Der Bergdoktor 1903 - Heimatroman - Andreas Kufsteiner - E-Book

Der Bergdoktor 1903 - Heimatroman E-Book

Andreas Kufsteiner

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Beschreibung

Wo im Sommer ein Wasserfall rauscht, glitzert jetzt im Winter eine Wand aus Eis. Für Sportler wie Lorenz Hartmann ist es ein unvergleichliches Erlebnis, mit Pickel und Steigeisen die glitzernden Kaskaden eines erstarrten Wasserfalls zu erklimmen. Dabei schießt pures Adrenalin in den Körper! Die Bergwachtler von St. Christoph hingegen betrachten den neuen Trendsport mit größter Sorge. Besonders gefährlich wird es, wenn sich ungeübte Kletterer ins Eis begeben. Viel zu oft überschätzen sie ihre Kräfte und kommen dann nicht mehr vor und zurück. Auch Lorenz schlägt alle Warnungen in den Wind und überredet sogar noch seine Verlobte Katrin und seinen Freund Bernhard zu dem Abenteuer. Keiner der drei kehrt heil zurück ...

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Seitenzahl: 123

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Inhalt

Cover

Impressum

Zu viel riskiert

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Anne von Sarosdy / Bastei Verlag

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-5985-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Zu viel riskiert

Wenn Leichtsinn und Abenteuerlust in einer Tragödie enden

Von Andreas Kufsteiner

Wo im Sommer ein Wasserfall rauscht, glitzert jetzt im Winter eine Wand aus Eis. Für Sportler wie Lorenz Hartmann ist es ein unvergleichliches Erlebnis, mit Pickel und Steigeisen die glitzernden Kaskaden eines erstarrten Wasserfalls zu erklimmen. Dabei schießt pures Adrenalin in den Körper!

Die Bergwachtler von St. Christoph hingegen betrachten den neuen Trendsport mit größter Sorge. Besonders gefährlich wird es, wenn sich ungeübte Kletterer ins Eis begeben. Viel zu oft überschätzen sie ihre Kräfte und kommen dann nicht mehr vor und zurück.

Auch Lorenz schlägt alle Warnungen in den Wind und überredet sogar noch seine Verlobte Katrin und seinen Freund Bernhard zu dem Abenteuer.

Keiner der drei kehrt heil zurück …

Mit raschen Schritten durchquerte Lorenz Hartmann die voll besetzte Kletterhalle, die sich im Randbezirk von München befand. Als Juniorchef des alteingesessenen Familienbetriebes lastete trotz seiner erst achtundzwanzig Jahre schon eine große Verantwortung auf seinen Schultern.

Der Vater hatte ihm bereits die Leitung mehrerer Abteilungen übertragen. Er wollte sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem aktiven Geschäft zurückziehen und nur noch als Berater fungieren. Für Lorenz bedeutete dies das Ende seines sorglosen Daseins.

Früher hatte er die Sportartikel selbst getestet, ehe sie in den Verkauf kamen. Dazu war er die meiste Zeit des Jahres auf Reisen gewesen. Im Herbst war er in den Bergen zum Klettern gewesen, wobei er die neu entwickelten Bergsteigerausrüstungen überprüft hatte. Im Winter hatte er die exklusiven Skianzüge beim Skifahren oder Snowboarden präsentiert, und im Sommer hatte er sich für den Firmenkatalog in schicker Sportmode auf einem Segelboot oder in Badebekleidung am Strand ablichten lassen.

Damals hatte er noch einen durchtrainierten, muskulösen Körper gehabt, der die Frauen ins Träumen gebracht und die Männer dazu angespornt hatte, ihm nachzueifern, wodurch die Verkaufszahlen ihrer Fitnessabteilung in die Höhe geschnellt waren.

Doch seit ihn der Vater an den Schreibtisch verbannt hatte, setzte er ein paar Speckröllchen an. Er fand einfach kaum noch Zeit, an den Kletterwänden zu trainieren oder das hauseigene Fitnessstudio zu besuchen.

Glücklicherweise war Katrin, seit einem halben Jahr seine Verlobte, ebenfalls sportbegeistert. So verbrachten sie ihre Freizeit lieber beim gemeinsamen Training im Sportstudio, statt irgendwelche Veranstaltungen zu besuchen oder sich durch die exklusiven Restaurants Münchens zu schlemmen.

Eigentlich war die dreiundzwanzigjährige Katrin die ideale Partnerin für ihn, ging es Lorenz durch den Kopf, während er dem Büro seines Freundes Bernhard Fischer zustrebte, der die Aufsicht über die Kletterhalle hatte.

Katrin war gelernte Fotografin und übernahm die Shootings für die Werbeprospekte und den Firmenkatalog. Dazu war sie bildhübsch, hatte eine tolle Figur und war kein bisschen kapriziös.

Doch aus irgendeinem Grund konnte sie die Flamme in seinem Herzen nicht entzünden. Er war ihr zugeneigt, fand sie bezaubernd und war stolz auf sie. Doch er liebte sie nicht, und manchmal hatte er den Verdacht, dass es ihr ähnlich erging. Dann musterte sie ihn gar so nachdenklich.

Ihre Eltern hatten die Verbindung arrangiert, und da es für beide Seiten nur Vorteile brachte, hatten sie sich auch nicht dagegen gesträubt.

Katrins Vater war in der Bekleidungsindustrie tätig und arbeitete mit dem Sporthaus Hartmann zusammen. Was lag da näher, als die Kinder miteinander zu verbandeln?

Sie waren auch ein schönes Paar und zogen alle Blicke auf sich: Lorenz mit seinen dunklen, fast schwarzen Haaren, dem braungebrannten Gesicht und der muskulösen Gestalt und Katrin mit den blonden Locken und dem aparten Antlitz mit den süßen Sommersprossen. So mancher Mann, einschließlich seines Freundes Bernhard, beneidete ihn um die hübsche Frau.

Lorenz verstand ja selbst nicht, warum der Funke nicht übersprang, und hoffte, dass sich ihre Gefühle mit der Zeit schon noch vertiefen würden. Aus so mancher freundschaftlichen Zuneigung war irgendwann innige Liebe erwachsen.

Dafür waren seine Eltern das beste Beispiel. Als sie sich kennenlernten, waren sie wie Hund und Katz. Doch heute führten sie eine harmonische Ehe voller Liebe und Achtung.

Lorenz hatte das Büro seines Freundes erreicht, das sich am anderen Ende der Halle befand, und trat nach kurzem Klopfen ein. Bernhard oblag nicht nur die Betreuung der Kletterer, er war auch für die Organisation von Outdoor-Abenteuern zuständig. Selbst begeisterter Extremkletterer, beriet er die Leute nicht nur bei der Auswahl der Touren, er begleitete sie auch oft, worum ihn Lorenz nicht selten beneidete. Aber er wusste, was er als einziger Erbe der Firma schuldig war und fügte sich.

Der drei Jahre ältere Bernhard blickte von seiner Arbeit auf.

»Sieh mal an, der Juniorchef wagt sich in die Kletterhalle«, frotzelte er. »Du willst doch nicht etwa was für deine körperliche Ertüchtigung tun, nachdem ich dich hier die letzten drei Wochen nicht mehr gesehen habe?«

»Du musst auch noch ins Wespennest stechen, weißt genau, dass ich bis zum Hals in Arbeit stecke«, brummte Lorenz verstimmt. »Wir können ja mal tauschen. Du vertrittst mich, und ich mach mir hier einen lauen Lenz.«

Das war nicht ernst gemeint. Auch der Freund musste sein Quantum leisten. Seit die Kletterhalle nahezu ausgebucht war und die Outdoor-Abenteuer sich wachsendem Interesse erfreuten, kam Bernhard kaum noch pünktlich aus dem Büro heraus.

Bevor er sich über die Unterstellung mokieren konnte, legte Lorenz ein Hochglanzprospekt auf dem Schreibtisch.

»Was hältst du hiervon?«, wollte er wissen. »Wäre das nicht ein Highlight für den nächsten Katalog? Das hatten wir noch nicht im Programm.«

Bernhard betrachtete nachdenklich das Bild, das einen Kletterer in einer bizarren Eiswand zeigte. Er wiegte skeptisch den Kopf.

»Eisklettern ist nicht gerade ein Allerweltsport und auch nicht ungefährlich«, gab er zu bedenken. »Hier sind strenge Regeln zu beachten, sonst kann es leicht zu Unfällen kommen. Ich würde die Finger davon lassen, ein Unglück könnte unsere Outdoor-Unternehmungen schnell in Misskredit bringen. Setzen wir lieber weiterhin auf Sicherheit als auf den Adrenalinkick.«

»Du bist einfach zu konservativ, Bernhard«, warf Lorenz dem Freund vor und ließ sich verdrossen in einen Sessel fallen. »Auch wir müssen mit der Zeit gehen, und gerade solche Nervenkitzel sind im Augenblick der Renner.«

»Ein Nervenkitzel sollte Eisklettern niemals sein«, warnte Bernhard erneut. »Dabei braucht man einen kühlen Kopf, eine hervorragende Kondition, Spezialausrüstung und einen Führer, der über ausreichend Erfahrung verfügt. Ein kleiner Fehler und du findest dich in der Klinik wieder, wenn nicht sogar Schlimmeres. Wenn die Kaskaden am Fels nicht durchgefroren sind, kann es leicht zum Eisabbruch kommen, manchmal lösen sich gar ganze Platten.«

Lorenz hörte gar nicht richtig zu und plante in Gedanken schon das Projekt. Er rieb sein Kinn.

»Ich wüsste vielleicht einen guten Bergführer«, grübelte er und blickte auf. »Der Felix Lesacher aus St. Christoph, dem Zillertaler Bergdorf, wo ich früher oft Klettern war, ist ein ausgezeichneter Bergführer. Ich denke, er kennt sich auch im Eisklettern aus. Ich setze mich noch heute mit ihm in Verbindung, denn …«

Er schwieg und schmunzelte in sich hinein, während Bernds Besorgnis wuchs, wie seine gefurchte Stirn zeigte.

»Wir sollten das Abenteuer erst selbst ausprobieren, bevor wir es in den Katalog aufnehmen«, ließ Lorenz die Bombe platzen. »Umso besser können wir darüber berichten. Papa geht es so weit gut, er kommt auch mal eine Weile ohne mich klar.«

Bernhard antwortete nicht. Er setzte sich zurück und lupfte skeptisch eine Augenbraue, worauf Lorenz die Hände hob.

»Ich weiß, mit meiner Kondition steht’s grad nicht zum Besten«, gab er zu. »Aber wir haben erst November. Eisklettern können wir frühesten Mitte Januar, und das auch nur, wenn es ein strenger Winter wird. Bis dahin bin ich wieder fit, werde Tag und Nacht in der Kletterhalle trainieren, und du wirst mich betreuen. Natürlich gegen Bezahlung.«

»Darum geht es nicht«, warf Bernhard ein. »Ich bin dein Freund, trainiere dich auch ohne Bezahlung. Aber du hast nicht die geringste Erfahrung im Eisklettern … und ich auch nicht.«

»Dafür haben wir ja unseren Bergführer«, blieb Lorenz unbeirrt. »Außerdem müssen wir nicht gleich extreme Eisformationen durchsteigen, für den Anfang tut’s auch eine leichte Tour. Hauptsache, die Fotos für den Katalog werden so effektvoll wie auf diesem Prospekt, bläulich schimmerndes Eis, gleißender Sonnenschein und ein Kletterer wie aus dem Bilderbuch, kraftvoll und attraktiv.«

»Womit du dich meinst«, erwiderte Bernhard trocken. Als Lorenz grinsend nickte, fügte er ironisch hinzu: »Bescheiden warst du noch nie.«

Lorenz zuckte gleichmütig die Schultern. »Mit schamhafter Zurückhaltung kommt man nicht zum Ziel.« Er stand auf und marschierte durchs Zimmer, während er grübelnd mit dem Zeigefinger ans Kinn klopfte. »Bei der Tour trage ich die Shirts mit der neu entwickelten Spezialfaser, die sich der Körpertemperatur anpassen und Schwitzen verhindern«, überlegte er. »Das ist dann gleich Werbung für die Sportmode der nächsten Saison.«

Bernhard schüttelte missbilligend den Kopf.

»Du wirst eher erfrieren als schwitzen. Eisklettern und dünne Shirts vertragen sich nicht.« Er verschränkte die Arme vor der Brust und zog die Augenbrauen zusammen. »Wer soll denn die Fotos knipsen? Mit mir kannst du nicht rechnen, ich verstehe davon nichts.«

»Katrin natürlich«, gab der Juniorchef trocken zurück und hielt in seiner Wanderung inne. »Sie ist eine gute Fotografin, hat einen Blick fürs Detail.«

Erschrocken ruckte Bernhard hoch.

»Das ist jetzt nicht dein Ernst! Katrin hat noch nicht einmal Bergerfahrung, und du willst sie gleich für eine solche Extremtour einspannen?«

»Katrin war mit mir schon in den Bergen klettern«, hielt Lorenz mürrisch dagegen, dass er den Freund so gar nicht für seine Idee begeistern konnte. »Außerdem übt sie viel an der Kletterwand und ist bei guter körperlicher Kondition. Wie ich schon sagte, wird es nur eine leichte Tour. Auf den Fotos sieht man nicht, wie hoch der Kletterer in der Wand hängt, da kann man schon ein bisserl tricksen.«

Er klopfte dem besorgten Freund auf die Schulter. »Plane die Spezialdisziplin im Katalog mit genug Platz für ein paar interessante Bilder ein. Ich denke, es wird ein Knüller, und wir können uns vor Anfragen nach dem Adrenalinkick nicht retten.« Er schnalzte vergnügt mit der Zunge. »Mal sehen, was der Felix Lesacher dazu zu sagen hat.«

Sein Pager schlug an und mahnte ihn zur Arbeit. Lorenz rollte die Augen.

»Papa gönnt mir wirklich keine Sekunde Pause.«

Hastig stemmte er sich aus dem Sessel hoch und marschierte davon.

Bernhard blickte ihm seufzend nach. Wenn sich Lorenz etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann zog er es auch durch. Er konnte nur hoffen, dass der Bergführer erfahren genug war, das irrwitzige Vorhaben als zu gefährlich abzuschmettern.

Doch sollte es trotzdem zu der Tour kommen, würde er auf jeden Fall mit von der Partie sein, nicht nur, um den hitzköpfigen Freund zu mäßigen, sondern vor allem, um Katrin vor Schaden zu bewahren.

Bernhard liebte die hübsche Frau heimlich, und manchmal glaubte er, dass sie ihm ebenfalls zugeneigt war. Trotzdem durfte nie mehr als Sympathie zwischen ihnen sein. Niemals würde er dem Freund die Braut abspenstig machen.

***

»Wer stört denn jetzt noch?«, murrte Bärbel Tannauer, als das Handy ihres Verlobten anschlug.

Widerwillig löste sie sich aus seinen Armen, während er seufzend nach dem Gerät angelte. Sie hatten in ihrem Appartement gerade so schön gekuschelt und in Zukunftsträumen geschwelgt, als das Schrillen des Telefons jäh die romantische Stimmung zerriss. Verdrossen blickte sie auf ihre Armbanduhr, die nach elf Uhr abends anzeigte.

»Hoffentlich ist es net wieder dein Vater, der genau jetzt deine Hilfe auf dem Hof braucht«, mutmaßte sie.

Eigentlich konnte sie es sich nicht vorstellen. Der alte Bauer Blasius Lesacher hatte sich inzwischen damit abgefunden, dass sein Sohn im kommenden Frühsommer die Frau seines Herzens heiraten würde und nicht Annamirl, die Tochter eines reichen Großbauern aus dem Tuxertal.

Seither boykottierte er ihre Beziehung auch nicht mehr, wie er es früher regelmäßig getan hatte. Da war es nicht ungewöhnlich gewesen, dass er zur späten Stunde angerufen und seinen Sohn unter einem Vorwand nach Hause beordert hatte. Mal hatte es angeblich Schwierigkeiten mit einer trächtigen Kuh gegeben, obwohl diese noch lang nicht kalbte, oder er selbst war unpässlich gewesen, was sich im Nachhinein nur als ein paar Bier zu viel herausgestellt hatte.

Für Blasius Lesacher war Bärbel eine Dahergelaufene, die sich ins gemachte Nest setzen wollte, während Annamirl eine beträchtliche Mitgift in den Hof einbringen würde. Dabei arbeitete Bärbel als Sprechstundenhilfe in der Praxis von Dr. Martin Burger, dem Landarzt von St. Christoph, und war bei den Patienten wie auch bei ihrem Chef gleichermaßen beliebt und geachtet.

Was sie manchmal wunderte, denn gut Kirschen essen war nicht mit ihr. Zwar zeigte sie Verständnis für die Probleme der Leute, aber sie duldete kein Vordrängeln oder ließ sich von Süßholzrasplern beschwatzen.

Nur ein Notfall brachte sie von den vorgemerkten Terminen in ihrem Kalender ab, wie einst bei Felix, der sich bei der Hofarbeit verletzt hatte. Beim Blick in seine warmen, braunen Augen hatte sie prompt ihr Herz an ihn verloren. Noch nie war sie so zerstreut gewesen wie an diesem Nachmittag, und erst eine Mahnung von Dr. Burger hatte sie aufgerüttelt.

Der Arzt hatte jedoch Verständnis gezeigt. Es war auch nicht zu übersehen gewesen, dass bei ihr und Felix der Blitz der Liebe eingeschlagen hatte. Der Patient hatte trotz seiner Schmerzen so träumerisch gelächelt, als stünde er unter einer besonderen Droge.

Heute wusste Bärbel, dass auch Liebe eine Droge sein konnte, von der man nicht mehr loskam. Der Kampf mit dem engstirnigen Blasius hatte sie oft genervt, und sie war es mitunter leid, als Dauerverlobte des jungen Lesachers zu gelten.

Andererseits hatte sie verstanden, dass Felix nicht ohne den Segen des Vaters heiraten wollte, den er trotz allem liebte und achtete. Ebenso hatte ihr imponiert, dass ihr Verlobter ein so standfester Charakter war und sich auch von den Drohungen des Vaters, sein Erbe zu verlieren, wenn er weiter an der falschen Braut festhielt, nicht einschüchtern ließ.

Die Widrigkeiten ihrer Beziehung hatten sie nur noch mehr zusammengeschweißt.

Bärbel horchte auf. Der Anrufer war definitiv nicht der alte Bauer.

»Hast du mal auf die Uhr gesehen?«, brummte Felix unwirsch. Er sprang hoch und marschierte durchs Zimmer, während er das Handy ans Ohr presste. Er lachte grimmig. »Ja, verstehe, für einen vielbeschäftigten Unternehmer ist elf Uhr abends noch früh am Tag. Aber können wir dein Anliegen nicht morgen besprechen, Lorenz? Ich bin gerade …« Er blieb verdutzt stehen. »Was … Eisklettern?«

Abermals lauschte er in den Hörer, dann schüttelte er entschieden den Kopf.