Blind Date mit einem Vampir - Katie MacAlister - E-Book

Blind Date mit einem Vampir E-Book

Katie MacAlister

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Beschreibung

Als Joy sich von ihrer Freundin Miranda die Zukunft voraussagen lässt, erfährt sie zu ihrer Freude, dass sie bald den Mann fürs Leben kennen lernen wird. Doch was soll sie davon halten, dass ihr Traumprinz angeblich ein Vampir ist? Kurz darauf fährt Joy zu einem Gothic Festival nach Tschechien und wird dort Zeugin rätselhafter Vorgänge ...Erotischer Vampirroman als freche Frauenunterhaltung! Riesenerfolg in den USA, New-York-Times-Bestseller! "Machen Sie es sich bequem und freuen Sie sich auf ein einmalig witziges Leseerlebnis. Dieses unglaublich komische Buch ist ein wahres Vergnügen!" Romantic Times

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Katie MacAlister

BLIND DATE

MIT EINEM

VAMPIR

Roman

Ins Deutsche übertragen von Antje Görnig und Bettina Oder

1

„WennichGintrinke,habeichimmerdiegenialstenIdeen.“

„Nein,Joy,duglaubstnur,dassdugenialeIdeenhast,wennduGintrinkst.Ginmachtdichbetrunken.Schokoladeistgutfürs Gehirn!“

Ich betrachtete in der Verandatür das Spiegelbild der dunkelhaarigen Frau, die in dem Kreis aus brennenden Kerzen neben mir saß, und schüttelte ernst den Kopf, um über besagte Trunkenheit hinwegzutäuschen. Mein Spiegelbild sah jedoch so aus, als wollte es mich warnen. Ich beschloss, die Mahnung ernst zu nehmen, und stellte mein Glas ab. „Schokolade ist für vieles gut, vor allem für breite Hüften, aber Gin macht mich wirklich zu einem Genie.“

Unsere Gastgeberin, die durch den Raum wandelte und noch mehr Duftkerzen anzündete, blieb nun stehen und zog eine Augenbraue hoch, als unsere gemeinsame Freundin vor Lachen in ihren Wodka-Martini prustete.

„Keine weiteren alkoholischen Trankopfer, Roxanne!“, sag te Miranda, bevor sie die letzte Kerze anzündete und sich uns gegenüberaufeinenTeppichmitgrau-grünemBlättermustersinken ließ. „Wenn du besoffen bist, lässt die Göttin dir ih renSegennichtzuteilwerden!WashastdudennfürgenialeIdeen, Joy?“

Ich fingerte den Zitronenschnitz aus meinem Glas, biss in das gingetränkte Fruchtfleisch und beklagte im Geiste meine amazonenhafte Statur, während Miranda mit der Anmut einer Gazelle, die von Geburt an Ballettunterricht nahm, ihre langen schlanken Beine in den Lotossitz faltete. Es waren meine verdammten Wikingergene, denen ich es zu verdanken hatte, dass ich die meisten Frauen und auch viele Männer über ragte. „Also, was Roxys Plan angeht, uns zwei leckere Jungs zu suchen … Nach reiflicher Überlegung und vielen, vielen brillanten gininspirierten Gedanken habe ich beschlossen, dir zu gestatten, deiner Göttin meinen Fall vorzutragen. Wenn sie geneigt ist, mir den Weg zu einem Mann zu zeigen, der sich als der Inbegriff alles wahrhaft Männlichen und Guten erweist, dann werde ich mich an ihren Rat halten. Das ist, kurz gesagt, meine geniale Idee.“

Roxanne prustete erneut in ihr Glas. „Mit anderen Worten: Du hast wieder mal mit Bradley Schluss gemacht!“

Nun ja, meinLangzeit-und-immer-wieder-ExfreundhattevieleQualitäten:Erwartreu,geduldigundoptimistischundhatteeinsonnigesGemüt.„DasProblemanBradleyist,dassereinfachnichtderRichtigeist–derMann,dermeinHerzzumRasenbringt,sobalderinmeinerNäheist;derMann,dermichansowunderbareDingewieLiebeaufdenerstenBlickglaubenlässt.Er ist eben … Bradley.“

„Genau meine Meinung, Joy! Du bist so festgefahren, dass du dich nicht dazu überwinden kannst, nach einem Mann zu suchen, der deiner würdig ist – jemand, der ganz anders ist als dieser alte Muffelkopf Bradley Barlow, der ja nicht mal weiß, was Erregung überhaupt bedeutet!“

Roxys abschätziger Unterton ging mir gehörig gegen den Strich. Ich kannte sie seit unserer Kindergartenzeit, aber das bedeutete noch lange nicht, dass sie ungestraft mit jedem abfälligen Kommentar davonkam. „Du musst gerade den Mund aufmachen, Fräulein ‚Immer noch Jungfrau mit vierundzwanzig‘! Was du über Beziehungen weißt, könnte man problemlos auf den Kopf eines Vibrators schreiben.“

Roxy verschluckte sich und der Martini sprudelte ihr aus der Nase.

„Dich kann man auch nirgendwohin mitnehmen“, schimpf te ich und wischte den vergeudeten Drink auf. Roxy hatte ihre komplette Jeans bekleckert und den hübschen Holzboden, auf dem wir saßen.

„Verflixtnochmal!“,keuchtesie,husteteundputztesichdieNase.DannnahmsiedenLappen,denMirandaihrschweigendhinhielt,undtupftesichdasT-Shirtab,bevorsiemichmitrot gerändertenAugenanfunkelte.„Machsoetwasniewieder!“

„Sorry, das liegt am Gin. Ich habe ja gesagt, der verleiht mir Genialität.“

„Das nennst du also genial?“

Ich streckte ihr die Zunge heraus.

RoxysBlickverfinstertesich.„Umaufdaszurückzukommen,wasichsagte,bevordusorüdeaufHilfsmittelzursexuellenStimulationzusprechenkamst–dieichimGegensatzzuanderenLeuten,dieichhiererwähnenkönnte,wederbesitzenochbrauche,nochjemalszubenutzengedenke…Jedenfallsmöchteichdaraufhinweisen,dassichmicheinfachfürjemandenaufsparenwill,dermirwichtigist!“Siehieltinne,umsicherneutzuschnäuzen.„Ichhoffe,duerkennstdenUnterschiedzwischenmir–mitmeinemverantwortungsvollen,wennauchsehroptimistischenRealismusinBezugaufdenMann,dereinmalmeinzukünftigerEhemannwerdensoll–unddir,diedudichfüreinenTypenentschiedenhast,dernurzu gebrauchen ist für einen guten Fi…“

„Meine Damen!“, rief Miranda aufgebracht. „Ich weigere mich, euch zu helfen, wenn ihr ständig streitet. Ehrlich gesagt ist mir nicht klar, wie ihr euch beste Freundinnen nennen könnt, aber dessen ungeachtet dulde ich keine Zankereien in meinem Haus. Die Göttin ist sehr ungnädig, was Eifersüchteleien und Feindseligkeiten angeht, Roxanne. Und da du um die Hilfe der Göttin gebeten hast, solltest du auch reumütig mit reinem Herzen und reiner Seele vor sie treten.“

Ich grinste Roxy selbstgefällig an. Sie ignorierte mich jedoch und bemühte sich, den störrischen Ausdruck aus ihrem Gesicht zu vertreiben. „Tut mir leid“, murmelte sie, faltete die Hände und senkte den Blick mit einer Miene, aus der Demut und Reue sprachen.

„FürdichgiltdasGleiche!“Mirandasahmichmissbilli gendan.IchrissunschuldigdieAugenauf,umjeglichesFehlverhaltenvonmirzuweisen,abereswarschwer,dieWahrheitzuverschleiern,wenneinenMirandamitihrenunheimlichenhellgrauen Augen anstarrte.

„Ich bin nicht gekommen, weil ich verzweifelt darauf hof fe, dass du einen Mann für mich findest“, bemerkte ich so würdevoll wie möglich. „Roxy hat mich angefleht mitzukommen.“

„Habe ich gar nicht!“, fuhr Roxy auf und von Demut war keine Spur mehr. „Nachdem du aus eigener Kraft nicht von Bradley loszukommen scheinst, habe ich nur gesagt, dass es nicht schaden kann, die Göttin nach etwas Besserem für dich suchen zu lassen. Herr im Himmel, du müsstest wirk lich dankbar sein für diese Chance, deinen wahren Seelenver wandten zu finden, denn die meisten Leute haben nicht so ein Glück!“

Ich öffnete den Mund, um ihr zu widersprechen, doch in diesem Moment wurde ich auf einen ziemlich dicken schwarzen Kater mit weißen Schnurrhaaren und einer weißen Pfote aufmerksam, der sich träge von einem gepolsterten Rattansessel erhob. Ich streckte meine nach Zitrone riechende Hand nach ihm aus, aber der Kater wandte sich nur höhnisch und voller königlicher Verachtung ab und stolzierte zu Miranda hinüber.

„Wenn du meinst …“ Ich tat den Kommentar meiner Freundin mit einem Schulterzucken ab und sagte mir, dass der Abend schneller verstreichen würde, wenn ich meine Skepsis für mich behielt. Ich glaubte eigentlich nicht an den ganzen Hokuspokus, den Miranda mit ihren Zaubersprüchen und Beschwörungen der Göttin veranstaltete, aber andererseits waren in ihrer Gegenwart schon ein paar Dinge passiert, die sich nicht so leicht erklären ließen.

Roxy glaubte jedoch felsenfest daran, und obwohl sie es jetzt abstritt, hatte sie mich sehr wohl darum gebeten, sie zu begleiten. Ich fand, es war das Mindeste, was ich für jeman den tun konnte, der mit mir durch dick und dünn gegangen war. „Miranda, meinst du nicht, es wird höchste Zeit, Davide mal auf Diät zu setzen? Er ist fast so dick wie der Rottweiler meiner Nachbarn!“

„Wirkönnenanfangen.“MirandabrachtemichmiteinemwütendenBlickzumSchweigenundsahauchRoxywarnendan.DannschlosssiedieAugen,begann,tiefein-undauszu atmen,undsummtedabeileisevorsichhin.EineleichteBrisewehtezumFensterhereinundverteiltedenvertrautenKräuterduftvonMirandasBeschwörungskerzenimRaum.SchuldbewusstriefichmirinErinnerung,dassichmeinenGeistöffnenundzugänglichmachensollte,atmetetiefdurchundsummteeinWeilchenvormichhin,bisichesleidwar,dieGedankenzuvertreiben,diemirunaufhörlichdurchdenKopfgingen,obwohlereigentlichleerseinsolltewieeineLeinwand,bereitfürdieschwungvollenPinselstrichedesSchicksals–oderwieauchimmerRoxyMirandasAnweisungeninterpretierthatte.Icherinnertemichnichtmehrsogutdaran,denndieserTeildesGesprächshattevordemGin-Tonic-Partstattgefunden.StattalsomeinenKopfzuleeren,beobachteteichDavide,derbegonnen hatte, sich ausgiebig zu putzen.

„Wirklich witzig, dass du eine schwarze Katze hast.“

Roxy,dieMirandanachgeeiferthatte,öffneteeinAugeundschauteinDavidesRichtung.„Wasistwitzigdaran,dasssieeine schwarze Katze hat?“

MirandamurmelteunverständlicheWortevorsichhinundschwankteleicht,währendihreStimmelauterundwiederleiserwurde.„WeilsieeineHexeist,Blödi!“,sagteichlaut,umdieBeschwörungderGöttinzuübertönen.„Ichglaubegarnichtmal,dassdiemeistenHexeneineschwarzeKatzehabenwollen,abermanmussschonzugeben,dassDavideperfektins Bild passt.“

Mirandas Gemurmel wurde lauter, aber sie hielt die Augen weiter fest geschlossen.

Roxy streifte sie mit einem besorgten Blick, beugte sich vor und raunte mir zu: „Ich glaube, das Wort ‚Hexe‘ hört sie nicht so gern, Joy. Heute sagt man Wicca-Priesterin.“

„Warum?“, erwiderte ich im Flüsterton. „Was ist denn an ‚Hexe‘ nicht in Ordnung?“

Roxy setzte sich wieder gerade hin und schloss die Augen. „Es ist nicht politisch korrekt“, zischte sie. „Abgesehen davon haben Wicca-Priesterinnen einen besseren Draht zur Natur. Spürst du nicht die Kraft, die in ihrer Beschwörung steckt?“

Ich betrachtete den Kreis des Wissens, den Miranda um uns beide ausgelegt hatte, und spürte, wie es mir kalt den Rücken hinunterlief. Ich war zwar skeptisch, was solche Dinge anging, aber ich war nicht blöd. Es lag etwas in der Luft, eine elektrische Ladung, die bewirkte, dass sich die Härchen auf meinen Armen aufrichteten. Miranda setzte ihre Magie nicht für jeden ein, sagte ich mir und bemühte mich, dankbar auszusehen.

„Das ist schon ein bisschen nervenaufreibend“, raunte ich Roxy ein paar Minuten später ganz leise zu, um Mirandas Zwiesprache mit der Göttin nicht zu stören. Ich fischte ein Stück Eis aus meinem Drink und steckte es mir in den Mund. „Nicht dass ich glaube, dass es bei mir wirklich funktioniert, aber es macht mich trotzdem ein bisschen nervös, hier zu sitzen und darauf zu warten, dass mir ein Geist von höchster Stelle den Lebenslauf meines Traummannes durchgibt.“

„Es wird Zeit, dass du in Bezug auf dein Liebesleben ein bisschen mehr Eigeninitiative an den Tag legst“, entgegnete Roxy hinter vorgehaltener Hand. „Mag schon sein, dass ich noch Jungfrau bin, aber immerhin versuche ich wenigstens, den Richtigen zu finden. Du hast nie irgendwelche Dates. Wie willst du denn dein Glück mit dem Mann finden, den die Natur nur für dich allein erschaffen hat, wenn du nicht mal nach ihm suchst?“

„Na ja“, sagte ich und zerbiss den Eiswürfel, „ich habe Bradley.“

„Das ist kein Glück, Joyful.“ Roxy entschärfte ihren Kommentar lächelnd, indem sie mich mit meinem Spitznamen aus Kindertagen anredete. „Das ist die Hölle!“

„Da mag etwas dran sein“, räumte ich ein und verzog das Gesicht, als ich sah, wie Davide sich seiner Rektalregion zu wandte. Ich hoffte inständig, dass dies keine indirekte Aussage über die Erfolgsaussichten von Mirandas seherischen Bemühungen war. „Obwohl es ja nun wirklich nicht so ist, als hätte ich es nicht versucht. Gott weiß, dass ich es versucht habe, aber du kennst doch die Single-Szene da draußen: Es dreht sich alles nur noch um Bluttests, Background-Überprüfungen, Referenzen und Screenings nach dem Motto ‚Pinkel in diesen Becher, bevor wir uns verabreden‘. Alles total nüchtern und ohne jede Romantik.“

„Das stimmt.“ Roxy nickte.

„Was ist eigentlich mit der guten alten Liebe auf den ers ten Blick passiert? Mehr verlange ich doch gar nicht: ein bisschen Romantik und Kerzenlicht, einander bedeutungsvoll in die Augen schauen und sofort wissen, dass er der Richtige ist.“

„Heute laufen da draußen einfach zu viele Mistkerle rum“, entgegnete Roxy. „Die Liebe auf den ersten Blick wurde durch eine umfassende Bonitätsprüfung ersetzt.“

Mirandas Gemurmel nahm einen deutlich schärferen Ton an. Ich lauschte ihr eine Weile, wurde aber nicht schlau aus dem, was sie von sich gab.

„Pssst!“ Ich zwickte Roxy in die Seite. „Du verdirbst es dir mit der Göttin, wenn du so viel redest, statt dich zu konzentrieren.“

„Du bist diejenige, die sich konzentrieren sollte!“ Roxy zwickte mich ebenfalls. „Ich weiß ja schon, welche Eigenschaften mein Traummann haben muss. Ich wette, du hast noch nie darüber nachgedacht, was du dir überhaupt von ei nem Mann wünschst.“

„Ihr solltet euch alle beide konzentrieren“, warf Miranda ein und murmelte weiter.

Roxy und ich sahen uns schuldbewusst an.

„Es ist wirklich lieb von dir, dass du deinen Abend opferst und das für uns tust. Immerhin musstest du wegen der ritu ellen Reinigung deinen Laden früher schließen und so“, sagte Roxy lächelnd.

Ich nickte.

„Du bist eine wahre Freundin, Miranda“, fuhr Roxy fort. „Ich hoffe, du weißt, dass ich dich nicht gebeten hätte, die ganze Mühe auf dich zu nehmen, wenn es kein Notfall wäre! Aber nach diesem Date gestern Abend mit Mister Krakenarme … Tja, eine Frau muss eben etwas unternehmen, wenn selbst nach 250 Dates weit und breit kein geeigneter Lover in Sicht ist. Und natürlich kann Joy ebenfalls jede erdenk liche Hilfe gebrauchen!“

„Hey!“ Ich bedachte Roxy mit einem wütenden Blick, aber sie grinste mich nur an.

„Ich mache mir schon eine ganze Weile Sorgen um sie. Sie hat einen Job ohne Aufstiegschancen, einen Exfreund, der selbst einen Eiswürfel zu Tode langweilen würde, und keine anderen Hobbys als Lesen. Wenn wir die Sache jetzt nicht anpacken, verbringt sie den Rest ihres Lebens als keuscher Single in einem kleinen rosa Haus mit siebenunddreißig Katzen, die alle Kevin heißen, und hat zum Reden nur ihre erfolgreichen, glücklichen, katzenlosen Freundinnen.“

„Du leidest unter Wahnvorstellungen“, sagte ich herablassend. „Und fürs Protokoll: Du hast genauso wenig Aufstiegschancen wie ich!“

„Wenn du also in nächster Zukunft keinen geeigneten Mann für Joy auftauchen siehst“, fuhr Roxy fort, ohne auf meine Bemerkung einzugehen, „wäre es besser, wenn du lügen würdest. Sag einfach, du hast einen gesehen. Sie ist verzweifelt, wenn du verstehst, was ich meine.“

Und einsam. Ich war bereit, das zuzugeben. Sehr einsam. Ich wirbelte das Eis in meinem Glas herum und dachte über meine Einsamkeit nach. „Ich bin nicht verzweifelt, Rox. Ich bin nur … zu haben.“

„Nun, wir können ja immer noch in Deutschland suchen, falls wir keine netten amerikanischen Männer finden.“

Miranda öffnete die Augen und sah Roxy fragend an.

„Deutschland!“, rief ich ihr in Erinnerung. „Roxy und ich gehören zu der Truppe, die zur Frankfurter Buchmesse fährt. Ich muss zugeben, so einen leckeren blonden Deutschen würde ich nicht von der Bettkante stoßen. Glaubt ihr, da gibt’s auch welche in Lederhosen?“

Miranda öffnete den Mund, um etwas zu sagen, überlegte es sich jedoch anders und schüttelte den Kopf. Sie fuhr mit ihrem leisen Gemurmel fort, bei dem es sich laut dem Spickzettel, den Roxy mir vorher gegeben hatte, um ein Gebet handelte, in dem sie die Göttin um Kraft und Erleuchtung bat.

Ich beschäftigte mich eine Weile damit, kleine Eisstückchen in Davides Richtung zu schnippen, bis Miranda die Augen öffnete und mich mit einem Blick zur Ordnung rief, der einem Tiger die Streifen aus dem Fell gebeizt hätte. „Jetzt müsst ihr euch beide konzentrieren und euch euren Idealmann vorstellen. Öffnet euch dem Bild, das tief in euren Herzen und Seelen verankert ist. Konzentriert euch auf dieses Bild, ruft es euch ins Bewusstsein und sammelt euch so lange, bis eure Gedanken nur noch um dieses Bild kreisen.“

„Oh, prima, Zeit zum Träumen!“ Ich rieb mir die Hände und baute mir meinen Traummann aus den besten Teilen von Colin Firth, Alan Rickman und Oded Fehr zusammen, die vereint ein höchst ansehnliches Gesamtpaket ergaben, bei dem einem das Wasser im Mund zusammenlief.

„Ich bin zuerst dran!“, rief Roxy schnell und ich sah sie giftig an. Als Miranda seufzend nickte, richtete Roxy sich im Sitzen auf und machte sich so groß, wie sie es mit ihren knapp eins fünfundfünfzig eben konnte. Sie schloss die Augen und begann, die einzelnen Punkte an ihren Fingern abzuzählen. „Okay, hier ist meine Bestellung: Er sollte nicht zu groß sein, das ist Punkt Nummer eins und ganz wichtig. Gott weiß, wie viele Dates mit großen Männern ich schon hatte. Wisst ihr, wie irritierend es ist, wenn man einem Mann immer direkt auf die Brustwarzen glotzt? Ich hätte gern jemanden von mittlerer Größe, bitte. Und um es dir ein bisschen leichter zu machen, bin ich nicht wählerisch, was die Farbe der Haare und Augen angeht. Und der Mann muss nicht mal besonders gut aussehen, solange er richtig schöne Hände hat, kochen kann und ganz, ganz viele Kinder haben will.“

Miranda stand lächelnd auf und begann, rings um den Kerzenkreis Rosenblätter zu verstreuen, während sie ihren Sprechgesang fortsetzte. Dabei blieb sie viermal stehen und machte Schutzgesten in alle Himmelsrichtungen.

„Und er muss Humor haben. Darauf kann ich keinesfalls verzichten. Kandidaten, die sich als humorlos erweisen, werde ich aussortieren müssen. Das Leben ist einfach zu kurz, um sich mit einem Kerl abzugeben, der nicht auch ab und zu mal ein bisschen Quatsch macht.“

„Verstehe. Und du, Joy?“

Ich sah meine Freundin durchdringend an. „Mensch, Rox, lass dem Rest von uns auch noch ein bisschen Arbeitsmaterial übrig, ja?“

Sie schenkte mir ein süffisantes Grinsen, doch Miranda zog derart resolut eine Augenbraue hoch, dass ich mich auf der Stelle konzentrierte und versuchte, mir den perfekten Mann vorzustellen.

„Hm, also, groß, dunkelhaarig und gut aussehend ist ja selbstverständlich. Roxy hatte in einem Punkt recht, Humor ist wichtig. Ich würde allerdings einen Mann vorziehen, der gerne lacht.“

Roxy verdrehte die Augen.

„Und … ähm … also … Ich hätte gern jemanden, der … ähm … Tiere mag.“

„Wie langweilig!“

„Und er sollte gern lesen.“

„Na toll, ’ne Leseratte …“

Ich ignorierte Roxys Kommentar und konzentrierte mich wieder. Wenn ich mich schon auf diese Sache einließ, konnte ich es auch richtig machen. Ich dachte eine ganze Weile darüber nach, was mir an einem Mann wichtig war, was ich wirklich wollte und welche geheimen Wünsche in meinem tiefsten Inneren verborgen waren. Langsam tauchte aus dem Chaos in meinem Kopf ein Bild vor meinem geistigen Auge auf, das immer klarer wurde, während die kühle, nach Kräutern duftende Nachtluft über mich hinwegstrich. Das Bild wurde immer konkreter und mit ihm kamen die Worte, stockend und von einem merkwürdigen Gefühl begleitet, als spräche ich gar nicht selbst. „Seine düstere, faszinierende Ausstrahlung jagt mir wohlige Schauder über den Rücken. Er verzaubert mich, zieht mich in seinen Bann, schließt mich in die Aura von Geheimnis und Abenteuer ein, die ihn umgibt, und lässt mein Blut vor Verlangen kochen. Er braucht mich, er ist abhängig von mir und vertraut mir, wie er noch nie jemandem vertraut hat. Er bringt Licht in meine dunkelsten Stunden und seine Liebe erstrahlt hell wie ein Leitstern, der mir den Weg weist, wie verschlungen die Pfade auch sein mögen. Er schenkt mir Kraft und Zuversicht, und mein Leben beginnt im Grunde erst, wenn ich weiß, dass sein Herz mir gehört.“

„Ooooh!“, hauchte Roxy. „Das ist so romantisch! Das solltest du aufschreiben!“

Ichblinzelte,alsdasBildinmeinemKopfverschwammund sichinLuftauflöste.Mirwaretwasschwindelig,als hät te ichmehrerePurzelbäumehintereinandergeschlagen.DieganzeSachewarmirmehralsnureinbisschenunheimlich,bismirdieGin-Tonicswiedereinfielen,dieichgetrun kenhatte.AlkoholhattezwarnochniesolcheVisionenbeimirausgelöst,aberschließlichgabesfüralleseinerstesMal.

„Das will ich auch alles auf meiner Liste haben!“

„Zu spät, das gehört jetzt mir!“, entgegnete ich mit einem leicht benommenen Grinsen. Roxy boxte mich auf den Arm.

„Ist das alles?“, fragte Miranda uns und setzte sich wieder, nachdem sie alle Rosenblätter verstreut hatte.

„Bei mir schon. Der alte Gierschlund hier will ja die guten Sachen auf seiner Liste nicht mit mir teilen“, sagte Roxy schmollend.

Ich ging im Geist meine Checkliste noch einmal durch. Jawoll, ich hatte an alles gedacht, an alles bis auf ein letztes kleines Detail …

„Eine Bitte hätte ich noch“, sagte ich.

Miranda wollte gerade die dicke Kerze anzünden, die vor ihr stand, und hielt inne.

„Einen großen Schwanz“, fuhr ich fort. „Das ist wichtig, findet ihr nicht? Ich meine, die Größe spielt sehr wohl eine Rolle, ganz egal, was immer geredet wird, nicht wahr? Und da wir über den Mann fürs Leben sprechen, meinen Seelen verwandten, wird er der Einzige sein, mit dem ich bis an mein Lebensende schlafe. Da sollte er wirklich gut ausgestattet sein. Ich hätte gern etwas richtig Imposantes.“

„Joy Martine Randall!“, fuhr Roxy auf.

Ich sah sie unschuldig an. „Was ist? Bist du sauer, weil dir das nicht zuerst eingefallen ist?“

Ihre haselnussbraunen Augen funkelten und sie sah mich warnend an. Ich gackerte los. Sie war tatsächlich sauer, dass ich ihr in diesem Punkt zuvorgekommen war!

Miranda setzte eine derartige Leidensmiene auf, dass ich mein Gegacker auf ein etwas schicklicheres Kichern reduzierte. „Okay, das musst du nicht auf die offizielle Wunsch liste setzen. Ich kann mit einem Mann leben, der über ein durchschnittliches Gemächt verfügt, solange die restlichen Punkte vorhanden sind. Wenn er die anderen Anforderungen erfüllt, bin ich zufrieden.“

MirandaseufzteundschütteltedenKopf.„Ihrseidallebeidesooberflächlich!Wiesollicheuchhelfen,denrichtigenMannzufinden,wennihrnurdarandenkt,waserinderHosehatundoberübereureWitzelacht.DashieristeineernsteAngelegenheit.MitderMachtderGöttinistnichtzuspaßen.IhrsollteteuchmitLeibundSeelederSuchenachdiesemMannwidmenundnichtdieAlbernheitenausdiesenschrecklichenLiebesromanen nachplappern, die ihr beide ständig lest!“

Roxy und ich bildeten augenblicklich eine geschlossene Front gegen die Verurteilung unserer geliebten Liebes ro ma ne.

„Die sind überhaupt nicht albern oder schrecklich! Liebes romane sind durch und durch positiv und das reinste Lesevergnügen!“, protestierte meine Busenfreundin.

„Ja, genau!“, pflichtete ich ihr bei und schnippte erneut ein Eisstückchen in Davides Richtung. Er riss das Maul auf und bedachte mich mit einem leisen, jedoch so bedrohlichen Fauchen, dass sich meine Nackenhaare sträubten. Ich war zwar skeptisch, nahm mir aber vor, mich nicht mit Mächten anzulegen, von denen ich nicht wusste, ob sie existierten.

„Und was ist mit den Vampirbüchern, nach denen ihr beide regelrecht süchtig seid?“, hakte Miranda nach.

Irgendwie wurde die Luft im Raum immer dicker. Ich fragte mich, ob ein Gewitter im Anzug war. „Was soll damit sein?“, fragte ich zurück.

„Sie sind gefährlich.“

„Gefährlich? Wie können Bücher denn gefährlich sein? Das sind doch nur Geschichten, deren Helden zufällig Vampire sind, Miranda. Die Bücher rufen doch nicht zum Trinken von Blut auf oder so!“

„Manche Leute“, entgegnete Miranda, ohne ihren Blick von Roxy abzuwenden, „sehen in ihnen eine Art Leitfaden für ihr Leben.“

Ich schaute von Miranda zu Roxy. Letztere saß schweigend da und spielte an den Lederriemen ihrer Sandalen herum, ohne uns in die Augen zu sehen.

„Manche Leute glauben, dass jedes einzelne Wort darin wahr ist.“

Ich schüttelte den Kopf. „Niemand glaubt doch wirklich an die Vampire aus den Book-of-Secrets-Romanen“, entgegnete ich. „Das sind einfach geheimnisvolle, düstere Typen, die viele Frauen antörnend finden – ich eingeschlossen, wie ich ohne große Verlegenheit zugebe. Nur weil wir diese Geschichten mögen, heißt das noch lange nicht, dass wir an die Existenz von Vampiren glauben.“

„Ich glaube daran“, ertönte eine leise Stimme.

Ich starrte die Frau an, mit der ich seit neunzehn Jahren befreundet war.

„Ich glaube daran“, wiederholte sie lauter, mit mehr Selbst bewusstsein und einem trotzigen Gesichtsausdruck, den ich sehr gut kannte. „Ich glaube, dass es sie wirklich gibt. C. J. Dante, der Autor dieser Romane, hat gründlich in den Böhmisch-Mährischen Höhen recherchiert, wo die Dunklen leben. Er wohnt jetzt sogar im Drahaner Bergland, um ihnen näher zu sein und sie zu erforschen und zu verstehen. Ich glaube, dass es sie gibt.“

Roxy fühlte sich anscheinend durch unsere ungläubigen Blicke in die Defensive gedrängt, denn sie reckte ihr Kinn noch ein wenig mehr in die Höhe. „Also, das glaube ich wirklich!“

„Roxy …“ Ich schüttelte den Kopf. „Süße, es ist natürlich sehr verlockend, daran zu glauben, dass es so etwas wirklich gibt, aber ich bitte dich! Vampire? Männer, die Blut trinken, im Sonnenlicht verbrennen und mit inneren Qualen und Neurosen durch die Gegend laufen, weil sie nicht die Frau gefunden haben, die ihre Seele retten kann? Ich gebe ja zu, dass manche Typen, mit denen du aus warst, ein paar von diesen Kriterien erfüllen, aber wir werden ein sehr, sehr langes Gespräch führen müssen, wenn du anfängst, an Geister und Ghule und nächtlichen Spuk zu glauben!“

Ich hatte vergessen, in wessen Haus ich zu Gast war.

„Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Horatio, als eure Schulweisheit sich träumen lässt“, sagte Miranda gelassen.

„Ja, aber ich glaube nicht, dass Shakespeare an mährische Vampire dachte, als er das geschrieben hat“, erwiderte ich.

Sie sah mich nur schweigend mit ihren hellgrauen Augen an, die mich in diesem Moment sehr an den Vollmond erinnerten, wenn er am hellsten schien. Die Tatsache, dass Miranda an Dinge glaubte, deren Existenz ich bezweifelte, erinnerte mich unangenehm daran, was ich hier gerade mitten in einem Kreis aus Kerzen tat. „Hört mal, wollen wir nicht lieber weitermachen?“, fragte ich. „Bevor wir nach Deutschland fliegen, muss ich für Dr. Miller das komplette Biologiesor ti ment neu katalogisieren, und ich würde gern eine Mütze voll Schlaf bekommen, bevor ich mich morgen früh mit einem Stapel Bücher über Pilze, Sporen und Mehltau befasse.“

„Nein“, sagte Roxy störrisch. „Ich würde gern hören, wa rum MirandaandiegutenMächteglaubt,mitdenensiearbei tet, aber nicht eingestehen will, dass es solche Mächte auch auf der dunklen Seite geben könnte.“

Miranda schüttelte den Kopf und ihre roten Locken, die im Kerzenlicht golden glänzten, flogen hin und her. „Ich habe nie gesagt, dass ich nicht an dunkle Mächte glaube, Roxanne. Ich glaube daran, wirklich und wahrhaftig. Ich habe Dinge gesehen, die ich hoffentlich niemals wieder sehen muss, aber diese Art Gefahr meine ich gar nicht. Es ist vielmehr die Überzeugungskraft, die Intention des Autors, der Ideen in seine Fiktion einbaut, die gefährlich für eure Seelen sind.“

„Dantes Bücher sind zwar fiktional, da hast du recht“, entgegnete Roxy, „aber seine Fans wissen, dass die Geschichten auf Tatsachen basieren, die bei seinen Recherchen ans Licht gekommen sind. Ihr solltet euch mal die Webseiten ansehen, die sich mit den Stammbäumen von Dantes Helden befassen …“

„Das sind Romane für die breite Masse, die den Kult um blutsaugende Killer glorifizieren!“

„Oh!“, machte Roxy und sprang auf. Ich wollte sie noch am Hosenbein festhalten, aber sie wich mir aus und war drauf und dran, den Kreis zu verlassen. „Blutsaugende Killer? Weißt du denn nicht, dass jeder einzelne Vampir wegen seiner schrecklichen Existenz Höllenqualen leidet? Und keiner von ihnen bringt Leute um. Sie nehmen sich nur hier und da ein bisschen Blut. Ich verstehe nicht, was daran so schlimm sein soll!“

„Roxanne, wenn du dich nicht wieder hinsetzt, durchbrichst du den Kreis der Wahrheit und meine Bemühungen waren vergeblich.“

Roxanne ließ sich beleidigt auf den Boden sinken. „Nimm das zurück, Miranda!“

„Dieser Dante unterzieht euch einer Gehirnwäsche! Er bringt Unschuldige wie euch dazu zu glauben, man könne mit den dunklen Aspekten der Menschenseele herumspielen …“

„Luke, hüte dich vor der dunklen Seite!“, gab ich meine schönste Obi-Wan-Kenobi-Imitation zum Besten.

Beide Frauen schauten mich empört an. Ich lächelte entschuldigend und hob die Hände. „Tut mir leid, ich dachte, das wäre witzig. Weißt du, Miranda, ich will ja nicht pingelig sein, aber manches von dem, was du glaubst, könnte man schon für ein bisschen … daneben halten.“

„Um das, was ich glaube, geht es doch gar nicht! Ich mache mir Gedanken um diese albernen Geschichten, die ihr und andere Menschen für real halten.“

„Ich glaube nicht, dass sie real sind“, sagte ich, während Roxy gleichzeitig murmelte: „Sie sind viel realer als manche anderen Dinge, die ich jetzt aufzählen könnte.“

„Nur Dummköpfe lassen sich mit der dunklen Seite ein“, warnte Miranda.

„Vampire sind doch gar nicht böse, sie wirken nur auf den ersten Blick so!“, erwiderte Roxy.

Die beiden starrten sich wütend an, bis ich beschloss, die erhitzten Gemüter zu besänftigen.

„Würdet ihr vielleicht mit diesem Hickhack aufhören? Ihr lehrt einen ja das Gruseln mit eurem Gerede über die dunklen Aspekte der menschlichen Seele …“

MirandaschütteltedenKopf.„ÜberdiedunklenSeiten,diejeder von uns hat, sollte man sich nicht lustig machen, Joy.“

„Also gut. Tut mir leid. Einigen wir uns doch darauf, dass wir uns in diesem Punkt nicht einigen können“, schlug ich vor. „Roxy glaubt weiter daran, dass es in Mähren Vampire gibt, die nach Frauen suchen, die ihre Seele retten, und du bleibst bei deiner Meinung, dass der berühmte Autor C. J. Dante ein Irrer ist, der die Weltherrschaft anstrebt und dazu Millionen von frustrierten Hausfrauen einer Gehirnwäsche unterzieht. Okay? Sind wir jetzt alle zufrieden?“

„Ich bin erst zufrieden, wenn sie zurücknimmt, was sie über Vampire gesagt hat!“

Miranda seufzte und machte weit ausholende Handbewe gungen,umdieGrenzendesKreiseszuverstärken.„Naschön, ich nehme es zurück. Das sind harmlose kleine Bücher, die euch und Millionen anderer Vergnügen bereiten, und solange euch klar ist, dass es sich um Fiktion handelt, um absolute Fiktion, und nicht um Handbücher zur Erforschung dunkler Mächte, erhebe ich keine weiteren Einwände.“

Mehr war von Miranda als Entschuldigung nicht zu erwarten, schätzte ich, und Roxy kam offenbar zu dem gleichen Schluss, denn sie nickte.

„Ich möchte euch beiden aber die Warnung mitgeben“, fügte Miranda hinzu und drohte uns mit dem Zeigefinger, „dass diejenigen, die mit dem Feuer spielen, damit rechnen sollten, von den Flammen verschlungen zu werden.“

„Verschlungen vom Feuer der Leidenschaft.“ Ich grinste Miranda an und fingerte die letzten Eisstückchen aus meinem Glas. „Das klingt ja wie aus einem Buch von Dante! Es gibt Schlimmeres, würde ich sagen.“

Davide bedachte mich erneut mit einem kaum hörbaren Fauchen.

2

„Glaubst du, sie ist sauer auf uns?“

Roxy verdrehte die Augen und schaltete in den dritten Gang. Ihr alter MG bretterte in die Lücke zwischen zwei Sattelschleppern, die für meinen Geschmack viel zu klein war. Als ich aufhörte zu schreien und die Hände wieder von meinen Augen nahm, sah ich sie wütend an.

„Nein, ich glaube nicht, dass Miranda sauer auf uns ist“, antwortete sie.

„Oh, gut.“ Wenn es eine Regel gab, die in meinem Leben galt, dann die, dass man niemals den Zorn einer Hexe auf sich ziehen sollte.

„Ich glaube, sie ist sauer auf dich!“

„Ist sie nicht!“, entgegnete ich empört und versuchte, meineBeineineinebequemerePositionzubringen.In ihremwinzigenAutohatteichdieKniepraktischdirektunterdem Kinn. Meiner Erfahrung nach gehörten Leute, die eins achtzig groß und stämmig gebaut waren, eigentlich nicht in kleine Sportwagen. „Du hast doch die ganze Zeit davon geschwafelt, dass du an Vampire glaubst!“

„Nun, das tue ich eben. Aber du auch!“

„Stimmt ja gar nicht!“

„Ha! Erst letzte Woche, als du Book of Secrets XII fertig gelesen hattest, hast du gesagt, dass Xavier der schärfste Vampir in ganz Mähren ist und dass er sich niemals der Entscheidung hätte stellen müssen, wenn du dabei gewesen wärst, weil du ihn gerettet hättest, bevor er in diese verzweifelte Lage geriet. Na los, sag schon, dass du das nicht behauptet hast! Sag mir, dass du nicht Anspruch auf ihn erhoben hast, bevor ich es tun konnte!“

„Pah! Ich glaube nicht an diesen ganzen Hokuspokus und das weißt du.“

„Wenn du nicht daran glaubst, warum machst du dann Runendeutungen für andere Leute durch, hmmmm?“

Ich lächelte müde. „Weil die Steine so hübsch sind. Du weißt ganz genau, dass das nur ein Partygag ist, nicht mehr.“

„Ha! Ein Partygag! Das erklärt aber nicht …“

„Vorsicht!Verdammt,Roxy,passdochauf,woduhinfährst!“

Sie hupte und winkte dem Fahrer des Lasters zu, an dem wir nach ihrem Ausweichmanöver vorbeibrausten, bevor es auf dem Highway in die nächsten Kurven ging, die für die Straßen im ländlichen Oregon so charakteristisch waren. Ich las Roxy wegen ihrer leichtsinnigen Fahrweise, mit der sie uns fast umgebracht hätte, tüchtig die Leviten, worauf sie mit einem beleidigten Schweigen reagierte. Ich nutzte die Stille, um über den Abend bei Miranda nachzudenken. Roxy tat offenbar das Gleiche.

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