Star Trek - Voyager 12: Kleine Lügen erhalten die Feindschaft 1 - Kirsten Beyer - E-Book

Star Trek - Voyager 12: Kleine Lügen erhalten die Feindschaft 1 E-Book

Kirsten Beyer

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Beschreibung

Captain Regina Farka von der U.S.S. Vesta stellt einen vielversprechenden Erstkontakt mit dem Nihydron her - humanoiden Fremden, die Geschichtsforscher sind. Selten interagieren sie mit den Spezies, die sie studieren. Allerdings haben sie eine riesige Datenbank zahlreicher Rassen, bewohnter planeten und geo-politischer Informationen eines großen Teils des Quadranten zusammengestellt. Bei einem Treffen zum Datenaustausch sind die Vertreter der Nihydron sichtlich schockiert, von Admiral Janeway begrüßt zu werden. Seit fast hundert Jahren kämpfen zwei Spezies, die Rilnar und die Zahl, um die Kontrolle über den nahen Planeten Sormana. Beide Seiten beanspruchen ihn als ihre Ursprungswelt. Doch seit einigen Jahren konnten die Rilnar dank der Taktiken ihres kommandierenden Offiziers beständig Boden gewinnen: einer Menschenfrau, die niemand anderes zu sein scheint als Kathryn Janeway.

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STAR TREKVOYAGER™

KLEINE LÜGEN ERHALTENDIE FEINDSCHAFT

BUCH1

KIRSTEN BEYER

Based onStar Trekcreated by Gene RoddenberryandStar Trek: Voyagercreated by Rick Berman & Michael Piller & Jeri Taylor

Ins Deutsche übertragen vonRené Ulmer

Die deutsche Ausgabe von STAR TREK – VOYAGER 12: KLEINE LÜGEN ERHALTEN DIE FEINDSCHAFT 1

wird herausgegeben von Amigo Grafik, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg.

Herausgeber: Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstern, Übersetzung: René Ulmer;

verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde; Lektorat: Wibke Sawatzki;

Korrektorat: André Piotrowski; Satz: Rowan Rüster/Amigo Grafik; Cover Artwork: Martin Frei;

Print-Ausgabe gedruckt von CPI Moravia Books s.r.o., CZ-69123 Pohorelice. Printed in the Czech Republic.

Titel der Originalausgabe: STAR TREK – VOYAGER: A POCKET FULL OF LIES 1

German translation copyright © 2018 by Amigo Grafik GbR.

Original English language edition copyright © 2016 by CBS Studios Inc. All rights reserved.

™ & © 2018 CBS Studios Inc. STAR TREK and related marks and logos are trademarks of CBS Studios Inc. All Rights Reserved.

This book is published by arrangement with Pocket Books, a Division of Simon & Schuster, Inc., pursuant to an exclusive license from CBS Studios Inc.

Print ISBN 978-3-95981-690-8 (Januar 2019) · E-Book ISBN 978-3-95981-691-5 (Januar 2019)

WWW.CROSS-CULT.DE · WWW.STARTREKROMANE.DE · WWW.STARTREK.COM

Für Lynne

»Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, keine Wahrheit.«

– Marcus Aurelius

»Die Wahrheit wird euch befreien, aber vorher wird sie euch unglücklich machen.«

– Unbekannt

Inhalt

HISTORISCHE ANMERKUNG

PROLOG

U.S.S. VOYAGER

KAPITEL 1

U.S.S. GALEN

U.S.S. VOYAGER

U.S.S. VESTA

U.S.S. VOYAGER

KAPITEL 2

U.S.S. DEMETER

U.S.S. VOYAGER

U.S.S. VESTA

U.S.S. VOYAGER

U.S.S. VESTA

KAPITEL 3

U.S.S. VOYAGER

U.S.S. VESTA

KAPITEL 4

U.S.S. VOYAGER

U.S.S. VESTA

U.S.S. VOYAGER

SHUTTLE TUCCIA

U.S.S. VOYAGER

TUCCIA

KAPITEL 5

U.S.S. VESTA

SORMANA

U.S.S. VOYAGER

SORMANA

U.S.S. VOYAGER

KAPITEL 6

RILNAR-BEFEHLSZENTRUM – SORMANA

U.S.S. VESTA

KAPITEL 7

U.S.S. VOYAGER

U.S.S. VESTA

U.S.S. VOYAGER

KAPITEL 8

U.S.S. TITAN

U.S.S. VOYAGER

KAPITEL 9

U.S.S. DEMETER

U.S.S. VESTA

STATION LILLESTAN

KAPITEL 10

U.S.S. VESTA

SORMANA

U.S.S. VOYAGER

KAPITEL 11

SORMANA

HAVERBERN, RILNADAAR VI

CELWINDA

STATION LILLESTAN

KAPITEL 12

U.S.S. VESTA

U.S.S. VOYAGER

SORMANA

U.S.S. VESTA

KAPITEL 13

ZAHLNA II

U.S.S. GALEN

U.S.S. DEMETER

ZAHLNA II

STATION LILLESTAN

KAPITEL 14

SORMANA

HISTORISCHE ANMERKUNG

Admiral Kathryn Janeway befehligt die Full-Circle-Flotte – bestehend aus den Schiffen Voyager, Vesta, Galen und Demeter –, die sich auf einer Forschungsmission im Delta-Quadranten befindet. Dort hat sich vieles verändert, seit die Voyager alleine dort gestrandet war und versucht hat, ihren Weg zurück nach Hause zu finden. Die Flotte hat den Auftrag, festzustellen, wie sich die Situation im Quadranten seit dem letzten Aufenthalt der Voyager und dem Verschwinden der größten Supermacht, der Borg, entwickelt hat.

Diese Geschichte beginnt im Juni 2382 und zieht sich durch den Juli desselben Jahres.

PROLOG

U.S.S. VOYAGER

»Und wie geht es dem neusten Zugang unserer Mannschaft heute Morgen?« Admiral Kathryn Janeway setzte sich auf die Kante von Commander B’Elanna Torres’ Bett. Liebevoll betrachtete sie das winzige Gesicht des Neugeborenen, der seelenruhig in den Armen seiner Mutter schlief.

»Es geht ihm hervorragend«, antwortete Commander Tom Paris auf der anderen Seite des Betts. Er stand neben Captain Chakotay, der den Flottenadmiral ins Quartier der Familie Paris begleitet hatte.

Torres sah ihren Mann an. In den ersten sechsunddreißig Stunden des Lebens seines Sohns hatte er ständig dasselbe verschlafene Grinsen präsentiert. Ihre Tochter Miral, die in ein paar Wochen vier werden würde, lag zusammengerollt neben ihrer Mutter, betrachtete das Gesicht ihres Bruders und sah sich schüchtern unter den Personen um, die in das Heim ihrer Familie eingedrungen waren.

»So sieht er auf alle Fälle aus«, stimmte Janeway zu.

»Wollen Sie ihn mal halten?«, fragte Torres.

»Unbedingt.« Der Admiral lächelte. Vorsichtig übergab Torres ihr das Kind. Der Junge gähnte, während er es sich in den unvertrauten Armen gemütlich machte. »Hallo, Kleiner!«, begrüßte ihn Janeway leise.

»Hat er schon einen Namen?«, fragte Chakotay.

»Michael«, verkündete Miral, bevor Paris oder seine Frau die Gelegenheit dazu bekamen.

»Michael Owen«, ergänzte Tom.

Janeway lächelte strahlend. »Nach seinem Großvater und seinem Urgroßvater. Das sind ziemlich große Fußstapfen, die du da zu füllen hast, junger Mann. Aber keine Sorge. Du hast jede Menge Zeit.«

»Warum ist mein Großvater eine Uhr?«, fragte Miral.

Paris setzte sich auf der Janeway gegenüberliegenden Seite aufs Bett und zog Miral auf seinen Schoß. »Dein Großvater hieß Owen. Du bist ihm begegnet, aber du warst noch zu klein, um dich daran zu erinnern. Owens Vater war Michael. Der Vater deines Großvaters ist dein Urgroßvater.«

Als sie skeptisch die Augenbrauen zusammenzog, traten die flachen Knochenkämme auf Mirals Stirn, ein Beleg für das klingonische Erbe von B’Elannas Seite, deutlicher hervor. »Aber warum ist er eine Uhr?«

Paris kicherte. »Auf alle Fälle war er urig. Wenn wir heute Nachmittag in den Park gehen, erzähle ich dir von ihm.«

»Können wir jetzt gehen, Daddy?«

»Noch nicht, Kleines. Wir haben Besuch.«

»Habe ich auch so viel Besuch gehabt, als ich geboren wurde?«

»Nein, du hattest mehr«, antwortete Torres.

»Der Tag deiner Geburt war für uns alle ein sehr wichtiger Tag«, sagte Janeway. Darüber freute sich Miral und bedachte den Admiral mit einem Lächeln.

»Der Tag, an dem wir wieder zu Hause waren«, stellte sie fest.

»Ganz genau.«

»Aber warum sind wir nach Hause gegangen, wenn wir jetzt wieder im Delta-Quadranten sind?«

»Wir sind hier, um mehr über diesen Teil unserer Galaxis zu erfahren«, erklärte Chakotay.

»Ihr hättet euch beim ersten Mal gründlicher umsehen sollen«, tadelte Miral die Anwesenden. Die vier Erwachsenen lachten zur Antwort.

Janeway gestattete sich einen weiteren Blick auf Michael, bevor sie ihn wieder an Torres übergab. »Er ist wunderschön, B’Elanna. Herzlichen Glückwunsch, Ihnen allen!«

»Danke, Admiral«, erwiderte Torres.

»Meinen ebenfalls«, stimmte Chakotay zu. »Hiermit befehle ich Ihnen beiden offiziell, sich so viel Zeit wie nötig zu lassen, bevor Sie wieder Ihren Dienst antreten. Harry hat während Toms Abwesenheit viel Erfahrung gesammelt, und von Counselor Cambridge weiß ich, dass Lieutenant Conlon ab diesen Morgen wieder ihren Dienst antritt.«

»Wie geht es Icheb?«, fragte Torres.

»So gut, wie man erwarten kann«, sagte Chakotay.

Torres fragte sich, was das zu bedeuten hatte, beschloss aber, nicht nachzufragen. Michael meldete sich und würde wohl bald wieder etwas zu essen brauchen.

»Wir lassen Sie dann jetzt alleine.« Janeway stand auf.

»Kommen Sie vorbei, wann immer Ihnen danach ist, Admiral«, bat Torres. »Sie scheinen ein Naturtalent zu sein. Wenn Tom ihn hält, schreit er wie am Spieß.«

»So jung und schon so weise«, stichelte Chakotay.

»Sieht wohl so aus«, stimmte Paris zu.

»Wann bekommst du ein Baby?«, fragte Miral Janeway.

Plötzlich herrschte betretenes Schweigen. Torres brach es: »Miral, es ist unhöflich, so persönliche Fragen zu stellen.«

»Ist schon gut«, versicherte ihr Janeway. »Babys sind ein wunderbares Geschenk, Miral, aber nicht jeder entscheidet sich dafür, welche zu bekommen. Ich habe beschlossen, mich dieser Herausforderung indirekt zu stellen.«

»Was bedeutet das?«, fragte Miral.

»Ich überlasse es deinen Eltern, dir das zu erklären.« Janeway zwinkerte Paris zu.

Torres sah zu Chakotay und bemerkte ein kurzes Aufflackern in seinem Blick … vielleicht Enttäuschung? Die letzten drei Tage hatte sie nie mehr als drei Stunden am Stück geschlafen. Gut möglich, dass sie es sich nur eingebildet hatte. Der Captain trat zu Janeway und ließ ihr beim Verlassen des Raums den Vortritt.

Nachdem der Besuch gegangen war, setzte Paris Miral wieder auf das Bett und legte sich daneben. Zufrieden betrachtete er seine Familie.

»Glaubst du …?«, setzte Torres an. Bevor sie die Frage beenden konnte, fielen Tom die Augen zu.

Torres sah wieder ins Gesicht ihres Sohns, sagte dann leise: »Sie weiß nicht, was ihr entgeht, nicht wahr?«

1

U.S.S. GALEN

»Was hat er genau gesagt?«, wollte Seven von Ensign Icheb wissen.

Der junge, frischgebackene Offizier wurde bleich, was die unregelmäßigen roten Flecken auf seinen Wangen betonte. »Commander O’Donnell hat gesagt, ich darf Lieutenant Elkins’ Maschinenraum ohne direkten Befehl von Commander Torres oder Admiral Janeway nicht mehr betreten.«

Um sich seine Belustigung nicht anmerken zu lassen, senkte der Doktor den Kopf.

»Und haben Sie das Commander Torres gemeldet?«, fragte Seven weiter, während sie dem Doktor einen warnenden Blick zuwarf.

»Noch nicht«, gab Icheb zu.

»Das sollten Sie unverzüglich tun«, riet Seven.

»Ich bin dazu eingeteilt, dem Commander zu assistieren. Ich bezweifle, dass sie diesen Beweis für meinen offensichtlichen Mangel an Eignung hilfreich finden wird«, entgegnete Icheb.

»Commander Torres geht es gut, Icheb«, unterbrach der Doktor. »Ich habe sie vor ein paar Stunden gesehen. Sie ist verständlicherweise erschöpft, aber noch bricht sie nicht unter dem unausweichlichen Schlafmangel, der ihr die nächsten Tage bevorsteht, zusammen.«

»Und sie hat Ihnen befohlen, die derzeitige Operationseffizienz der Ingenieurabteilung auf jedem Schiff der Flotte zu beurteilen«, ergänzte Seven. »Sie sollte wissen, wie diejenigen, die unter ihrem Befehl stehen, auf Ihre Vorschläge reagieren.«

»Die sind nicht das Problem, Seven«, beharrte Icheb.

Seven nahm das Padd, das neben Ichebs unberührtem Frühstück auf dem Tisch lag, und las ein paar Momente lang schweigend darin. Seven und Icheb waren für ein vorgezogenes Frühstück in den kleinen Speisesaal der Galen gegangen, und bis sich der Doktor zu ihnen gesellt hatte, hatten sie den Raum für sich alleine gehabt. Die Ankunft der Lieutenants Benoit und Velth signalisierte, dass die Alpha-Schicht bald beginnen würde.

Icheb sah zum Chefingenieur der Galen, Benoit, der ihm grüßend zunickte.

Seven seufzte und legte das Padd zurück auf den Tisch. »Auch wenn es Lieutenant Elkins lästig sein mag, das herrschende Protokoll der Sternenflotte strikt zu befolgen, sind Ihre Hinweise auf ineffektives Vorgehen alle zutreffend.« Während sie weitersprach, griff der Doktor nach dem Padd, um sich selbst ein Bild zu machen. »Vorschriften gelten für alle, auch für die, die glauben, es besser zu wissen. Lieutenant Elkins ist dazu verpflichtet, sie zu befolgen. Und Commander O’Donnell sollte mehr Wert darauf legen, dass seine Untergebenen ihre Pflichten angemessen erfüllen, anstatt ihr Ego zu beschwichtigen.«

»Sechshundertneunzehn?«, keuchte der Doktor.

Sofort sahen Icheb und Seven gleichzeitig zum holografischen leitenden medizinischen Offizier der Galen.

»Sie haben Elkins sechshundertneunzehn Verstöße vorgelegt?«

»Jeder Verstoß enthält eine Auflistung der zugehörigen Vorschrift«, merkte Icheb an.

»Das sehe ich«, räumte der Doktor ein. »Aber Icheb, während Ihrer Jahre auf der Sternenflottenakademie haben sie doch sicher die Kluft zwischen Menschen und Perfektion kennengelernt. Ist Ihnen nicht in den Sinn gekommen, Ihre Ergebnisse zu priorisieren und Chief Elkins eine Reihe durchführbarerer Empfehlungen vorzulegen?«

»Auch wenn sie lästig ist, ist die Anforderung der Sternenflotte an ihre Ingenieure, jedes der Systeme, für die sie zuständig sind, konstant zu überwachen, sowohl notwendig als auch durchführbar«, widersprach Icheb. »Ihr Chief Benoit ist ein Beleg dafür. In seiner Abteilung habe ich lediglich sechsundzwanzig Verstöße festgestellt, und er hat meine Empfehlungen akzeptiert, ohne sie zu hinterfragen.«

»Die Galen ist auch kleiner als die Demeter«, ermahnte der Doktor ihn, »und sie hat in den letzten Monaten bei Weitem nicht so viel mitgemacht wie Commander O’Donnells Schiff. Ganz zu schweigen davon, dass Chief Benoit auf Dutzende hochgradig spezialisierte holografische Ingenieure zurückgreifen kann, die darauf programmiert sind, ihre Aufgaben den Vorschriften entsprechend zu erfüllen. Zudem brauchen sie keine Pausen und neigen nicht dazu, sich zu beschweren, wenn eine Arbeit todlangweilig ist.«

»Wie dem auch sei«, meldete sich Seven wieder zu Wort, »Icheb erfüllt eine äußerst wichtige Aufgabe, und man sollte ihn nicht dafür tadeln, wenn jemand anderes seine Pflicht nicht erfüllt.«

»Seven, wollen Sie, dass Icheb bei seinem ersten Auftrag innerhalb dieser Flotte Erfolg hat?«

Einen Augenblick lang wirkte Seven bestürzt. »Selbstverständlich möchte ich das.«

»Und haben sie bislang gehört, dass er direkt oder indirekt auf sein vermeintliches Versagen Bezug genommen hat? Er hat uns heute Morgen nicht hergebeten, damit wir ihn anlügen oder, schlimmer noch, anderen die Schuld für die Schwierigkeiten zuschieben, denen er sich gegenübersieht. Er weiß, dass er weder seinen noch B’Elannas Erwartungen gerecht wird. Unsere Aufgabe ist es, ihm dabei zu helfen, das zu erreichen.«

Seven lehnte sich zurück. »Was schlagen Sie vor?«

»Damit Icheb seine Aufgaben effektiv ausführen kann, muss er das Vertrauen derer gewinnen, mit denen er tagtäglich zu tun hat. Ansonsten wäre er nur sehr bedingt als Commander Torres’ Assistent geeignet.« Dann sah der Doktor Icheb mit aufrichtigem Mitgefühl an. »Ich weiß, das ist schwierig. Wir könnten uns tagelang unterhalten und würden kaum an der Oberfläche der Herausforderungen kratzen, denen ich mich im Verlauf der Jahre gegenübergesehen habe, während ich versucht habe, realistische Erwartungen an unsere Offizierskollegen zu stellen und produktive Beziehungen zu entwickeln, die auf gegenseitigem Respekt basieren. Aber dafür fehlt Ihnen die Zeit. Commander Torres hat gerade eine Geburt bewältigt. Sie braucht Sie in den nächsten Wochen als ihre Augen und Ohren, während sie sich erholt und sich um die Bedürfnisse ihrer Familie kümmert. Ihre Aufgabe, Ensign, ist es, dem Commander das Leben einfacher und sorgenfrei zu machen, nicht, ihre Untergebenen durch Kleinlichkeiten zum Widerstand anzustacheln.«

»Aber …«, setzte Seven an.

»Und Sie«, fuhr der Doktor fort, »tun Ihrem Freund keinen Gefallen, wenn Sie ignorieren, dass er zumindest zum Teil für diesen Unfrieden mitverantwortlich ist. Recht zu haben, ist wichtig. Aber mittlerweile wird mehr von ihm erwartet. Er muss auch ein Gespür für die Gefühle seiner Kameraden haben und für die Tatsache, dass keiner von ihnen bereit ist, sich einem übereifrigen, noch grünen Ensign unterzuordnen. Nur weil man seinen Abschluss hat, hört man nicht auf zu lernen. Die Kurse ändern sich, aber der Prozess an sich läuft weiter.«

»Schlagen Sie vor, dass ich meine Erwartungen senken soll?«, fragte Icheb. »Ich erwarte nicht mehr, als ich von mir selbst verlange.«

»Ich schlage vor, dass Sie nicht Ihre oder Sevens Fähigkeiten als Maßstab für Leistung benutzen. Sie wurden beide von den Borg großgezogen, einer Spezies, die Perfektion für erreichbar gehalten hat. Für diejenigen, die Sie stellvertretend für Commander Torres beaufsichtigen sollen, gilt das nicht.« Der Doktor ließ die Worte wirken, bevor er fragte: »Wie viele der Verstöße, die Sie Lieutenant Elkins vorgelegt haben, betrachten Sie für den Betrieb des Schiffs als unerlässlich?«

Bevor er antwortete, sah Icheb Seven an: »Dreiundzwanzig.«

»Die Neujustierung des magnetischen Konstriktors …«, wandte Seven ein.

»Zweiundzwanzig«, räumte Icheb ein.

»Gehen Sie so bald wie möglich mit einer überarbeiteten Beurteilung zu Commander O’Donnell, in der Sie lediglich die entscheidenden Verbesserungsvorschläge hervorheben. Entschuldigen Sie sich dafür, dass Sie Lieutenant Elkins’ wertvolle Zeit verschwendet haben, und bitten Sie den Commander, Ihre Empfehlungen weiterzugeben.«

»Und wenn sich Commander O’Donnell weigert?«, fragte Seven.

»Das wird er nicht«, versicherte ihr der Doktor. »Er stellt nicht Ihre Stellung und Ihre Befugnis infrage, und genauso wenig verteidigt er blind seinen Offizier. Er stellt Sie auf die Probe. So bestehen Sie diesen Test.«

»Haben Sie die Absicht, Icheb dieselben Übungen für gesellschaftliches Verhalten zu geben wie mir, nachdem ich auf die Voyager gekommen bin?«, fragte Seven.

Das Programm des Doktors fror kurz ein, als es versuchte, auf Erinnerungsdateien zuzugreifen, die es nicht mehr gab. Das Bedauern auf Sevens Gesicht zeigte, dass sie ihren Fehler bemerkte.

»Verzeihen Sie«, sagte sie hastig. »Ich spreche von einer Reihe von Übungen, mit denen wir bei Sternzeit 51652,3 begonnen haben. Sie haben versucht, mir dabei zu helfen …«

»Schon gut, Seven«, unterbrach der Doktor sie. Sosehr er Sevens Versuche, ihn mit Daten über ihre frühen Jahre zu versorgen, schätzen lernte, jetzt war nicht die Zeit dafür. Die Daten waren aus seiner Matrix gelöscht worden, um gemeinsam mit ihnen auch ein Seriareen-Bewusstsein zu beseitigen, das versucht hatte, sich seine Holomatrix anzueignen. »Icheb muss an die Arbeit, und Sie müssen zu einer Besprechung an Bord der Vesta, oder?«

»In der Tat.«

»Ich glaube, die Vorschläge des Doktors sind berechtigt.« Icheb stand auf, sammelte seinen vollen Teller und das Besteck ein. »Danke, Ihnen beiden.«

»Sie sind mir stets willkommen«, sagte Seven. »Erstatten Sie mir Bericht, sobald Sie mit Commander O’Donnell gesprochen haben.«

»Das werde ich«, versprach Icheb.

Seven sah ihm hinterher, wie er zügig zum Replikator ging, um sein Frühstück zu recyceln.

»Alles wird gut werden, Seven. Er wird etwas Zeit brauchen, um sich anzupassen. Aber er wird es schaffen. Sie haben das auch getan.«

»Trotzdem ist es schwer, dabei zuzusehen, wie jemand, der einem viel bedeutet, Schwierigkeiten hat.«

»Versuchen Sie nicht, ihm das abzunehmen«, riet der Doktor.

Seven sah ihn wieder an. »Das werde ich nicht.«

Während sie aufstanden, um ihren jeweiligen Dienst anzutreten, fragte der Doktor: »Haben Ihnen die von Ihnen angesprochenen gesellschaftlichen Übungen wirklich geholfen, besser mit Ihrem Leben an Bord der Voyager zurechtzukommen?«

»Sie waren unvorstellbar lästig«, erwiderte Seven ehrlich. »Und ja, das haben sie.«

Der Doktor lächelte. Er war davon überzeugt, egal, wie viele Daten er durch Xolanis Angriff auf sein Programm auch verloren hatte, ihm war dabei nichts Unwiederbringliches genommen worden.

U.S.S. VOYAGER

Lieutenant Nancy Conlon konnte das Ende dieses Treffens gar nicht erwarten. Counselor Hugh Cambridge war der letzte Offizier, der ihr bescheinigen musste, dass sie sich von dem Vorfall vor ein paar Wochen erholt hatte. Sie war kurz tot gewesen, und danach hatte sie vorübergehend im Koma gelegen. Cambridge und der Doktor hatten vorbildliche Arbeit geleistet. Sie war mehr als bereit, wieder in den Maschinenraum zurückzukehren und den Rest ihres Lebens in Angriff zu nehmen.

Cambridge saß ihr in seinem weichen schwarzen Sessel gegenüber. Ein Bein auf Kniehöhe über das andere geschlagen, wippte er ruhig mit dem Fuß, während er ihre aktuellsten medizinischen Aufzeichnungen durchging. Als er sprach, sah er nicht einmal vom Padd auf: »Wie ich sehe, haben Sie Ihr normales körperliches Training bereits wieder aufgenommen.«

»Der Doktor hat sich Sorgen wegen anfänglicher Bewegungsschwäche gemacht, aber das ist in den letzten Tagen besser geworden«, erklärte Conlon.

»Und die Kopfschmerzen?«

»Verschwunden. Und sie fehlen mir auch nicht.«

Cambridge nickte und las weiter.

»Was hat es mit den Bananen auf sich?«

»Bananenpfannkuchen. Ich habe sie vor ein paar Monaten bei B’Elanna probiert, und seit ich aufgewacht bin, hatte ich einen Heißhunger darauf. Lange bevor der Doktor meinen Ernährungsplan gelockert hat, habe ich darum gebettelt. Nicht einmal eine Erhöhung meiner Kaliumergänzungen hat daran etwas geändert. Lieutenant Neol hatte dann irgendwann Mitleid mit mir und hat mir ein paar besorgt. Der Doktor war alles andere als erfreut.«

Cambridge kicherte. »Kann ich mir vorstellen.« Schließlich legte er das Padd beiseite und sah seine Patientin an. »Damit bleibt nur noch die wichtigste Frage von allen.«

»Nichts«, erwiderte Conlon schlicht.

»Noch immer nicht?«

Sie zuckte mit den Schultern. »Ich weiß nicht, was ich Ihnen sagen soll. Das Letzte, woran ich mich erinnere, ist, dass ich auf dem Holodeck war und mir die aktuellsten Zugriffslogbücher angesehen habe. Und dann streiten sich Harry und B’Elanna an meinem Bett.«

Cambridge schüttelte den Kopf. »Natürlich haben wir keinerlei Vergleichsfälle. Sie sind die einzige dokumentierte Person, die die Übernahme durch ein Seriareen-Bewusstsein und die Entfernung eines solchen Wesens überlebt hat.«

»Und dafür musste ich nur sterben.«

»Stört Sie das nicht?«

»In Anbetracht der Alternative, nein. Abgesehen davon bin ich jetzt in einem kleinen exklusiven Klub: Lieutenant Kim, Admiral Janeway. Auf diesem Schiff bleiben die Toten nicht tot, oder?«

»Ein paar schon«, korrigierte Cambridge. Conlon bemerkte so etwas wie aufrichtiges Bedauern in seiner Stimme. »Ihr Tod fand natürlich unter medizinischer Überwachung statt. Als der Doktor bestätigt hat, dass Xolani Ihren Körper verlassen hatte, wurden Sie wiederbelebt.«

»Aber ist es nicht etwas Gutes, dass ich mich nicht erinnere? Ja, der Gedanke an sich ist traumatisch, aber es scheint fast so, als wäre das jemand anderem passiert.«

»Das ist nun einmal nicht der Fall. Wir haben ausgiebig über Ihre Weigerung gesprochen, zurückliegende Erlebnisse zu verarbeiten, und wie Sie das im Angesicht einer überwältigenden Tragödie beinahe handlungsunfähig gemacht hat.«

»Und ich habe Ihnen zugestimmt und beschlossen, deswegen etwas zu unternehmen.«

»Ich hätte erwartet, dass dieser Vorfall Sie etwas zurückwirft, dass er möglicherweise für eine gewisse Angst vor Ihrer eigenen Verletzlichkeit gesorgt hat.«

»Ich weiß, wie viel Glück ich gehabt habe, Counselor. Mittlerweile genieße ich mein Leben hier auf der Voyager, und ich liebe die Personen, mit denen ich zusammen diene. Ich versuche, mich auf die positiven Dinge zu konzentrieren, die ich tatsächlich beeinflussen kann.«

»Eine gute Strategie«, stimmte Cambridge zu. »Aber, und das ist ein wichtiges Aber, es sollte mich nicht im Geringsten wundern, wenn Ihr Unterbewusstsein irgendwann in der Zukunft einen Weg findet, dieses Trauma in ihr Bewusstsein zu drängen. Ich möchte Sie wöchentlich sehen, nur zur Sicherheit. Von jedem ungewöhnlichen Traum, Ängsten, allem, was sich irgendwie seltsam anfühlt, will ich sofort erfahren. Gut möglich, dass Sie den Rest Ihres Lebens ohne die Erinnerung an ein paar Tage verbringen, die jeder an Ihrer Stelle gerne vergessen würde. Es ist nur noch zu früh, als dass ich daran glauben kann.«

»Damit kann ich leben«, stimmte Conlon zu.

»Nun gut, Lieutenant.« Cambridge stand von seinem Sessel auf. »Es ist Zeit, dass Sie wieder zurück an die Arbeit gehen.«

Sie lächelte erleichtert. »Ja, ist es, Sir.«

U.S.S. VESTA

Captain Regina Farkas sah Commander Liam O’Donnell, den amtierenden Captain der Demeter und einen der herausragendsten botanischen Genetiker der Föderation, über den Tisch hinweg an. Sein Haaransatz hatte sich schon vor Jahren von seiner Stirn zurückgezogen, und die dunkelbraunen Haarbüschel, die seinen Hinterkopf von Ohr zu Ohr bedeckten, waren mittlerweile mit einer Menge Grau durchsetzt. Seine Augen allerdings sprühten vor Leben, wann immer er ihren Blick erwiderte. Er schien gut gelaunt zu sein. Farkas’ Erfahrung nach kam das selten vor, aber es war angenehm. Es verlieh O’Donnell eine gewisse Jugend und Vitalität.

»Commander, Sie haben um dieses Treffen gebeten«, erinnerte ihn Admiral Janeway. Sie saß am Kopfende des Tischs. Captain Chakotay saß rechts davon, Commander Clarissa Glenn links.

»Ich weiß«, bestätigte O’Donnell. »Ich habe gehofft, Seven würde sich zu uns gesellen, bevor wir anfangen.«

Wie aufs Stichwort schob sich die Tür zum großen Besprechungsraum der Vesta auf, und Seven kam herein.

»Bitte entschuldigen Sie meine Verspätung«, bat die Missionsspezialistin ungerührt, während sie geradewegs zum unbesetzten Sessel neben O’Donnell ging.

»Schon gut«, versicherte ihr Janeway. »Wir fangen gerade erst an.«

»Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Daten richten möchten, die gerade auf Ihren persönlichen Bildschirmen erscheinen«, begann O’Donnell, als die kleinen, an jedem Platz in die Oberfläche des Besprechungstischs eingelassenen Monitore – auf Schiffen der Vesta-Klasse Standard – zum Leben erwachten, »sehen Sie eine Liste verschiedener Spezies, die unserer Datenbank während unseres letzten Besuchs auf Neu-Talax hinzugefügt wurden.«

»Botschafter Neelix war fleißig«, stellte Farkas fest.

»Zu unserem Glück nimmt er seine Aufgabe als Föderationsbotschafter im Delta-Quadranten sehr ernst«, sagte der Admiral.

»Und er scheut sich nicht davor, sich auch weit entfernt nach neuen Handelspartnern umzusehen«, ergänzte Chakotay. »Sein letzter Bericht beinhaltet Informationen über mehrere Spezies, die Zehntausende Lichtjahre von Neu-Talax entfernt leben.«

»Hat er Kontakt zu diesen Spezies hergestellt?«, fragte Seven.

»Bisher nicht. Aber wie es seine Art ist, zeigt er sich allen, die sich Neu-Talax nähern, gegenüber gastfreundlich. Und dadurch hört er sehr viele faszinierende Gerüchte.«

»Mehrere der Einträge faszinieren mich«, erklärte O’Donnell, wodurch er die allgemeine Aufmerksamkeit wieder auf die Bildschirme lenkte, »aber am neugierigsten bin ich auf die Nihydron. Sie werden in der Datenbank der Voyager erwähnt, obwohl Sie während Ihres ersten Besuchs nie Kontakt mit ihnen hatten.«

Admiral Janeway rief die Querverweise zu dem genannten Eintrag auf ihrem persönlichen Bildschirm auf. »Sie waren eine von mehreren Spezies, darunter auch die Rilnar, die Zahl, die Krenim und die Mawasi, die alle denselben Teil des Weltraums für sich beansprucht haben.«

»Kaum zu glauben, dass wir es geschafft haben, nicht in den Streit hineinzugeraten«, scherzte Chakotay.

Admiral Janeway schenkte ihm ein Schmunzeln, während O’Donnell fragte: »Sind die Borg ihnen jemals begegnet?«

»Spezies 1184«, antwortete Seven. »Die Nihydron sind eine humanoide Spezies mit hoch entwickelten Frontallappen. Sie waren nicht besonders gut als Drohnen geeignet.«

»Ich mag sie jetzt schon«, sagte Glenn.

»Neelix zufolge haben sie keine Heimatwelt, stattdessen operieren sie von einer Vielzahl gut versteckter Basen aus. Ihr Ruf, über viele wichtige Informationen zu weitreichenden Gebieten des Delta-Quadranten zu verfügen, legt nahe, dass sie irgendeine Antriebsform entwickelt haben, die Ähnlichkeit mit unserem Slipstream-Antrieb hat.«

»Es ist auch möglich, dass sie ähnlich wie viele ihrer Nachbarn eine Möglichkeit gefunden haben, die Subraumtunnel der Seriareen zu benutzen«, merkte Chakotay an.

»Wie dem auch sei, sie sammeln viele Daten«, fuhr O’Donnell fort. »Neelix hat angedeutet, dass sie wahrscheinlich über die zuverlässigsten Informationen verfügen, wenn es um Entwicklungen innerhalb der Sektoren geht, die sie bereisen.«

»Diese Sektoren liegen an der Grenze zu den nächsten Gebieten ehemaligen Borg-Raums, die wir untersuchen wollen«, stellte Janeway fest.

»Allerdings ist zu bezweifeln, dass die Nihydron gesammelte Informationen bereitwillig weitergeben werden«, merkte Seven an.

»Warum?«, fragte Farkas.

»Wie viele Sammler legen sie Wert darauf, Daten für ihren eigenen Gebrauch zusammenzutragen. Falls nötig, sind sie hervorragend darin, nicht entdeckt zu werden. Das ist einer der vielen Gründe, warum ihre Spezies nicht vollständig assimiliert wurde.«

»Kann sein«, stimmte Farkas zu, »aber unsere Flotte hat gerade erst Monate damit verbracht, die Konföderation der Welten des Ersten Quadranten zu erforschen, und ist dabei mit den Devore, den Turei, den Vaadwaur und den Voth aneinandergeraten. Dabei haben wir selbst auch eine Menge nützlicher Informationen gesammelt.« Sie bemerkte, wie O’Donnell sie anerkennend ansah. Offensichtlich hatte er ähnliche Gedanken.

»Durchaus möglich, dass sie gerne erfahren würden, was mit den Borg passiert ist«, unterbrach Chakotay. »Jetzt, nachdem die Konföderation und die früheren Verbündeten der Kinara wissen, was mit dem Kollektiv geschehen ist, werden ein paar von ihnen diese Information bestimmt weitergeben. Wir würden den Nihydron direkten Zugang zur Quelle dieser Informationen bieten.«

»Ich neige dazu, dem zuzustimmen«, erklärte Janeway. »Aber das ist ein Erstkontakt, bei dem wir sehr vorsichtig vorgehen müssen.«

»Inwiefern?«, fragte Farkas.

»Wenn vier Schiffe einer Flotte gleichzeitig in ihr Territorium eindringen, könnten sie das als Bedrohung betrachten«, führte Janeway weiter aus. »Abhängig von ihren Möglichkeiten könnten es uns die Nihydron sehr schwer machen, sie überhaupt aufzuspüren. Ich will darauf nicht viel Zeit verschwenden.«

»Was schlagen Sie vor, Admiral?«, fragte Chakotay.

Janeway sah O’Donnell in die Augen. »Das war Ihre Idee, Commander. Die Flotte wird Sie bis zur Grenze des Nihydron-Territoriums begleiten, aber ich denke, wir schicken die Demeter vor, um sie herauszulocken.«

Kurz flackerte Unsicherheit in O’Donnells Miene auf. Dann straffte er rasch die Schultern und nahm offensichtlich die Herausforderung des Admirals an.

»Wie sollen wir das am besten anstellen?«, fragte er.

»Ich bin sicher, Ihnen fällt schon etwas ein, Commander«, sagte Janeway. »Mit Captain Chakotays Erlaubnis hätte ich gerne, dass Counselor Cambridge Sie als Erstkontaktspezialist begleitet.«

»Ich denke, wir können für eine Weile auf ihn verzichten«, stimmte Chakotay zu.

»Stützräder, Admiral?«, fragte O’Donnell pikiert.

»Zusätzliche Unterstützung«, stellte Janeway klar.

Farkas lehnte sich zurück und verschränkte grinsend die Arme vor der Brust, während sie O’Donnell ansah. Für gewöhnlich würde eines der größeren Schiffe der Flotte, wie die Vesta oder die Voyager, eine solche Mission übernehmen. Die Aufgabe der Demeter innerhalb der Forschungsgruppe war es, Proben einzigartiger botanischer Lebensformen zu sammeln, das zugehörige Wissen der entsprechenden Spezies zu katalogisieren und den replizierten Ernährungsplan der Flotte nach Möglichkeit mit »selbst angebauter« Nahrung zu ergänzen. Aus einer persönlichen Laune heraus hatte O’Donnell diese Missionsparameter bereits bei der Begegnung der Flotte mit den Kindern des Sturms ausgeweitet. Farkas wusste, O’Donnell war intelligent, neigte aber zu übereilten Entscheidungen. Zudem war er der Letzte, den irgendwer als »gesellig« bezeichnen würde. Janeway hatte anscheinend nicht lange gebraucht, um das zu verstehen. Offensichtlich wollte sie den Commander dazu drängen, seine diplomatischen Fähigkeiten zu verfeinern, damit sie sich mit seinen fachlichen Begabungen messen konnten.

»Nun gut, Admiral«, sagte O’Donnell, »ich werde zwei Stunden benötigen, um mich vor unserem Abflug mit Commander Fife abzusprechen.«

Janeway nickte, signalisierte damit das Ende der Besprechung. »Sie sollten mit den Nihydron genauso vorsichtig verfahren wie mit Ihren empfindlichsten botanischen Exemplaren.«

»Keine Sorge«, versprach O’Donnell. »Ich habe nicht vor, einen ihrer befehlshabenden Offiziere zu entführen, zumindest nicht sofort.«

»Das könnte interessant werden«, merkte Chakotay an.

»Ich nehme an, wir überwachen die Kommunikation der Demeter?«, fragte Farkas an Janeway gewandt.

Der Admiral nickte. »Nur für alle Fälle. Commander O’Donnell wird uns alle stolz machen.« Mit einem knappen Nicken ging sie und überließ es den befehlshabenden Offizieren der Flotte, ihren jeweiligen Pflichten nachzugehen. O’Donnell war im Begriff, ihr nach draußen zu folgen, stockte aber, als Farkas sagte: »Der frühestmögliche Kontakt der Demeter wird gegen neunzehnhundert Uhr stattfinden. Zu diesem Zeitpunkt wird Psilakis das Kommando auf der Brücke der Vesta haben.«

»Lieutenant Kim übernimmt heute die dritte Schicht auf der Voyager«, merkte Chakotay an.

»Eigentlich wollte ich heute früh ins Bett, aber in einem solchen Fall …«, begann Glenn mit einem breiten Lächeln in O’Donnells Richtung.

»Mein Bereitschaftsraum, achtzehn fünfundvierzig«, verkündete Farkas mit einem an den amtierenden Captain der Demeter gerichtetem Zwinkern. »Popcorn muss selbst mitgebracht werden.«

O’Donnell betrachtete seine Kollegen, seufzte schwer und schüttelte den Kopf, dann verließ er den Besprechungsraum ohne einen weiteren Kommentar.

Als sich die Tür zum Besprechungsraum aufschob, löste sich Ensign Icheb vom Schott, gegen das er sich während des Wartens gelehnt hatte, und stellte sich gerade hin.

Admiral Janeways Miene wechselte von besorgt zu überrascht, als sie ihn sah. »Ensign«, sagte sie freundlich.

»Guten Morgen, Admiral!«, begrüßte Icheb sie mit geradeaus gerichtetem Blick.

Janeway zögerte einen Moment. »Rühren, Icheb.«

Er befolgte den Befehl, nahm eine lockerere Haltung an, sah ihr aber nach wie vor nicht in die Augen.

»Was führt Sie heute Morgen auf die Vesta?«, fragte Janeway.

»Ich habe einen Bericht, den ich Commander O’Donnell vorlegen möchte, bevor ich mit meiner Effizienzbeurteilung von Lieutenant Bryce und der Ingenieurabteilung der Vesta beginne.«

»Hervorragend. Ich weiß, Commander Torres hat sich gefreut, als Sie ihr als Unterstützung zugeteilt wurden. Ich auch. Es ist herrlich, Sie wieder bei uns zu haben.«

»Danke, Admiral.«

Janeway wollte gerade noch etwas sagen, drehte sich dann aber um, als O’Donnell aus dem Besprechungsraum stürmte. Er beachtete sie kaum, als er an ihnen vorbeiging, bis Icheb rief: »Einen Moment bitte, Commander.«

O’Donnell blieb stehen, drehte sich ein wenig in Ichebs Richtung und nickte ihm zu.

»Weitermachen«, sagte Janeway, bevor sie dem Korridor in die entgegengesetzte Richtung folgte.

Icheb trat auf O’Donnell zu, der seinerseits wieder losging und den Ensign damit zwang, schneller zu gehen, um mitzuhalten.

»Ich habe meinen Effizienzbericht über Lieutenant Elkins überarbeitet, Commander, und mit Ihrer Erlaubnis würde ich ihn ihm gerne erneut vorlegen.«

O’Donnell antwortete nicht, würdigte Icheb nicht einmal eines Blicks; stattdessen streckte er eine Hand aus, um das Padd entgegenzunehmen. Während beide auf den Turbolift warteten, überflog er den neuen Bericht.

Die Tür schob sich auf. O’Donnell betrat die Kabine und gab das Padd zurück.

»Darf ich …«, setzte Icheb an.

»Versuchen Sie es noch mal.« Damit schloss sich die Tür.

Niedergeschlagen, aber nicht geschlagen, gestattete sich Icheb, die Schultern hängen zu lassen.

Versuchen Sie es noch mal? Er war überzeugt gewesen, dass der Rat des Doktors die Situation entspannen würde. Nach gründlicher Überlegung hatte er die Liste auf neunzehn Punkte gekürzt. Wo hatte er einen Fehler gemacht?

Da er auf die Schnelle keine Antwort bekommen würde, hob Icheb das Kinn, schluckte seine Verlegenheit herunter und ging zum Maschinenraum der Vesta.

U.S.S. VOYAGER

Der Sicherheitschef der Voyager, Lieutenant Harry Kim, holte Lieutenant Conlon ein, bevor die Ingenieurin die Tür zum Maschinenraum erreichte. »Lieutenant Conlon«, begrüßte er sie knapp.

»Lieutenant«, erwiderte sie ebenso knapp.

»Wieder im Dienst?«

»So gut wie neu«, bestätigte sie lächelnd.

Kim sah kurz den Korridor entlang, ob sie alleine waren, und ging dann einen Schritt auf sie zu. Conlon blieb stehen, erwiderte seinen Blick verschmitzt. Ihre Lippen berührten sich fast, da fragte sie: »Warum sind Sie nicht auf der Brücke, Lieutenant?«

»Neol hat mich gerufen«, erwiderte Kim sehnsüchtig. »Es klang dringend.«

»Warum?« Conlon trat einen Schritt zurück und wechselte augenblicklich zu dienstlichem Verhalten. »Was ist los?«

Die Tür zum Maschinenraum öffnete sich, und zwei von Conlons Ingenieuren kamen auf den Korridor. Ihre Uniformen waren mit einer dicken, zähen Flüssigkeit bedeckt. Conlon sah an ihnen vorbei in ihr Reich und erkannte, dass im ganzen Maschinenraum angespannte Betriebsamkeit herrschte.

»Lieutenant Conlon«, sagte Ensign Mirk erleichtert. »Bitte sagen Sie mir, dass Sie wieder im Dienst sind.«

»Bin ich. Warum sind Sie beide voll mit Schmiermittel?«

»Ensign Icheb«, antwortete Ensign Worlin mit zusammengebissenen Zähnen.

»Machen Sie sich sauber und kommen Sie so schnell wie möglich zurück«, befahl Conlon. »Und versuchen Sie, nicht zu viel von dem Zeug im Korridor zu verteilen. Der Bodenbelag wurde gerade erst repliziert.«

»Ja, Sir«, bestätigten sie zeitgleich in niedergeschlagenem Tonfall.

Conlon warf Kim einen wissenden Blick zu. »Worum es auch geht, ich kümmere mich darum«, versicherte sie ihm.

»Ich denke, du wirst heute alle Hände voll zu tun haben.«

»Sollen wir nachher da weitermachen, wo wir aufgehört haben?«

»Ich vertrete Tom während der ersten Hälfte der Beta-Schicht«, erklärte Kim. »Danach habe ich vier ganze Stunden für mich, bevor ich das Kommando über die Gamma-Schicht übernehme.«

Conlon nickte sichtlich enttäuscht. »Nun, in dem Fall …«

»Geh«, befahl Kim. Er sah ihr mit einem frustrierten Seufzen hinterher, wie sie ihren Maschinenraum betrat.

Die Anzahl der Anwesenden sagte Conlon, dass der Großteil der Gamma-Schicht Überstunden machte. In der Nähe des Eingangs entdeckte sie zwei Deckplatten und mehrere große Rollen Leitungen. Auf jeder Arbeitsfläche lagen diverse Standardwerkzeuge herum. Ein großer Koffer mit neuen isolinearen Chips stand mit offenem Deckel neben Ensign Amiri bereit. Der Ensign selbst steckte mit dem Kopf unter der Hauptdiagnosekonsole. Die Luft war mit Schweißgeruch und einem Hauch Plasma geschwängert. Ensign Charvet stand auf einer Hebebühne und nahm Messungen an den magnetischen Konstriktoren am oberen Ende des Warpkerns vor. Lieutenant Saracen analysierte eine Reihe Benamitkristalle, die gerade aus dem Slipstream-Teil des Antriebs ausgebaut worden waren.

Es sah so aus, als würde man den halben Maschinenraum reparieren oder austauschen.

Conlon fand Lieutenant Neol, einen ihrer Slipstream-Spezialisten, auf Händen und Knien. Er wollte gerade durch eine Zugangsluke hinter der sekundären Datenkonsole kriechen.

»Neol«, sagte Conlon leise, während sie sich zu ihm hinunterbeugte.

Der Offizier riss den Kopf hoch, stieß ihn sich an der Kante des Durchgangs. »Autsch!«, kommentierte er.

»Vorsicht!«, befahl Conlon, während sie ihm dabei half, ohne weitere Blessuren wieder herauszukommen. Sobald er vor ihr saß und sich vorsichtig den kahlen blauen Kopf rieb, sagte Conlon: »Ich weiß es zu schätzen, dass Sie während meiner Abwesenheit das Kommando übernommen haben, aber es ist eine Sache, die Initiative zu ergreifen, und eine ganz andere, den Maschinenraum zu zerstören.«

»Das ist nicht meine Schuld«, erklärte Neol. Von einem Stapel in der Nähe nahm er ein Padd, rief eine Datei auf und gab es an Conlon weiter. »Vor vier Tagen hat uns Ensign Icheb seine Effizienzbeurteilung vorgelegt. Er hat dreihundertsechsundsechzig Verstöße gegen die Vorschriften gefunden und uns befohlen, sie auf der Stelle zu beheben.«

»Wer hat das abgesegnet?«, wollte Conlon wissen.

»Ich bin davon ausgegangen, dass es Commander Torres war«, gab Neol zu.