Der Bergdoktor 1987 - Heimatroman - Andreas Kufsteiner - E-Book

Der Bergdoktor 1987 - Heimatroman E-Book

Andreas Kufsteiner

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Beschreibung

Drei sind einer zu viel Eine junge Frau zweifelt an der Treue ihres Liebsten Von Andreas Kufsteiner Schon seit ein paar Wochen wird die junge Bäuerin Vroni von einer rätselhaften Schwäche befallen. Fabian, ihr Freund, drängt sie, sich vom Bergdoktor untersuchen zu lassen, aber sie schiebt es immer wieder auf. Da breitet die unheimliche Schwäche bis in ihre Arme aus - und an einem regnerischen Abend bricht Vreni schließlich zusammen! Dr. Burger weist sie sofort ins Krankenhaus ein, wo sich sein Verdacht bald bestätigt: Vreni leidet am Guillain-Barré-Syndrom. Ein Schock, denn es wird lange dauern, bis sie wieder nach Hause kann. Anfangs beruhigt es Vreni, dass Fabian ihr verspricht, sich um den Hof und die Tiere zu kümmern. Allein wäre die Arbeit für Clara, die junge Magd, nämlich nicht zu schaffen. Doch plötzlich werden Fabians Besuche im Krankenhaus seltener, und auch Clara findet immer irgendwelche Ausreden ...

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Seitenzahl: 124

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Inhalt

Cover

Impressum

Drei sind einer zu viel

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Bastei Verlag / Michael Wolf

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-8441-3

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Drei sind einer zu viel

Eine junge Frau zweifelt an der Treue ihres Liebsten

Von Andreas Kufsteiner

Schon seit ein paar Wochen wird die junge Bäuerin Vroni von einer rätselhaften Schwäche befallen. Fabian, ihr Freund, drängt sie, sich vom Bergdoktor untersuchen zu lassen, aber sie schiebt es immer wieder auf.

Da breitet sich die unheimliche Schwäche bis in ihre Arme aus – und an einem regnerischen Abend bricht Vreni schließlich zusammen!

Dr. Burger weist sie sofort ins Krankenhaus ein, wo sich sein Verdacht bald bestätigt: Vreni leidet am Guillain-Barré-Syndrom. Ein Schock, denn es wird lange dauern, bis sie wieder nach Hause kann.

Anfangs beruhigt es Vreni, dass Fabian ihr verspricht, sich um den Hof und die Tiere zu kümmern. Allein wäre die Arbeit für Clara, die junge Magd, nämlich nicht zu schaffen. Doch plötzlich werden Fabians Besuche im Krankenhaus seltener, und auch Clara findet immer irgendwelche Ausreden …

„Freilich gibt es ihn.“

„Im Leben net.“

„Opa sagt, er wäre nur noch net gefunden worden.“

„Woher weiß er es dann?“

„Opa weiß eben alles.“

Ein skeptisches Prusten war die einzige Antwort.

Der kleine Zwist wurde so leise geführt, dass kaum mehr als ein Wispern zu verstehen war. Trotzdem entging er Vreni Brunner nicht.

Die junge Bäuerin saß mit verschränkten Beinen auf der grob gezimmerten Gartenbank und tippte etwas in den Laptop auf ihrem Schoß ein. Auf dem Monitor blinkte eine Internetseite: Die Hühnersprechstunde.

Ein bunt geringelter Sonnenschirm spendete der Jungbäuerin angenehmen Schatten. Von Westen wehte ein milder Wind heran und strich flüsternd durch die Wildblumenwiese.

Eine Schar Gartenzwerge bewachte den Weg, der durch den Garten zum Haus führte. Sie stammten von Vrenis Mutter und waren von ihr liebevoll von Hand bemalt worden. Einer trug einen roten Mantel und hielt einen Papierdrachen in der Hand. Vreni hatte ihn als Kind Windy getauft.

Sie trug ein gelbes Sommerkleid, das von Kordeln gehalten wurde und ihre Schultern freiließ. Ihre blonden Haare hatte sie mit einer Spange im Nacken hochgesteckt, damit sie ihr nicht ins Gesicht fielen. Ihre Haut war sommerlich gebräunt.

Als sich das Tuscheln fortsetzte, blickte sie von ihrer Arbeit hoch und geradewegs in die neugierig funkelnden Augen von zwei Kindern. Filli und Tessa wohnten mit ihren Eltern nicht weit entfernt im Doktorhaus. Mit seinen fünf Jahren war Filli ein tierlieber Bub. Seine Schwester war schon acht und so quirlig, dass sie immer in Bewegung zu sein schien.

„Hallo, ihr zwei.“ Vreni lud die Geschwister mit einer Handbewegung ein näher zu kommen. „Worüber seid ihr euch denn uneins?“

„Filli sagt, es gibt einen Schatz auf deinem Hof“, platzte Tessa heraus, „aber ich glaub das net.“

„Mei, diese alte Geschichte wird wohl immer noch erzählt?“ Vreni lächelte. „Im Tal erzählen sich die Menschen, dass ein Schatz auf dem Anwesen versteckt sein soll. Bis jetzt hab ich hier aber nur einen Schatz gefunden – und das ist der Hof selber.“

Sie schaute sich um. Ja, ihr größter Schatz, das waren ihre Hühner und ihre geliebten Berge. Was brauchte sie mehr?

Die Mär vom alten Schatz auf dem Brunner-Hof kursierte schon lange im Dorf. Das Anwesen stammte noch aus dem sechzehnten Jahrhundert. Vielleicht war das der Grund. Ein so altes Gehöft bot reichlich Stoff für Geschichten und Geheimnisse.

Im Laufe der Zeit war der Hof oft umgebaut worden. Vrenis Vater hatte das rustikale Bauernhaus wenige Jahre vor seinem Tod komplett renovieren lassen. Nun wirkte es mit seinen geweißelten Wänden, den Holzelementen und dem umlaufenden Balkon sehr behaglich.

Der Hof stand am Rande von St. Christoph, mitten im Herzen des Zillertals. Ein Stall und weitläufige Wiesen schlossen sich daran an. Wiesen, auf denen zahlreiche Hühner pickten, dösten oder sich putzten. Sie konnten sich frei bewegen und waren dabei gut geschützt durch ein Drahtnetz, das über ihrer Wiese aufgespannt war und sie vor Beutegreifern schützte.

Einen Milchhof konnte Vreni allein nicht bewirtschaften, deshalb hatte sie ihn nach dem Unfall ihres Vaters umgebaut und einen Hühnerhof daraus gemacht. Sie liebte Hühner: die kletterfreudigen Zwerg-Paduaner, die fürsorglichen Seidenhühner und die zutraulichen Mooshühner …

Von ihrer Gartenbank aus hatte Vreni einen weiten Blick auf den Hexenstein, den Hausberg ihres Heimatdorfes. In der Nähe floss der Mühlbach vom Kiefernwald herab und schlängelte sich zwischen den Wiesen hindurch.

Nirgendwo sonst hätte Vreni leben wollen.

Als Kind der Berge konnte sie das kommende Wetter durch einen Blick zum Himmel erkennen. An diesem Nachmittag verriet der leichte Dunst, der die Sicht auf die schroffen Berggipfel unscharf machte, dass sich das herrliche Sommerwetter auch am nächsten Tag halten würde.

Unter ihrer Bank hatte sich Rollo zusammengerollt. Der schwarz-weiß gefleckte Mischling mit den Hängeohren folgte Vreni wie ein Schatten. Nachdem sie an diesem Nachmittag einen Spaziergang mit ihm unternommen hatte, döste er nun.

„Schreibst du ein Buch?“ Filli deutete auf ihren Laptop.

„Nein, ich notiere nur etwas für meine Hühnersprechstunde.“

„Was ist denn eine Hühnersprechstunde?“

„Das ist mein Blog. Hin und wieder erreichen mich Anfragen rund um die Hühnerhaltung, die beantworte ich dort. Vorhin hat mir jemand geschrieben: Heute früh habe ich in meinem Frühstücksei zwei Dotter gefunden. Wären daraus zwei Küken entstanden, wenn das Ei ausgebrütet worden wäre?“

„Und? Wären zwei Junge geschlüpft?“

„Vermutlich net. Ein Ei hat eine harte Schale und kann sich net ausdehnen, deshalb reichen der Platz und die Nährstoffe net für zwei Küken. Kurz vor dem Schlüpfen fangen die Küken mit dem Atmen an. Dazu stecken sie ihren Schnabel in eine winzige Luftkammer im Ei. Es ist leider sehr unwahrscheinlich, dass bei Zwillingsküken beide richtig liegen und das schaffen. Manchmal gelingt es, aber das ist sehr, sehr selten.“

„Hast du es schon einmal gesehen?“

„Nein, leider noch net.“

„Wo schlafen deine Hühner eigentlich?“, fragte Tessa.

„Am liebsten auf einer Stange.“

„Fallen sie im Schlaf net runter?“

„Nein, die Hühner beugen beim Schlafen die Knie. Dadurch verkürzen sich die Sehnen vorn an ihren Beinen, und die Krallen ziehen sich fest um die Stange zusammen. Morgens müssen sie sich anstrengen, um diese Sicherung wieder zu lösen.“ Vreni schaute die Kinder an. „Möchtet ihr ein Marillenküchlein? Ich hab sie vorhin erst gebacken.“

„Au ja!“ Die Augen ihrer kleinen Besucher leuchteten auf.

„Bin gleich wieder da!“ Vreni stellte ihren Laptop auf den Tisch, stand auf und eilte ins Haus.

Plötzlich stürzte sie hin – und fand sich auf dem Boden wieder, ohne recht zu wissen, wie sie dahin gekommen war!

Ein leiser Wehlaut entfuhr ihr. Sie rappelte sich auf und blickte auf ihre aufgeschrammten Knie. Verwundert schüttelte sie den Kopf. Waren ihre Beine vom langen Sitzen eingeschlafen? So musste es wohl sein. Allerdings hatte Vreni das seltsam taube Gefühl in den vergangenen Tagen schon mehrfach verspürt.

Wahrscheinlich sollte ich öfter mal eine Pause machen, dachte sie. Im Sommer gab es auf dem Hof viel zu tun, da war es kein Wunder, wenn sie erschöpft war. Energisch schob sie das Unwohlsein beiseite und nahm zwei der Küchlein vom Backblech. Das Backwerk steckte in orange getupften Papiermanschetten. Sie brachte jeweils eines zu Tessa und Filli nach draußen.

Die Kinder bedankten sich artig und trotteten mit ihrer Leckerei davon.

Ein Schatz auf meinem Hof. Also so etwas! Vreni lächelte versonnen. Was die Kinder so alles beschäftigte!

Sie nahm wieder auf der Gartenbank Platz, aber anstatt sich ihrem Laptop zuzuwenden, schaute sie ihren Hühnern zu. Eine Henne rieb ihren Schnabel an einem Zweig. Eine andere wälzte sich auf der Sandfläche und gackerte höchst zufrieden, als Staub aufwirbelte.

„Ist dein Fernseher kaputt, Vreni?“ Josef Gränitz winkte über den Zaun. Dabei drückte er einen Hahn an sich.

„Kaputt ist er net. Ich schaue den Hühnern nur gern zu. Das ist unterhaltsamer als jedes Fernsehprogramm.“

Ihr Nachbar schmunzelte. Er war ein stämmiger Mann mit grau melierten Haaren, die unter einem zerknitterten Hut hervorlugten. Man sah ihn selten anders als in blauen Arbeitshosen, aufgekrempeltem Hemd und Gummistiefeln. Abends saß er vor seinem Haus und rauchte eine Pfeife.

Sein Sohn Fabian war seit sechs Monaten Vrenis fester Freund. Die Familie betrieb eine Milchwirtschaft und bewirtschaftete auch ein Waldstück in der Nähe des Dorfes.

„Wen bringst du mir denn da, Josef?“

„Den Casimir.“ Der Bauer schaute auf seinen Hahn hinunter. „Er kommt bei uns leider nimmer zurecht. Der jüngere Gockel hackt immer wieder auf ihn ein. Früher war Casimir der Chef unserer Hühner, aber seitdem ein Milan ihn beinahe erwischt und er sein linkes Auge verloren hat, ist er nimmer der Alte.“

„Ich dachte, der Tierarzt hätte sein Augenlid zugenäht.“

„Hat er auch. Verheilt ist die Wunde gut, aber Casimir sieht links nix mehr. Das nutzt sein Konkurrent aus, um bei unseren Damen zu punkten und ihn auszubooten. Ich hab Angst, dass er Casimir das andere Auge aushackt, aber ich bringe es auch net übers Herz, ihn zu schlachten.“

Vreni verstand. Bei Hühnern gab es eine streng festgelegte Hackordnung. Der Hahn schlug Alarm, sobald er eine Gefahr wahrnahm – zwei rote Ohren zum Beispiel. Er verteidigte seine Hennen bis zum Letzten. Der arme Casimir war nicht mehr imstande, seinen Posten zu erfüllen, das machte ihn angreifbar.

„Er ist ein gutes Tier und hat sein Gnadenbrot verdient“, fuhr ihr Nachbar fort. „Könntest du ihn bei dir aufnehmen?“

„Natürlich. Sehr gern. Auf meiner Arche ist er willkommen.“ Hinter Vrenis Hof befand sich die Wiese, auf der eine Schar Hühner lebte, die verletzt oder zu alt zum Eierlegen waren. Sie führten ein ruhiges Leben, und wenn sie krank herkamen, wurden sie von der Jungbäuerin gesund gepflegt.

Vreni übernahm den Hahn von ihrem Nachbarn und brachte ihn nach hinten. Josef stapfte ihr nach, stieß seinen Hut in den Nacken und beobachtete, wie sie Casimir auf ein Stück Wiese setzte, das durch einen Zaun von den anderen Hühnern abgetrennt war. Casimir scharrte im Gras und schien sich bereitwillig mit seiner neuen Umgebung vertraut zu machen.

„Dank dir schön, Vreni. Was bekommst du für seine Pflege?“

„Nix, das mache ich wirklich gern.“

„Bist ein liebes Madel. Und weißt du was? Ich hab eine Fußbank gebaut. Aus gutem, stabilem Zirbenholz. Die schenk ich dir. Du …“ Der Bauer stockte und sah Vreni verwundert an.

„Stimmt etwas net?“

„Ich weiß net. Was mache ich eigentlich hier?“

„Du? Du hast mir den Casimir gebracht.“

„Wirklich?“ Er schabte sich unsicher das Kinn.

„Natürlich. Sag mal, geht es dir gut, Josef?“

„Nein, net wirklich. Etwas stimmt hier net“, presste er hervor. „Ich war doch eben noch beim Einkaufen. Unten in Mayrhofen! Ich hatte die Zirbenseife in der Hand.“ Er schaute auf seine Hände hinunter. „Wie komme ich so schnell hierher?“

„Du bist zu mir gekommen.“

„Aber das weiß ich gar nimmer.“

„Was redest du denn da? Josef? Ist alles in Ordnung?“

„Nein, ist es net.“ Er stöhnte, und sein Gesicht verlor auf einmal alle Farbe. „Ich glaube, ich hab einen Schlaganfall!“

***

„Doktor Burger? Doktor Burger!“ Bang drückte Vreni die Türklinke der Arztpraxis nieder. Sie war verschlossen! „Oh nein!“

Vreni hielt ihren Nachbarn mit einem Arm umschlungen. Josef war aschfahl. Tiefe Furchen gruben sich in sein Gesicht ein. Sein Blick irrte unruhig umher, als würde er sein Heimatdorf überhaupt nicht wiedererkennen.

Vreni pochte energischer an das Türholz.

„Hallo? Ist jemand hier?“

Ihr Herz wummerte wild gegen ihre Rippen. War es ein Fehler gewesen, nicht gleich die Rettung anzurufen? Sie hatte gehofft, in der nahen Praxis schnelle Hilfe für ihren Nachbarn zu finden. Aber was, wenn der Bergdoktor nicht da war?

Das Schild an der Praxistür verschwamm vor ihren Augen. Sie blinzelte rasch. Dann las sie, dass die Sprechstunde seit zwei Stunden vorüber war. Kein Wunder, dass niemand hier war!

Das Doktorhaus stand am Ende der Kirchgasse, nur einen Steinwurf vom Wald entfernt. Die Praxis war im Anbau untergebracht und schloss sich an das rustikale Alpenhaus des Arztes an. Dr. Burger war ein warmherziger Mann, der nie auf die Uhr schaute, wenn jemand seine Hilfe brauchte.

„Hallo?“ Ohne große Hoffnung klopfte Vreni noch einmal an.

Da schwang die Tür zur Praxis vor ihr auf, und Dr. Burger trat vor sie hin. Sein weißer Kittel verriet einen durchtrainierten Oberkörper und eine aufrechte Haltung. Mit den braunen Haaren und dem freundlichen Funkeln in seinen Augen wirkte er deutlich jünger als Anfang fünfzig.

„Entschuldigt, dass es ein bisserl gedauert hat“, sagte er. „Ich war gerade dabei, eine Probe im Labor zu analysieren, und konnte net gleich weg.“

„Ich bin so froh, dass Sie da sind, Herr Doktor!“, stieß Vreni hervor. „Dem Josef ist es plötzlich mulmig geworden. Er war gerade bei mir, als er nimmer wusste, warum er gekommen ist. Als hätte er einen Kurzschluss im Kopf.“

„Wie lange ist das her?“

„Es ist eben erst passiert.“

„Ich verstehe. Kannst du laufen, Josef?“

„Schon, aber ich bin so durcheinander, Herr Doktor.“

„Das ist unter diesen Umständen ganz natürlich. Kommt herein, dann schaue ich, was ich tun kann.“ Dr. Burger trat von der Tür zurück und ließ sie eintreten. Er führte Josef in sein Behandlungszimmer und bat Vreni, nebenan zu warten.

Nachdem sich die Tür des Sprechzimmers hinter den beiden Männern geschlossen hatte, lief Vreni unruhig im Warteraum auf und ab. Hoffentlich fehlte ihrem Nachbarn nichts Ernstes!

Wie war es nur möglich, dass er nicht mehr wusste, weshalb er zu ihr gekommen war?

Vreni rang die Hände.

Plötzlich fiel ihr Fabian ein. Er musste erfahren, dass es seinem Vater nicht gut ging. Jetzt wünschte sie doch, sie hätte eines von diesen verflixten Handys besessen. Sie mochte diese Dinger nicht, aber im Augenblick wäre es sehr praktisch gewesen, eines zu haben.

Vreni marschierte aus dem Warteraum ins Vorzimmer. Hier stand ein Telefon. Ob sie es benutzen durfte?

Während ihr diese Überlegung durch den Kopf ging, huschte Tessa durch den Flur herein, der ins Wohnhaus führte. Die Achtjährige strahlte sie an.

„Dein Küchlein war lecker.“

„Das freut mich, Spatzerl.“

„Ist mein Papa auch hier?“

„Ja, er ist drinnen. Er untersucht gerade meinen Nachbarn. Darf ich bei euch telefonieren, Tessa?“

„Na klar!“ Das Madel nickte und trollte sich wieder.

Vreni nahm das Telefon und wählte die Nummer ihres Freundes. Wie sollte sie ihm nur beibringen, dass es seinem Vater schlecht ging?

„Fabian Gränitz“, meldete sich eine dunkle Stimme, die an warme Sommerabende, Heu und Honig erinnerte.

„Hallo, ich bin es, Vreni. Du, wo bist du gerade?“

„Daheim. Warum fragst du?“

„Weil ich deinen Vater zu Doktor Burger bringen musste. Er fühlt sich net wohl. Kannst du herkommen?“

„Natürlich.“ Fabian klang alarmiert. „Was fehlt ihm denn?“

„Das weiß ich net. Der Bergdoktor untersucht ihn noch.“

„Verstehe. Ich bin gleich da.“

„Bringst du deine Mutter mit?“

„Das geht net. Sie ist noch in der Stadt. Sie hat ihren Termin bei der Physiotherapie, und danach wollte sie einen Bummel machen. Vor dem Abend wird sie net zurück sein. Aber ich komme sofort rüber. Bis gleich!“ Damit legte Fabian auf.