte ihr den Laden versprochen. Er hatte keine eigenen Kinder, sie war so was wie eine Tochter für ihn. Eines Tages würde ihr die ganze Apotheke gehören. Obwohl das ja heute gar nicht mehr so einfach war. Nicht mehr die reine Goldgrube. Allein in ihrem Viertel gab es vier Apotheken. Aber das war etwas anderes. Wenn man mit den Leuten redete ... die alten Frauen ... er hörte nicht mehr hin.

Nach Endigung der ägyptischen Reisegeschichte wollte der Baron aufbrechen und zu Bette gehen, gerade als die erschlaffende Aufmerksamkeit ... an dieser Stelle mußte er leider ein Stückchen Tesafilm benützen, man konnte es kaum erkennen. Ich werde dich schützen und behüten. Sein Zeigefingernagel drückte das Plastik band unsichtbar gegen das Papier. Uns beide und unsere Welt. Wir lassen einfach keinen rein. Er lachte, als sie ihn zum Essen rief. Nudelauflauf. Setzte sich an den gedeckten Tisch.

Helma sah ihn seltsam an.

3

Sie lag auf dem Rücken im Bett und kuschelte sich an ihr Plüschkrokodil. Es hieß Frizzibizzum und liebte sie mehr als jedes andere Wesen auf der Welt. Isa drehte sich auf die Seite, das Nachthemd kletterte in die Kniekehlen hoch. Nie erlaubte ihr die Mutter Schlafanzüge. Oder nackt zu schlafen. Einmal hatte sie das ausprobiert. Sie verstand nicht, was die Mutter dabei meinte. Verdorben. Was immer das war. Etwas Böses. Auch wenn sie mit Herrn Keller zusammen war. Dann schaute sie so. Er hatte ihr erlaubt, daß sie ihn Johann nannte. Aber nur, wenn sie ganz allein waren. Oder Hans. Das sagte sie nie. Weil der Hans viel, viel jünger war. Er ging in die Achte und grüßte nicht.

Frizzibizzum wedelte mit dem Schwanz und schmiegte sich noch enger an sie hin. Würde sie beschützen. Aber das würde der Herr Keller auch. Wie ein Papa. Obwohl ein echter Papa ganz anders war. Größer und jünger, und der konnte auch rollerskaten. Wie der Vater von Monika. Der konnte einfach alles. Manchmal holte er Moni von der Schule ab und zahlte ihnen einen Eisflip. Oder ging mit ihnen ins McDonald's. Wenn sie einen eigenen Vater hätte, würde er noch viel mehr können. Surfen und Drachenfliegen. Und mit der Klier fertig werden. Weil sie nichts dafür konnte, wenn sie schlecht in Mathe war. Aber Herr Keller war auch nett. Viel netter jedenfalls als der Onkel Robert, mit dem sie auf der Auer Dult gewesen waren. Dabei waren das noch nicht mal richtige Karussells. Und der schenkte ihr dauernd Zuckerwatte, als wäre sie noch ein kleines Kind. Aber immer mit der Mutter zusammen. Das kannte sie schon. Beim Oktoberfest hatten sie sie dauernd aufs Karussell gesetzt oder in die Geisterbahn geschickt, nur damit sie allein sein konnten. Der andere hieß Onkel Erwin. Und sie mochte ihn nicht. Er stank nach Zigarren und lachte blöd. Und den rosa Plüschbären schenkte er ihr, ohne sie zu fragen. Plüschbären waren nicht rosa. Herr Keller war da anders. Er half nicht dauernd zur Mutter.

Nur zu ihr.

Und morgen früh hatte sie einen Wunsch frei. Weil sie zusammen ein Vielliebchen gegessen hatten. Sie mußte nur vor ihm wach sein. Dann war sie die erste.

Isa hatte eine Idee.

Sie stieg aus dem Bett und ließ Frizzibizzum zurück. Riß ein Blatt aus ihrem Schmierheft. Schrieb mit blauem Filzstift quer drüber: Guten Morgen, Vielliebchen! und faltete das Blatt zusammen. Wie einen Brief. Schrieb oben drauf: Herrn Johann Keller, im Hause. Und malte eine Briefmarke in die rechte obere Ecke. Mit Zacken und allem. Die Mutter telefonierte. Dann war es still. Bis auf den Fernseher.

Isa schlich aus ihrem Zimmer, am Wohnzimmer vor bei zur Wohnungstür hinaus, über den Flur. Keller. Bei denen war es schon ruhig. Isa schob ihren selbstgefalteten Brief durch den Briefschlitz, wartete eine Sekunde und rannte dann in ihre Wohnung zurück.

Legte sich ins Bett.

Sie hatte gewonnen. Sie hatte einen Wunsch frei. Egal, was.

Einen Walkman. Einen kleinen echten Walkman, wie ihn schon der Uli hatte und die Michaela. Dann konnte sie ihre ABBA-Kassette mit in die Schule nehmen und THE WALL und We don't need no education. Das wäre einfach brutal stark, und die Mutter brauchte ja nichts davon zu erfahren.

Sie kuschelte sich an Frizzibizzum und schlief glücklich ein.

4

Es war ein heißer Sommertag, und er saß mitten auf einer bunten Wiese. Dicht gesprenkelt von roten und blauen und gelben Blumen. Der Baum, an dem er lehnte, war hohl, und über der Tür stand »Mr. Sanders«. Er war ein kleiner Junge und hieß Christopher Robin, und er wartete auf seinen besten Freund, Winnie-the-Pooh.

Er kam über die Wiese zu ihm hergelaufen. Kaum zu erkennen im gleißenden Sonnenlicht. Sprang leichtfüßig und hatte eine helle Mädchenstimme. Es war nicht Winnie-the-Pooh, es war ein kleines Mädchen. Mit dünnen langen Beinen, einem roten Rock und blonden Locken. Sie atmete heftig, lachte und setzte sich neben ihn. »Pooh hat mir erzählt, daß du hier bist«, sagte sie, »wir sollen kommen und ihm helfen. Er hat sich von den Bienen sein Honigfaß füllen lassen und kann es nicht selber tragen, weil es jetzt so schwer ist.« Er sprang auf und lief ihr nach, um Pooh zu helfen.

»Wie heißt du?« fragte er, sie drehte sich zu ihm um, und ihre Locken leuchteten in der Sonne wie kandierter Zucker.

»Isa.«

Er wachte auf. Grub das Gesicht in das Kissen zurück und versuchte, sich an dem Traum festzuhalten. Aber er war nicht mehr Christopher Robin. Er war zu dick und trug schon lange Hosen und hatte eine Brille auf. Er konnte nicht Fußball spielen und keinen Kopfsprung vom Dreimeterbrett. Nur in Deutsch und Geschichte war er gut, und die anderen waren nett zu ihm, wenn er Bonbons mitbrachte. Er drehte sich auf den Rücken, ohne die Augen zu öffnen. Seine Mutter schnarchte leise. Er durfte sie nicht wecken. Heute war Nikolaustag, und es gab eine Überraschung für ihn. Oder Geburtstag? Er schaffte es nicht, die Augen länger zuzuhalten. Die Blumentapete und die handgewebten Leinenvorhänge. Grau. Regen. Es war nicht seine Mutter. Es war Helma.

Er schämte sich.

Helma war lieb. Sie war immer für ihn da und tat alles für ihn. Irgend etwas war gestern gewesen. Er richtete sich halb auf. Der Nachttisch zwischen den beiden Betten, der Bücherstapel darauf. Graf Pocci und Max und Moritz, Nußknacker und Mausekönig, Andersens Märchen und Dr. Doolittle. Sie hatte einen Witz gemacht, aber sie hatte es doch nicht so gemeint. Er hätte sie nicht so anfahren dürfen. Er wunderte sich, daß er trotz dem Streit gestern abend ein eindeutiges Gefühl der Vorfreude empfand.

Isa.

Vielliebchen.

Er hatte dran gedacht und würde es als erster sagen. Er stand auf und ging ins Bad. Versuchte, leise zu sein, aber

I s er den Rasierer ausstellte, hörte er sie schon in der Küche rumoren. Als er rauskam, war der Frühstücks tischfertig gedeckt. Tee, Knäckebrot und Kräuterquark. Honig statt Zucker. Neben seinem Teller lag ein Brief. Er Hustete und verschluckte sich an Knäckebrotbröseln. Die runde Kinderhandschrift und die selbergemalte Briefmarke. Blauer Filzstift. Helma klopfte ihm auf den Rücken und goß Tee nach. »Sieht aus wie ein Liebesbrief.« Lachen. Herrn Johann Keller, im Hause. Er faltete den Brief auf, Helma bestrich sich ein Brot mit Quark und schaute nicht her. Natürlich hatte sie den Brief schon gelesen. Seine Backenmuskeln verkrampften sich im Bemühen um ein ausdrucksloses Gesicht. Guten Morgen, Vielliebchen.

»Guten Morgen, Vielliebchen«, er lachte, es klang nicht viel besser als sein Husten. »Die Isa von nebenan. Das haben wir mit meiner Mutter auch immer gespielt. Wenn wir zwei Nüsse in einer Schale gefunden haben. Es geht darum, wer es als erster am nächsten Morgen sagt.«

»Ich weiß, daß du in deine Mutter verliebt warst.«

»Jeder kleine Junge ist in seine Mutter verliebt.« Er war stolz auf die kühle Antwort und stand auf. »Ich muß los. Nein, danke, ich brauch kein Brot, ich geh eine Kleinigkeit essen. Süppchen oder so.« Sie widersprach nicht und schaute noch immer nicht auf. Es hätte ihm auffallen müssen, aber er dachte an etwas ganz anderes. Kramte im Bücherregal herum und an seinem Tisch. Tat geschäftig. Alice im Wunderland. Das schönste Buch aller Zeiten. Gott sei Dank mußte sie aufs Klo, und er konnte sich einen Bogen Geschenkpapier holen, ohne daß sie es bemerkte. Wickelte das Buch ein und klebte das Papier mit Tesafilm zu. Stopfte das grüngoldene Paket in seine Tasche und hastete zur Tür. »Tschau!« Sie antwortete nicht, aber auch das fiel ihm nicht auf.

Er war viel zu früh an der Bushaltestelle. Hatte den Schirm vergessen, dabei sah es so aus, als würde es gleich losregnen. Die ersten Tropfen. Helle Kringel auf dem noch taufeuchten Asphalt. Der Bus kam, er machte einen Schritt zurück ins Glashäuschen und ließ ihn vorbeifahren. Ein paar Angestellte, die keine Notiz von ihm nahmen. Er sah auf die Uhr. Ein etwa fünfzehnjähriger Junge fuhr mit einem Moped vorbei. Tigerfell über dem Doppelsitz. Er kannte ihn vom Sehen. Sie nannten ihn Mecki. Zwei Mädchen. Er schaute in die andere Richtung. Sie wußten nicht, wer er war, aber sie gingen in Isas Klasse. Der Regen ließ wieder nach. Er ging aus dem Häuschen ein Stück die Straße hinauf, in die Richtung, aus der Isa kommen mußte.

Sie rannte. Rote Sandalen, ein weiter Rock mit Blumen drauf, eine weiße Bluse. Sie bewegte sich hölzern und schief. Die pralle Schultasche war viel zu schwer für sie und dann noch der Leinenbeutel mit ihrem Turnzeug. Er stellte sich ihr in den Weg. »Guten Morgen, Vielliebchen!« Sie war schon halb an ihm vorbei, wollte so tun, als würde sie ihn nicht kennen. Wie jeden Morgen. Aber es war nicht jeden Morgen. Sie blieb stehen. Sie mußte stehenbleiben.

»Das hab ich zuerst gesagt. Viel früher!« Protest. Er grinste.

»Geschrieben gilt nicht so wie gesagt.«

»Das ist unfair«, sie senkte die Stimme, schaute nach Alen beiden anderen Mädchen an der Haltestelle. Am Ende der Straße konnte man schon den Bus blau über der Autoschlange  erkennen.

»Dann haben wir jeder einen Wunsch frei.« Er machte seine Tasche auf und gab ihr das bunte Paket. Sie zögerte, kurzer Blick zu den beiden Mädchen. Der Bus scherte rechts raus und bremste. Isa riß ihm das Paket aus der Hand, stopfte es in ihre Schultasche. Sah zu ihm hoch. Das Leuchten von hundert Kerzen am Weihnachtsbaum. Sie rannte zur Haltestelle.

Er saß vorn, gleich hinter dem Fahrer. Lehnte sich schräg ans Fenster, um unauffällig nach hinten sehen zu können. Die Kinder saßen wie immer auf der letzten Bank. Kurz vor dem Englischen Garten stieg noch ein ganzer Pulk dazu. Sie gingen alle in dieselbe Schule, kannten sich. Lachten, schrien, bolzten herum. Zwei küßten sich, die anderen grölten. Isa saß abseits. Sie nahm nicht teil, sie war anders. Sie war etwas Besonderes.

Als sie in Schwabing ausstiegen, gab es das übliche Gedrängel, jemand schubste ihn gegen eine ältere Frau. Sie war wütend, er entschuldigte sich wortreich. Als er aufsah, waren Isa und die anderen nicht mehr zu sehen.

5

In der ersten Stunde hatten sie Englisch, dann Mathe. Isa wagte es nicht, das Päckchen im Unterricht aufzumachen. Sie bekamen die Ex raus, und natürlich hatte sie eine Fünf, und natürlich machte die Klier wieder eine von ihren besonders witzigen Bemerkungen. Es war unwichtig. In der Pause würde sie es auch noch nicht aufmachen. Sie ließ nur Moni das Paket sehen und deutete geheimnisvoll an, was drin war. Sie hätte es sich doch denken können, daß der Herr Keller das Geschenk für sie schon hatte. Er wußte, was sie sich wünschte, und daß sie es von ihrer Mutter nicht bekommen würde. Ein Walkman, ein echter Stereo-Boy, der absolute Superknüller. Die Klier erwischte den Uli. Riß ihm die Kopfhörer runter und konfiszierte das ganze Ding. »Du kannst es am Ende des Schuljahres wieder bei mir abholen.« Die beiden Kassetten PINK FLOYD und ACID ließ sie ihm. Sie hatte keine Ahnung, daß Michaela auch einen hatte. Uli drohte mit dem Anwalt. Sein Vater war Richter. Die Klier erzählte Schwachsinn von Kontaktarmut, schlechten Noten und einer ganzen autistischen Generation. Da hörte sowieso schon keiner mehr hin. Isa war voll happy. Beim Mittagessen würde sie Uli anbieten, seine Kassetten für den Tag auszuleihen. Sie konnte ihm dafür bei Erdkunde helfen. Auf das dumme Gesicht von ihm freute sie sich schon jetzt.

Sie mußte damit aufs Klo gehen. Sie mußte das bunte Geschenkpapier loswerden und ausprobieren, wie das Ding funktionierte. Aus der Nachbarkabine kam Zigarettenrauch. Sie riß den Tesafilm auf und schlug das Papier zurück.

Keine japanische Schachtel, kein Walkman, kein Stereo-Boy.

Nur ein altes blödes Kinderbuch.

Moni wartete vor dem Klo auf sie und schaute erwartungsvoll. Es war richtig peinlich. Sie mußte das Buch verstecken, bevor die anderen es entdeckten. Moni war beleidigt, weil sie nicht mit ihr redete. Setzte sich in der Arbeitsstunde extra an einen anderen Tisch. Die beiden Kassetten von Uli hatte jetzt Michaela; unter ihrem langen Haar konnte sie die Kopfhörer gut verstecken. Dabei hatte heute Stegmann Aufsicht, dem war eh alles egal, der vergrub sich in seinem Schmöker und schaute nicht mehr nach links oder rechts. Alles war so unglaublich gemein. Moni lernte, die alte Streberin, Uli und Michaela teilten sich die Kopfhörer und küßten sich, und am Tisch von der Achten war wie immer das meiste los. Hans und zwei andere spielten Skat, Georg fußelte mit Iris und Diane gleichzeitig, und Olaf schmuste ganz offen mit der Valerie. Das war echt fies, weil die schon sechzehn war und eigentlich mit dem Bunge aus der Neunten ging. Richtig fest verlobt. Bloß weil sie schon einen Busen hatte und sich schminken durfte. Sonst war null an der dran. Olaf war eher schüchtern. Isa wußte es genau, weil er sie immer so ansah und sie heimlich liebte. Er war echt zärtlich und lieb, und manchmal träumte sie von ihm.