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Vergeblich warten die Arbeiter, die den Staudamm nahe des Deep Valley bauen sollen, auf ihre Löhnung. Immer wieder werden die Lohngeld-Transporte zur Baustelle überfallen, ohne dass die örtliche Polizei bisher auch nur den kleinsten Hinweis auf die Täter ermitteln konnte.
Ein Fall für die Ghost Squad also, die sich der Sache nun annimmt. Schnell ist Tom Prox davon überzeugt, dass die Gangster über Insiderwissen verfügen müssen, und legt einen Köder für die beutegierigen Räuber aus. Dann aber läuft die Aktion aus dem Ruder, und plötzlich findet sich Tom Prox buchstäblich im Kreuzfeuer wieder ...
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Seitenzahl: 92
Veröffentlichungsjahr: 2021
Cover
DIE SCHMUTZIGE KONKURRENZ
Vorschau
Kleines Wildwest-Lexikon
Aus dem Wilden Westen
Impressum
DIE SCHMUTZIGE KONKURRENZ
Von Frederic Art
Vergeblich warten die Arbeiter, die den Staudamm nahe dem Deep Valley bauen sollen, auf ihre Bezahlung. Immer wieder werden die Lohngeld-Transporte zur Baustelle überfallen, ohne dass die örtliche Polizei bisher auch nur den kleinsten Hinweis auf die Täter ermitteln konnte. Ein Fall für die Ghost Squad also, die sich der Sache nun annimmt. Schnell ist Tom Prox davon überzeugt, dass die Gangster über Insiderwissen verfügen müssen, und legt einen Köder für die beutegierigen Räuber aus. Dann aber läuft die Aktion aus dem Ruder, und plötzlich finden sich Prox und seine beiden Sergeanten, Snuffy Patterson und Ben Closter, buchstäblich im Kreuzfeuer wieder ...
Mister Boydt nickte bekümmert und strich sich über die spiegelblanke Glatze.
»Bis Lexington ist alles in Ordnung. Da haben wir keine Schwierigkeiten zu erwarten, Mister Patterson. Aber weiter nach Norden hinauf, über Paramount zum Deep Valley, da ist der Teufel los!«
Knarrend lehnte er sich im Sitz zurück, zog heftig an seiner Zigarre und überließ es dem anderen, den Fall nach allen Seiten hin durchzudenken.
Mit Banditen und Greasers wusste er nicht Bescheid. Er war Ingenieur – wenigsten stand das auf der Milchglasscheibe seiner Bürotür –, und hatte sich um die Organisation und den Materialnachschub zum neuen Staudamm am Deep Valley zu kümmern. Zu diesem Zweck verfügte über einen Stab zuverlässiger Mitarbeiter sowie über die modernsten Gerätschaften und Maschinen.
»Es braucht bloß jemand nicht dichtzuhalten«, entgegnete der lange Patterson nach geraumer Zeit. »Wie oft werden die Lohngelder nach dort oben transportiert?«
»Viermal im Monat.«
»Also jede Woche einmal, was? Und wie oft sind die Transporte bisher überfallen worden?«
Der Ingenieur suchte zwischen den Papieren auf seinem Schreibtisch herum, schob sich einen Zwicker auf den Nasenrücken und las nach.
»Vor sechs Wochen, kurz hinter Paramount, dann vor zehn Tagen in der Nähe des Cool Creek. Und wie es mit dem Transport von gestern steht ... nun, ich habe noch keine Nachricht, ob das Geld im Lager eingetroffen ist. Wenn nicht, bekommen wir mächtigen Ärger mit den Arbeitern. Die Leute wollen pünktlich ihre Dollars sehen. Ist schon ein schwieriger Job ...«
»Von wie vielen Männern werden die Transporte begleitet?«
»In der Regel von vier. Aber nach dem ersten Überfall habe ich sofort angeordnet, dass noch zwei weitere hinzugezogen werden. Genutzt hat das aber gar nichts.«
Sergeant Patterson nahm einen gewaltigen Schluck aus dem hohen Glas. Der Ingenieur hatte ihm gleich die ganze Flasche zur Selbstbedienung hingestellt. Ging wohl auf Geschäftsspesen.
Jetzt griff sich Snuffy die Liste, drehte den Stuhl dem Fenster zu und ging murmelnd die verschiedenen Posten durch. Die Aufstellung war mit fast pedantischer Sorgfalt angefertigt.
»He, hallo«, rief er plötzlich überrascht. »Jede Woche zahlen Sie oben aus, Mister Boydt? Aber alle vier Wochen ist der Betrag fast doppelt so hoch wie der der anderen drei zusammen. Wie kommt das?«
»Die Bauführer, Ingenieure und Spezialisten bekommen ihr Gehalt doch monatlich«, erklärte der Ingenieur.
»Aber die Überfälle geschahen immer nur dann, wenn die Gelder für die Monatszahlungen dabei waren.«
»Stimmt. Das ist ja die Schweinerei!« Boydt schlug dröhnend die geballte Faust auf die Tischkante. Mit einem Satz verschwand das Tintenfass im Papierkorb. »Achtzehntausend in kleinen Banknoten, Sergeant. Und das zweite Mal dreiundzwanzigtausend ... ein hübscher Brocken. Damit könnte man sich 'ne Zeit lang zur Ruhe setzen.«
»Ich nehme an, Sie sind versichert?«
»Das schon. Aber da ist neulich erst so ein Spund von der Gesellschaft aufgekreuzt, der große Töne gespuckt hat. Dass sie nicht mehr für den Schaden aufkommen würden, wenn wir nicht was unternehmen, um die Sendungen besser zu schützen. Ich kann doch keine Armee einstellen, bloß um die Löhne zum Valley raufschaffen zu lassen! Was kostet uns das? Ich weiß mir keinen Rat mehr, Sergeant, und deshalb ...« Boydt wedelte unbestimmt mit der Hand. »Deshalb habe ich Sie kommen lassen. Sehen Sie irgendwo 'nen Lichtblick?«
»So auf die Schnelle? Was denken Sie sich denn? Erst müssen wir uns das Gelände mal genau ansehen und ein paar Ermittlungen anstellen. Vorher kann man nichts Genaues sagen.«
»Und inzwischen gehen mir wieder ein paar Tausend den Bach hinunter? Sie haben aber Nerven, Mann!«
Snuffy grinste leutselig. Diese Typen kannte er! Sie erinnerten ihn immer an ein vollgestopftes Pulverfass, an dem bereits die Zündschnur glomm. Und jede Sekunde konnten diese Typen in die Luft gehen, jede Kleinigkeit brachte sie gleich aus dem Konzept.
»Ich werde mich ein wenig umschauen, Mister Boydt. In Paramount wird mein Chef das Gleiche tun. Sobald wir etwas gefunden haben, lassen wir es Sie wissen. Aber schon jetzt glaube ich sagen zu können, dass der Boss der Banditen ausgezeichnet über die Gepflogenheiten Ihres Unternehmens Bescheid weiß. Er sucht sich für seine Überfälle immer nur die dicksten Brocken aus. Hier und hier ...« Snuffy tippte mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die Liste. »Jedes Mal, wenn die monatlichen Gehälter dabei waren!«
»Ausgeschlossen, von unseren Leuten kann es keiner sein.«
»Warum denn nicht?«
»Ich halte die Transporte so geheim, wie es nur geht.«
»Kann nicht weit her sein damit. Und vergessen Sie nicht, dass Zwanzigtausend in kleinen Scheinen ein netter Haufen sind. Zudem sechs Mann Bewachung? Mann, so etwas kann doch nicht geheim bleiben. Wo kommt das Geld her, Mister Boydt?«
»Aus der Filiale der Staatsbank in Lexington. Vorher sind die Beamten des Schatzamtes für das Geld verantwortlich. Der Rest bleibt an mir hängen. Hübsche Sauerei, was? Wie stehe ich nun da? Ich wage gar nicht daran zu denken, was der Präsident unserer Firma sagen wird, wenn er nächste Woche kommt.« Wieder krachte seine Faust auf den Tisch. »Es muss endlich was geschehen, Sergeant. Deswegen sind Sie hier.«
»Versprechen will ich nichts, damit wir uns gleich darüber klar sind. Doch ich denke, wir schaffen es.«
»Sie erhalten jede Unterstützung, die Sie brauchen. Ich gebe Ihnen einen Wisch mit, damit Sie sich auch an den Baustellen frei bewegen können. Sonst bekommen Sie Schwierigkeiten. Überall stehen bewaffnete Posten herum.«
»Ob das einen Sinn hat? Die Banditen werden sich hüten, die Arbeitslager anzugreifen. Was sollten sie auch dort? Die Kantineneinrichtung vielleicht mitnehmen?«
Snuffy griff zum Hut und verließ nach einem brummigen Gruß das Gebäude. Ein paar Männer saßen im Schatten der Dächer, schliefen oder dösten in der Mittagshitze vor sich hin.
Bis Paramount waren es zweiundvierzig Meilen, und von dort bis zum Deep Valley hinauf nochmals dreißig. Eine nette Strecke, unübersichtlich und wild. Für Strauchdiebe die geeignete Gegend, um raffinierte Straßenfallen anzulegen.
Nachdenklich schritt Snuffy quer über den sonnenbeschienenen Platz und verschwand hinter den kreischenden Türflügeln der Bar.
Clark Roß mochte fünfzig Lenze zählen. Er war ein kleiner, untersetzter Mann mit verkniffenem Gesicht und scharfen Augen, die unruhig in die Welt sahen.
Seit er Sheriff von Paramount war, hatte er den Ort hassen gelernt. Zuvor hatte er ein paar Jahre im Dienst eines Großranchers gestanden und als Vormann eine dreißigköpfige Mannschaft geführt, bis er merkte, dass seine Geschicklichkeit im Umgang mit halbwilden Rindern doch nachzulassen begann.
Er träumte von Ruhe und Sicherheit, die er auf einer Ranch aber niemals finden würde. So bewarb er sich um die freigewordene Stelle eines Sheriffs, wurde gewählt und zog zunächst erleichtert in das kleine Haus in der Ortsmitte
Noch beim Kaffeetrinken überraschte ihn der erste Besucher. Ohne groß anzuklopfen, trat er in die Küche und zog sich unaufgefordert einen Stuhl heran.
»Das hier kennen Sie wohl, Sheriff?«
Roß schielte über den Tassenrand auf die flache Hand des Fremden. Zwei, drei Sekunden lang ...
»In Ordnung. Hinter Ihnen stehen die Becher. Trinken Sie einen mit, Mister ...?«
»Prox. Meinetwegen können Sie auch Tom zu mir sagen.«
»Mächtige Ehre für mich, ein Ass der Special in Paramount zu wissen. Ist es was Dienstliches, Captain?«
»Möglich«, meinte Tom Prox gelassen, während er sich aus der Emaille-Kanne, die schon bessere Tage gesehen hatte, einen riesigen Becher einschenkte. Roß schob ihm die Zuckerdose hin.
»Wegen der Narren da oben am Deep Valley?«
»Was haben Sie gegen die Boys einzuwenden?«
»Ich? Gar nichts! Aber gucken Sie sich das Lager mal an. Nicht zehn Pferde bekämen mich in diese Wildnis hinauf, auch wenn Sie mir tausend Dollar auf die nackte Hand legen würden.«
»Schade.« Tom grinste belustigt.
»Sie sind goldrichtig. Wer hat Sie denn gerufen? Kid Boydt etwa? Der sieht jetzt wohl seine letzten Felle wegschwimmen. Die Verwaltung seiner Firma wird ihm kräftig eingeheizt haben. Glücklicherweise passierte das alles bis jetzt stets außerhalb meines Amtsbereichs, also brauche ich mich nicht drum zu kümmern. Unter uns gesagt ist es aber eine Katastrophe. Hörte, dass es verdammten Ärger gegeben hat. An der Sache können Sie sich leicht 'nen Zahn abbrechen.«
»Meinen Sie?«
»Ich kenne doch die Leute hier.«
Sheriff Roß spuckte zu Boden und suchte in den Jackentaschen nach Zigaretten. Eine Weile verging, während die beiden sich die Stäbchen anzündeten.
»Was halten Sie davon?«
»Das sind welche vom Bau«, knurrte der Sheriff. »Die kennen alle Schliche.«
»Banditen?«
»Na, was denn sonst?«
»Ich meine, können es nicht welche aus dem Unternehmen selbst sein? Sie sind mit den Terminen vertraut, kennen genau den Anmarschweg zum Arbeitslager und was sonst noch dazugehört.«
»Daran habe ich auch schon gedacht, aber der Teufel soll mich frikassieren, wenn ich 'ne passende Erklärung dafür habe, Tom. Offiziell hat mich kein Mensch um meine Meinung gefragt. Der Distriktsheriff war letzte Woche hier, sah auch kurz bei mir herein, aber er dampfte ab, ohne den Mund aufzumachen.« Roß nickte verärgert und blickte zum Ghostchef hinüber. Er war offensichtlich ungehalten, dass man ihn übergangen hatte.
»Ich weiß. Deswegen haben wir auch den Fall übertragen bekommen«, lenkte Tom ein. »Ich wollte aber nicht anfangen, bevor ich mir den Sheriff angesehen habe. Also: Wir beide ... gehen doch zusammen?«
Roß donnerte erleichtert die Faust auf die Tischplatte.
»Na, das soll ein Wort sein! Hatte noch nie das Gefühl, schon zum alten Eisen zu zählen. Wenn jemand glaubt, Sheriff Roß sei eine Flasche, dann werde ich ihm den Marsch blasen!«
»Wer glaubt denn so was?«
»Da sind ein paar, die ewig gegen mich stänkern. Aber das findet man ja in jeder Stadt. Neid und Missgunst und so ... hat nichts weiter zu bedeuten.«
»Um die Mittagszeit kommt ein Transport durch«, sagte der Ghostchef fast beiläufig. »Siebentausend Dollar etwa. Ist er Ihnen gemeldet worden?«
»Was Sie nicht sagen!«, fuhr Roß hoch. »Das haben sie aber noch nie getan! Das ist nun der Erfolg! Erst lassen sie sich zwei Ladungen aus den Taschen ziehen, und dann verschließen sie ihr Maul wie 'ne Auster und hoffen, es ginge klar. Denen ist einfach nicht zu helfen, Mann!«
»Sechs Mann Begleitung«, fuhr Tom fort. »Alle gut bewaffnet und auf dem Kien. Ich glaube nicht, dass etwas schiefgeht. Siebentausend lohnen wahrscheinlich nicht.«
»Na, mir würden sie langen«, knurrte Roß und wiegte seinen Kopf.
»Wenn es einen schwachen Punkt gibt, muss er hier in Paramount zu suchen sein«, sagte Tom. »Drei verschiedene Wege führen hinauf zum Deep Valley. Die Banditen können sie ja nicht alle drei unter ständiger Kontrolle halten. So viele Ganoven werden es ja nicht sein. Daher denke ich mir, dass sie einen Mittelsmann in Paramount haben, der die Zahl der Bewacher feststellt und die Marschroute ausspioniert, um dann die Bande zu unterrichten.«