Sklavin: Sammelband - Kitty Rogue - E-Book

Sklavin: Sammelband E-Book

Kitty Rogue

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Beschreibung

Sklavin – Der komplette Sammelband Sie dachte, sie hätte die Kontrolle. Bis sie lernte, was wahre Hingabe bedeutet. Was als Begegnung beginnt, entwickelt sich zu einem Spiel aus Macht, Nähe und Grenzverschiebung. Schritt für Schritt wird sie mit ihren eigenen Sehnsüchten konfrontiert – mit dem Wunsch nach Führung, nach Struktur, nach jemandem, der Entscheidungen trifft. Doch Kontrolle wird nicht einfach genommen. Sie wird angeboten. Und freiwillig angenommen. In diesem abgeschlossenen Sammelband sind alle Teile der Serie enthalten – von der ersten Annäherung bis zur endgültigen Entscheidung. Eine Geschichte über: • Dominanz und Vertrauen • psychologische Spannung • freiwillige Unterwerfung • Macht und emotionale Abhängigkeit • intensive Dynamiken zwischen Erwachsenen Für Leserinnen, die Dark Romance mit klarer Einwilligungsbasis und durchgehender Entwicklung lieben. Alle Figuren sind volljährig. Alle Interaktionen beruhen auf Einverständnis.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Sklavin: Sammelband

Alle 4 Teile in einem Buch

von Kitty Rogue

Impressum

Verantwortlich für den Inhalt nach § 5 TMG und § 55 RStVKitty Rogue c/o COCENTER Koppoldstraße 1 86551 Aichach Deutschland E-Mail: [email protected]

© 2025 Kitty Rogue. Alle Rechte vorbehalten.

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung der Autorin unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Figuren, Ereignisse und Handlungen in diesem Buch sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Sklavin I: Die Marke der Nacht

Kapitel 1: Die Einladung

Ich heiße Iona, bin 23 und seit Wochen verfolgt mich eine Fantasie, die ich niemandem anvertraut habe.

Heute Nacht stehe ich wieder im Velvet Room – dem einzigen Klub, in dem ich mich gleichzeitig verloren und gesehen fühle.

Er ist auch hier. Der Mann mit den dunklen Augen, der mich nie berührt hat und mich doch durchschaut, als hätte er meine Gedanken unter seiner Haut gespeichert.

Als ich an ihm vorbeigehe, lässt er etwas auf meiner Haut zurückgleiten – eine schwarze Karte, so warm, als hätte sie gebrannt.

Auf der Karte steht nur ein Symbol: die Marke der Nacht. Und unter diesem Symbol ein Wort:

Komm.

Nur das. Ein Wort, das eine ganze Sprache sprengt. Ein Wort, das eine Tür öffnet, die ich noch nicht einmal kannte.

Ich gehe aus dem Klub. Die kalte Nachtluft brennt auf meinen Wangen. In der Hand die Karte. Ein Stück Papier, das schwerer ist als mein Herzschlag.

Und das leise Wort meines Herzens flüstert: Ja.

Ich atme die feuchte Kälte ein. Die Geräusche der Stadt scheinen von weit weg zu sein, gedämpft durch das Pochen in meinen Ohren. Meine Finger umschließen die Karte, das glatte, schwere Papier liegt kühl in meiner schweißfeuchten Handfläche. Es ist keine normale Visitenkarte. Das Symbol auf der Vorderseite – ein geschwungener Mond, durch den ein Dolch sticht – ist vertieft, fast wie eine Gravur.

Der Text auf der Rückseite ist nicht gedruckt. Er ist geprägt, als hätte jemand mit Stahlnadeln Buchstaben in das Papier gestochen, die sich unter meinen Fingerrücken wie winzige Narben anfühlen.

Komm.

Ein Befehl, ohne dass er einer ist. Eine Bitte, die den Charakter einer Forderung annimmt. Ein Flüstern, das lauter schreit als jeder Schrei.

Mein erster Gedanke war Zorn. Wie wagt es jemand, so in mein Verlangen zu blicken? Es war wie das Aufreißen einer Tür, die ich mit so viel Sorgfalt verriegelt und mit Möbeln verrammelt hatte.

Mein zweiter Gedanke war Angst. Was, wenn dies alles war? Ein Test. Ein Streich. Ein Vorgeschmack auf Demütigung.

Aber jetzt, während ich unter der gelben Glut der Straßenlaternen stehe, spüre ich nur das: ein tiefes, zitterndes Ja. Das Ja meiner nackten Seele, der ich seit Jahren Fesseln aus Vernunft und Scham angelegt hatte.

Das Taxi ist schon da. Der Fahrer blickt ungeduldig auf seine Uhr, aber er beeilt mich nicht. Er wartet. Er weiß, dass ich komme.

Und ich weiß es auch.

Die Fahrt ist still. Der Fahrer fragt nicht, wohin es geht. Ich muss nur die Adresse auf der Karte zeigen, ein elegantes, von Hand geschriebenes Manuskript, das aussieht wie das Cover eines verbotenen Buches.

„Loft 7, Schwarzmarktviertel“, murmele ich, und meine Stimme ist fremd in meinen Ohren. Rau. Zerbrechlich.

Er nickt, ohne mich anzusehen, und fährt los.

Die Straßen werden enger, dunkler. Die Lichter der Schaufenster weichen beschlagenen Scheiben und geschlossenen Läden. Es ist ein Teil der Stadt, den ich nur kenne aus Geschichten, die von Schatten und verborgenen Gelüsten flüstern. Das Schwarzmarktviertel.

Mein Herz klopft einen wilden, unregelmäßigen Rhythmus gegen meine Rippen. Was erwarte ich? Ein Lagerhaus voller Schläger? Ein billiger, schmuddeliger Klub, in dem meine Fantasie zu einer schmutzigen Farce wird?

Doch als das Taxi vor einem alten, dunklen Ziegelbau anhält, der aussieht wie eine stillgelegte Fabrik, sehe ich nichts davon. Keine Neonreklame, kein lautes Gedränge. Nur eine einzelne, schwere Eichentür, in deren Metallbeschlägen das Mond-dolch-Symbol eingraviert ist.

„Das war’s“, sagt der Fahrer, und ich erkenne, dass sein Ton nicht ungeduldig, sondern respektvoll war.

Ich zahle, steige aus, und er fährt davon, lässt mich allein mit der Tür und der Stille.

Ein Moment des Zögerns. Meine Hand zittert, als ich nach dem schweren Messingklopfer greife. Der kalte Metallstab liegt schwer in meiner Hand.

Dann schließe ich die Augen. Ich sehe sein Gesicht. Die dunklen, wissenden Augen, die mich im Klub angesehen hatten. Nicht lüstern. Nicht abfällig. Sondern… erkannt.

Ich erinnere mich, wie mein Atem stockte. Wie sich eine Welle von Hitze von meiner Brust aus in jede Faser meines Körpers ausbreitete. Wie ich mich gleichzeitig aufrecht und bloß gefühlt hatte.

Und ich klopfe. Einmal. Hart und klar.

Der Laut hallt durch die Stille, als würde er etwas aufreißen, das sich seit langer Zeit geschlossen gehalten hatte.

Schritte nähern sich von innen. Langsam, bedächtig.

Das Schloss dreht sich mit einem tiefen, metallischen Knarren.

Die Tür schwingt auf.

Und da steht er. Nicht in einem Smoking oder Lederoverall, wie es meine Fantasie vielleicht wollte. Er trägt einen schlichten, schwarzen Cashmere-Pullover, der seine makellosen Schultern betont, und dunkle Hosen. Kein Schmuck. Nur die Aura der absoluten, ruhigen Kontrolle, die ihn wie einen unsichtbaren Mantel umgibt.

Seine Augen mustern mich von oben bis unten. Es ist kein Blick, der bewertet. Es ist ein Blick, der liest. Als würde er die Zeilen meiner Angst, meiner Sehnsucht, meines Zweifels wie eine ihm wohlbekannte Geschichte durchblättern.

„Du bist pünktlich, Iona.“ Seine Stimme ist genau wie in Erinnerung. Ein tiefes, leises Murmeln, das mehr Vibration als Ton ist. Es berührt meine Haut, lange bevor er es tut.

„Ich …“, fange ich an, aber meine Stimme versagt. Was soll ich sagen? Dass ich nicht schlafen kann? Dass ich mich schäme? Dass mich dieses Verlangen langsam von innen auffrisst?

Er tritt beiseite, eine stumme Einladung. „Komm herein.“

Der Raum, in den ich trete, ist nicht das, was ich erwartet hatte. Kein Kerker, kein Opferaltar. Es ist ein Loft. Riesige Fenster zeigen eine nächtliche Skyline, die funkelnd und kalt ist. Das Mobiliar ist minimalistisch, teuer, in tiefen Farben – Samtsofas, ein schwerer, polierter Holztisch, ein offener Kamin, in dem Flammen tanzen. Es riecht nach Holzrauch, altem Leder und etwas anderem … etwas, das sich nach Reinheit und Macht anfühlt.

Die Tür schließt sich hinter mir mit dem gleichen schweren, endgültigen Geräusch wie ein Sargdeckel.

Er geht an mir vorbei, seine Bewegung ist so fließend, dass er fast nicht auf dem Boden zu gehen scheint. Er bleibt mit dem Rücken zu mir vor dem großen Fenster stehen und blickt auf die Lichter der Stadt. „Weißt du, warum du hier bist?“

Die Frage hängt schwer in der Luft. Sie ist nicht gemein, sondern prüfend. Als würde er meine Fähigkeit zur Ehrlichkeit prüfen, bevor wir überhaupt beginnen.

Ich schlucke. „Ich glaube schon.“ Meine Stimme ist ein Hauch. „Weil ich… das will.“

„Was genau willst du?“, fragt er, ohne sich umzudrehen.

Die Scham erstickt mich. Wie kann ich diese Worte sagen, die in meinem Kopf so oft geflüstert wurden, aber nie über meine Lippen gekommen sind? „Ich will… nicht entscheiden.“ Das Geständnis fühlt sich an wie eine Sünde und eine Befreiung zugleich. „Ich will… loslassen.“

Jetzt dreht er sich langsam um. Ein Schatten huscht über sein Gesicht, von den Flammen im Kamin geworfen. In seinen Augen glüht etwas auf, das nicht bloßes Interesse ist. Es ist Anerkennung.

„Das ist der einfachste Teil, Iona“, sagt er. Er kommt auf mich zu, langsam, bedrohlich wie ein sich näherndes Gewitter. „Jeder wünscht loszulassen. Aber nur wenige verstehen den Preis dafür.“

Er stoppt direkt vor mir. So nah, dass ich die Wärme seines Körpers spüre, den Duft von seiner Haut. Ich muss den Kopf heben, um ihm in die Augen zu sehen. Mein ganzer Körper sehnt sich danach, einen Schritt zurückzuweichen. Mein ganzes Herz schreit danach, stehenzubleiben.

„Der Preis ist nicht Schmerz. Nicht Demütigung.“ Er hebt eine Hand. Meine Muskeln spannen sich an, ein instinktives Zucken. Er bemerkt es. Ein Lächeln, kaum wahrnehmbar, umspielt seine Lippen. Aber er berührt mich nicht. Seine Hand schwebt zwischen uns, eine winzige, unvorstellbare Lücke von vielleicht einem Zentimeter trennt seine Fingerspitzen von meiner Wange. „Der Preis ist absolute Ehrlichkeit. Zuerst dir selbst gegenüber. Und dann mir.“

Ich atme nicht. Die Luft im Raum ist dick, schwer zu schlucken. Seine Nähe ist eine physische Kraft, die mich niederdrückt und gleichzeitig aufrichtet.

„Du wirst mir deine dunkelsten Gedanken zeigen“, flüstert er. „Die Dinge, über die du dich selbst abschätzig bist. Die Fantasien, die du für falsch hältst. Du wirst mir nicht deinen Körper geben, Iona. Du wirst mir deine Wahrheit geben. Und ich werde derjenige sein, der ihr erlaubt, zu existieren.“

Sein Finger bewegt sich, nicht um mich zu berühren, sondern um die Luft unmittelbar neben meinem Ohr zu streicheln. Die Bewegung allein lässt eine Gänsehaut über meinen Arm schießen.

„Kannst du das?“, fragt er. „Kannst du so nackt sein?“

Tränen brennen in meinen Augen. Es ist die schrecklichste und die verlockendste Frage, die mir je gestellt wurde.

Ich nicke. Es ist ein steifes, zitterndes Nicken. Kein Wort will über meine Lippen.

Er scheint zu verstehen. „Gut.“ Seine Hand sinkt langsam. Die Spannung, die zwischen uns hing, löst sich, und meine Beine fühlen sich plötzlich weich an. Er tritt einen Schritt zurück und gibt mir Raum, zu atmen, zu denken.

„Das hier“, sagt er und zeigt mit einer Kopfbewegung auf den Raum, „ist kein Klub. Es ist ein Test. Ein Gespräch. Ein Ritus. Wenn du heute gehst, wird niemand dich aufhalten. Niemand wird dich verurteilen. Du kannst diese Tür verlassen und dich wieder in die kleine, sichere Welt deiner geheimen Sehnsucht zurückziehen.“

Er macht eine Pause, lässt seine Worte wirken.

„Aber wenn du bleibst …“, seine Stimme wird noch leiser, eindringlicher, „… dann gehörst du für diese Nacht mir. Dein erster Schritt ist nicht die Hingabe deines Körpers. Es ist die Hingabe deines Zweifels. Gib ihn mir. Leg ihn hier ab.“ Er deutet auf einen kleinen, leeren Tisch neben uns, auf dem nur eine einzelne schwarze Kerze brennt.

Das Symbol. Der Mond-Dolch.

Mein Blick wandert von der Flamme zu seinem Gesicht. Er wartet. Seine Geduld ist so viel beängstigender als jede Ungeduld.

Ich weiß, dass dies der Moment ist. Nicht die Karte im Klub. Nicht das Klopfen an der Tür. Dies ist die Entscheidung. Einen Teil von sich auf diesem Tisch abzulegen und zu hoffen, dass er ihn zerbricht, anstatt ihn als Waffe gegen dich zu verwenden.

Mit zitternden Händen öffne ich meinen Mantel. Ich nehme ihn ab und lege ihn über einen Stuhl. Darunter trage ich nur ein einfaches schwarzes Kleid. Es fühlt sich an wie zu viel und gleichzeitig wie zu wenig.

Ich gehe auf den Tisch zu. Die Kerzenflamme zuckt, als mein Atem sie streift.

Was lege ich ab? Meine Angst, als schwere, kalte Kette? Meine Scham, als zäher, klebriger Schleim? Meine Vernunft, als scharfkantigen Stein?

Stattdessen spreche ich. Die Worte kommen rau und zerhackt, als müssten sie sich einen Weg durch Scherben freikämpfen. „Ich hasse es, so stark sein zu müssen.“

Meine Stimme bricht. „Ich hasse es, dass jeder erwartet, dass ich weiß, was ich will. Wie ich fühle. Ich bin so müde davon, immer die Kontrolle zu haben. Es fühlt sich an wie eine Lüge.“

Die Tränen, die ich zurückgehalten hatte, fließen nun frei über meine Wangen. Sie sind warm, und sie fühlen sich an wie eine Reinigung.

„Ich will nicht entscheiden, was ich zum Abendessen esse. Ich will nicht entscheiden, welche Schuhe ich anziehe. Ich will nicht entscheiden, ob ich ja oder nein sage.“ Ich schaue ihn an, direkt an, und lasse ihn die gesamte Tiefe meiner Verzweiflung sehen. „Ich will, dass jemand anderes für mich entscheidet. Und ich will, dass ich es will.“

Das Schweigen, das folgt, ist absolut. Es ist nicht leer. Es ist erfüllt von meinen Worten, die nun zwischen uns hängen, nackt und zitternd.

Er lächelt nicht. Aber seine Augen weichen auf. Die harte, prüfende Schale löst sich und enthüllt etwas darunter, das tief und unendlich altertümlich wirkt.

„Gut“, sagt er, und das Wort ist eine Erlaubnis. „Sehr gut, Iona.“

Er tritt neben mich, nicht vor mich. Er blickt nicht auf mich, sondern auf die Flamme der Kerze. „Du hast gerade die erste Regel verstanden. Freiheit ist nicht die Abwesenheit von Ketten. Es ist die Freiheit, diejenigen zu wählen, die du tragen willst.“

Dann tut er etwas, das mir den Atem raubt. Er berührt mich.

Seine Finger legen sich nicht auf meine Schulter, nicht auf meinen Arm. Sie legen sich sanft auf meinen Nacken, genau dort, wo der Schädel auf die Wirbelsäule trifft. Seine Daumen liegen auf den empfindlichen Stellen unter meinen Ohren. Es ist kein Griff. Es ist eine Besitznahme, die so sanft ist, dass sie schmerzt.

Mein ganzer Körper spannt sich an. Ein elektrischer Schock schießt von diesem einen Berührungspunkt durch meine gesamte Beingrad, sammelt sich zwischen meinen Beinen und pulsiert dort. Ein leises, unkontrollierbares Stöhnen entweicht meiner Kehle.

„Sei ruhig“, flüstert er. Sein Atem streift mein Ohr. „Fühle nur. Fühle die Macht, die ich über dich habe. Die Macht, dich mit einer einzigen Berührung zum Zittern zu bringen. Die Macht, dich zum Stehenbleiben zu zwingen. Die Macht, dich fallen zu lassen.“

Seine Hand verharrt. Er erhöht den Druck nicht. Er verringert ihn nicht. Er ist einfach da. Eine Präsenz. Eine unmissverständliche Tatsache.

„Und fühle die Macht, die du mir gibst, indem du es zulässt. Deine Hingabe ist keine Schwäche, Iona. Es ist die ultimative Form der Stärke. Es erfordert mehr Kraft, sich fallen zu lassen, als zu stehen.“

Langsam gleitet seine Hand von meinem Nacken weg. Der Verlust seiner Berührung fühlt sich kalt und leer an. Ein Vakuum, das schreit, um gefüllt zu werden.

„Die erste Lektion ist beendet“, sagt er, und seine Stimme hat wieder diese distanzierte, kultivierte Kühle. Er hat sich wieder zurückgezogen, hinter die unsichtbare Mauer seiner Kontrolle. „Du hast deinen Zweifel abgelegt. Das ist genug für den Anfang.“

Er geht zu einem der Samtsofas und setzt sich. Er schlägt ein Bein über das andere, eine Haltung voller unangefochtener Autorität.

„Komm her“, sagt er.

Ein simpler Befehl. Aber meine Füße fühlen sich an wie aus Blei. Jeder Schritt, der mich näher an ihn heranführt, ist ein Kampf gegen den Instinkt, zu fliehen. Ich zittere, als ich vor ihm stehen bleibe, die Hände vor meinem Bauch gefaltet, die Pose einer unschuldigen Schülerin.

Er blickt mich an, sein Blick wandert langsam über meinen Körper, über die Linien meines Kleides, über die Form meiner Brüste, über meine Hüften. Es ist nicht pöbelhaft. Es ist die Konzentration eines Handwerkers, der ein Meisterwerk bewundert.

„Hör zu, Iona. Ich werde dir nicht sagen, was du fühlen sollst. Ich werde dir nicht sagen, was du sein sollst. Aber ich werde dir die Regeln meines Reiches erklären. Das Reich der Nacht.“

Er lehnt sich leicht vor, die Flammen des Kamins werfen lange Schatten auf sein Gesicht.

„Erste Regel: Du wirst immer die Wahrheit sagen. Mir und vor allem dir selbst. Ich werde jede Lüge erkennen, bevor sie deine Lippen verlässt. Die Strafe dafür ist nicht Schmerz. Es ist Enttäuschung. Und das, wette ich, fürchtest du mehr als alles andere.“

Ich nicke, unfähig zu sprechen.

„Zweite Regel: Du wirst mich ‚Herr‘ nennen, wenn wir allein sind. Nicht, weil ich es brauche, sondern weil du es brauchst. Es ist eine Konstante. Ein Anker in dem Sturm, den du fühlen wirst. Es ist das Wort, das dich daran erinnert, wer die Kontrolle hat.“

„Herr …“, flüstere ich, das Wort fühlt sich fremd und gleichzeitig so vertraut an, als hätte ich es mein Leben lang gesucht.

„Dritte Regel: Du bist immer mit der Erlaubnis zum Nein ausgestattet. Deine Aufgabe ist es, sie nicht zu benutzen. Aber sie existiert. Deine Hingabe ist nur dann wertvoll, wenn sie freiwillig ist. Ich werde dich brechen, Iona, aber ich werde dich nie erzwingen.“

Er steht auf und kommt wieder auf mich zu. Dieses Mal ist es anders. Die Spannung ist nicht mehr unbekannt, sondern erwartungsvoll. Mein Körper reagiert auch, die Angst schmilzt dahin, weicht einer prickelnden Aufregung, die sich in meinem Unterleib ausbreitet. Die Erkenntnis, dass er genau weiß, was er tut, dass er diese Reise schon unzählige Male geleitet hat, gibt mir ein seltsames Gefühl von Sicherheit.

„Die erste Prüfung“, sagt er und steht mir so nah gegenüber, dass sich unsere Kleider kaum berühren. „Dich selbst zu sehen. Durch meine Augen.“

Seine Hand hebt sich wieder. Dieses Mal ist das Zittern in mir keine Angst mehr, es ist reine, unkontrollierbare Erwartung.

Seine Finger strichen sanft über meinen Arm, von der Schulter bis zum Handgelenk. Es ist eine zarte, fast zögerliche Berührung, aber sie lässt jede einzelne Zelle in mir erwachen. Mein Atem stockt, und ich schließe die Augen, um die Empfindung aufzusaugen, mich darauf zu konzentrieren.

„Augen auf, Iona“, befiehlt er leise. „Du sollst sehen, nicht nur fühlen.“

Ich öffne die Augen. Er hat seinen Blick nicht von meinem Gesicht genommen. Er beobachtet jede meiner Reaktionen. Er liest mich wie ein Buch.

„Du schämst dich für deine Sehnsucht“, seine Stimme ist ein sanftes Tosen in meinem Ohr. „Aber siehst du, was ich sehe? Ich sehe Stärke. Ich sehe eine Frau, die es wagt, zu wollen, was die meisten verbergen. Ich sehe Schönheit in der Verletzlichkeit.“

Seine andere Hand legt sich auf meine Taille, zieht mich sanft näher. Unser Körperkontakt ist minimal, aber die Wirkung ist elektrisierend. Ich kann das Pochen seines Pulses an seiner Brust spüren, ein langsamer, ruhiger Rhythmus im Gegensatz zu meinem eigenen, wilden Herzschlag.

„Berühre mich“, fordert er mich auf.

Es ist kein Befehl, sondern eine Einladung. Meine Hände liegen noch gefaltet vor meinem Bauch. Unsicherheit lähmt mich. Wo soll ich ihn anfassen? Was ist erlaubt?

„Zöger nicht“, flüstert er, sein Daumen streicht sanft über meinen Rücken, direkt über die Wirbelsäule. „Berühre mich, wie du es willst. Gib mir deine Unsicherheit. Ich werde ihr Form geben.“

Langsam, ganz langsam, hebe ich meine Hände. Sie zittern sichtbar. Ich lege sie auf seine Brust, über das weiche Cashmere. Die Wärme seines Körpers dringt durch den Stoff. Es ist ein intimer, überwältigender Moment. Mein Atem geht stoßweise.

„Das ist es“, sagt er anerkennend. „Spürst du das? Die Verbindung? Die Energie, die zwischen uns fließt? Das ist die Macht. Nicht meine. Nicht deine. Unsere.“

Er beugt sich leicht zu mir herunter, sein Gesicht nur noch Zentimeter von meinem entfernt. Sein Atem ist warm auf meinen Lippen. Die Luft im Raum knistert. Er wird mich küssen. Ich weiß es.

Doch er tut es nicht. Er bleibt in dieser Position, in dieser unerträglichen Spannung, die nach Auflösung schreit. Er lässt mich schweben, lässt mich wollen. Und ich will. Ich will ihn spüren. Ich möchte seine Lippen. Ich möchte seine Zunge.

„Bitte …“, entweicht es mir, ein kleines, heiseres Wort.

„Bitte was?“, fragt er, seine Lippen fast auf meinen.

„Bitte… küss mich …“, wisper ich, alle Scham vergessen, alles andere unwichtig im Vergleich zu diesem einen, brennenden Verlangen.

Ein leises, triumphierendes Lächeln umspielt seine Mundwinkel. „Dann wirst du mich darum bitten. Mit Worten. Sag mir, was du willst.“

Mein Gesicht brennt. Es ist die ultimative Demütigung und gleichzeitig die größte Befreiung. Ich soll meine Begierde in Worte fassen. Ich soll sie ihm übergeben. Ich schließe die Augen, konzentriere mich auf das Pulsieren in meinem Körper.

„Ich will, dass du mich küsst, Herr“, bringe ich hervor, meine Stimme bricht vor Aufregung. „Ich will spüren, wie deine Lippen die meinen berühren. Ich möchte dich schmecken. Bitte.“

Noch bevor ich das letzte Wort ausgesprochen habe, sind seine Lippen auf den meinen. Es ist kein zarter Kuss. Es ist ein besitzergreifender, fordernder Kuss. Seine Zunge dringt in meinen Mund, erforscht, besitzt. Seine Hand umklammert meinen Nacken fester, zieht mich noch näher an sich. Ich schmecke ihn, schmecke Macht und eine süße Dunkelheit, die mich süchtig macht.

Meine Hände verkrampfen sich in seinem Pullover, ich klammere mich an ihn, halte mich in diesem Sturm der Gefühle fest. Mein Körper reagiert instinktiv. Meine Hüften drängen sich an seine, ein stilles Flehen um mehr, nach Nähe, nach Erfüllung. Ein leises Stöhnen entweicht meinem Hals, ein Ton voller reiner, ungezügelter Lust.

Seine andere Hand wandert von meiner Taille über meine Seite nach oben, bis sie meine Brust erreicht. Er legt seine Hand darauf, sanft, fast zögerlich, aber die Wirkung ist explosiv. Durch das dünne Kleid hindurch spüre ich die Hitze seiner Handfläche auf meiner Haut, auf meinem pochenden, harten Nippel. Ein weiteres Stöhnen, dieses Mal lauter.

Er bricht den Kuss ab, sein Gesicht nur noch Millimeter von meinem entfernt. Wir beide atmen heftig, die Luft ist dick und erfüllt von unserem gemeinsamen Atem. Sein Blick ist dunkel, voller ungezügelter Begierde, aber auch voller Kontrolle. Er ist der Meister dieses Spiels.

„Du siehst, Iona“, flüstert er, seine Stimme rau vor Erregung. „Deine Scham ist eine Lüge. Dein Körper weiß genau, was er will. Er ist ehrlich.“ Seine Hand beginnt, sanft über meine Brust zu streicheln, ein langsames, folterndes Reiben. „Dein Körper ist ein Instrument. Und ich werde dich spielen lernen. Ich werde dich zum Crescendo führen, bis du schreist. Und ich werde dich zur Ruhe bringen, bis du weinst.“

Seine Worte sind wie Stiche aus heißem Wachs auf meiner Haut. Sie brennen sich in mein Bewusstsein, malen Bilder von zukünftiger Ekstase und zukünftigem Schmerz.

„Dreh dich um“, befiehlt er.

Ein Schauer läuft über meinen Rücken, eine Mischung aus Angst und Erwartung. Ich zögere nur für einen Moment, dann gehorche ich. Meine Hände liegen auf dem Samtsofa, das meine Fingerspitzen küsst. Ich blicke in die leere Weite des Raumes, sehe nur das Flackern des Kamins und die funkelnden Lichter der Stadt, die fremd und weit weg scheinen.

Ich höre sein leises Aufziehen des Reißverschlusses meines Kleides. Er zieht ihn langsam nach unten, Zentimeter für Zentimeter. Die kühle Luft streift meine Haut, als der Stoff zur Seite gleitet. Das Kleid fällt zu Boden und bildet einen schwarzen Teich um meine Füße. Ich stehe nun vor ihm, nur in Unterwäsche bekleidet.

Seine Hände legen sich auf meine Schultern, streichen langsam über meinen Rücken, entlang meiner Wirbelsäule, bis sie den Saum meines BHs erreichen. Mit einer geschickten Bewegung öffnet er ihn. Er gleitet mir von den Armen, und ich lasse ihn fallen.

Ich bin oben nackt. Die kühle Luft macht meine Brustwarzen noch härter, sie stehen straff ab, ein unmissverständliches Angebot.

„Gib mir deine Hände“, befiehlt er.

Ich strecke sie ihm hinter mir entgegen. Er nimmt meine Handgelenke, seine Finger sind stark und warm. Er führt meine Hände nach hinten, legt sie mir auf das Kreuz, eine Hand in der anderen. „Behalte sie dort“, flüstert er. „Beweg sie nicht, bis ich es dir erlaube.“

Seine Hände sind wieder frei. Er lässt sie über meinen Rücken gleiten, über meine nackten Schulterblätter, über meine Taille, über die Wölbung meines Gesäßes. Seine Berührung ist leicht, fast unmerklich, aber sie hinterlässt eine Spur aus Feuer auf meiner Haut.

Seine Hände gleiten über meine Hüften, über meinen Bauch, bis sie den Bund meines Slips erreichen. Er zieht ihn langsam nach unten, über meine Oberschenkel, meine Knie, meine Knöchel. Ich stehe nun nackt vor ihm, völlig entblößt, ein Opfer auf dem Altar seiner Begierde.

Ich schließe die Augen, voller Scham und Erregung. Ich spüre seinen Blick auf meinem Körper, wie er jede Kurve, jede Narbe, jeden Makel mustert.

„Sei stolz, Iona“, sagt er, seine Stimme direkt hinter meinem Ohr. „Dein Körper ist eine Landschaft. Und ich bin ihr Entdecker. Ich werde jedes Tal erkunden, jeden Gipfel besteigen. Ich werde dich kennenlernen, wie noch niemand dich zuvor gekannt hat.“

Seine Hände liegen wieder auf meiner Taille, ziehen mich sanft an sich. Ich spüre den harten Kontrast seiner bekleideten Front gegen meine nackte Haut. Sein Atem wärmt meinen Nacken. Ein leises Seufzen entweicht mir, ein Ton voller Ergebung.

„Die zweite Prüfung“, flüstert er. Seine Finger spannen sich, drücken leicht in meine Haut. „Die Prüfung der Ergebung. Kannst du dich fallen lassen, ohne zu wissen, ob ich dich auffange?“

Bevor ich antworten kann, hebt er mich hoch. Seine Arme sind stark, sie halten mich mühelos. Ich schreie leise auf, überrumpelt von seiner plötzlichen Stärke. Er trägt mich durch den Raum, hin zu einem großen, schwarzen Ledersessel, der in der Nähe des Kamins steht. Er setzt mich ab, nicht auf den Sessel, sondern auf die Teppichvorlage davor, auf meine Knie.

„Kopf hoch. Augen auf mich“, befiehlt er.

Er steht vor mir, eine hohe, dominante Gestalt, die von den Flammen hinter ihm umspielt wird. Sein Gesicht ist im Halbdunkel, aber seine Augen leuchten, zwei heiße Kohlen, die mich durchdringen.

„Du bist jetzt in meiner Welt, Iona“, sagt er. Seine Stimme ist ein leises, aber unmissverständliches Gesetz. „In dieser Welt gibt es nur Regeln. Und Konsequenzen.“

Er kniet sich vor mir herunter, sodass wir auf Augenhöhe sind. Sein Gesicht ist nur noch wenige Zentimeter von meinem entfernt. Ich kann die feinen Linien um seine Augen sehen, die Dunkelheit in seiner Pupille, die mich verschlingt.

„Die Prüfung ist einfach“, sagt er, seine Stimme ist kaum mehr als ein Hauch. „Ich werde dich berühren. An allen Stellen. Und du wirst still sein. Kein Geräusch. Kein Stöhnen. Kein Flehen. Du wirst dich konzentrieren. Nicht auf die Lust, sondern auf die Empfindung. Du wirst sie aufsaugen, sie in dich aufnehmen. Aber du wirst sie nicht freisetzen.“

Sein Finger berührt meine Lippen, ein sanfter, folternder Strich. „Bist du bereit?“

Ich nicke, unfähig zu sprechen. Mein Herz hämmert gegen meine Rippen, ein rasender Trommelwirbel. Die Angst ist zurück, aber sie ist jetzt anders. Es ist keine Angst vor ihm, sondern eine Angst vor mir selbst. Vor dem, was ich fühlen könnte. Vor dem, was ich entdecken könnte.

Er lächelt, ein düsteres, wissendes Lächeln. „Gut.“

Seine Hände beginnen ihre Reise. Sie streichen über meine Schultern, über meine Arme, über meine Hände. Seine Berührung ist leicht, fast unauffällig, aber sie lässt jede Fibrille in mir erzittern. Ich beiße die Zähne zusammen, kämpfe gegen das Stöhnen an, das in meiner Kehle aufsteigt.

Seine Finger gleiten über meinen Rücken, entlang meiner Wirbelsäule, ein langsamer, quälender Pfad. Sie umkreisen meine Taille, wandern über meinen Bauch, bis sie den Raum zwischen meinen Beinen erreichen. Ich halte den Atem an, mein ganzer Körper ist angespannt wie eine Bogensehne.

Doch er berührt mich nicht dort. Er lässt seine Hände über meine Oberschenkel gleiten, über meine Knie, bis zu meinen Füßen. Er massiert meine Fußsohlen, ein unerwarteter, intimer Akt, der mir den Atem raubt.

Er kehrt langsam nach oben zurück, seine Hände streichen meine Innenseiten hinauf, ein feuriger Pfad, der mich zu innerlichem Schmelzen bringt. Ich zittere unkontrollierbar, ein feines Vibrieren, das meinen ganzen Körper erfasst.

Er bemerkt es. Ein leises, triumphierendes Geräusch entweicht seiner Kehle. „Du kämpfst gut, Iona. Aber dein Körper verrät dich. Er will mehr. Er will schreien.“

Seine Hände erreichen meine Brust. Er legt sie darauf, sanft, fast ehrfürchtig. Seine Daumen beginnen, über meine harten Nippel zu kreisen, ein langsamer, folternder Rhythmus. Ein scharfer, süßer Schmerz schießt durch mich, sammelt sich zwischen meinen Beinen in einer pochenden, feuchten Hitze.

Ein leises Wimmern entweicht meiner Kehle. Ich kann es nicht unterdrücken. Ich versinke in die Empfindung, verliere mich in der Flut der Gefühle.

Sofort zieht er seine Hände zurück. Der Verlust seiner Berührung ist so schmerzhaft, dass ich leise aufschreie.

„Ich sagte still“, sagt er. Seine Stimme ist kalt und hart. Ein flüchtiger Schatten des Zornes huscht über sein Gesicht. „Du musst lernen, zu gehorchen. Ohne Frage. Ohne Zögern.“

Er steht auf und blickt auf mich herab, seine Miene streng. „Du hast die Prüfung nicht bestanden.“

Die Ernüchterung trifft mich wie ein Peitschenhieb. Ich habe versagt. Ich habe ihn enttäuscht. Die Scham ist überwältigend, brennt heißer als jede Lust. Tränen steigen mir in die Augen.

„Bitte …“, wisper’ ich, meine Stimme ist ein heiseres Schluchzen. „Bitte, Herr… ich will es wieder versuchen …“

Er schüttelt langsam den Kopf. „Die Prüfung ist vorbei. Du hast deine Lektion gelernt, auch wenn sie schmerzhaft war. Lektionen sind oft das.“

Er geht zu einem kleinen Schrank, den ich bisher nicht bemerkt hatte. Er öffnet ihn und nimmt etwas heraus. Ein schwarzer Samtbeutel.

Er kehrt zu mir zurück und kniet sich wieder vor mich hin. Er öffnet den Beutel und schüttet den Inhalt auf den Teppich neben mich.

Es sind Seidenstrümpfe. Vier davon. Schwarz, glänzend, weich wie Schatten.

„Deine Hände“, befiehlt er.

Ich reiche sie ihm, ohne zu zögern. Er nimmt eines der Seidentücher und wickelt es um mein linkes Handgelenk. Er bindet es nicht fest, sondern sicher, ein eleganter Knoten, der sich auf meiner Haut anfühlt wie ein Versprechen. Er wiederholt den Vorgang mit meinem rechten Handgelenk.

„Leg dich auf den Rücken“, befiehlt er.

Ich gehorche, meine Bewegungen sind steif und unsicher. Der kalte Teppich reizt meine nackte Haut. Ich liege nun vor ihm, völlig ausgeliefert, meine Hände aneinandergebunden.

Er nimmt ein weiteres Seidentuch und bindet mein linkes Handgelenk an den Fuß des Ledersessels. Dann das rechte. Meine Arme sind nun über meinem Kopf ausgestreckt, leicht gespreizt, eine Position der vollkommenen Verletzlichkeit.

Er steht auf und betrachtet sein Werk. Sein Blick ist nicht lüstern, sondern konzentriert, fast künstlerisch. Als betrachte er eine Skulptur, die er gerade erschaffen hat.

„Schön“, flüstert er. „Wunderschön.“

Er geht wieder zu mir hin, dieses Mal kniet er sich neben meine Hüfte. Seine Hände streichen sanft über meine Seite, über meinen Bauch, bis sie wieder die Stelle zwischen meinen Beinen erreichen.

Dieses Mal zögert er nicht. Seine Finger gleiten in meine Spalte, finden die nasse, pochende Hitze dort. Ich zucke auf, ein keuchendes Geräusch entweicht meiner Kehle, aber dieses Mal sage ich nichts. Ich beiße die Lippen zusammen, kämpfe gegen den Schrei an, der in mir aufsteigt.

Er beginnt, mich zu stimulieren, ein langsamer, quälender Rhythmus. Seine Finger sind geschickt, sie kennen jeden empfindlichen Punkt, jede Stelle, die mich verrückt macht. Die Lust steigt in mir an, unaufhaltsam wie eine Flutwelle. Mein Körper windet sich unter seiner Berührung, mein Rücken krümmt sich, meine Hände ziehen vergeblich an ihren Fesseln.

„Siehst du, Iona?“, flüstert er. Seine Stimme ist ein leises Tosen in meinem Ohr. „Dein Körper weiß Bescheid. Er weiß, was er will. Er möchte dich fallen lassen. Er hat die Absicht, dich zu brechen. Lass es zu. Gib dich ihm hin.“

Seine Worte sind der letzte Anstoß, den ich brauche. Die Kontrolle reißt. Die Flutwelle bricht über mich hinweg, spült mich mit ihr fort. Ein lauter, schreiender Orgasmus zittert durch meinen Körper, lässt mich zucken und stöhnen. Es ist eine wildere, intensivere Erlösung, als ich sie je zuvor gespürt habe, befreit von allen Fesseln der Scham und Vernunft.

Er zieht seine Hand zurück und lässt mich zitternd und keuchend auf dem Teppich liegen. Die Welt um mich herum ist verschwommen, nur das Flackern des Kamins und der pochende Rhythmus in meinem Körper sind real.

Nach einem Moment, der sich wie eine Ewigkeit anfühlt, kniet er sich wieder neben mich. Er löst die Knoten an meinen Handgelenken, seine Berührung ist sanft und fürsorglich.

Er legt mir eine Decke über meinen Körper, eine warme, schwere Decke, die mich einhüllt und sicher sein lässt.

„Du hast gelernt, zu fallen, Iona“, sagt er. Seine Stimme ist wieder weich, fast zärtlich. „Und ich habe dich aufgefangen. Das ist das Versprechen der Nachtmarke.“

Er bleibt bei mir, bis mein Atem sich beruhigt hat, bis das Zittern in meinen Gliedern nachlässt. Er sagt nichts weiter, er ist einfach da, eine stille, schützende Präsenz. In diesem Moment fühle ich mich sicherer als je zuvor in meinem Leben.

Als ich mich wieder aufrichten kann, sitzt er im Ledersessel und beobachtet mich. Ich ziehe die Decke enger um mich, eine plötzliche Schüchternheit überkommt mich.

„Steh auf“, sagt er.

Ich stehe auf, die Decke um mich geschlungen, und stehe vor ihm, den Kopf gesenkt.

„Leg die Decke ab“, befiehlt er.

Ich zögere nur einen Moment, dann lasse ich die Decke fallen. Ich stehe wieder nackt vor ihm, dieses Mal ohne Scham, nur mit einer stillen Erwartung.

Er deutet auf den Boden vor seinen Füßen. „Knie dich nieder.“

Ich gehorche, sinke auf meine Knie vor ihm, mein Blick auf den Boden gerichtet.

„Du hast heute viel gelernt, Iona“, sagt er, und seine Stimme hat wieder diese autoritäre, kühle Note. „Du hast gelernt, zu gehorchen. Du hast gelernt, dich fallen zu lassen. Du hast gelernt, dass Lust und Schmerz zwei Seiten derselben Medaille sind.“

Er beugt sich vor, sein Gesicht ist nur noch wenige Zentimeter von meinem entfernt. „Aber es gibt noch eine letzte Lektion für heute Nacht. Die wichtigste Lektion von allen.“

Er streicht eine Strähne meines Haares aus meinem Gesicht, seine Berührung ist zart, aber voller ungesagter Bedeutungen.

„Die Hingabe ist nicht das Ende. Sie ist der Anfang. Es ist nicht die Aufgabe der Kontrolle, sondern die Übertragung der Verantwortung. Du gibst mir nicht nur deinen Körper, Iona. Du gibst mir deine Seele. Und ich werde sie heilen, nicht brechen.“

Seine Finger gleiten über meinen Hals, über meine Schlüsselbeine, bis sie die Vertiefung über meinem Brustbein erreichen. Er drückt leicht darauf, ein Punkt, der eine unerwartete Welle der Hitze in mir auslöst.

„Hier“, flüstert er. „Hier ist die Stelle. Die Stelle, an der die Marke sitzen wird.“

Mein Herz stockt. Die Marke. Das Symbol, das auf der Karte war. Der Mond mit dem Dolch. Die Nachtmarke.

„Jede Frau, die der Nachtmarke beitritt, erhält sie“, erklärt er. „Sie ist kein Zeichen des Besitzes. Sie ist ein Zeichen der Zugehörigkeit. Ein Zeichen der Verschwiegenheit. Ein Zeichen, dass du zu uns gehörst. Dass du ein Teil von etwas Größerem bist als du selbst.“

Er steht auf und geht wieder zu dem kleinen Schrank. Dieses Mal nimmt er eine kleine, schwarze Schatulle hervor. Er öffnet sie und holt eine kleine, flache Schale und eine Nadel heraus. Die Nadel ist nicht aus Metall, sie scheint aus Obsidian oder einem ähnlichen, schwarzen Material zu bestehen.

Er kniet sich wieder vor mich hin. Die Schale enthält eine schwarze, glänzende Flüssigkeit. Tinte. Aber es riecht nicht nach Chemie. Es riecht nach etwas anderem, etwas Erdigen, etwas, das an geheimnisvolle Rituale und alte Magie erinnert.

„Dies wird nicht wehtun, Iona“, flüstert er. „Oder doch, aber nicht auf eine Weise, die du fürchtest. Der Schmerz wird flüchtig sein. Die Erinnerung daran wird ewig sein.“

Er taucht die Spitze der Nadel in die schwarze Tinte. Ein kleiner, schwarzer Tropfen hängt an der Spitze, funkelnd im Licht des Kamins.

„Schließe die Augen“, befiehlt er.

Ich schließe die Augen, mein Herz pocht so laut, dass ich fürchte, er könne es hören. Ich spüre, wie er seine Hand auf meine Brust legt, seine Finger umschließen mein Schlüsselbein, halten mich fest. Ein Anker in diesem Meer der Unsicherheit.

Dann spüre ich den ersten Stich. Ein scharfer, brennender Schmerz, der durch meine Brust schießt. Ich zucke auf, ein leises Aufschlucken entweicht meiner Kehle. Aber der Schmerz verfliegt so schnell, wie er kam, ersetzt durch ein tiefes, pochendes Brennen, das sich durch meinen ganzen Körper ausbreitet.

Ich spüre, wie er die Nadel über meine Haut zieht, langsam, präzise. Ich fühle jede Linie, jede Kurve des Symbols. Es ist kein Schmerz mehr, es ist eine Empfindung, so intensiv, so überwältigend, dass ich mich nicht mehr sicher bin, ob es Lust oder Qual ist. Es ist beides. Es ist das Wesen der Nacht selbst.

Tränen treten mir unter den geschlossenen Lidern hervor, aber sie sind keine Tränen des Schmerzes. Sie sind Tränen der Hingabe. Tränen der Erlösung. Mit jeder Linie, die er auf meine Haut zeichnet, fühle ich, wie eine Last von mir abfällt. Eine Last, die ich so lange getragen habe, dass ich sie gar nicht mehr wahrgenommen habe. Die Last der Kontrolle. Die Last der Vernunft. Die Last der Einsamkeit.

Er ist fertig. Er legt die Nadel beiseite. Sein Daumen streicht sanft über die frische Zeichnung, wischt die überschüssige Tinte ab. Seine Berührung ist kühl und lindernd auf der heißen, empfindlichen Haut.

„Öffne die Augen“, flüstert er.

Ich öffne die Augen und sehe ihn an. Sein Gesicht ist von einer tiefen, ruhigen Zufriedenheit erfüllt. Er hat etwas erschaffen. Er hat mich geformt.

Er steht auf und nimmt meine Hand, zieht mich behutsam auf die Füße. Er führt mich zu einem großen Spiegel, der an einer Wand hängt, ein dunkler Rahmen für meine Reflexion.

„Sieh dich an, Iona“, sagt er.

Ich blicke in den Spiegel und sehe eine Fremde. Eine Frau mit glänzenden Augen, mit geröteten Wangen, mit einem Körper, der noch vom Beben des Orgasmus zittert. Und in der Mitte ihrer Brust, genau über dem Herzen, ein neues Symbol. Ein schwarzer Mond, durchbohrt von einem Dolch. Die Marke der Nacht.

Sie ist nicht nur auf meiner Haut. Ich spüre sie in mir. Ein Teil von mir. Ein Teil, der immer da sein wird. Ein Teil, der mich an diese Nacht erinnert. An diesen Mann. An diese Entscheidung.

„Siehst du?“, flüstert er, seine Stimme direkt hinter meinem Ohr. „Du bist nicht mehr dieselbe. Du bist frei.“

Ich berühre die Stelle mit meinen Fingern. Die Haut ist noch empfindlich, warm. Es fühlt sich an, als würde ich mein eigenes Herz berühren.

„Danke, Herr“, flüstere ich. Die Worte kommen aus der tiefsten Tiefe meiner Seele. „Danke.“

Er dreht mich zu sich um, seine Hände liegen auf meiner Taille. Sein Blick ist intensiv, dunkel, voller Bedeutungen, die ich noch nicht ganz verstehe.

„Die Nacht ist noch nicht vorbei, Iona“, sagt er. „Das war nur die Einleitung. Der eigentliche Tanz beginnt erst jetzt.“

Er küsst mich wieder. Dieses Mal ist es kein fordernder Kuss. Es ist ein langsamer, tiefgründiger Kuss, ein Versprechen. Ein Versprechen von noch mehr Dunkelheit, noch mehr Lust, noch mehr Wahrheit.

Seine Hände wandern über meinen Rücken, ziehen mich enger an sich. Ich spüre seine Erregung, hart und drängend gegen meinen Bauch. Meine eigene reagiert sofort, eine neue Welle der Lust wächst in mir auf, unaufhaltsam, mächtig.

Er bricht den Kuss ab und nimmt mich wieder auf den Arm. Dieses Mal trägt er mich durch den Raum, hin zu einer Tür, die ich bisher nicht bemerkt hatte. Er öffnet sie und tritt ein.

Das Zimmer hinter der Tür ist nicht mehr minimalistisch und kühl. Es ist warm, intim, fast luxuriös. Ein riesiges, mit schwarzem Samt bezogenes Bett steht in der Mitte des Raumes. Die Wände sind in einem tiefen Purpurrot gehalten, das Licht ist gedämpft, kommt von unsichtbaren Quellen. Es riecht hier nach Ylang-Ylang und nach ihm.

Er legt mich sanft auf das Bett, die weiche Samtdecke küsst meine nackte Haut. Er legt sich neben mich, nicht auf mich, er gibt mir Raum, atmet mit mir. Wir liegen schweigend da, lauschend dem Pochen unserer Herzen, dem Rauschen unseres Atems.

„Ich bin stolz auf dich, Iona“, sagt er nach einer Weile. Seine Stimme ist ein sanftes Murmeln in der Dunkelheit. „Du bist tapferer, als du glaubst.“

Ich drehe mich zu ihm, mein Gesicht nur noch wenige Zentimeter von seinem entfernt. „Ich hatte Angst“, gestehe ich.

---ENDE DER LESEPROBE---