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Sie nannten es ein Experiment. Dabei war es eine Entscheidung. In Das Experiment – Projekt 9 kehrt eine ehemalige Versuchsperson in einen abgeschlossenen Komplex zurück, der längst mehr ist als ein Forschungsort. Was als Weiterentwicklung früherer Tests beginnt, entpuppt sich als ein System, das nicht Gehorsam misst – sondern Willen. Räume reagieren. Stille wird zur Kontrolle. Und Beobachtung ersetzt Berührung. Unter der Führung eines Mannes, den sie nur den Architekten nennen, wird Projekt 9 zu einer psychologischen Grenzerfahrung, in der der Körper fremden Impulsen folgt, während der Geist um Selbstbestimmung ringt. Je tiefer das Experiment voranschreitet, desto deutlicher wird: Es geht nicht um Unterwerfung – sondern um Auswahl. Dieses Buch ist ein düsterer, intensiver Science-Fiction-Thriller mit erotischer Spannung, der Kontrolle, Identität und den Preis von Entscheidung erforscht. ⚠️ Hinweis: Dieses Werk richtet sich ausschließlich an ein erwachsenes Publikum und enthält psychologisch intensive Inhalte.
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Seitenzahl: 63
Veröffentlichungsjahr: 2026
Das Experiment – Projekt 9
Der Wille ist nur eine Variable
von Kitty Rogue
Impressum
Verantwortlich für den Inhalt nach § 5 TMG und § 55 RStVKitty Roguec/o COCENTERKoppoldstraße 186551 AichachDeutschlandE-Mail: [email protected]
© 2025 Kitty Rogue. Alle Rechte vorbehalten.
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Die Figuren, Ereignisse und Handlungen in diesem Buch sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Der Transporter stoppte ohne Warnung. Kein Ausrollen, kein metallisches Knacken der Bremsen – nur ein abruptes Ende der Bewegung, das meinen Körper nach vorn schleuderte. Ich fing mich an der kalten Innenwand ab. Der Raum roch nach Desinfektionsmittel und Maschinenöl, ein Geruch, der mich sofort in eine Zeit zurückwarf, die ich eigentlich hinter mir gelassen hatte.
Eine rote Kontrollleuchte blinkte über der Tür. Drei Pulse. Eine Pause. Wieder drei Pulse. Das alte Muster.
Sie hatten mich zurückgebracht.
Ich hörte Schritte draußen, gedämpft durch Metall und Distanz. Nicht hastig, aber zielgerichtet. Nicht bedrohlich, aber endgültig. Das Klacken eines autorisierten Schlüsselmoduls folgte, dann glitt die Tür viel zu lautlos beiseite. Die Mechanik war fast unheimlich präzise. Wie immer.
Zwei Sicherheitskräfte standen im Rahmen – gesichtslos, schwarz, austauschbar. Zwischen ihnen trat ein Mann, den ich noch nie gesehen hatte.
Er war groß, schlank, fast zu ruhig. Seine Bewegungen wirkten wie programmiert, jeder Schritt eine mathematische Präzision. Kein klassischer Aufseher. Kein Soldat. Sein Blick ruhte auf mir, aber nicht wie jemand, der eine Person betrachtete – eher wie jemand, der ein Ergebnis studierte.
„Willkommen zurück im Komplex“, sagte er.
Seine Stimme war leise, doch sie schnitt durch den Raum wie ein Sensorstrahl. Ich sagte nichts. Was sollte ich sagen? Dass ich nicht freiwillig hier war? Dass sie mich aus meinem Leben gerissen hatten? Dass Projekt 8 genug gewesen war?
Er musterte mich einen Atemzug lang. „Du siehst überrascht aus. Hattest du wirklich gehofft, dass es vorbei ist?“
Er drehte sich ein wenig zur Seite, als wolle er mir den Ausgang nicht zeigen, sondern nur die Richtung, in die ich ohnehin gehen musste.
„Komm.“
Ich tat, was man von mir erwartete. Vielleicht aus Gewohnheit. Vielleicht aus einer Art Restüberlebensinstinkt, der verstand, dass Widerstand jetzt nur Zeit verschwendete.
Der Gang hinter der Tür war länger, als ich ihn in Erinnerung hatte. Oder ich hatte einfach verdrängt, wie sehr diese sterile, weißgekachelte Leere den Verstand angriff. Die Luft vibrierte leise, als liefen irgendwo unsichtbare Leitungen unter Hochspannung.
„Wer sind Sie?“, fragte ich schließlich.
Der Mann blieb stehen. Sein Profil war scharf geschnitten, fast unnatürlich ruhig. „Ich bin der Architekt.“
Der Titel hing zwischen uns – fremd, aber bedeutungsschwer. Nicht Kommandant. Nicht Leiter. Nicht Wissenschaftler. Architekt.
„Projekt 9 beginnt heute“, sagte er, als wäre das eine Tatsache wie das Wetter. „Projekt 8 hat deine körperliche Belastbarkeit gemessen. Projekt 9 geht tiefer.“
Seine Augen waren hell, fast durchsichtig. „Wesentlich tiefer.“
Ein Schauer lief mir über den Rücken. „Warum ich?“
Er neigte den Kopf, als würde er über die Frage lachen, ohne es tatsächlich zu tun. „Weil du als Einzige die Anforderungen erfüllst. Es geht nicht mehr um Stärke. Nicht um Schmerz. Nicht um Gehorsam.“
Er trat einen Schritt näher. „Es geht um deinen Willen.“
Der Gang öffnete sich in eine breite Schleuse. Die Tür am Ende war schwarz, glatt, ohne Klinke. Das Symbol darauf: ein Kreis, durchtrennt von einer feinen vertikalen Linie. Ich hatte es nie zuvor gesehen.
„Was ist dort hinten?“, fragte ich.
„Der Anfang“, sagte er. „Und das Ende von allem, was vorher war.“
Die Tür erkannte ihn, nicht mich. Ein unsichtbarer Scanner summte, ein kurzer Impuls zitterte durch die Luft, und das Schwarz teilte sich wie ein Vorhang aus Licht.
Er wartete, bis ich den ersten Schritt tun musste. Nicht aus Höflichkeit. Prinzipiell.
Ich überquerte die Schwelle – und hörte, wie die Tür lautlos hinter mir verschwand.
Ich war wieder im Komplex. Und dieses Mal fühlte es sich nicht so an, als hätte ich eine Wahl.
Der Raum, in den der Architekt mich führte, war keiner, den ich aus den alten Versuchsreihen kannte. Keine Edelstahlpaneele, keine Kabelstränge, keine sichtbaren Sensoren. Nichts, was ein Labor hätte sein können.
Er öffnete die Tür mit einer einzigen Berührung. Kein Code, kein Signal. Es war, als würde die Kammer nur ihn erkennen.
Ein dünner, grauer Nebel hing knapp über dem Boden, bewegte sich aber nicht, selbst als wir eintraten. Er wirkte nicht wie Rauch, sondern wie etwas, das eigentlich keine Materie haben sollte – ein atmosphärisches Restprodukt, das hier festgehalten wurde.
„Willkommen in der Nullkammer“, sagte der Architekt leise.
Ich erwartete ein Echo – aber es kam keines. Der Raum verschluckte meinen Atem, meine Schritte, selbst meine Gedanken schienen dumpfer zu werden. Es war eine Stille, die nicht natürlich war. Es war eine hergestellte Stille.
„Warum… warum spüre ich die Luft nicht?“, fragte ich.
„Weil es sie hier nur als Konzept gibt.“ Er ging weiter, ohne sich umzudrehen. „Temperatur, akustische Reflexion, Druckverhältnisse – alles ist hier auf Null gesetzt. Du wirst nur das wahrnehmen, was wir dir erlauben.“
Das bedeutete: Ich würde nicht einmal spüren, wenn ich fror oder überhitzte. Jeder Impuls, jede Empfindung, würde von außen bestimmt.
„Projekt 9 beginnt damit, dich deiner unbewussten Reaktionsmuster zu entkleiden“, erklärte er. „Wenn der Körper keine Signale mehr hat, beginnt der Geist zu schreien. Manche halten es eine Stunde aus. Manche drei. Manche… gar nicht.“
Ich blieb stehen. Der Nebel kräuselte sich um meine Knöchel, obwohl kein Luftzug da war.„Und was soll ich tun?“
„Zulassen.“ Er trat an eine glatte Wand, legte seine Hand darauf und ein Kreis aus Licht erschien. „Oder kämpfen. Das Ergebnis ist identisch. Aber der Weg dahin ist… unterschiedlich.“
Die Wand hinter mir glitt plötzlich zu. Ich fuhr herum. Nichts als schwarze, glatte Fläche, die mich von der Außenwelt trennte.
„Du wirst allein sein“, sagte er. „Aber nicht unbeobachtet.“
Ein schwaches Summen begann, so leise, dass ich mir nicht sicher war, ob es real war oder nur der Beginn eines mentalen Drucks. Der Architekt ging rückwärts aus dem Raum, ohne sich umzustellen, und die Tür schloss sich ohne ein Geräusch.
Ich stand in absoluter Stille. Nicht der Art Stille, die man hören konnte – sondern der Art, die man spürte.
Die Nullkammer löschte meine Orientierung. Keine Schatten. Kein Hall. Kein Gefühl von Raumtiefe. Es war, als würde ich im Nichts stehen. Mein Herz begann schneller zu schlagen, einfach weil es das Einzige war, das mir bewies, dass irgendwo noch etwas existierte.
Ein Lichtkorridor formte sich vor mir – nicht durch Lampen, sondern wie eine geometrische Linie, die direkt aus der Wand gezogen wurde. Dann eine Stimme. Keine des Architekten. Und keine menschliche.
„Beginne.“
Ein Impuls durchfuhr meine Beine, leicht elektrisch, aber ohne Schmerz. Ich hob reflexartig den Fuß – obwohl ich nicht einmal das Gewicht spürte. Als würde ich nicht wirklich auf einem Boden stehen.
„Körperreaktionen werden analysiert“, sagte die Stimme. „Stufe eins beginnt.“
Hitze breitete sich an meinen Armen aus. Keine echte Hitze. Eher das Gefühl einer Erinnerung von Hitze. Dann Kälte. Dann wieder nichts.
Mein Atem beschleunigte sich unwillkürlich.
Ich fühlte, wie die Nullkammer begann, mich zu entwurzeln – Schicht für Schicht.
Dann kam der Moment, in dem mein Körper plötzlich zu stark wurde. Jede Berührung meiner eigenen Haut fühlte sich drei Unzen schwerer an. Jeder Atemzug vibrierte in meinem Brustkorb. Es war, als würde die Kammer daran drehen, mich intensiver zu fühlen, ohne mir etwas Greifbares zu geben.
