Der Bergdoktor - Folge 1811 - Andreas Kufsteiner - E-Book

Der Bergdoktor - Folge 1811 E-Book

Andreas Kufsteiner

0,0
1,49 €

Beschreibung

Dieser Mann ist Gift für dich! Hanna überhört die Warnungen ihrer Familie und verliebt sich bis über beide Ohren in ihren attraktiven Kollegen von der Bergwacht. Dabei führt Lukas Wiesing das Leben eines Abenteurers. Er hetzt von einem Nervenkitzel zum nächsten und bringt damit nicht nur sich selbst, sondern auch andere in Gefahr. Hanna spürt, dass ihn die Schatten seiner Vergangenheit antreiben. Kann ihre Liebe seine kranke Seele heilen? Oder wird er sie mit in den Abgrund reißen? Bei einem Rettungseinsatz in den Bergen scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 127

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Inhalt

Cover

Impressum

Eine kranke Seele

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Anne von Sarosdy / Bastei Verlag

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-2806-6

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Eine kranke Seele

Warum Hanna verzweifeln wollte

Von Andreas Kufsteiner

Dieser Mann ist Gift für dich! Hanna überhört die Warnungen ihrer Familie und verliebt sich bis über beide Ohren in ihren attraktiven Kollegen von der Bergwacht. Dabei führt Lukas Wiesing das Leben eines Abenteurers. Er hetzt von einem Nervenkitzel zum nächsten und bringt damit nicht nur sich selbst, sondern auch andere in Gefahr.

Hanna spürt, dass ihn die Schatten seiner Vergangenheit antreiben. Kann ihre Liebe seine kranke Seele heilen? Oder wird er sie mit in den Abgrund reißen?

Bei einem Rettungseinsatz in den Bergen scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen …

Idyllisch wie auf einer Postkarte …

Auch wenn Hanna nicht mehr zählen konnte, wie oft sie den Trampelpfad vom Hof ihrer Eltern hinunter zum Kirchhof schon gelaufen war, nahm die Aussicht auf die Zillertaler Berge sie jedes Mal aufs Neue gefangen.

Sie blieb an der Stelle stehen, an der der Weg eine Biegung machte, und atmete tief den Duft von gemähten Wiesen und wilden Kräutern ein. Vor ihr plätscherte der Mühlbach unter einer Holzbrücke hindurch, die ihr Großvater vor vielen Jahren gebaut hatte. Die Sonne schien durch das grüne Dach dicht stehender Zirbelkiefern und zauberte skurrile Muster auf die Bretter der Brücke.

Der Wind strich durch die Wipfel und unterstrich mit seinem Rauschen die Stille dieses Frühlingsnachmittags. Ein paar Wattewolken tupften den ansonsten leuchtend blauen Himmel. Ein roter Gleitschirmflieger kreiste über dem Tal wie ein übergroßer Schmetterling.

Ein Marterl stand an dem Abzweig, an dem der Pfad in den Weg mündete, der hinunter nach St. Christoph führte. Das Dorf bestand hauptsächlich aus Bauernhöfen, die sich um eine weiße Kirche scharten.

Hanna war hier aufgewachsen und kannte jeden Steg und jeden Baum. Sie hatte miterlebt, dass die Gegend trotz ihrer erhabenen Schönheit auch Schattenseiten hatte. Die Berge verziehen keinen Fehler. Das wussten die Mitglieder der Bergrettung nur zu gut, zu der Hanna seit einem Jahr gehörte.

Ein Kampf war es gewesen, als Madel aufgenommen zu werden. Hanna hatte sich gegen etliche Vorbehalte und Zweifel zur Wehr setzen müssen. Wie sollte eine so zierliche Person einen achtzig Kilogramm schweren Verletzten vom Berg schaffen? Und würde eine Frau in der Gruppe nicht für Konflikte sorgen?

Inzwischen hatte Hanna die meisten Vorurteile entkräftet. Natürlich gab es trotzdem Neckereien unter den Kameraden, aber Hanna konterte schlagfertig. Für ihre Kameraden gehörte sie längst dazu. Nur einer zweifelte immer noch an ihr. Dabei hätte sie gerade für seine Zuneigung alles gegeben …

Seufzend lief Hanna weiter. Sie folgte dem vertrauten Weg und erreichte den Kirchhof, als sich die Sonne allmählich dem Achenkegel zuneigte.

Ihr Ziel war ein Grab hinter der Kirche, das von einem schlichten Stein bewacht wurde. Helene Feldner, war darauf gemeißelt. Darunter standen die Lebensdaten ihrer Großmutter, die viel zu früh heimgerufen worden war.

Hanna kniete sich hin und zupfte einige welke Efeublätter ab. Dann füllte sie am Wasserbecken eine Vase und stellte einen sorgsam gebundenen Strauß Wiesenblumen hinein. Daneben legte sie einen rotwangigen Apfel.

»Alles Gutes zum Geburtstag, Großmutterl«, wisperte sie und legte mit brennenden Augen eine Hand auf den kühlen Stein. Ihre Großmutter hatte sie früher immer Äpfelchen genannt, ihrer roten Wangen wegen. Der Name war ihr auch später noch geblieben.

Hannas Gedanken wanderten drei Jahre zurück. Damals hatten sie zum letzten Mal zusammen Geburtstag gefeiert. Ein nebliger Tag war es gewesen, aber Helene hatte es verstanden, ihre Gäste mit ihrer Herzenswärme und ihrem Humor das trübe Wetter vergessen zu lassen.

Doch der Abend hatte ein tragisches Ende genommen. Ein Infarkt hatte Helene aus der Mitte ihrer Familie gerissen. Hanna versuchte sich damit zu trösten, dass ihre Großmutter nicht lange leiden musste, aber das machte es nicht leichter. Sie vermisste die kluge, lebenserfahrene Frau jeden Tag aufs Neue.

Eine Weile blieb sie am Grab ihrer Großmutter, bis ihr die Beine einschliefen und sie sich aufrichtete. Sie trat von einem Fuß auf den anderen, um die Blutzirkulation anzuregen.

Eine Bewegung in der Nähe verriet, dass sie nicht allein auf dem Kirchhof war. Ein hochgewachsener Mann werkelte an der Grabstelle ein Stück weiter weg. Hanna drehte den Kopf – und im nächsten Augenblick machte ihr Herz einen verräterischen Satz. Es war Lukas!

Lukas Wiesing gehörte ebenfalls der Bergrettung an. Er war wenige Jahre älter als sie und besuchte seinen Bruder auf dem Kirchhof. Thomas war mit nur dreiundzwanzig Jahren bei einem Lawinenabgang gestorben. Viel zu jung, um hier zu liegen, ging es Hanna durch den Kopf. Das Unglück war bitter für Lukas. So vielen Verunglückten hat er schon geholfen, aber für seinen Bruder konnte er nichts tun.

Lukas schien ihren Blick zu bemerken, denn er wandte sich zu ihr um und hob grüßend einen Arm. Dann kam er herüber.

»Grüß dich«, sagte er mit seiner tiefen, warmen Stimme, die Hanna so mochte. Er deutete auf den Apfel zwischen dem Efeu. »Net gerade eine typische Gabe. Ist das so ein Oma-Enkelinnen-Ding?«

»So ähnlich, ja.« Hanna schluckte trocken.

»Helene fehlt dir, nicht wahr?«

»Fürchterlich. Es heißt immer, die Zeit würde alle Wunden heilen, aber das stimmt net. Mit manchen lernt man, einfach nur zu leben.«

Lukas nickte kaum merklich. Er schob die Fäuste in die Hosentaschen und starrte hinüber zum Grab seines Bruders. Er schien genau zu wissen, wovon sie sprach.

Plötzlich versteifte er sich und murmelte: »O nein!«

»Was ist denn los?« Hanna folgte seinem Blick und bemerkte zwei Frauen in Wanderkleidung, die am Rand des Kirchhofs standen und Lukas zuwinkten.

»Spiel mit«, flüsterte Lukas und legte einen Arm um sie. Er zog Hanna so eng an sich, dass sie unwillkürlich nach Luft schnappte. Seine Nähe ließ ihre Haut prickeln, als würde sie in Champagner baden, und Wärme breitete sich in ihr aus. Was auch immer der Grund für seinen plötzlichen Wunsch nach Nähe war, fühlte sich so gut an, dass sie nicht protestierte.

Die beiden Urlauberinnen kamen herüber. Sie waren beide blond, langbeinig und gertenschlank.

Entweder sind es Schwestern, ging es Hanna durch den Kopf, oder sie wurden perfekt geklont.

»Lukas, was für ein süßer Zufall«, sagte die Größere der beiden und strahlte ihn an. »Wir hatten gehofft, dich zu treffen.«

»Wir würden dich gern zum Essen einladen«, ergänzte ihre Begleiterin. »Als Dank für die schöne Tour gestern.«

»Tut mir leid, ihr zwei, aber ich bin schon ausgebucht.« Lukas deutete mit der freien Hand auf Hanna. »Darf ich euch Hanna vorstellen? Meine … Freundin.«

Hanna bemerkte das Zögern in seiner Stimme, die beiden Frauen jedoch nicht.

Freundin? Verdutzt sah sie ihn an. Was hatte das zu bedeuten? Lukas war überzeugter Junggeselle. Leider! Seit Jahren hatte es keine Frau mehr in seinem Leben gegeben. Zumindest keine, die länger als eine Nacht geblieben wäre.

»Von einer Freundin hast du gestern nichts erzählt.« Die Schwestern tauschten einen enttäuschten Blick.

»Tja, Mädels, so ist das.« Lukas hatte den Anstand, rote Ohren bei diesem Schwindel zu bekommen, aber die beiden Frauen kannten ihn nicht gut genug, um das zu durchschauen. Sie murmelten einen Abschied und zogen von dannen.

Lukas wartete, bis sie das Tor des Kirchhofs hinter sich gebracht hatten, dann ließ er Hanna los.

»Herrschaftszeiten, das war knapp!«

»Könntest du wohl einen Schritt zur Seite treten?«, erkundigte sich Hanna.

»Warum denn das?«

»Damit der himmlische Blitz nur dich trifft, der wegen deiner dicken, fetten Lüge gleich vom Himmel fahren wird.« Sie stemmte eine Hand auf die Hüften. »Was hatte das eben zu bedeuten?«

»Tut mir leid, dass ich dich überrumpelt habe.«

»Das muss es net. Ich wüsste nur gern, warum du mich als deine Freundin ausgibst.«

»Weil die beiden anhänglicher sind als ein Magenvirus. Es sind Schwestern aus Wien. Ich hab sie gestern bei einer Tour zum Wasserfall in der Wildbachklamm geführt. Die beiden wollen net nur Urlaub machen, sondern sich auch einen Mann angeln. Ich konnte sie mir gestern kaum vom Leib halten.«

Hannas Augen blitzten. »Du bist halt unwiderstehlich.«

»Mach keine Scherze mit mir.«

»Das tue ich net. Warum willst du net mit ihnen essen gehen?«

»Weil ich net auf der Suche nach einer Frau bin.« Seine Miene verdüsterte sich, als hätten sich plötzlich Wolken vor die Sonne geschoben. »Ich hab einer Frau nix zu bieten.«

»Nix?« Hanna sah ihn ungläubig an. Zuerst dachte sie, er würde es auf ein Kompliment anlegen, aber dann sah sie, dass er es tatsächlich ernst meinte.

Er glaubte nicht, dass er gut für eine Frau war! Dabei stand er hier vor ihr: ein Meter zweiundneunzig geballte Energie. Ein Mann, der immer zuerst an andere dachte. Hauptberuflich arbeitete er als Rettungssanitäter. In seiner Freizeit war er für die Bergrettung tätig. Zahlreiche Notfalleinsätze hatten ihm nicht nur einen reichen Erfahrungsschatz beschert, sondern auch seine Muskeln gestählt, als wäre er selbst aus einem Felsen herausgemeißelt. Seine braunen Haare waren leicht zerzaust. Die Sonne zauberte goldene Lichtreflexe hinein.

Es fiel Hanna schwer, nicht die Hände auszustrecken, um herauszufinden, ob sich seine Haare so dicht anfühlten, wie sie aussahen. Seine Haut war gebräunt. Mehrere Narben zeichneten seinen Körper, sie kerbten seine rechte Augenbraue und seine Hände. Das blieb nicht aus, wenn man bei der Rettung arbeitete. Hanna hatte inzwischen selbst die eine oder andere Narbe zu bieten.

Warum zweifelte er also an sich selbst?

Verlieb dich nie in einen Abenteurer, hatte ihre Großmutter sie oft gewarnt, aber genau das war ihr passiert. Für Lukas konnte es nie hoch oder schnell genug sein, er kletterte auf die höchsten Berge und tauchte in den tiefsten Seen. Doch er hatte auch ein gutes, mitfühlendes Herz und dachte an sich selbst zuletzt.

Hanna schmolz in seiner Nähe dahin. Leider bemerkte er es nicht einmal. Obendrein schien er sich für wenig liebenswert zu halten. Aber warum?

Etwas musste in seiner Vergangenheit passiert sein, das seine Seele zeichnete wie die Narben der Einsätze seine Haut.

Hanna spähte zum Grab seines Bruders hinüber.

»Du hast Veilchen auf Thomas’ Grab gepflanzt?«

»Die mochte er am liebsten.«

»Sie blühen so üppig. Du hast einen grünen Daumen.«

»Hab ich net.« Wie zum Beweis streckte er die Hände vor. »Ich kaufe neue Blumen, sobald die alten verblüht sind. Was ungefähr aller zwei Wochen der Fall ist.«

»Du …« Hanna stutzte und lachte. »Du bist ja doch eine ehrliche Haut.«

»Wenigstens etwas«, murmelte er und schaute grimmig vor sich hin. Er schien tatsächlich kein gutes Bild von sich zu haben. Verbarg er etwas vor ihr? Oder waren seine Ansprüche an sich selbst so hoch, dass er sie unmöglich erfüllen konnte?

Nachdenklich warf Hanna ihre blonden Haare über die Schultern zurück. Dabei fiel ihr Blick auf eine Frau, die hinter dem Gitterzaun stand und zu ihnen herübersah. Ihre braunen Haare waren stumpf und mit einem schlichten Band zurückgebunden. Traurigkeit stand in ihren Augen. Sie schien keinen Blick von Lukas zu lassen.

»Wer ist die Frau da drüben? Noch eine Verehrerin von dir?«

»Welche Frau denn?«

»Die dort drüben am Zaun …« Hanna deutete hinüber und stutzte. »Nanu? Wo ist sie denn hin? Eben stand sie noch da.«

»Vermutlich eine Urlauberin, die sich nur kurz ausgeruht hat.« Lukas winkte ab. »Ich hab niemanden gesehen.«

»Hm.« Hanna krauste die Stirn. Die Fremde hatte Lukas so intensiv gemustert, als würde sie ihn kennen. Aus dem Dorf stammte sie allerdings nicht. Wer sie wohl war?

Leider war sie verschwunden, und so blieb das Rätsel vorerst ungelöst.

***

Ihre beiden Pager piepten gleichzeitig los.

»Das war’s mit unserem freien Nachmittag«, stellte Lukas fest.

Hanna zog ihren Pager hervor. Seitdem sie Mitglied der Bergrettung war, trug sie ihn ständig bei sich. Die Leitstelle schickte ihnen eine Nachricht auf den Funkmelde-Empfänger, sobald sie bei einem Einsatz gebraucht wurden.

»Ein verunglückter PKW drüben in der Schwarzwasserklamm«, las sie ab. »Dominikus Salt und die anderen sind schon alarmiert und rücken mit schwerem Gerät an.«

»Dann fahren wir mit meinem Auto zum Unglücksort. Komm!« Lukas war schon halb auf dem Weg zum Parkplatz.

Hanna folgte ihm. Sie hatte kaum auf dem Beifahrersitz seines Geländewagens Platz genommen, als er auch schon Gas gab und sie in ihren Sitz gedrückt wurde. Hastig schnallte sie sich an und klammerte sich an den Halteriemen über der Tür. Das tat auch dringend not, so schnell, wie er fuhr!

»Wo genau müssen wir hin?«, rief Lukas und raste die Dorfstraße hinauf. Wenig später rumpelten sie über einen Waldweg in Richtung Schwarzwasserklamm.

»Warte kurz. Ich frage mal nach.« Hanna zog ihr Handy hervor und rief in der Leitstelle an.

Die Tiroler Telefonzentrale war in Innsbruck untergebracht. Dort liefen die Notrufe für die Feuerwehr, die Rettungsdienste und die Bergrettung zusammen. Bis zu achtzehn Mitarbeiter nahmen Notrufe an und lotsten die Einsatzkräfte zum Unglücksort. Dabei nutzten sie ein standardisiertes Abfragesystem, das es ihnen erlaubte, den Notfall aufzunehmen und zeitgleich die Helfer zu alarmieren.

»Leitstelle Tirol Notruf, wo genau ist der Unfallort?«, war die erste Frage, die die Kollegen stellen.

Doch Hanna wusste aus Erfahrung, dass es darauf nicht immer eine klare Antwort gab. Häufig verirrten sich Personen in den Bergen und konnten ihren genauen Standort nicht genau nennen, dann mussten die Helfer mühsam suchen, um zum Einsatzort zu gelangen.

Auch diesmal war die Frage nach dem Wohin, nicht eindeutig beantwortet.

»Eine Frau ist mit ihrem PKW einen Hang hinuntergestürzt«, bekam Hanna auf ihr Nachfragen in der Leitstelle Auskunft. »Sie konnte den Notruf selbst wählen, ist jedoch verletzt und orientierungslos. Sie war in Mautz und wollte eine Abkürzung fahren. Dabei ist es passiert.«

»Wo genau der Unfallort ist, kannst du also net sagen?«

»Tut mir leid.«

»Ich verstehe. Hast du die Anruferin noch am Telefon? Dann frag sie bitte, was sie sieht.«

»Einen Moment, ja?« Es dauerte nicht lange, dann war der Kollege wieder am Telefon. »Das bringt nichts. Sie ist völlig in Panik. Ich werde versuchen, sie zu beruhigen, aber im Moment kann sie keine genaueren Angaben machen. Die Feuerwehr fährt die Strecke ab. Könnt ihr die Kameraden unterstützen?«

»Natürlich. Wir sind schon unterwegs.«

»Gut. Wir bleiben in Verbindung.«

Hanna ließ ihr Telefon sinken. Während des Gesprächs war sie auf ihrem Sitz gehörig durchgeschüttelt worden. Vermutlich würde sie morgen grün und blau sein!

»Und?« Lukas drehte den Kopf zu ihr. »Wohin müssen wir?«

»Ist net ganz klar. Die Verunglückte kann keine genaueren Angaben machen.«

»Also eine Fahrt ins Blaue? Das gefällt mir net.«

»Mir auch net. Schau nach vorne, bitte.«

»Wie ist der Zustand der Frau? Und mit wie vielen Verletzten müssen wir rechnen?«

»Die Frau ist allein im Auto. Über ihren Zustand ist nur bekannt, dass sie unbestimmten Grades verletzt wurde. Und jetzt schau endlich wieder nach vorne, bitte.«

»Schon gut. Schon gut.« Lukas grinste. »Es ist ja net so, dass wir hier sonderlich viel Gegenverkehr hätten. Hier sind höchstens Hirsche und Wildschweine unterwegs.«

»Mit denen möchte ich auch net unbedingt zusammenstoßen.«

»Keine Panik. Ich werde uns über eine Abkürzung zur Schwarzwasserklamm bringen. Halt dich fest, die Fahrt könnte etwas holprig werden.«

»Noch holpriger?« Hanna klammerte sich an den Haltegriff, als Lukas auf einen kaum sichtbaren Weg durch den Wald einschwenkte. Mit halsbrecherischem Tempo rasten sie vorwärts. Hanna wurde herumgeschleudert und stieß hart mit dem Kopf an die Seitenscheibe. Sie verbiss sich eine entsprechende Bemerkung und packte den Griff noch fester.