Tom Prox 87 - Frederic Art - E-Book

Tom Prox 87 E-Book

Frederic Art

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Beschreibung

Mit Gangstern aller Couleur, mit Betrügern, Dieben und Totschlägern ohne jegliche Skrupel kennen sich die Männer der Ghost Squad aus. Kaum etwas, was sie noch überraschen könnte.
Diesmal aber kommt es anders. In der Nähe der Cilla Mountains sind mehrere Männer getötet worden, die örtliche Polizei scheint überfordert. Dann aber bittet ausgerechnet ein ehemaliger "Kunde" die Ghosts um Hilfe. Don Laggins, der eine langjährige Haftstrafe verbüßt hat, will einer großen Schweinerei auf die Spur gekommen sein, und Tom Prox und seine beiden Sergeanten, Snuffy Patterson und Ben Closter, machen sich auf den Weg.
Aber für Laggins kommt jede Hilfe zu spät, nur ein paar Worte bringt der ehemalige Gesetzlose noch heraus, bevor er stirbt. Der Geist eines gewissen Douglas Trenton sei der Mörder und töte jeden, der seinem Geheimnis zu nahekomme. Zunächst glaubt Tom Prox an im Fieberwahn gesprochene Worte eines Sterbenden. Schon bald aber zweifelt der sonst so nüchterne Polizist an seinem Verstand ...


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Seitenzahl: 101

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Gastspiel in der Unterwelt

Vorschau

Kleines Wildwest-Lexikon

Aus dem Wilden Westen

Impressum

Gastspiel in der Unterwelt

Von Frederic Art

Mit Gangstern aller Couleur, mit Betrügern, Dieben und Totschlägern ohne jegliche Skrupel kennen sich die Männer der Ghost Squad aus. Kaum etwas, was sie noch überraschen könnte.

Diesmal aber kommt es anders. In der Nähe der Cilla Mountains sind mehrere Männer getötet worden, die örtliche Polizei scheint überfordert. Dann aber bittet ausgerechnet ein ehemaliger »Kunde« die Ghosts um Hilfe. Don Laggins, der eine langjährige Haftstrafe verbüßt hat, will einer großen Schweinerei auf die Spur gekommen sein, und Tom Prox und seine beiden Sergeanten machen sich auf den Weg.

Aber für Laggins kommt jede Hilfe zu spät. Nur ein paar Worte bringt der ehemalige Gesetzlose noch heraus, bevor er stirbt. Der Geist eines gewissen Douglas Trenton sei der Mörder und töte jeden, der seinem Geheimnis zu nahekomme. Zunächst glaubt Tom Prox an im Fieberwahn gesprochene Worte eines Sterbenden. Schon bald aber zweifelt der sonst so nüchterne Polizist an seinem Verstand ...

Sheriff Evans bahnte sich einen Weg durch die Mauer aus Neugierigen, die einen leblosen Körper am Boden umstanden, und runzelte die Stirn.

»Wer hat ihn gefunden, Leute?«

»Potter war's, Sheriff.«

»Aha. Und wo steckt der Kerl jetzt?«

»Keine Ahnung ...«

Das ist eine hübsche Bescherung, sann Dan Evans, der Sheriff von Bluerock. Nach einem Unfall sieht es mir nicht aus, aber ich kann auch keine Verletzungen entdecken, die auf ein Verbrechen hindeuten. Und wer sollte ausgerechnet Mark Lowers in den Red Canyon Creek geworfen haben, wo der doch besser hatte schwimmen können als ein Biber? Wie kam das denn bloß?

»Hebt ihn auf und tragt ihn zum Friedhof«, befahl der Sheriff nach einer Weile tiefen Nachdenkens. »Wir können ihn ja nicht hier in der prallen Sonne liegen lassen. Wenn einer von euch Potter sieht, dann sagt ihm, er soll sich umgehend bei mir im Office melden.«

Zwei Männer traten langsam vor, rückten sich die breitkrempigen Hüte ins Genick und fassten den Toten an Beinen und Armen. Mühsam hoben sie ihn auf und trugen ihn dann quer über den weiten Platz, bis sie in einer winkligen Seitengasse untertauchten.

»Da hätten wir lange suchen können, Sheriff«, meinte Art Pool, der einen Kramladen im Ort betrieb. »Unten am Fluss waren wir natürlich nicht. Komisch, was?«

Evans blickte auf. »Wieso? Was ist komisch daran, Art?«

»Nun, ich meine, Lowers wollte nach Reading, und nun findet Potter ihn im Wasser. Der Creek liegt genau in der entgegengesetzten Richtung von Reading, Sheriff. Wie ist Lowers denn da hingekommen?«

»Hm, das hat was für sich ... ich werde mal darüber nachdenken, Art. Und noch eins: Der Sheriff von Bluerock bin ich, verstanden?«

»Wissen wir. Warum musst du das besonders betonen?«

Evans schaute in die Runde, aber er sah nur verschlossene, mürrische Gesichter. Die Männer glaubten nicht mehr an ihn.

Sein Pech, dass ihm die Lage langsam immer mehr über den Kopf wuchs. Vier Tote innerhalb eines Monats, und nicht die geringste Spur eines Täters!

So kann es unmöglich weitergehen, dachte er. Ich muss meinen Job an den Nagel hängen, wenn ich's nicht schaffe. Sie zahlen mir mein Gehalt, damit sie in Frieden leben können ...

»Ich hab das Gefühl, als sei ich ganz auf mich allein gestellt, Art«, sagte er dann langsam und deutlich, damit es auch jeder hören konnte. »Es besteht kein Vertrauen mehr zwischen euch und mir. Früher war das anders. Da kam hin und wieder mal einer von euch zu mir, um sich einen Rat zu holen. Aber jetzt?«

»Du siehst die Lage falsch, Dan. Kein Mensch macht dir einen Vorwurf. Oder stimmt's etwa nicht, Männer?«

»Lasst mich doch ausreden«, forderte der Sheriff. »Richtig, bis jetzt ist kein hartes Wort gefallen, obgleich ich's euch nicht mal verdenken könnte nach all dem Pech der vergangenen Wochen. Doch wie soll das weitergehen? Machen wir uns nichts vor: Ich kann keine Spur entdecken und auch keine Garantie dafür übernehmen, dass nicht heute oder morgen einer von uns der Nächste ist, der ins Gras beißen muss. Es fällt mir nicht leicht, das zugeben zu müssen, aber ich bin nun am Ende mit meinem Latein. Ich kann nicht mehr, ich weiß nicht mehr weiter ... hier versagen alle Tricks, mit denen man sonst ganz gut zurechtkam. Es ist, als ob ein Geist umgeht und Blut trinken will. Du kannst ihn aber nicht fassen und siehst ihn auch nicht, du weißt nur, dass es ihn gibt. Wo soll das nur enden?«

»Mach dir nichts draus, Evans«, rief jemand aus der Menge »Du bist der Sheriff und hast zu entscheiden. Es quatscht dir niemand in deinen Job rein.«

»Aber ich wollte, es täte mal jemand das Maul auf«, rief Evans heftig. »Ich sehe bloß eure stummen Gesichter, lese die Vorwürfe in euren Blicken. Soll ich mich verteidigen? Soll ich öffentlich eingestehen, dass ich nun am Ende mit meinem vielgepriesenen Witz bin? Ich tu's, wenn's euch erleichtert.«

»Fang nicht zu spinnen an, Evans.«

»Bei Gott, wenn ich bloß wüsste, ob's nicht schon zu spät ist«, murmelte der Sheriff niedergeschlagen. »Ich hab getan, was in meiner Macht stand, das wisst ihr alle. Hier im Lande hat man's gewöhnlich nur mit Viehdieben zu tun, und mit denen verstehe ich auch umzugehen. Doch das andere ...? Nee, so was kann niemand von mir verlangen.«

»Schon gut, Evans ...«

»Denkt also daran, Potter Bescheid zu sagen.«

Die Männer steckten die Köpfe zusammen und sahen dem Sheriff nach. Bedauern und stille Resignation konnte man aus ihren Blicken lesen.

An der nächsten Straßenecke traf Evans auf Micky Colman, den Zwerg. Ein freundlicher, aufmerksamer Blick traf ihn, der kleine Mann schwang seinen hellen Hut.

»Ho, Dan ...!«

»Hallo, Micky!«

»Ich hab was für dich«, raunte der Zwerg geheimnisvoll. »Bei mir auf der Bude liegt es.«

»Schön, zeig's mir nachher im Office, Micky. Ich bin heute und morgen in der Stadt.«

»Eigentlich wollte ich ihn ja behalten, aber da ich keinen Gaul besitze, wär's sicher aufgefallen«, fuhr der Zwerg fort, ohne sich darum zu kümmern, ob ihm jemand zuhörte. »Und vielleicht meldet sich der Besitzer noch.«

»Was hast du denn gefunden, Micky? Doch keinen Gaul?«

»Nee ... nur 'n Teil davon.«

»Einen was ...?«

»Einen Sattel! Sieh in dir mal an. Vielleicht kann man ihn unter der Hand günstig verscheuern.«

»Das denkst du dir so, was?« Evans verzog das Gesicht und spuckte zu Boden. »Schließlich gehört er dir nicht, Micky. Wo hast du ihn her?«

»Ach, irgendwo«, kicherte der Zwerg verschmitzt, rückte sich den Hut zurecht und rannte auf einmal ohne nähere Erklärungen davon.

Der spinnt immer mehr, dachte Evans mürrisch. Überhaupt ist die Stadt kein Pflaster mehr für mich. Hier geht es nicht mit rechten Dingen zu. Man kann machen, was man will, stets hat man das Gefühl, als sei jemand da, der einem im geheimen beobachtet...

Sheriff Evans schloss die Tür seines Office auf, donnerte sie wütend hinter sich ins Schloss und schnallte sich den breiten Waffengürtel von den Hüften. Als er sich dann umdrehte und zum Schreibtisch gehen wollte, zuckte er zurück. Seine Augen weiteten sich, sein Blick wurde starr und seltsam fremd.

Er sah in die drohend erhobene Mündung eines Revolvers ...

»Noch zwei, Langer«, forderte Sergeant Ben Closter mit gerunzelter Stirn und kratzte sich am Hinterkopf, als halte er die schlechtesten Karten in der Hand. »Und dann erhöhe ich um fünf.«

»Die fünf und fünf zu«, grinste Snuffy Patterson, warf ein paar Münzen in die Mitte des Tisches, kippte einen Doppelstöckigen und lehnte sich behaglich im Stuhl zurück.

»Ich mach' dich schon fertig, du Latte«, schnaubte Ben. »Denk bloß nicht, du könntest mich bluffen. Hast wieder mal nichts auf der Hand und machst 'ne Welle. Nichts zu machen beim alten Closter. Heraus mit dem Pott!«

»Langsam, langsam, erst mal die Blätter auf den Tisch.« Captain Tom Prox meldete sich jetzt grinsend. »Seit wann spielen wir denn unterirdisch? Was hast du, Ben?«

,,Einen Dreierständer.«

»Und du, Snuffy?«

»Überhaupt nichts. Quer durch den Gewürzgarten.«

»Na, dann gehört der Pott wohl mir.« Tom legte ein Full House auf den Tisch, blickte entschuldigend in die Runde und strich die Münzen ein. Dann winkte er den schläfrigen Keeper heran. »Noch eine Runde. Kommt Laggins nicht bald?«

»Keine Ahnung, Stranger. Gewöhnlich ist er um diese Zeit in der Stadt. Warten Sie einfach noch 'ne Weile, oder fragen Sie am besten mal im Postoffice nach. Überhaupt, wie ist es Boys, will jemand was zu futtern?«

»Ein Steak wäre nicht zu verachten, Tom«, entschied Ben nach einigem Nachdenken.

Der Keeper lüftete matt die Lider und bewegte sich langsam zur Rückfront des Raumes, in die eine Durchreiche zur Küche eingelassen war.

Ben mischte ein neues Blatt, zog geschickt die Karten zu einem Fächer auseinander, ließ sie raschelnd wieder ineinander fallen und knallte sie schließlich knurrend auf den Tisch.

»Hat keinen Witz mehr, das Ganze ... zum Donner, was sitzen wir eigentlich wie Piksieben hier in der Kneipe herum? Haben wir denn nichts Besseres zu tun?«

»Geduld ist die größte Tugend des Mannes«, zitierte der Ghostchef gemächlich. »Wer warten kann, wird reich ...«

»Kann ich eigentlich nicht behaupten, Tom«, feixte Snuffy Patterson. »Warte schon seit sieben Jahren auf eine Gehaltsaufbesserung, aber beim letzten Zahltag haben sie mir sogar noch ganze zwei Dollar mehr abgezogen. Für irgend so 'ne neue Steuer. Ich bezahle mich langsam selbst, Tom.«

»Verstehe ich nicht ...«

»Na, ist doch klar ... der Staat verlangt Steuern von mir, und ich muss als ordentlicher Bürger berappen, bis die Schwarte kracht.«

»Ich weiß, zwei Silberne, nicht wahr?« Tom grinste.

»Ist das vielleicht nichts? Und mit dem Geld bekomme ich dann mein Gehalt bezahlt. Na, wenn ich wieder mal auf die Welt kommen sollte, werde ich Präsident.«

»Von was?«, fragte Ben trocken.

»Na, wo lohnt sich's denn heute schon? Von der Heilsarmee oder sonst einem Verein. Präsidenten werden gesucht!«

Tom Prox rückte den Stuhl zurück, erhob sich, streckte sich und gähnte.

»Ich sehe mal nach den Gäulen. Wenn das Essen kommt, dann ruft mich. Ist das vielleicht 'ne Luft hier in der Bude. Man kann ja seine eigene Nase nicht mehr sehen. Na, meine elf Dollar habe ich verdient. Und dafür kann man sich ruhig mal 'ne Stunde euer dussliges Geschwätz anhören. Also, bis später!«

»He, warte mal!«

»Ich habe gesagt, ich will nach den Pferden sehen«, stellte Tom Prox knurrend fest.

»Gut, wenn du unbedingt allein sein willst, dann rausch ab«, erwiderte Snuffy. »Aber wenn ich merke, dass du die elf Kröten gegenüber im Saloon umsetzt, dann kracht's im Karton. Ist mein Geld, vergiss es nicht.«

»Jetzt nicht mehr ...«

Die Sonne stand hoch am Firmament. Es mochte kurz nach Mittag sein. Niemand ließ sich auf der Straße blicken. Unter den breiten, überhängenden Hausdächern schaukelten Hängematten.

Die Einwohner von Reading hielten Siesta. Sie warteten auf die kühleren Abendstunden, aber Tom Prox schien es, als ob sie auch dann nicht gerade wild darauf sein würden, sich die Hacken abzurennen. Arbeit hielt man hier hoch in Ehren, so hoch, dass möglichst niemand herankam.

Ist immer dasselbe alte Lied.

Tom lehnte sich einen Moment gegen einen hölzernen Stützpfeiler und suchte nach der Packung Glimmstängel in den Jackentaschen. Je südlicher man kommt, umso weniger schaffen die Kerle. Aber alle leben. Wovon nur ...?

Seit zwei Tagen warteten die Ghosts schon in Reading, und von Stunde zu Stunde wurden sie unruhiger.

Sie hatten eine Verabredung mit einem gewissen Don Laggins, einem ehemaligen Banditen, der nach Verbüßung einer langjährigen Gefängnisstrafe auf den Pfad der Tugend übergewechselt war und nun als Digger in der weiteren Umgebung von Reading herumzog. Keiner kannte seinen Wohnort. Vielleicht hatte er sich oben in der Sierra eine Blockhütte gebaut oder sonst einen Unterschlupf gefunden.

Laggins musste einen verflucht triftigen Grund haben, dass er sich direkt an die Ghost Squad gewandt hatte. Denn eigentlich konnte er auf die Ghosts kaum gut zu sprechen sein, schließlich hatten ihn die Kollegen in Pinton damals hochgehen lassen.

Die Nachricht, die das Kommando erreicht hatte, war auf einem fleckigen, mehrfach gefalteten Zettel geschrieben worden. Papier, wie man es in jedem Drugstore um einige Cents erstehen konnte. Zudem konnte man an den ungelenken Buchstaben sogleich erkennen, dass der Schreiber mit dem Federkiel wohl nicht gerade auf vertrautem Fuß stand.