Der Bergdoktor 1938 - Heimatroman - Andreas Kufsteiner - E-Book

Der Bergdoktor 1938 - Heimatroman E-Book

Andreas Kufsteiner

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Beschreibung

Der Mann aus ihrer Vergangenheit ... verändert ihr Leben Eigentlich könnte Mila überglücklich sein, und an den meisten Tagen ist sie es auch. Schließlich weiß sie, dass sie mit Jakob einen tollen Mann an ihrer Seite hat, der sie über alles liebt. Doch immer noch gibt es die anderen Tage. Die Tage, an denen ihre Gedanken in die Vergangenheit schweifen, zurück zu Gero - zu dem Mann, den sie einst liebte und der sie verlassen hat, ohne ihr auch nur einen Grund dafür zu nennen. Und dann steht Gero eines Tages wieder vor ihr und will sie zurück. Mila ist völlig durcheinander. Meint er es ehrlich? Und was ist mit Jakob? In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an Dr. Burger ... *** Im schönen Zillertal lebt und wirkt der Mann, den Millionen Leser und Fernsehzuschauer seit Jahren lieben: Dr. Martin Burger - Der Bergdoktor. Ein Mann, dessen persönliches Schicksal ihn empfänglich gemacht hat für die Probleme und das Leid seiner Mitmenschen. Ein Arzt, der stets bereit ist, das Äußerste für seine Patienten zu wagen. Das idyllische Dorf St. Christoph dient als Kulisse für die spannenden Geschichten. Hier ist Dr. Martin Burger eine soziale und moralische Instanz - ein aufrechter, geradliniger Charakter, der alle guten traditionellen Werte in sich vereinigt und selbstlos danach handelt. Mit inzwischen über 1800 Folgen, einer Gesamtauflage von über 55 Millionen Exemplaren und einer gleichnamigen TV-Serie hat "Der Bergdoktor" längst den Gipfel der Berg- und Heimatromane erklommen. Eine echte Erfolgsserie! Jede Woche erscheint eine neue Folge. Jede Folge ist in sich abgeschlossen und kann unabhängig von den anderen Folgen der Serie gelesen werden.

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Seitenzahl: 115

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Inhalt

Cover

Impressum

Der Mann aus ihrer Vergangenheit ...

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Michael Wolf

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-6769-0

www.bastei-entertainment.de

Der Mann aus ihrer Vergangenheit …

… verändert ihr Leben

Von Andreas Kufsteiner

Eigentlich könnte Mila überglücklich sein, und an den meisten Tagen ist sie es auch. Schließlich weiß sie, dass sie mit Jakob einen tollen Mann an ihrer Seite hat, der sie über alles liebt. Doch immer noch gibt es die anderen Tage. Die Tage, an denen ihre Gedanken in die Vergangenheit schweifen, zurück zu Gero – zu dem Mann, den sie einst liebte und der sie verlassen hat, ohne ihr auch nur einen Grund dafür zu nennen. Und dann steht Gero eines Tages wieder vor ihr und will sie zurück.

Mila ist völlig durcheinander. Meint er es ehrlich? Und was ist mit Jakob? In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an Dr. Burger …

»Ein Regentag im Paradies«, sagte Jakob und legte zärtlich den Arm um Mila. »Aber wenigstens ist es ein warmer Regen. Wärme ist uns der Sommer auch schuldig. Die Kälte erwischt uns noch früh genug.«

Er schloss die Tür der kleinen Berghütte auf, die geschützt zwischen großen Hollerbüschen stand, an denen die schwarzen Beeren dicht an dicht reiften.

Über dem Eingang war auf einem geschnitzten Zirbenholzbrett zu lesen: »Grüß Gott im Bergparadies«.

»Redest du schon vom Winter?« Mila strahlte Jakob an. »Ich hab nichts dagegen! Wenn es schneit und der Wind ums Eck pfeift, wird es hier droben ganz bestimmt urgemütlich sein. Wir haben einen Holzofen, frieren müssen wir also net. Heißer Tee oder Punsch, kuschelige Decken, das wärmt zusätzlich. Was will man mehr?«

»Kuscheldecken brauchst du nicht, Schatzl. Du hast ja mich, das ist mehr als genug. Ich ersetze sogar ein halbes Dutzend Daunendecken«, scherzte Jakob.

»Übertreib net. Daunen sind wolkenweich. Das bist du nicht«, neckte ihn Mila. »Ich glaub, dass du ganz schön eckig und kantig sein kannst.«

»Wenn du damit meinst, dass ich meine Ecken und Kanten hab und dass man mich net so einfach zurechtkneten kann, dann hast du recht, mein Zuckerl.«

Die Tür öffnete sich knarrend. Sie hatte schon einige Jahre hier droben unter dem Hochgrat-Hang auf dem Buckel. Bei Schnee und Regen knarrte sie, bei schönem Wetter war nur ein leichtes Quietschen zu hören. Und wenn es so heftig stürmte, dass im Wald Äste und Zweige von den Bäumen gerissen wurden, hielt die alte Tür den Naturgewalten trotzdem stand.

Außer ein paar Reparaturen an den Scharnieren und einem neuen Anstrich dann und wann hatte die Tür keine weiteren Instandsetzungen nötig gehabt, denn sie bestand aus massivem Eichenholz, das Jakob Bellingers Vater mit eigenen Händen zurechtgesägt und gehobelt hatte.

Die Hütte war ein Geschenk für seine junge Ehefrau Erni gewesen, ein Liebesnest statt einer Hochzeitsreise. Und natürlich hatte das glückliche, junge Paar in seinem idyllisch gelegenen Zirbenhäuschen beschlossen, in puncto Familienplanung zügig voranzuschreiten. Das Ergebnis namens Jakob hatte dann auch recht bald daheim auf dem Bellinger-Hof in der Wiege gelegen.

Es war bei dem einen Bübl geblieben, Jakob hatte keine Geschwister, genauso übrigens wie Mila.

»Einzelkind« genannt zu werden, das war manchmal fast ein bisschen wie ein Makel gewesen, »verwöhnt und zimperlich« eine richtige Beleidigung, obwohl man sich um so ein dummes Gerede nicht kümmern musste. Sowohl bei den Bellingers als auch bei der Familie Gelsbacher hatte man nur darüber gelacht.

Wozu auf das hirnlose Geschwätz neunmalgescheiter Leute hören, die sich nur wichtigmachen wollten und bei denen es daheim drunter und drüber ging, weil sie noch nie das Wort »Ordnung« gehört hatten? Weshalb sollte man sich ärgern? Das hatten weder Jakob noch Mila nötig gehabt.

Jetzt gab es derartige Äußerungen längst nicht mehr, denn das »Einzelkind« Mila arbeitete schon seit Jahren als überaus beliebte Erzieherin im Kindergarten Spatzennest und hatte zur Begeisterung der Kleinen ein eigenes Kasperle-Theater namens »Mila, Kasperle und die bunten Freunde« gegründet.

Jakob hatte ebenfalls ein Herz für Kinder. Er lud regelmäßig kleine Tierfreunde zu sich auf den Hof ein, die dann mit den Kälbchen, den Hauskatzen, den Ponys und den zutraulichen Lämmchen spielen durften.

Auch die Kühe waren ausgesprochen friedlich und sahen aus, als seien sie im Dauerurlaub. Simmerl, der gewichtige Stier, konnte freilich nur auf seiner eigenen Weide aus sicherer Entfernung (im Schutz eines sehr festen Gatters) bewundert werden, hinein zu ihm durfte nur Jakob selbst.

Im Grunde genommen war Simmerl ein gutmütiger Geselle. Er neigte jedoch dazu, mit seinem klobigen Schädel erst einmal jeden anzustoßen, der sich ihm näherte. Man merkte zunächst nicht, dass es sich um eine gut gemeinte Begrüßung handelte, gleichzeitig aber auch um eine nachdrückliche Bettelei.

Nichts verzehrte der Koloss lieber als Äpfel und getrocknetes Brot. Es war daher von Vorteil, immer etwas Schmackhaftes dabeizuhaben, wenn man sich dem »Dickschädel« näherte.

Viel höflicher beziehungsweise sanfter wurden die Besucher auf dem Hof von Barni begrüßt, dem treuen Berner Sennenhund, der seit sechs Jahren zur Familie gehörte.

Während der kurzweiligen Stunden auf dem Bellinger-Hof erfuhren die Kinder auch, dass man alle Tiere – natürlich auch die großen »Viecherl« – artgerecht halten musste. Dazu gehörten nicht nur gesundes Futter und hier und da Streicheleinheiten, sondern auch der regelmäßige Besuch von Tierarzt Dr. Steiger, der in bestimmten Abständen auf den Hof kam.

Mila und Jakob – sie die Tochter des inzwischen pensionierten Lehrer-Ehepaares Wilma und Kilian Gelsbacher, er der gescheite Diplom-Agrarwirt und Erbe des Bellinger-Anwesens – waren schon als Kinder fröhlich ihrer Wege gegangen, jeder auf seine Weise und mit dem Wunsch, aus jedem Tag das Beste zu machen.

Und wenn der Weg manchmal nicht nahtlos geradeaus führte, na und? Die Sonne schien immer wieder, auch wenn es zwischendurch einmal regnete. Fast immer gab es im Leben eine zweite Chance, das wussten Jakob und Mila von jeher.

Die beiden hatten sich im vergangenen Jahr beim legendären Filzenmoos-Fest getroffen und sich völlig überraschend ineinander verliebt, sie sechsundzwanzig, er dreißig und nicht darauf gefasst, ein Opfer von Amors Pfeilen zu werden.

Obwohl sie sich ja früher schon im Dorf begegnet waren, hatte es zwischen ihnen nie gefunkt. Ein paar nette Worte oder ein kurzer Ratsch über das Dorfgeschehen, dann waren sie wieder mit einem knappen »Servus, mach’s gut« von dannen geflitzt, der eine hierhin, der andere dorthin.

Aber es kam eben immer auf den richtigen Moment an … Beim Filzenmoos-Fest war dieser Moment im wahrsten Sinne des Wortes »blitzartig« da gewesen: bei einem Gewitter, das jäh aufgezogen war und einen kurzen, aber heftigen Regenguss mit sich gebracht hatte.

Jakob war natürlich sofort bereit gewesen, Mila mit seiner Joppe vor der »Sintflut« zu schützen. So war ihr entzückendes, blaues Dirndl nur an einigen Stellen nass geworden. Dafür hatte ihr dunkles Haar eine richtige Dusche abbekommen.

»Das steht dir richtig gut«, war der Kommentar des jungen Hoferben gewesen. »Also, deine Haare sind einfach schön. Du schaust ja aus wie Schneewittchen.«

Dieser Moment hatte die Zukunft von Mila und Jakob nicht nur beeinflusst, sondern sie als Liebespaar zusammengeführt. Seither fühlten sie sich im Regen pudelwohl, sie sangen sogar gemeinsam »Regenlieder«, zum Beispiel einen alten Schlager: »Regentropfen, die an mein Fenster klopfen, die sagen mir, das ist ein Gruß von dir …«

Vielleicht war aber auch das alljährliche Fest im »Moos« nicht schuldlos daran, dass die beiden sich ineinander verliebt hatten. Dieses traditionsreiche Fest war schließlich etwas ganz Besonderes, denn es erinnerte an eine alte Sage.

Angeblich hatte man in früheren Zeiten Irrlichter und Elfen in der geheimnisvollen Hochmoor-Landschaft zwischen dem Kuckuckssee und der einsamen Garben-Alm gesehen, natürlich auch weiße Frauen und schweigende Berggeister, die niemals einen Laut von sich gaben.

Die Garben-Alm war eine weite Hochalm, die unter Naturschutz stand. Es war streng verboten, hier irgendetwas abzupflücken oder den ausgeschilderten Weg zu verlassen.

Im Sommer wuchsen hohe Gräser auf der Almhöhe, durch die der Wind strich. Wenn der Wind zunahm, konnte man das Gras »singen« hören, wie einige Leute behaupteten.

Gegen Abend wurde es im Moos immer ein wenig feucht und dunstig, egal, ob im Frühling, im Sommer oder im Herbst, wenn der Nebel aus den Wiesen und Talmulden aufstieg. Der feine Dunst tauchte die Umgebung in ein unwirkliches Licht, sodass es nicht verwunderlich war, wenn einige Besucher des Filzenmoos-Festes »etwas Überirdisches« sahen: Geister und schöne Frauen, die still vorbeischwebten.

Dass diese Erscheinungen meistens in Verbindung mit den freizügig ausgeschenkten »geistigen Getränken« auftraten, zum Beispiel beim Genuss des beliebten Moos-Cocktails, wurde natürlich abgestritten. Wenn man etwas sah, dann war das hundertprozentig keine Täuschung!

Doch wer auch immer recht haben mochte, so oder so war das Fest jedes Jahr ein Höhepunkt in den herrlichen Wochen voller Wärme und goldener Sonne. Diese Zeit zwischen Sommer und Frühherbst war einfach traumhaft schön!

Viele Naturfreunde sprachen nach dem Abklingen der großen Hitze von der »geschenkten Jahreszeit« und priesen die Fülle bunter Farben, die prächtigen Bauerngärten und das leuchtende Obst, das man am liebsten frisch vom Baum oder Strauch pflückte, um es an Ort und Stelle zu verzehren.

Der Frühherbst zauberte im Hochtal rund um St. Christoph jedes Jahr Ausblicke von traumhafter Schönheit. Wenn abends die blauen Schatten über die immer noch sattgrünen Wiesen fielen und die untergehende Sonne rotgolden hinter den Bergen aufleuchtete, dann wünschte sich jeder, dass die »geschenkte Zeit« niemals enden würde.

Derzeit hatte jedoch der Hochsommer noch das Sagen. Jetzt, in den letzten Julitagen an der Schwelle zum August, flimmerte die Hitze über den Wiesen und Almen.

Umso erfreulicher war es, dass der Wetterbericht ein paar Regentage vorausgesagt hatte. Denn der Regen wurde in der Landwirtschaft dringend gebraucht. Außerdem nahm die Waldbrandgefahr ab, vor der schon seit Wochen gewarnt wurde.

Jakob war bester Laune, denn das wohltuende Nass aus den Wolken füllte nicht nur die Bäche auf, sondern sorgte auch für frisches Grün auf den trockenen Wiesen.

Und überhaupt – war es nicht urgemütlich, dieses leise Rauschen und das Plätschern in der Regenrinne am Hüttendach?

»Bestimmt sind wir die Einzigen, die bei diesem Wetter eine Stunde durch den Wald gewandert sind«, vermutete Mila und lachte. »Ich wette, alle anderen sitzen bei Kaffee und Kuchen in der guten Stube und gähnen, weil sie an diesem verregneten Sonnabend vor Langeweile ganz schlaff und müde sind.«

»Langeweile? Was soll das sein? Das Wort kenn ich gar net«, witzelte Jakob. »Kaffee wäre jetzt allerdings nicht schlecht. Und was hab ich hier in der Hand? Achtung, jetzt kommt ein Zaubertrick! Abrakadabra, dreimal schwarzer Kater – eine Thermosflasche mit Filterkaffee von daheim!«

»Ich hab mir doch gedacht, dass du etwas Vernünftiges im Rucksack hast, net nur Wanderkarten und Traubenzucker mit Vitaminen für Supersportler«, scherzte Mila. »Natürlich kann ich dir auch eine kleine Überraschung bieten. Ob du es glaubst oder nicht, ich hab mich heut in aller Früh hingestellt und die Rührschüssel aus dem Küchenschrank geholt.«

Aufmerksam sah Jakob sie an. Das klang vielversprechend!

»Mach die Augen zu«, forderte Mila. »Nicht blinzeln! Und jetzt werd ich mal ein bisserl zaubern. Simsalabim, schau hin! Du bist als Zauberkünstler nicht unbegabt, aber ich bin auch nicht ohne.«

»Holla, hoppla! Was ist das? Etwas zum Anbeißen, süß wie die Sünde? Mit roten Herzerln in der Mitte?«

»Das sind Doppelkekse aus Butter-Knetteig, dazwischen rote Himbeer-Konfitüre. Wenn ich net in der Mitte kleine Herzen ausgestochen hätte, würdest du die Konfitüre gar net sehen, Jakob. Und weißt du, wie dieses Gebäck heißt?«

»Manchmal gibt’s bei uns etwas Ähnliches. Spitzbuben oder gefüllte Taler, meine Mutter hat verschiedene Namen dafür«, erwiderte Jakob. »Aber Spitzbuben sehen doch ganz anders aus, denke ich. Vielleicht so wie ich. Was meinst du?«

»Sei net albern. Das hier sind feurige Herzerln.«

»Feurig? Stimmt das?«

Mila nickte. »So heißen sie, diese Taler. Beiß mal hinein.«

»Nichts lieber als das … Hm, köstlich. Die zergehen ja auf der Zunge! Süß und verführerisch.«

»Findest du?«

Jakob nahm sein Mädchen in die Arme.

»So verführerisch wie du«, flüsterte er ihr ins Ohr. »Und jetzt kann es durchaus passieren, dass ich nicht nur feurig werde, sondern lichterloh brenne.«

»Das macht nichts«, wisperte sie. »Dagegen kann man etwas tun. Außerdem hört der Regen nicht auf. Was brennt, kann man auch mit Regenwasser löschen.«

»Ich bevorzuge die Methode ohne Wasser. Es gibt gewisse Verfahren, bei denen man …«

»Jakob! So redet man net daher. Gut, dass uns niemand hört. Zaungäste haben wir hier nicht.«

»Dem Himmel sei Dank. Hier oben sind wir allein. Immer wenn uns danach ist, der Welt mal zu entfliehen, ist hier der richtige Platz. Ein Hoch auf die Paradies-Hütte!«

***

Die feurigen Herzen mit der glutroten Himbeer-Füllung hatten es tatsächlich in sich, denn es handelte sich nicht um eine normale Konfitüre, die man mal eben so auf die Frühstückssemmel strich, vielmehr verfeinerte ein Stamperl hausgemachten Beerenlikörs den Geschmack der süßen Taler.

Nicht nur der Kaffee schmeckte dazu, sondern auch der St.-Magdalener-Rotwein, ein guter Tropfen aus der Gegend um Meran, den Jakob »rein zufällig« dabeihatte. Zum Inventar der Hütte zählten neben Geschirr und diversen Gläsern übrigens auch Kissen mit »Vogerl-Bezügen.«

Das Tiroler Muster mit zwei Vögelchen und einem Herzchen als Symbol für Glück und Liebe fand sich nicht nur auf Vasen, Geschirr und Tischdecken, sondern es war früher auch auf Bettwäsche eingestickt worden. Kaum eine junge Braut, die anno dazumal keine Vogerl-Bettwäsche in ihrer Aussteuertruhe aufbewahrt hatte!

Die Kissenbezüge stammten vom Bellinger-Hof. Und natürlich gab es auch Decken. Man musste ja immer damit rechnen, dass man aus irgendeinem Grunde den Heimweg nicht mehr antreten konnte. Gelegentlich kam die Dunkelheit schneller, als man dachte. Oder das Wetter erwies sich als ungeeignet, um noch heimzugehen: zu warm, zu kalt, zu stürmisch oder was auch immer.

Es fand sich immer ein Vorwand, um auf der Hütte zu bleiben. Gelegentlich wollte man auch den nächtlichen Sternenhimmel an diesem idyllischen Platz zwischen Wald und Almwiesen auf sich wirken lassen oder zuschauen, wie der Mond über die Gipfel wanderte und dabei wunderbare Licht- und Schattenspiele schuf.