Dr. Holl 1848 - Arztroman - Katrin Kastell - E-Book

Dr. Holl 1848 - Arztroman E-Book

Katrin Kastell

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Beschreibung

Drama um die Frauenärztin - Plötzlich stand sie unter Anklage Mit Blaulicht und Sirene bringt der Rettungswagen die hochschwangere Myriam Schneider zur Klinik. Sie droht zu verbluten. "Sie müssen mir helfen", bittet Myriam ihre Frauenärztin Dr. Justine Wallenburg, die den Transport begleitet. "Falls ich die Geburt überlebe, will ich nie wieder schwanger werden!" Eine an sich vernünftige Entscheidung, denn Myriam hat bereist sieben Kinder, und das Leben der Schwangeren und ihres ungeborenen Kindes hängen an einem seidenen Faden. Eine weitere Schwangerschaft könnte ihren sicheren Tod bedeuten. Allerdings hat die Sache einen Haken: Myriams streng gläubiger Mann Noah würde einer Sterilisation niemals zustimmen. Justine Wallenburg würde ihrer Patientin so gerne helfen, aber heimlich und hinter dem Rücken des Ehemannes? Als Myriam endlich auf dem OP-Tisch liegt, ringt die Frauenärztin noch immer um eine Entscheidung ... *** Dr. Stefan Holl - ein erfolgreicher Klinikchef, ein liebevoller Ehemann und Vater - eben ein Arzt, der Vertrauen schafft. Mit großer medizinischer Kompetenz und viel Einfühlungsvermögen leitet er die Berling-Klinik, die von seinem Schwiegervater gegründet wurde. Sein Leitspruch lautet: Wo Leben ist, da ist auch Hoffnung. Danach lebt und handelt er. Die Authentizität der Patientengeschichten aus der Berling-Klinik fasziniert alle 14 Tage neu das Leserpublikum, und dies schon seit über 30 Jahren. Tun Sie etwas für Ihr Wohlergehen und genießen Sie mit Chefarzt Dr. Holl Arztromane der Sonderklasse! Alle Folgen sind in sich abgeschlossen und können unabhängig von den anderen Folgen der Serie gelesen werden.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 122

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Inhalt

Cover

Impressum

Drama um die Frauenärztin

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: 35007 / iStockphoto

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 978-3-7325-7294-6

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Drama um die Frauenärztin

Plötzlich stand sie unter Anklage

Von Katrin Kastell

Mit Blaulicht und Sirene bringt der Rettungswagen die hochschwangere Myriam Schneider zur Klinik. Sie droht zu verbluten.

„Sie müssen mir helfen“, bittet Myriam ihre Frauenärztin Justine Wallenburg, die den Transport begleitet. „Falls ich die Geburt überlebe, will ich nie wieder schwanger werden!“ Eine an sich vernünftige Entscheidung, denn Myriam hat bereits sieben Kinder, und das Leben der Schwangeren und ihres ungeborenen Kindes hängen an einem seidenen Faden. Eine weitere Schwangerschaft könnte ihren sicheren Tod bedeuten.

Allerdings hat die Sache einen Haken: Myriams streng gläubiger Mann Noah würde einer Sterilisation niemals zustimmen.

Justine Wallenburg würde ihrer Patientin so gerne helfen, aber heimlich und hinter dem Rücken des Ehemannes?

Als Myriam endlich auf dem OP-Tisch liegt, ringt die Frauenärztin noch immer um eine Entscheidung …

„Heute wird es nicht ganz so spät! Versprochen!“ Dr. Justine Wallenburg gab ihrem Mann einen Kuss und umarmte ihn kurz. Es war halb sieben am Morgen, und sie war auf dem Sprung. Eigentlich war sie immer auf dem Sprung.

„Schatz, bitte, sei heute spätestens um neunzehn Uhr da! Nur heute einmal!“, bat ihr Mann, und als er die Fragezeichen in ihren Augen bemerkte, lächelte er traurig. „Es ist unser zehnter Hochzeitstag, du Liebe meines Lebens. Normalerweise sollen es doch immer die Männer sein, die so etwas vergessen, habe ich gehört. Bei uns ist es definitiv umgekehrt. Vielleicht vergisst einfach immer der, der weniger liebt.“

„Zehn Jahre? Unglaublich! Für mich ist es, als ob du schon immer zu meinem Leben gehört hättest, und ohne dich kann ich es mir nicht vorstellen. Du gehörst dazu, bist der beste und schönste Teil davon.“ Sie gab ihm noch einen Kuss, überhörte seine bittere Bemerkung aber bewusst. Was hätte sie darauf erwidern sollen? Es war seine Sicht der Dinge. „Die Zeit fliegt!“

„An uns vorüber …“

„Spätestens um neunzehn Uhr, Valentin! Ich versuche, etwas früher aus der Praxis zu kommen“, gelobte sie.

Es tat ihr unendlich leid, dass er das Gefühl hatte, von ihr vernachlässigt und nicht wirklich geliebt zu werden. Sie wollte, dass es ihm gut ging und er zufrieden war, aber ihr Beruf ließ ihr einfach keine Zeit für ein nennenswertes Privatleben.

Dr. Justine Wallenburg war Frauenärztin. Sie hatte eine unabhängige Praxis am Marienhospital in München und konnte die Kreißsäle und Operationssäle der Klinik mit nutzen. Neben der normalen Tätigkeit als Frauenärztin war ihr die Beratung junger Mädchen und Frauen ein besonderes Anliegen, für das sie sich voll einbrachte.

Einmal in der Woche hielt sie am Vormittag eine offene Sprechstunde ab, und einmal bot sie eine offene Sprechstunde, die um siebzehn Uhr begann und bis zweiundzwanzig Uhr ging. Über mangelndes Interesse konnte sie sich nicht beklagen. Es war erschütternd, wie mangelhaft die Aufklärung vieler junger Mädchen war und was sie alles über Verhütung nicht wussten.

Während ihr Mann als Steuerberater nahezu geregelte Arbeitszeiten hatte und morgens meist nach ihr ging und abends Stunden vor ihr nach Hause kam, verdiente er um einiges mehr als sie. Das führte zwischen ihnen immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Er konnte ihre Leidenschaft für ihren Beruf nicht nachvollziehen und fand, dass sie ihren Fokus im Leben vollkommen falsch legte.

„Du arbeitest dich krank und lässt dich ausnutzen. Ich verstehe dich nicht. Zählen unsere eigenen Träume denn gar nichts mehr? Gibt es nur noch deine Patientinnen und deren Sorgen und Träume? Wir wollten Kinder und eine Familie und unser Leben teilen“, warf er ihr dann verletzt vor.

„Aber wir teilen doch unser Leben, Valentin. Niemand ist mir so wichtig wie du, und niemand kennt mich so gut“, versuchte sie immer wieder, ihm ihre Gefühle zu erklären, aber er forderte Beweise, die sie nicht erbringen konnte – noch nicht.

Justine dachte auf der Fahrt zur Praxis an all diese Streitereien und die Fremdheit, die sich unmerklich zwischen ihnen breitgemacht hatte. War ihre Ehe im Grunde bereits am Ende, und sie spielten sich nur noch gegenseitig vor, dass sie an einer gemeinsamen Zukunft festhalten wollten? Sie liebte ihren Mann, aber sie wusste nicht, ob ihre Beziehung diesem Druck noch lange würde standhalten können.

Der zehnte Hochzeitstag bedeutete Valentin offensichtlich viel, und natürlich hatte sie das Datum wie jedes Jahr vergessen. Was war sie für eine Ehefrau? Valentin hatte mehr verdient. An diesem Abend musste sie unbedingt pünktlich sein! Valentin sollte spürte, wie wichtig er ihr war. Sie wollte ihm beweisen, dass es sich lohnte, Geduld mit ihr zu haben und sie nicht aufzugeben.

Mit den besten Vorsätzen trat Justine ihre Arbeit an diesem Freitagmorgen an. Sie hatte vor, um achtzehn Uhr pünktlich mit der letzten Patientin das Marienhospital zu verlassen und heimzufahren. Zum Glück war keine der Schwangeren, die sie gerade betreute, in der geburtskritischen Phase.

Es sah gut aus für einen ungestörten Abend mit ihrem Mann, und sie freute sich darauf. Vielleicht gelang es ihr sogar, etwas früher zu gehen, dann könnte sie noch schnell einen edlen Weinbrand für Valentin besorgen. Damit konnte man ihm immer eine Freude machen.

Valentin Wallenburg schloss an diesem Freitag bereits am Mittag die Tür seines Büros hinter sich ab und fuhr zu einem Delikatessenladen, den er besonders mochte. Er hatte ein aufwendiges Menü im Sinn, das er als Überraschung für Justine kochen wollte.

„Ich habe Ihnen alles, was Sie bestellt haben, zusammengestellt“, sagte die Ladenbesitzerin, mit der er sich immer gerne ein wenig unterhielt, wenn er dort einkaufte. Sie war wie er Anfang vierzig und eine attraktive und vor allem feinfühlige und kluge Frau.

„Danke! Jetzt müssen meine Kochkünste nur ausreichen. Falls es nichts wird, kann ich nicht sagen, dass es an den falschen oder fehlenden Zutaten lag“, scherzte er.

„Bei der Liste bin ich natürlich neugierig. Was soll es denn Feines geben?“, fragte sie lächelnd.

Er weihte sie in sein Menü ein und war dankbar für einige Tipps, die sie ihm gab. Valentin kochte sehr gerne, aber selten. Wenn er sich einmal die Zeit nahm, dann musste es etwas Außergewöhnliches sein.

„Meine Frau und ich haben heute unseren zehnten Hochzeitstag, und ich möchte sie kulinarisch so richtig verwöhnen. Wir haben so wenig Zeit füreinander und sitzen so gut wie nie zusammen an unserem offenen Kamin und genießen, wie schön wir es haben. Ich möchte heute in kein Restaurant“, erzählte er.

„Dann wünsche ich Ihnen einen wunderschönen Abend!“, sagte sie zum Abschied. „Weiß Ihre Frau, was für ein Glück sie hat? Es gibt nicht viele Männer wie Sie.“

„Mm … das ist Honig für die Seele“, meinte er schmunzelnd. „Herzlichen Dank! Ich sollte Justine einmal bei Ihnen vorbeischicken.“

Einige Vorbereitungen für sein Menü hatte Valentin bereits in den vergangenen Tagen getroffen, und von dreizehn Uhr bis kurz vor neunzehn Uhr stand er in der Küche. Er deckte den Tisch im Esszimmer liebevoll und schmückte ihn mit roten Rosen in kleinen Vasen, die er überall verteilte, auch im restlichen Raum.

Um neunzehn Uhr war alles bereit, und er sah sich zufrieden mit seinem Werk um. Im Kamin knisterte ein Feuer, das Essen war fertig, der Tisch gedeckt, und Valentin hatte sich geduscht und in Schale geworfen. Pünktlich zündete er die Kerzen an und sah erwartungsvoll zur Tür. Er freute sich auf einen glücklichen, unbeschwerten Abend mit Justine.

Sie kam nicht.

Gegen halb acht ging Valentin in die Küche, um von der Vorspeise zu retten, was zu retten war. Den Hauptgang hielt er im Ofen warm und sah zu, wie er sich aus etwas Köstlichem in etwas verwandelte, das man gerade noch essen konnte.

Die Freude, mit der er diesen besonderen Abend geplant und vorbereitet hatte, erlosch, als er gegen zwanzig Uhr dreißig die Kerzen ausblies. Es war nur ein Abend wie sehr, sehr viele andere Abende zuvor, und doch war etwas anders. Er wollte so nicht mehr weitermachen. Er konnte es nicht.

Valentin warf die Vorspeise weg, nahm sich etwas vom Hauptgang und aß. Der Geschmack war köstlich. An seinen Kochkünsten hatte es nicht gelegen, dachte er müde.

Dann füllte er etwas für Justine auf einen Teller und stellte ihn in den Kühlschrank, damit sie ihn sich in der Mikrowelle warm machen konnte, wann immer sie kam. Er kannte sie und wusste, dass sie vermutlich seit dem Frühstück nichts mehr zu sich genommen hatte.

Gegen zweiundzwanzig Uhr legte er sich im Gästezimmer ins Bett.

Justine kam kurz vor Mitternacht und war absolut erschöpft. Sie hatte den Abend im OP verbracht und eine harte Schlacht nur knapp gewonnen.

Eine ihrer Patientinnen war gerade zu Beginn des fünften Monats schwanger. Die Frau war Mitte vierzig und ohnehin eine Risikoschwangere.

Ihr Mann und sie hatten alles getan, um doch noch ein eigenes Kind haben zu können. Dreimal war die künstliche Befruchtung schiefgegangen, beim vierten Mal hatte es endlich geklappt, und die beiden waren überglücklich und voller Freude auf ihr Baby.

Gerade hatte Justine ihre Sachen zusammenpacken wollen, um pünktlich zu Valentin nach Hause zu fahren, als der Notruf hereingekommen war. Die Schwangere war in einen Verkehrsunfall geraten. Ihr Leben war nicht in Gefahr gewesen, aber dafür hatte das Leben des Ungeborenen an einem seidenen Faden gehangen.

Justine hatte bei Valentin anrufen wollen, aber dann hatte sich alles überstürzt. Sie hatte eine der OP-Schwestern bitten wollen, bei ihrem Mann anzurufen, aber die Operation hatte ihr alles abverlangt.

Sie hatte nur noch an Mutter und Kind gedacht, als sie am OP-Tisch gestanden hatte, und alles andere vergessen – auch Valentin und ihr Versprechen.

Die Erinnerung kam schlagartig zurück, als sie die Rosen auf dem Tisch sah. Die Küche war penibel aufgeräumt, wie es Valentins Wesen entsprach, aber dann stieß sie auf die Reste der Vorspeise im Mülleimer und sah die Flasche Champagner im Kühlschrank.

„Es sieht nicht mehr sonderlich appetitlich aus, aber es schmeckt wirklich gut“, sagte Valentin. Er hatte sie kommen hören und stand hinter ihr in der Küchentür.

„Es tut mir so leid, Valentin. Ich …“

„Eine deiner Patientinnen brauchte dich, Justine. Es war ein Notfall …“, unterbrach er sie freundlich, aber eigentümlich distanziert. „Irgendeine deiner Patientinnen braucht dich immer, und es wird auch immer Notfälle geben. Das ist dein Leben und deine Wahl. Ich verstehe das. Du hilfst Menschen und liebst, was du tust. Das ist schön.“

„Dann bist du mir nicht böse?“, fragte sie unsicher und fühlte sich wie ein kleines Mädchen, das etwas sehr, sehr Schlimmes angestellt hatte.

„Justine, wir sind doch keine Kinder mehr. Jeder von uns trifft seine Entscheidungen. Wir sind alt genug und haben mehr als genug Lebenserfahrung. Wir wissen, was uns wichtig ist und was wir brauchen, um mit unserem Leben zufrieden zu sein. Du brauchst deine Arbeit. Ich brauche eine Frau und vielleicht irgendwann tatsächlich noch ein oder zwei Kinder. Ich brauche eine Familie mit allem, was dazugehört.“

Sie wusste, was er gleich sagen würde, bevor er es sagte, und ihr wurde kalt. Valentin mochte wissen, was er brauchte und wollte. Bei sich selbst war sie sich da alles andere als sicher. Sie wollte ihn nicht verlieren und ohne ihn leben, aber sie wusste nicht, wie sie ihn halten sollte.

„Justine, ich wünsche dir alles Gute. Das weißt du. Du wirst immer die Frau sein, mit der ich mein Leben gerne verbracht hätte, aber wir passen leider nicht zusammen. Heute Abend hatte ich mehr als genug Zeit, um nachzudenken.“

Während Justine ihrem Mann zuhörte, stiegen ihr Tränen in die Augen.

„Ich habe mir immer eingeredet, dass ich nur Geduld haben muss und dass du irgendwann deine Prioritäten überdenken wirst, aber ich habe mir nur etwas vorgemacht“, hörte sie ihn sagen. „Ich bin jetzt einundvierzig Jahre alt, und wenn ich noch lange auf etwas warte, was nie eintreten wird, dann ist mein Leben vorüber, ohne dass es im eigentlichen Sinn begonnen hat. Verstehst du das?“, fragte er bittend.

Es gab nichts, was sie hätte sagen können, um sich zu rechtfertigen, denn er machte ihr keine Vorwürfe. Es gab nichts, was sie ihm hätte versprechen können, was sie ihm noch nicht versprochen hatte, ohne es halten zu können.

„Ich möchte nicht irgendwann ein verbitterter alter Mann sein, der allen erzählt, wie enttäuscht er vom Leben ist. Nein! So möchte ich nicht irgendwann auf mein Leben zurückblicken. Ich möchte einer dieser alten Menschen sein, die erzählen und erzählen mit leuchtenden Augen und aus dem Vollen ihrer Erinnerungen schöpfen. So möchte ich alt werden.“

„Ich liebe dich“, sagte sie sehr leise.

„Ich weiß, aber das ist nicht genug. Ich packe morgen ein paar Sachen zusammen und ziehe in eine Pension, bis ich etwas Eigenes finde. Ich würde gerne sagen, dass wir Freunde bleiben können, aber ich weiß nicht, ob ich die Kraft dafür habe. Ich brauche erst einmal Abstand, Justine, um mich von dir zu lösen. Lass uns ein paar Monate verstreichen lassen und dann die Scheidung einreichen! Es ist besser für uns beide.“

„Das wollte ich nicht. Ich wollte nicht, dass es so kommt. Ich wollte, dass unsere Ehe funktioniert und …“ Wie ein Häufchen Elend stand sie vor ihm und weinte.

„Das weiß ich“, tröstete er sie, nahm sie aber nicht in den Arm. Er konnte es nicht, denn es erforderte seine ganze Kraft, sie loszulassen. Er sah keinen anderen Weg mehr für sich, als weiterzugehen und sie hinter sich zu lassen.

***

„Es tut mir so leid, Justine! Ich weiß, wie viel dir Valentin noch bedeutet.“

Ein Jahr war verstrichen. Julia Holl hatte ihre Freundin am Tag der Scheidung begleitet, um ihr ein wenig Kraft zu geben.

„Er macht das Richtige, so weh es mir auch tut, Julia. Ich kann ihn nicht froh machen. Ich wünschte, es wäre anders“, sagte Justine mit tonloser Stimme. Sie war am Ende ihrer Kraft, und es kostete sie all ihre Selbstbeherrschung, um nicht schluchzend zusammenzubrechen.

Bis das der Tod euch scheidet – sie hatte diesen Satz durchaus ernst genommen und ihr ganzes Leben mit Valentin verbringen wollen.

Die Frauen standen nach der Scheidung vor dem Gerichtsgebäude, und Justine wusste nicht, wohin sie sich wenden sollte.

Großzügig hatte ihr Valentin das Haus überlassen, aber sie fühlte sich dort nicht mehr wohl und dachte darüber nach, sich eine kleine Wohnung zu suchen und es zu verkaufen. Alles kam ihr fremd und feindselig vor. Sie hatte kein Zuhause mehr, und ihre Wurzeln waren gekappt.

Bis zu seinem Anruf, an dem er sie um die Scheidung gebeten hatte, war sie davon ausgegangen, dass Valentin und sie wieder zusammenkommen würden. Alles andere konnte sie sich einfach nicht vorstellen. Sie gehörten zusammen, aber Valentin hatte ihr keine Chance mehr gegeben.