Original Sin – Confess To Me - Mia Kingsley - E-Book

Original Sin – Confess To Me E-Book

Mia Kingsley

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Beschreibung

Vergib mir, Vater, denn ich habe gesündigt … Enthaltsamkeit macht nicht wirklich Spaß, aber sie gibt mir Sicherheit. Die Narben auf meinem Rücken erinnern mich täglich an meine Fehler und ich war mir so sicher, aus der Vergangenheit gelernt zu haben – bis Detective Calder Penn sich in mein Leben drängt. Das Wort "Nein" existiert in seinem Wortschatz nicht und er ignoriert meine Ablehnung mit einer Leichtigkeit, die mich in den Wahnsinn treibt. Ich muss mich von ihm fernhalten. Was, wenn es wieder passiert? Beim letzten Mal bin ich nur knapp mit dem Leben davongekommen … "Original Sin – Confess To Me" ist keine Fortsetzung von "Don't Fall In Love – It Might Kill You", sondern eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte. Da die beiden Bücher durch wiederkehrende Figuren verbunden sind, empfiehlt es sich trotzdem, "Don't Fall In Love – It Might Kill You" zuerst zu lesen. Dark Romance. Düstere Themen. Eindeutige Szenen. Deutliche Sprache. In sich abgeschlossen.

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ORIGINAL SIN – CONFESS TO ME

MIA KINGSLEY

DARK ROMANCE

INHALT

Original Sin

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Nächster Band der Reihe: His Broken Toy

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Über Mia Kingsley

Copyright: Mia Kingsley, 2018, Deutschland.

Coverfoto: Mia Kingsley

Korrektorat: http://www.swkorrekturen.eu

Alle Rechte vorbehalten. Ein Nachdruck oder eine andere Verwertung ist nachdrücklich nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet.

Sämtliche Personen in diesem Text sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig.

Black Umbrella Publishing

www.blackumbrellapublishing.com

ORIGINAL SIN

Vergib mir Vater, denn ich habe gesündigt …

Enthaltsamkeit macht nicht wirklich Spaß, aber sie gibt mir Sicherheit. Die Narben auf meinem Rücken erinnern mich täglich an meine Fehler und ich war mir so sicher, aus der Vergangenheit gelernt zu haben – bis Detective Calder Penn sich in mein Leben drängt. Das Wort »Nein« existiert in seinem Wortschatz nicht und er ignoriert meine Ablehnung mit einer Leichtigkeit, die mich in den Wahnsinn treibt.

Ich muss mich von ihm fernhalten. Was, wenn es wieder passiert? Beim letzten Mal bin ich nur knapp mit dem Leben davongekommen …

»Original Sin – Confess To Me« ist keine Fortsetzung von »Don’t Fall In Love – It Might Kill You«, sondern eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte. Da die beiden Bücher durch wiederkehrende Figuren verbunden sind, empfiehlt es sich trotzdem, »Don’t Fall In Love – It Might Kill You« zuerst zu lesen.

Dark Romance. Düstere Themen. Eindeutige Szenen. Deutliche Sprache. In sich abgeschlossen.

Für Madeleine.

Danke, dass Du so ein braves Mädchen warst.

KAPITEL1

CALDER

Ich beendete meinen Bericht, brachte dem Captain die Akte und verließ das Präsidium. Die Sonne ging gerade unter, als ich in meinen Wagen stieg. Ich warf einen Blick auf die Armbanduhr. Eigentlich war es die perfekte Zeit, um bei Julie vorbeizuschauen und sie zum Abendessen einzuladen.

Ich startete den Motor und fuhr die zweieinhalb Meilen bis zu der umgebauten Lagerhalle, in der sie wohnte. Seit ich ins Präsidium Downtown versetzt worden war, um die besonders brutalen Mordfälle im Rahmen einer Sonderkommission aufzuklären, konnte ich öfter bei ihr vorbeischauen. Nicht, dass sie mich jemals erhört hätte. Aber es lag nicht in meiner Natur, aufzugeben.

Den Challenger parkte ich direkt vor ihrer Tür, stieg aus und klopfte gegen das große Rolltor. Über mir surrte die Kamera, als sie sich in meine Richtung drehte. Ich sah geradewegs hinein und präsentierte mein bestes Lächeln. »Komm schon, Julie. Ich weiß, dass du da bist. Lass mich rein.«

Kurz darauf piepte mein Handy. Ich holte es aus der Tasche meiner Lederjacke und warf einen Blick auf das Display. Unbekannter Absender. Neugierig öffnete ich die Textnachricht. »Verschwinde.«

Ich schaute wieder in die Kamera und hob eine Augenbraue. »Lass mich rein. Ich möchte dich zum Essen einladen.«

Die Antwort kam per Textnachricht. »Nein.«

»Julie, du brichst mir das Herz.« Ich presste eine Hand auf meine Brust. »Du hast dir offensichtlich meine Nummer beschafft, aber ich bekomme deine nicht?«

Es piepte. »Nein.«

Ich seufzte, stützte einen Arm an der Tür ab und fuhr mir durch die Haare. »Von mir aus. Für heute hast du gewonnen – aber nur, weil ich noch einen Termin habe. Wir sehen uns morgen.«

Auf dem Weg zum Auto las ich die nächste Nachricht: »Spar dir die Mühe.«

Im Gehen drehte ich mich um und grinste in Richtung Kamera. »Niemals, Julie. Niemals.«

Dann stieg ich ein und startete den Motor. Während ich wendete, wählte ich Eastons Nummer und aktivierte die Freisprecheinrichtung.

»Hi«, meldete er sich.

»Hi. Ich nehme an, du weißt, warum ich anrufe.«

Easton seufzte. »Warum gibst du nicht endlich auf? Seit wie vielen Monaten beißt du dir nun die Zähne aus?«

»Aufgeben liegt mir nicht. Außerdem weiß ich, dass Julie nicht abgeneigt ist.« Im Übrigen waren es sieben Monate, zwei Wochen und vier Tage. Aber wer zählte schon so genau?

»Du bist verrückt.«

»Bin ich nicht. Ich kann die Zeichen lesen und ich bin kein Idiot. Sie hat kein Problem damit, wenn ich sie berühre, und egal, wie nah ich ihr komme, sie stört sich nicht dran. Ganz im Gegenteil: Ihre Körpersprache ist offen und sie dreht sich stets in meine Richtung, wenn sie mit mir redet. Mir fehlt nur die Antwort auf die Frage, warum sie sich weigert, mit mir auszugehen.« Eastons langes Schweigen bestätigte meinen Verdacht. »Dir ist es also auch aufgefallen.«

»Natürlich. Nichtsdestotrotz wäre es mir lieber, wenn du sie in Ruhe lassen würdest. Die Situation ist … kompliziert.«

»Gibst du mir jetzt ihre Nummer oder nicht?«

»Ich kann sie dir geben, aber dann wird Julie sie innerhalb weniger Sekunden ändern. Es bringt dir gar nichts.«

»Dann gib mir einen Tipp, wie ich an sie herankomme«, bat ich.

Easton räusperte sich. »Gar nicht. Schlag sie dir aus dem Kopf. Wenn Julie nicht will, will sie nicht.«

Ich beschloss, aus diplomatischen Gründen das Thema zu wechseln. »Habe ich dir eigentlich für die Beförderung gedankt? Nicht, dass ich sie verdient hätte, aber du hast dich ja geweigert, die Lorbeeren einzustreichen.«

Er lachte leise. »Du hast die Beförderung verdient, da du gute Arbeit leistest – und es ist besser, wenn ich mich im Hintergrund halte. Eine Menge der Fragen, die auf mich zukommen würden, kann und will ich nicht beantworten.«

In der Tat hatte selbst ich einige Fragen, doch ich ahnte, dass die Antworten uns allen Probleme bereiten würden – Julie eingeschlossen. Deswegen nahm ich hin, dass Easton seine Geheimnisse hatte. Solange er gefährliche Killer aus dem Verkehr zog, würde ich nicht zweimal nachfragen.

Ich dachte bereits daran, das Gespräch zu beenden, als Easton tief durchatmete. »Sag mal, was willst du eigentlich von Julie?«

»Worauf willst du hinaus?«

»Das frage ich dich. Es wäre wahrscheinlich leichter, sie ins Bett zu bekommen als ich ein Restaurant …« Er brach ab, als hätte er bereits zu viel gesagt.

»Woher willst du das wissen? Hat sie mit dir über mich geredet?« Meine Laune besserte sich schlagartig.

»Verdammt. Ich bringe mich gerade in Teufels Küche.«

»Zu spät. Rück lieber mit der Wahrheit heraus, sonst komme ich bei dir vorbei und fahre erst wieder, wenn du mir alles erzählt hast.«

»Falls du ihr jemals auch nur ein Wort von dieser Unterhaltung erzählst, bringe ich dich um.«

»Zur Kenntnis genommen. Spuck’s aus, Kumpel.«

»Lass es mich so formulieren: Julie hat eine unschöne Trennung hinter sich und seitdem keine Lust mehr auf Beziehungen. Sie ist aber der Meinung, dass du dich nicht mit einem simplen Fick zufriedengeben würdest, und hält dich deshalb auf Abstand. Ich kann beim besten Willen nicht einschätzen, ob sie recht hat.«

»Und wie sie recht hat. Warum soll ich mich mit dem kleinen Finger begnügen, wenn ich die ganze Hand haben kann?«

»Du machst ohnehin, was du willst.«

»Das ist korrekt. Aber danke für den Tipp.« Vor mir sprang die Ampel von grün auf gelb, weshalb ich das Gaspedal durchtrat. Der Motor des Dodge Challenger gab ein sattes Röhren von sich, das mich zutiefst befriedigte.

»Welcher Tipp?« Easton klang nervös.

»Dass ich es mit Sex versuchen sollte.«

»Calder! Das habe ich so nicht gesagt. Im Ernst. Wenn du …«

»Bye.« Ich würgte ihn ab, indem ich auflegte. Zum einen musste ich über das nachdenken, was er gesagt hatte, zum anderen war ich fast am Ziel.

Meine Eltern wohnten noch immer im gleichen Vorort, in dem ich auch aufgewachsen war. Während ich darauf wartete, dass das Tor zur Auffahrt sich endlich zur Seite bewegte, sah ich bereits den silbernen Mercedes meines Bruders vor dem Haus stehen.

Hoffentlich benahm Oakley sich nicht wieder daneben wie letzte Woche. Seit einer Weile machte er sich einen Spaß daraus, seine aktuelle Geliebte mit zum geheiligten Sonntagsessen meiner Mutter zu bringen. Und wenn ich Geliebte sagte, war es eine höfliche Umschreibung für devote Flittchen, die sich für nichts zu schade waren.

Ich versuchte, mir vorzustellen, wie Julie reagierte, wenn ich sie bat, in einem viel zu kurzen Kleid mit sichtbaren Strapsen zum Familienessen zu kommen. Selbst allein im Auto konnte ich ihre Ohrfeige bereits auf meiner Wange fühlen. Mein Bruder hingegen hatte nicht das geringste Problem, alle zwei Tage eine neue Gespielin zu finden. Manchmal erschien es mir absurd, dass er der Ältere von uns beiden war.

Als ich den Dodge neben dem Mercedes parkte, fiel mir auf, dass Oakley noch hinter dem Steuer saß. Er hatte die Augen geschlossen und hielt ein Nickerchen. Zumindest dachte ich das, bis ich den Hinterkopf über seinem Schoß sah, der sich stetig auf und ab bewegte. Das durfte einfach nicht wahr sein.

Ich stieg aus und warf meine Tür so laut wie möglich ins Schloss, woraufhin er zusammenfuhr und den Kopf drehte. Als er mich erkannte, grinste er nur und signalisierte mir, dass er fast fertig war.

Statt einer Antwort zeigte ich ihm den Mittelfinger und drehte mich um, damit ich das Elend nicht länger mit anschauen musste. Ich wünschte, Julie wäre hier und könnte meinen Bruder sehen – das würde ein vollkommen neues Licht auf mich werfen.

In Wahrheit war ich der zuverlässige, hart arbeitende Bruder. Oakley hingegen handelte mit Antiquitäten und hatte ein Geschäft in der Altstadt. Obwohl ich ein Cop war, schaute ich lieber nicht zu genau hin, denn er besaß zwei Penthäuser, drei Autos und ein Ferienhaus auf den Bahamas, die er unmöglich mit den klapprigen, alten Holzstühlen bezahlte, die in seinem sogenannten Showroom standen.

Ich war bereit, mein klägliches Jahresgehalt darauf zu verwetten, dass ein guter Teil von Oakleys Antiquitäten nicht auf legalem Wege zu ihm gelangte.

Da ich allerdings seit der Trennung von meiner Ex vor drei Jahren in einem seiner Penthäuser wohnte, wäre ich schön blöd gewesen, gegen ihn zu ermitteln – zumal ich damit den Unmut der ganzen Familie auf mich gezogen hätte. Zwischen einem Immobilienhai, einer Psychologin und einem Antiquitätenhändler war ich als Cop derjenige, der nicht ins Bild passte.

Ich hörte Schritte und wandte den Kopf. Oakley stand mit einem zufriedenen Grinsen vor mir, die Frau starrte zu Boden.

»Sollen wir?« Mein Bruder deutete auf die Eingangstür.

Ich wischte mir mit der Hand durchs Gesicht. »Willst du mir deine Begleitung vielleicht vorstellen?«

»Ha«, machte Oakley und blieb stehen. »Das ist in der Tat eine sehr gute Frage.« Er drehte sich um, schnippte mit den Fingern. »Wie heißt du, Darling?«

»Michelle, Sir.«

»Das ist Michelle.«

Ich rollte mit den Augen. »Danke, das habe ich auch gehört. Schön, dich kennenzulernen, Michelle.«

Sie errötete prompt. »Danke, Sir. Ich freue mich ebenfalls.«

Ich warf meinem Bruder einen Blick zu, der besagte, dass ich ihn für das Allerletzte hielt. Er grinste bloß. »Noch zweimal und Mum wird nie wieder versuchen, mir eine Frau vorzustellen.«

»Du hättest ihr einfach sagen können, dass sie dich nicht verkuppeln soll.«

»Nachdem ich das mehrere dutzendmal betont habe, müssen andere Maßnahmen her.«

Ich schielte auf Michelles tief ausgeschnittenes Kleid und war mir sicher, die Umrisse von Nippelklammern unter dem Stoff zu erkennen.

Andere Maßnahmen. So konnte man es auch nennen.

Bevor Mum das Dessert serviert hatte, vibrierte das Handy in meiner Hosentasche. In der Hoffnung, Julie hätte es sich vielleicht anders überlegt, warf ich einen Blick darauf. Es war die Einsatzzentrale. Ich verzog das Gesicht, schob den Stuhl zurück und folgte Mum in die Küche.

Sie schnitt gerade den Kuchen an und sah sofort, dass ich wegmusste. »Oh Calder, du kannst uns nicht mit deinem Bruder und dieser … dieser …« Sie wedelte mit der Hand und brach ab.

Ich drückte einen Kuss auf ihre Wange. »Sorry, aber die Pflicht ruft. Ich bin mir sicher, dass Michelle nett ist. Das Problem ist wohl eher dein Sohn.«

»Wo findet er diese Frauen nur immer?«, wollte sie wissen.

Im Beichtstuhl hätte ich beinahe gesagt und hielt mich in der letzten Sekunde zurück. »Deine Söhne sind attraktiv und charmant. Was erwartest du?«

»Ihr seid auch gerissene, manipulierende Mistkerle, wie man an Michelle wohl deutlich sehen kann. Das habt ihr von mir.« Sie seufzte gespielt gequält und schnitt das nächste Stück Torte ab. »Wohin musst du so schnell?«

»Zu einem Tatort. Bevor du fragst: Denk daran, dass ich ab sofort für besonders brutale Verbrechen zuständig bin und du wahrscheinlich nichts darüber wissen willst.«

Prompt klappte ihr Mund zu. Ich kannte sie gut genug, um zu ahnen, dass die Frage nach den Details ihr bereits auf der Zunge gelegen hatte. Sie nickte nur. »Pass auf dich auf.«

»Immer.«

Ich gab ihr einen weiteren Kuss auf die Wange und verließ die Küche durch die andere Tür, bevor ich mir dumme Sprüche über die Arbeitszeiten von Oakley anhören musste. Dann stieg ich in den Wagen und gab die Adresse des Tatorts in das Navi ein.

Die Fahrt dauerte eine knappe halbe Stunde, bevor ich vor einem niedrigen Bungalow parkte. Die Wohnsiedlung befand sich ebenfalls in einem der Vororte, doch die Gegend war längst nicht so teuer wie die, in der meine Eltern wohnten. Weiße und pastellfarbene Bungalows säumten die breite Straße, die erst vor Kurzem neu asphaltiert worden zu sein schien. Die Vorgärten waren allesamt gepflegt, gestutzter Rasen und blühende Pflanzen, wo man hinsah. Hier kannten die Nachbarn sich wahrscheinlich noch mit Vornamen.

Ich nahm den Pappbecherhalter mit den vier Kaffees und stieg aus. Ein junger Deputy stand vor der Tür.

»Was gibt’s, Callahan?«

Er zog die Schultern hoch. »Jede Menge schlecht gelaunte Frauen.«

»Danke für den Tipp.«

Ich ging durch die Tür und nahm bereits im Flur den stechenden Blutgeruch wahr. Da half auch das Aroma des Kaffees nicht. Meine Partnerin Eleanor Baes stand im Flur und machte sich Notizen. »Zieh einen Schutzanzug über«, sagte sie, ohne mich anzusehen.

Callahan hatte recht gehabt. Ich konnte Eleanors schlechte Laune bereits an ihrem steifen Rücken ablesen. »Ja, Boss«, gab ich zurück. »Kaffee?«

Sie drehte sich zu mir und ihre Gesichtszüge wurden weich. »Gern. Der kommt wie gerufen.«

Ich stellte die Becher auf die Kommode im Flur und bemühte mich, dabei nichts zu berühren, bevor ich die Verpackung einer der bereitliegenden Schutzanzüge aufriss. Eleanor war offensichtlich schon in den anderen Räumen gewesen, denn die Bezüge über ihren Füßen waren blutig. »Wie schlimm ist es?«

»Sehr.« Je knapper Eleanors Antworten waren, umso grauenvoller waren die Tatorte. Einsilbige Antworten bedeuteten meist, dass ich Mühe haben würde, mein Essen bei mir zu behalten. Wie gut, dass ich vor dem Nachtisch Bescheid bekommen hatte.

Nachdem ich den Reißverschluss hochgezogen und Handschuhe übergestreift hatte, ging ich ins Wohnzimmer. In der Tür blieb ich wie angewurzelt stehen.

Dr. Madison Hay unterbrach ihre Arbeit an der Leiche und sah zu mir auf. »Scheißtag.«

»Im Flur steht Kaffee.«

Ihre Miene hellte sich auf. »Das wollte ich hören. Danke, Calder.« Sie stand auf, Blut lief von den Knien ihres Anzuges und perlte von dem knisternden Plastik.

Obwohl ich nicht gläubig war, widerstand ich dem Impuls, mich zu bekreuzigen. Eleanor trat zu mir und blätterte in ihrem Block. »Nicht einen Sonntag können wir in Ruhe verbringen. Miguel ist sauer, weil wir Karten für ein Konzert haben.«

Ich warf einen Blick auf meine Uhr. »Heute Abend? Das könnt ihr doch noch schaffen.«

»Also denkst du, was ich denke?« Sie tippte mit dem Kugelschreiber gegen ihre Unterlippe.

»Sí, mi corazón, alles hier dran schreit Beziehungstat. Ich würde mit dem Exfreund anfangen.«

Sie nickte. »Sí. Mir sind auch das halbleere Schuhregal und die Stellen an der Wand aufgefallen, an denen bis vor Kurzem Bilder hingen.«

»Deshalb sind wir so ein gutes Team.«

»Hm«, machte sie. »Und weil mein Verlobter denkt, dass du schwul bist, guapo.«

»Darüber wollte ich noch mit dir reden. Ich habe es endlich nachgeschlagen und ›guapo‹ heißt ja gar nicht nur ›Liebling‹ oder ›Schöner‹, sondern auch ›Raufbold‹, ›Gigolo‹ oder ›Angeber‹.«

Ihre Mundwinkel zuckten. »Was du nicht sagst, guapo.« Sie zwinkerte mir zu und betrat das Wohnzimmer. Das Blut auf dem Boden schmatzte unter ihren Füßen. Eher widerwillig folgte ich ihr. Diesen Teil des Jobs mochte ich gar nicht.

Dr. Hay tauchte hinter uns auf. »Vorläufig würde ich sagen, dass sie gegen zehn Uhr heute Morgen gestorben ist.«

Eleanor deutete auf die Pfotenabdrücke rund um die Leiche. »Ihr Hund ChiChi hat nicht aufgehört zu bellen, weshalb die Nachbarin Rita Flemming vorbeigeschaut hat, um zu überprüfen, ob alles in Ordnung ist. Nach ihrer Aussage hat ChiChi so gut wie nie gebellt. Der Hund ist jetzt nebenan bei ihr. Mrs Flemming hat die Tür mit ihrem Ersatzschlüssel aufgeschlossen, einen Blick ins Wohnzimmer geworfen, ist wieder nach draußen gestürzt, hat sich übergeben und dann uns gerufen. Als sie wieder hergekommen ist, saß der Hund im Vorgarten und hat gejault. Abgesehen davon hat sie nichts gehört oder gesehen.«

»Ohne Autopsie ist es nur Spekulation, aber ich gehe davon aus, dass der massive Blutverlust die Todesursache sein wird. Vielleicht ist sie aufgrund der Schmerzen vorher bewusstlos geworden und hat nichts mehr mitbekommen.« Dr. Hay stützte die Hände in die Hüften. »Kommt es mir eigentlich nur so vor oder wird die Welt immer abgefuckter?«

Ich betrachtete die Leiche. Die junge Frau erinnerte mich mit ihren blonden Locken an Julie. Doch ich vertrieb den Gedanken so schnell wie möglich, denn ich wollte niemals nach Hause kommen und Julie so vorfinden. Die Hände und Füße an den Boden genagelt, den ganzen Körper mit Glasscherben gespickt. Der Anblick würde mich tagelang verfolgen.

»Wurde ihre Kehle auch mit einer Scherbe durchgeschnitten?«

»Da ich kleine Splitter in der Wunde gefunden habe, gehe ich davon aus. Genauere Angaben kann ich erst später machen. Was ich allerdings mit Gewissheit festhalten kann: Das ist nicht nur ihr Blut. Dafür ist es viel zu viel.«

Diese Aussage machte mich nicht unbedingt glücklicher.

KAPITEL2

JULIE

Mein Leben wäre einfacher, wenn ich nicht ständig nach anderen Monstern suchen würde.

Über die Bildschirme meines Computers lief ein steter Informationsfluss, der nur unterbrochen wurde, wenn mein Suchprogramm anschlug.

So wie jetzt.

Ich klickte die Schlagzeile an und überflog den Artikel, bevor ich mir Zugang zu der Polizeiakte verschaffte. Als ich die Namen der ermittelnden Polizisten las, hätte ich mich beinahe zurückgezogen. Detectives Eleanor Bae und Calder Penn.

Doch wie immer war meine Neugier stärker. Es wunderte mich, dass Calder dauerhaft mit einer Frau zusammenarbeitete. Ich hatte ihn noch nie anders wahrgenommen als einen notorischen Frauenhelden. Dass ausgerechnet er eine Partnerin hatte, grenzte an Ironie und machte ihn bloß faszinierender. Etwas, was ich ihm natürlich niemals sagen würde.

Eleanor und Calder arbeiteten bereits seit fünf Jahren zusammen und schienen ein gutes Team zu sein. Wobei es mir schwerfiel, zu glauben, dass es nie zu romantischen Verwicklungen zwischen ihnen gekommen war, denn meiner Meinung nach konnte Calder sich nicht benehmen.

Um mich von ihm abzulenken, sah ich mir die Tatort-Fotos an. Sofort richteten sich die Härchen in meinem Nacken auf. Glasscherben waren eine unverwechselbare Tatwaffe – oder begann ich bereits, Geister zu sehen?

Ich klickte mich durch die Datenbank, die ich mit Easton Mitchell zusammen angelegt hatte. Er jagte Serienkiller, ich beschaffte ihm Informationen. Unser gemeinsames Motto lautete: Je mehr, desto besser.

Da ich in den offenen Fällen suchte, fand ich zuerst nichts, doch kurz darauf durchforstete ich das Verzeichnis der abgeschlossenen Fälle. Als ich sah, dass der letzte Eintrag mehr als sieben Jahre her war, fühlte ich mich urplötzlich sehr alt. Es erschien mir wie gestern.

Ich las die Einträge. Den Opfern waren damals auch die Kehle mit einer Glasscherbe durchgeschnitten worden, doch sie waren nicht an den Boden genagelt gewesen. Ihre Hände waren mit einem normalen Hanfseil hinter ihrem Rücken gefesselt worden.

Warum kannst du nicht einfach glücklich sein?, wisperte die Stimme in meinem Kopf. Wie willst du je mit der Vergangenheit abschließen, wenn du immer nur alten Schreckgespenstern hinterherjagst? Der Mörder von damals ist tot.

Ich wusste, dass es stimmte, und trotzdem spielte ich kurz mit dem Gedanken, Easton anzurufen. Meine Augen glitten über die Akten, verglichen die Einträge. Nein, da war nichts, entschied ich schließlich.

Kurzerhand streckte ich die Hand aus und schaltete die Displays ab. Ich brauchte eine Pause, etwas Abstand.

Da in meinem Kühlschrank schon gestern Abend nichts mehr zu finden gewesen war, beschloss ich, einkaufen zu gehen, statt mich mit blutigen Gewalttaten auseinanderzusetzen. Ich sollte allein deshalb die Finger von diesem Fall lassen, weil es eine Einzeltat war und Calder ermittelte. Der Idiot glaubte sonst, es wäre meine Art, ihm Aufmerksamkeit zu schenken.

Allerdings konnte ich nicht leugnen, dass mein Herz schneller geschlagen hatte, als er gestern vor meiner Tür aufgetaucht war. Wie er dort lässig gestanden hatte in seiner Jeans, dem grauen Shirt und der Lederjacke – einfach zum Anbeißen.

Aber ich war nicht wahnsinnig genug, mich auf ihn einzulassen. Seine Hartnäckigkeit war ebenso schmeichelhaft wie besorgniserregend – zumal Easton inzwischen auch auf mich einredete, seinem Kumpel Calder eine Chance zu geben. Gerade er sollte es besser wissen.

Ich zog die Tür zur Lagerhalle auf und blinzelte in die Sonne. Aus meiner Umhängetasche holte ich meine Sonnenbrille und setzte sie auf. Bis zum Supermarkt war es ein zehnminütiger Fußweg, aber ich konnte die Bewegung gut gebrauchen.

Wann immer ich draußen unterwegs war, fiel mir auf, wie sehr ich mich in den letzten Jahren abgekapselt hatte. Mir war bewusst, dass es sich um reine Sicherheitsmaßnahmen handelte, doch manchmal vermisste ich die unbeschwerte Zeit von früher.

Ich überholte eine alte Dame, die ihre Katze an einem Geschirr spazieren führte, und wartete an einer roten Ampel. Niemand achtete auf mich, trotzdem sah ich ständig über die Schulter und fühlte mich beobachtet. Würde ich dieses Gefühl jemals abschütteln können? Wie viel Zeit musste vergehen, ehe ich die Vergangenheit ruhen lassen konnte?

Mein Handy klingelte. Obwohl nur ausgewählte Personen die Nummer hatten, zuckte ich dennoch zusammen. »Robin« stand im Display. Mit einem Lächeln nahm ich das Gespräch entgegen. »Hey. Keine Sorge, ich halte mein Versprechen.«

»Wirklich?« Er klang skeptisch.

»Wirklich. Du hast recht. Eine Nacht draußen wird mich nicht umbringen.«

»Richtig. Und wenn du nicht kommst, werde ich dich nämlich umbringen. Ich habe schon allen Gästen erzählt, dass du kommen wirst. Du darfst mich nicht hängen lassen.«

»Werde ich nicht. Ich habe sogar schon ein Kleid.«

»Uh, erzähl mir davon.«

»Es ist dunkelblau.«

»Langweilig.« Robin schnalzte mit der Zunge. »Du bist der Star des Abends. Du solltest ein feuerrotes Kleid tragen.«

»Ein Schritt nach dem anderen, okay? Ich komme, aber ich will nicht im Mittelpunkt stehen. Dazu bin ich noch nicht bereit.«

Robin schwieg einen Moment. »Gott, Darling. Natürlich. Wie dumm von mir. Ich wollte dich nicht drängen.«

»Schon gut.« Ich versuchte, Robin zu beruhigen. Er war einer der beiden Menschen, die aus meiner Zeit vor … bevor alles anders geworden war, übrig waren. »Gar kein Problem. Ich verspreche, dass ich komme. Deine Ausstellung wird ein voller Erfolg werden.«

»Ich hoffe es. Das Geld muss fließen. Bye, Darling. Bis Freitag.«

»Bis Freitag.« Ich legte auf und betete, dass mein Mut tatsächlich noch bis dahin vorhalten würde.

Wenn ich recht überlegte, wusste ich nicht, wie es ihm überhaupt gelungen war, mich davon zu überzeugen, seine Foto-Ausstellung zu besuchen. Als gefeierter Fotograf würde er auch ohne mich genug Gäste haben, die mehr als bereit waren, ihm den gewünschten Honig um den Mund zu schmieren.

Bevor ich weiter über meine Rolle in seiner Ausstellung nachdenken musste, hatte ich glücklicherweise den Supermarkt erreicht. Ich schnappte mir einen der grünen Kunststoffkörbe und drehte eine Runde um die Gemüseauslage. Robin und sein verfluchter Charme. Ich konnte nicht glauben, wozu er mich brachte.

Vor den Avocados blieb ich stehen und nahm eine in die Hand. Zwar war das Wetter momentan gut, aber nichts war mit einem sonnigen Tag in meiner Heimat zu vergleichen. Seit ich sie verlassen hatte, schienen Avocados und Orangen nicht mehr wie früher zu schmecken.

»Ist alles in Ordnung?«, fragte eine Stimme.

Ich sah auf und spürte, wie das Blut in meine Wangen stieg. Das hatte ich nun von meinen Grübeleien. Als ich Harry erkannte, entspannte ich mich wieder. Er war in etwa zwanzig Jahre älter als ich und arbeitete im Supermarkt. Wir hatten schon öfter miteinander geplaudert, weil ich fast immer hier einkaufte.

Allerdings hatte ich mir aufgrund meiner Vergangenheit abgewöhnt, einen Rhythmus einzuhalten, weshalb ich im Grunde zu den merkwürdigsten Zeiten meine Besorgungen erledigte. Früher hatte ich meine Routine gehabt. Montags einkaufen, dienstags die Sachen aus der Reinigung holen, mittwochs zum Yoga und so weiter. Mir war nicht aufgefallen, wie leicht es gewesen war, mir zu folgen und stets zu wissen, wo ich war.

Ich lächelte Harry an. »Ein bisschen Heimweh. Ich bin viel mehr Sonne gewohnt, als es hier gibt. Irgendwie bilde ich mir ein, dass die Früchte nicht so gut schmecken, seit ich hergezogen bin.«

Harry stellte eine Kiste Bananen ab und richtete sein Namensschild. »Ich glaube, das bilden Sie sich nicht ein, Miss. Seit ich vor zwei Jahren von Los Angeles hergekommen bin, esse ich die Orangen auch nicht mehr so gern.« Er hob eine der Früchte hoch und betrachtete sie nachdenklich. »Idiotisch. Es ist sogar die gleiche Sorte.« Mit einem Kopfschütteln sah er zu mir.

Was für ein merkwürdiger Zufall, dass Harry ebenfalls aus L. A. kam. Ich hatte nie darüber nachgedacht. Wir sprachen kurz über das Wetter, wünschten uns ein schönes Wochenende oder unterhielten uns darüber, dass die letzte Lieferung Erdbeeren nicht sonderlich appetitlich aussah; persönliche Informationen hatten wir bisher nicht ausgetauscht. Dazu war ich zu vorsichtig.

»Vielleicht liegt es am Klima.«

Er zuckte mit den Achseln. »Vielleicht.« Dann hellte seine Miene sich auf. »Die Blaubeeren sind ein Traum. Heute Morgen frisch gekommen.« Mit dem Daumen deutete er über die Schulter.

»Danke für den Tipp. Haben Sie noch einen schönen Tag, Harry.« Ich nickte ihm zu und ging zu den Blaubeeren, um sie mir anzusehen. Entgegen allem, was Easton behauptete, war ich durchaus in der Lage, mich gesund zu ernähren. Eigentlich aß ich alles gern, egal, ob es frisches Obst oder fettiges Fast Food war.

»Keine Ahnung, wie es dir geht, aber mein Tag ist gerade sehr viel besser geworden.«

Ich kniff die Augen zusammen und rieb mir über den Nasenrücken, dazu musste ich meine Brille hochschieben. »Calder«, sagte ich tonlos. »Welch Freude.«

Er kam noch einen Schritt näher, weshalb ich seine Präsenz überdeutlich spüren und seinen Duft riechen konnte. Leder, Kiefer, Vetiver und Schwarztee. Teuer, exquisit – es passte genau zu ihm.

Ich hob den Kopf und sah ihn an. Seine grün-braunen Augen funkelten belustigt. Ein Lächeln umspielte seinen schön geschnittenen Mund. Ich musste mich zusammenreißen, um es nicht zu erwidern. »Was willst du, Calder?«

»Du weißt, was ich will.« Er senkte die Stimme.

Ein Schauer lief über meinen Rücken. Zwar hatte er noch nie einen Hehl aus seinen Absichten gemacht, aber der sexuelle Unterton war neu. Meine Instinkte sprangen sofort darauf an, malten die wildesten Szenarien aus. Die meisten beinhalteten meine Beine um seine Hüften und seine Hände auf meiner Haut.

Ich schluckte. »Kein Interesse.«

Er seufzte. »Warum machst du es mir so schwer?«

»Damit du andere Frauen belästigen gehst.«

»Belästigen? Autsch.«

Ich rollte mit den Augen und schob mich an ihm vorbei, um die Blaubeeren aus der Nähe zu betrachten.

»Komm schon, Julie, geh mit mir aus.«

»Nein.«

»Warum nicht?«

»Weil ich nicht will.« In der Hoffnung, dass er mich in Ruhe ließ, ging ich weiter zu den Backwaren. Ich wollte Bagles kaufen. Als ich nach einer Packung mit Mohn greifen wollte, schnalzte Calder mit der Zunge. »Wenn ich zum Frühstück bleiben soll, ist wahrscheinlich jetzt der beste Zeitpunkt, um dich darauf hinzuweisen, dass ich Sesam bevorzuge.«

Widerwillig musste ich lachen. »Vergiss es.«

Wenn ich mir sicher gewesen wäre, Calder nach bloß einem Fick wieder loszuwerden, hätte ich mich an Ort und Stelle ausgezogen, aber ich wusste, wie er mich ansah, wenn er dachte, ich würde es nicht bemerken – wie ein ausgehungertes Raubtier auf Beutezug.

Ich war schon einmal die Beute gewesen und hatte meine Lektion gelernt. In meinem Leben war kein Platz für besitzergreifende, dominante Männer, die mich mit Haut und Haar verschlangen. Ich konnte Calder gut genug einschätzen, um zu wissen, dass er genau in diese Kategorie gehörte.

Gleichzeitig schrie alles in mir danach, mich ihm zu unterwerfen. Ich lechzte danach, und je länger er baggerte, desto empfänglicher wurde ich für seinen Charme. Wenn ich mir nicht bald etwas einfallen ließ, hatte ich ein ernstes Problem.

Er folgte mir bis zur Kasse und hinaus auf den Parkplatz. »Ich stehe da drüben.«

»Ich laufe lieber.«

»Komm schon, Julie, ich möchte dich bloß nach Hause bringen.«

Unschlüssig sah ich zu dem schwarzen Dodge Challenger. »Also gut.« Da er mich sofort siegessicher anlächelte, hob ich eine Hand. »Aber nur, weil ich befürchte, dass du sonst den ganzen Heimweg im Schritttempo neben mir herfährst.«

»Damit könntest du recht haben.« Er grinste und nahm mir die Tüte mit den Einkäufen ab.

Ich setzte mich auf den Beifahrersitz und wartete darauf, dass er einstieg, nachdem er meinen Einkauf im Kofferraum verstaut hatte. Im Wagen roch es nach einem Frauenparfüm, weshalb ich mich fragte, ob er seine Partnerin mitgenommen hatte – oder eine andere Frau. Im gleichen Moment ärgerte ich mich, dass es mich überhaupt interessierte.

Calder stieg ein und startete den Motor. »Ich habe nachgedacht.«

Ich ahnte bereits, dass ich die Frage bereuen würde. »Worüber?«

»Den passenden Kosenamen für dich. Ich schwanke zwischen ›Liebling‹ und ›Sweetheart‹ – welchen findest du besser?«

»Weder noch. Du brauchst keinen Kosenamen für mich.« Ich verschränkte die Arme.

»Willst du wirklich, dass ich dich beim Sex ›Julie‹ nenne? Ist das nicht schrecklich unromantisch?«

Die Vorstellung, mit Calder zu schlafen, raubte mir den Atem, aber ich gab mir Mühe, es mir nicht anmerken zu lassen. »Ich weiß das Angebot zu schätzen, Calder, allerdings wird nie etwas zwischen uns passieren. Du bist ein fähiger Cop und meine erste Wahl, wenn Easton keine Zeit hat. Darüber hinaus ist da nichts.«

Er hielt vor der Lagerhalle und stoppte den Motor, ehe er beide Hände aufs Lenkrad legte. »Warum nicht? Ich weiß genau, dass du mich ebenso sehr willst wie ich dich.«

»Da liegst du falsch«, behauptete ich mit fester Stimme und stieg aus. Ich ging zum Kofferraum, holte die Einkäufe heraus. Als ich die Klappe zuwarf, hatte Calder beide Hände aufs Autodach gestützt. »Warum lügst du?«

Ich schob die Eingangstür einen Spalt weit auf, bevor ich mich umdrehte. »Hast du schon mal in Betracht gezogen, dass ich vielleicht einen Liebhaber habe und keinen zweiten brauche?«

Er starrte mich an, fing sich für meinen Geschmack aber zu schnell wieder. »Da ist kein anderer Mann.«

»Woher willst du das wissen?«

»Ich weiß es einfach.«

»Die Antwort ist und bleibt Nein, Calder. Danke fürs Fahren.« Schnell schlüpfte ich in die Halle und verriegelte die Tür hinter mir.

KAPITEL3

CALDER