Der Bergdoktor 1957 - Heimatroman - Andreas Kufsteiner - E-Book

Der Bergdoktor 1957 - Heimatroman E-Book

Andreas Kufsteiner

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Beschreibung

Dr. Burger und der Einsiedler Wie seine Enkelin das Leben des verbitterten Senners noch einmal auf den Kopf stellte Martin Burger seufzt. Als Nächstes steht ein Besuch bei Sepp Haselbeck auf seinem Terminkalender. Der alte Einsiedler ist ein schwieriger Patient. Störrisch und dickköpfig, wie er ist, steht er sich oft selbst im Weg. Und nicht nur, was seine Gesundheit angeht! Auch sein privates Glück hat der alte Senner selbst zerstört. Seine unbegründete Eifersucht hat einst seine liebe Frau Rosi vom Hof vergrault, und mit ihr ist das gemeinsame Töchterchen Lina gegangen. Das ist bereits viele Jahre her. Inzwischen ist aus Lina eine erwachsene Frau geworden, die selbst eine wunderschöne Tochter hat. Julia ist ein blitzgescheites Madel, das an der Universität von Wien Medizin studiert. Doch tief in ihr drin regt sich ein ganz anderer Wunsch: Sie möchte Bäuerin werden und sich in St. Christoph niederlassen - so wie einst ihr Opa, den sie allerdings noch nie gesehen hat. Genau das hat Julia vor zu ändern. Und so steht sie eines Tages vor Sepps Tür ... Mit klopfendem Herzen erwartet Julia die Reaktion ihres Großvaters. Alle haben sie gewarnt: Wegschicken werde er sie, mit ihm sei kein Auskommen mehr. Doch Julia ist fest entschlossen, durch die harte Schale des Alten zu seinem weichen Kern durchzudringen ... Ob es ihr gelingt, erfahren Sie in Band 1957 der beliebten Bastei-Serie "Der Bergdoktor".

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Seitenzahl: 125

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Inhalt

Cover

Impressum

Dr. Burger und der Einsiedler

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Michael Wolf

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-7582-4

www.bastei-entertainment.de

Dr. Burger und der Einsiedler

Wie seine Enkelin das Leben des verbitterten Senners noch einmal auf den Kopf stellte

Von Andreas Kufsteiner

Martin Burger seufzt. Als Nächstes steht ein Besuch bei Sepp Haselbeck auf seinem Terminkalender. Der alte Einsiedler ist ein schwieriger Patient. Störrisch und dickköpfig, wie er ist, steht er sich oft selbst im Weg. Und nicht nur, was seine Gesundheit angeht! Auch sein privates Glück hat der alte Senner selbst zerstört. Seine unbegründete Eifersucht hat einst seine liebe Frau Rosi vom Hof vergrault, und mit ihr ist das gemeinsame Töchterchen Lina gegangen.

Das ist bereits viele Jahre her. Inzwischen ist aus Lina eine erwachsene Frau geworden, die selbst eine wunderschöne Tochter hat. Julia ist ein blitzgescheites Madel, das an der Universität von Wien Medizin studiert. Doch tief in ihr drin regt sich ein ganz anderer Wunsch: Sie möchte Bäuerin werden und sich in St. Christoph niederlassen – so wie einst ihr Opa, den sie allerdings noch nie gesehen hat. Genau das hat Julia vor zu ändern. Und so steht sie eines Tages vor Sepps Tür …

In einem stillen Winkel des Tiroler Zillertals lag der beschauliche Flecken St. Christoph. Nur eine einzige Bergstraße führte, von Mayrhofen kommend, in vielen Serpentinen bergan.

An diesem sonnigen und kalten Wintertag glich die kleine Gemeinde, in der die Uhren noch anders gingen, einem wahren Idyll. Die sechs Berge ringsum trugen dicke Schneemützen, und auch die Dächer der Häuser waren unter der weißen Pracht gänzlich verschwunden. Helle Rauchkringel stiegen aus den Schornsteinen in die klare Winterluft empor. Die Tiroler Alpen bildeten am Horizont das majestätische Panorama.

Gepflegte Bauernhäuser scharten sich um die weiße Dorfkirche mit dem Zwiebelturm, die den Mittelpunkt des Dorfes bildete.

Im Westen, auf einem sanften Hügel gelegen, fand sich der gelbe Barockbau des sogenannten Schlössels. Hier lebten seit Generationen die Barone von Brauneck. Diese waren stets ein bodenständiges Geschlecht gewesen, das sich durchaus nicht zu schade war, mit seiner Hände Arbeit das tägliche Brot zu verdienen. Auch der jetzige Baron, Markus von Brauneck, war ein Mann der Tat, ein Macher und Pragmatiker, der mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen stand und im Tal von allen hoch geachtet wurde.

Gegenüber des Brauneckschen Besitzes stand das Sporthotel »Am Sonnenhang«, wo Hedi und Andi Kastler ihre Gäste mit der typischen Tiroler Gastfreundschaft empfingen.

Neben dem Haus von Ludwig Sirch, seines Zeichens Dorfgendarm und Respektsperson, und dem Hof des Ortsvorstehers Toni Angerer war auch das Doktorhaus von St. Christoph im ganzen Tal ein Begriff. Hier lebten die Burgers, namentlich Dr. Martin Burger, der von allen, die ihn kannten und schätzten, nur »unser Bergdoktor« genannt wurde.

Martin Burger war in St. Christoph geboren und aufgewachsen. Sein Vater Pankraz hatte in jungen Jahren das Doktorhaus in der Kirchgasse im Gebirgsstil erbauen lassen. Es hatte ihm, seiner Frau und dem kleinen Sohn als Zuhause dienen und zugleich die Praxis des damaligen Landarztes von St. Christoph beherbergen sollen.

Leider war Martins Mutter gestorben, als dieser ein Bub von elf Jahren gewesen war – ein harter Schlag für Pankraz, der schwer an diesem Verlust zu tragen hatte.

Damals war Zenzi Bachhuber ins Doktorhaus gekommen. Die patente Hauserin mit der rauen Schale und dem goldenen Herzen war bald zur Ersatzmutter für den einsamen Buben geworden, der sich bereits im zarten Alter für den Beruf des Vaters zu interessieren begonnen hatte. So war es für Pankraz keine Überraschung gewesen, als sich Martin nach der Matura entschieden hatte, Medizin zu studieren.

Dr. Burger senior war stolz auf seinen klugen und talentierten Buben, für den der Arztberuf von Anfang an auch Berufung gewesen war. Dass Martin einmal die Praxis in St. Christoph übernehmen würde, schien abgemacht. Aber das Schicksal hatte noch einige Umwege vorgesehen, bevor es dazu hatte kommen können.

Als junger Assistenzarzt im Spital von Schwaz hatte Martin seine Jugendliebe Christel geheiratet. Das junge Glück hatte allerdings nicht länger als ein Jahr gewährt. Christel war im Kindbett gestorben, und das Kleine hatte ebenfalls nicht gerettet werden können.

Der Schock hatte Martin Burger an allem zweifeln lassen, auch an seiner Berufung. Schmerz, Trauer und Verzweiflung trieben ihn fort aus der Heimat. Er arbeitete mehrere Jahre in einem großen Klinikum in München, bildete sich zum Unfallchirurgen fort und lebte nur für seine Arbeit. Sie bot ihm Vergessen und irgendwann auch wieder den Sinn, den jedes Leben fordert, um gelebt zu werden.

Irgendwann aber hatte sich das Heimweh im Herzen des einsamen Mediziners geregt. Immer öfter hatte er wieder an daheim gedacht, und schließlich war er ins Zillertal zurückgekehrt, um seinen Vater abzulösen, der allmählich in die Jahre kam.

Die Praxis, die sich nun in einem Anbau des Doktorhauses befand, war gründlich modernisiert und erweitert worden. Das, was man im Volksmund als »Miniklinik« bezeichnete, war in dieser Zeit entstanden.

Neben Warte- und Sprechzimmer fand sich hier ein vollständig eingerichteter OP, Labor, Röntgen- und Sonografie sowie zwei Krankenzimmer für einen stationären Aufenthalt. Schon oft hatten besonders letztere sich bewährt, ersparten sie doch manchem Patienten in der kalten Jahreszeit die beschwerliche Fahrt in die Stadt über vereiste oder zugeschneite Bergstraßen.

Martin Burger hatte sich daheim ohne Schwierigkeiten wieder eingelebt. Das Einvernehmen zwischen ihm, seinem Vater und der guten Zenzi war über Jahre ungetrübt. Und seine Patienten hatten den »jungen Dr. Burger« bald zu schätzen gelernt, denn er war herzlich, kompetent und immer für sie da.

Sein Privatleben hatte allerdings weiter auf Eis gelegen. Die Verzweiflung über den Verlust von Frau und Kind war abgeklungen, die Trauer jedoch geblieben. Manches Mal hatten Zenzi und Pankraz sich gefragt, ob Martin sein Leben wohl als einsamer Wolf beschließen würde.

Dieser Gedanke hatte ihnen beiden nicht gefallen, doch sehr zu ihrer Freude hatte das Glück wieder Einzug gehalten im Herzen des jungen Arztes.

Es war in Gestalt der Wiener Anästhesistin Dr. Sabine Rodenwald erschienen, die ihre Tante Rika in St. Christoph besuchte. Als sie und Martin Burger sich begegnet waren, hatten sich ihre Herzen sogleich einander zugeneigt. Die sprichwörtliche Liebe auf den ersten Blick hatte sie getroffen und ein unverbrüchliches Band um ihrer beider Denken und Fühlen geschlungen. Eine große Liebe war es, die Sabine wunschlos glücklich machte, und in Martins Innerstem eine helle Flamme entzündete, die sein Leben von Stund an wieder schön und licht werden ließ.

Drei muntere Kinder krönten diese außergewöhnlich glückliche Verbindung. Da war Tessa, die Älteste, ein Schulmadel von acht Jahren, temperamentvoll, manchmal ein rechter Dickschädel und Wirbelwind, aber auch sehr gescheit.

Ihr jüngerer Bruder Philipp war fünf Jahre alt und ein überaus aufgeweckter Bub, der allem auf den Grund gehen musste. Er liebte Tiere und zankte sich mit Hingabe mit seiner älteren Schwester, die ihn als Kindergartenkind nicht im Geringsten ernst nahm und bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufzog.

Laura, die Jüngste im Bunde, wusste noch nichts von geschwisterlichem Zank. Sie war erst zwei Jahre alt und der kleine Sonnenschein im Doktorhaus.

An diesem sonnigen, aber kalten Wintertag hielt Martin Burger seine Vormittagssprechstunde, während Sabine Zenzi beim Kochen half.

Pankraz hielt sich in seinem Kabinettl neben der guten Stube auf. Der Senior im Doktorhaus war auch mit Ende siebzig noch geistig fit. Er studierte weiterhin die medizinischen Fachzeitschriften und frönte seinem Hobby, der Heimatforschung.

Seit Pankraz in den wohlverdienten Ruhestand gegangen war, arbeitete er an einer Chronik des Zillertals. Regelmäßig stellte er seine neuesten Erkenntnisse hierzu auf den Treffen des Heimatvereins vor, dessen Ehrenmitglied er war.

An diesem Vormittag arbeitete er sich durch einen dicken Wälzer, dessen verblichene Schrift und umständlicher Stil ihn allerdings nicht recht zu fesseln vermochten. Ein wenig lag es wohl auch an den verführerischen Düften, die ihm aus Richtung Küche in die Nase stiegen und ihn von seiner Lektüre ablenkten.

Pankraz liebte Zenzis bodenständige Küche. Besonders hatten es ihm die feinen Süßspeisen angetan, die sie immer wieder zum Nachtisch zauberte. Und er fragte sich nun, welcher paradiesische Duft sich da zwischen das Aroma von Schweinebraten und Blaukraut geschlichen hatte.

Probierte Zenzi etwa ein neues Dessert aus? Dieser Gedanke ließ Burger senior nicht mehr los, und so legte er schließlich den dicken Wälzer beiseite und verließ sein Kabinettl Richtung Küche, um dem auf den Grund zu gehen.

Familiendackel Poldi, der zu seinen Füßen gedöst hatte, meinte wohl, dass es Zeit für sein Fresschen wurde. Auf seinen kurzen, krummen Beinchen folgte er Pankraz mit leisem, forderndem Fiepen.

Der alte Landarzt verzog leicht den Mund.

»Gleich, Poldi. Ich muss erst …«

Weiter kam er nicht, denn nun öffnete sich die Haustür, und mit einem Schwall frischer Winterluft stürmten Tessa und Philipp in die Diele.

Das dunkelhaarige Madel stellte seinen Ranzen ordentlich unter der Garderobe ab, während sein Bruder, der Filli gerufen wurde, die Kindergartentasche mit Schwung in eine Ecke pfefferte.

»Bauen wir nach dem Mittagsmahl einen Schneemann?«, fragte er seinen Opa. »Im Kindergarten haben wir einen ganz großen, der hat einen Zylinder auf dem Kopf und eine Gelbrübe als Nase und …«

»Wen interessiert denn das?« Tessa verdrehte gelangweilt die Augen. »Was bist du nur für ein dummes Baby!«

Wie auf ein heimliches Kommando hin meldete sich nun Klein-Laura aus der Küche, wo sie bis zu diesem Moment Zenzi und Sabine beim Kochen zugeschaut hatte. Die schlanke, blonde Arztfrau erschien gleich darauf.

»Eine neue Windel ist fällig!«, stellte sie fest, und schon war sie über die Stiege nach oben gelaufen, das jüngste Mitglied der Familie Burger auf dem Arm, das diese Feststellung lautstark zu bestätigen schien.

Pankraz seufzte. Er bugsierte die Kinder ins Badezimmer, damit sie sich die Hände vor dem Essen waschen konnten, dann füllte er Poldis Napf und wandte sich schließlich Zenzi zu.

Noch ehe er aber nach dem Dessert spitzen konnte, erschien Martin Burger und verwickelte ihn sogleich in ein Fachgespräch. Zwar freute es ihn stets, wenn sein Sohn ihn an den aktuellen Fällen Anteil nehmen ließ, doch momentan stand ihm der Sinn ja eigentlich nach etwas ganz anderem …

»Essen ist fertig!«, verkündete Zenzi da auch schon.

Pankraz seufzte resigniert.

»Stimmt was net, Vater?«, erkundigte sich Martin. »Die Zenzi trifft doch beim Essen sonst immer deinen Geschmack.«

»Alles bestens«, spöttelte der und fand sich damit ab, dass er erst nach dem Essen erfahren würde, was Zenzi da Lukullisches gezaubert hatte. Wenn er schon mal neugierig war …

***

»Was war denn das? Es war eindeutig das Beste, was ich jemals gegessen habe.« Pankraz betrachtete ein wenig wehmütig sein leeres Dessertschälchen und lächelte Zenzi dann anerkennend zu.

Dass die Hauserin mit dem strengen Haarknoten sein Lächeln nicht erwiderte, dass ihre meist etwas saure Miene noch deutlich saurer wurde, das konnte nichts Gutes bedeuten.

Was hab ich falsch gemacht?, ging es Pankraz erschrocken durch den Sinn. Nichts lag ihm ferner, als seine liebste Küchenfee zu erzürnen. Er sollte es sogleich erfahren.

»Frag deine Schwiegertochter, Doktor. Es ist ihr Werk«, riet Zenzi ihm knapp und schleppte dann das vollgeladene Tablett mit dem benutzten Mittagsgeschirr hinaus.

»Magst du mir verraten, was es war?«, fragte Martin seine Frau.

Sein Vater befand sich noch im Zustand des reuigen Schocks, ihm fehlten ganz einfach die Worte.

»Nix Besonderes, nur ein bisserl Brandteig, gefüllt mit eingelegten Herzkirschen und Schlagobers. Ein Rezept von meiner Mama aus Wien«, erklärte Sabine lächelnd. »Freut mich, dass es euch geschmeckt hat.«

»Es war himmlisch, so wie du, mein Herzerl«, schmeichelte Martin und stahl seiner Frau ein zartes Busserl.

Tessa verdrehte die Augen. »Doch net vor uns Kindern!«

»Ja, genau!«, rief Filli. »So was muss wirklich net sein.«

Pankraz dankte Zenzi für den Kaffee.

»Das Essen war heut wieder ganz besonders gut«, versicherte er ihr. »Du hast dich selbst übertroffen.«

Die Hauserin schnaubte verächtlich.