Der Bergdoktor 2035 - Heimatroman - Andreas Kufsteiner - E-Book

Der Bergdoktor 2035 - Heimatroman E-Book

Andreas Kufsteiner

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Beschreibung

Als Christian Eichinger die neue Pflegerin für seine Schwiegermutter zum ersten Mal sieht, gerät sein Herzschlag aus dem Takt. Mit so einem hübschen Madel hat der Hofbauer nicht gerechnet! Anette könnte ihm glatt gefährlich werden, das spürt er sofort. Und das darf nicht sein! Denn er hat gelobt, dass er seiner verstorbenen Frau niemals eine Nachfolgerin geben wird. Er hat seine Marie einfach zu sehr geliebt. Auch Christians Tochter Sylvia, die gerade ihre Matura gemacht hat, spürt die Gefahr, die von Anette ausgeht. Eine Stiefmutter ist das Letzte, wonach ihr der Sinn steht! Doch das wird sie zu verhindern wissen. Über das Wie denkt sie noch nach, da spielt ihr der Zufall in die Hände ...

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Inhalt

Cover

Impressum

Des Lebens Licht und Schatten

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Bastei Verlag / Wolf

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9878-6

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Des Lebens Licht und Schatten

Dramatischer Roman um ein tragisches Versprechen

Von Andreas Kufsteiner

Als Christian Eichinger die neue Pflegerin für seine Schwiegermutter zum ersten Mal sieht, gerät sein Herzschlag aus dem Takt. Mit so einem hübschen Madel hat der Hofbauer nicht gerechnet! Anette könnte ihm glatt gefährlich werden, das spürt er sofort. Und das darf nicht sein! Denn er hat gelobt, dass er seiner verstorbenen Frau niemals eine Nachfolgerin geben wird. Er hat seine Marie einfach zu sehr geliebt.

Auch Christians Tochter Sylvia, die gerade ihre Matura gemacht hat, spürt die Gefahr, die von Anette ausgeht. Eine Stiefmutter ist das Letzte, wonach ihr der Sinn steht! Doch das wird sie zu verhindern wissen. Über das Wie denkt sie noch nach, da spielt ihr der Zufall in die Hände …

„Ich kann mich nicht erinnern, dass die Praxis jemals so überfüllt war. Man könnte meinen, dass fast ganz St. Christoph von einem grippalen Infekt heimgesucht wird. Hinzu kommen noch die eingebildeten Kranken wie der Hähnel-Gottlieb. Kaum war er im Wartezimmer, als schon wieder Streitigkeiten ausbrachen“, berichtete Dr. Martin Burger und ließ sich neben seiner Frau Sabine auf das gemütliche Sofa im Wohnzimmer sinken.

Wie immer hatte die Familie auf ihn mit dem Abendessen gewartet, auch wenn es heute besonders spät geworden war. Sogar die beiden ältesten Kinder, die achtjährige Tessa und ihr Bruder Filli, der bald in die Schule kommen sollte, waren aufgeblieben. Lediglich Laura, mit zweieinhalb noch ein Kleinkind, war zur gewohnten Zeit zu Bett gebracht worden.

Nun aber, nach dem Essen, war auch für Tessa und Filli Schlafenszeit, und ihr Großvater Dr. Pankraz Burger übernahm es, ihnen noch eine Gutenachtgeschichte vorzulesen. Nun konnten Martin und Sabine noch eine ruhige Stunde bei einem guten Glaserl Wein verbringen, eine Gewohnheit, die beide besonders liebten.

Plötzlich erschallte ein lautes Scheppern und Klirren aus der Küche, gefolgt von einem herzhaften: „Sakra!“

„Zenzi, lass doch das Geschirr stehen, morgen ist auch noch ein Tag. Setz dich her, und trink ein Glaserl von dem Roten mit uns“, rief Martin Burger.

Auf der Schwelle zur Küche erschien eine hagere Frau Anfang sechzig, auf deren Hinterkopf ein grauer Haarknoten saß. Zenzi Bachhuber war der gute Geist des Doktorhauses, und ihr Wort galt etwas. Sie vertrat strenge Prinzipien, was die Kindererziehung betraf, wandte sie glücklicherweise jedoch nie an, denn sie liebte „ihre Familie“ von Herzen.

„Kein Wunder, dass er immer Streithähnel genannt wird“, nahm Sabine den Gesprächsfaden wieder auf, „und wie man so hört, kommt er mit Frauen überhaupt nicht aus.“

Zenzi, die sich in dem Sessel gegenüber niedergelassen hatte, schnaubte verächtlich.

„Den hat auch keine haben wollen. Schon als junger Bursche war er ein Unruhestifter, und mit den Jahren ist es immer schlimmer mit ihm geworden. Statt im Alter ein bisserl Einsicht zu zeigen, ist er ein jetzt ein zänkischer Grantler, der nirgendwo gern gesehen ist.“

„Irgendwie ist er aber auch eine traurige Gestalt. Stellt euch vor, euch würde niemand mögen“, sagte Sabine mitfühlend.

Noch ehe Zenzi darauf eine geharnischte Antwort geben konnte, meldete sich Pankraz Burger zu Wort, der gerade vom Obergeschoss heruntergekommen war, wo die Kinderzimmer lagen.

„Ich hab den Kindern die Legende von der Waldhexe vorgelesen, und jetzt schlafen sie tief und fest“, erklärte er zufrieden.

„Gut. Der Rote ist wirklich ausgezeichnet, ein Glaserl Wein wird dir nichts schaden auf die Nacht“, lud Sabine ihren Schwiegervater ein.

„Wenn du das sagst“, erwiderte er und nahm mit einem leisen Ächzen in dem zweiten Sessel Platz.

Pankraz Burger wirkte mit Anfang siebzig keineswegs wie ein alter Mann, kämpfte jedoch gegen eine leichte Beleibtheit an. Das war nicht zuletzt seiner Neigung für irdische Genüsse geschuldet, was von seiner Schwiegertochter kritisch beobachtet wurde. Doch das störte die Harmonie, die im Doktorhaus herrschte, nicht, denn Pankraz wusste, dass es Sabine nur gut mit ihm meinte.

Ein leises Bellen erklang, und der Rauhaardackel Poldi gesellte sich zu seinem Herrchen Pankraz, und somit waren außer den Kindern alle Hausgenossen versammelt. Auch bei den Mahlzeiten hielt sich Poldi immer bei Fuß, denn er wusste genau, dass ihm sein Herrchen verlässlich immer wieder ein Leckerchen unter den Tisch reichte.

„Hoffentlich war das net wieder so eine grauslige Geschicht, dass die Kinder Albträume haben“, ließ sich Zenzi vernehmen.

„Nein, das war eine ganz harmlose Legende mit einer friedlichen Waldhexe, die verirrte Wanderer auf den rechten Weg zurückführt. Sonst wären sie bestimmt net so schnell eingeschlafen“, rechtfertigte sich Pankraz sofort.

Pankraz Burger schrieb schon seit Langem an einer Chronik des Zillertals und durchforste Archive und Kirchenbücher nach längst vergessenen Aufzeichnungen. Oft traf er auch in einem der abgelegenen Weiler auf eine alte Bäuerin, die ihm Geschichten erzählte, die immer nur mündlich überliefert worden waren. Und gerade dadurch hatte er schon manchen Schatz gehoben.

Einige der Legenden waren allerdings furchtbar grausam und hatten die Kinder so in Angst und Schrecken versetzt, dass sie nachts Zuflucht bei ihren Eltern gesucht hatten.

„Der Dominikus Salt war übrigens auch in der Sprechstunde, als Letzter“, fuhr Dr. Burger mit seiner Schilderung der Ereignisse fort.

„Was? Der Dominikus hat doch immer eine eiserne Gesundheit gehabt“, unterbrach ihn Zenzi erstaunt.

„Es kann den Besten ereilen“, meinte Pankraz düster.

„Ihn hat jedenfalls eine üble Erkältung ereilt, und es ist gut, dass er rechtzeitig in die Praxis gekommen ist, damit sich das nicht zu einer chronischen Bronchitis oder womöglich zu einer Lungenentzündung auswächst.“

Dominikus Salt, einer der engsten Freunde Martin Burgers, war Leiter der Bergwacht, und gemeinsam hatten sie schon häufig leichtsinnige Touristen aus Bergnot retten können. Vor allem Gäste des „Berghotels Sonnenhang“ begaben sich oft ohne genaue Ortskenntnis oder die richtige Bekleidung auf Bergwanderungen, was ohne den Einsatz der Bergretter schon so manches Mal übel ausgegangen wäre.

Zwischen Martin Burger und seinem Vater entspann sich nun eine kurze Diskussion über die richtige Medikation, die zu beiderseitiger Zufriedenheit ausging. Martin nahm genießerisch einen Schluck von seinem Wein, ehe er weitersprach.

„Der Dominikus hat mir nebenbei von einer Neuanschaffung erzählt, und ich muss sagen, das klingt sehr vielversprechend.“

„Ach? Die Bergwacht ist doch gut ausgerüstet, hab ich immer gedacht“, warf Pankraz Burger ein und kraulte Poldi hinter den Ohren.

„Das stimmt. Aber die moderne Technik entwickelt sich immer weiter. Und es ist erstaunlich, was findige Köpfe …“

„Nun spann uns doch nicht so auf die Folter“, fiel ihm sein Vater ins Wort.

„Es handelt sich um eine ganz neuartige Drohne, die über dem Gebirge kreisen kann.“

„Eine Drohne?“, kreischte Zenzi. „So ein unheimliches Ding, das über uns fliegt und uns beobachtet, wenn man nackert auf seinem Balkon liegt?“

„Ich glaube wirklich nicht, dass du bei uns nackert auf dem Balkon liegst, Zenzi“, sagte Martin trocken.

Zenzi errötete und kicherte verschämt.

Dr. Burger erlöste sie aus ihrer Verlegenheit, indem er sich weiter über die neue Errungenschaft der Bergwacht ausließ.

„In dieser Drohne befindet sich eine Wärmebildkamera, mit deren Hilfe man einen Vermissten aufspüren kann. Der schwierigste Teil der Bergrettung besteht ja meist darin, einen Verunglückten in unwegsamem Gebiet ausfindig zu machen. Oft vergeht dann viel zu viel Zeit, bis er endlich medizinisch versorgt werden kann.“

„Der Einsatz hat doch bestimmt auch seine Grenzen. Ich frage mich, ob man die Drohne auch bei starkem Schneetreiben oder Sturm verwenden kann“, gab Pankraz zu bedenken.

„Das wird sich zeigen.“

„Auf jeden Fall ist es schon ein Fortschritt, dass inzwischen überhaupt so ein Gerät existiert“, meinte Sabine.

Nachdenkliches Schweigen breitete sich aus, das zuerst von Pankraz, dessen sonst so heitere Züge sich verschattet hatten, gebrochen wurde.

„Wenn es das nur damals schon gegeben hätte, als die Eichingers verunglückt sind. Ich bin davon überzeugt, dass man die junge Bäuerin hätte retten können, wenn man sie rechtzeitig gefunden hätte.“

Zenzi bekreuzigte sich.

„Die arme Eichinger-Marie, die war ja fast noch ein Madel damals. Es ist ewig schad drum“, sagte sie bekümmert.

„Was genau ist denn damals geschehen?“, wollte Sabine wissen. „Ich hab zu der Zeit wohl noch in Wien gelebt.“

„Die Eichingers wollten jemanden in einer abgelegenen Ortschaft besuchen. Der junge Bauer nahm eine Abkürzung auf einem unbefestigten Wirtschaftsweg durch ein zerklüftetes Gebiet. Dabei kam es zu einem Wildwechsel. Christian Eichinger wollte ausweichen und verlor dabei die Herrschaft über seinen Wagen, der sich überschlug und einen steilen Abhang hinabstürzte. Die Eichingers waren schwer verletzt. Marie war auf dem Beifahrersitz eingeklemmt, aber noch längere Zeit am Leben. Nur die Tochter, die kleine Sylvia, saß weitgehend unverletzt auf dem Rücksitz.“

„Das arme Kind“, sagte Sabine voller Mitgefühl.

„Sie hielt den Vater, der bewusstlos über dem Lenkrad hing, für tot, und Sylvia musste miterleben, wie ihre Mutter langsam und qualvoll starb. Als man sie endlich fand, konnte sie gar nicht mehr aufhören zu schreien, obwohl sie selbst fast unversehrt war. Zum Glück überlebte ihr Vater und erholte sich langsam von seinen schweren Verletzungen.“

„Das hat doch sicher seelische Wunden bei dem Kind hinterlassen“, vermutete Sabine.

„Ja, in der Tat. Bis auf den heutigen Tag hat Sylvia sich nicht richtig davon erholt, auch wenn sie nach außen hin ein normales Leben führt. Ihr Vater kann sich nicht verzeihen, dass er gegen den Willen seiner Frau zu der Fahrt aufgebrochen ist und leichtsinnigerweise diese nicht ungefährliche Strecke genommen hat.“

„Die Marie war nämlich seine große Liebe, schon als sie noch zusammen zur Schule gingen“, unterbrach ihn Zenzi. „Er war noch net mal zwanzig, als sie geheiratet haben. Gegen den Willen der Eltern, denn die Marie stammte aus armen Verhältnissen. Aber der Christian hat sich durchgesetzt und seine Marie zum Altar geführt, und im Jahr drauf haben sie die Taufe von ihrem ersten Kindl gefeiert. Leicht hat sie es ja net gehabt, die Marie, denn der Stammhalter blieb aus, und die Schwiegerleut waren halt noch vom alten Schlag.“

Pankraz seufzte und erhob sich etwas mühsam.

„Ich mag gar net dran denken, so traurig war das alles. Ich glaub, ich geh jetzt rüber und schau, ob ich noch ein bisserl schreiben kann.“

Martins Vater bewohnte ein Kabinettl, das sich an den unteren Wohnbereich des Doktorhauses anschloss. Dort saß er oft bis tief in die Nacht über seiner Zillertaler Chronik, an der er schon seit Jahren arbeitete.

Zenzi verabschiedete sich nun auch, und Poldi trottete zu seinem Körbchen unter der Stiege.

***

Martin und Sabine saßen noch eine Weile in einvernehmlichem Schweigen beisammen. Das warme Licht der Stehlampe ließ Sabines blondes Haar aufleuchten, und ein rosiger Schimmer lag auf ihrem hübschen Gesicht.

Seine Sabine – wie sehr er sie liebte! Er zog sie an sich, und sie legte ihren Kopf lächelnd an seine Schulter.

Oft war es ihm, als ob ihn das Schicksal mit dieser glücklichen Ehe und einem harmonischen Miteinander im Doktorhaus für das große Leid entschädigen wollte, das er in der Vergangenheit erlitten hatte.

Martin Burger hatte nicht nur seine Mutter früh verloren, sondern auch seine erste Frau Christl war unerwartet bei der Geburt ihres lang ersehnten Kindes gestorben. Das Engerl hatte sie mit in den Tod genommen.

Außer sich vor Schmerz hatte es Martin Burger in der Heimat nicht mehr ausgehalten und war nach München gegangen, um dort seinen Facharzt in Chirurgie zu machen. Doch immer hatte er Heimweh nach seinem geliebten Zillertal gehabt, und als sein Vater die Arztpraxis nicht mehr allein führen konnte, war er schließlich zurückgekehrt.

Sein ganzes Leben hatte er damals seinem ärztlichen Beruf gewidmet. Bald schon war ein Anbau am Doktorhaus entstanden, in dem sich ein kleiner Operationssaal sowie Röntgen- und Laborräume befanden, auch zwei Krankenzimmer standen für Notfälle bereit. So war es nicht verwunderlich, dass die Dörfler stolz von ihrer „Mini-Klinik“ sprachen.

Und ihren geliebten Landarzt nannten die Dörfer auch gerne ihren „Bergdoktor.“ Mit seinem Freund Dominikus, dem Leiter der Bergwacht, hatte Dr. Burger schon manchen Rettungseinsatz zu einem glücklichen Ende gebracht.

Die Menschen schätzten ihn sehr, weil er sich nicht nur ihrer körperlichen, sondern auch ihrer seelischen Leiden annahm. Oft waren die Lebensumstände daran schuld, dass sie erkrankten, und Dr. Burger leistete ihnen Beistand. Oft behauptete Sabine sogar, dass er „Schicksal spielen“ würde, was er sich gern gefallen ließ.

Es war ein erfülltes Leben, das er führte. Dabei hatte er die Hoffnung auf ein persönliches Glück damals längst aufgegeben. Doch dann hatte eine Begegnung alles geändert.

Bei einem Patientenbesuch hatte Martin Burger die junge Wiener Anästhesistin Sabine im Haus ihrer Tante Rika kennengelernt und sich auf den ersten Blick in sie verliebt. Als er in ihre braunen Augen, in denen goldene Pünktchen tanzten, gesehen hatte, war es um ihn geschehen gewesen. Ihr reizvolles Gesicht, die schlanke, sportliche Gestalt, vor allem aber ihr freundliches, ausgeglichenes Wesen hatten ein Übriges getan.

Sabine hatte seine Gefühle erwidert, und der Altersunterschied von sechzehn Jahren – er war jetzt einundfünfzig – hatte sie nie gestört. Der Bergdoktor wirkte sehr jugendlich mit seinen markanten Gesichtszügen und der schlanken Gestalt. Den silbernen Schimmer an seinen Schläfen fand Sabine sogar unwiderstehlich.

Und Sabine war dem Ruf ihres Herzens gefolgt. Sie hatte alles aufgegeben, was bisher ihr Leben ausgemacht hatte – ihre Karriere an dem Klinikum in Wien, ihren Freundeskreis und den kulturellen Reichtum der pulsierenden Metropole. Keine Spaziergänge mehr unter den blühenden Bäumen im Prater und niemals mehr berauschende Abende in der Oper oder dem Burgtheater. Von Freundschaftstreffen beim Heurigen ganz zu schweigen.

Stattdessen war sie nach St. Christoph gezogen, einem abgelegenen kleinen Ort im Zillertal. Doch sie hatte es nie bereut, wie sie immer wieder gern beteuerte.

Sie waren sich in leidenschaftlicher Liebe verbunden, und ihre drei Kinder machten ihr Glück vollkommen.

Sabine war für Martin Burger nicht nur eine geliebte Ehefrau und fürsorgliche Mutter, sondern auch eine Säule in seinem Alltag. Sobald er in der Praxis Hilfe benötigte, stand Sabine ihm zur Seite.

„Du bist so still, Schatzerl.“ Sabines sanfte Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. „Wir sollten zu Bett gehen, heute war ein anstrengender Tag für dich“, schlug sie vor, und sie erhoben sich.

Nachdem sie sich vergewissert hatten, dass die Kinder fest schliefen, betraten sie das „blaue Schlafzimmer“. Wie der Name schon besagte, war der Raum in verschiedenen Blautönen gehalten. Auch der Untergrund des Tiroler Bauernschranks wies ein tiefes Blau auf, wodurch sich die kunstvoll gemalten weißen Rosen samt der roten Herzen wirkungsvoll darauf abhoben. Die romantische Atmosphäre wurde noch durch ein Himmelbett mit Säulen erhöht, das den Mittelpunkt des Raums bildete.

Das blaue Zimmer war das Refugium des Paares. Hier sprachen sie über alles, was ihnen auf der Seele lag, und erneuerten den Bund ihrer Liebe. So kamen sie auch jetzt noch einmal auf das tragische Schicksal der Eichingers zu sprechen, als sie zu Bett gegangen waren.

„Und hat dieser Christian eigentlich wieder geheiratet? Er war damals doch noch jung“, wollte Sabine wissen.

„Nein. Es heißt sogar, er hätte einen Schwur getan, dass er seiner Marie als Buße für seinen Leichtsinn nie eine Nachfolgerin geben würde. Andere behaupten, dass er keine Stiefmutter für die Sylvia, verstört wie sie war, ins Haus holen wollte.“

„Wie alt ist das Madel denn?“

„Sie macht demnächst ihre Matura, soviel ich weiß.“

„Dann ist sie ja schon erwachsen und wird bald flügge sein“, vermutete Sabine.

Martin stieß einen zweifelnden Laut aus.