Sophienlust - Die nächste Generation 3 – Familienroman - Ursula Hellwig - E-Book

Sophienlust - Die nächste Generation 3 – Familienroman E-Book

Ursula Hellwig

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21,99 €

Beschreibung

Der achtjährige Timm und sein Vater Falk von Kolke beschließen, in der Nähe von Maibach Urlaub zu machen. Das Hotel, in dem sie absteigen, ist sehr schick, alles scheint bestens. Dann aber will Falk nur noch eine gemütliche abendliche Runde mit dem Mountainbike drehen – und das Unheil beginnt. Denn Timm wartet vergeblich auf die Rückkehr seines Vaters. Was ist geschehen. Und vor allem: Wo ist Falk von Kolke?!

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Seitenzahl: 1291

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Inhalt

E-Book 21-30

Entführung in Sophienlust!

Emily und das Familiengeheimnis

Herzklopfen in Sophienlust

Manchmal werden Träume wahr...

Willkommen in Sophienlust

Ein Zuhause für Nelly

Kleines Herz und große Sehnsucht

Überraschung für Florentine

Ein neues Glück für Schwester Regine

Aus Marie und Anton werden Freunde

Sophienlust - Die nächste Generation – 3 –

E-Book 21-30

Ursula Hellwig Julia Sommerland Simone Aigner

Entführung in Sophienlust!

Das Mädchen Ronja sorgt für große Aufregung...

Roman von Hellwig, Ursula

Elise, die braune Mischlingshündin, hatte die letzte Stunde damit verbracht, im Schatten des kleinen Fliederstrauchs auf der Wiese zu liegen und die laue Luft zu genießen. Jetzt stand sie auf, streckte sich, gähnte dabei herzhaft und trabte schließlich über die Terrassentür in die Wohnung. Drinnen war Lotte Landberg gerade damit beschäftigt, die frisch gebügelte Wäsche zu sortieren, und schaute der mittelgroßen Hündin mit dem flauschigen Fell entgegen. Elise strebte zur Eingangstür der Erdgeschosswohnung und ließ sich dort auf den Fliesen nieder.

Lotte schüttelte verständnislos den Kopf. »So langsam wirst du mir unheimlich, Elise. Dass du genau weißt, wann Ronja aus der Schule kommt und fünf Minuten vor ihrer Ankunft zur Tür gehst, hat Frau Hansen mir ja schon erzählt. Aber dass dir klar ist, dass Ronja in ein paar Minuten von der Geburtstagsfeier ihrer Freundin heimkehren wird, ist doch eigentlich unmöglich.«

Obwohl sie es als unmöglich bezeichnet hatte, war Lotte Landberg sicher, dass ihre Tochter innerhalb der nächsten Minuten nach Hause kommen würde. Elise hatte ein unerklärliches Gespür dafür, wann Ronja aus der Schule kam. Egal, wo die Hündin sich gerade aufhielt, einige Minuten vor Ronjas Ankunft ging sie zur Eingangstür, legte sich dort hin und wartete auf das Mädchen. Das hatte ihr Frau Hansen berichtet, die rüstige Rentnerin, die unter der Woche auf Elise aufpasste, wenn Ronja in der Schule und sie, Lotte, bei der Arbeit war. Nun war die Schule ja meistens um dieselbe Zeit zu Ende, und man hätte annehmen können, dass Elise einer Art inneren Uhr folgte. Aber wann Ronja von der Geburtstagsfeier heimkehren würde, konnte die Hündin nicht wissen, und trotzdem ahnte sie es genau.

Und tatsächlich: Nur wenige Minuten nachdem Elise ihren Platz an der Eingangstür bezogen hatte, wurde die Tür von außen aufgeschlossen. Die zehnjährige Ronja trat in die Diele und umarmte Elise, von der sie stürmisch begrüßt wurde.

»Ich habe dir etwas mitgebracht«, sagte Ronja, griff in ihre Jackentasche und zog eine Serviette hervor, in die sie ein Cocktailwürstchen eingewickelt hatte. Elise nahm den Leckerbissen freudig entgegen und folgte anschließend dem Mädchen, das zu seiner Mutter eilte.

»Das war eine ganz tolle Geburtstagsfeier«, berichtete Ronja. »Es gab Kartoffelsalat mit Würstchen, und Sophies Mutter hatte jede Menge Spiele vorbereitet. Eine Tombola gab es auch. Ich habe ein Radiergummi gewonnen, das aussieht wie ein Schaf.«

Stolz zeigte Ronja ihrer Mutter den Gewinn und erzählte eifrig, was sie auf der Geburtstagsfeier erlebt hatte und welche Kinder dagewesen waren. Erst als sie auf die Uhr schaute, fiel ihr etwas ein:

»Kommt Christian eigentlich heute zum Abendessen?«, wollte sie wissen.

Lotte nickte. »Ja, in ungefähr einer Stunde wird er hier sein. Es gibt Nudelauflauf mit Hackfleisch. Den magst du doch ganz besonders gern.«

»Stimmt, aber ich mag nicht nur Nudelauflauf. Christian mag ich auch. Er ist richtig nett, viel netter als Papa. Vor dem hatte ich eigentlich immer Angst. Und ich mag es gar nicht, dass er sich manchmal meldet und wir dann mit ihm Eis essen gehen oder sonst etwas unternehmen müssen«, stieß sie hervor.

»Ich mag das auch nicht«, gestand Lotte. »Aber das müssen wir tun. Es ist nun einmal dein Vater. Zum Glück meldet er sich ja nur selten.«

Lotte dachte nicht gern an ihren Exmann, von dem sie seit vier Jahren geschieden war. Sie hatte ihn relativ jung geheiratet, war damals erst einundzwanzig Jahre alt gewesen, weil sich ein Baby angemeldet hatte. Zunächst war die Ehe recht glücklich gewesen. Bodos Autohandel, den er sich aufgebaut hatte, lief erstaunlich gut, und Lotte konnte ihr Studium trotz der Schwangerschaft fortführen. Aber dann – Ronja war noch nicht lange auf der Welt – veränderte sich Bodo deutlich. Offensichtlich fühlte er sich als Familienvater überfordert, wurde ungeduldig, schnell aufbrausend und Lotte gegenüber gelegentlich sogar gewalttätig. Lange Zeit hatte die junge Frau gehofft, dass Bodo sich ändern und friedfertiger werden würde. Aber diese Hoffnungen erfüllten sich nicht. Es wurde sogar immer schlimmer. Schließlich hatte Lotte keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als die Konsequenzen zu ziehen und sich von Bodo scheiden zu lassen. Er hatte darauf zornig reagiert, Lotte eine Szene nach er anderen gemacht, am Ende aber doch nichts gegen die Scheidung unternehmen können.

Ein Jahr danach hatte Lotte eine Anstellung als Grundschullehrerin bekommen und schon nach kurzer Zeit Christian Behrend kennen gelernt, der im Realschulzweig des Schulzentrums unterrichtete. Die beiden waren sich schnell näher gekommen und hatten sich ineinander verliebt.

Ronja war vom Freund ihrer Mutter begeistert und verstand sich ausgezeichnet mit ihm. Sie erfuhr auch, dass Christian eine ähnliche Enttäuschung erlebt hatte wie ihre Mutter. Er war von seiner Freundin nach über einem Jahr urplötzlich von einem Tag auf den anderen verlassen worden, weil sie auf einer Party einen anderen Mann kennengelernt hatte, der ihr besser gefiel als Christian. Er hatte lange unter der Trennung gelitten, sie inzwischen aber gut verarbeitet und war bereit, sich sein Leben neu einzurichten.

Bei Lotte war das anders. Nach dem Schiffbruch, den sie in ihrer Ehe erlebt hatte, wollte sie sich vorläufig nicht neu binden. Dazu fehlte ihr einfach der Mut. Christian hatte Verständnis für Lottes Ängste, hoffte aber, dass sie irgendwann erkennen würde, dass sie beide miteinander glücklich werden konnten – als Ehepaar. Schließlich waren nicht alle Männer so wie Bodo.

Am liebsten hätte Christian Lotte vom Fleck weg geheiratet, um ihr das zu beweisen, doch er wusste, dass er sich gedulden musste. Immerhin waren sie derzeit alle drei ziemlich glücklich und genossen es, sooft wie möglich beisammen zu sein und viel miteinander zu unternehmen.

*

Als am nächsten Tag das Telefon läutete, dachte Lotte an nichts Böses. Als sie allerdings Bodos Stimme erkannte, runzelte sie unwillig die Stirn. Es kam höchst selten vor, dass ihr geschiedener Mann sich telefonisch bei ihr meldete, und sie verzichtete auch gerne auf Gespräche mit ihm. Meistens beklagte er sich darüber, dass er Ronja zu selten sah. Dabei war bei der Scheidung verfügt worden, dass es für ihn kein regelmäßiges Besuchsrecht gäbe, weil seine Tochter bei ihrem Vater, der als gewalttätig galt, gefährdet sei. Lotte hatte Bodo von sich aus dann das Recht eingeräumt, Ronja hin und wieder sehen zu können. Allein durfte er dabei mit dem Mädchen jedoch nicht sein und Ronja auch nicht zu sich nach Hause einladen. Lotte wollte immer anwesend sein, wenn ihre Tochter mit dem Vater zusammen war.

Die Treffen fanden auch stets in der Öffentlichkeit statt, in einem Eiscafé, einem Restaurant oder einem Freizeitpark. Durch leidvolle Erfahrung klug geworden, wollte Lotte nicht allein mit ihrem Exmann sein, und Ronja schon gar nicht.

»Ich werde dich in den nächsten Tagen besuchen«, teilte Bodo Lotte mit. »Wann passt es dir am besten? Vielleicht Donnerstag so gegen sechzehn Uhr?«

»Es passt mir weder am Donnerstag noch an irgendeinem anderen Tag«, erwiderte Lotte. »Ich kann gern auf deinen Besuch verzichten und möchte dich nicht sehen.«

»Nun sei doch nicht gleich so kratzbürstig. Es handelt sich immerhin um ein sehr wichtiges Gespräch, das auch Ronjas Zukunft betrifft.«

Lotte wurde immer ungehaltener. »Um Ronjas Zukunft brauchst du dir keine Gedanken zu machen. Darum werde ich mich ganz allein kümmern und dafür sorgen, dass es dem Mädchen an nichts fehlen wird. Es ist absolut unnötig, dass wir jetzt ein Gespräch darüber führen. Ich möchte nicht von dir besucht werden und hoffe, dass du meinen Wunsch akzeptierst.«

»Nein, das werde ich nicht tun.« Bodos Stimme klang jetzt unangenehm scharf. »Ronja ist auch meine Tochter. Also habe ich ebenso wie du über ihre Zukunft zu bestimmen, und ich lasse mich von dir nicht einfach abwimmeln. Es gibt etwas mit dir zu besprechen, und das werde ich auch tun, ob nun mit oder ohne deine gütige Zustimmung.«

»Du wirst mich nicht besuchen«, entgegnete Lotte. »Wen ich in meine Wohnung lasse, entscheide ich allein, und über Ronja hast du nicht zu bestimmen. Das weißt du auch ganz genau. Also lass mich bitte in Ruhe.«

Lotte legte auf und schüttelte unwillig den Kopf. Bis jetzt war Bodo noch nie auf die Idee gekommen, sie zu Hause zu besuchen, und das würde sie auch niemals zulassen. Eine Weile lang ärgerte sie sich noch über die unverschämte Forderung ihres Exmannes. Aber schon bald hatte sie das Telefongespräch verdrängt.

Deshalb erwähnte sie es auch Ronja und Christian gegenüber nicht, mit denen sie ein paar Stunden später zusammen am Tisch saß und die selbst zubereitete Pizza genoss. Es herrschte eine entspannte und heitere Stimmung, und an Bodo verschwendete Lotte keinen Gedanken mehr.

*

Christian, Lotte und Ronja hatten am Wochenende die Gelegenheit genutzt, um einen Freizeitpark zu besuchen. Es handelte sich zwar nicht um eine riesige Einrichtung dieser Art, dafür durften aber Hunde mitgebracht werden, wenn sie an der Leine geführt wurden. Auch wenn es keine große Anzahl an Attraktionen gab, hatten die drei ihren Spaß, und für Elise gab es an den Wegrändern viele interessante Gerüche. Mitten im Freizeitpark befand sich ein Grillrestaurant, das von einer großzügigen Terrasse umgeben war.

Nachdem sie sich einen Imbiss besorgt hatten, nahmen Lotte, Christian und Ronja an einem der Tische Platz. Gleich nebenan saßen mehrere Kinder und einige Erwachsene, die die Kindergruppe offensichtlich begleiteten.

»Du hast einen sehr hübschen Hund«, bemerkte eines der Kinder und wies auf Elise. »Wie heißt er denn, und wie heißt du? Mein Name ist Fabian Schöller.«

»Und ich heiße Ronja Landberg«, gab die Zehnjährige gern Auskunft. »Mein Hund ist übrigens eine Hündin. Sie heißt Elise und ist drei Jahre alt. Hast du zu Hause auch einen Hund?«

»Ja, ich habe eine Dogge, die Anglos heißt. Wir haben sie heute aber nicht mitgebracht, sondern in Sophienlust gelassen. Da fühlt sie sich wohl, und da sind auch genügend Menschen, die sich um sie kümmern.«

»Sophienlust?« Ronja runzelte nachdenklich die Stirn. »Ist das eine Hundepension?«

»Nein, Sophienlust ist ein Kinderheim, das schönste und beste Kinderheim dieser Welt. Wir alle wohnen dort, weil die meisten von uns keine Eltern mehr haben. Hier neben mir sitzt Martin. Er ist zwölf Jahre alt, genau wie ich. Das Mädchen mit den vielen Sommersprossen ist Pünktchen. Sie ist schon fünfzehn Jahre alt und heißt eigentlich Angelina. Aber wir nennen sie wegen ihrer Sommersprossen Pünktchen. Die beiden kleinen Kinder heißen Kim und Heidi und sind sechs und sieben Jahre alt. Kim kommt aus Vietnam, aber er spricht schon sehr gut Deutsch.«

»Fabian, du verwirrst die arme Ronja ja völlig mit der Vorstellung all der fremden Kinder«, bemerkte die Frau lachend, die mit am Tisch saß.

»Ach ja«, sprach der Junge sofort weiter. »Das ist übrigens Schwester Regine, die Kinderschwester von Sophienlust. Neben ihr sitzt Nick. Eigentlich ist sein Name Dominik von Wellentin-Schoenecker. Aber wir alle sagen einfach Nick zu ihm. Ihm gehört Sophienlust. Er hat das Kinderheim geerbt, als er noch ganz klein war. Seine Mutter, unsere Tante Isi, hat Sophienlust für ihn verwaltet. Aber dann ist Nick achtzehn Jahre alt geworden und kann jetzt selbst bestimmen, was in Sophienlust gemacht wird und was nicht. Er studiert Kinderpsychologie und später…«

»Halt!«, rief Nick amüsiert. »Jetzt wird es wirklich etwas zu viel. Du redest ja wie ein Wasserfall. So viele Informationen auf einmal kann die arme Ronja unmöglich behalten.«

»Ach, ich habe schon eine ganze Menge verstanden«, bemerkte Ronja. »Und wenn ich etwas vergessen habe, kann ich ja nachfragen. Fabian, Pünktchen, Martin oder auch Heidi und Kim erklären dann bestimmt alles noch einmal.«

»Ja, das wir machen«, bestätigte Kim. »Aber wahrscheinlich wir gar nicht müssen tun das. Du hast schon gelernt alle Namen von uns. Dann du auch hast behalten die andere Sachen, die Fabian hat erklärt.«

»Wir haben natürlich zugehört und auch das meiste begriffen«, ließ Christian Behrend sich amüsiert vernehmen. »Aber eines erstaunt uns dann doch sehr: Fabian hat vorhin gesagt, dass Sie gerade erst volljährig geworden sind. Ich möchte Sie wirklich nicht beleidigen, Herr von Wellentin-Schoenecker, aber kann man in so jungen Jahren tatsächlich schon ein Kinderheim leiten, in dem täglich schwerwiegende Entscheidungen getroffen werden müssen?«

Nick lächelte verständnisvoll. »Erst einmal bitte ich Sie, mich nicht Herr von Wellentin-Schoenecker zu nennen. Sagen Sie einfach Nick zu mir. Diese Anrede ist mir vertraut und gefällt mir auch besser. Nun, als ich Sophienlust erbte, war ich gerade sechs Jahre alt. Damals war das ehrwürdige alte Herrenhaus noch kein Kinderheim. Meine Urgroßmutter Sophie hatte in ihrem Testament verfügt, dass ihr Anwesen zu einem Heim für in Not geratene Kinder umgestaltet werden sollte. Diesen letzten Wunsch hat meine Mutter stellvertretend für mich gern erfüllt. Ich bin also praktisch selbst in diesem Kinderheim aufgewachsen und von Anfang an mit allem konfrontiert worden, was dort so vor sich geht. Deshalb sind die alltäglichen Dinge für mich Routine. Wenn schwierige Entscheidungen zu fällen sind, frage ich meine Mutter um Rat. Sie hat ja weitaus mehr Erfahrung als ich. Ganz ohne sie würde Sophienlust vermutlich nicht funktionieren. Außerdem ist das Kinderheim ihr Lebenswerk, aus dem ich sie keinesfalls verdrängen möchte.«

»Das hört sich alles sehr interessant an«, stellte Lotte fest. »Ich glaube, Sophienlust ist in der Tat ein besonderes Kinderheim. Wenn ich Fabian vorhin richtig verstanden habe, dürfen Kinder sogar ein Haustier mitbringen. Fabian sprach von einer Dogge, die ihm gehört.«

»Ja, das stimmt«, bestätigte Martin Felder an Nicks Stelle. »Tiere sind bei uns immer willkommen. In Sophienlust gibt es auch einen Bernhardiner, der Barri heißt, und im Wintergarten wohnt der Papagei Habakuk. Dann sind da noch mehrere Pferde und Ponys. Die leben natürlich nicht im Wintergarten, sondern in einem Stall, der genauso zum Gelände gehört wie die große Weide.«

Ronja, Christian und Lotte waren stark beeindruckt. Alle drei hatten sich noch nie wirklich ernsthaft gefragt, wie es in einem Kinderheim eigentlich zuging. Aber eine gewisse Vorstellung hatten sie trotzdem gehabt, und in dieser Vorstellung waren Kinderheime stets etwas trist gewesen. Sophienlust hingegen schien ein kleines Paradies zu sein.

Nachdem sie mehr als eine halbe Stunde anregend geplaudert hatten, mahnte Schwester Regine allerdings zum Aufbruch.

»In gut einer Stunde schließt der Freizeitpark, und wir wollen hier doch noch eine Menge unternehmen. Wenn Ronja mag, kann sie mit ihren Eltern ja einmal nach Wildmoos kommen und uns in Sophienlust besuchen.«

Ronja verzichtete darauf zu erwähnen, dass Christian nicht ihr Vater, sondern nur der Freund ihrer Mutter war. Auch Lotte und Christian selbst verloren kein Wort darüber. Sie nahmen den Vorschlag der Kinderschwester dankend an und verabschiedeten sich freundlich, dann trennten sich ihre Wege.

*

Als es an der Tür läutete, lief Elise schwanzwedelnd in die Diele. Doch kaum hatte sie die Tür erreicht, als sie die Lefzen hochzog und ein tiefes Knurren ertönen ließ. Das Fell in ihrem Nacken stellte sich zu einer Bürste auf.

Lotte hatte keine Ahnung, wer draußen geklingelt hatte. Aber Elises Verhalten ließ sie vorsichtig werden. Die Hündin hatte schon oft bewiesen, dass sie ein besonderes Gespür für heikle Situationen hatte, und hier schien jemand draußen vor der Tür zu stehen, den Elise für gefährlich hielt. Deshalb legte Lotte die Sperrkette vor, bevor sie die Tür einen Spalt öffnete. Ihr Blick fiel auf Bodo, der draußen stand und einen ungeduldigen Eindruck machte.

»Wie lange willst du mich denn noch warten lassen? Ich habe dir doch gesagt, dass ich dich heute besuchen werde. Also mach schon die Tür auf. Wir beide haben wichtige Dinge miteinander zu besprechen.«

»Aber nicht hier in meiner Wohnung«, entgegnete Lotte. »Ich möchte nicht mit dir allein sein, und du weißt auch genau, warum ich das nicht will. Außerdem wüsste ich nicht, worüber wir reden müssten. Du solltest also jetzt wieder gehen.«

Obwohl die Sperrkette vorgelegt war, gelang es Bodo, einen Fuß in den Türspalt zu setzen. ­Damit verhinderte er, dass Lotte die Tür einfach wieder schließen konnte.

»Du wirst mit mir reden müssen und zwar jetzt. Es geht schließlich um Ronja, und die sollte dir doch nicht gleichgültig sein.«

Lotte wollte Bodo nicht in ihre Wohnung lassen. Sie fürchtete sich davor, mit diesem Mann allein zu sein. Dass er leicht aufbrausend und dann auch gewalttätig werden konnte, hatte er bereits mehrfach bewiesen, als sie beide noch miteinander verheiratet gewesen waren.

»Du kennst das kleine Café am Ende der Straße«, sagte Lotte. »Da kannst du hingehen und auf mich warten. Ich bin in ungefähr fünfzehn Minuten dort.«

Mit diesem Vorschlag war Bodo einverstanden. Er nickte, zog seinen Fuß aus dem Türspalt und verschwand. Lotte atmete auf und zog sich rasch um. Sie konnte sich nicht erklären, was Bodo von ihr wollte, und eigentlich interessierte sie das auch gar nicht. Aber mit ihrem Vorschlag war sie ihn erst einmal losgeworden, und in dem Café konnte sie ihm nochmals mitteilen, dass sie keine Gespräche mit ihm führen wollte. In Anwesenheit von Gästen und den Angestellten würde er es mit Sicherheit nicht wagen, ausfallend zu werden oder sie sogar anzugreifen.

Als Lotte das Café erreichte, saß Bodo schon mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen an einem der Tische. Lotte nahm ihm gegenüber Platz und schaute sich kurz um. An drei anderen Tischen saßen mehrere Gäste, und zwei Angestellte waren hinter der Theke beschäftigt. Es waren also ausreichend Leute anwesend, die ihr im Notfall zu Hilfe kommen konnten.

»Viel Zeit habe ich nicht«, verkündete Lotte. »Ronja ist noch in der Schule und wird bald zurückkommen. Ich möchte zu Hause sein, wenn sie eintrifft. Also sage mir, was du zu sagen hast, und dann gehe ich wieder.«

»Na gut, dann eben die Kurzfassung.« Bodo grinste, und in diesem Grinsen war die Überheblichkeit deutlich erkennbar. »Ich habe eine große Erbschaft gemacht. Mein reicher alleinstehender Onkel ist gestorben. Jetzt kann ich meinen Autohandel großzügig erweitern und vielleicht sogar ein zweites Geschäft im Ausland aufziehen. Ich bin ein gemachter Mann und kann meiner Tochter alles bieten, was sie sich nur wünschen kann. Du hast die Kleine jetzt lange genug gehabt. Nun bin ich mal dran. Auch wenn du das Sorgerecht zugesprochen bekommen hast, ist Ronja auch meine Tochter. Deshalb werde ich sie jetzt zu mir nehmen.«

Lotte tippte sich an die Stirn. »Was sollen denn solche Hirngespinste? Ich gratuliere dir zu der Erbschaft. Aber die hat überhaupt nichts mit Ronja zu tun. Selbst wenn du Millionen geerbt hättest, gäbe es dir nicht das Recht, das Mädchen zu dir zu holen. Ronja bleibt selbstverständlich bei mir. Es wird sich nichts ändern. Kein Gericht der Welt würde dir das Sorgerecht für unsere Tochter erteilen.«

Wieder grinste Bodo. »Wir müssen kein Gericht bemühen. Was wir privat miteinander vereinbaren, geht keinen Richter was an. Ich mach dir einen Vorschlag: Du überlässt mir Ronja, damit sie bei mir ein Leben in Luxus führen kann. Als Gegenleistung kannst du Ronja hin und wieder sehen und auch etwas mit ihr unternehmen.«

»Du bist nicht ganz gescheit«, entfuhr es Lotte. »Dein Vorschlag ist eine Unverschämtheit. Ronja mag dich nicht. Sie hat nicht vergessen, dass du ein gewalttätiger Mensch bist. Deshalb hat sie Angst vor dir und würde nie bei dir leben wollen. Vergiss deinen Vorschlag. Aus deinem Plan wird nichts.«

»Doch«, widersprach Bodo. »Diesen Plan ziehe ich in jedem Fall durch, denn er gefällt mir. Ronja wird sich schon an mich gewöhnen und sehr bald einsehen, dass ich ein ziemlich netter Papa bin. Überlege dir gut, ob du meinen Vorschlag nicht doch annehmen willst. Wenn du ihn nämlich ablehnst, nützt dir das gar nichts und du wirst es bereuen.«

»Du bist wirklich völlig verrückt«, stellte Lotte fest und schüttelte fassungslos den Kopf. »Ich lasse mich nicht von dir erpressen. Du bekommst Ronja auf keinen Fall. Dafür werde ich schon sorgen.«

Entschlossen stand sie auf und verließ das Café, ohne sich von Bodo zu verabschieden oder ihn auch nur eines weiteren Blickes zu würdigen. Sie war wütend, gleichzeitig aber auch von Angst erfüllt. Das wollte sie aber auf keinen Fall zeigen. Trotzdem war ihr klar, dass die Angelegenheit nicht beendet sein würde. Ihre Weigerung, ihm Ronja zu überlassen, würde Bodo niemals akzeptieren. Lotte hatte die Erfahrung gemacht, dass er seinen Willen immer durchzusetzen versuchte, was ihm aufgrund seiner Hartnäckigkeit und seines aggressiven Wesens meistens auch gelang.

Auf dem Heimweg fragte sich Lotte, wie sie ihre Tochter schützen könnte. Bodo würde nicht zögern, sie irgendwo abzupassen und mitzunehmen. Vielleicht sogar ins Ausland zu bringen, wo er ein neues Geschäft aufziehen wollte, wie er gesagt hatte. Aber es war für sie einfach nicht möglich, ein zehn Jahre altes Mädchen vierundzwanzig Stunden am Tag im Auge zu behalten! Ronja selbst war nicht stark genug, um sich gegen Bodo zur Wehr zu setzen.

Lotte musste sich eingestehen, dass sie ein ernsthaftes Problem hatte. Aber als Ronja kurz nach ihr mit Elise zu Hause eintraf, sprach sie mit dem Mädchen nicht über dieses Thema. In ihrem Kopf schwirrten die Gedanken noch wild durcheinander, und die wollte Lotte erst einmal sortieren.

Es hatte keinen Sinn, Ronja jetzt gleich von Bodos Plänen zu berichten und sie damit womöglich in Panik zu versetzen. Davon würde ihre Tochter noch früh genug erfahren. Heute oder morgen würde Bodo ganz bestimmt noch nichts unternehmen. Schließlich musste er zunächst einmal Vorbereitungen für seinen Plan treffen…

*

Nachdem der Unterricht beendet war, packte Christian Behrend im Lehrerzimmer seine persönlichen Sachen zusammen und machte sich auf den Heimweg. Sehr lange blieb er dort allerdings nicht. Es zog ihn zu Lotte und Ronja. In den letzten Wochen war es ohnehin zur Gewohnheit geworden, dass das Abendessen gemeinsam stattfand. Manchmal bereitete Lotte es zu, und dann wieder versuchte Christian sich als Koch. Das gelang nicht immer und ging mitunter so gewaltig schief, dass er Lotte und Ronja in ein Restaurant einlud. Diese vollständig missglückten Kochkünste liebte Ronja ganz besonders. In einigen dieser Fälle fand sie sich mit Christian und ihrer Mutter dann nämlich in der Pizzeria wieder, die sie ganz besonders liebte. Dass Christians Fähigkeiten als Koch begrenzt waren, gefiel Ronja sehr.

Als Christian an diesem Abend bei Lotte und Ronja eintraf, fiel ihm sofort auf, dass Lotte nicht so heiter wirkte wie sonst. Es war deutlich zu erkennen, dass es da etwas gab, das sie bedrückte und ihr Sorgen bereitete. Trotzdem erkundigte er sich nicht sofort danach. Erst das Abendessen beendet, der Tisch abgeräumt und Ronja in den Garten gegangen war, sprach er Lotte darauf an.

»Ich habe gemerkt, dass dir schon die ganze Zeit etwas durch den Kopf geht«, begann er. »Ganz offensichtlich hast du Sorgen. Willst du mir nicht davon berichten? Vielleicht kann ich dir helfen oder dir wenigstens einen guten Rat geben.«

»Du hast recht«, bestätigte Lotte. »Ich mache mir wirklich Sorgen, sehr große Sorgen sogar. Es geht um Ronja. Sie ist in Gefahr, und ich weiß nicht, wie ich sie schützen könnte.«

Ausführlich erzählte Lotte nun von Bodos Besuch, seiner Forderung und auch seiner Drohung. Christian hörte ihr aufmerksam zu, und während Lotte berichtete, nahm auch sein Gesicht mehr und mehr sorgenvolle Züge an.

»Ich kenne deinen Exmann nicht persönlich, aber er meint seine Drohung wahrscheinlich ernst, nach allem, was du mir so von ihm erzählt hast.«

»Und ob Bodo es ernst meint«, erwiderte Lotte. »Er wird alles versuchen und nicht eher Ruhe geben, bis er Ronja bei sich hat. Dass er sich strafbar macht, wenn er das Mädchen praktisch entführt, interessiert ihn nicht. Ich habe Angst, dass er sich mit Ronja ins Ausland absetzen könnte. Seine hiesige Adresse kenne ich und kann ihm Ronja von der Polizei wieder abnehmen lassen. Aber wenn er ins Ausland flüchtet, werde ich ihn möglicherweise nicht ausfindig machen können. Dann sehe ich meine Tochter nie wieder, und sie muss ihr Leben bei einem Mann verbringen, vor dem sie sich fürchtet. Ich darf gar nicht daran denken, dass so etwas passieren könnte. Aber ich weiß auch nicht, wie ich Ronja schützen könnte. Bodo weiß, in welche Schule sie geht und wo sie mit Elise ihre Spaziergänge unternimmt. Es wäre einfach für ihn, dort aufzutauchen und das Kind mitzunehmen.«

»Die Situation ist wirklich beängstigend«, gab Christian zu. »Wir müssen unbedingt verhindern, dass dein Exmann an Ronja herankommt. Das ist erst einmal der wichtigste Schritt.«

Lotte nickte zustimmend. »Aber wie sollen wir das bewerkstelligen? Darüber habe ich mir schon den Kopf zerbrochen, doch mir ist nichts eingefallen.«

»Ich habe da gerade eine Idee.« Christian lächelte Lotte aufmunternd zu. »Ob sie sich verwirklichen lässt, weiß ich noch nicht, aber wir sollten es versuchen. Du erinnerst dich doch an unseren Besuch im Freizeitpark und die Kinder aus dem Kinderheim Sophienlust in Wildmoos? Sie haben alle so sehr von ihrem Heim geschwärmt. Es scheint dort tatsächlich paradiesisch zu sein. Vielleicht können wir Ronja für eine Weile dort unterbringen. Wenn wir von unserer Notlage erzählen, wird man uns bestimmt helfen. In Sophienlust findet Bodo das Mädchen nicht. Er wird Ronja vergeblich suchen. Wenn er keinen Erfolg hat, gibt er seinen Plan vielleicht sogar sehr schnell auf. Natürlich muss Ronja mit unserem Vorschlag einverstanden sein. Aber wenn sie erfährt, dass alles nur zu ihrem eigenen Schutz geschieht und dass sie ihre Elise vermutlich sogar mit nach Sophienlust nehmen darf, wird sie wahrscheinlich ganz gern für eine Weile dort wohnen wollen.«

Lotte dachte einen Moment lang nach. »Das ist gar keine schlechte Idee. Wildmoos ist so weit von hier entfernt, dass Bodo das Kind nicht finden kann. Es ist auch unmöglich, dass Ronja ihm rein zufällig über den Weg läuft. Trotzdem können wir sie mehrmals in der Woche besuchen. Wenn wir mit dem Auto fahren, erreichen wir Sophienlust in einer halben Stunde. Nach unserem Besuch im Freizeitpark habe ich aus reiner Neugier nämlich einmal nachgesehen, wo genau dieses Kinderheim liegt.«

Sie seufzte. »Bevor wir mit Ronja reden, möchte ich aber gerne in Sophienlust anrufen und mich erkundigen, ob man uns helfen und sie aufnehmen kann.«

Christian schaute auf seine Armbanduhr. »Jetzt ist es für einen solchen Anruf vielleicht schon ein bisschen zu spät. Aber du kannst gleich morgen früh telefonieren. Wenn du deutlich machen kannst, in welcher Gefahr Ronja sich befindet, werden sie uns vielleicht recht schnell einen Platz anbieten können. Bis dahin sollten wir Ronja ständig im Auge behalten. Notfalls nehme ich mir ein paar Tage Sonderurlaub und passe auf sie auf. Die Kleine soll nicht eine Minute lang unbeaufsichtigt sein.«

»Das ist ein sehr schönes Angebot von dir«, bemerkte Lotte und lächelte Christian dankbar an. »Aber Sonderurlaub kann ich mir auch nehmen. Mit ganz viel Glück ist das aber gar nicht nötig. Ich werde morgen direkt nach dem Frühstück in dem Kinderheim anrufen, wenn Ronja Elise zu unserer Nachbarin bringt. Dort ist sie immer ein Weilchen beschäftigt und bekommt von dem Telefongespräch nichts mit.«

Christian und Lotte wechselten das Thema. Ronja kam gerade mit Elise aus dem Garten zurück und sollte von dem Vorhaben im Augenblick ja noch nichts erfahren.

*

Vor dem prachtvollen Anwesen stiegen die älteren Kinder gerade in den roten Kleinbus, der sie zum Gymnasium nach Maibach fahren sollte. Schwester Regine schloss die Türen und winkte den Kindern nach, als sich der Bus in Bewegung setzte. Das tat sie jeden Tag, und dieses Ritual war inzwischen zur Tradition geworden.

Nick hatte sich heute etwas mehr Zeit für sein Frühstück genommen. Da er am vergangenen Tag bis tief in die Nacht hinein für eine Prüfung gelernt hatte, war er jetzt nicht ganz ausgeschlafen. Mit seiner Gabel angelte er nach den spärlichen Überresten der Rühreier, die noch auf dem großen Servierteller zu finden waren.

»Nick, du brauchst doch nicht nach Krümeln zu suchen«, erklärte die Köchin Magda, die gerade den Tisch abräumen wollte. »Wenn du nicht satt geworden bist, mache ich schnell noch neue Rühreier für dich.«

»Nein danke, das ist nicht nötig«, erwiderte Nick. »Ich bin nicht mehr hungrig, nur ein bisschen unausgeschlafen. Ich hatte keine Lust, vom Tisch aufzustehen, und da dann gerade die Reste auf dem Teller lagen, habe ich danach geangelt, einfach so.«

»Wahrscheinlich hast du wieder die halbe Nacht lang gelernt«, mutmaßte Magda mitleidig. »Das solltest du nicht tun, Junge. Du brauchst doch deinen Schlaf.«

»Das schon, aber ich möchte auch die Prüfung bestehen, die nächste Woche auf dem Plan steht. Außerdem will ich auch so gut wie möglich abschneiden.«

Nicks Argument leuchtete der Köchin ein. Trotzdem hätte sie ihm beinahe tröstend über den dunklen Schopf gestreichelt, so wie sie es getan hatte, als er noch ein kleiner Junge war. Wie schnell die Zeit verging! Nachdenklich räumte sie das Geschirr vom Tisch auf den Servierwagen.

Als das Telefon läutete, nahm Nick das Gespräch an. Zunächst sagte ihm der Name der Anruferin nichts. Erst als sie den Freizeitpark erwähnte, erinnerte Nick sich wieder. Er hörte sich die Geschichte an, die Lotte Landberg ihm erzählte. Und er erkannte den Ernst der Lage sofort. Hier musste umgehend gehandelt werden. Die Situation duldete keine Verzögerungen.

»Wir sind jederzeit bereit, Ronja und auch ihren Hund bei uns in Sophienlust aufzunehmen«, erklärte Nick, nachdem Lotte ihm etwas atemlos alles berichtet hatte. »Können Sie Ihre Tochter noch heute zu uns bringen? Sie brauchen nicht viele Sachen einzupacken. Was Ronja benötigt oder unbedingt haben möchte, kann später nachgeliefert werden. Wichtig ist erst einmal, dass sie selbst in Sicherheit gebracht wird.«

Lotte war über Nicks verständnisvolle Art und seine spontane Hilfsbereitschaft überwältigt. So einfach hatte sie sich die Aktion gar nicht vorgestellt. Sie versprach, mit Ronja am späten Nachmittag nach Sophienlust zu kommen. Bis dahin hatte sie reichlich Gelegenheit, mit ihrer Tochter zu sprechen. Dass diese sich gegen den Aufenthalt in Sophienlust wehren würde, konnte Lotte sich nicht vorstellen. Dazu hatte das Mädchen zu viel Angst vor seinem Vater.

Später, während der großen Pause, setzte Lotte sich mit Christian in Verbindung, der in dem direkt benachbarten Gebäude arbeitete, in dem die Realschule untergebracht war. Sie berichtete ihm von ihrem Gespräch mit Nick und brauchte ihn gar nicht erst zu bitten. Er bot sofort von sich aus an, sie und Ronja nach Sophienlust zu begleiten.

Als Lotte am späten Mittag nach Hause kam, war Ronja schon dort. Oft gingen Mutter und Tochter gemeinsam nach Hause. Aber wenn Lotte noch länger Unterricht oder eine Besprechung mit Kollegen hatte, machte Ronja sich allein auf den relativ kurzen Heimweg, den man in knapp zehn Minuten zurücklegen konnte.

Das bereits vorgekochte Mittagessen war schnell aufgewärmt, und als Lotte und Ronja zusammen am Tisch saßen, berichtete Lotte vorsichtig von dem Problem mit Bodo und der Lösung, die Christian vorgeschlagen hatte.

Ronjas erste Reaktion war Wut auf den Vater. »So ein gemeiner Mensch!«, ereiferte sie sich. »Ich will mich aber nicht zwingen lassen, bei diesem Kerl leben zu müssen. Es ist mir auch ganz egal, dass er mein Vater ist. Ich habe Angst vor ihm. Christians Idee ist wirklich gut. Ich glaube, in Sophienlust wird es mir ganz gut gefallen, und ich muss ja sowieso nicht für immer dort leben, so wie die anderen Kinder, die keine Mutter und keinen Vater mehr haben. Ich habe dich, und wenn mein Vater eingesehen hat, dass seine Idee nur blöd ist, dann kann ich wieder zu dir zurückkommen.«

»Ich hoffe, dass das bald der Fall sein wird«, sagte Lotte. »Ohne dich wird es in der Wohnung ganz ungewohnt leer sein. Du wirst mir fehlen. Aber ich werde dich ganz oft besuchen.«

»Du hast ja auch noch Christian«, versuchte Ronja ihre Mutter zu trösten. »So ganz allein bist du nicht. Aber ich werde auch froh sein, wenn der ganze Spuk ein Ende hat und ich wieder nach Hause kommen kann, obwohl es in Sophienlust sicher richtig schön sein wird.«

Lotte nahm ihre Tochter in die Arme, und für einen Moment drohten die Gefühle sie zu überwältigen. Dann riss sie sich zusammen. In der Abstellkammer stand die große grüne Reisetasche, die sie jetzt gleich zusammen mit Ronja packen wollte. Auch für Elise musste gepackt werden. Für sie reichte es allerdings, wenn ihr Korb, Futternäpfe, Bürste, Halsband und Leine ins Auto geladen wurden. Einen kurzen Augenblick lang dachte Lotte daran, dass sich in Sophienlust bereits zwei Hunde befanden. Die würden sich hoffentlich gut mit Elise vertragen. Da die Hündin einen sanftmütigen Charakter besaß, würde das wohl aber funktionieren.

*

Nach dem Telefongespräch mit Lotte Landberg hatte Nick sofort seine Mutter darüber informiert, dass noch heute ein neues Kind in Sophienlust Einzug halten würde. Denise von Schoenecker war seit vielen Jahren an solch unerwartete Ankünfte von Kindern gewöhnt. Außerdem war sie stolz auf ihren Sohn, der spontan zugesagt hatte, Ronja Landberg umgehend aufzunehmen, und sich nicht erst eine Bedenkzeit erbeten hatte. Nick war zwar mit seiner Familie auf Gut Schoeneich zu Hause, das nur wenige hundert Meter von dem Kinderheim entfernt lag, hatte sein Leben aber mehr oder weniger in Sophienlust verbracht. Dort war er zwangsläufig mit dem Alltag im Heim vertraut gemacht worden. Das hatte dazu geführt, dass Nick ein feines Gespür dafür entwickelt hatte, wann es sich um einen echten Notfall handelte, der keinen Aufschub duldete. Dieses Gespür, so hoffte Denise, würde ihr Sohn sich sein Leben lang erhalten.

Als Lotte mit Ronja, Christian und Elise in Sophienlust eintraf, wurden sie bereits von Nick und Denise erwartet. Auch alle Kinder hatten sich ausnahmslos in der Eingangshalle eingefunden. Inzwischen waren sie über den Neuzugang informiert und freuten sich darauf, Ronja begrüßen zu können.

Lotte und Christian waren von dem Herrenhaus, das wie ein kleines Schloss wirkte und mitten in einem Park lag, ebenso beeindruckt wie von der Freundlichkeit, mit der sie empfangen wurden. Nick und Denise behandelten alle drei wie gute alte Freunde, und es schien eine Selbstverständlichkeit zu sein, dass sie von einem Hund begleitet wurden.

Schon draußen vor dem Eingangsportal hatte Lotte festgestellt, dass Elise sich bestens mit Barri und Anglos vertrug. Die beiden hatten die Hündin freundlich begrüßt, und sie war sofort deren Aufforderung zum Spielen gefolgt.

»Für uns wäre es schön, wenn du für eine Weile bei uns bleiben würdest«, sagte Nick in der Eingangshalle zu Ronja. »Aber um eine Entscheidung zu treffen, willst du dir unser Haus bestimmt erst einmal ansehen. Ich denke, die Kinder werden dir gerne alles zeigen, und danach kannst du uns sagen, ob es dir gut genug gefällt, um bei uns wohnen zu wollen.«

»Eigentlich gefällt es mir jetzt schon«, erwiderte Ronja. »Aber natürlich bin ich auf alle Sachen neugierig, die es hier gibt, und schaue mir gerne alles an.«

Die Kinder ließen sich nicht zweimal bitten. Sie umringten die Zehnjährige und wetteiferten darum, wer von ihnen was zeigen durfte. Ronja zog fröhlich mit ihren neuen Freunden von dannen, ohne irgendeine Scheu zu zeigen.

Lotte und Christian folgten Nick und Denise in das Biedermeierzimmer. In diesem stilvollen Raum wurden stets alle Dinge besprochen, die als besonders wichtig galten. Am Telefon hatte Lotte bereits in Kurzform von ihren Problemen erzählt. Jetzt berichtete sie in allen Einzelheiten davon.

»Glauben Sie, dass Ihr geschiedener Mann von seinen Plänen Abstand nimmt, wenn er eine Weile vergeblich nach Ronja Ausschau gehalten hat?«, wollte Nick wissen.

»Ich hoffe es zumindest«, antwortete Lotte seufzend. »Bodo war immer äußerst hartnäckig, wenn es darum ging, seinen Willen durchzusetzen. Er ging stets mit dem Kopf durch die Wand, ohne vorher nachzudenken. Aber oft fehlte ihm die Geduld, ein Ziel über längere Zeit zu verfolgen. Wenn er nicht schnell erfolgreich war, gab er auf.«

»Dann arbeitet die Zeit für uns«, stellte Nick fest. »Ronja kann selbstverständlich auch für längere Zeit bei uns bleiben. Aber sie hat eine Familie, und dort ist sie noch besser aufgehoben als in Sophienlust. Selbst das beste Kinderheim kann eine Familie nicht ersetzen.«

»Mir wird Ronja sehr fehlen«, gab Lotte zu. »Aber ich bin Ihnen trotzdem unendlich dankbar für Ihre spontane Hilfe. Bei Ihnen ist meine Tochter in Sicherheit, und das beruhigt mich sehr.«

»Mich auch«, fügte Christian hinzu. »Ronja ist zwar nicht meine leibliche Tochter, aber ich mag sie sehr. Die Kleine bedeutet mir wirklich viel. Ich glaube, ein eigenes Kind könnte ich nicht mehr lieben.«

Nick und Denise nickten verstehend und lächelten Christian zu. Lotte Landbergs Lebensgefährte war ihnen äußerst sympathisch. Mit ihm hatte sie mit Sicherheit mehr Glück als mit Ronjas leiblichem Vater.

Die Formalitäten, die für die Aufnahme des Mädchens notwendig waren, waren schnell erledigt. Anschließend berichtete Denise auf Christinas Nachfrage hin, wie es damals mit Sophienlust angefangen hatte. Auch von einigen ganz besonderen Ereignissen der vergangenen Jahre erzählte Denise.

Während die Erwachsenen im Biedermeierzimmer saßen, wurde Ronja überall herumgeführt und lernte jeden Winkel des Kinderheims kennen. Von den Pferden und Ponys, die zu Sophienlust gehörten, war sie ebenso begeistert wie von dem Fahrradschuppen, in dem für die Kinder Fahrräder der unterschiedlichsten Größen standen. Durch die Berichte der Kinder im Freizeitpark wusste Ronja ja schon, dass es in Sophienlust schön sein musste. Aber so schön hatte sie es sich doch nicht vorgestellt. Jetzt war sie ganz sicher, dass sie gerne auch für längere Zeit hier wohnen würde, ohne Heimweh zu bekommen.

Entsprechend fiel später auch der Abschied von ihrer Mutter und Christian aus. Ronja umarmte die beiden herzlich, aber ohne besondere Wehmut. Die Trennung fiel ihr nicht allzu schwer. Außerdem war Elise ja bei ihr!

*

Bodo Landberg hatte sich maßlos darüber geärgert, dass Lotte ihm die Stirn geboten hatte und nicht auf seine Forderung eingegangen war. Für ihn war es ganz klar gewesen, dass sie ihm Ronja allein schon aus lauter Angst überlassen würde. Statt Angst hatte sie aber Entrüstung und Entschlossenheit gezeigt. Das wollte er seiner Exfrau nicht durchgehen lassen. Früher hatte sie sich immer nach seinen Wünschen gerichtet und sich seinem Willen widerstandslos unterworfen. Dass sich das jetzt geändert hatte, machte ihn regelrecht zornig. Er nahm sich fest vor, sich an Lotte zu rächen. Und das würde ihm am besten gelingen, wenn er ihr Ronja für immer wegnahm. Eigentlich hatte er das Mädchen nur für ein paar Jahre bei sich haben wollen. Mit ihren zehn Jahren war Ronja aus dem Gröbsten heraus, und man hatte nicht mehr sehr viel Arbeit mit ihr. Bodo versprach sich mehr Ansehen, auch im geschäftlichen Bereich, wenn er als liebevoller Vater auftrat und eine Tochter vorweisen konnte. Echte Vaterliebe empfand Bodo nicht für seine Tochter, aber der Gedanke, sie für einen längeren Zeitraum bei sich zu haben, reizte ihn durchaus. Lotte sollte es zutiefst bereuen, dass sie seinen Wunsch abgeschlagen hatte. Jetzt würde er nämlich mit Ronja ins Ausland verschwinden! Dank der Erbschaft würde er überall einen großen Autohandel eröffnen und zusätzlich für Ronja und sich ein Wohnhaus kaufen können. Lotte würde ihn und das Kind nie ausfindig machen. Wo sollte sie auch suchen? In welches Land er gegangen war, konnte sie nicht wissen. Das wusste er selbst im Moment ja nicht einmal so genau.

Nun galt es zunächst einmal, das Mädchen in seine Gewalt zu bringen. Darin sah Bodo allerdings kein besonderes Problem. Er wusste ja, in welche Schule seine Tochter ging, und musste sie nur beobachten. Auf dem Heimweg konnte er sie dann leicht überwältigen und in sein Auto befördern.

Der Schulweg schien Bodo die beste und einfachste Möglichkeit zu sein, Ronja an sich zu bringen. Diesen Weg musste sie regelmäßig jeden Tag gehen. Wo sie sich tagsüber sonst noch aufhielt, hätte er nicht sagen können. Es hatte also keinen Sinn, sich woanders auf die Lauer zu legen.

Bodo sah nicht ein, warum er mit der Durchführung seines Plans noch lange warten sollte. So fuhr er schon am nächsten Tag in die Nähe der Schule, die Ronja besuchte, und hielt am Fahrbahnrand einer Seitenstraße an. An dieser Stelle musste die Zehnjährige auf ihrem Heimweg vorbeikommen.

Zunächst war Bodo sehr zuversichtlich, noch an diesem Tag erfolgreich zu sein. Eine Stunde später war diese Zuversicht jedoch verflogen. Zahlreiche Kinder waren ihm auf ihrem Heimweg aufgefallen, aber Ronja hatte er nicht entdecken können. Vielleicht war sie an diesem Tag gar nicht in der Schule gewesen? Möglicherweise war sie krank und konnte deshalb nicht zur Schule gehen? Aber das wäre schon ein unwahrscheinlicher Zufall gewesen. Bodo nahm sich vor, am nächsten Tag einen erneuten Versuch zu unternehmen.

*

In Sophienlust hatte Ronja sich im Eiltempo eingelebt. Bereits nach zwei Tagen hatte sie den Eindruck, als wäre sie schon seit Jahren eng mit dem Kinderheim verbunden. Den Dauerkindern von Sophienlust gefiel das. So unkomplizierte Kinder wie Ronja, mit denen man keine Probleme hatte und die sich von Anfang an umgänglich und freundlich zeigten, hatten alle gern.

An diesem Tag saßen mehrere Kinder auf dem Begrenzungszaun des Reitplatzes und schauten Pünktchen zu, die auf dem großen Warmblutwallach Pedro saß und für ein kleines Turnier übte, das am kommenden Wochenende ganz in der Nähe stattfinden sollte. Gleichzeitig beobachteten die Kinder aber auch Elise, die neben dem Reitplatz mit Barri und Anglos spielte.

»Warum habt ihr euren Hund eigentlich Elise genannt?«, wollte Martin wissen. »Ich finde, das ist ein ziemlich ungewöhnlicher Name für eine Hündin.«

»Meine Mutter ist auf diesen Namen gekommen«, gab Ronja Auskunft. »Als wir uns einen Hund anschaffen wollten, hat meine Mutter gesagt, dass wir keinen vom Züchter holen wollen, sondern einen Hund aus dem Tierheim. Also sind wir ins Tierheim gefahren. Da gab es ganz viele Hunde, und wir hätten am liebsten die meisten davon sofort mitgenommen. Aber das ging ja nicht. Dann haben wir einen niedlichen Hund gesehen, der noch ziemlich jung und lange nicht ausgewachsen war. Dieser Hund saß auf einer Decke und hatte einen Schluckauf. Das hörte sich ganz seltsam an, und es sah auch ulkig aus, wenn der kleine Hund dauernd die Augen zukniff. Meine Mutter hat gelacht und gesagt, dass dieser Hund sie an ihre Oma Elise erinnere, die bei einem Schluckauf auch ständig die Augen zugekniffen hatte. Außerdem hätte sich ihr Schluckauf auch sehr ähnlich angehört. Nun ja, und dann meinte meine Mutter, dass wir diesen Hund mit nach Hause nehmen und ihn Elise nennen sollten. Die Idee fand ich gut, und seitdem hat Elise ihren Namen und ein neues Zuhause. Aber Schluckauf hat sie nie wieder gehabt.«

»Hast du deine Uroma Elise noch kennengelernt und einen Schluckauf miterlebt?«, fragte Fabian.

Ronja schüttelte den Kopf. »Nein, als ich auf die Welt kam, war meine Uroma schon lange tot. Ich kann mich nicht einmal an alle meine Großeltern erinnern. Die Eltern meines Vaters sind gestorben, als ich noch ganz klein war. Genauso war es bei Muttis Vater. Nur eine Oma lebt noch. Die wohnt aber sehr weit weg, irgendwo in Österreich, und kommt uns nur ganz selten besuchen. Eigentlich habe ich nur noch meine Mutter, ihren Freund Christian und Elise.«

»Das stimmt nicht«, widersprach Heidi. »Jetzt hast du auch noch uns, also eine ganze Menge Freunde. Freunde zu haben ist immer gut.«

Ronja nickte lächelnd. »Ja, du hast recht. Ihr alle seid richtig gute Freunde, und ich bin wirklich froh, dass ich euch habe.«

Die Kinder waren sich einig darüber, dass sie alle zusammen eine wundervolle Gruppe guter Freunde waren, in der sich jeder auf den anderen verlassen konnte und in der es niemals wirklich ernsthaften Streit gab.

*

Drei Tage lang hatte Bodo Landberg vergeblich versucht, Ronja aufzulauern und sie zu entführen. Aber das Mädchen schien wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Vielleicht wählte sie doch einen anderen Weg, um nach Hause zu kommen? Offensichtlich war es keine gute Idee gewesen, sie auf dem Schulweg abzupassen. Bodo entschloss sich, seine Taktik zu ändern. Irgendwann musste seine Tochter ja einmal das Haus verlassen, um etwas zu erledigen oder Freundinnen zu besuchen.

Am nächsten Tag bezog Bodo deshalb Posten in der Nähe von Lottes Wohnung. Dabei entdeckte er nach einer Weile zwar nicht Ronja, aber Lotte selbst in Begleitung eines sportlich wirkenden jungen Mannes. Mit einer seltsamen Art von Eifersucht stellte Bodo fest, dass seine Exfrau wohl einen Nachfolger für ihn gefunden hatte.

»Hätte ich mir ja denken können, dass du dich ganz schnell trösten würdest«, murmelte er, ohne dabei zu bedenken, dass die Scheidung schon mehrere Jahre zurücklag.

Aufmerksam und gespannt blickte Bodo auf den Hauseingang. Er hoffte, dass auch Ronja noch herauskommen und ihrer Mutter und deren Begleiter folgen würde. Aber diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Der Mann, den Bodo nicht kannte, der aber ganz offensichtlich mit Lotte liiert war, öffnete eine Autotür und setzte sich auf den Fahrersitz. Lotte nahm neben ihm Platz, und beide fuhren ohne Ronja los.

Einem Impuls folgend, startete Bodo den Motor und verfolgte die beiden in sicherem Abstand. Sie sollten nicht merken, dass er sich an ihre Fersen geheftet hatte. Bodo hatte das unbestimmte Gefühl, dass Lotte und ihr Begleiter ihn zu Ronja führen würden. irgendwas stimmte hier nicht!

Die Fahrt dauerte eine ganze Weile und führte in den kleinen Ort Wildmoos. Als Bodo die geschnitzten bunten Hinweisschilder auf das Kinderheim Sophienlust sah, ging ihm ein Licht auf. Lotte hatte Ronja also in ein Kinderheim gebracht! Es sah so aus, als hätte sie seine Drohung ernst genommen und das Kind in Sicherheit gebracht. Bodo grinste schadenfroh vor sich hin. Das hätte Lotte sich sparen können. Sie hätte damit rechnen müssen, dass er seine Tochter trotzdem ausfindig machen würde. Genau das war schließlich jetzt passiert, und es war überhaupt nicht schwierig gewesen.

Als der Wagen vor ihm durch das große geöffnete Tor auf das Gelände des Kinderheims fuhr, hielt Bodo am Straßenrand an. Er stieg aus und näherte sich im Schutz der großen Hecke, die den Park von Sophienlust begrenzte, vorsichtig dem Gelände. Durch eine kleine Lücke in der Hecke konnte er beobachten, wie Lotte und ihr Begleiter von einigen Kindern begrüßt wurden. Dann kam auch Ronja angelaufen und fiel ihrer Mutter um den Hals.

»Keine schlechte Idee, liebe Lotte«, flüsterte Bodo mit einer gewissen Anerkennung. »Wo versteckt man ein Kind besser als unter vielen anderen Kindern in einem Kinderheim? Aber das wird dir trotzdem nichts nützen. Oft wird Ronja dir nicht mehr um den Hals fallen können. Dann ist sie nämlich bei mir.«

Was sich jetzt noch weiter zwischen Ronja und Lotte auf dem Gelände von Sophienlust tat, interessierte Bodo nicht mehr. Er ging so unauffällig zu seinem Auto zurück, wie er gekommen war, und stieg ein. Dort saß er eine ganze Weile hinter dem Steuer und überlegte, wie er Ronja hier herausholen könnte. Die unterschiedlichsten Möglichkeiten gingen ihm durch den Kopf. In den nächsten Tagen würde er in Ruhe darüber nachdenken, welche dieser Möglichkeiten die günstigste war. Die Tatsache, dass er nun wusste, wo sich seine Tochter befand, stimmte Bodo höchst zufrieden. Er startet den Motor und fuhr davon.

*

»Ich muss euch unbedingt etwas zeigen«, verkündete Ronja, nachdem sie ihre Mutter und Christian gleichermaßen stürmisch begrüßt hatte. »Kommt mal mit zur Weide.«

Christian und Lotte folgten dem Mädchen und nahmen an, dass es auf der Weide etwas Außergewöhnliches zu sehen gab. Aber sie entdeckten dort nur einige Pferde und Ponys, die friedlich grasten.

»Seht ihr da vorne das dunkelbraune Pferd mit den drei weißen Beinen?«, fragte Ronja. »Das ist Valesko. Er ist zwölf Jahre alt und ganz lieb. Auf ihm darf ich reiten lernen. Pünktchen hat versprochen, es mir beizubringen. Eine richtig gute Turnierreiterin werde ich natürlich nicht. Dazu würde ich ein paar Jahre brauchen, und so lange bin ich ja nicht hier. Aber so einigermaßen sattelfest kann ich bestimmt werden. Morgen habe ich meine erste Reitstunde. Na, was sagt ihr jetzt?«

»Das finde ich prima«, antwortete Lotte. »Außerdem ist es sehr nett von Pünktchen, dass sie sich die Zeit nimmt, dir Reitunterricht zu geben.«

»Dieser Meinung bin ich auch«, erklärte Christian. »Mein Vater hatte übrigens früher einen Wallach, der fast so aussah wie Valesko. Sultan hieß dieses Pferd, und ich durfte es viele Jahre lang reiten. Der Wallach war genauso alt wie ich. Wir sind im Abstand von nur zwei Tagen auf die Welt gekommen. Sultan hat uns wirklich sehr viel Freude gemacht und ist beinahe zweiundzwanzig Jahre alt geworden.«

»Du kannst reiten?«, fragte Ronja erstaunt. »Das habe ich noch gar nicht gewusst. Wenn ich genug gelernt habe, können wir vielleicht einmal zusammen ausreiten, so wie meine Schulfreundin Anna es mit ihrem Vater macht. Wenn sie im Urlaub sind, suchen sie immer nach einem Reitstall, der Pferde verleiht. Dann reiten sie zusammen in den Wald oder an den Strand. Wir drei können in den Schulferien ja auch mal zusammen in den Urlaub fahren und nach einem Pferdeverleih suchen. Das wäre schön. Nur Mutti kann leider nicht mit uns ausreiten. Sie kann ja nicht reiten. Aber sie könnte es lernen. Bestimmt bringt Pünktchen es ihr auch bei, wenn wir sie darum bitten.«

Lotte hob abwehrend die Hände. »Nein, das lassen wir lieber bleiben. Ich mag Pferde sehr und habe keine Angst vor ihnen. Aber ich möchte nicht auf einem Pferderücken sitzen. Da würde ich mich nie sicher fühlen. Das ist mir einfach zu hoch und zu glatt.«

»Na gut, dann reite ich eben nur mit Christian aus, wenn wir zusammen in die Ferien fahren. Aber zuerst muss ich natürlich eine Menge lernen. Reiten ist sicher nicht ganz einfach, aber das bekomme ich schon hin.«

Die Pferde und Ponys hatten die Menschen am Weidezaun entdeckt und kamen neugierig näher. Sie wussten genau, dass sie fast immer einen Leckerbissen zugesteckt bekamen, der noch viel interessanter war als das saftige Gras auf der Weide. Tatsächlich hofften die Tiere auch diesmal nicht umsonst. In dem Beutel, den Ronja vorsorglich mitgenommen hatte, befanden sich ein paar Möhren. Es waren nicht so viele Möhren wie Pferde, aber das war kein Problem. Ronja brach sie einfach mehrfach durch und verteilte die Stücke. Ob es sich um einen kleinen oder großen Leckerbissen handelte, interessierte die Tiere nicht, Hauptsache jeder hatte irgendetwas zu knabbern.

Lotte und Christian verbrachten ein paar fröhliche Stunden mit Ronja und einigen anderen Kindern, die sich ihnen angeschlossen hatten, bevor sie sich für diesen Tag verabschiedeten. Da es relativ spät geworden war, hielten sie auf dem Heimweg an einem Gasthof an und kehrten dort ein. Sowohl Lotte als auch Christian gefiel die rustikale Einrichtung. Auf den massiven Holztischen standen Kerzenleuchter, die an Einweckgläser erinnerten, und die Sprossenfenster waren mit karierten Gardinen dekoriert. Die wuchtig wirkenden Holzbänke waren aber gepolstert und sehr bequem. Die Speisekarte konnte man durchaus als umfangreich bezeichnen, und sie hatte für jeden Geschmack etwas zu bieten.

»Ronjas Pläne haben mir übrigens gut gefallen«, bemerkte Christian, nachdem die Bestellungen aufgegeben waren.

»Welche Pläne?«, fragte Lotte. »Sprichst du von ihrem Vorhaben, reiten zu lernen? Ja, das finde ich auch gut, und ich hoffe, dass ihre Begeisterung nicht schon nach der ersten Unterrichtsstunde verraucht.«

Christian schüttelte den Kopf. »Das glaube ich nicht, aber das meinte ich auch nicht, als ich von Ronjas Plänen gesprochen habe. Sie möchte gern, dass wir gemeinsam unseren Urlaub verbringen. Ich glaube, sie sieht uns drei schon irgendwie als Familie, und vielleicht ist das gar nicht falsch. Lotte, wir sind nun schon so lange zusammen. Dass wir uns lieben ist doch überhaupt keine Frage mehr. Schließlich haben wir uns unsere gegenseitige tiefe Zuneigung schon oft gestanden. Ich wünsche mir so sehr, dass wir drei tatsächlich ganz offiziell eine richtige Familie werden. Lotte, ich…«

»Sprich nicht weiter«, bat Lotte und griff über den Tisch hinweg nach Christians Händen. »Ich habe schon lange damit gerechnet, dass du mir einen Heiratsantrag machen willst, und das jetzt gerade sollte doch sicher einer werden. Christian, ich empfinde genauso wie du. Ein Leben ohne dich kann ich mir gar nicht mehr vorstellen. Du bedeutest mir unendlich viel. Dich zu verlieren wäre eine Katastrophe. Aber ich kann dich nicht heiraten, jedenfalls jetzt noch nicht. Was ich mit Bodo erlebt habe, hat mich geprägt. Diesen Schiffbruch habe ich noch nicht überwunden. Ich fühle mich noch nicht frei. Dieser Mann hatte so viel Macht über mich. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich an meine Ehe mit Bodo denke. Es ist fast so, als würde er mich jetzt noch beherrschen. Ich weiß nicht so recht, wie ich es ausdrücken soll. Es gibt Gefühle, die kann man nicht wirklich beschreiben. Sei mir bitte nicht böse, aber ich kann mich noch nicht neu binden. Selbstverständlich können wir Ronjas Idee verwirklichen und zusammen in die Ferien fahren. Vielleicht habt ihr beide ja sogar Glück, findet tatsächlich einen Pferdeverleih und könnt gemeinsam ausreiten. Aber deinen Heiratsantrag könnte ich noch nicht annehmen. Es tut mir leid, aber ich bringe das einfach nicht fertig.«

»Ich bin dir überhaupt nicht böse«, versicherte Christian. »Ich hatte nur gehofft, dass sich mein sehnlicher Wunsch erfüllen würde, und bin jetzt etwas enttäuscht. Aber böse kann ich dir gar nicht sein. Nach allem, was du in deiner Ehe erleben musstest, kann ich mir gut vorstellen, wie es in dir aussieht und dass du viel Zeit brauchst. Aber ich gebe meine Hoffnung nicht auf, und irgendwann frage ich dich erneut. Aber wenn du dich schon früher frei genug fühlst und dir gut vorstellen könntest, an meiner Seite glücklich zu werden, dann sage es mir bitte sofort.«

»Das werde ich ganz bestimmt tun«, versprach Lotte. »Ich hoffe sehr, dass ich dir irgendwann aus vollem Herzen mein Jawort geben kann. Aber ich weiß nicht, wann das sein wird.«

Lotte lächelte Christian an. Etwas in ihr jubelte bei der Vorstellung, Christian zu heiraten und mit ihm und Ronja eine glückliche Familie zu sein. Ein anderer Teil in ihr aber fürchtete sich maßlos vor einer Bindung, die ein Leben lang halten sollte. Anfangs war sie mit Bodo ja auch glücklich gewesen, aber dann war alles so schlimm geworden, dass es in einer Katastrophe endete. Nun war Christian ganz anders als Bodo. Ihm vertraute sie blind. Trotzdem fand sie nicht den Mut, sich erneut fest zu binden. Warum das so war, konnte Lotte sich selbst nicht so genau erklären. Sie war doch nun bereits seit mehreren Jahren geschieden und musste schon lange nicht mehr unter Bodo leiden. Wie lange diese Ängste vor einer neuen Bindung noch anhalten würden, konnte sie auch nicht sagen. So gern sie auch Christians Frau werden wollte, so sehr fürchtete sie sich auch davor, diesen Schritt zu wagen.

Es entging Christian nicht, dass Lotte sehr nachdenklich wirkte und offensichtlich mit sich selbst kämpfte. Um sie aufzumuntern, wechselte er das Thema und berichtete von einer amüsanten Episode, die er am Vortag mit einem seiner Schüler erlebt hatte. Bald waren sie in ein heiteres Gespräch vertieft, und es wurde doch noch ein schöner Abend. Beide waren gelöster Stimmung, als sie den Gasthof später verließen.

*

Bei ihrer ersten Reitstunde hatte Ronja den Eindruck, dass so ein Sattel auf einem Pferderücken unglaublich glatt war. Obwohl Pünktchen ihr nicht sehr viel abverlangte und Valesko sich von seiner bravsten Seite zeigte, wurde dem Mädchen schnell klar, dass Reiten gar nicht so einfach war. Trotzdem machte es ihr Spaß, erste Erfahrungen zu sammeln. Nach Beendigung der Reitstunde war Ronja stolz darauf, dass sie nicht vom Pferd gefallen war.

»Danke, dass du mich nicht abgeworfen hast«, murmelte sie, als sie Valeskos Hals klopfte. »Du bist wirklich ein ganz braves Pferd. – Darf ich morgen wieder reiten?«, wollte Ronja wissen und schaute Pünktchen erwartungsvoll an.

Das ältere Mädchen nickte lächelnd. »Du scheinst ja richtig ehrgeizig zu sein. Ja, du darfst morgen wieder reiten. Ich habe Zeit. Zwar muss ich selbst noch für das Reitturnier trainieren, das übermorgen stattfindet, aber es bleibt noch genügend Zeit für deine zweite Reitstunde.«

»Danke, das finde ich toll. Darf ich übermorgen mitkommen? Ich möchte so gerne bei dem Reitturnier zuschauen und sehen, ob du es vielleicht sogar gewinnst.«

»Natürlich kannst du mitkommen. Es wollen mehrere Kinder zuschauen. Die fahren alle mit unserem roten Schulbus hin. Da passen viele Kinder rein. Für dich ist ganz bestimmt auch noch genug Platz.«

»Ich war noch nie auf einem Reitturnier«, gestand Ronja. »Das wird bestimmt spannend, und ich drücke dir auch ganz fest die Daumen, dass du gewinnst.«

»Das ist lieb von dir, wird aber wahrscheinlich nichts nützen. Es gibt immerhin achtundzwanzig Teilnehmer. Die wollen alle gewinnen, und es sind ein paar ausgezeichnete Reiter dabei. So gut wie die bin ich noch lange nicht. Aber ich wünsche mir, dass ich einen der ersten zehn Plätze bekomme. Das wäre schon sehr schön für mich, und dafür kannst du mir die Daumen drücken.«

»Gut, dann mache ich das« versprach Ronja. »Aber vielleicht hast du ganz großes Glück und landest tatsächlich auf dem ersten Platz.«

»Nie im Leben. Daraus wird leider nichts. Aber mir reicht ein guter Platz wirklich. Jetzt sollten wir aber nicht von unerreichbaren Siegen träumen, sondern Valesko absatteln und versorgen. Ein guter Reiter denkt nämlich immer zuerst an sein Pferd.«

»Das weiß ich, und das ist auch richtig so«, entgegnete Ronja. »Genauso ist es ja auch bei Hundebesitzern. Die sollten immer zuerst an ihre Hunde denken. So mache ich das bei Elise auch. Für mich ist es wichtig, dass sie immer gut versorgt und zufrieden ist.«

Die beiden Mädchen führten Valesko zum Stall und nahmen ihm Sattel und Trense ab. Nachdem er ein paar kleine Leckerbissen bekommen hatte, ließen Pünktchen und Ronja ihn zu den anderen Pferden auf die Weide. Der Wallach begrüßte seine Kollegen mit einem dumpfen Wiehern und gesellte sich sofort zu ihnen. Als Ronja ihm nachschaute, seufzte sie glücklich auf. Es war so schön in Sophienlust, und dass sie hier jetzt auch noch reiten lernen durfte, war ein ganz besonderes Geschenk für sie.

Die Zehnjährige legte sich in diesem Moment keine Rechenschaft darüber ab, warum sie in Sophienlust war, und verschwendete auch keinen Gedanken an ihren Vater. Dass sich dunkle Wolken über ihr zusammenbrauten, ahnte sie nicht…

*

Bodo Landberg hatte eingehend darüber nachgedacht, auf welche Art und Weise er Ronja an sich bringen könnte. Dabei waren ihm mehrere Möglichkeiten eingefallen. Bodo glaubte nicht, dass seine Exfrau offen mit den Mitarbeitern des Kinderheims gesprochen und ihnen mitgeteilt hatte, aus welchem Grund sie das Mädchen dort unterbringen wollte. Lotte war immer sehr auf ihren guten Ruf bedacht gewesen und hatte es stets vermieden, Schwäche zu zeigen. Deshalb würde sie sicher nicht erwähnt haben, dass sie ihre Tochter aus Angst vor ihrem geschiedenen Mann in Sicherheit bringen wollte. Diesen Stolz, so glaubte er, konnte er nun für seine Zwecke ausnutzen.

Niemand dachte sich etwas dabei, als ein unbekanntes Auto auf das Gelände gefahren kam und in der Nähe der Freitreppe anhielt. Ronja hätte ihren Vater vielleicht schnell erkannt, aber sie befand sich im Augenblick mit Schwester Regine und einigen Kindern auf einer Waldwanderung. Auf einer nicht sehr weit entfernten Lichtung wollte die kleine Gruppe ein Picknick veranstalten.

Bodo stieg aus seinem Wagen aus, schaute sich kurz um und stieg dann entschlossen die Freitreppe hinauf. Kaum war er auf der obersten Stufe angekommen, als das Eingangsportal geöffnet wurde. Pünktchen, die wusste, dass Schwester Regine und die Kinder bald wieder in Sophienlust eintreffen würden, wollte gerade zu den Pferden gehen und schon einmal alles für den Reitunterricht und ihr eigenes Training vorbereiten. Freundlich blickte sie den Mann an, der vor ihr stand.

»Kann ich Ihnen helfen?«, fragte sie. »Zu wem wollen Sie denn?«

»Ich möchte mit dem Mann sprechen, der für dieses Kinderheim verantwortlich ist«, gab Bodo selbstbewusst Auskunft. »Es geht um meine Tochter.«

»Dann müssen Sie zu Dominik von Wellentin-Schoenecker. Er ist gerade im Büro. Ich führe Sie hin.«

Pünktchen begleitete Bodo zum Büro, nickte ihm zu und ging dann ihrer Wege. Sie konnte nicht sagen, warum, aber sie empfand den Besucher als absolut unsympathisch. Obwohl er sich höflich verhalten hatte, ging von ihm etwas aus, das Pünktchen nicht gefiel.

Bodo klopfte an die Tür und stand Sekunden später Nick gegenüber, der sich von seinem Platz am Schreibtisch erhob, ihm die Hand reichte und sich vorstellte.

»Mein Name ist Bodo Landberg«, erklärte der Besucher. »Ich bin gekommen, um meine Tochter Ronja abzuholen. Meine Frau hat die Kleine für eine Weile nach Sophienlust gebracht.«

»Das ist richtig«, bestätigte Nick. »Sie besucht Ronja auch fast täglich und wird dabei oft von einem Mann begleitet. Das waren aber nicht Sie. Sie haben…«

»Meine Frau ist von meinem Schwager begleitet worden«, fiel Bodo Nick mit einer Lüge ins Wort. »Ich konnte unsere Tochter nicht besuchen, weil ich aus beruflichen Gründen verreist war. Deswegen ist Ronja zu Ihnen gebracht worden. Ich war unterwegs, und meine Frau ist vormittags berufstätig. Unsere Tochter sollte nicht allein zu Hause bleiben. Dafür ist sie noch zu jung. In Sophienlust war sie ja gut aufgehoben. Jetzt bin ich aber zurück, und Ronja kann wieder nach Hause kommen. Meine Frau ist heute leider verhindert. Darum hat sie mich gebeten, das Kind abzuholen. Leider habe ich es ein bisschen eilig. Können Sie mir sagen, wo ich Ronja finden kann? Dann nehme ich sie sofort mit nach Hause.«