Der Bergdoktor - Folge 1775 - Andreas Kufsteiner - E-Book

Der Bergdoktor - Folge 1775 E-Book

Andreas Kufsteiner

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Beschreibung

Das darf doch alles nicht wahr sein!, denkt sich die junge Polizistin Kathi Grießl. Da der Gendarm von St. Christoph krankheitsbedingt ausfällt, wird die Städterin für einige Wochen in das beschauliche Bergdorf versetzt - strafversetzt, findet Kathi -, und gleich an ihrem ersten Tag gerät sie an so einen unverschämten Bauernburschen! Was bildet sich dieser Hannes Hinterlechner eigentlich ein, ihr erzählen zu wollen, wie sie ihren Job zu machen hat? Als dann auch noch ein seit Langem gesuchter Trickbetrüger ausgerechnet in St. Christoph wieder zuschlägt, ist Kathi völlig am Boden zerstört. Niemand der Einheimischen traut ihr zu, den Fall zu lösen. Nur der sympathische Anwalt Robert von Reuthen, der in St. Christoph Urlaub macht, scheint sie zu verstehen. Doch meint es der attraktive junge Mann wirklich gut mit ihr?

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Inhalt

Cover

Impressum

Warum tust du mir so weh?

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Anne von Sarosdy / Bastei Verlag

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-1665-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Warum tust du mir so weh?

Hat ihr Liebster sie betrogen?

Von Andreas Kufsteiner

Das darf doch alles nicht wahr sein!, denkt sich die junge Polizistin Kathi Grießl. Da der Gendarm von St. Christoph krankheitsbedingt ausfällt, wird die Städterin für einige Wochen in das beschauliche Bergdorf versetzt – strafversetzt, findet Kathi –, und gleich an ihrem ersten Tag gerät sie an so einen unverschämten Bauernburschen! Was bildet sich dieser Hannes Hinterlechner eigentlich ein, ihr erzählen zu wollen, wie sie ihren Job zu machen hat?

Als dann auch noch ein seit Langem gesuchter Trickbetrüger ausgerechnet in St. Christoph wieder zuschlägt, ist Kathi völlig am Boden zerstört. Niemand der Einheimischen traut ihr zu, den Fall zu lösen.

Nur der sympathische Anwalt Robert von Reuthen, der in St. Christoph Urlaub macht, scheint sie zu verstehen. Doch meint es der attraktive junge Mann wirklich gut mit ihr?

Das war ja nimmer zum Aushalten! Verzweifelt rieb sich Hannes Hinterlechner die rechte Wange. Das leichte Ziehen, das er seit einigen Tagen in seinem Backenzahn verspürte, war stetig angewachsen.

Anfangs war es nicht weiter schlimm gewesen. Er hatte gehofft, es würde von allein wieder weggehen. Doch leider war es nicht so gekommen. Seit dem vergangenen Abend wütete sein Zahn, als würde er sich durch den Knochen bohren. Die Schmerzen ließen den Jungbauern nicht zur Ruhe kommen.

Resignierend setzte sich Hannes im Bett auf und tastete im Dunkeln nach den Schmerztabletten. Er hatte die Schachtel am vergangenen Abend schon bereitgelegt, schluckte jetzt gleich zwei Tabletten auf einmal und spülte mit einem Schluck Wasser nach.

In diesem Augenblick flammte vor seinem Fenster ein Blitz auf. Für den Bruchteil einer Sekunde erhellten die gezackten Linien die Nacht, ehe sie wieder erloschen und sich die Berge in Dunkelheit hüllten.

Der nächste Blitz ließ jedoch nicht lange auf sich warten und brachte grollenden Donner mit. Hannes runzelte die Stirn, als der Sturm das Fenster seiner Schlafkammer gegen den Rahmen schlug.

Ein Unwetter tobte sich über seinem Heimatdorf aus. Es hatte sich bereits am vergangenen Tag mit drückender Schwüle angekündigt. Die Natur lechzte nach dem Regen. Die Erde war so trocken, dass für die Wälder rings um St. Christoph die höchste Waldbrandstufe ausgerufen worden war.

Es war allerdings fraglich, ob der Niederschlag wirklich kommen würde. Im Augenblick drohte die Natur nur mit Blitzen – so wie sein Vater mit der Faust, wenn ihm die Nachbarsbuben wieder einmal die Kirschen von den Bäumen stibitzten.

An Schlaf war nicht mehr zu denken. Hannes schob seine Bettdecke zur Seite, schwang die Beine aus dem Bett und tappte barfuß zum Fenster. Er stieß es weit auf und spähte hinaus.

Vom nahen Kirchturm klang ein einzelner Glockenschlag herüber. Die meisten Bauernhäuser lagen im Dunkeln. Nur die Lichter der Kabinenbahn schimmerten vom Feldkopf herüber.

Hannes wünschte sich, ein wenig Ruhe zu finden. Jeder Muskel in seinem Körper protestierte gegen die unruhige Nacht. Er hatte einen langen Tag auf den Wiesen hinter sich, wo er das Heu gewendet und eingebracht hatte – mit der Hand, weil die Hänge hinter dem Bauernhof seines Vaters zu steil waren, um sie mit Maschinen zu bearbeiten.

Nun tat ihm alles weh, und er sehnte sich nach Schlaf. Der Quälgeist in seinem Mund ließ das jedoch nicht zu.

Seufzend fuhr Hannes sich mit den Händen durch die blonden Haare. Bis die Wirkung der Schmerztabletten einsetzte, konnte er genauso gut seinen Krimi weiterlesen.

Er ließ sich in den abgewetzten Ohrensessel am Fenster fallen, knipste die Stehlampe an und griff nach dem Roman. Dann zog er die Beine an den Körper und begann zu lesen.

Doch er hatte sich noch gar nicht richtig in das Abenteuer der Kommissarin vertieft, als eine Mücke um seinen Kopf sirrte und ihn aus seiner Lektüre riss. Er wedelte mit einer Hand, aber das kleine Biest ließ sich nicht stören. Herrschaftszeiten, offenbar war ihm in dieser Nacht partout keine Ruhe vergönnt!

Hannes beschloss, die Mücke zu ignorieren, und las weiter. Ein anstrengender Arbeitstag lag hinter ihm. Sein Vater und er lebten allein auf dem Gehöft, seit seine Mutter vor sechzehn Jahren bei einem Lawinenunglück ums Leben gekommen war.

Sein Vater hatte in all der Zeit nie erwogen, noch einmal zu heiraten. Für ihn hatte es nie eine andere Frau gegeben. Allerdings drängte er Hannes in letzter Zeit öfter, sich endlich zu binden. Davon wollte der junge Bauer jedoch nichts hören. Mit diesem Thema hatte er abgeschlossen.

Früher, ja, da hatte er an die Ehe geglaubt und einmal kurz davorgestanden, zu heiraten. Doch Romy hatte die Hochzeit abgesagt, weil ihr das Leben auf dem Land zu eintönig geworden war und er auf keinen Fall mit ihr in die Stadt hatte ziehen wollen, denn das hätte bedeutet, seinen Vater mit dem Hof im Stich zu lassen. Das hatte er nicht über sich gebracht.

Als Romy ihn verlassen hatte, war etwas in ihm zerbrochen. Auf die Liebe war kein Verlass. Das wusste er seitdem. Gefühle waren flatterhaft wie der Wind, der mal aus West und mal aus Nord wehte. Damals hatte sich Hannes geschworen, sein Herz zu hüten und sich nie wieder so verletzlich zu machen.

Sein Leben war mit Arbeit und seinem Hobby, dem Klettern, ausgefüllt. Hin und wieder verspürte er eine namenlose Sehnsucht, aber das gestand er nicht einmal sich selbst ein.

Aus der unteren Etage drang unvermittelt ein Rumpeln herauf. Hannes schreckte von seiner Lektüre hoch. Nanu? Was war denn da unten los?

Er legte sein Buch zur Seite und stand auf. Dann verließ er sein Zimmer, um nach der Quelle des Lärms zu suchen.

***

Im Erdgeschoss drang Licht unter der Küchentür hervor. Hannes stieß sie auf und sah gerade noch, dass sich sein Vater ächzend vom Boden aufrappelte.

Vitus Hinterlechner hatte einen Schlafanzug an. Seine grau melierten Haare waren zerzaust vom Schlaf. Er war ein sehniger Mann mit einem von Wind und Wetter gegerbten Gesicht. Seine schwieligen Hände verrieten, dass er keine Arbeit scheute, und seine grauen Augen blickten ein kleines bisschen missbilligend in die Welt.

»Vater? Bist du hingefallen?« Erschrocken half Hannes ihm beim Aufstehen.

»Ja, ich weiß gar net, wie das passiert ist. Plötzlich lag ich auf dem Boden. Muss wohl die Müdigkeit sein.« Vitus zuckte mit den Schultern und ließ sich ächzend auf einen Stuhl fallen. »Ich wollte mir Tee kochen.«

»Das kann ich übernehmen.« Hannes füllte den Wasserkessel und setzte ihn auf die Herdplatte. Dann holte er zwei Tassen aus dem Schrank und stellte sie bereit. »Soll ich den Bergdoktor anrufen?«

»Warum denn?«

»Weil du gerade einen Schwächeanfall hattest!«

»Schmarrn. Ich hab vermutlich bloß net aufgepasst und bin hingefallen.«

»Und wenn mehr dahintersteckt?«

»Mir geht es gut«, winkte Vitus ab. »Ich brauche keinen Arzt, sondern nur meinen Tee. Und vielleicht ein Stamperl Klaren auf den Schreck.« Er griff nach der Flasche, die auf einem Regal über dem Tisch stand, und goss sich ein Glas ein. »Magst du auch?«

»Lieber net«, verneinte Hannes. »Danach kann ich erst recht net schlafen. Was hat dich eigentlich wachgehalten?«

»Das hier.« Sein Vater tippte auf die Zeitung, die aufgeschlagen auf dem Tisch lag. »Darüber habe ich mich fürchterlich aufgeregt. Ich kenne nämlich eines der Opfer.«

»Opfer? Welches Opfer?« Hannes beugte sich über die Zeitung und begann zu lesen:

Ein Trickbetrüger treibt im Zillertal sein Unwesen. Am vergangenen Montag wurden in Mayrhofen zwei Rentner um insgesamt 5400 Euro gebracht. Der Unbekannte gab vor, für abwesende Nachbarn Blumen abgeben zu wollen. Als seine Opfer bereit waren, den Strauß in Empfang zu nehmen, drängte er sie, die Blumen mit Wasser zu versorgen. Während sie nach einer Vase suchten, bat er darum, kurz das Bad benutzen zu dürfen. In Wahrheit durchstöberte er die Wohnung jedoch nach Wertsachen. Der Verdächtige ist ungefähr einsachtzig groß, zwischen dreißig und fünfzig Jahre alt und hat blonde Haare.

»Ziemlich abgebrüht«, murmelte Hannes. »Leider passt die Beschreibung auf eine Menge Menschen. Damit wird er wohl kaum erwischt werden.«

»In der Tat.«

»Und du kennst eines der Opfer?«

»Ja, es ist der Vater eines früheren Schulfreundes von mir. Ein anständiger Mann, der sein Lebtag hart gearbeitet hat. Und nun wurde er um so viel Geld gebracht.« Grimmig ballte Vitus die Fäuste. »Ich hoffe, dieser Bazi kommt hierher und versucht es bei mir. Dann wird er Bekanntschaft mit meiner Schrotflinte machen!«

»Mei, Vaterl!« Erschrocken sah Hannes seinen Vater an. »Vielleicht handelt er aus purer Not so.«

»Das ist noch lange keine Entschuldigung dafür, anständige Menschen zu berauben. Du glaubst gar net, auf was für Tricks dieser Betrüger schon gekommen ist. Die Masche mit den Blumen ist net seine einzige Methode, seine Opfer um Geld zu betrügen. Weiter unten im Artikel steht, dass der Schurke bereits in anderen Dörfern unterwegs war.«

»Dann scheint er ziemlich herumzukommen. Vielleicht hat er das Zillertal längst verlassen?«

Der Kessel gab ein helles Pfeifen von sich. Hannes goss das Wasser in die Tassen und reichte seinem Vater eine davon. Dieser nahm sie, stellte sie jedoch sofort vor sich ab und rieb sich unbehaglich den Nacken.

»Hast du wieder Schmerzen, Vater?«, fragte Hannes besorgt, als sein Vater die Schultern hängen ließ.

Sein Gesicht wirkte schmal und eingefallen. Dabei war er bis vor Kurzem immer fit gewesen. Keine Arbeit war ihm zu schwer gewesen. Er war regelmäßig wandern gegangen und hatte auf dem Hof wie ein junger Spund geschafft. Seit einiger Zeit baute er jedoch ab, und die Furchen in seinem Gesicht wurden tiefer.

Der Vater schob die buschigen grauen Augenbrauen zusammen. »Ich weiß auch net, was mit mir ist. In letzter Zeit fühle ich mich so schlapp, dass mir jeder Handgriff zu viel ist. Und dann diese Nackenschmerzen. Vielleicht brauche ich ein neues Kopfkissen. Von dem alten bekomme ich Verspannungen.«

»Geh einmal zum Bergdoktor, und lass dich untersuchen. Er wird deinen Beschwerden auf den Grund gehen.«

»Schmarrn. Ich werde den Doktor net wegen ein paar Verspannungen stören. Das kommt sicherlich von der Arbeit. Wir könnten auf dem Hof noch ein paar Hände gebrauchen. Denkst du denn immer noch net ans Heiraten, Hannes?«

»Nein, Vater, mit diesem Thema bin ich durch.«

»Aber du bist erst neunundzwanzig. Du solltest dir ein hübsches Madel suchen und ein paar Kinder in die Welt setzen. Glaub mir, es tut einem Mann net gut, wenn er immer allein ist.«

»Du hast nach Mutterls Tod auch nimmer geheiratet.«

»Das ist was anderes. Für mich gab es keine andere als sie. Sie war mein ganzes Leben.«

»So ging es mir mit Romy.«

»Schmarrn. Das war nur eine Liebelei. Sie hat dir einen Gefallen getan, als sie dich verlassen hat. Es wäre mit euch net gut gegangen.« Vitus rieb sich nachdenklich das Kinn. »Du solltest dich net vor einem neuen Glück verschließen, Hannes.«

»Mir fehlt nix, Vater. Ich glaube nur nimmer an die Ehe.«

»Sag das net. Eine Familie ist das Beste, was einem Menschen passieren kann. Und die Liebe findet immer einen Weg. Du wirst schon sehen …«

***

»Das gefällt mir aber gar net.« Der Zahnarzt beugte sich vor und betrachtete die Röntgenaufnahme auf dem Bildschirm genauer.

Hannes sank das Herz. Er war geschäftlich im Nachbarort Bergfelden gewesen und hatte fünf Milchkühe von einem Viehhändler gekauft. Dabei hatten ihn seine Zahnschmerzen fast die Wände hochgetrieben. Kurz entschlossen hatte er den Zahnarzt aufgesucht und Glück gehabt, nach einer halben Stunde Wartezeit dranzukommen. Sein pochender Zahn hatte ihn die ganze Nacht wachgehalten, nun fühlte er sich wie erschlagen. Die Behandlung konnte kaum schmerzhafter sein.

Der Zahnarzt stand nun unerwartet auf und rief einen Kollegen aus dem Nachbarzimmer herein. Er deutete auf das Röntgenbild und beriet sich mit seinem Kollegen.

Hannes konnte nicht verstehen, was die beiden Ärzte miteinander murmelten, aber geheuer war es ihm nicht. Ihre gedämpften Stimmen ließen nichts Gutes erahnen. Was hatte der Zahnarzt auf seinem Röntgenbild gesehen?

Die Zahnarzthelferin legte Hannes ein rosafarbenes Tuch um und lächelte ihn beruhigend an. Trotzdem breitete sich ein flaues Gefühl in seinem Magen aus. Das Pochen in seinem Zahn schien schlimmer zu werden. Er biss sich auf die Unterlippe, um ein Stöhnen zu unterdrücken.

Endlich wandte sich der Zahnarzt wieder zu ihm um.

»Ihr Zahn hat eine Entzündung, Herr Hinterlechner. Hier.« Er deutete auf einen tropfenförmigen dunklen Bereich unterhalb des Backenzahns. »Die Entzündung ist weit fortgeschritten, aber mein Kollege und ich sind der Ansicht, dass der Zahn trotzdem noch zu retten ist. Ich muss allerdings eine Wurzelbehandlung durchführen und das entzündete Gewebe entfernen. Anschließend werde ich die betroffenen Zahnkanäle wieder auffüllen. Ihr Zahn wird für die Behandlung lokal betäubt, trotzdem ist es möglich, dass Sie dabei Schmerzen verspüren. Bei einem akut entzündeten Zahn wirkt die Anästhesie durch den sauren pH-Wert leider schlechter.«

»Ich verstehe.«

Hannes lehnte sich angespannt auf dem Zahnarztstuhl zurück, öffnete den Mund und schloss die Augen. Er spürte, dass ihm der Zahnarzt eine Spritze gab. Er musste kurz warten, dann begann die Behandlung.

Der Zahnarzt erklärte ihm jeden seiner Handgriffe. Als Erstes bohrte er ein Loch in seinen Backenzahn, um an das Wurzelkanalsystem heranzukommen. Anschließend begann er, das Gewebe aus dem Zahn zu entfernen. Mit immer dicker werdenden Bohrern bearbeitete er die Wurzelgänge.

Hannes krampfte die Hände ineinander, während ihm der Schweiß auf die Stirn trat. In der vergangenen Nacht hatte er geglaubt, die Schmerzen könnten nicht noch schlimmer werden. Doch er hatte sich getäuscht.

Schließlich spülte der Zahnarzt die Wurzelkanäle mit Natriumhypochlorid und brachte sie mit feinen Nadeln in Form, ehe er die Füllung vornahm.

»Ihr Zahn kann nach der Behandlung noch etwas wehtun, Herr Hinterlechner. Dagegen können Sie ein Schmerzmittel einnehmen, das ich Ihnen verschreibe. Sollten die Schmerzen länger anhalten oder gar schlimmer werden, kommen Sie bitte wieder her.«

Hannes nickte matt. Er hatte eine gefühlte Ewigkeit den Mund offen gehalten. Nun schmerzte ihm der Kiefer, und er hatte kein Verlangen danach, zu sprechen.

Er bekam noch einen Termin für die Nachuntersuchung, dann durfte er gehen. Aufatmend verließ er die Praxis.

Wir Menschen können zum Mond fliegen und immer schnellere Autos bauen, ging es ihm durch den Kopf, aber eine Zahnbehandlung angenehmer zu gestalten, gelingt uns nicht. Da sollte die Wissenschaft wirklich noch etwas erfinden.

Er wandte sich zu seinem Auto um und erstarrte jäh, denn sein Kombi wurde gerade auf einen Abschleppwagen geladen! Der Schreck fuhr ihm in alle Glieder.

»Halt, warten Sie bitte!«, rief er, aber durch die Betäubung brachte er nur undeutliches Gemurmel hervor.

Der Fahrer des Abschleppwagens schien ihn nicht einmal zu hören, denn er schwang sich hinter das Steuer und fuhr los. Hannes rannte ihm einige Schritte nach, ehe er stehen blieb. Das durfte doch nicht wahr sein!

»War das Ihr Fahrzeug?« Eine helle Stimme ließ ihn herumwirbeln.