Sturmnacht - Larry Lash - E-Book

Sturmnacht E-Book

Larry Lash

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Beschreibung

»Sturmnacht, so heißt der Titel dieser Story von Larry Lash. Sie ist die Geschichte, die sich in einem Zeitraum von nur wenigen Stunden abspielt und aufzeichnet, was sich Jahre hindurch angesammelt und bis zur Weißglut entfacht hatte, was mit dynamischer Kraft zur Explosion drängte und sich entladen musste.
Sie begann in einer Sturmnacht, an jenem Tage, als Roger Vansitter schwerverwundet zu seiner Hütte kroch, um zu sterben. Sie wurde fortgesetzt durch Gray Tennerts Auftauchen und wurde beschworen durch die Gestalten aus der Vergangenheit, die abermals die Krallen ausstreckten, um ihn vollends in den Abgrund zu zerren. Gray Tennert nahm die Partnerschaft an, setzte sich ein für den Mann, dessen Revolver schweigen musste, tat alles, weil auch er am Ende seines Trails war, weil beide das gleiche Ziel hatten.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Larry Lash

Sturmnacht

Western-Edition

Impressum

Neuausgabe

Copyright © by Authors

© Copyright dieser Lizenzausgabe by XEBAN-Verlag.

Verlag: Xeban-Verlag: Kerstin Peschel, Am Wald 67, 14656 Brieselang;

[email protected] / www.xebanverlag.de

Lizenzgeber: Edition Bärenklau / Jörg Martin Munsonius

www.editionbaerenklau.de

Cover: © Copyright by XEBAN-Verlag mit einem Motiv von Steve Mayer und eedebee (KI), 2026

Korrektorat: Ingemar Goldberger

Alle Rechte vorbehalten!

Das Copyright auf den Text oder andere Medien und Illustrationen und Bilder erlaubt es KIs/AIs und allen damit in Verbindung stehenden Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren oder damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung erstellen, zeitlich und räumlich unbegrenzt nicht, diesen Text oder auch nur Teile davon als Vorlage zu nutzen, und damit auch nicht allen Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs nutzen, diesen Text oder Teile daraus für ihre Texte zu verwenden, um daraus neue, eigene Texte im Stil des ursprünglichen Autors oder ähnlich zu generieren. Es haften alle Firmen und menschlichen Personen, die mit dieser menschlichen Roman-Vorlage einen neuen Text über eine KI/AI in der Art des ursprünglichen Autors erzeugen, sowie alle Firmen, menschlichen Personen , welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren um damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung zu erstellen; das Copyright für diesen Impressumstext sowie artverwandte Abwandlungen davon liegt zeitlich und räumlich unbegrenzt beim XEBAN-Verlag. Hiermit untersagen wir ausdrücklich die Nutzung unserer Texte nach §44b Urheberrechtsgesetz Absatz 2 Satz 1 und behalten uns dieses Recht selbst vor. 13.07.2023

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Das Buch

Sturmnacht

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

Der Autor Larry Lash

Eine kleine Auswahl der Western-Romane des Autors Larry Lash

Das Buch

»Sturmnacht, so heißt der Titel dieser Story von Larry Lash. Sie ist die Geschichte, die sich in einem Zeitraum von nur wenigen Stunden abspielt und aufzeichnet, was sich Jahre hindurch angesammelt und bis zur Weißglut entfacht hatte, was mit dynamischer Kraft zur Explosion drängte und sich entladen musste.

Sie begann in einer Sturmnacht, an jenem Tage, als Roger Vansitter schwerverwundet zu seiner Hütte kroch, um zu sterben. Sie wurde fortgesetzt durch Gray Tennerts Auftauchen und wurde beschworen durch die Gestalten aus der Vergangenheit, die abermals die Krallen ausstreckten, um ihn vollends in den Abgrund zu zerren. Gray Tennert nahm die Partnerschaft an, setzte sich ein für den Mann, dessen Revolver schweigen musste, tat alles, weil auch er am Ende seines Trails war, weil beide das gleiche Ziel hatten.

***

Sturmnacht

Western von Larry Lash

1. Kapitel

Es mochte etwa Mitternacht sein, als Roger Vansitters unregelmäßige Atemzüge abbrachen und in der Hütte, in der er ruhte, unheimliche Stille eintrat.

In diesem Augenblick schien auch das Toben der Elemente eine Pause eingelegt zu. haben. Rogers Augen öffneten sich weit. Fahles Licht drang durch die kleinen blinden Fensterscheiben. Er stemmte sich auf, schob die schwere Büffeldecke von sich und lauschte.

Unwirklich war die Ruhe ringsumher. Geisterhaft und erfüllt von einem schrecklichen Hauch, den sich Roger nicht erklären konnte und der doch sein Gemüt schwer belastete. Der Schmerz in seinem Bein verstärkte sich. Solange er geschlafen hatte, war dieser ziehende, brennende Schmerz vergessen gewesen. Jetzt jedoch war er wieder da, heftiger und mächtiger als zuvor.

Roger beugte sich vor, tastete mit den Fingerspitzen über den Verband. Yeah, fünf Tage war es nun her, und er dachte daran, dass es hätte schlimmer ausgehen können. Er war mit einer Fleischwunde davongekommen. Er hatte das Gefühl, als sei dies alles noch keine Stunde her. Er wusste plötzlich, dass dieses teuflische Erlebnis immer in ihm lebendig bleiben würde, immer gegenwärtig und nahe, mochten auch noch so viele Jahre vergehen.

Heißer Groll stieg in ihm auf. Seit fünf Tagen war er an die Lagerstatt gefesselt und dazu verurteilt zu warten. Gestern war ihm das Trinkwasser ausgegangen, und er hatte die letzte Faser der geräucherten Elchkeule zwischen den Zähnen gehabt. Was sollte nun. werden? Was sollte er anfangen ohne Wasser, ohne Proviant?

Er starrte von seinem Lager auf die Schleifspur hin, die er gestern auf dem Hüttenboden hinterlassen hatte, als er versuchte, an Wasser zu kommen. Wie ein verwundetes Tier war er über den Boden gekrochen, hatte vergeblich versucht, sich an der Hüttenwand aufzurichten, um die Tür zu öffnen. Er hatte aufgeben müssen und war zu seinem Lager zurückgekehrt.

Langsam glitt sein Blick über die primitive Einrichtung des Hütteninneren hin: über den selbstgemauerten Kamin, die rohen Regale und den Gewehrhalter, den klobigen Tisch und die selbstgezimmerten Stühle. Er betrachtete die Felle, die ihm Büffel, Antilopen, Wölfe und Pumas hatten geben müssen. Seltsam leer war dieser Blick. Vielleicht sah er nichts als die Dunkelheit, die aus allen Ecken kroch und ihn wie höhnisch angrinste.

Wieder tastete er über seinen Verband, den er sich selbst angelegt hatte, bevor ihn die Ohnmacht gefangen nahm und ihn für eine Weile von allen Qualen befreite. Seine Zähne knirschten aufeinander, eine wilde Verzweiflung ließ ihn sich aufbäumen.

By jove, er war verlassen, hilflos und dem Zufall preisgegeben. Aber er war zäh und gewillt, durchzuhalten, solange wie irgend möglich. Seine Gedanken quälten ihn. Sie gaukelten ihm vor, dass er hier wie ein angeschossenes Tier, das, um sich zu verkriechen, die Einsamkeit gesucht hatte, den Tod erwartete.

Ein grimmiges Stöhnen brach von seinen Lippen. Ächzend sank er auf sein Lager zurück, streifte mit den Fingerspitzen dabei über seinen Revolvergurt, und plötzlich klammerten sich seine Finger an dem glatten, schwarzen Leder fest. Seine Augen weiteten sich, so, als hätten sie endlich eine neue Möglichkeit erspäht.

Er lüftete eines der Eisen an, deren Kolben drohend aus den Halftern herausragten. Für einige

Sekunden nur hielt er die Waffe umklammert. Ein schrecklicher Gedanke fraß sich in ihm ein. By Jove, es wäre so leicht, allem aus dem Wege zu gehen. Genug Kraft, um die Waffe noch ein letztes Mal abzufeuern, war noch in ihm. Dann würde alles versinken. Der Schmerz zum Beispiel und die wölfischen Hunger- und Durstgefühle, die sein Inneres auszuhöhlen drohten. Yeah, gewiss würde alles in weichen Traumschatten endlos weit zurückbleiben.

Er stöhnte laut auf, als er die Waffe mitsamt dem Gurt von sich schob. Draußen rauschte es nun sanft, rollte von weither heran und zerfloss weich und verebbend.

Ein Laut war es, auf den er gewartet hatte und der nun wie eine Erlösung wirkte. Er wusste, dass es die Wellen des Rosett Lake waren, die ans Gestade rollten. Das Rauschen wiederholte sich im stetigen Rhythmus und wirkte wie Balsam auf seine strapazierten Nerven.

Roger sehnte sich danach, ans Fenster zu treten, um einen Blick auf den See zu werfen, auf die Wellenkämme, die wie silberne Rosse heranrollten und das Ufer an seiner Hütte bespülten.

Yeah, oft hatte er am Fenster gestanden, und das Spiel der Wellen hatte seinen Nerven Beruhigung und Erholung gebracht. Immer wieder war es ein neuer, faszinierender Anblick gewesen. Immer wieder entdeckte er etwas, was er glaubte, noch nie gesehen zu haben. Zu jeder Tageszeit fing die Spiegelfläche andere Bilder ein. Ziehende Wolken, groteske Bäume am Ufer, Sandbänke, die gelb und leuchtend sich abhoben und von vieler, tausend Wasservögeln bevölkert waren. Riedgras und Schilf, das sich im Wind und unter dem Wellendruck beugte, in dem sich die Burgen der Nutria hoch türmten, in dem die Rohrdommel sang, Wildenten ihre Gehege hatten. Yeah, die Elemente veränderten das Antlitz des Sees. Mal war es lockend, schön und wunderbar klar wie das Antlitz einer schönen Frau im Morgendämmern, mal von zartrosa Leuchten erfüllt. Unendlich still und zart war es, dann wieder drohend, einer dämonischen Fratze gleichend, wenn die gurgelnde Gischt sprühte und nach jedem Lebewesen schnappte, um es zu verschlingen.

Yeah, jede Tageszeit gab dem See ein neues Gepräge. Roger liebte diese wechselnden Stimmungen, sie sagten ihm mehr, als jemals Menschen offenbaren konnten. Er schaute tiefer in die Dinge, sah in ihnen gleichsam das Antlitz der Welt. Er liebte den See und die Hütte, liebte die Hügelkämme und die mächtigen Berge weitab im Hintergrund. By Gosh, es war ein Land, wie es schöner und reicher nicht sein konnte, ein Land, das jedes echte Männerherz berauschen und trunken machen konnte.

Drei Jahre lang hatte Roger rings um den See seine Fallen gestellt und kostbares Pelzwerk zu seiner Hütte geschleppt. Zu jeder Jahreszeit gab es Beute, die wertvollste jedoch mitten im Winter, wenn er auf Schlittschuhen über die Eisfläche sauste, auf selbstgefertigten Schneeschuhen über die weiße Pracht glitt und Meile um Meile, von einer Falle zur anderen eilte. Nein, er hatte keine menschliche Gesellschaft nötig gehabt, er war auch nicht an der Einsamkeit gescheitert, wie manche andere, die schwächliche Naturen gewesen waren. Er verfügte über genügend inneren Halt und aus seinem Glauben an Gott schöpfte er immer wieder neue Kraft.

Nein, er sehnte sich nicht nach Menschen. Sie waren es ja gewesen, die ihn vor Jahren in die Einsamkeit getrieben hatten. Zwar konnte er nicht verhindern, dass hin und wieder Trapper und Pelzjäger in die Nähe des Sees kamen, dass sich in den Wäldern manchmal Menschen zeigten. Er störte sich nicht weiter daran. Er tat das, was ihm als richtig erschien und ging ihnen aus dem Weg. Er vermied es instinktiv, mit ihnen in Berührung zu kommen.

Zwei Jahre lebte er in der Einsamkeit, war mit ihr verflochten, durchdrungen von der Wildnis die ihm zur Heimat geworden war, bis, yeah, bis er dann eines Tages feststellte, dass vierzig Meilen vom Rosett Lake entfernt eine Rinderstadt aus dem Boden wuchs und dort, wo bisher satte Prärien lagen, Ranchen entstanden. Mehr Menschen kreuzten von nun an seinen Pfad. Meistens waren es Reiter, die ihre Eisen tiefgeschnallt trugen, die lange Fährten zogen und denen er aus dem Wege ging. Eines Tages entschloss er sich, die Rinderstadt zu besuchen. Er verkaufte dort seine Felle. Als er heimkehrte, wusste er, dass eine neue Zeit angebrochen war. Eine raue, wilde Zeit, die ihren Start mit Revolverschüssen nahm.

Auf seinem Heimritt hatte er noch einmal über alles nachgedacht. Es war ihm, als hätte er droben am See die Jahre verschlafen, als habe er einem romantischen Traum nachgehangen.

Nun, Roger Vansitter gehörte nicht zu den Männern, die ihre Augen vor dem verschlossen, was sie sahen. Eine Woche lang war er in Daton Falls geblieben, von niemandem beachtet, von niemandem so recht bemerkt. Zum Teufel auch, wer gab schon Acht auf einen stillen Mann, der wie ein Redman gekleidet, sich still und bescheiden im Hintergrund hielt. Wer gab sich schon große Mühe, einen Trapper besonders zu mustern?

By Gosh, von seiner Art kamen viele nach Daton Falls. Sie verkauften ihre Felle und vertaten das Geld in den Saloons und Spielhöllen, brauchten nun nicht mehr weite Strecken zurückzulegen, um den Erlös ihrer Arbeit unter die Leute zu bringen. No, das besorgte gut und gründlich Daton Falls. Daton Falls war wilder und hektischer als alle anderen Städte. Hier war es auch, wo Roger auf Tem Duddle stieß. Er fand ihn abgebrannt und völlig zerschlagen in einer Gosse.

Yeah, Tem Duddle war ein alter Mann, hatte gewiss an die siebzig Jahre auf seinem gebeugten Rücken. Als Roger ihn auffischte, sah er aus wie ein Hundertjähriger.

Tem starrte ihn aus rotentzündeten Augen an, stotterte, nachdem ihn Roger auf die Beine gestellt hatte: »Warum tust du das, Buddy?«

Roger hatte ihn angesehen und festgestellt, dass der alte Mann keine Whiskywolke ausstieß. Er sagte ruhig: »Weil ich nicht will, dass du im Dreck liegen bleibst, Fellow.«

Verwirrt blinzelte Tem ihn an, knurrte abgerissen: »Wenn man alt wird, ist man für gewisse Burschen zu langsam. In dieser Stadt gibt es nur ein Gesetz: Der Stärkere kann mit dem Schwachen machen, was er für gut befindet.«

Es stellte sich bald heraus, dass Tem Duddle sozusagen bis auf das Hemd ausgeplündert war, dass er all seine Felle, die er im Winter präpariert hatte, losgeworden war und nun nicht einen Buck mehr hatte, um das Nötigste für seine Trapperarbeit zu kaufen.

Tem besaß jedoch zwei Pferde. Es waren alte Broncos, struppig und mager, aber immerhin Pferde. Diese Tiere wollte er verkaufen. Doch niemand wollte sie haben, niemand wollte sich mit solchen Gerippen belasten. Erst als Tem alles getan hatte, um sie an den Mann zu bringen, nahm er Rogers Angebot an und ritt mit ihm zum See.

Yeah, so kam Roger zu seinem ersten Partner, dessen Hütte nur zwanzig Meilen von seiner eigenen entfernt stand. Manchmal besuchten sie sich gegenseitig, um eine Pfeife Tabak zusammen zu rauchen. Dann wieder sahen sie sich lange Zeit nicht. Wieder kam der Winter; eines Tages erschien Tem vor Rogers Hütte. Er führte seinen zweiten Bronco, aufgesattelt und gezäumt, an der Leine mit sich. Eiszapfen hingen in seinem Bart. Schneeverkrustet waren Reiter und Tier. Man sah ihnen an, dass sie alle drei älter geworden waren. »Hallo, Roger«, begrüßte Tem ihn. »Hoffentlich hast du etwas Gutes zu essen.«

»Für dich und die Pferde immer! Komm nur herein, der Kaffee steht bereit!«

»Ah, wer hat dir mein Kommen angekündigt?«

»Nun, wenn man wie ein Wolf lebt, trägt es einem die Witterung zu, Fellow. Tritt ein und sei willkommen!«

Der Oldtimer ließ sich das nicht zweimal sagen und war bestürzt, dass Roger keinen Scherz gemacht hatte. Der Kaffee stand tatsächlich bereit, und, yeah, es war sogar für zwei Mann gedeckt. Der Tabak stand bereit, und alles war so, als hätte Roger ihn erwartet. Die Hütte war gut geheizt, und in ihrer Wärme taute Tem, nachdem er die Pferde im offenen Schuppen versorgt hatte, schnell auf.

»By Gosh, immer wenn ich dich besuche, steht der Kaffee bereit. Du hast wohl eine besondere Nase, wie?«

»Nun, irgendwie kam mir der Gedanke, dass du heute kommen könntest, und darum unterließ ich es, zu den Fallen zu gehen«, gab Roger grinsend zur Antwort.

»Das ist kaum eine ausreichende Erklärung, Freund.«

»Soll es auch nicht sein, Oldtimer. Man kann eben nicht alles, was sich zwischen Himmel und Erde abspielt, erklären. Unser Leben ist zu kurz, um solche Probleme zu lösen.«

»Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Umso mehr jedoch über andere Dinge«, sagte der Be Sucher leise, ergriff bei diesen Worten die Kanne und goss seine Tasse voll, trank und setzte ab, wischte sich über den Bart, von dem sich nun langsam die Eiszapfen lösten.

»In letzter Zeit hatte ich verteufelt wenig Glück, Fellow. Zu wenig Tiere in den Fallen, dafür aber umso mehr Trittsiegel – allerdings nicht vom Wild.«

Roger hob erstaunt den Kopf, sah interessiert sein Gegenüber an.

»Yeah, Trittsiegel von beschlagenen Pferdehufen«, sagte der Oldtimer böse und starrte vor sich hin.

By Gosh, das war eine Nachricht, deren Bedeutung nur ein Trapper ermessen kann, der von Fallen lebt, von dem, was er aus den Fallen holt.

»Das Wild wird vergrämt. Überall wird es von dem Geruch der Menschen vertrieben. Ich habe mir die Fährten genau angesehen und …« Seine Stimme hob sich, als er fortfuhr: »Ich habe einen bestimmten Plan darin erkannt. Es hat verteufelt lange gedauert, bis ich das heraus hatte. Dann fand ich ausgeplünderte Fallen, fand Klappern an Wildkreuzungen, Windscheudien auf Wildwechseln und fand vergiftete Köder.

Zuerst dachte ich – und das hättest auch du angenommen –, dass ein Trapperpirat in mein Revier eingebrochen sei, um mit allen üblen Tricks das Wild auf sein Gebiet abzutreiben. Nun, ich fand aber bald heraus, dass das nicht der Fall war. Im Gegenteil! In den anschließenden Revieren war Ähnliches im Gange, sind die Trapper zornerfüllt auf der Suche nach den Kerlen. Drei Monate zog ich mit Bill Seats und Red Look kreuz und quer durch das Land. Wir ritten auf verteufelt heißer Fährte, und vor einer Woche kamen sie über uns.«

Seine Stimme brach ab. Düster und starr wurden seine Augen. Seine Faust ballte sich, knallte auf den Tisch nieder, dass die Tassen klirrten. »Yeah, sie holten Bill und Red aus den Stiefeln.«

Roger erhob sich, starrte den Oldtimer entsetzt an, sah in ein bleiches, verzerrtes Gesicht.

»Und warum kamst du nicht sofort zu mir?«

»Ich war auch in deinem Revier«, klang es ruhig zurück. »Aber es war seltsam, nicht eine Fährte war dort zu sehen. Ich kehrte also um und … Nun, dann war es auch zu spät, dich zu informieren. Ich traf auf Bill und Red, und wir glaubten uns stark genug, um die Sache selbst erledigen zu können. Aber das war ein Irrtum. Bei den Schurken, die uns keine Chance gaben, erkannte ich einen Mann, der mich damals in Daton Falls ausplünderte. Joe Selver! Ich nannte dir schon damals seinen Namen. Er war es auch, der die raue Bande anführte, die in unsere Reviere einbrach. Joe Selver, ein Mann, der alles kann, nur kein Trapper ist. Von dem man sagt, dass ihm Daton Falls gehöre. Ein Mann, der sich brutal durchsetzt. By Jove, es ist kaum anzunehmen, dass er das Wild verscheuchen wollte, um es selbst zu fangen, dass er eine raue Meute beschäftigt, nur um einigen armen Trappern das Leben sauer zu machen. Nein, by Gosh, es steckt mehr dahinter, Partner. Doch weder Bill noch Red haben es herausbringen können. Sie starben, weil man ihnen keine Chance gab, und auch ich sollte daran glauben.«

Wieder schwieg er, von schrecklichen Erinnerungen gepeinigt, fuhr fort: »Aber ich kam davon, konnte meine Spur verwischen und die Schurken von meiner Fährte abbringen. Und jetzt bin ich hier, Fellow, um dir zu sagen, dass du dich in den Sattel schwingen musst, um zu reiten.«

»Das ist selbstverständlich und …«

»Oh, du verstehst mich nicht«, unterbrach ihn der Oldtimer. »Ich zweifle nicht daran, dass du gegen sie ziehen willst, um Bill und Red zu rächen. Ich begreife dich nur zu gut, weiß, dass du jetzt in einer Stimmung bist, die dich gegen Hölle, Tod und Teufel hetzen würde. Aber das wäre das Verkehrteste, was wir unternehmen könnten, denn genau diese Reaktion wird von ihnen erwartet, und man würde uns glatt und ohne Anruf in die ewigen Jagdgründe schicken. Aber wir beide werden den Burschen diesen Gefallen nicht tun! Ah, starr mich nicht so an, Roger. Ich zweifle nicht daran, dass du mutig genug bist, um es darauf ankommen zu lassen! Aber ich bin auch nicht dumm genug, um keine Vergleiche zu ziehen. Weder du noch ich können besonders schnell die Eisen ziehen. Wir tragen sie nur, um das Wild in den Fallen von ihren Leiden zu erlösen und uns in den strengen Wintern die Wölfe vom Leibe zu halten. Yeah, und aus diesem Grunde sind Trapper, die zwei Eisen tragen, lange nicht zu vergleichen mit den Kerlen, die zwei Colts zu gefährlichen Beidhandschützen machen!«

Dünn und abgehackt lachte er vor sich hin, rieb sich die Hände und strich sich die Tropfen aus seinem Bart. Er streckte die Beine lang unter den Tisch und fuhr mit harter Stimme fort: »Yeah, starre mich nicht so an, als wäre ich dir plötzlich zuwider, weil ich nicht Mumm in den Knochen habe. Das ist wirklich nicht der Fall, Roger. Ich darf dir versichern, dass ich am Anfang genauso dachte wie du, wie Bill und Red. Yeah, auch mich hat es einen Dreck gekümmert, dass Selver eine Meute von Revolverschwingern hinter sich hat. Der heilige Zorn eines Mannes vermag mehr, als sich gegen ein Rudel Strolche werfen. Er kann oft wahre Wunder vollbringen.

Roger, glaube bitte auch nicht, dass ich mich ducke und es dem lieben Gott überlasse, den Schuften die Rechnung vorzulegen. Bill und Red waren Trapper wie du und ich, waren harte Männer, die sich schlecht und recht durchs Leben schlugen, die keinem Menschen etwas zuleide taten. Man konnte zu ihnen kommen, wenn der Proviant ausging und der Tabak schwand, und sie teilten das letzte. Man konnte immer von ihnen eine Handvoll Munition bekommen und einen Rat oder ein Nachtquartier. Ihre Hütten standen jedem Hungrigen offen. Wer aber eine warme Mahlzeit brauchte, erhielt sie, ohne erst groß darum bitten zu müssen. Yeah, sie waren mit den Waffen genauso gut wie du oder ich, nicht besser und nicht schlechter, aber sie haben nicht gewusst, wofür sie starben. Und das, Fellow, würdest du nicht wissen, wenn du jetzt gegen die Burschen reiten würdest. Genauso wenig würdest du wissen, weshalb Selver alle Register zieht, um uns aus der Gegend zu bringen.«

Noch nie hatte der Oldtimer eine solch lange Rede gehalten, noch nie etwas so sehr hinausgezögert wie jetzt, und dass er noch etwas im Hintertreffen hatte, war zweifelsohne herauszuhören.

Roger konnte sich nicht länger beherrschen. Er platzte ärgerlich heraus: »Es wäre dir also nicht recht, wenn ich die Meute aufspüren würde?«

»Wahrhaftig nicht, Freund«, klang es sanft zurück. »Sicherlich würdest du sie bei deinem angeborenen Instinkt für Raubzeug bald vor dir haben, doch damit wäre nichts entschieden oder gar gutgemacht. Ich sagte dir ja bereits, dass sie so etwas ja nur erwarten und wünschen. Noch kennen sie dich nicht! Das hielt sie zurück. Mich, Bill und Red kennen sie von Daton Falls her und wussten uns auch einzuschätzen, während sie vor dir noch Scheu haben. Vielleicht liegt es daran, dass man dich nicht einzustufen weiß, daran, dass du immer allein bist und man dich deshalb für einen besonders gefährlichen Einzelgänger hält. Yeah, Einzelgänger sind der allgemeinen Erfahrung nach immer irgendwie gefährlich! Man kann ihnen nur schwer beikommen, außer man reizt und lockt sie gleichzeitig.«

»Mit anderen Worten, du bist der Ansicht, dass alles, was sich abspielte, auf mich gemünzt war?«, fiel Roger bitter ins Wort.

»So unglaublich es klingen mag, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen«, bestätigte Tem Duddle. »Man versucht, dich aus deinem Schlupfwinkel zu, holen, um dir dann den Blattschuss zu geben.«

»Allmächtiger, warum nur?«

»Endlich eine vernünftige Frage, Fellow«, sagte Tem. »Du hast zu lange hier gelebt und zu wenig auf die Umwelt geachtet. Immer mehr Menschen kommen ins Land, in dem angeblich Milch und Honig fließen. Du hast niemals die Sehnsucht in dir gespürt, alle Einsamkeit zu sprengen und in einem Rausch unterzutauchen. Du hast den Rausch gehasst, weil er dir zu ungeeignet erschien, um alle Probleme zu, lösen. Aber nicht alle sind wie du, Roger. Können nicht so sein, weil es nicht in ihrer Natur liegt. Und auch Bill, Red und ich waren und sind anders. Uns drei zog es hin und wieder wie mit magischer Gewalt in die Stadt. Yeah, uns zog es hin, obwohl wir genau wussten, dass der kurze Rausch teuer erkauft und wir bis aufs Hemd ausgeplündert würden). Aber wir taten es, um uns auszutoben, um uns Illusionen vorzugaukeln, Illusionen vom großen Leben, von Frauen und von all den Dingen, von denen man in der Wildnis träumt und die so unerreichbar fern sind. Wir stürzten uns in den Strudel. Uns war es gleich, ob wir zerschlagen wieder emporgeschleudert, oder für immer untergehen würden. Wir wollten nur eins, für wenige Stunden das Leben bis zur Neige auskosten. Nein, das war nie deine Sadie und du hättest es auch niemals verstanden. Du lebst in einer anderen Welt und bist in ihr zufrieden, weil sie dich ausfüllt und dir das gibt, was du auf der Flucht vor den Menschen gesucht hast. Oh, wehr nicht ab, Fellow, ich habe dich lange genug beobachtet, um meiner Sache sicher sein zu können. Dir gefällt es in der Einsamkeit, weil sie es war, die dir Vergessenheit gab. Ich weiß nicht, warum du sie gesucht hast, es geht mich auch nichts an, denn schließlich hat jeder sein bestimmtes Maß, das er ertragen kann. Wenn ihm das Schicksal mehr aufpackt, sucht er irgendwo einen Ausweg. Der eine auf diese, der andere auf jene Art. Eins steht jedoch fest: Es wird langsam Zeit, dass du aus diesem Traum erwachst, Roger! Das Land hier am See ist längst nicht mehr das, was es war. Ein Wildparadies, wie geschaffen für Männer deines Schlages. Yeah, es hat Männer angezogen, die es mit anderen Augen ansehen als du, die es verteufelt begehrlich betrachten. By Gosh, die Zeit des Trappers geht ihrem Ende entgegen, Roger, und mir zog es das Herz zusammen, als ich das erkannte. Mir wurde kalt und heiß, und es kam wie eine Erleuchtung über mich, und dann wusste ich plötzlich, was Selver will. Das Land am See hat es ihm angetan. Yeah, kein schöneres Fleckchen gibt es in ganz Montana, nirgendwo eine bessere Weide als hier, und darum wirst du reiten, lange reiten, Partner! Du wirst zur Hauptstadt trailen und das Land am See auf deinen Namen eintragen lassen. Yeah, du wirst den Landhaien zuvorkommen und ihnen damit einen schweren Schlag versetzen, sie damit mehr treffen, als wenn du ihnen mit der Waffe in der Hand entgegentrittst. Reite und lass das Land eintragen! Kämpfe, wenn es sein muss, für das Land, das du liebst und das dich nie wieder loslässt!«

»Es tut mir leid, ich brauche deinem Wunsch nicht nachzukommen! Ich habe dieses Land bereits eintragen lassen, und zwar schon vor zwei Jahren! Schon damals rechnete ich damit, dass ich eines Tages ein Stück Land bebauen oder Vieh halten möchte. Irgendwie habe ich ein bisschen Lust, Rancher zu spielen. Aber das schiebe ich noch auf, Tem, denn solange, wie nur irgend möglich, möchte ich mir dieses Paradies erhalten. Es ist nur eine Idee. Noch habe ich nur für mich zu sorgen und finde das, was ich zum Leben brauche, in Hülle und Fülle. Noch habe ich Zeit!«

»Großer Gott! – Das Land gehört schon dir?«

»Yeah!«

»Ah, nun verstehe ich alles. Selver hat sicherlich versucht, seine Hand darauf zu legen, und musste feststellen, dass es bereits eingetragen ist. Das sieht verdammt ernst aus, Roger! Was willst du tun?«

»Auf Jagd gehen«, sagte Roger fest.

Tems Augen weiteten sich, wurden glänzend und funkelten. Er knurrte: »Ich schließe mich an, Fellow! Wann brechen wir auf?«

»In einer Stunde!«

»All right«, murmelte Tem. »Eines Tages wirst du eine Ranch bauen! Und wahrhaftig, ich bin noch jung genug, um bei dir als Vormann anzufangen. Das heißt, wenn du mich haben willst?«

Sie sprachen nun nicht mehr viel. Roger brachte den Braten auf den Tisch, und nach dem Essen trafen sie ihre Vorbereitungen. Jetzt mitten im Winter, waren diese von besonderer Art. Viele Kleinigkeiten mussten berücksichtigt werden. Doch nach einer Stunde hatten sie bereits die Packen aufgeschnallt und bestiegen die Pferde. Der Ritt in die schneebedeckte Landschaft begann. Wahrlich, ein harter, beschwerlicher Ritt in beißender Kälte, im Blizzard und Sturm, viele Meilen. Und immer auf der Hut, immer auf der Lauer, und auf Schüsse aus dem Hinterhalt gefasst.

Der See mit seiner vereisten und verschneiten Fläche, das Blockhaus mit dem Schuppen und dem kleinen Corral blieben zurück. Tief sanken die Hufe der Pferde in die verharschte Schneedecke. Wochen waren sie unterwegs, campierten in Schneelöchern und erwachten morgens steif vor Kälte, wuschen sich mit Schnee und ernährten sich von Wildbret. Sie fanden Bills und Reds Grab, sie ritten weiter. Alle Spuren von Selver und seiner Meute jedoch waren ausgelöscht, verweht. Das Land lag im Winterschlaf und sagte ihnen nichts. Später, als sie an jenem Ort nachforschten, wo Bill, Red und Tem in den Hinterhalt geritten waren, fanden sie die Erklärung, warum Selver das Land verlassen hatte. Sie fanden die Bäume, aus deren Geäst Selver die Schleifbahren hatte herstellen lassen. Sicherlich war auch für Selver das Zusammentreffen mit den Trappern ein harter Schlag gewesen, und er hatte eine Lektion hinnehmen müssen.

»Wir haben sie vergeblich gesucht«, sagte Tem. »Eigentlich hätte ich den Kerlen mehr Härte zugetraut, nach all dem, was man uns vorgesetzt hat. Muss schon sagen, ich bin ein wenig enttäuscht über ihren Rückzug. Wir sind sie wohl quitt.«

Yeah, das hatte Tem gesagt. Es schien ganz so, als hätte er Recht. Man fand seine Hütte unversehrt.

Abgespannt und müde blieb Roger eine Woche bei Tem, dann ritt er zurück, um wieder seiner Arbeit nachzugehen.

»Den Bronco bring ich dir bald zurück, Fellow«, sagte er beim Abschied zu dem Oldtimer.

»Oh, das hat keine Eile, Fellow«, winkte Tem ab. »Lass dir nur Zeit damit, aber vergiss nicht zu bedenken, dass eine Ranch mehr einbringt als alle Felle, die du sammeln kannst. Das hier wird einmal ein prächtiges Rinderland.«

»Du hast recht, Fellow, es ist wie geschaffen dafür«, gab Roger zu. »Es gab eine Zeit, da fühlte ich mich glücklich, hinter Kühen zu reiten, aber das ist schon lange her.«

»Mann, ich habe dir doch gleich an der Nasenspitze angesehen, dass du ein Rindermann gewesen bist! Vielleicht besinnst du dich eines Tages darauf, dass es auch als Rancher schön ist zu leben.«

»Solange ich kann, werde ich bei meinem alten Job bleiben.«

»Sei nicht so sicher. Es werden immer mehr Ranchen entstehen und bald in die Nähe rücken. Vergiss Selver und seine raue Meute nicht! Die Burschen sind nicht aus der Welt und kehren bestimmt eines Tages zurück.«

---ENDE DER LESEPROBE---