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Liebeskummer und ein Glas Rotwein zu viel haben Brooklyn dazu gebracht, ihren Job zu schmeißen und sich für ein Praktikum auf einer einsamen Ranch in Wyoming zu bewerben. Und so steht die junge Frau aus Los Angeles plötzlich dem attraktiven Cowboy Cruz gegenüber, der alles andere als begeistert darüber ist, dass diese »Großstadttussi« sein Leben auf den Kopf stellt. Während das Fortbestehen der Ranch in Gefahr ist und sich die Ereignisse auf Willow Creek überschlagen, begeht Brooklyn einen folgenschweren Fehler. Kann es für die beiden, die unterschiedlicher nicht sein könnten, überhaupt eine gemeinsame Zukunft geben?
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Über die Autorin
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Epilog
Danksagungen
Broken Felicity
Liebesroman von Ella Green
Ella Green
Siedlerstraße 5
83714 Miesbach
http://www.ella-green.com
© Ella Green Januar 2020
Cover: Daniela Krenn
Korrekturleserin: Christine Krenn
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.
Ella Green wurde 1983 in Oberbayern geboren. Seit 2014 hat sie sich den Genren Romance und Drama verschrieben. Das Schreiben ist für sie nicht nur eine Berufung, sondern das Abtauchen in eine andere Welt. Wenn sie nicht an einer neuen Geschichte arbeitet, geht sie gerne in die Berge oder backt Cupcakes.
Wer Wein trinkt, schläft gut, wer gut schläft, sündigt nicht,
wer nicht sündigt, wird selig,
wer also Wein trinkt, wird selig.
William Shakespeare
Oder kommt wie Brooklyn auf eine ganz komische Idee …
Brooklyn
Der riesige Weihnachtsbaum ließ meine Kinderaugen größer werden. Darunter lagen unendlich viele Geschenken. Alle für mich. Durch das große Fenster des Wohnzimmers schien die Sonne, der Schnee glitzerte. Weihnachten lag in der Luft. Es war magisch.
»Willst du Kakao?« Die Stimme meiner Nanny Liv riss mich aus den Gedanken.
»Ja«, rief ich und rannte zu ihr in die Küche.
»Fröhliche Weihnachten, Kleines«, sagte sie und hob mich hoch.
Seit ich denken konnte, war Liv meine Nanny. Wie jedes Jahr verbrachten wir die Weihnachtsfeiertage im Ferienhaus meiner Eltern in Aspen. Mom und Dad schliefen noch, aber ich hatte es nicht mehr erwarten können, nach unten zu schleichen, um mir den Weihnachtsbaum und die verpackten Geschenke anzusehen. An den Weihnachtsmann glaubte ich nicht mehr. Ich war schließlich acht Jahre alt. Diese Illusion hatte mir James DeWitt genommen, als ich zarte sieben Jahre alt gewesen war. Er hatte mir brühwarm erzählt, dass Santa Claus nicht real war. An jenem Tag war ich tränenüberströmt nach Hause gelaufen und hatte mich bei Liv ausgeheult. Leider hatte sie mir bestätigt, dass James recht hatte. Aber meine Eltern ließen wir in dem Glauben, dass ich noch an den Weihnachtsmann glaubte.
Mein Daddy war einer der begehrtesten Regisseure Hollywoods. Er hatte einige Oscars gewonnen und diverse andere Auszeichnungen. Mom war eine berühmte Schauspielerin. Leider hatten sie wegen ihrer Berufe nie so wirklich Zeit für mich. Aber sie liebten mich, das spürte ich. Das Leben als Kind in der High Society hatte gute und schlechte Seiten. Die guten: teure Privatschulen, Ferienhaus in Aspen, riesiges Penthouse in Los Angeles, Urlaube auf den Malediven und nicht zu vergessen eine Nanny. Ich liebte Liv. Die schlechten: von Geburt an stand ich im Mittelpunkt der Presse, meine Eltern hatte nicht viel Zeit für mich und man dachte, ich wäre verwöhnt. Aber das war ich nicht, dafür sorgte meine Nanny. Sie schaute, dass ich bei dem ganzen Trubel nie den Boden unter den Füßen verlor und abhob.
»Oh, du bist ja wach«, hörte ich meine Mom, die gerade die Küche betrat.
Liv reichte ihr eine Tasse Kaffee.
»Konntest du nicht erwarten zu schauen, was dir Santa gebracht hat?«
An dem Kakao schlürfend nickte ich.
»Dein Daddy kommt auch gleich, dann darfst du die Geschenke auspacken.« Mit der Tasse Kaffee in der Hand stellte sie sich ans Fenster. Sie trug noch ihren zartrosa Pyjama, die Haare waren nach oben gesteckt. Sie war wunderschön. Hinter ihr erstrecken sich die Berge, was toll aussah. Am Nachmittag wollten wir Skifahren, so wie wir es immer in Aspen machten.
»Guten Morgen, mein kleiner Engel«, sagte mein Daddy.
Ich wandte mich zu ihm und flog ihm förmlich in die Arme. Ich liebte meine Eltern sehr. Auch wenn sie sehr viel unterwegs waren und die gemeinsame Zeit mit ihnen knapp war. Aber ich war es seit meiner Geburt gewohnt.
»Komm, lass uns schauen, was dir Santa gebracht hat.« Er trug mich hinüber ins Wohnzimmer. Mom und Liv folgten uns.
Voller Freude packte ich das erste Geschenk aus. Es war eine Barbiepuppen-Ranch mit Pferden.
»Die hatte ich mir gewünscht«, sagte ich begeistert.
Mom und Dad setzten sich auf die riesige Couch und schauten mir zu. Mein Traum war es, irgendwann selbst eine Ranch mit echten Pferden zu besitzen.
»Du heißt jetzt Silverstar«, sagte ich zu einem weißen Spielzeugpferd und setzte eine blonde Barbie darauf.
»Das könntest glatt du sein, mit deinem eigenen Pferd«, sagte Liv und kniete sich zu mir.
»Irgendwann lebe ich auf einer Ranch und du kommst mich besuchen«, entgegnete ich. Auch wenn ich klein war, wusste ich, dass Liv nicht immer in meinem Leben sein würde. Irgendwie stimmte mich das traurig.
»Das mache ich, versprochen.« Auf ihr Versprechen konnte ich mich verlassen, denn Liv hatte mich noch nie enttäuscht.
Brooklyn
20 Jahre später
»Oh Gott, schau dir nur an, was Bridget trägt.« Kendall schnaubte verächtlich und ich folgte ihrem Blick. Nur wenige Meter von uns entfernt stand Bridget Graham, die aufstrebende Schauspielerin. Wir kannten uns nur flüchtig. Denn ja, meine Eltern waren noch immer in Hollywood sehr gefragt, daher kannte ich allerhand Schauspieler und Schauspielerinnen.
»Was ist denn so verkehrt an ihrem Kleid?«, wollte ich von Kendall wissen, die ihre Nase nach wie vor rümpfte.
»Das ist von Chacha, ergo ist es absolut out.« Sie schüttelte angewidert den Kopf, strich sich eine Strähne ihrer schwarzen Haare hinters Ohr und nippte an ihrem Champagner. Kendall war NICHT meine Freundin, das möchte ich gleich klarstellen. Sie war arrogant, oberflächlich und ruhte sich darauf aus, dass ihr Vater Otis Bishop war. Ein begnadeter Schauspieler, der für einige Filme, bei denen mein Dad Regie führte, vor der Kamera gestanden hatte. Und da kommen wir auch zu dem Punkt, woher ich Kendall kannte. Seit unsere Eltern uns bekannt gemacht hatten, ich denke das war so im Teenageralter, hatte sie es sich zur Aufgabe gemacht, sich an meine Fersen zu heften. Es war keine Veranstaltung vergangen, bei der sie mir nicht auflauerte und nervte. So wie heute. Zu diesem Event war ich gegangen, weil es für einen guten Zweck war. In den letzten Jahren hatte ich es immer vermieden, mich unter die Promis zu mischen.
Grund Nummer eins: Ich wollte mich von der Hollywood High Society fernhalten.
Grund Nummer zwei: Ich wollte nicht nur als die Tochter von Scott und Cecilia Kerrington angesehen werden.
Grund Nummer drei: Stand neben mir. Kendall Bishop. Diese Frau hatte einen Narren an mir gefressen.
Sie war sogar auf die Private Highschool gewechselt, auf die ich gegangen war, nur um mit mir auf Best Friends zu machen. Um des lieben Friedens willen und nur, weil sich unsere Eltern kannten, tat ich so, als wären wir befreundet. Aber ich war ganz anders als sie. Ich war zu jedem nett und höflich. Ich hatte mich nie darauf ausgeruht, dass meine Eltern Geld hatten. Das hatte ich zum Großteil meiner Nanny Liv zu verdanken. Sie hatte immer darauf geachtet, dass ich mich zu einer netten, höflichen Person entwickelte und das war ihr geglückt.
Als ich vierzehn war, hatte Liv uns leider verlassen. Ihre Zeit als Nanny war vorbei. Schade. Wir hatten zwar ausgemacht, dass wir in Kontakt blieben, doch der hielt nicht lange. Leider. Auf welche Kids sie nun wohl aufpasste und sie erzog?
Aber nun wieder zu Kendall. Sie wurde gerne als die Tochter von Otis Bishop angesehen. Ihr war es egal, dass man hinter ihr nur ihren Vater sah. Sie sonnte sich in dem Erfolg ihres Daddys. Und gab auch gerne dessen Geld aus. Sie selbst verdiente ihre Brötchen noch immer nicht alleine. Anders als ich.
Nachdem ich die Wharton Business School in Philadelphia mit einem ausgezeichneten Abschluss beendet hatte, wollte ich auf eigenen Beinen stehen. Interesse an der Filmindustrie und Hollywood hatte ich nie gehabt. Klar, mir hatten durch Mom und Dad alle Türen offen gestanden, aber ich wollte anderweitig Karriere machen. Seit fünf Jahren war ich die Finanzleiterin von Fashionista. Ein Unternehmen, das vor zehn Jahren eine App entwickelte, die anhand von nur wenigen Angaben dem Nutzer genau die Mode zusammenstellte, die zu ihm passte. Ein Konzern, der Umsätze in Millionenhöhe machte. Mein Job als Finanzchefin machte mir Spaß und ließ mich jeden Tag über mich hinauswachsen. Das Beste daran: Ich wurde als Brooklyn Kerrington geachtet und war nicht nur die Tochter von Scott und Cecilia Kerrington. Natürlich wussten meine Kollegen und Vorgesetzten, wer meine Eltern waren, aber nie war einer von ihnen neugierig und fragte mich über deren Leben aus. Ich wurde für meine Arbeit und Leistungen respektiert. Nicht, weil ich die Tochter eines berühmten Regisseurs und einer Schauspielerin war.
»Heiße Schnitte auf acht Uhr«, riss mich Kendall aus den Gedanken. Ich drehte mich in die Richtung, in die sie blickte, sah einen großgewachsenen Kerl mit dunklen Haaren und stechendblauen Augen. Er schwenkte seinen Bourbon im Glas, nahm einen Schluck, und als er bemerkte, dass wir ihn anstarrten, lächelte er uns an. Ich wandte meinen Blick sofort von ihm. Er war der klassische Anzugträger, der so aussah, als wäre er heute auf der Jagd. Aber so wie Kendall sich benahm, war sie auch auf eine heiße Nacht mit jemandem aus. Wäre nicht die erste Veranstaltung, die sie in Begleitung eines Mannes verließ.
Sie sammelte Männer wie andere Briefmarken. Ja, Kendall war eine Bitch, und nicht nur, was ihre Sammlung von Kerlen anging. Sie war eine oberflächliche, anderen gegenüber blasierte Bitch. Wie oft hatte ich sie eigentlich in den letzten Jahren links liegen gelassen, damit sie kapierte, dass wir lediglich Bekannte waren? Oft. Aber sie checkte es nie. Sie lauerte mir immer wieder auf. Leider waren meine Eltern mit anderen im Gespräch und standen am Ende der Bar. Und das hatte Kendall ausgenutzt, um mich vollzuquatschen.
»Der ist heute Nacht fällig.«
»Was?«, fragte ich, weil ich ihr nur mit einem Ohr beziehungsweise gar nicht zugehört hatte.
»Der Kerl auf acht Uhr. Der ist fällig.«
Das war meine Chance, sie für den heutigen Abend loszuwerden. »Worauf wartest du dann noch?« Geh endlich, bitte.
Sie warf ihre schwarzen Haare über die Schulter, drückte ihre gemachten Brüste raus und spitzte ihre Schlauchbootlippen. An ihr war rein gar nichts echt. Sie war ein einziger Plastikhaufen. So wie viele Frauen in diesem Raum. Bis auf mich und meine Mom. Sie stand zu ihren Falten und den grauen Haaren. Und hatte eine Schauspielkarriere hingelegt, von der andere nur träumten.
»Wünsch mir Glück.«
»Viel Glück.« Bitte, bitte lass sie bei dem Typen landen, damit ich meine Ruhe habe.
Kendall stolzierte mit einem übertriebenen Hüftschwung auf den Mann zu, lehnte sich an die Bar und klimperte mit den Wimpern. Der Kerl, wie sollte es anders sein, stieg drauf ein und ich atmete erleichtert auf.
Weil mich die Szene nicht länger interessierte, wandte ich den beiden den Rücken zu, bestellte mir einen Drink und überflog das Geschehen. Es war ein schönes Event. Fashionista hatte für den guten Zweck, eine Kinderhilfsorganisation, gespendet, und da ich sowieso eine Einladung hatte, übergab ich den Scheck. Anderen zu helfen war mir und auch meinen Eltern wichtig. Nicht jedes Kind hatte das Glück, wie ich in einer wohlhabenden Familie groß zu werden. Obwohl mir wirklich alles in den Schoß gefallen war, ich tolle Geschenke von Mom und Dad zu Geburtstagen und Weihnachten bekam, wir ein Ferienhaus in Aspen, ein Penthouse in Los Angeles hatten, war ich bodenständig geblieben. Kurz dachte ich an das Weihnachtsfest, an dem ich eine Barbiepuppen-Ranch bekommen hatte. Ich schmunzelte. Den Kindheitstraum eine eigene Ranch zu besitzen, hatte ich als Teenager verworfen. Mich hatten Pferde nicht mehr interessiert. Als Kind hatte ich Reitstunden genommen, aber ein eigenes Pferd oder gar eine Ranch waren mit sechzehn dann schon nicht mehr mein Traum gewesen. Der hatte sich in Luft aufgelöst, als ich wusste, dass ich was mit Zahlen machen wollte. Verrückt, wie sich Träume ändern.
In meiner Clutch begann es zu vibrieren. Nein, ich habe keinen Vibrator dabei! Es war mein Mobiltelefon und ich konnte mir denken, wer mir schrieb oder mich anrief. Aber diese Person konnte man eigentlich mit einem Vibrator vergleichen. Warum? Dazu komme ich gleich. Mit dem iPhone in der Hand stand ich da und grinste. Ich hatte recht. Es war mein fleischgewordener Vibrator. Mein Fuckbuddy. Der Kerl, der mir seit Jahren die besten Orgasmen schenkte, die ich mir vorstellen konnte. Jayden Winters.
Jayden: Babe, hast du Zeit?
Ich antwortete nicht sofort, sondern steckte das Handy zurück in die Clutch. Schmunzelnd nippte ich an meinem Drink.
Jayden und ich kannten uns aus der gemeinsamen Zeit an der Wharton Business School. Wie ich stammte er aus Los Angeles. Er hatte einen tollen Job als Controller in einem Pharmaunternehmen und war ein Sexgott. Doch das mit uns war nie exklusiv. Wir trafen uns nur, um unseren Spaß zu haben. Wir waren beide mit unseren Jobs beschäftigt, sodass wir gar kein Interesse an einer festen Beziehung hatten.
Das mit ihm lief seit sage und schreibe sieben Jahren. Irgendwie heftig. Wenn wir uns trafen, blieben wir die ganze Nacht zusammen und am nächsten Morgen tranken wir gemeinsam Kaffee, ehe jeder in seine Arbeit ging. Mit Jayden hatte ich nie täglich Kontakt. Keine Guten-Morgen oder Gute-Nacht SMSen. So was gehörte nicht zu unserem lockeren Ding. Genauso wie gemeinsam ausgehen.
Es war nur Sex.
Guter Sex.
Fantastischer Sex.
Manchmal sahen wir uns wochenlang nicht. Leider musste ich auch zugeben, dass Jayden ein sehr sprunghafter Mensch war. Denn in den letzten Jahren hatte er mich oft ausgetauscht, weil er sich angeblich in irgendeine Frau verliebt hatte. Nur hielten die Beziehungen nicht länger als zwei Monate, dann landete er wieder bei mir. Ja, man konnte sagen, ich war immer wieder seine vorübergehende Lückenfüllerin, bis er sich in die Nächste verknallte. Aber sind wir mal ehrlich. Welcher Mensch verliebt sich alle paar Monate neu? Bei ihm war es vielmehr das Neue, das Unbekannte, was ihn an einer Frau reizte. Komisch, dass ich ihm nie zu langweilig wurde. Moment, das lag ja wohl daran, dass er mich nur als Notnagel sah. Eine Frau, die er jederzeit vögeln konnte, wenn er gerade nicht verliebt war. Gefühle für ihn hatte ich nie entwickelt. Im Bett harmonierten wir perfekt. Es war stressfrei und ich bekam sehr guten Sex, musste nicht auf irgendwelche Dates oder so wie Kendall Männer sammeln. Verabredungen waren für mich sowieso der reinste Horror. Dieses jemand Neuen kennenlernen. Einem fast den ganzen Lebenslauf erzählen, um festzustellen, dass man nicht zusammenpasst. Nein Danke. So wie es zwischen Jayden und mir lief, war es okay. Wir kannten uns sehr gut. Ganz ohne große Verpflichtungen hatten wir gemeinsam Spaß.
Vor vier Wochen war unser letztes Treffen gewesen und nun schien es wohl so, als hätte er mal wieder Lust. Ich blickte mich im Raum um. Die Veranstaltung ging auf das Ende zu und ich könnte von hier verschwinden.
Brooklyn: Bin noch auf einer Charity Veranstaltung. Aber in einer Stunde zu Hause.
Jayden: Super. Bis später.
Ja, unsere Nachrichten beschränkten sich auf das Wesentliche. Das war das einzig Oberflächliche, was man bei mir finden konnte. Weitere Details mussten wir nicht austauschen. Er wusste, wo ich wohnte. Und ich wusste, wie ich ihn begrüßen würde.
Nackt.
Scharf.
Und feucht.
Kendall war mit dem Kerl, den sie sich angelacht hatte, heftig am Flirten. Von ihr würde ich mich nicht verabschieden. Aber meinen Eltern musste ich wenigstens Gute Nacht sagen.
»Mom, Dad. Ich bin müde und geh nach Hause.«
»Danke, dass du da warst.« Mein Dad drückte mich an sich. »Und danke, dass Fashionista gespendet hat.«
»Immer gerne.«
»Gute Nacht, Brooklyn und komm gut heim«, sagte Mom und küsste zärtlich meine Wange.
Ich liebte die beiden so sehr. Sie waren gute Menschen, die ihren Erfolg nie raushängen ließen. Einige der wenigen in diesem Hollywoodzirkus.
»Bye.«
Ich wandte mich zum Ausgang, ging hinaus, wo eine der Limousinen, die die Gäste nach Hause brachte, wartete. Der Fahrer öffnete die hintere Tür. Ich nannte ihm meine Adresse und setzte mich auf das kühle schwarze Leder.
Nun würde die Nacht noch sehr heiß und sehr lange werden. Sex mit Jayden war immer wieder ein schöner Zeitvertreib.
Cruz
»Evans, wann können wir den Deal endlich abschließen?« Dexter Lawton, Sohn der Eigentümer einer riesigen Ranch und größter Kotzbrocken in ganz Wyoming, kam schlendernd auf mich zu.
»Hab gar nicht gewusst, dass du dich in solchen Kneipen rumtreibst«, sagte ich verbissen und nippte an meinem Bier.
Dexter setzte sich neben mich auf den Barhocker und lachte auf. »Ich treib mich hier nur rum, weil ich dich gesucht habe. Ich konnte mir ja denken, dass du in so einer Absteige rumhängst.«
Marv, der Besitzer, der hinter der Bar stand, schaute Dexter bitterböse an. Ihm gefiel es gar nicht, wenn man sein Baby als Absteige betitelte.
»Was ist jetzt mit dem Deal?«, fragte Lawton und fuhr sich durch seine blonden Haare.
Ich wandte mich zu ihm, griff nach meinem Cowboyhut und setzte ihn auf. »Wir haben keinen Deal und es wird auch nie einen geben, also vergiss es. Meine Ranch bekommst du für keinen Preis der Welt.« Dann sprang ich vom Hocker und machte mich auf den Weg nach draußen.
Ich hatte keine Lust, mich mit ihm zu unterhalten und schon gar nicht darüber, dass er meine Ranch mitsamt den Pferden und dem Vieh wollte.
»Über kurz oder lang wirst du verkaufen müssen. Ihr schreibt seit Monaten rote Zahlen.«
Leider hatte er mit dieser Aussage recht. Die Ranch Willow Creek, die meinem Bruder Dave und mir gehörte, lief seit dem Tod unserer Mom nicht mehr. Wir standen vor einem Schuldenberg, von dem wir nicht wussten, wie wir ihn bezwingen konnten. Mom war für die Buchhaltung verantwortlich gewesen. Bei ihr hatte alles auf den Cent genau gestimmt. Dave und ich kannten uns mit dem Papierkram überhaupt nicht aus. Mein Bruder hatte die letzten sechs Monate keine einzige Rechnung bezahlt. Das Konto der Ranch war auf null. Mahnungen stapelten sich und fast jeden Tag rief die Bank an. Sollten wir nicht bald unsere Hypothekenschulden begleichen, würden sie zu drastischen Maßnahmen greifen.
Dave hatte mir erst vor zwei Monaten davon erzählt, wie schlecht es um die Ranch stand. Bis dahin hatte ich geglaubt, er wäre voll der Buchhaltungsprofi und hätte alles unter Kontrolle.
Um einen gewissen Teil der Schulden zu begleichen, hatten wir Rinder verkauft. Unserem Personal mussten wir kündigen, denn wir konnten sie nicht mehr bezahlen. Nun gab es nur noch ihn und mich auf der Ranch. Seine Frau Chiara und sein Sohn Max lebten in Buffalo, damit Max dort die Schule besuchen konnte, denn auf dem Land gab es keine Schulen.
Die Arbeiten auf der Ranch schafften wir zu zweit auch. Und wenn mal Not am Mann war, gab es Brandon und Weston Beck. Die Brüder, die 20 Meilen von uns entfernt wohnten, halfen uns ab und an beim Rinder treiben.
Wyoming war weitläufig, ein Mensch aus der Großstadt konnte sich wahrlich nicht vorstellen, dass sein Nachbar 20 Meilen weit weg lebte. Die nächstgrößere Stadt Casper war zwei Stunden entfernt. Buffalo ungefähr eine Stunde.
Die Kneipe, die ich eben verlassen hatte, um nach Hause zu fahren, weil ich mit Dexter weder reden noch streiten wollte, lag in der Mitte. Sie war circa 30 Meilen von meiner Ranch weg. Für uns Landmenschen war das keine Strecke. Wir waren es nicht anders gewohnt.
»Willow Creek wird bald mir gehören.« Dexter lachte diabolisch auf.
»Niemals!«, rief ich zurück und ging auf meinen Pick-up Truck zu.
Dexter hasste es, wenn man ihn nicht für voll nahm und ignorierte. Aber auf eine blödsinnige Diskussion mit ihm hatte ich keine Lust. Er war nicht gerade beliebt in der Gegend. Nein, eigentlich konnte man sagen, er wurde gehasst. Seine Familie hatte Geld. Viel Geld. Ihre Ranch war seit Generationen in Familienbesitz. Und leider ließ er immer raushängen, dass sie diejenigen waren, die das meiste Land und die größte Rinderherde besaßen. Wenn man aber dachte, dass Dexter bei der Arbeit half, irrte man sich. Er gab nur damit an, was sie hatten, selbst aber krümmte er keinen Finger.
»Verabschiede dich von deiner Ranch.«
Abrupt blieb ich stehen. Automatisch ballte ich die Hand zur Faust, öffnete sie wieder und atmete ruhig ein und aus. Langsam drehte ich mich um. Dexter stand ein paar Meter von mir entfernt. Hinter ihm hatten sich Schaulustige gesammelt. Hatten die wirklich erwartet, dass ich mit ihm einen Streit oder noch schlimmer eine Schlägerei vom Zaun brach? Sie kannten mich doch alle und wussten, dass ich nie gewalttätig wurde. Ich war eher derjenige, der Streitigkeiten aus dem Weg ging.
»Evans, ich hätten einen Vorschlag.« Dexter kam auf mich zu.
Unser Publikum, auf das ich gut und gerne hätte verzichten können, schlich ihm hinterher. Wie es um die Willow Creek Ranch stand, das war kein Geheimnis. Jeder wusste darüber Bescheid.
»Du kapierst es nicht, dass ich weder mit dir sprechen noch mit dir streiten möchte, oder?« Schnaubend stand ich vor ihm. Er sollte mich in Ruhe lassen.
»Lass uns ein Wettrennen machen.«
»Warum denn das?«, fragte ich und runzelte die Stirn.
»Wenn du gewinnst, werde ich dir niemals Willow Creek abkaufen.« Er grinste übertrieben.
Ich schaute zu seinem Sportwagen, dann zu meinem Pick-up Truck.
»Dir ist klar, dass das kein fairer Wettkampf wäre. Dabei kann ich ja nur verlieren. Du hast einen schnittigen Sportwagen und ich einen Truck.«
Er zuckte mit den Schultern. »War nur ein Vorschlag.«
»Was wäre, wenn ich verliere?« Die Neugierde hatte mich gepackt, und das war nicht gut. Ich hätte längst in meinen Wagen steigen und nach Hause fahren sollen. Stattdessen stand ich da und ließ mir von Dexter Lawton einen beschissenen Vorschlag unterbreiten.
»Dann gehört die Ranch mit sofortiger Wirkung mir.«
Ich lachte auf. »Glaubst du, ich bin komplett durchgeknallt?«
Er kam auf mich zu. Dexter war etwas kleiner als ich, aber von der Arroganz und der Großkotzigkeit der Allergrößte.
»Lass mich den Einsatz erhöhen.« Er verschränkte seine Arme vor der Brust. »Wenn du gewinnst, gebe ich dir fünfzig Rinder. Du weißt, mit deren Verkauf könntet ihr einige Schulden begleichen.«
Verdammt, Dexter hatte recht. Nach diesem Rennen, wenn ich denn einsteigen würde und gewann, würden wirklich einige der Forderungen gedeckt sein.
»Cruz, lass dich darauf bloß nicht ein«, rief Marv mir zu und schüttelte den Kopf. Der Kneipenbesitzer, der indianischer Abstammung war, wusste genauso gut wie ich und alle anderen, die um uns herum standen, dass ich niemals im Leben eine Chance gegen die Karre von Dexter hatte.
»Hundert«, sagte ich und ging einen Schritt auf Dexter zu.
»Was hundert?«
»Rinder. Hundert Rinder, wenn ich gewinne.«
Der Kotzbrocken streckte seine Hand aus. »Deal.«
Ich schlug ein.
Durch die Menschenmenge ging ein Raunen.
»Bist du irre?«, fragte Marv und folgte mir zum Truck. »Du kannst nicht gewinnen. Du verlierst innerhalb weniger Minuten alles. Dein Land. Dein Vieh. Deine Pferde. Dein Zuhause. Deine Ranch.«
»Ich muss es wagen. Wenn ich gewinne, kann ich mit dem Verkauf von hundert Rindern einen großen Teil der Schulden zahlen.«
»Wenn du verlierst … und das wirst du …«, er deutete auf meinen Pick-up, »… ist alles weg. Dein Bruder wird dich killen.«
»Das Baby bringt mir den Sieg.« Ich klopfte auf die Motorhaube und stieg in den Wagen. Marv setzte sich auf den Beifahrersitz.
»Was wird das?«
»Wenn du in dein Verderben fährst, bin ich an deiner Seite, um dich zu stärken.«
»Und die Bar?«
»Ich hab genug Mädels, die sich um die Gäste kümmern. Außerdem sind eh alle draußen, um sich den Mist anzuschauen.« Marv deutete auf die Menschentraube, die sich gebildet hatte und die allesamt neugierig dieses Rennen verfolgen wollten.
Dexter und ich stellten unsere Wagen nebeneinander an die imaginäre Startlinie.
»Bis zum Hügel und wieder zurück«, rief er mir durch das offene Fenster zu und ließ den Motor aufheulen.
Ich nickte.
»Das wird der schlimmste Tag deines Lebens, Junge«, sagte Marv und strich sich über seine grauen langen Haare.
Frances, eine der Bardamen, stellte sich in die Mitte vor die zwei Autos. Ihre Jeanspants war kurz. Das Karohemd unterhalb der Brust zusammengeknotet, sodass man ihren gepiercten Bauchnabel sehen konnte. Sie war hübsch. Oh ja, das war sie. Ihre langen blonden Haare fielen über ihre Schulter. Frances und ich hatten uns ein paar Mal vergnügt. Aber mehr wollte ich nicht von ihr.
Sie hob die Hände und grinste uns frech an. »Auf die Plätze … Fertig … Los!«
Die Motoren heulten auf. Staub wurde aufgewirbelt. Und verdammt … ich sah nur noch die Rücklichter von Dexters Karre.
»Junge, gib Gas! Es steht wirklich alles auf dem Spiel«, rief Marv mir zu und hielt sich am Türgriff fest.
»Was glaubst du mach ich? Mein Fuß steht wie Blei auf dem Gaspedal.«
»Das war so eine saudumme Idee. Ein Truck kann nie im Leben gegen einen Sportwagen gewinnen.«
Ich hörte Marv nicht mehr zu, sondern blickte angestrengt nach vorne. Langsam, aber wirklich sehr langsam schloss ich zu Dexter auf. Doch es reichte bei Weitem nicht, um ihn zu überholen. Der Hügel war einige Meilen von uns entfernt, dort mussten wir wenden und zurückfahren. Irgendwie musste es mir gelingen, ihn einzuholen.
»Jetzt hilft nur noch ein Wunder«, sagte Marv und stieß ein indianisches Stoßgebet nach dem anderen aus.
Dexter hing mich wieder ab. Doch dann …
Sein Wagen geriet ins Schleudern. Vor meinem Truck rannte ein Fuchs über die Straße.
»Fuck!«, rief ich. Der Fuchs war zu seinem Glück schneller, doch er war dafür verantwortlich, dass Dexters Sportwagen an der Seite zum Stehen kam und der rechte Vorderreifen sich in einem Schlagloch verkantet hatte.
»Nichts Fuck! Gib Gas! Das ist deine Chance. Der kommt mit seiner Karre nicht aus dem Schlagloch raus.« Marv schlug auf das Armaturenbrett, um mich anzufeuern.
»Los Baby, ab nach Hause«, rief ich und drückte das Gaspedal voll durch.
Am Hügel wendete ich und raste zurück. Dexter war ausgestiegen und sah sich das Desaster an. Mit seinen Händen gestikulierte er wild umher. Marv und ich begannen zu lachen, denn er führte sich auf wie Rumpelstilzchen.
Am Ziel wurden wir mit lauten Jubelrufen empfangen. Dass die Leute auf meiner Seite waren, war mir von Anfang an klar gewesen. Doch ich wusste auch, dass viele von ihnen niemals mit diesem Ausgang gerechnet hatten.
»Ey, du hast mehr Glück als Verstand gehabt«, sagte Weston, als ich ausstieg und mich von den Zuschauern beglückwünschen ließ.
»Wenn der Fuchs nicht über die Straße gerannt wäre, hätte er jetzt kein Dach mehr über dem Kopf«, meinte Marv und zwinkerte mir zu.
»Du hast doch ein bisschen getrickst«, flüsterte ich ihm zu.
Er zuckte nur mit den Schultern. »Ich hatte nur um ein Wunder gebetet.«
Von Marv wusste man, dass er in seinem Hinterzimmer so übersinnliches Zeug machte. Voodoo und Kartenlegen, dafür war er mitunter bekannt.
»Danke, Marv.«
Er lächelte und betrat seine Kneipe.
»Irgendwer müsste Dexter helfen, seine Karre aus dem Schlagloch zu ziehen.«
»Bin unterwegs«, rief Brandon, der Bruder von Weston, mir zu, als er mit seinem Truck an mir vorbeirauschte.
Lässig setzte ich mich auf die Motorhaube, ließ mir von Frances, die mich sofort anflirtete, ein Bier geben.
»Der Sieger bekommt eine Nacht mit mir.« Sie klimperte mit ihren Wimpern und strich mir über den Oberschenkel.
»Ich lehne dankend ab.«
»Du kannst deinen Gewinn wann immer du willst einlösen.«
Einige Männer würden mich wahrscheinlich für total gestört halten, weil ich eine heiße Nummer mit Frances abgelehnt hatte. Doch es gab einen Grund. Sie war die größte Schlampe in der Gegend und wirklich jeder hatte seinen Knochen bei ihr vergraben. Mit ihr in der Kiste zu landen, war keine Herausforderung. Man musste nur mit den Fingern schnippen und sie lag nackt unter einem oder kniete vor dir und lutschte deinen Schwanz. Nein danke, ich verzichte.
Allein an Dexters Gesicht erkannte ich, wie zerknirscht er war. Ein schlechter Verlierer, aber davon war ich ausgegangen.
»Ist der Lieferservice der hundert Rinder inklusive oder muss ich sie selbst holen?«
Er zeigte mir den Mittelfinger und presste die Lippen zusammen.
»Ey, sei nicht angepisst. Es war ein fairer Wettkampf. Deal ist Deal.«
»Das war Schiebung«, begann er zu schimpfen.
»Wie bitte?« Ich sprang von der Motorhaube, nahm einen Schluck vom Bier und ging Dexter, der wie ein Irrer in die Kneipe rannte, hinterher.
»Das mit dem Fuchs … das warst doch du!« Er deutete auf Marv, der hinter dem Tresen stand und sich einen Whiskey eingoss.
»Sonst noch alle Latten am Zaun?«, fragte Marv lachend und kippte sich den Drink auf Ex runter.
»Man sagt doch über dich, dass du so eine Voodoo-Indianer-Scheiße kannst. Also, gib es zu: Du hast das Rennen manipuliert.«
Nun war es nicht nur Marv, der ihn auslachte, sondern auch alle anderen Gäste, die sich belustigt auf die Schenkel klopften.
»Du hast Halluzinationen, oder?«, fragte Brandon.
»Nein. Er war es. Er hat das gemacht und ihr wisst das alle.«
Marv stützte seine Hände auf dem Tresen ab. »Wenn du weiter so einen Schwachsinn redest, rufe ich in Casper die Psychiatrie an, die freuen sich bestimmt auf einen neuen Patienten.«
Dexter schnaubte und wandte sich zu mir. »Du kannst die Rinder in den nächsten Tagen holen.« Dann ging er wutentbrannt hinaus, setzte sich hinters Steuer und ließ den Motor aufheulen.
»Was für ein Schwachmat.« Ich gesellte mich zu Marv, ließ mir von den anderen gratulieren und feierte meinen Sieg.
Brooklyn
Der Tag im Büro war anstrengend gewesen. Wir hatten Quartalsmeeting und ich musste die Umsatzzahlen präsentieren. Dann wurde das neue Budget festgelegt und unsere Chefin Mrs. Chester hatte auch noch einiges zu erzählen. Mir schwirrte der Kopf und ich war froh, als endlich Feierabend war. Während des Meetings hatte ich beschlossen, mir am Abend definitiv eine ausgiebige Auszeit in der Wanne inklusive einem Glas Rotwein zu gönnen. Und vielleicht hätte Jayden Zeit, mich in eine andere Welt zu vögeln. Denn unser letztes Treffen nach der Charity Veranstaltung war zwei Wochen her. Gott, war der Sex mit ihm wieder gigantisch gewesen! Ich konnte gar nicht mehr genau sagen, wie oft wir in dieser Nacht miteinander geschlafen hatten.
Es war oft.
Es war wild.
Es war hemmungslos.
Die Orgasmen, die er mir bescherte, reichten wirklich für zwei Wochen aus. Aber heute hatte ich wieder Lust auf ihn. Zumal ich dazusagen musste, wie sehr es mir gefiel, dass er bei mir geblieben war, wir am nächsten Morgen gemeinsam in der Küche saßen und Kaffee getrunken hatten. Wie ein Paar, aber eben ohne Verpflichtungen. Daran konnte man sich wirklich gewöhnen. Entschlossen, mir nach der Badewanne das Hirn von Jayden rausvögeln zu lassen, nahm ich mein Handy von der Küchenanrichte, goss mir ein Glas Rotwein ein und tippte ihm eine Nachricht.
Brooklyn: Heute Abend Lust auf mich?
Es dauerte nicht lange, als eine Antwort von ihm einging. Die ich schmunzelnd zu lesen begann. Doch dann erfror mein Lächeln.
Jayden: Sorry. Hab wieder eine Freundin. Bitte sei mir nicht böse.
Das war ein Scherz, oder? Wo bitte hatte er in den letzten zwei Wochen eine Frau aufgegabelt? Dass er sich ständig verliebte, das wusste ich, aber wieder so schnell? Mein Ego war gekränkt. Ich ließ mich auf dem Barhocker nieder, nahm einen großen Schluck von dem Wein und schrieb zurück.
Brooklyn: Na das ging ja schnell. Wie lang wird es wohl dieses Mal halten, bis du zu mir zurückkommst?
Jayden: Ich hoffe länger.
Brooklyn: Das hoffst du doch jedes Mal. LOL
Jayden: Es ist die Richtige.
Brooklyn: Auch das sagst du immer, und nach zwei Monaten kommst du wieder zu mir.
Jayden: Dieses Mal nicht. Sorry. Bitte sei nicht böse.
Ich war nicht böse. Es war nur so, dass ich ganz genau wusste, wie es ablaufen würde. In zwei Monaten würde er mich anschreiben und ich würde, blöd wie ich bin, die Beine für ihn breit machen. Es war das erste Mal in all den Jahren, dass es mir wehtat, von ihm wieder ausgetauscht geworden zu sein. Wahrscheinlich hatte ich doch etwas für ihn empfunden, aber nie wahrhaben wollen. Mist!
Nun saß ich da, den Rotwein in der einen, das Telefon in der anderen Hand und musste mir eingestehen, dass ich Gefühle für diesen Honk hatte. Für einen Mann, der mich über all die Jahre immer nur als Lückenfüllerin benutzte. Der sich nie in mich verliebte. Nein, das durfte ich mir nicht gefallen lassen. Das musste jetzt sofort aufhören. Ich schrieb ihm nicht mehr. Aber ich schwor mir selbst, dass ich, sollte er sich wieder bei mir melden, nicht für ihn verfügbar wäre. Du bist mehr als nur eine Lückenfüllerin! Du bist mehr wert! Dieses Mantra schrieb ich auf einen Zettel, marschierte damit in mein Schlafzimmer und hing es über mein Bett. Jeden Morgen und jeden Abend würde ich daran erinnert werden. So lange, bis ich es endlich checkte, dass er ein Idiot war, der mich in der Zeit brauchte, wenn er keine andere hatte.
Schluss damit.
Es reicht.
Endgültig!
****
Das warme Wasser in Kombination mit Rotwein war nicht die beste Entscheidung. Es fühlte sich an, als hätte ich ordentlich einen sitzen. Leicht schwankend ging ich nur in einem Handtuch um den Körper gewickelt in die Küche. An der Anrichte stand die Flasche, ich linste hinein und musste feststellen, dass sie bereits halb leer war. Ups! Ich hatte es übertrieben. Aber ich fühlte mich nicht besser und auch nicht schlechter. Weil es ohnehin egal war, mein Ego und mein Herz verletzt waren, füllte ich das Glas erneut.
»Auf eine Zukunft ohne Jayden«, lallte ich und sprach mit mir selbst. »Brooklyn, der Kerl ist und bleibt ein Idiot. Aber du darfst ihn nie wieder an deine Sugarpussy ranlassen. Es gibt genug andere Männer, die dir himmlische Orgasmen schenken. Du brauchst keinen Jayden.«
Wahrscheinlich war es zur Gewohnheit geworden, dass ich immer – außer er hatte eine andere – auf ihn zurückgreifen konnte. Womöglich war es die Tatsache, dass ich nicht so leicht mit anderen Kerlen einen One-Night-Stand haben konnte, die mich am meisten nervte. Ich war kein Flittchen, das für jeden die Beine breit machte. In meinem ganzen Leben hatte ich bisher nur einmal Sex mit einem Typen, den ich erst am Abend kennengelernt hatte. Das war zum Spring Break in Mexiko. Ich war betrunken und war mit ihm – sorry, der Name war mir entfallen – mitgegangen. An den Sex konnte ich mich gar nicht mehr erinnern. Nur noch an die üblen Kopfschmerzen am nächsten Morgen und das chaotische Hotelzimmer, das nicht meines war, in dem ich aufgewacht war.
Ich schüttelte mich, nahm einen Schluck vom Rotwein und schaltete den Fernseher an. Irgendeine Serie würde mich ablenken und ich vielleicht einschlafen. Womöglich mit mörderischen Kopfschmerzen morgen, aber es war Freitagabend, also scheiß drauf.
Pferde galoppierten über eine Wiese. Das Land war unendlich weit. Was auch immer ich gerade sah – keine Ahnung, ob es ein Film oder eine Doku war – ich blieb daran hängen und begann zu träumen. Eine Ranch mit vielen Pferden.
Unendlichkeit.
Glückseligkeit.
Ein Leben fernab der Großstadt.
Fernab von meinem Job.
Fernab von Jayden.
Weit genug weg, wo man vielleicht gar keinen Handyempfang hatte. Ach, das wäre irgendwie schön. Ich starrte auf den Bildschirm und bekam am Rande mit, dass es sich um eine Dokumentation über das Ranch-Leben in Wyoming handelte. Mir gefiel die Landschaft.
Dann richtete ich mich abrupt auf, stellte das Glas auf den Tisch und schnappte mir meinen Laptop. Keine Ahnung, woher der Drang nach was Neuem kam. Es war wohl dem Alkohol geschuldet, oder der Tatsache, dass Jayden mich wieder ausgetauscht hatte. Jedenfalls suchte ich mir eine Webseite, auf der Stellenanzeigen für Rancharbeiter zu finden waren. Die erste Stelle, die ich mir durchlas, bekam meine absolute Aufmerksamkeit. Darin wurde ein Praktikum angeboten. Verpflegung und Unterkunft frei.
Meine Finger flogen nur so über die Tasten und ich füllte online das Bewerberformular für diese Stelle aus. Dass ich wahrscheinlich keine Chance hatte, war mir klar. Wer stellte eine Frau, die irgendwann mal Reitstunden und seither nie wieder was mit Pferden zu tun hatte, ein? Aber, es lenkte mich ab. Und das war gut. Wäre irgendwie cool für ein halbes Jahr die Zelte abzubrechen und zu neuen Ufern aufzubrechen. Aber hey, das bliebe eh nur ein Traum.
Ich stellte den Laptop beiseite, trank den Rest vom Rotwein und blickte wieder zum Fernseher. Allmählich wurden meine Lider schwer und ich entglitt in einen Traum, bei dem ich wie ein Cowgirl übers Land galoppierte.
****
Lautes Klingeln und ein heftiger Stich im Kopf, der definitiv dem Alkohol zuschulden war, weckten mich unsanft aus dem Schlaf. Die Sonne schien durch die Fenster direkt in mein Gesicht, sodass ich mit der Hand meine Augen schützen musste. Ich war auf dem Sofa eingeschlafen. Die leere Rotweinflasche stand am Tisch, der Fernseher lief noch und das schreckliche Klingeln meines Telefons hörte nicht auf.
»Verdammt, es ist Samstag! Ich hab frei und außerdem bin ich verkatert«, nuschelte ich dem Telefon, das nicht zu scheppern aufhörte, entgegen.
Langsam und mit üblen Kopfschmerzen richtete ich mich auf, lugte auf das Display und sah eine unbekannte Nummer. Keine Ahnung, wer das war, denn die Vorwahl war definitiv nicht von Los Angeles oder sonst einem Ort, an dem ich zu finden war. Wie zum Beispiel Aspen oder New York. Das Klingeln hörte auf und der Anrufer wurde somit auf die Mailbox weitergeleitet. Da ich kein Interesse und vor allem einen Brummschädel hatte, war es mir egal, wer mir eine Nachricht hinterließ. Da ich nichts vorhatte, beschloss ich, mir ein Aspirin einzuwerfen und ins Bett zu gehen.
Im Schlafzimmer ließ ich die Jalousien runter, sperrte die Sonne und somit den Tag aus. Ich kuschelte mich in die Decke, schloss die Augen und hoffte, dass die Schmerzen nach dem Aufwachen vorüber wären. Doch gerade als ich wegschlummerte, hallte der Klingelton vom Festnetztelefon durch die Wohnung. Verdammt, wer bitte war so penetrant und wollte mich unbedingt sprechen? Das Klingeln ignorierte ich, denn jeden Moment würde der Anrufbeantworter anspringen.
Piep!
»Guten Tag, Miss Kerrington. Hier spricht Dave Evans. Ich hatte auf ihrem Handy angerufen, leider ohne Erfolg.«
Dave Evans? Noch nie gehört.
»Es geht um die Praktikantenstelle.«
Praktikantenstelle? Wovon zum Henker sprach der mir unbekannte Mann?
»Ich würde Sie gerne kennenlernen und hätte ein Gespräch am Telefon vorgeschlagen. Sie können mich jederzeit unter folgender Nummer erreichen.«
Der Mann gab die Telefonnummer durch, verabschiedete sich und sagte noch, er würde sich über meinen Rückruf freuen. In meinem Kopf begann es zu rattern. Wer war das und von welcher Praktikantenstelle sprach er? Mit Fashionista konnte es nichts zu tun haben, denn für die Praktika war ich gar nicht verantwortlich. Und dann, wie vom Blitz getroffen, fiel es mir ein und ich richtete mich ruckartig auf. Fuck! Ich hatte mich gestern in meinem angetrunkenen Zustand auf ein Praktikum auf einer Ranch beworben. Von welchen guten Geistern wurde ich bitte verlassen? Und wieso wollte er mich kennenlernen? Ich passte doch überhaupt nicht auf so eine Stelle, schließlich hatte ich nicht damit hinterm Berg gehalten, dass ich in den letzten Jahren rein gar nichts mit Pferden zu tun hatte. Obwohl mir der Kopf noch immer brummte, stand ich auf, lief hinüber ins Wohnzimmer und klappte den Laptop auf.
Willow Creek Ranch sucht Praktikant/in stand dort und darunter die Stellenbeschreibung. Anscheinend hatte ich die Seite gestern gar nicht geschlossen.
»Oh Gott, was hab ich mir nur dabei gedacht?«
Gedacht wahrscheinlich nicht viel, weil ich zu viel getrunken hatte. Da ich mich nicht wirklich daran erinnern konnte, dass ich mir die Ranch auf den Fotos genauer angeschaut hatte, scrollte ich mich durch die Bilder. Es war eine schöne Ranch mitten im Nirgendwo von Wyoming. Ein großes Haus war zu sehen und dahinter erstreckte sich unendlich viel Land. In der Anzeige stand, dass die Ranch über 200 Rinder hatte und 50 Pferde. Dass die Stelle unentgeltlich war, daran konnte ich mich nicht mehr erinnern.
»Wie geistig umnachtet warst du bitte?«, fragte ich mich selbst und lehnte mich zurück.
Die Hände schlug ich vor mein Gesicht und begann schallend zu lachen. Das war ja wohl eine Glanzleistung. Ich sollte dort anrufen, mich entschuldigen und mir eine Ausrede überlegen. Dass es ein Versehen war. Oder?
Moment, gestern kam mir die Idee noch ganz toll vor. Für ein halbes Jahr eine Auszeit von allem nehmen und ein Leben auf einer Ranch zu führen. Was würde mein Achtjähriges Ich jetzt wohl zu mir sagen? Ganz klar: MACH! DAS WOLLTEST DU DOCH IMMER TUN!
Die Barbiepuppen-Pferderanch kam mir in den Sinn. Die Worte von Liv, dass sie mich besuchen würde.
Erneut hörte ich mir die Nachricht an und notierte mir die Nummer. Etwas unentschlossen, was ich sagen sollte, wählte ich sie und lauschte dem Anklingeln.
»Evans«, meldete sich eine männliche Stimme.
»Guten Tag, mein Name ist Brooklyn Kerrington. Spreche ich mit Dave Evans?«
»Das ist mein Bruder. Um was geht’s?«
»Um die Praktikantenstelle.«
»Ah ja, Moment ich hole ihn.«
Es dauerte einen Augenblick und ich hörte, wie der Mann, dessen Name ich nicht kannte, aber der anscheinend der Bruder von Dave Evans war, rief: »Dave, ein Anruf für dich, wegen der Praktikantenstelle.«
Im Hintergrund war Getuschel zu hören, aber ich konnte nicht genau hören, was sie sagten.
»Dave Evans.«
»Brooklyn Kerrington, guten Tag Mister Evans. Sie hatten mich angerufen.«
»Miss Kerrington, freut mich, dass Sie sich melden. Ja, ich hab Ihre Bewerbung erhalten und wollte Sie gerne am Telefon kennenlernen.«
»Okay. Also ist das quasi ein Vorstellungsgespräch?«
»Richtig.«
»Gut. Äh, … ich hab Zeit.«
»Sehr schön. Sie hatten lange keinen Kontakt mehr mit Pferden, warum haben Sie sich denn auf die Stelle beworben?«
Weil ich absolut betrunken war und nichts Besseres zu tun hatte. Das dachte ich mir natürlich nur. Doch was sollte ich Mr. Evans sagen? Dass mein Ego verletzt war? Dass ein Kerl, mit dem ich seit sieben Jahren ein Verhältnis hatte, eine Freundin und mich darum wie immer ausgetauscht hatte? Und dass ich Lust auf einen Tapetenwechsel hatte? Mensch ich hab doch einen genialen Job, warum also soll ich für sechs Monate ins Nirgendwo verschwinden? Mein angeknackstes Ego könnte ich auch in Los Angeles irgendwie aufpolieren. Oder musste ich mir die Bestätigung bei irgendwelchen Cowboys holen?
»Ich wollte eine kleine Auszeit von meinem Job in der Großstadt«, antwortete ich und schüttelte über mich selbst den Kopf.
Mein achtjähriges Ich wäre stolz. Doch die Realität war, dass ich keine acht mehr war, sondern neunundzwanzig und sehr erfolgreich. Mann ey, Brooklyn!
»Das ist interessant. Und Sie denken, auf einer Ranch, wo es wirklich viel zu arbeiten gibt, wo der Arbeitstag viel länger ist, als bei einem gewöhnlichen Job, bringt Ihnen die gewisse Auszeit etwas? Verwechseln Sie das bitte nicht mit Urlaub. Wir suchen jemanden, der anpacken kann.«
»Es bringt meinem Kopf eine Auszeit und ich wäre an der frischen Luft.«
Mr. Evans sagte nichts. Ich hörte ihn aber atmen. Wahrscheinlich würde er gleich schallend zu lachen anfangen und mir eine Absage erteilen.
»Können Sie sich denn so von Ihrem derzeitigen Job freinehmen?«
Ja, denn ich hatte nicht nur genug Urlaubstage übrig und Überstunden, sondern in meinem Vertrag stehen, dass mir eine bezahlte Auszeit zustand.
»Ja, das kann ich.«
»Nun. Da wir dringend jemanden brauchen und Sie die Einzige waren, die sich gemeldet hat, würde ich es auf einen Versuch ankommen lassen.«
Ich riss die Augen auf. »Wirklich?«
»Ja. Wenn Sie möchten, können Sie in einer Woche anfangen. Vorausgesetzt, das ist bei Ihnen möglich.«
Das war alles? Mehr wollte er gar nicht wissen? Anscheinend suchte er wirklich händeringend Personal, das er nicht bezahlen musste.
»Dürfte ich mir darüber noch Gedanken machen und mit meiner Firma sprechen?«
»Natürlich. Wenn Sie mir in ein paar Tagen Bescheid geben könnten, wäre das super.«
»Das mach ich.«
»Gut, ich würde mich über eine positive Nachricht freuen.«
»Ich melde mich, versprochen.«
»Einen schönen Tag, Miss Kerrington.«
»Danke, Ihnen ein schönes Wochenende.«
Mr. Evans begann zu lachen.
