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Sie sollte ihre Feindin sein – doch vielleicht ist sie ihre einzige Rettung Griffins Entscheidung, die menschliche Autorin Jorie nicht zu töten, hat alles verändert: Für ihre Artgenossen gilt sie nun als Verräterin. Gemeinsam mit Jorie, die ihr anfangs nur widerwillig folgt, begibt sich Griffin auf eine verzweifelte Flucht. Als letzter Ausweg bleibt ihnen nur ein Ort, an dem sie Schutz suchen können: Griffins entfremdetes Rudel. Doch dorthin zurückzukehren, bedeutet, sich alten Konflikten zu stellen. Während ihre Verfolger immer näher kommen, muss Jorie sich entscheiden: Kann sie Griffin nicht nur ihr Leben, sondern vielleicht sogar ihr Herz anvertrauen? Second Nature: Zwischen zwei Welten ist ein lesbischer paranormaler Liebesroman und Band 2 von Griffins und Jories Geschichte.
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Seitenzahl: 356
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Inhaltsverzeichnis
Über das Buch
Über Jae
Von Jae außerdem lieferbar
Vorwort
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Epilog
Glossar der Gestaltwandler-Begriffe
Ebenfalls im Ylva Verlag erschienen
Über das Buch
Sie sollte ihre Feindin sein – doch vielleicht ist sie ihre einzige Rettung
Griffins Entscheidung, die menschliche Autorin Jorie nicht zu töten, hat alles verändert: Für ihre Artgenossen gilt sie nun als Verräterin.
Gemeinsam mit Jorie, die ihr anfangs nur widerwillig folgt, begibt sich Griffin auf eine verzweifelte Flucht.
Als letzter Ausweg bleibt ihnen nur ein Ort, an dem sie Schutz suchen können: Griffins entfremdetes Rudel. Doch dorthin zurückzukehren, bedeutet, sich alten Konflikten zu stellen.
Während ihre Verfolger immer näher kommen, muss Jorie sich entscheiden: Kann sie Griffin nicht nur ihr Leben, sondern vielleicht sogar ihr Herz anvertrauen?
Second Nature: Zwischen zwei Welten ist ein lesbischer paranormaler Liebesroman und Band 2 von Griffins und Jories Geschichte.
Über Jae
Jae wuchs im Weingebiet Süddeutschlands auf. Schon als Kind war sie immer mit der Nase in einem Buch anzutreffen, was ihr den Spitznamen »Professor« einbrachte. Im Alter von elf Jahren begann sie dann mit dem Schreiben eigener Geschichten. Seit 2006 schreibt sie hauptsächlich auf Englisch.
Bis im Dezember 2013 arbeitete sie als Psychologin, gab dann aber ihren Beruf auf, um Vollzeitschriftstellerin und Teilzeitlektorin zu werden. In ihrer Freizeit liest sie nach wie vor gerne, frönt ihrem Eiscreme- und Schreibwarenfaible und schaut viel zu viele Krimiserien.
KONTAKT:
Webseite: www.jae-fiction.de
E-Mail: [email protected]
Von Jae außerdem lieferbar
Bachelorette Nummer zwölf
Kuscheln im Erbe inbegriffen
Tintenträume
Ein Happy End kommt selten allein (Bd. 1 & 2)
Aus dem Gleichgewicht
Hängematte für zwei
Herzklopfen und Granatäpfel
Cabernet und Liebe
Die Gestaltwandler-Serie:
Second Nature: Im Bann der Träume (Band 1)
Second Nature: Zwischen zwei Welten (Band 2)
Vollmond über Manhattan
Die Hollywood-Serie:
Liebe à la Hollywood
Im Scheinwerferlicht
Affäre bis Drehschluss
Die Portland-Serie:
Auf schmalem Grat
Rosen für die Staatsanwältin
Die Renshaw-Schwestern-Reihe
Alles nur gespielt
Eine Mitbewohnerin zum Verlieben
Die Serie mit Biss:
Zum Anbeißen
Fair-Oaks-Serie:
Perfect Rhythm – Herzen im Einklang
Beziehung ausgeschlossen
Oregon-Serie:
Westwärts ins Glück (Bd. 1 & 2)
Angekommen im Glück
Verborgene Wahrheiten (Bd. 1 & 2)
Unverhofft verliebt:
Vorsicht, Sternschnuppe
Falsche Nummer, richtige Frau
Alles eine Frage der Chemie
Second Nature: Zwischen zwei Welten
Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.
1. Auflage
Dieser Titel ist als Taschenbuch und E-Book erschienen.
Taschenbuchausgabe 2026 bei Ylva Verlag, e.Kfr.
ISBN: 978-3-69006-112-4
E-Book-Ausgabe 2026 bei Ylva Verlag, e.Kfr.
ISBN (E-Book): 978-3-69006-113-1
ISBN (PDF): 978-3-69006-114-8
Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.
Copyright © der Originalausgabe 2013 bei Ylva Publishing
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2026 bei Ylva Verlag
Die Nutzung unserer Werke für Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG behalten wir uns explizit vor.
Korrektorat: Anne Grunwald
Satz & Layout: Ylva Verlag e.Kfr.
Bildrechte Umschlagillustration vermittelt durch Shutterstock LLC; iStock; AdobeStock
Grafiken vermittelt durch Freepik
Coverdesign: Michelle Ryan
Kontakt:
Ylva Verlag, e.Kfr.
Inhaberin: Astrid Ohletz
Am Kirschgarten 2
65830 Kriftel
Tel: 06192/9615540
Fax: 06192/8076010
www.ylva-verlag.de
Amtsgericht Frankfurt am Main HRA 46713
Vorwort
Liebe Leserin, lieber Leser,
danke, dass du auch beim zweiten Teil von Griffins und Jories Geschichte wieder mit dabei bist!
Ich gehe davon aus, dass du den ersten Band bereits gelesen hast. Falls nicht, lege ich dir dringend ans Herz, Second Nature: Im Bann der Träume zuerst zu lesen, denn Griffins und Jories Geschichte ist ein Zweiteiler, der aus zwei Romanen besteht.
Falls du den ersten Teil bereits gelesen hast, freue ich mich riesig, dass du mehr von den beiden lesen möchtest, und hoffe, du wirst am zweiten Teil genauso viel Freude haben.
Wie immer findest du am Ende dieses Buches ein Glossar mit Begriffen aus der Welt der Gestaltwandler. Außerdem gibt es das Glossar auch auf meiner Webseite unter www.jae-fiction.de/glossar
Unvergessliche Lesemomente wünscht
Jae
Kapitel 1
Griffin hielt ihre Hand um Jories Oberarm gelegt, als sie ihr aus dem Lieferwagen half. Sie spürte das leichte Zittern unter ihrer Hand. Nach außen hin wirkte Jorie ruhig, als hätte sie sich in ihr Schicksal gefügt, aber Griffin wusste, dass das nicht der Wahrheit entsprach. »Bring sie rein und sorg dafür, dass niemand in ihre Nähe kommt.« Ihre Worte waren an Rhonda gerichtet, denn sie wusste nicht, ob Leigh auch nur eine Kralle rühren würde, um einen Menschen zu beschützen.
»Was? Nein. Wo gehst du hin?«, fragte Jorie.
Der Geruch ihrer Panik streifte Griffins Nase. Offenbar hatte sie Angst, mit Leigh und Rhonda allein gelassen zu werden.
Griffin musterte sie. Traut sie mir zu, dass ich sie beschütze, trotz allem, was passiert ist? Oder zieht sie nur den Feind, den sie kennt, dem vor, den sie nicht kennt?
»Ich bin gleich wieder da. Ich muss mit meinen Vätern reden.« Sie freute sich nicht gerade auf das Gespräch, aber wenn sie Jorie beschützen wollte, brauchte sie die Hilfe ihrer Väter.
Während Leigh und Rhonda Jorie ins Haus brachten, stieg Griffin wieder in den Van und fuhr zum Haus ihrer Väter, das sich im Zentrum des kleinen Orts befand. Im Städtchen wohnten fast ausschließlich Kasari.
Sie hatte gehofft, dass das Haus dunkel sein würde und sie das Gespräch auf den Morgen verschieben konnte, aber im Wohnzimmer brannte noch Licht.
Ihre Nasenflügel bebten, als sie die Luft rund ums Haus einatmete. Der Geruch eines nervösen Ashawe war bereits am Verblassen. Ansonsten nahm sie nur den Körpergeruch von Kasari wahr.
Gut. Die Saru schienen das Haus nicht zu beobachten.
Sie strich die Falten aus ihrem Hemd und klopfte an die Tür, die innerhalb von Sekunden geöffnet wurde.
Gus stand vor ihr. »Griffin.« Er blickte an ihr vorbei. »Wo sind Leigh und Rhonda?«
»Bei Rhonda«, antwortete Griffin so ruhig sie konnte. Insgeheim ärgerte es sie, dass er sofort nach Leigh fragte und sich offenbar mehr um ihre Schwester als um sie sorgte. »Darf ich reinkommen?« Wenn sie noch länger hier draußen stand, würde das ganze Rudel wissen, dass sie hier war.
Gus schaute über seine Schulter, als wartete er auf Brians Reaktion. Schließlich nickte er und trat beiseite, um sie hereinzulassen.
Brian lag ausgestreckt auf der Couch. Seine entspannte, katzenhafte Haltung war jedoch trügerisch. Ein Blick in seine Augen verriet ihr, dass er sich jeden Moment auf sie stürzen könnte. »Was ist los?«, fragte er ohne Begrüßung. »Es geht das Gerücht um, dass du die Menschenfrau hast entkommen lassen.«
Griffin fragte nicht, wie er davon erfahren hatte. In seinem Revier passierte kaum etwas, wovon Brian nichts wusste. »Ich habe sie nicht entkommen lassen. Nicht absichtlich.«
Mit einer einzigen fließenden Bewegung sprang Brian von der Couch auf. Er schritt an Gus vorbei und baute sich vor Griffin auf. »Was ist dann passiert?«
»Es wäre falsch gewesen, sie jetzt zu töten, ohne vorher alle wichtigen Antworten zu bekommen.« Griffin bemühte sich, weder zusammenzuzucken noch zurückzuweichen.
»Falsch?«, donnerte Brian. »Seit wann entscheiden einfache Saru-Soldatinnen, was richtig und was falsch ist? Du hast Befehle zu befolgen, nicht über deren Richtigkeit zu entscheiden! Du riskierst deine Karriere und womöglich sogar dein Leben!«
Griffin wusste nicht, was sie antworten sollte. Ihre wachsenden Zweifel an den Saru und der Politik des Rates zu äußern, würde nicht dazu beitragen, ihren Vater zu beruhigen.
»Nun ja«, sagte Gus, »über die Konsequenzen seines Handelns nachzudenken, bevor man etwas tut, kann ratsam sein, selbst für eine Saru. Ich frage mich, von wem Griffin das hat. Von dir ganz sicher nicht.«
Brian und Griffin wandten sich von ihrer hitzigen Debatte ab und starrten Gus an. Nie zuvor hatte er sich bei einem Streit auf Griffins Seite gestellt. Als sie ein Teenager gewesen war, hatte sich Gus nie eingemischt, sondern alle Entscheidungen, die Ky und sie betrafen, Brian überlassen. Griffin hatte immer geglaubt, er würde einen Groll gegen die Kinder seines Bruders hegen und sie nicht als seine Töchter ansehen.
Anstatt loszubrüllen oder seinen jüngeren Bruder für seine offenen Worte anzugreifen, starrte Brian ihn nur an und wandte dann den Blick ab.
Langsam verstand Griffin. Obwohl alle das Gegenteil annahmen, war Gus derjenige, der die Macht über Brian hatte, nicht umgekehrt. Schuldgefühle sind eine starke Waffe. Brian hatte mit der Tochter des letzten Traumsehers hybride Kinder gezeugt, aber die Wrasa-Gesellschaft hatte deshalb auch von Gus schlecht gedacht. Auch seine Karriere hatte darunter gelitten.
Stand er nun wirklich auf Griffins Seite, oder nutzte er bloß die Gelegenheit, um Brian eins auszuwischen?
»Also hast du den Menschen nicht getötet, weil du dachtest, es wäre der falsche Zeitpunkt?« Brians tiefe Stimme klang ruhiger, aber noch immer nicht so, als würde er ihre Entscheidung gutheißen oder zumindest verstehen.
»Nicht nur deshalb. Laut Gesetz darf ein Mensch nur als letzter Ausweg getötet werden, aber in letzter Zeit gehen einige Leute im Kommandostab mit der Auslegung von letzter Ausweg ziemlich lax um.« Griffin schaute von Brian zu Gus. »In meinem Bericht habe ich festgehalten, dass Ms Price keine Bedrohung darstellt und wir mehr Zeit für die Ermittlungen brauchen. Der Rat hat trotzdem den Tötungsbefehl erteilt. Warum haben sie mich hergeschickt, wenn sie sich längst entschieden haben? Ich verstehe nicht, warum der Rat und Tas Jennings so viel Druck machen, Jorie zu töten.«
»Zuvor war sie vielleicht keine große Bedrohung, aber jetzt, wo sie gesehen hat, wie du dich verwandelt hast, läuft uns die Zeit davon. Wir müssen sie töten. Wenn du es nicht kannst, macht es einer meiner Leute.« Brian sagte es ruhig, ohne echtes Bedauern. Nachdem er seine Gefährtin, Leighs Mutter, durch menschliche Jäger verloren hatte, war er den Menschen nicht gerade freundlich gesinnt.
»Nein«, sagte Griffin scharf. »Es war meine Schuld, und ich will nicht, dass jemand anderes deswegen leidet.«
Brian sah weg.
»Ich will nicht, dass sie getötet wird«, fuhr Griffin fort und nutzte seinen Moment der Schwäche. »Zumindest nicht, bevor wir alle Antworten haben und eine fundierte Entscheidung treffen können.«
»Das liegt nicht mehr in deiner Hand.« Brian ließ sich wieder auf das Sofa sinken. »Alle Saru im Bundesstaat suchen nach ihr, und wenn sie sie finden, werden sie die Frau töten, ohne dich um Erlaubnis zu fragen.«
»Ich weiß.« Griffin holte tief Luft. »Deshalb habe ich sie hierhergebracht.«
In der plötzlichen Stille hallte Griffins Herzschlag in ihren Ohren wider.
Brian sprang auf. Er packte Griffins Schultern, als wollte er sie in die Knie zwingen, aber seit ihrer letzten Auseinandersetzung war Griffin größer und stärker als er geworden. »Hast du den Verstand verloren? Du hast sie in unser Revier gebracht?« Er schüttelte Griffin. »Wie kommst du darauf, dass ich das Gesetz brechen würde, nur um einem Menschen zu helfen?«
Griffins Finger schlossen sich um seine Handgelenke und lösten seine Hände mit Nachdruck von ihren Schultern. »Du tust es nicht, um einem Menschen zu helfen. Du tust es, um deiner Tochter zu helfen.«
Brian schnaubte. »Du wolltest nie meine Tochter sein. Du hast nie versucht, Teil unseres Rudels, unseres Lebens zu sein.«
Griffin ließ seine Handgelenke los und stieß ihn von sich, weil sie seine körperliche Nähe plötzlich nicht mehr ertragen konnte. »Also bin ich nur deine Tochter, wenn ich Teil des Rudels bin? Wenn ich alle politischen Spielchen mitmache und mich der Kasari-Gesellschaft anpasse, so wie Ky es tut? Ist das deine Vorstellung von bedingungsloser Vaterliebe?« Früher hatte Griffin nie großartig darüber nachgedacht. Doch Helen Price hatte ihr gezeigt, wie die bedingungslose Liebe eines Elternteils aussah, und Griffin war klar geworden, dass sie so etwas von ihren eigenen Eltern nie erfahren hatte. Bis jetzt war ihr nicht einmal bewusst gewesen, dass sie sich danach sehnte.
Zwei grüne Augenpaare starrten Griffin an, aber weder Brian noch Gus sagten etwas.
»Rhonda sagte, ihr hättet sie geschickt, um mich zu suchen, weil ihr sicherstellen wolltet, dass es mir gut geht.« Ein Teil von Griffin wollte das glauben, aber Brians Weigerung, ihr zu helfen, ließ sie daran zweifeln. »Aber in Wahrheit wolltet ihr nur sicherstellen, dass ich meinen Job mache und euch nicht noch mehr Schande mache, als meine Geburt es bereits getan hat. Tja, danke für die Audienz, Natak.« Griffin drehte sich auf dem Absatz um und stürmte zur Tür. »Ich bin innerhalb einer Stunde aus eurem Revier verschwunden.«
»Sie würden dich innerhalb einer Stunde töten!«, rief Brian ihr nach.
Griffin drehte sich noch einmal um und sah ihn an. »Würde es dich überhaupt kümmern?«
»Natürlich kümmert es mich!«
»Dann verhalte dich auch so.« Sie stieß den Zeigefinger in seine Richtung. »Ob ich bleibe oder gehe, ist diesmal deine Entscheidung.«
Brians Schultern sackten herab. »Entscheidung? Ich kann nicht frei entscheiden, Griffin. Ich bin nicht bloß Vater, sondern auch Natak. Ich muss tun, was für das Rudel am besten ist. Wenn sie dich hier finden …«
Griffin machte einen Schritt auf ihn zu. »Sie werden hier nicht nach mir suchen. Sie haben die Gegend bereits durchkämmt und sind jetzt in Detroit. Mein Kommandant weiß, dass ich schon seit Jahren keinen Kontakt mehr zu meinen Vätern habe und euch nie um Hilfe bitten würde, weil ich euch nichts schuldig sein will.«
»Warum bittest du uns dann jetzt um Hilfe?« Emotionen spiegelten sich in Brians Augen wider, aber in dem chaotischen Gemisch aus Gerüchen, das den Raum erfüllte, konnte Griffin nicht sagen, was er fühlte.
Gute Frage. Noch vor ein paar Wochen wäre sie weitergefahren und hätte versucht, die Saru abzuhängen, obwohl das fast aussichtslos war. »Vielleicht lerne ich gerade, dass Danke sagen nicht wehtut«, antwortete sie mit dem Hauch eines Lächelns. »Also, dürfen wir bleiben?«
Brian sah zu Gus, der nichts sagte. Das brauchte er auch nicht. Ihre Väter hatten sich schon immer wortlos verständigen können. »Bring die Menschenfrau hierher. Ich will mit ihr reden«, sagte Brian schließlich.
»Nein!« Jorie war schon verängstigt und verwirrt genug, da brauchte sie den einschüchternden Brian nicht auch noch. »Bei Rhonda ist sie gut aufgehoben.« Die freundliche Bibliothekarin würde Jorie keine Angst einjagen und ihr helfen zu verstehen, dass die Wrasa keine Monster waren.
Brian knurrte. »Das war keine höfliche Einladung, die du einfach ablehnen kannst. Es war ein Befehl, und ich bin hier immer noch der Natak.«
Oh, jetzt beginnen die guten alten Machtspielchen. Griffin hatte es erwartet. Nach ihrer Auseinandersetzung musste er seine Autorität wiederherstellen.
»Du bist einer der Nataks«, sagte Gus. »Und als der andere meine ich, wir sollten Griffin vertrauen. Sie weiß besser, wie man mit der Menschenfrau umgeht.«
Griffin neigte den Kopf zur Seite und musterte ihn. Warum half er ihr?
»Sorg dafür, dass sie keinen Ärger macht«, sagte Brian. »Und jetzt geh.«
Mit einem dankbaren Nicken in Gus’ Richtung trat Griffin hinaus in die Dunkelheit.
Kapitel 2
Jorie stemmte sich dagegen, als Griffins Schwester sie ins Haus zog, aber der unglaublichen Kraft der Frau war sie nicht gewachsen. Endlich ließ Leigh los, und Jorie rieb sich den Arm.
»Kommst du eine halbe Stunde allein mit dem Menschen klar?« Leigh musterte Rhonda mit offensichtlicher Sorge. »Ich würde gern eine Runde laufen, um die Wirkung der Katzenminze loszuwerden.«
Rhonda nickte. »Ich komme schon klar.«
Ja! Jories Instinkt sagte ihr, dass Leigh die Gefährlichere der beiden war.
»Sei vorsichtig«, sagte Rhonda.
In ihrer Stimme schwang etwas mit, was Jorie genauer hinsehen ließ.
Rhondas Sorge um Leigh war nicht schwer zu erkennen. Jorie fiel wieder ein, wie Leigh, berauscht von der Katzenminze, sich an Rhonda gekuschelt hatte. War sie Leighs Partnerin? Hatten diese Gestaltwandler überhaupt Partnerinnen? Oder war Rhonda etwa doch ein Mensch? Im Vergleich zu Leigh und Griffin wirkte sie harmlos, wie das typische Mädchen von nebenan.
Als Leigh ging, wandte sich Rhonda Jorie zu und schenkte ihr ein freundliches Lächeln. »Fühlen Sie sich wie zu Hause.«
Sie klang nicht wie ein Raubtier, aber vermutlich war sie stärker, als sie aussah, sonst hätte Leigh sie nicht allein Wache stehen lassen.
Jorie war fest entschlossen, sich nicht täuschen zu lassen. Nie wieder. Keine Sekunde lang würde sie Rhonda den Rücken zukehren.
Ihre Gastgeberin führte sie ins Wohnzimmer und schaltete das Licht ein.
Trotz ihrer Anspannung sah sich Jorie neugierig um. Sie wusste nicht genau, was sie in der »Höhle des Löwen« erwartet hatte, aber gewiss nicht das gemütlich aussehende Sofa, den Kamin oder Hunderte von Büchern, die sich in den Regalen stapelten.
Wer hätte das gedacht? Gestaltwandler lesen gern! Zumindest diese hier. Jorie ließ ihre Hand über die Bücher gleiten, bis sie auf ein vertrautes Buch stieß. »Haben Sie Fremde Sterne wirklich gelesen?« Oder war das alles nur ein Trick? Hatten die Gestaltwandler schon damals ihr Leben infiltriert?
Rhonda trat neben sie.
Jories angespannte Nerven ließen sie zusammenzucken.
Rhonda sah auf das Buch, das Jorie aus dem Regal genommen hatte. »Ich habe alle Ihre Bücher gelesen. Man könnte sagen, ich bin Fan.«
Jorie wusste nicht, ob das ein tröstlicher oder ein beängstigender Gedanke war. »Sind Sie eine von denen?«
»Eine von denen?«
»Eine Wrasa.« So hatte Leigh sie genannt.
»Ich weiß nicht, wie viel ich Ihnen erzählen darf«, antwortete Rhonda. Sie sah Jorie bedauernd an. »Vielleicht wäre es besser, wenn Sie mir keine Fragen stellen.«
»Das ist also ein Ja«, sagte Jorie. Wenn Rhonda ein Mensch wäre, hätte sie es einfach gesagt.
Rhonda bestätigte es nicht, bestritt es aber auch nicht. »Sie nehmen das ziemlich gelassen hin. Ich glaube kaum, dass ich so ruhig wäre, wenn ich plötzlich erfahren würde, dass Vampire existieren.«
Es gibt also keine Vampire. Endlich mal eine gute Nachricht!
Jorie fühlte sich alles andere als gelassen, aber wenn sie überleben wollte, musste sie so gefasst wie möglich bleiben. »Ich tue so, als wäre ich eine Figur aus meinem Roman«, scherzte sie und merkte dann, dass das gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt war. Ihre fiktiven Gestaltwandler hatten einiges mit den Wrasa gemeinsam.
»Möchten Sie eine Tasse Tee?«, fragte Rhonda. »Ich habe leider keinen Kaffee.«
Erst wollen sie mich umbringen und dann laden sie mich zum Tee ein? Jories überstrapazierte Nerven ließen sie fast hysterisch lachen, aber sie hielt sich zurück. Sie musste ruhig bleiben, wenn sie hier lebend herauskommen wollte. »Ich hätte gern eine Tasse Tee, danke. Darf ich Ihr Bad benutzen?« Jorie versuchte, normal zu klingen. Rhonda sollte denken, dass sie gleich mit ihrer Lieblingsautorin Tee trinken würde, und vergessen, dass Jorie eine Gefangene und sie ihre Wächterin war.
»Natürlich.« Auf dem Weg in die Küche zeigte Rhonda ihr das Badezimmer.
Als sich die Tür hinter Jorie schloss, presste sie ihr Ohr ans Holz und zählte bis zehn.
Die Geräusche draußen verrieten, dass Rhonda mit der Zubereitung des Tees beschäftigt war. Das war ihre Chance! Jories Herz hämmerte. Sie öffnete das Fenster und stieg auf den geschlossenen Toilettendeckel.
Ihre steifen Muskeln protestierten. Sie ignorierte sie, stemmte sich hoch und stieß sich mit den Füßen ab. Ihre Schultern schrammten am Rahmen des kleinen Fensters entlang. Autsch. Mist. Sie zwängte den Rest ihres Körpers hindurch.
Die Schwerkraft zog sie hinab. Fast wäre sie mit dem Gesicht voran in einen Rosenstrauch gestürzt. Dornen zerkratzten ihre Arme, und sie biss sich auf die Lippe, um nicht zu fluchen.
Schnell! Rhonda würde bald merken, dass Jorie weg war. Sie rannte die Straße hinunter, blieb immer in der Deckung von Häusern und Schatten, während langsam die Dämmerung einsetzte.
Was nun? Ihre Gedanken rasten schneller als ihre Füße. Wo wäre sie sicher? Sie kannte das Städtchen und seine Bewohner nicht, traute sich aber nicht, an einem der Häuser stehen zu bleiben und um Hilfe zu bitten. Bei ihrem Glück würde sich die Person, die ihr die Tür öffnete, als Gestaltwandler entpuppen und sie prompt zu ihren Entführerinnen zurückbringen.
Als sie den Stadtrand erreichte, lehnte sie sich schwer atmend an eine Hauswand. Ihr Blick glitt die Straße hinunter. Ohne Deckung auf der offenen Straße weiterzugehen, war keine gute Idee. Ihre einzige andere Option war, durch den Wald zu fliehen. Dort hätte sie zumindest etwas Deckung, aber ihr Instinkt sagte ihr, dass sich die Gestaltwandler im Wald wie zu Hause fühlten.
Sie sind auch auf der Straße zu Hause. Sie fahren Autos, und sie werden erwarten, dass ich es mir einfach mache und den einzigen Weg aus der Stadt wähle, den ich kenne.
Schon stand ihre Entscheidung. Sie raste den Feldweg entlang, der zwischen den Bäumen verschwand, und hoffte, den Wald zu erreichen, bevor Rhonda ihr Verschwinden bemerkte.
Vor ihr raschelte etwas im Wald.
Jorie duckte sich hinter einen Baum und schielte vorsichtig hinter dem Stamm hervor.
Eine Frau trat zwischen den Bäumen hervor. Eine nackte Frau.
Leigh. Verdammt. Jorie riss den Kopf zurück und presste sich gegen die raue Rinde des Baumes. Blut rauschte in ihren Ohren, sodass sie kaum etwas hören konnte. Sie hielt den Atem an. Obwohl sie vor Anspannung fast platzte, rührte sie sich nicht, aus Angst, Leigh auf sich aufmerksam zu machen.
Alles blieb still im Wald. War Leigh noch da?
Einige Minuten vergingen. Jories Beine krampften. Sie hörte nichts. Vielleicht war Leigh längst weg. Jorie wagte einen vorsichtigen Blick um den Baum herum.
»Buh!« Leigh stand plötzlich direkt vor ihr.
Jorie zuckte zurück. Ihre Füße rutschten auf feuchtem Laub aus, und sie fiel hin. Auf Händen und Knien kämpfte sie sich einen Hügel hinauf und kam dann endlich auf die Beine.
Zu spät fiel ihr ein, dass Griffin sie davor gewarnt hatte, jemals vor einem Raubtier wegzulaufen.
Blätter raschelten unter Leighs Füßen, als sie zu Jorie aufschloss.
Nein! Jorie versuchte, schneller zu laufen, aber nach vierundzwanzig Stunden fast ohne Schlaf war sie völlig erschöpft.
Grobe Finger packten von hinten ihr Oberteil und zogen sie zurück.
Jorie schrie auf. Wild schlug sie um sich. Ihre Faust traf ihre Angreiferin.
Leigh stieß ein ohrenbetäubendes Brüllen aus.
Dann traf etwas Schweres Jorie von hinten. Alles wurde schwarz.
~ ~ ~
Erschöpfung senkte sich auf Griffins Schultern hinab, als sie den Van vor Rhondas Haus parkte. Noch bevor sie die Veranda erreichte, öffnete sich die Haustür und eine panisch dreinblickende Rhonda stürzte heraus. »Griffin! Ms Price ist weg!«
»Was?« Griffin blieb abrupt stehen. »Was soll das heißen, weg? Ich habe dir doch gesagt, du sollst sie im Auge behalten.«
»Tut mir leid. Sie ist durchs Badezimmerfenster rausgeklettert, während ich Tee gekocht habe.« Rhonda ließ den Kopf hängen.
»Mist!« Griffin wirbelte herum – und erstarrte, als sie eine splitterfasernackte Leigh aufs Haus zumarschieren sah.
Jorie hing schlaff in ihren Armen. Ihre Gliedmaßen baumelten bei jedem Schritt, den Leigh machte.
»Jorie!« Mit einem großen Satz war Griffin an Leighs Seite.
»Ich glaube, das ist deine Streunerin.« Leigh hielt ihr die reglose Frau entgegen.
Griffin schlang schützend die Arme um Jorie, beugte sich über sie und schnupperte. Der scharfe Geruch panischer Angst haftete an Jorie, aber Griffin spürte ihren Atem an ihrem Hals. Ein Knurren entrang sich ihrer Brust, als sie Leigh anfunkelte. »Was hast du mit ihr gemacht?«
»Das, was du von Anfang an hättest tun sollen«, erwiderte Leigh.
»Sie umbringen?«, knurrte Griffin.
»Sie am Weglaufen hindern.« Auch Leighs Stimme wurde lauter.
»Das hättest du tun können, ohne ihr wehzutun. Ich will ihr Vertrauen zurückgewinnen und ihr nicht noch mehr Angst einjagen.« Anstatt eine Lösung zu finden, wurde alles nur noch komplizierter.
»Sie hat mir fast das Auge ausgestochen!« Leigh rieb sich das rechte Auge, das bereits begann, zuzuschwellen.«
»Gut so«, sagte Griffin.
Rhonda schob sich zwischen die beiden und blickte mit besorgter Miene auf Jorie hinab. »Bringen wir sie erst mal rein. Ihr zwei könnt euch später streiten.«
Mit einem letzten wütenden Blick auf Leigh trug Griffin Jorie ins Haus.
Rhonda ging voran, öffnete die Türen und führte sie zum Gästezimmer.
Behutsam legte Griffin die noch immer bewusstlose Jorie aufs Bett.
Leigh blieb im Türrahmen stehen, folgte ihnen aber nicht in den Raum.
»Zieh dir was an«, sagte Griffin.
»Seit wann stört dich ein bisschen nackte Haut?«, fragte Leigh. »Du verbringst eindeutig zu viel Zeit unter Menschen.«
Wie alle Wrasa war Griffin nicht schüchtern, wenn es um ihren eigenen Körper oder den anderer ging, aber dies war weder der Ort noch die Zeit, um darüber zu diskutieren. »Zieh dich an«, wiederholte sie. »Und hol unsere Väter. Sag ihnen, dass sie sich Jorie ansehen müssen.«
Leigh verschwand ohne ein weiteres Wort.
Griffin wandte sich wieder Jorie zu.
Es waren keine offensichtlichen Verletzungen zu sehen. Ein paar Kratzer und blaue Flecken zierten Jories Arme, aber das war auch schon alles.
Griffin fuhr ihr sanft durch ihr glattes, schwarzes Haar, tastete nach Beulen oder anderen Gründen für ihre Bewusstlosigkeit.
»Kann ich helfen?«, fragte Rhonda. »Ich habe keine Ahnung, wie man einen verletzten Menschen behandelt, aber wenn ich irgendetwas tun kann …«
Griffin blickte von ihrem Platz auf der Bettkante auf. »Es wird Leigh nicht gefallen, wenn du einem Menschen helfen willst.«
Rhonda zuckte mit den Schultern. »Damit muss sie klarkommen.«
Vielleicht hatte Griffin sich geirrt. Ein Mitglied des Rudels zu sein, hielt die Kasari nicht davon ab, selbst zu denken. Zumindest nicht diese Kasari.
»Ein kühles Tuch für ihren Kopf wäre gut«, sagte Griffin.
Rhonda eilte davon und kam kurz darauf mit einem Tuch zurück. Sie reichte es Griffin, die es sanft auf Jories Stirn legte. »Es tut mir leid, dass ich sie habe entwischen lassen«, sagte Rhonda. »Sie war so nett und wirkte so ruhig, dass ich vergessen habe, dass sie wahrscheinlich zu Tode verängstigt ist und nur noch fliehen will.«
»Hast du nicht gerochen, dass sie dich täuscht?«
Rhonda sah schuldbewusst zu Boden. »Nein. Es lagen so viele Gerüche in der Luft – Leighs Abneigung gegen Menschen und die Nachwirkung, die die Katzenminze auf sie hatte. Ich habe mich davon ablenken lassen.«
»Es ist meine Schuld.« Griffin schluckte. Sie war jetzt Jories Beschützerin, die für ihr Leben und ihre Sicherheit verantwortlich war. »Ich hätte sie nicht bei dir lassen sollen, obwohl ich weiß, dass du für so etwas nicht ausgebildet bist. Ich bin die Expertin für menschliches Verhalten. Ich hätte wissen müssen, dass sie nicht herumsitzen und mit dir Tee trinken würde, bis ich zurückkomme.« Es war zu spät für Reue, aber Griffin schwor sich, es in Zukunft besser zu machen – wenn Jorie nur aufwachen würde.
»Unterschätze mich bloß nicht, Griffin«, sagte Rhonda. »Ich kenne mich auch ein wenig mit Menschen aus.«
»Trotzdem hat Jorie es geschafft, dich zu täuschen.«
Rhonda lächelte schuldbewusst. »Ich hätte daran denken sollen, dass sie laut ihrer Autorinnenbiografie mal semiprofessionelle Pokerspielerin war. Sie kann gut bluffen, auch wenn sie nicht am Pokertisch sitzt.«
Die Tür schwang auf.
Brian trat als Erster ein, dicht gefolgt von Gus und dann Leigh. »Du wolltest die Menschenfrau nicht zu uns bringen, damit wir mit ihr reden können, aber jetzt schleift uns Leigh –« Ein Blick auf die reglose Jorie stoppte Brian. »Deswegen wolltest du, dass wir vorbeikommen? Du weißt aber schon, dass wir Chirurgen für Wrasa sind, keine Allgemeinmediziner für Menschen, oder?«
»Ich weiß«, sagte Griffin.
Früher, vor einigen Jahrhunderten, hatten die Wrasa eigene Unis für Medizin gehabt, mit geheimen Lehrbüchern, die Wrasa-Physiologie lehrten. Doch ohne den Schutz der Maharsi war es zu gefährlich geworden, solche Bücher zu drucken. Die Unis wurden geschlossen. Gus und Brian gehörten zu den wenigen Ärzten, die noch eine gründliche Ausbildung in Wrasa-Medizin erhalten hatten. Das hatte sie davor bewahrt, nach Brians Affäre mit Griffins Mutter gesellschaftlich geächtet zu werden.
»Und trotzdem willst du, dass wir wegen eines Menschen einen Hausbesuch machen?« Brian schüttelte den Kopf.
Spart euch die Machtspielchen für später. Jorie war schon viel zu lange bewusstlos, und Griffin machte sich langsam ernsthafte Sorgen. »Es liegt auch in eurem Interesse. Je weniger Leute wissen, dass Jorie hier ist, desto besser. Also, bitte.« Sie deutete auf Jorie.
Gus trat näher ans Bett heran, bevor Brian eine Entscheidung treffen konnte. »Was ist passiert?«
»Leigh hat die Kontrolle verloren.« Griffin warf ihrer Schwester einen bösen Blick zu.
Knurrend hielt Leigh ihrem Blick stand. »Die Menschenfrau hat versucht zu fliehen. Ich habe sie bloß aufgehalten.«
Gus beugte sich hinunter und fühlte Jories Puls. Zwei seiner großen Finger fuhren an Jories Hals entlang, dann trat er zurück und schüttelte den Kopf.
»Und?«, fragte Griffin und ärgerte sich, dass ihre Stimme so atemlos klang.
Ein ernster Ausdruck trat auf Gus’ Gesicht. Er tauschte einen kurzen Blick mit seinem Bruder, bevor er sich wieder Griffin zuwandte. »Ihr ist nicht mehr zu helfen«, sagte Gus. »Töte sie einfach.«
»Was?«, brüllte Griffin. Das konnte er doch nicht ernst meinen, oder? Eine derart herzlose Antwort hatte sie von dem sonst so freundlichen Gus nicht erwartet.
Selbst Leigh sah schockiert aus. »Du meinst, ich habe sie wirklich getötet?«
»Noch nicht«, sagte Gus. »Aber du solltest Gnade walten lassen und es zu Ende bringen. Jetzt sofort.«
Der zuvor schlaffe Körper auf dem Bett spannte sich plötzlich an und zuckte.
»Ach, schau einer an«, murmelte Brian. »Entweder hast du eine falsche Diagnose gestellt, Bruderherz, oder es gab eine Wunderheilung.«
Griffin blickte von Brians Grinsen und dem amüsierten Lächeln auf Gus’ Gesicht zu Jorie, die nun wieder still dalag. »Soll das heißen, sie verstellt sich nur?«
»Das hätte ich doch sicher gerochen«, sagte Leigh.
Brian schnaubte. »Wohl kaum, wenn Griffin so nach Panik stinkt, dass sämtliche anderen Gerüche übertüncht werden.«
Griffin ignorierte die beiden. Sie griff nach Jories Hand und drückte sie sanft. Ihre Finger waren schweißfeucht und zitterten. »Jorie? Mach die Augen auf.«
Jories Lider hoben sich. Ihr Blick traf Griffins.
Na super. Sie hatte tatsächlich nur simuliert. Erleichterung rang mit Wut, dann siegte Bewunderung.
Das sollte mich etwas Demut lehren. Da rede ich mit Rhonda darüber, wie Jorie sie täuschen konnte, weil sie keine ausgebildete Saru ist, dabei hat sie mich genauso reingelegt.
»Du hast nur so getan, als wärst du bewusstlos, um uns zu belauschen? Leigh hat dir nichts getan?« Griffin nagte an ihrer Lippe, als ihr klar wurde, dass sie sich bei Leigh entschuldigen musste.
»Doch, sie hat mir wehgetan.« Jorie setzte sich auf, hielt sich den Kopf, verzog das Gesicht und ließ sich wieder zurücksinken. »Sie hat mich gejagt wie ein Kaninchen und sich auf mich gestürzt. Ich bin erst wieder aufgewacht, als sie mich die Auffahrt hinaufgetragen hat.«
»Bleib liegen«, sagte Gus. Er untersuchte sie rasch und effizient und ignorierte dabei, dass sie bei jeder Berührung zurückzuckte. Das Licht der Nachttischlampe spiegelte sich in ihren dunklen Augen, als Gus hineinleuchtete.
Jorie lag wie hypnotisiert da und starrte zu ihm auf.
Zum ersten Mal sah Griffin die Angst und die Hilflosigkeit in ihren Augen. Ihr Magen krampfte sich zusammen, und sie kämpfte gegen den Impuls an, ihren Vater wegzuziehen und Jorie schützend in die Arme zu nehmen. Als ob sie das beruhigen würde. Sie hält dich für ein Monster, das sie umbringen will.
»Ich glaube nicht, dass sie eine Gehirnerschütterung hat«, sagte Gus schließlich.
»Könnte sich einer von euch Leighs Auge ansehen, wenn ihr schon mal hier seid?« Rhonda warf einen besorgten Blick auf Leigh, die immer noch in der Tür stand.
Leigh hob eine Hand, um Brian zu stoppen. »Nicht nötig. Ich werde einfach eine Runde laufen gehen, wie ich es ursprünglich vorhatte. Das sollte genügen.«
»Komm rüber zum Haus, wenn es dir danach noch Probleme macht«, sagte Brian und wandte sich Griffin zu. »Komm mit. Wir geben dir etwas gegen die Kopfschmerzen der Menschenfrau.«
Griffin wollte nicht gehen. Sie wollte bei Jorie bleiben, um sich zu vergewissern, dass es ihr gut ging und sie kein zweites Mal ausreißen würde. Aber wenn ihr Vater einen Befehl gab, musste sie ihn befolgen. Das war eine der unausgesprochenen Bedingungen, um in seinem Revier bleiben zu dürfen. Sie folgte Gus und Brian zur Tür, drehte sich dann noch einmal um und zeigte mit dem Finger auf Jorie. »Auf keinen Fall –«
»Ich weiß«, sagte Jorie. Sie schloss kurz die Augen, riss sie dann aber wieder auf. »Ich habe meine Lektion gelernt. Ich werde nicht mehr weglaufen, wenn ein Raubtier in der Nähe ist.«
Es war kein Versprechen, nicht erneut zu fliehen, wenn kein Raubtier in der Nähe war. Aber fürs Erste musste es Griffin genügen.
»Ich werde diesmal besser aufpassen«, sagte Rhonda. »Ich werde sie kein zweites Mal entkommen lassen.«
Griffin war es nie leichtgefallen, anderen eine zweite Chance zu geben. Meistens arbeitete sie allein, und wenn ein vorübergehender Saru-Partner Mist baute, weigerte sie sich, ein zweites Mal mit ihm oder ihr zusammenzuarbeiten. Aber Rhonda hatte eine zweite Chance verdient. »Na schön.« Sie nickte Rhonda zu und folgte ihren Vätern nach draußen.
Auf der Fahrt zum Haus sagte niemand ein Wort.
»Diese Menschenfrau ist interessant«, sagte Brian schließlich, als sie das Haus betraten.
»Interessant?« Gus schüttelte den Kopf. »Sie ist beeindruckend. Nachdem sie von einer 150 Kilo schweren Kasari angesprungen wurde, hat sie vermutlich höllische Kopfschmerzen. Trotzdem hat sie es geschafft, einen Raum voller Wrasa zu täuschen. Beinahe hätte sie sogar mich reingelegt.«
»Woran hast du gemerkt, dass sie wach ist?«, fragte Griffin.
»Sie hat die Luft angehalten, als ich ihren Hals berührt habe. Bewusstlose tun das normalerweise nicht«, sagte Gus mit einem Grinsen.
Sein Bruder nickte. »Sie ist ziemlich clever.« In seiner Stimme schwang widerwilliger Respekt mit. Er reichte Griffin ein Fläschchen mit Tabletten. »Gib ihr zwei hiervon und ruf uns an, wenn die Kopfschmerzen schlimmer werden oder wenn ihr schwindlig oder übel wird.«
Das Angebot entlockte Griffin ein Grinsen. »Jetzt macht ihr also doch Hausbesuche für Menschen?«, fragte sie und neckte ihren Vater zum ersten Mal im Leben.
Brians Kiefer mahlten, als wollte er Griffin jeden Moment zurechtweisen, aber dann lächelte er. »Ich mache eine Ausnahme für die Frau, die es geschafft hat, zwei der besten Jägerinnen, die ich kenne, zu überlisten.«
Griffin musste zugeben, dass Leigh eine gute Jägerin war, aber Rhonda? Zwar übernahm sie Schichten in der Grenzpatrouille, aber sie war trotzdem eine Gelehrte. »Rhonda ist eigentlich keine Jägerin.«
»Nein, ist sie nicht«, sagte Brian und tauschte ein Lächeln mit seinem Bruder aus.
Als Griffin mit den Schmerztabletten in der Hand das Haus verließ, wurde ihr klar, dass ihr Vater von ihr gesprochen hatte.
~ ~ ~
Rhonda ließ Griffin ins Haus. »Ms Price schläft«, sagte sie leise. »Oder tut zumindest so. Ich muss wohl vorsichtiger mit voreiligen Schlüssen sein, was sie angeht.«
Wie wir alle. Griffin nickte.
»Die Fenster im Gästezimmer sind verriegelt«, sagte Rhonda. »Sie wird nicht noch mal entwischen können.«
Griffin ging zum Gästezimmer, öffnete die Tür und spähte hinein.
Die Jalousien waren geschlossen, und Jorie lag bis zum Kinn zugedeckt im Bett. Für das menschliche Auge war es vermutlich stockdunkel im Raum, aber Griffin konnte trotzdem erkennen, wie blass Jorie war.
Dunkle Schatten lagen unter ihren Augen. Sie zuckte, und ihre Lider flatterten unruhig, als wäre sie in einem Albtraum gefangen.
Nach allem, was Jorie in den vergangenen zwei Tagen durchgemacht hatte, war das nicht verwunderlich.
Schuldgefühle überkamen Griffin und vermischten sich mit ihrer eigenen Erschöpfung. Seit sie sich gestern Nacht verwandelt hatte, war sie nicht zur Ruhe gekommen.
Sie stand vor dem Bett und überlegte, ob sie versuchen sollte, die Albträume mit einer sanften Berührung zu vertreiben. Schließlich entschied sie sich dagegen. Jorie würde nicht wollen, dass Griffin sie anfasste.
Auf Zehenspitzen schlich sie durchs Zimmer und ließ sich in den Sessel neben dem Bett sinken. Sie zog ihre Schuhe aus und schloss die Augen. Ihre scharfen Sinne würden sie sofort wecken, wenn jemand das Zimmer betrat oder Jorie sich aufsetzte. Innerhalb von Sekunden hatte Jories Atem sie in den Schlaf gelullt.
Es fühlte sich an, als hätte sie nur einen Moment lang gedöst, als sie plötzlich hochschreckte.
Jemand stand vor der Tür.
Adrenalin schoss durch ihren Körper. Sie sprang auf und stellte sich schützend vor das Bett.
Leise wurde die Tür geöffnet. Eine große Gestalt zeichnete sich im Türrahmen ab. Der Geruch von Schweiß, Tannennadeln und Lavendel stieg Griffin in die Nase.
Leigh. Griffin entspannte sich ein wenig, blieb aber wachsam vor dem Bett stehen.
Leighs Auge, das geschwollen und blau gewesen war, schien fast verheilt zu sein, was darauf hindeutete, dass sie sich verwandelt hatte und durch den Wald gelaufen war. Leigh sah zwischen ihr und Jorie hin und her. »Geht es der Menschenfrau gut?«, fragte sie nach kurzem Zögern.
»Sie wird schon wieder, was sie aber nicht dir zu verdanken hat.« Griffin wurde immer noch wütend, wenn sie sich vorstellte, wie Leigh sich mit ihren 150 Kilogramm auf Jorie gestürzt hatte. Aber ihr wurde klar, dass sie nicht nur auf Leigh sauer war, sondern vor allem auf sich selbst, weil sie Jorie in diese Lage gebracht hatte. »Und außerdem hat sie einen Namen.«
Es war viel zu leicht, sich zu distanzieren, wenn man das Opfer nicht als Person mit einem Namen, einer Familie und Gefühlen ansah.
»Ich habe ihr nicht absichtlich wehgetan«, sagte Leigh, ohne Jories Namen zu benutzen. »Ich habe nicht viel Erfahrung mit Menschen, deshalb war mir nicht klar, wie zerbrechlich sie sind.« In Leighs Stimme schwang ein Hauch von Bedauern mit. »Sie sah nicht zerbrechlich aus, als sie mir in den Bauch getreten und ins Auge geboxt hat.«
»Der Schein kann trügen.« Griffin hatte es satt, nach ihrem Aussehen oder danach beurteilt zu werden, wer ihre Eltern waren.
Von Leigh kam keine Antwort. Sie trat näher ans Bett heran und betrachtete Jorie. Vermutlich war es das erste Mal, dass sie einen Menschen schlafen sah.
Griffin fragte sich, ob Leigh es genauso faszinierend fand wie sie, Jorie zu beobachten. »Du solltest dich bei Jorie entschuldigen, nicht bei mir.«
Leighs Kopf schnellte hoch. »Mich entschuldigen?«
»Deshalb bist du doch hier, oder?«
Leigh sah aus, als wollte sie sich umdrehen und davonschleichen, doch dann nickte sie. »Ja, schätze schon. Ich hätte vorsichtiger sein sollen, als ich sie aufgehalten habe. Aber ich war noch ganz aufgedreht von der Katzenminze, und als sie davonrannte, haben wohl meine Jagdinstinkte eingesetzt.«
Und dein Hass, dachte Griffin.
»Griffin hat mich davor gewarnt«, murmelte Jorie schläfrig. Sie öffnete die Augen, setzte sich auf und presste sich die Finger gegen die Nasenwurzel. Mit der anderen Hand tastete sie nach dem Lichtschalter.
»Hier.« Griffin reichte ihr die Schmerztabletten, froh, wenigstens etwas für sie tun zu können.
Jorie schloss ihre zitternden Finger um das Pillenfläschchen und beäugte es misstrauisch.
»Ich schwöre, sie sind harmlos«, sagte Griffin. »Ich versuche nicht, dich auszutricksen oder dir zu schaden.«
Jorie sah sie einen Moment lang an. »Okay. Aber ich brauche Wasser dazu.«
»Ich hole welches«, sagte Leigh und eilte davon.
»Feigling«, rief Griffin ihr hinterher. Sie wandte sich wieder Jorie zu. Plötzlich erschien ihr Weglaufen gar nicht mehr als schlechte Idee. Sie räusperte sich. »Wie geht es dir?«
»Wie einer Figur in meinem Roman, nachdem sie von einer Gestaltwandlerin gejagt wurde«, antwortete Jorie. »Aber diesmal ist es echt, oder?« Im fahlen Licht der Nachttischlampe suchten ihre dunklen Augen Griffins Blick.
Griffin wusste nicht, was sie sagen sollte. Jede Antwort würde gegen das oberste Gesetz verstoßen. Ihre Ausbildung verbot ihr, Jorie irgendetwas zu verraten. Menschen waren immer ihre Gegner gewesen, doch indem sie Jories Leben verschont hatte, hatte Griffin sie zu einer Verbündeten gemacht. Bisher war sie nie in einer solchen Situation gewesen, und sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte.
»Was bist du?«, fragte Jorie, als Griffin schwieg. Ihre Stimme klang ruhig, aber ihr Duft verriet, wie verwirrt und verängstigt sie war.
Griffin blickte auf sie hinab. »Du weißt es doch schon.«
»Du bist eine Gestaltwandlerin«, sagte Jorie.
Sie hatte weder Wertiger noch Werlöwe gesagt, sondern es instinktiv richtig erfasst.
Griffin nickte knapp. Da Jorie es ohnehin schon wusste, konnte sie es ihr bestätigen, ohne viel Schaden anzurichten.
»Warum willst du mich töten?«, fragte Jorie mit rauer Stimme, die zeigte, wie verraten sie sich fühlte.
Griffin musste den Blick abwenden. »Ich will dich nicht töten«, sagte sie, nachdem sie zweimal geschluckt hatte, »aber ich hatte keine andere Wahl. Ich hatte meine Befehle.«
»Befehle?« Jorie lehnte sich mit den Schultern an die Wand, als bräuchte sie Halt. »Warum sollte dir jemand befehlen, mich zu töten? Ich habe nie etwas getan, was dich oder deinesgleichen bedroht hätte.«
Mit jedem Wort fühlte sich Griffin schlechter. Jorie verstand nicht, warum sie eine Bedrohung darstellte. Sie hatte sicher nie die Absicht gehabt, den Wrasa zu schaden.
»Warum?«, fragte Jorie erneut.
Darauf gab es keine einfache Antwort. Griffin wusste nicht einmal, ob sie antworten sollte. Wenn sie es täte, müsste sie Jorie alles über die Wrasa und ihr verborgenes Leben unter Menschen erzählen. Damit würde sie in den Augen ihrer Artgenossen endgültig als Verräterin gelten. »Ich gehe mal nachschauen, wo Leigh so lange bleibt.« Griffin floh zur Tür.
»Feigling«, rief Jorie ihr hinterher.
Kapitel 3
»Wie geht’s deinem Kopf? Wirken die Schmerzmittel endlich?«, fragte Griffin, als sie zum fünften Mal in den letzten zwei Stunden das Gästezimmer betrat.
»Mir geht’s gut. Und jetzt lass mich bitte in Ruhe.« Jorie wollte sich zurückziehen, ihre emotionalen Wunden lecken und Griffin nie wiedersehen. Von dem Moment an, als sie Griffin zum ersten Mal begegnet war, hatte sie eine seltsame Verbindung gespürt. Sie hatte ihr vertraut, und jetzt musste sie feststellen, dass Griffin sie auf Schritt und Tritt getäuscht hatte.
Jorie hatte sich unglaublich schuldig gefühlt, als Griffin bei dem Versuch, sie vor dem Straßenräuber zu beschützen, verletzt worden war. Doch selbst das war wahrscheinlich eine Inszenierung gewesen. Alles an ihrer neu entstandenen Freundschaft war gelogen.
»Ich lasse dich gleich allein, aber vorher …« Griffin trat näher und hielt Jorie etwas hin. »Hier.«
Ein Handy? War das eine Falle? Sicherlich würde Griffin ihr nicht die Möglichkeit geben, Hilfe zu rufen, oder?
»Ich möchte, dass du deine Mutter anrufst«, sagte Griffin.
Angst presste Jorie die Luft aus den Lungen. Wollten die Gestaltwandler ihrer Mutter eine Falle stellen, um sie als Geisel gegen Jorie einsetzen zu können?
»Nein«, sagte sie fest. »Lass meine Mutter aus dem Spiel.«
»Ich will deiner Mutter nichts Böses«, sagte Griffin in einem Ton, den Jorie noch vor zwei Tagen als beruhigend empfunden hätte. »Ich werde sie nicht in die Sache hineinziehen, aber ich brauche deine Hilfe, um sicherzustellen, dass sie sich raushält. Sag ihr, dass sie dich eine Weile nicht erreichen kann und sie sich keine Sorgen machen soll, wenn sie nichts von dir hört. Erzähl ihr einfach, du bräuchtest etwas Abstand vom Schreiben, um den Kopf freizubekommen.«
Jorie zitterte. Diese Gestaltwandler sind clever. Sie haben an alles gedacht. Es waren fast achtundvierzig Stunden vergangen, seit Jorie aus ihrem Haus geflohen war. Griffin schien zu wissen, dass ihre Mutter sich Sorgen machen und die Polizei rufen würde, wenn sie nicht bald von Jorie hörte. Kannte sie Jorie wirklich so gut, oder hatten die Gestaltwandler ihren Computer gehackt und ihr Telefon abgehört?
Diese ganze Situation zog weitere Kreise, als sie anfangs gedacht hatte. Warum ich? Was wollen die von mir? Sie nahm das Handy und schaute zu Griffin hoch. »Okay, ich rufe meine Mutter an. Aber ich möchte allein mit ihr reden.«
»Das kann ich nicht zulassen.« Griffin machte es sich im Sessel neben dem Bett bequem. »Ich respektiere deine Privatsphäre, aber ich kann nicht riskieren, dass du die Polizei rufst.«
