Beschreibung

Der Vampir Alec wurde verbannt, weil er eine Sterbliche umbrachte, die versehentlich seine Seelengefährtin getötet hatte. Doch als er der hübschen Corazon begegnet, fühlt er sich augenblicklich zu ihr hingezogen. Ist es Zufall, dass sie ihn so sehr an seine verstorbene Geliebte erinnert?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 442

oder

Katie MacAlister

Ein Vampir liebt auch zweimal

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Antje Görnig

Acht Jahre lang hat Laura Cifelli meine Bücher redaktionell betreut, eine bezaubernde Frau, wegen deren urkomischem Humor ich mich schon oft verschluckt habe (sodass ich schnell gelernt habe, während unserer Telefonate nichts zu trinken). Nun hat Laura beschlossen, das Verlagswesen zu verlassen, und ich bin ihr sehr dankbar für ihre bisherige Hilfe und Unterstützung und die Begeisterung für sexy Kerle, die sie mit mir geteilt hat. Ich schätze mich glücklich, sie kennengelernt zu haben, und widme ihr Alec mit Freuden – äh … Alecs Buch, meine ich. Sie hatte sich ja schon in Baltic verguckt. Und eigentlich braucht sie Alec auch gar nicht …

Danke für alles, Laura!

Prolog

Alec Darwin lag im Sterben. Nur ein winziges, allerletztes Fünkchen Leben trennte ihn noch vom Tod.

Er schloss die Augen und versuchte sich zu entspannen, doch dann merkte er, wie sich ihm ein Stein in den Rücken bohrte. Sollte er sich dazu aufraffen, ihn zu entfernen, damit er bis in alle Ewigkeit bequem lag? War so eine Belanglosigkeit überhaupt der Mühe wert? Und hatte er noch die nötige Kraft dazu? Er hatte es gerade noch geschafft, sich zu der Stelle zu schleppen, die er am Vortag von sämtlichen Steinen befreit hatte und die seine letzte Ruhestätte sein sollte.

Er bewegte verdrossen die Schulter. Der Stein drückte gegen seine Niere und die Schmerzen lenkten ihn von seinem Plan ab. Verdammt, er hatte keinen Stein gesehen, als er entkräftet zu Boden gesunken war und sein Körper das letzte bisschen Energie aus den ein bis zwei Teelöffeln Blut herausgequetscht hatte, die seinem sterbenden Leib noch als Nahrung verblieben waren.

Während er langsam im Akasha dahinschied, hätte er sich seinem Martyrium hingeben sollen und gar nicht an den verdammten Stein von der Größe einer Wassermelone denken dürfen, der ihn plagte. Er hätte an das erbärmliche Leben zurückdenken sollen, das zu leben er gezwungen gewesen war; eine Tragödie ohne jede Freude, Zufriedenheit und Hoffnung. Er hätte gar nicht darüber nachdenken dürfen, ob ihn der verdammte Stein endlich in Ruhe sterben ließ, wenn er sich auf die Seite drehte.

Wäre seine Auserwählte nur nicht gestorben! Wäre er nur ein paar Minuten früher bei ihr gewesen, dann hätte er sie retten können, als diese dämliche Schnitterin die Kontrolle verloren hatte. Hätte er ihr nur beigewohnt und die Vereinigung mit ihr vollzogen, gleich nachdem er sie als seine Auserwählte erkannt hatte, statt auf ihre menschlichen Gefühlsduseleien und ihre Forderung einzugehen, ihr zuvor den Hof zu machen!

Während er seinen letzten Atemzug tat, versuchte er, sich das Bild ihres Gesichts ins Gedächtnis zu rufen, das Bild seiner einzigen wahren Liebe; der Frau, die auf die Welt gekommen war, um ihn zu retten, und die ihr Leben bei einem dummen Unfall lassen musste, der letztlich für seinen Tod verantwortlich war.

Er verlor Stück für Stück das Bewusstsein, der Stein störte ihn immer weniger, und die letzten Impulse zwischen seinen Gehirnzellen brachten nicht das gewünschte Bild seiner Auserwählten hervor, sondern das einer Frau, die einige Monate zuvor ohnmächtig zu seinen Füßen gelegen hatte.

1

Der Traum fing an wie immer.

»Was sehen Sie, Corazon?«

Die entspannte Stimme gehörte Barbara, der Hypnotherapeutin, die Patsy für unseren halbjährlichen Frauenabend engagiert hatte.

»Schlamm. Ich sehe Schlamm. Also, Schlamm und Gras und so was. Aber hauptsächlich Schlamm.«

»Sind Sie sicher, dass sie unter Hypnose steht?«, fragte Patsy misstrauisch. Sie war die Skeptikerin in unserer Runde. »Ich finde, es sieht nicht danach aus. CORA! Kannst du mich hören?«

»Ich müsste zehn Kilometer weit weg sein, um dich nicht zu hören. Ich bin hypnotisiert, nicht taub!« Ich sah sie giftig an, woraufhin wiederum sie mich giftig ansah.

»Moment mal …«, sagte sie plötzlich und zeigte mit theatralischer Geste auf mich, die ich bäuchlings auf der Couch lag. »Du dürftest mich eigentlich gar nicht hören!«

»Ist es richtig, dass ihr bewusst ist, dass sie unter Hypnose steht?«

Das war Terri, das dritte Mitglied unseres kleinen Terrortrios, wie mein Exmann uns immer genannt hat.

Der Dreckskerl.

»Das beeinträchtigt doch nicht die Rückführung, oder?«, fragte Terri Barbara.

»Hypnose ist kein magischer unbewusster Zustand«, entgegnete Barbara gelassen. »Corazon ist einfach entspannt, in Kontakt mit ihrem wahren inneren Selbst und hat ihr Bewusstsein den vielfältigen Erinnerungen an ihre früheren Leben geöffnet. Ich versichere Ihnen, dass sie sich wirklich in Hypnose befindet.«

»Ich hole schnell eine Nadel und piekse sie damit«, sagte Patsy und ging zum Bücherschrank, der außer mit Büchern mit vielen anderen Dingen vollgestopft war. »Wenn sie reagiert, wissen wir, dass sie uns nur etwas vormacht.«

»Untersteh dich!« Ich setzte mich ruckartig auf, um mich in Sicherheit bringen zu können, falls sie mir tatsächlich mit irgendetwas Spitzem auf den Leib rückte.

»Bitte, meine Damen.« Barbara zeigte zwar keine Anzeichen von Hektik, aber mir war klar, dass sie uns zur Eile treiben wollte, damit sie möglichst schnell wieder verschwinden konnte. »Unsere Zeit ist begrenzt. Corazon ist in einer leichten Trance, die man auch als Alpha-Zustand bezeichnet. Sie hat Zugang zu ihrem höheren Ich gefunden, zu ihrem wahren unendlichen Wesen, und kann nun die Grenzen der Zeit überwinden.«

»Ja, ja, hab ich schon längst überwunden«, sagte ich und sank wieder auf die Couch. Obwohl es nur ein Traum war – und ich wusste, dass es ein Traum war –, zog sich mir bei dem Gedanken an das, was nun kam, der Magen zusammen. »Also macht es euch gemütlich und genießt die Show! Was soll ich tun, Barbara?«

»Sehen Sie sich um. Schauen Sie sich die Umgebung an. Sagen Sie uns, was Sie sehen, was Sie fühlen.«

»Ich sehe Schlamm. Ich fühle Schlamm. Ich bin Schlamm.«

»In ihrem früheren Leben muss es doch mehr gegeben haben als Schlamm«, bemerkte Terry Popcorn kauend.

Mir drehte sich der Magen um. Gleich war es so weit. Es dauerte nicht mehr lange. Das Grauen rückte näher.

»Sehen Sie Häuser oder irgendwelche anderen Gebäude, die Ihnen einen Hinweis auf das Jahr geben könnten, in dem Sie sich jetzt befinden?«, fragte Barbara.

»Äh … links von mir ist nur Wald. Ich stehe offenbar auf einem Feldweg oder so. Ich gehe mal auf diesen kleinen Hügel – oh! Wow! Da unten ist eine Siedlung. Und da hinten in der Ferne, auf einem hohen Felsen, steht ein Schloss. Viele winzig kleine Menschen laufen auf den Feldern und Wiesen außerhalb der Siedlung umher. Cool! Es muss so etwas wie ein mittelalterliches Dorf sein. Ich geh mal runter und sag Hallo.«

»Ausgezeichnet«, sagte Barbara. »Und wie fühlen Sie sich jetzt?«

Mir war schlecht. Ich hatte Angst. Große Angst.

»Na ja«, sagte meine Stimme, ohne meine Traumempfindungen preiszugeben, »ich bin irgendwie hungrig. Nein, sehr hungrig. Ich bin von einem unglaublichen Hunger getrieben. Na toll, ich bin eine Bäuerin, nicht wahr? Ich bin eine arme, ausgehungerte Bäuerin, die irgendwo im Schlamm steht. Ist ja reizend!«

»Wir sind nicht hier, um über unsere früheren Ichs zu urteilen«, belehrte mich Barbara.

»Meine Güte, Cora!«, sagte Patsy empört und setzte sich ans Fußende der Couch. »Terri war Kleopatras persönliche Dienerin und ich war eine von Cäsars Konkubinen. Du bist eine Blamage für das Team, Süße. Du könntest wenigstens eine mittelalterliche Prinzessin mit einem hohen spitzen Hut sein oder so!«

Konnte ich eben nicht. Seinetwegen.

Abscheu und Schrecken erfüllten mich, während meine Stimme fortfuhr: »Ich habe Schuhe an. Bauern trugen doch damals keine Schuhe, oder?«

»Manche haben bestimmt welche getragen«, meinte Terri und stopfte sich eine Handvoll Popcorn in den Mund.

»Können Sie zu der Siedlung gehen?«, fragte Barbara. »Vielleicht finden wir heraus, wer Sie sind, wenn wir wissen, wo Sie sind.«

»Ja, ich gehe jetzt den Hügel runter.«

Als ich plötzlich ein lautes Rumpeln hinter mir hörte, krallte ich erschrocken die Finger in die Couchpolster. »Hey, pass auf, wo du … Oh mein Gott! OHMEINGOTT!«

»Was ist los?«, fragte Barbara und klang mit einem Mal besorgt.

Zu Recht.

»Ich wurde gerade von einer Frau mit einem Ochsenkarren überfahren.«

»Was?«, kreischte Patsy.

»Sie hat mich überfahren. Ihre Ochsen sind Amok gelaufen oder was weiß ich. Sie sind hinter mir den Hügel runtergekommen und haben mich einfach überrannt. Heiliger Bimbam! Jetzt trampeln die Ochsen auf mir herum und die Frau auf dem Karren schreit und … Um Himmels willen, jetzt ist gerade mein Kopf abgegangen! Er ist einfach runtergefallen und weggerollt! Unglaublich!«

In meinem Traumzustand war mir bewusst, dass Terri in diesem Moment mit einer Handvoll Popcorn vor dem Mund erstarrt war und mich mit riesengroßen Augen anglotzte, weil sie nicht glauben konnte, was ich da von mir gab.

Wenn sie nur wüsste …

»Oje! Ich hatte … Bei mir ist noch nie jemand während einer Rückführung gestorben«, sagte Barbara. Sie klang gestresst. »Ich weiß nicht genau, wie ich fortfahren soll.«

»Du wurdest … enthauptet?«, fragte Patsy. »Bist du sicher?«

»Ich bin ganz sicher, Pats. Mein Kopf wurde vom Körper abgetrennt, der wiederum mit Hufabdrücken übersät ist. Ein Rad ist wohl genau über meinen Hals gefahren. Das ist… Würg. Das ist wirklich ekelhaft! Warum werde ich in meinem früheren Leben von einem Ochsenkarren überfahren? Warum kann ich nicht Kleopatras Konkubine sein?«

»Persönliche Dienerin, nicht Konkubine«, verbesserte mich Terri, stopfte sich das Popcorn in den Mund und begann hektisch zu kauen. »Bist du absolut sicher, dass du tot bist? Vielleicht sieht es schlimmer aus, als es ist.«

Der Traumteil meines Bewusstseins merkte an, dass es noch viel schlimmer werden würde.

Ich bekam eine Gänsehaut auf den Armen.

»Mein Kopf ist einen guten Meter von meinem Körper entfernt. Ich glaube, das ist ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass ich tot bin. Grundgütiger! Was tut sie denn jetzt?«

»Wer?«, fragte Patsy.

»Die Frau. Sie tut doch nicht, was ich denke, dass sie tut, oder?«

»Keine Ahnung«, sagte Terri und stellte die Popcornschüssel zur Seite, um näher an mich heranzurutschen.

»Das ist höchst ungewöhnlich«, murmelte Barbara vor sich hin.

»Was macht die Frau denn nun?«, fragte Patsy und stupste mich am Knie an.

»Sie versucht, mir den Kopf wieder aufzusetzen. Gute Frau, das wird nicht funktionieren! Nein, festbinden geht auch nicht. Ha, habe ich doch gesagt! Oh nein, nicht in den Schlamm fallen lassen! Um Himmels willen, als wäre ich nicht schon schmutzig genug! Was für ein Schussel! Jetzt rennt sie den Ochsen hinterher, die auf die Wiese abgehauen sind. Ach nein, sie kommt wieder zurück. Sie winkt und es sieht aus, als würde sie schreien, aber ich kann nichts hören. Wahrscheinlich wegen des Schocks, den ich durch die Enthauptung erlitten habe.«

»Das ist ja völlig abgedreht«, sagte Terri. »Meinst du, sie hat dich mit Absicht überfahren?«

»Ich glaube nicht. Sie scheint irgendwie daneben zu sein. Gerade ist sie über mein Bein gestolpert und auf meinen Kopf gefallen. Au Mann! Ich glaube, sie hat mir die Nase gebrochen! Allmächtiger, das ist ja wie eine Mischung aus Marx Brothers und Kettensägenmassaker … Ach, du lieber Schwan!«

»Was?«, fragten Terri und Patsy gleichzeitig.

»Sie macht da was. Etwas Merkwürdiges.«

»Oh mein Gott – nimmt sie etwa sexuelle Handlungen an deinem toten Körper vor?«, fragte Terri. »Ich habe kürzlich erst eine Sendung über Nekrophilie auf HBO gesehen!«

»Nein, sie befummelt mich nicht. Sie steht über mir und fuchtelt mit den Händen herum und singt irgendwas. Was zum … Jetzt hat sie … Hilfe!«

Er war nicht mehr weit. Ich konnte ihn noch nicht sehen, aber er war gleich hinter der Hügelkuppe.

Er war der Tod.

»Bleiben Sie ruhig«, sagte Barbara. »Für Sie besteht keine akute Gefahr. Beschreiben Sie einfach so ausführlich wie möglich, was Sie sehen.«

»Also, für mich sind Enthaupten und Grillen schon ziemlich akute Gefahren«, erwiderte ich.

»Grillen?«, fragte Patsy. »Macht irgendwo jemand ein Spanferkel?«

»Nein, die Frau hat mit den Händen gewedelt, und plötzlich war dieses grelle silberne Licht da, rings um meinen Körper, und hat mich versengt. Oh, super, da kommt jemand.« Nein!, schrie es in mir. Nicht schon wieder! Lieber Gott, bitte nicht schon wieder! »He, Sie da! Könnten Sie die Frau davon abhalten, das mit dem Licht zu machen? Sie hat schon die Hälfte meiner Haare verschmort!«

»Das ist wirklich das Seltsamste, was ich jemals gehört habe«, sagte Terri zu Patsy. »Du machst echt immer die besten Partys!«

»Alles eine Frage der Planung«, entgegnete Patsy und stupste mich abermals am Knie an. »Was passiert jetzt, Cora?«

»Der Typ hat mich gerade gesehen. Er hat ruckartig einen Schritt zur Seite gemacht. Wahrscheinlich, weil die Frau meinen Kopf verstecken wollte und mein Ohr im hohen Bogen weggeflogen und vor seinen Füßen gelandet ist. Jetzt hebt er es auf. Er brüllt sie an. Sie zeigt auf die Ochsen auf der Wiese, aber er sieht ziemlich sauer aus. Ja, geben Sie’s ihr! Sie sollte nicht mit dem Karren fahren, wenn sie ihre Viecher nicht im Griff hat!«

Angesichts dessen, was nun kam, krampfte sich mir das Herz zusammen.

»Daraus könnte man einen tollen Film machen«, sagte Patsy nachdenklich. »Wir sollten echt versuchen, ein Drehbuch zu schreiben. Wir könnten Millionen damit verdienen!«

»Also, jetzt hat der Typ meinen Kopf und hält ihn hoch, während er die Frau weiter zur Schnecke macht. Hoppla! Plötzlich hat er nur noch ein Haarbüschel in der Hand und mein Kopf rollt den Hügel runter. Der Typ und die Frau laufen hinterher. Hihi, also, das ist wirklich witzig, wenn auch makaber. Ah, gut gemacht! Der Typ hat meinen Kopf zu fassen gekriegt und bringt ihn zurück zu meinem Körper. Die Frau zerrt er hinter sich her. Hey, brr, jetzt aber … Um Himmels willen!«

Ich bemühte mich nach Leibeskräften, mich aus dem Traum herauszuwinden, wie ich es immer tat. Aber es hatte noch nie etwas gebracht. Die Szene würde sich wieder genau so abspielen wie beim ersten Mal.

»Hat er deinen Kopf wieder fallen gelassen?«, fragte Terri mit großen Augen.

Ich geriet in Panik. »Nein, er hat … heilige Scheiße! Ich will hier raus! Holt mich sofort aus diesem Traum oder was immer das ist! Weckt mich auf!«

»Bitte regen Sie sich nicht auf«, sagte Barbara mit beruhigender Stimme. »Die Bilder, die Sie sehen, liegen in der Vergangenheit und können Ihnen keinen Schaden zufügen.«

»Was ist denn los? Was hat der Typ gemacht?«, fragte Terri.

»Ich will aufwachen! Sofort!«, rief ich und versuchte mich aufzurichten.

»Na gut, ich zähle jetzt rückwärts bis eins, und bei eins wachen Sie erholt und völlig entspannt auf. Fünf, vier, drei, zwei, eins. Hallo, Corazon, wie fühlen Sie sich?«

»Alles in Ordnung?«, fragte Patsy, als ich mich keuchend aufsetzte, während mir die Erinnerung an das, was ich gesehen hatte, das Blut in den Adern gerinnen ließ.

»Ja, ich denke schon.«

»Was ist zum Schluss passiert?«, fragte Terri. »Du sahst aus, als hättest du Todesängste ausgestanden.«

»Du hättest auch Angst, wenn du sehen würdest, wie ein Vampir jemanden umbringt!«

Ich setzte mich keuchend auf, blinzelte mehrmals, während die Erinnerungen an den Traum langsam verblassten, und stellte fest, dass ich in Sicherheit war; allein in meiner kleinen Wohnung und befreit von dem grünäugigen dunkelhaarigen Monster, das vor meinen Augen eine Frau getötet hatte.

Ich ließ mich zurück auf mein Kissen sinken und überlegte, warum ich immer wieder von Patsys Frauenabend träumte und jedes Mal aufs Neue in dieser grausigen Szene aus einem früheren Leben landete. Warum kamen die Träume in letzter Zeit immer häufiger? Warum war ich dazu verdammt, diese furchtbare Begebenheit, die mich so sehr in Angst und Schrecken versetzte, immer wieder zu durchleben?

Wie ich aus leidvoller Erfahrung wusste, brauchte ich erst gar nicht zu versuchen wieder einzuschlafen. Ich stand auf und ging ins Badezimmer. Ich wollte mir die Zähne putzen, um den grässlichen Geschmack der Angst loszuwerden, den ich im Mund hatte, dann würde ich mir ein Buch nehmen und so lange lesen, bis mir vor Müdigkeit die Augen zufielen.

Und ich würde beten, dass sich der grünäugige Vampir aus meinen Träumen heraushielt.

»Und dann hat Dee gesagt: ›Schatz, wenn man nach oben will, muss man sich anstrengen. Das gilt beim Sex genauso wie bei allem anderen.‹ Na, du weißt ja, wie er ist, Cora – er ist so ein Spaßvogel, und natürlich war ich in dem Moment oben, aber davon willst du sicherlich nichts hören …«

»Wie kommst du nur darauf, dass ich nichts davon hören will, wie du mit meinem Exmann Sex hattest?« Das Gespräch mit meiner Freundin und die tiefen Furchen in der langen Zufahrt zum Haus Astley gingen mir zunehmend auf die Nerven.

Als der Wagen über eine besonders tiefe Rille holperte, klammerte ich mich ans Armaturenbrett, während Diamond den verheerenden Zustand des Privatwegs gar nicht zu bemerken schien. »Es ist ja nicht so, als würdest du das nicht kennen, es sei denn, Dee hätte nie mit dir ›Cowgirl und einbeiniger Rodeo-Clown‹ gespielt, und das hat er ganz bestimmt, weil er es so furchtbar liebt. Aber das tut jetzt nichts zur Sache, nicht wahr?«

»Nein, wirklich nicht«, entgegnete ich, musste aber insgeheim grinsen.

Sie schwieg einen Moment, dann sah sie mich fragend an. »Du bist mir doch nicht wegen irgendetwas böse, oder, Corazon? Doch nicht wegen Dee? Oder weil wir dich nicht zur Hochzeit eingeladen haben? Dee hielt es für das Beste, keine große Feier zu machen, weil eure Scheidung erst an dem Tag rechtskräftig wurde, und so sind wir nach Vegas gefahren.«

»Nein«, sagte ich seufzend. »Ich bin dir nicht böse – weder wegen der verpassten Party, noch weil du meinen Ex geheiratet hast. Unsere Ehe war kaputt, bevor du ins Spiel kamst. Es ist einfach …« Ich hielt inne, denn ich wollte ihr eigentlich gar nicht mein Herz ausschütten. Ich hätte Diamond so gern gehasst, weil sie mir den Mann weggenommen hatte, weil sie so herrliche blonde Haare und eine göttliche Figur hatte und in der Immobilienfirma innerhalb kürzester Zeit von der Empfangssekretärin zur Topmaklerin aufgestiegen war, während ich mich immer noch als einfache Sekretärin abrackerte – aber leider konnte ich sie weder hassen noch verachten. Ich brachte nicht einmal eine leichte Abneigung gegen sie zustande. Sie hatte es geschafft, dass Dermott, der alte Schwerenöter, mit dem ich drei Jahre verheiratet gewesen war, nur noch Augen für sie hatte; sie bezauberte jeden, mit dem sie in Kontakt kam, und sie hatte so ein sonniges Gemüt, dass sie sich nie die Laune verderben ließ, sosehr ich sie auch manchmal vor den Kopf stieß.

»Fühlst du dich einsam?«, fragte sie mit einem Wahrnehmungsvermögen, das mir nicht ganz geheuer war.

»Mir fehlt einfach meine Schwester«, sagte ich, aber wir wussten beide, dass es nur eine lahme Ausrede war. »Jas hat zwar früher in Washington gewohnt, aber wir haben trotzdem fast jeden Tag miteinander gesprochen.«

»Sie hat doch einen Schotten geheiratet, nicht wahr?«

»Ja.« Ich verzog das Gesicht, als wir über eine besonders tiefe Furche rumpelten und ich mir den Kopf am Dach des Wagens anstieß. Diamond musste nicht unbedingt wissen, was für ein Schotte Jacinthas Mann genau war. Und was Jas war, auch nicht.

»Es muss sehr schwer für dich sein, dass sie jetzt so weit weg ist. Hast du eigentlich inzwischen wieder einen Freund?«

Aus irgendeinem Grund musste ich an den dunkelhaarigen, grünäugigen Mörder denken. Ich hätte tot sein müssen, um nicht mitzubekommen, dass es sich bei diesem blutsaugenden Teufel um einen äußerst gut aussehenden Mann handelte. »Nein, hab ich nicht.«

»Oh, das ist übel.«

Ich hatte keine Lust mehr, die Starke zu spielen. »Ja, ziemlich übel. Ich kann dir gar nicht sagen, wie schwer es ist, heutzutage einen Mann zu finden. Sie sind alle so … ich weiß auch nicht, irgendwie oberflächlich. Sie kreisen nur um sich selbst und ihre Arbeit, und keiner scheint wirklich intellektuelle Tiefe zu besitzen. Ist es denn zu viel verlangt, dass ein Mann in sich ruhen sollte? Dass er in der Lage sein sollte, ab und zu mal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen? Mir begegnen immer nur Männer, die bis über beide Ohren beschäftigt sind.«

»Hast du es schon mal mit einer Online-Partnervermittlung probiert?«, fragte Diamond, als wir an einer verwahrlosten Rasenfläche vorbeifuhren, die mit abgefallenen Ästen von alten Erlen übersät war. »Eine Freundin von mir hat auf diese Art den Richtigen gefunden.«

»Hab ich probiert. Ich hab mich auch mit den Typen getroffen – und ihnen kurz darauf den Laufpass gegeben«, entgegnete ich und schaute in Selbstmitleid versinkend aus dem Fenster.

»Ich werde mir etwas einfallen lassen«, sagte Diamond nach einer kleinen Pause. »Du bist ein nettes Mädchen, Corazon. Du hast es verdient, glücklich zu werden.«

Ich seufzte niedergeschlagen und verzichtete darauf, meine Zustimmung zu äußern. Ich kam mir auch so schon erbärmlich genug vor.

»Also, ich denke, du solltest Dees Rat annehmen«, fuhr sie fort.

»Welchen Rat denn?«, fragte ich etwas überrascht, denn die Vorstellung, einen Rat meines Exmanns anzunehmen, noch dazu in Bezug auf mein Liebesleben, widerstrebte mir zutiefst.

»Das mit dem Hocharbeiten. Dieser Auftrag hier …«, sagte sie und wies mit dem Kopf auf das alte Gebäude, das vor uns in den blauen kalifornischen Himmel aufragte, »ist eine gute Gelegenheit, Karriere zu machen. Wenn man es richtig anstellt, kann man Großes damit erreichen.«

»Du bist hier die Maklerin.«

»Ich könnte Aufträge an dich abgeben«, sagte sie mit einem entschlossenen Nicken. »Es wäre gut für dich, mal vom Schreibtisch wegzukommen und neue Leute kennenzulernen. Ich komme beruflich mit vielen Männern zusammen, mit erfolgreichen Männern, die dich bestimmt reizen würden.«

Ich warf einen Blick auf das Haus und grinste in mich hinein. »Ich weiß dein Angebot sehr zu schätzen, Diamond, wirklich, aber ich glaube nicht, dass sich ein knackiger, kultivierter Mann für diesen alten Kasten oder für mich interessieren wird.«

»Das weißt du erst, wenn du es ausprobierst. Ich werde Dee sagen, dass du den Verkauf dieses Hauses übernimmst. Es wird dir guttun und Dee wird schon keinen Aufstand machen, wenn ich ihm sage, wie sehr du einen Mann brauchst.«

Ich stöhnte leise. Dass Dermott erfuhr, wie sehr ich mich nach einem Mann in meinem Leben sehnte, hatte mir gerade noch gefehlt. Aber es war ein nettes Angebot und ich wollte Diamonds Gefühle nicht verletzen, also sagte ich nur: »Ich werde darüber nachdenken.«

»Papperlapapp, du wirst nicht nur darüber nachdenken – dieser Auftrag wird dein Durchbruch in der wunderbaren Immobilienbranche! Und in der Männerjagd natürlich.«

Ich lachte, band mein Haar zum Pferdeschwanz und vergewisserte mich, dass der Akku meiner Digitalkamera noch voll genug war, damit ich vier, fünf Dutzend Fotos schießen konnte. »Das ist nur ein leer stehendes Haus, das verkauft werden muss, weil seit Jahren ein erbitterter Erbschaftskrieg darum geführt wird. Es kann wohl kaum Wunder bewirken, weder für meine Karriere noch für mein Liebesleben.«

»Du würdest staunen, was alles möglich ist«, entgegnete Diamond mit einem Lächeln auf ihren perfekten sinnlichen Lippen und brachte den schaukelnden Wagen an der Seite des riesigen viktorianischen Hauses zum Stehen, das früher möglicherweise einem Holz- oder Eisenbahnmagnaten gehört hatte. Inzwischen war es beinahe abbruchreif. Von der verwitterten Fassade blätterte die Farbe ab, die Fenster waren mit Brettern vernagelt und in dem überwucherten Garten lagen überall Stücke von herabgefallenen Dachschindeln herum.

Diamond sah mich an. »Glaubst du mir etwa nicht?«

»Nein, bedaure.«

Sie sah mich mit zusammengekniffenen Augen an. »Du gehörst doch nicht etwa zu diesen Skeptikern, oder? Zu diesen Leuten, die nicht an übernatürliche Dinge glauben?«

Ich biss mir auf die Lippen, um nicht in hysterisches Gelächter auszubrechen. Ein Teil von mir, den meine Mutter immer meinen kleinen Teufel nannte, hätte ihr liebend gern gesagt, dass jemand, der eine Gestaltwandlerin zur Schwester hatte, die mit einem Vampir verheiratet war, wohl kaum ein Skeptiker sein konnte. Doch ich stopfte meinem kleinen Teufel das Maul und lächelte nur. »Ganz und gar nicht.«

»Oh, gut. Ich weiß, ich sollte toleranter sein, aber ich begreife einfach nicht, wie sich jemand den Wundern der Welt gegenüber verschließen kann. Meine Urgroßmutter hat mir mal gesagt, dass es mein Tod sein würde, mich derart zu verschließen. Und weißt du was? Sie hat recht gehabt. Das einzige Mal, als ich nicht aufgeschlossen war, bin ich gestorben.«

Ich starrte sie verblüfft an, als sie aus dem Wagen stieg. Hatte ich richtig gehört? »Du bist …gestorben?«, fragte ich und stieg ebenfalls aus.

»Ja. Ich bin in Schwierigkeiten mit …« Sie sah mich flüchtig an. »Sagen wir einfach, ich bin in Schwierigkeiten geraten und habe den Preis dafür bezahlt. Die Nahtoderfahrung war zwar ziemlich interessant, aber ich habe meine Lektion gelernt und seitdem bin ich allem und jedem, Menschen und anderen Wesen gegenüber sehr aufgeschlossen.« Sie nahm ihre Tasche und holte ihre Kamera heraus. Während sie einen Schlüsselbund hervorkramte, begutachtete sie das Haus. »Mann, das ist wirklich groß, was? Es hat vier Stockwerke. Wie wäre es, wenn du den Keller und den ersten Stock fotografierst und ich mir den zweiten und das Dachgeschoss vornehme?«

»Einverstanden. Ähm …« Ich folgte ihr, als sie die Stufen zu der großen zweiflügeligen Eingangstür hinauftänzelte. Ich setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen, weil ich nicht sicher war, ob die halb vermoderte Holztreppe und die ebenso baufällige Veranda meinem nicht unbeträchtlichen Gewicht standhielten. »Sag mal, meinst du mit ›anderen Wesen‹ zufällig auch Vampire? Oder … Wie heißen die noch mal?«

»Dunkle?« Sie schloss die Tür auf, blieb auf der Schwelle stehen, machte die Augen zu und atmete tief ein. »Ich versuche immer, mich einem Haus innerlich zu öffnen, bevor ich es betrete. Dann bekomme ich eine bessere Vorstellung davon, für welche Menschen es am besten geeignet ist. Ist ja sonderbar! Dieses Haus fühlt sich an, als wäre vor langer Zeit ein dunkles Wesen hier gewesen … Hmm.« Sie ging hinein und warf mir einen amüsierten Blick über die Schulter zu. »Natürlich glaube ich an Dunkle. Mir ist zwar noch keiner begegnet, aber das bedeutet nicht, dass es sie nicht gibt. Interessierst du dich für so etwas?«

Ich dachte an den großen, blonden, extrem gefährlichen Mann, den meine Schwester einen Monat zuvor geheiratet hatte. Ich dachte an seinen noch größeren, noch viel gefährlicheren Bruder. Ich dachte an den dunkelhaarigen Mörder in meinen Träumen. »Irgendwie schon. Ach nein, eigentlich nicht. Na ja, vielleicht doch.«

Diamond lachte und winkte mich ins Haus. »Kann ich dir nicht verübeln. Sie sind faszinierend, nicht wahr? Viel faszinierender, als einen Filme und Bücher glauben lassen. Dunkle sind … ach, alles Mögliche. Sexy. Geheimnisvoll. Sinnlich. Du weißt das mit den Auserwählten, oder? Dass es für jeden Dunklen nur eine Frau gibt, die ihn retten kann, und dass sie dafür sieben Schritte absolvieren müssen und danach für immer aneinander gebunden sind.«

»Ja«, sagte ich, während mich mein kleiner Teufel dazu drängte, mehr zu tun, als nur zu lächeln. »Das weiß ich.«

»Ist es nicht das Romantischste, was es auf der Welt gibt? Ich wüsste gern, wie es ist, einen Dunklen als Lover zu haben. Meinst du, sie sind leidenschaftlich? Irgendwie überwältigend, aber auf positive Art?«

Ich erinnerte mich an die Hingabe, mit der sich Avery Jas zu widmen schien. »Ich glaube, ›leidenschaftlich‹ trifft es ganz gut.«

»Und dann dieses Bad-Boy-Image! Welche Frau könnte so einem Kerl widerstehen? Wer würde so einen nicht retten wollen? Wer würde so einem nicht zeigen wollen, was wahre Liebe ist?« Sie seufzte, dann knuffte sie mich kichernd in den Arm. »Gut, dass uns keiner hört! Wir schwärmen von Vampiren wie kleine Teenys mit Glitzerfetisch! Sie mögen ja geheimnisvoll und romantisch sein, aber für unsereins sind sie nichts. Wollen wir anfangen?«

Ich rümpfte die Nase, als ich mich im Flur umsah, der nur dürftig von den wenigen Lichtstrahlen erhellt wurde, die durch die Ritzen zwischen den Brettern vor den Fenstern drangen. Dem Eingang gegenüber befand sich eine Treppe, die nach oben ins Dunkle führte. Zu meiner Rechten war ein großer Raum, der sich über die gesamte Länge des Hauses zu erstrecken schien, und aus dem Augenwinkel betrachtet sahen die Muster der fleckigen dunklen Tapeten fast so aus, als würden sie sich bewegen. Links von mir war ein Korridor mit mehreren Türen, die offenbar in kleinere Zimmer führten. Zum Glück waren keine Möbel mehr im Haus. Nur ein paar alte Zeitungsbögen und Schnurreste, die auf dem verschlissenen Holzboden lagen, erinnerten noch an den Abtransport.

»Mäuse!«, sagte ich, als ich plötzlich den Geruch von Mäusedreck wahrnahm, und rieb mir die Nase.

»Aber es riecht nicht nach frischem Dreck. Dee hat gesagt, der Kammerjäger war letzten Monat da, also sollte sich hier außer uns nichts Lebendiges herumtreiben. Zumindest …« Sie blieb am Fuß der Treppe stehen und lauschte angestrengt, doch dann schüttelte sie den Kopf. »Nein, wir sind hier ganz allein. War wohl nur Einbildung.«

»Ha, damit machst du mir keine Angst!«, sagte ich, rieb mir aber unwillkürlich die Arme und sah mich beklommen um.

Diamond lachte nur und lief die Treppe hoch. Als sie ihre Kamera einschaltete, rief sie: »Denk daran, von jedem Raum mehrere Fotos zu machen, damit ich sie später zu einem Panorama zusammenfügen kann. Die Kunden lieben Panoramen!«

»Man muss schon geistesgestört sein, um diese Bruchbude kaufen zu wollen«, murmelte ich vor mich hin und wich im letzten Moment einem riesigen Spinngewebe aus, das von einer hübschen, aber staubbedeckten Messinglampe herunterhing. »Schrecklich! Der Keller ist garantiert der reinste Albtraum!«

»Du musst dir einfach vorstellen, wie es hier aussieht, wenn alles hergerichtet und von Leben erfüllt ist«, rief Diamond von oben.

»Wenn mir auch nur eine Maus über den Weg läuft, bin ich weg!«, brüllte ich die Treppe hoch.

Als Antwort hörte ich nur ihr glockenhelles Lachen. Verdammt, sie lachte sogar schöner als ich! Mein Lachen klang rau und kehlig, so als würde ich fünf Schachteln Zigaretten am Tag rauchen.

»Mein Leben ist echt beschissen«, murrte ich vor mich hin und stapfte den Korridor hinunter. Ich warf einen Blick in jedes Zimmer, bevor ich die Tür erreichte, die in den Keller führte. »Alle haben jemanden abbekommen, nur ich nicht. Und was habe ich, Haus? Hm? Was habe ich? Ich sage dir, was ich habe«, lamentierte ich weiter und legte die Hand auf den Türgriff. »Ich habe einen Job, der mich nicht weiterbringt, einen irren Killervampir, der mich zum Wahnsinn treiben will, und weit und breit keinen Mann auf dem Radar. Was würde ich dafür geben, einen … Uff!«

Die Tür flog auf und mir war, als krachte ein gewaltiger Felsbrocken in mich hinein. Im Moment des Zusammenpralls wich sämtliche Luft aus meinem Körper und ich stürzte hintenüber. Der Felsbrocken ging mit den Armen rudernd mit mir zu Boden, wo wir mit den Köpfen aneinanderschlugen.

Vor meinen Augen tanzten Sterne und ich schüttelte meinen schmerzenden Schädel, um wieder klar zu sehen, und nachdem der Felsbrocken – bei dem es sich zu meiner Überraschung um ein männliches Wesen handelte – von mir heruntergerollt war, füllte sich auch meine Lunge wieder mit Luft.

Er sagte etwas in einer Sprache, die ich nicht verstand, dann hielt er inne, ergriff meine Hand und half mir auf die Beine. »Tut mir leid, ich wusste nicht, dass Sie hier sind. Verschwinden Sie lieber!«

»Hä?«, machte ich und rieb mir meine schmerzende Stirn. »Wer sind Sie? Was machen Sie hier? Uns wurde gesagt, das Haus sei leer.«

Der Mann warf einen Blick über seine Schulter. Hinter ihm führte eine schmale Treppe in das stockdunkle Kellergeschoss. »Verschwinden Sie sofort! Er weiß, dass ich den Ausgang gefunden habe, der hierherführt!«

»Wer weiß, dass Sie hier sind? Auweia, wenn meine Kamera kaputt ist …« Ohne den Mann weiter zu beachten, der inzwischen zur Haustür rannte, hockte ich mich hin und begutachtete meine Kamera, dann sammelte ich auf, was mir bei dem Zusammenstoß noch alles aus der Tasche gefallen war: ein paar Münzen, einen Lippenstift, einen – leider zersprungenen – Taschenspiegel und einen flachen, runden, grau gestreiften Stein mit goldener Einfassung und einem goldenen Drachen auf einer Seite. »Was um alles in der Welt ist das? Hey, Sie da, das muss … heilige Maria und sämtliche Apostel!«

Ein weiterer Mann kam aus dem dunklen Keller, aber mein Instinkt sagte mir gleich, dass es kein normaler Mann war, denn er strahlte eine ungeheure Macht und Wut aus, wie ich es noch nie bei jemandem erlebt hatte. Ich drückte die Sachen an meine Brust und wich erschrocken zurück. Als er mich grimmig ins Visier nahm, stockte mir der Atem und ich erstarrte mit weit aufgerissenen Augen, doch dann marschierte er weiter in Richtung Haustür, hob die Hand und brüllte ein lateinisches Wort.

»Desino!«

Es bedeutete so viel wie »Stopp!« und einen Augenblick lang war es, als hätte die Welt aufgehört sich zu drehen. Alles schien den Atem anzuhalten. Die Zeit blieb stehen und ich starrte den Mann halb entsetzt, halb ehrfürchtig an. Dann wurde mir plötzlich schwindelig, denn die Luft im Haus zog sich zusammen, um sich im nächsten Moment mit der Wucht einer Nuklearexplosion wieder auszudehnen.

Ich warf mich auf den Boden und nahm die Arme über den Kopf, als die Mauern des Hauses zu ächzen begannen. Das war mein Ende. Ich würde sterben, ohne die große Liebe erlebt zu haben.

»Verdammt!«, stieß ich wütend hervor und gab meine Seele in die Obhut des Himmels.

2

Der Himmel wollte mich anscheinend nicht. Das wurde mir in dem Moment klar, als der wütende, furchterregende Kerl auf den Mann zuhielt, mit dem ich zusammengestoßen war und der nun wie ein Wahnsinniger an der Haustürklinke rüttelte.

»Du wagst es, mich zu bestehlen!«

Die Stimme des mächtigen Mannes war das reinste Grauen; sie war so schneidend und durchdringend, dass ich das Gefühl hatte, sie würde meine Seele in Fetzen reißen.

»So etwas Schändliches würde ich niemals tun, Fürst Bael«, sagte der andere Mann und fiel auf die Knie, als er merkte, dass die Tür sich nicht öffnen ließ. »Mein Herr war es. Er begehrt deine Werkzeuge, nicht ich.«

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