Der Bergdoktor 1980 - Heimatroman - Andreas Kufsteiner - E-Book

Der Bergdoktor 1980 - Heimatroman E-Book

Andreas Kufsteiner

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Beschreibung

Allein mit ihrem Feind Ahnungslos öffnete Gisa einem Fremden die Tür Von Andreas Kufsteiner Nach dem Tod des Vaters bewirtschaften die Brüder Matthias und Daniel Schöntaler gemeinsam den imposanten Berghof zwischen St. Christoph und Hochbrunn. Die Burschen sind sehr verschieden. Matthias hat das Sagen und kümmert sich um die Finanzen. Daniel ist Bauer mit Leib und Seele, hat ein Händchen für die Tiere und liebt die Natur. Er ahnt nicht, dass sein Bruder einer heimlichen Leidenschaft frönt, die längst zur Sucht geworden ist: dem Glücksspiel. Nur der Großknecht Wastel weiß darüber Bescheid. Und er kennt ein weiteres dunkles Geheimnis: Es gibt noch eine Erbin, die der Altbauer in seinem Testament großzügig bedacht hat. Matthias jedoch hat das Geld längst verspielt. Klar, dass er jetzt den Tag fürchtet, an dem Gisa in St. Christoph auftaucht ...

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Seitenzahl: 125

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Inhalt

Cover

Impressum

Allein mit ihrem Feind

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Michael Wolf

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-8267-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Allein mit ihrem Feind

Ahnungslos öffnete Gisa einem Fremden die Tür

Von Andreas Kufsteiner

Nach dem Tod des Vaters bewirtschaften die Brüder Matthias und Daniel Schöntaler gemeinsam den imposanten Berghof zwischen St. Christoph und Hochbrunn. Die Burschen sind sehr verschieden. Matthias hat das Sagen und kümmert sich um die Finanzen. Daniel ist Bauer mit Leib und Seele, hat ein Händchen für die Tiere und liebt die Natur. Er ahnt nicht, dass sein Bruder einer heimlichen Leidenschaft frönt, die längst zur Sucht geworden ist: dem Glücksspiel.

Nur der Großknecht Wastel weiß darüber Bescheid. Und er kennt ein weiteres dunkles Geheimnis: Es gibt noch eine Erbin, die der Altbauer in seinem Testament großzügig bedacht hat. Matthias jedoch hat das Geld längst verspielt. Klar, dass er jetzt den Tag fürchtet, an dem Gisa in St. Christoph auftaucht …

Golden stieg die Morgensonne über dem idyllischen Ort St. Christoph im Tiroler Zillertal auf, übergoss die gepflegten Bauernhäuser und traditionsreichen Gehöfte mit ihrem hellen Licht und sorgte dafür, dass sich alsbald überall fleißige Hände regten.

Weit und klar spannte der Himmel sich über das schmale Seitental, in dem das weltabgeschiedene Dorf zu finden war. Nur eine kurvenreiche Bergstraße führte nach St. Christoph und verband die Nachbargemeinden Hochbrunn, Mautz, Altenacker, Bergfelden und Hohenluft. In Hochbrunn war allerdings schon die Endstation des Linienbusses, der dreimal täglich verkehrte.

Sechs Berge fanden sich in der unmittelbaren Umgebung von St. Christoph. Der Feldkopf war die höchste Erhebung. Zu seinem Gipfel führte eine Kabinenbahn, droben konnte man in der Feldkopfhütte zünftig speisen und auch übernachten. Daneben war der Hexenstein, der aus dem Krähenwald emporwuchs. Frauenhorn, Achenkegel, Rautenstein und Beerenhalde vervollständigten den Reigen aus Fels und Bergwald.

Jetzt im Juni stand das Korn auf den Feldern bereits hoch, saftig grün und fruchtbar zeigten sich Wiesen und Weiden, Koppeln und Brachen. Auf halber Höhe zwischen Berg und Tal war mancher Berghof zu entdecken. Die Almen wirkten wie kunstvoll bestickt mit ungezählten Wildblumen und Kräutern. Das helle Weidevieh der Region gab gute, würzige Milch von bester Qualität.

Die Bauern wirtschafteten traditionell und legten Wert auf Nachhaltigkeit, die immer wichtiger wurde.

Ein eigener Menschenschlag war es, der hier lebte. Die Zillertaler waren freundlich und rechtschaffen, gottesfürchtig und fleißig. Fremden gegenüber zunächst misstrauisch und selten auf Anhieb für Neuerungen zu begeistern. Deshalb war und blieb St. Christoph ein Geheimtipp für Ruhesuchende und Menschen, die sich in ihrem Urlaub wirklich erholen wollten. Es gab keine Skilifte, keine Hotelburgen oder moderne Vergnügungsmeilen.

Die Gäste, die durchaus gerne und zahlreich hierherkamen, stiegen im „Berghotel“ bei Hedi und Andi Kastler ab und wurden dort wie gute Freunde begrüßt.

Toni Angerer, der größte Bauer im Ort und zugleich ehrenamtlicher Bürgermeister, hielt ebenso auf Tradition wie sein Rat. Meist war man einer Meinung, wenn es darum ging, sich vom Rummel und der Hektik größerer Fremdenverkehrszentren abzugrenzen.

Beschaulich war das Leben in St. Christoph. Das hieß aber nicht, dass die Menschen hier Hinterwäldler waren, die den Anschluss an den Rest der Welt verpasst hatten.

Man schätzte und nutzte moderne Kommunikationsmittel ebenso wie effiziente Methoden in der Landwirtschaft. Und es gab hier einen Landarzt, wie man ihn nirgendwo sonst finden konnte. Ein erstklassischer Allgemeinmediziner und Unfallchirurg, ein sensibler und einfühlsamer Mensch und eine Ausnahmeerscheinung in jeder Beziehung: Dr. Martin Burger.

Die Menschen im Tal nannten ihn respektvoll Bergdoktor. Sie wussten, dass er nicht nur jederzeit für sie erreichbar war, sie konnten auch mit all ihren Sorgen und Problemen zu ihm kommen. Stets hatte er ein offenes Ohr, stets versuchte er jedem, mit Hilfe, Rat und Tat zur Seite zu stehen. Niemanden ließ er im Stich. Immer war er mit ganzem Herzen bei der Sache. Ein berufener Helfer und Heiler im wahrsten Sinne des Wortes.

In der Kirchgasse, nahe Kirche und Friedhof, stand das Doktorhaus von St. Christoph, wo Dr. Burger lebte und wirkte.

Gut fünfzig Jahre war es her, dass Dr. Pankraz Burger das Doktorhaus in St. Christoph im schlichten Gebirgsstil hatte bauen lassen. Es sollte ihm, seiner Frau und seinem kleinen Sohn Martin zum Heim werden und zugleich seine Praxis in einem Anbau beherbergen. Das Glück der jungen Familie hatte aber nur wenige Jahre gewährt. Als Martin eben elf geworden war, hatte seine geliebte Mutter für immer die Augen geschlossen.

Pankraz hatte schwer zu tragen gehabt an diesem Verlust. Ohne seinen Sohn und die tatkräftige Unterstützung der patenten Hauserin Zenzi Bachhuber wäre der Landarzt wohl am Leben verzweifelt.

Zenzi, die auch heute noch, mehr als vier Jahrzehnte später, den Haushalt der Burgers versorgte, war für Martin zu einer liebevollen Ersatzmutter geworden und hatte Pankraz nach Kräften beigestanden. So hatte sie den Dörflern den Doktor erhalten und Martin seinen Vater.

Schon in sehr jungen Jahren hatte der kluge Bub sich entschlossen, in dessen Fußstapfen zu treten. Nach einer erstklassischen Matura war das Medizinstudium für Martin weniger Last als Lust gewesen. Er hatte leicht und mit Freuden gelernt, und schon bald hatte sich gezeigt, dass er ein berufener Mediziner war.

Im Leben des feschen, hochgewachsenen jungen Mannes mit dem dichten dunklen Haar und den warmen und klugen braunen Augen schien sich einfach alles zum Besten zu fügen. Mit dem festen Plan, einst die väterliche Praxis in St. Christoph zu übernehmen, hatte er als junger Assistenzarzt im Spital von Schwaz gearbeitet und seine Jugendliebe Christl geheiratet.

Doch nur ein Jahr nach dieser Liebesheirat hatte das Schicksal grausam zugeschlagen, und das Leben von Martin Burger hatte sich abrupt verdunkelt.

Der junge Arzt hatte nicht verhindern können, dass seine geliebte Frau im Kindbett gestorben war und das Kleine mit sich zu den Engeln genommen hatte.

Der Schock hatte den sensiblen Mann mit brachialer Gewalt getroffen und dafür gesorgt, dass in seinem Leben von einem Tag auf den anderen nichts mehr so gewesen war wie bisher. Er war in tiefste Verzweiflung gestürzt, sein Dasein schien plötzlich jeden Sinn verloren zu haben.

Alles hatte er infrage gestellt, sogar seine Berufung als Arzt. Denn wozu sollte diese gut sein, wenn er nicht in der Lage gewesen war, das Liebste, was er auf Erden gehabt hatte, zu retten und zu bewahren?

Dunkle Wochen und Monate waren auf die Tragödie gefolgt. Der Schmerz hatte ihm das Herz zerrissen, die Verzweiflung war übermächtig gewesen. Schließlich hatte er begriffen, dass ihm nur ein klarer Schnitt helfen konnte.

Schweren Herzens hatte Martin Burger das Zillertal verlassen und alles, was ihm lieb und vertraut gewesen war, hinter sich gelassen. Er hatte eine Stelle in einem Münchner Klinikum angetreten, wo ihn niemand gekannt und wo ihn nichts an den schrecklichen Verlust erinnert hatte.

Einige Jahre hatte Martin Burger dort erfolgreich gewirkt, sich zum Unfallchirurgen ausbilden lassen und nur noch für seinen Beruf gelebt. Bei Kollegen wie Patienten gleichermaßen beliebt und angesehen, hatte der Ausnahmemediziner sich voll engagiert. Ein Privatleben hatte es damals für ihn nicht mehr gegeben, er hatte nur noch in seiner Arbeit Vergessen gesucht und gefunden.

Nach und nach hatte er so gelernt, mit dem schweren Verlust zu leben und nicht zu verzweifeln. Aus dem tiefen Schmerz, der sein Herz nach dem Verlust von Frau und Kind erfüllt hatte, waren allmählich eine erträgliche Trauer und die Gewissheit des Unabänderlichen geworden.

Schließlich hatte sich aber auch ein anderes Gefühl in seiner Brust geregt: das Heimweh. Immer öfter waren seine Gedanken zurück ins Zillertal gewandert, nach St. Christoph, wo er nach wie vor verwurzelt gewesen war. Und schließlich, als die Zeit im Doktorhaus für einen Generationenwechsel reif geworden war, hatte Martin Burger sich entschlossen heimzukehren.

Pankraz war erleichtert gewesen und hatte seinen Sohn mit offenen Armen empfangen. Er hatte Martin freie Hand gelassen und sich zufrieden in den wohlverdienten Ruhestand zurückgezogen. Der junge Landarzt hatte die Praxis im Anbau des Doktorhauses zunächst gründlich renovieren und die Einrichtung auf den neuesten Stand bringen lassen, bevor er dort angefangen hatte zu praktizieren.

Neben Warte- und Sprechzimmer waren ein Labor, ein kompletter OP, ein Röntgenraum sowie zwei Krankenzimmer für einen stationären Aufenthalt hinzugefügt worden. Die Dorfbewohner sprachen auch voller Stolz von ihrer „Mini-Klinik“. Besonders in der kalten Jahreszeit, wenn die Bergstraße nur schwer passierbar war, wurde dadurch so manchem Kranken oder Verunglückten der Weg ins Spital nach Schwaz erspart.

In den folgenden Jahren war Dr. Burger nur für seine Patienten da gewesen. Pankraz und Zenzi hatten schon befürchtet, dass Martin sein Leben als „einsamer Wolf“ beschließen wollte. Dann aber hatte er die zauberhafte Anästhesistin Dr. Sabine Rodenwald kennengelernt, und mit ihr hatte die Liebe wieder Einzug in sein Leben gehalten.

Es war eine ganz besondere Liebe, die ihre beiden Herzen vom ersten Augenblick an verbunden und die sich stetig vertieft hatte und die mit jedem gemeinsam verbrachten Jahr inniger und schöner geworden war.

Drei muntere Kinder krönten diese außergewöhnlich glückliche Gemeinschaft. Da war Tessa, die Älteste, ein aufgewecktes Schulmadel von acht Jahren, ihr jüngerer Bruder Philipp, der Filli gerufen wurde, fünf Jahre alt und sehr tierlieb. Er ging den Dingen gerne auf den Grund und zankte sich mit Hingabe mit seiner älteren Schwester.

Das Nesthäkchen im Hause Burger hieß Laura. Sie war zwei Jahre alt und ein richtiger kleiner Sonnenschein, der seinen Eltern nur Freude machte.

***

An diesem sonnigen Junimorgen hielt Dr. Burger wie üblich seine Sprechstunde ab. Der erste Patient, den die patente Arzthelferin Bärbel Tannauer ins Sprechzimmer führte, war Daniel Schöntaler. Der hochgewachsene Landarzt begrüßte den jungen Bergbauern per Handschlag und erkundigte sich zunächst nach dessen Befinden, bevor er mit der Untersuchung begann.

Daniel hatte sich vor einer Weile den Fuß gebrochen und kam nun zur letzten Nachuntersuchung. Er war ein fescher Bursche mit dichtem dunklem Haar und klugen grauen Augen. Zusammen mit seinem älteren Bruder Matthias bewirtschaftete er den traditionsreichen Berghof zwischen St. Christoph und Hochbrunn.

Seit dem Tod des Vaters vor Jahresfrist war Matthias der Bauer, denn das Tiroler Erbrecht sah es vor, dass stets der älteste Sohn Hoferbe wurde.

Doch die Brüder verstanden sich gut, es gab keinen Streit und auch keine Missgunst zwischen ihnen. Sie zogen an einem Strang. Und da Daniel ein nachgiebiger, gutmütiger Charakter war, überließ er Matthias ganz selbstverständlich das Sagen. Dieser gab den Ton an, ohne nachzudenken, und Daniel blickte von Kindesbeinen an zu ihm auf.

„Ich fühle mich gut und hab keine Schmerzen mehr“, erklärte Daniel erleichtert. Neben der Arbeit auf dem Hof war das Bergsteigen seine Leidenschaft. Nun hatte er lange darauf verzichten müssen, und das hatte ihm gar nicht gefallen. Dr. Burger war ebenfalls passionierter Bergsteiger. Er konnte Daniel gut verstehen.

„Trotzdem solltest du es net gleich übertreiben“, mahnte der Bergdoktor den Burschen besonnen. „Und die Bandage musst du noch eine Weile zur Unterstützung tragen.“

„Ich hab mich erst dran gewöhnen müssen, aber jetzt empfinde ich’s doch als angenehm, weil sie mir Halt gibt und mich sicherer macht.“

„Gut, dann will ich mir deinen Fuß mal ansehen.“ Der Arzt untersuchte seinen Patienten gründlich, vor allem auf den Knöchel und die Gelenke war sein Augenmerk gerichtet. Und natürlich auch auf die Reaktionen des Burschen bei jeder Bewegung und Drehung.

Daniel schien tatsächlich keine Schmerzen mehr zu haben, denn er zuckte kein einziges Mal zusammen. Der Doktor zeigte sich zufrieden.

„Wann kann ich denn wieder in die Berge gehen?“, fragte er verhalten sehnsuchtsvoll, als die Untersuchung schließlich abgeschlossen war. „Das Wetter ist im Moment ideal.“

„Wem sagst du das.“ Dr. Burger lächelte verhalten. „Ich hab am Wochenende auch eine Tour am Feldkopf geplant.“

„Vielleicht kann ich mitkommen? Dann können Sie drauf schauen, dass ich’s net übertreib“, meinte Daniel scherzend und erhob sich.

„Das lassen wir lieber. In zwei Wochen frühestens kannst du wieder an einen leichten Aufstieg denken. Bitt schön net früher, magst du mir das versprechen?“

Deutlich sah man dem ehrlichen Burschen die Enttäuschung an, doch er wollte vernünftig sein. Wie alle in St. Christoph und Umgebung vertraute er auf die Meinung und den Rat des Bergdoktors.

„Ich verspreche es. Dann viel Spaß am Wochenende, Herr Doktor. Ich werde zumindest in Gedanken dabei sein.“

„Das ist net verboten“, erwiderte der Doktor schmunzelnd.

***

Der Schöntalerhof stand auf halber Höhe des Feldkopfs, recht versteckt in einem abgelegenen Hochtal. Eine schmale Straße führte durch den Bergwald hinauf zu dem Anwesen, das schon seit zweihundert Jahren von der Familie Schöntaler bewohnt wurde.

Der erste Bauer, der hier den Grundstein gelegt hatte, war ein fleißiger, aber harter Mann gewesen. Nie hatte er sich Ruhe oder Erholung gegönnt, sein Leben war Arbeit gewesen. Mit strenger Hand hatte er den Hof geführt, Frau, Kinder und Gesinde zum steten Fleiß angehalten und jede Verschwendung aufs Schärfste verurteilt.

Seine Familie hatte ein freudloses Dasein gefristet. Früh war die Frau verstorben, die Kinder hatten den Hof verlassen, denn ein Einstand als Knecht oder Magd war ihnen im Vergleich zu dem Leben daheim wie eine Erholung erschienen.

Nur der Älteste war geblieben und hatte das Regiment des Vaters fortgeführt. So war die Familie Schöntaler über die Generationen hinweg zu Wohlstand gelangt. Der Hof war gewachsen, Felder und Viehbestand hatten sich vergrößert. Neben den begrenzten Flächen auf der Höhe besaß die Familie auch Land im Tal. Wirtschaftlich hatte man sauber dagestanden. Menschlich aber war viel zu beanstanden gewesen.

Ein Schöntaler hatte stets nach der Mitgift geheiratet, um den Besitz zu mehren. Jakob Schöntaler, der Vater von Matthias und Daniel, war als Erster aus der Reihe getanzt. Auch ihm hatte sein Vater eine Braut ausgesucht, die auf eine ordentliche Mitgift hoffen konnte. Doch Jakob hatte nichts wissen wollen von dem hässlichen, dürren Etwas, das vor Selbstbewusstsein nur so gestrotzt hatte.

Sein Herz hatte sich der sanften und anmutigen Gretel Schnapp zugewandt, der Tochter eines einfachen Schäfers aus Mautz. Mit jugendlichem Trotz und forscher, unverblümter Hartnäckigkeit hatte er sein Madel heimgeführt. Und so war zum ersten Mal eine Braut ohne Mitgift Bäuerin auf dem stolzen Berghof geworden.

Die Ehe von Gretel und Jakob war sehr glücklich gewesen, von zwei strammen, gesunden Buben gekrönt. Doch Gretel war zu zart für das Leben auf der Höhe und ihr Herz den strengen Wintern und heißen Sommern nicht gewachsen gewesen. Mit nicht einmal vierzig Jahren hatte die Bäuerin für immer die Augen geschlossen.

Zutiefst verzweifelt und unglücklich war Jakob gewesen, unfähig, den Verlust zu verwinden. Der baumstarke Bergbauer war dahingeschwunden, hatte lange gekränkelt und war schließlich gestorben. Aus Gram, wie man sagte.

Daniel, der ganz nach der Mutter kam, hatte sehr um den geliebten Vater getrauert. Matthias hatte sich seine Regungen nicht anmerken lassen. Er schien ganz nach den früheren Schöntaler-Bauern zu schlagen. Wenn ihm etwas nicht passte, wurde er unwirsch und streng, schimpfte und hob auch schon mal die Hand. Er führte den Berghof mit unerbittlicher Strenge. Gefühle zeigte er nie.

Als Daniel an diesem Vormittag von seinem Arztbesuch zurückkam, saß sein Bruder im Arbeitszimmer hinter dem Schreibtisch und kümmerte sich um die Buchführung.