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Nach langer Zeit kehrt der Wildpferdjäger Clay Ballard mit seinem Freund, dem Apachen Cloonay, in die Stadt Wild Horse zurück. Dort, wo einst Recht und Gesetz herrschten, regieren nun Banditen und schmutzige Hintermänner, die sich das Weideland und die Elkhorn-Ranch unter den Nagel reißen wollen. Clay Ballard ritt bereits früher für die Elkhorn-Ranch. Man nannte ihn den "rauen Weideboss", weil er als stahlharter Kämpfer und mit einem blitzschnellen Colt rücksichtslos mit Rustlern und allem Gesindel aufräumte. Und auch jetzt lässt er die Besitzerin der Elkhorn-Ranch, eine alte Lady, nicht im Stich ...
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Seitenzahl: 155
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Inhalt
DER SEGUNDO
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Nach langer Zeit kehrt der Wildpferdjäger Clay Ballard mit seinem Freund, dem Apachen Cloonay, in die Stadt Wild Horse zurück. Dort, wo einst Recht und Gesetz herrschten, regieren nun Banditen und schmutzige Hintermänner, die sich das Weideland und die Elkhorn-Ranch unter den Nagel reißen wollen.
Clay Ballard ritt bereits früher für die Elkhorn-Ranch. Man nannte ihn den »rauen Weideboss«, weil er als stahlharter Kämpfer und mit einem blitzschnellen Colt rücksichtslos mit Rustlern und allem Gesindel aufräumte. Und auch jetzt lässt er die Besitzerin der Elkhorn-Ranch, eine alte Lady, nicht im Stich ...
Der Widerschein des Sonnenuntergangs lag wie ein flammendes Band über dem Plateau und ließ die schroffen Wände der Wild Horse Mesa noch einmal plastisch hervortreten.
Schon seit mehr als einer halben Stunde ließen Clay Ballard und der Apache Cloonay das Pferderudel nicht mehr aus den Augen. Nun sahen sie auch ihn auftauchen, den mächtigen Wildhengst, den Rotschimmel Red Cloud. Sein Fell schien beinahe zu glühen.
Plötzlich stieß Clay Ballard den Atem aus, dass es wie ein Seufzer klang, denn nun war auch der andere gekommen – Golden Boy, der Junghengst, der dem alten Kempen Red Cloud die Führung des Rudels streitig machen wollte.
Man erkannte ihn auf Anhieb an seiner Palomino-Farbe, die der Anlass zu dieser Namensgebung gewesen ist. Golden Boy war voll ausgewachsen und musste nun annähernd dreijährig sein.
Ein paar Augenblicke schien auch der Apache vom Anblick dieses Pferdes wie gebannt. Dann verzog er grinsend seinen breiten Mund und sagte in seiner gutturalen Sprechweise:
»Red Cloud ihm halten weg von Stuten. Ich denken, jetzt sie kämpfen. Golden Boy nicht mehr lange warten.«
Der Wind trug ein herausforderndes Schnauben herüber. Der Rotschimmel hatte sich vom Creek gelöst und umkreiste sein Rudel in einem kurzen, aber stampfenden Galopp, als ob er damit noch einmal auf eindringliche Weise seinen Herrschaftsanspruch dokumentieren wollte.
Der Palomino warf sich mit der Vorderhand hoch und bewies damit, dass er die drohende Herausforderung verstanden hatte. Nach kurzem Zögern trottete er dann, von drei Junghengsten gefolgt, ein Stück abseits der Herde ans Wasser. Erst als er noch einmal zu Red Cloud hinübergeäugt hatte, senkte auch er den Kopf, um zu saufen.
»Da!«, stieß Clay Ballard auf einmal gepresst hervor.
Eine jüngere hellbraune Stute hatte sich ein wenig aus ihrem Rudel zurückfallen lassen, tänzelte kokett und wandte den Kopf zurück, um sich zu vergewissern, dass sie Golden Boys Aufmerksamkeit erregt hatte.
Durch ihr Zurückbleiben schien das ganze Rudel ins Stocken zu geraten. Und dann geschah, was geschehen musste: Mit einem wilden herausfordernden Röhren – als Wiehern konnte man es kaum noch bezeichnen – kam mit stampfenden Hufen Red Cloud herangejagt, ein Bild unbändiger Kraft und flammenden Zorns. Im roten Licht des Sonnenuntergangs sah man deutlich seine drohend gebleckten Zähne.
In panischer Angst stob die Stute durch die Büsche davon. Der Palomino-Junghengst warf sich auf der Hinterhand herum, wirbelte die Vorderhufe durch die Luft und erwiderte die Herausforderung des Rotschimmels mit einem scharfen, hellen Wiehern, das als Echo von den Hängen des Plateaus zurückgegeben wurde.
Red Cloud erstarrte und warf sich zurück, anscheinend überrascht von dem Widerstand, der ihm hier so unvermutet entgegengesetzt wurde. Sein Gegner konnte sich nicht so lange auf der Hinterhand halten und fiel federnd wieder auf die Vorderhufe. Genau in dieser Sekunde schnellte der erfahrene und in vielen Kämpfen siegreiche Leithengst wieder mit einem mächtigen Satz vorwärts.
Die beiden Männer auf dem Felsrand hielten den Atem an. Noch konnten sie es nicht fassen, dass sie durch puren Zufall – oder durch einen reinen Glücksumstand – zu Zeugen der Auseinandersetzung werden sollten, auf die sie schon viele Monate gewartet hatten.
Der jähe Angriff traf Golden Boy unvorbereitet. Trotz seiner katzenhaften Gewandtheit vermochte er dem Anprall nicht mehr zu entgehen. Der Rammstoß Red Clouds erwischte ihn halb an der Flanke und warf ihn mit unwiderstehlicher Gewalt zurück in die Scrubwoods, wo er strauchelnd stürzte. Mit keilenden Hufen versuchte er sich des Rotschimmels zu erwehren, als sich Red Cloud in rasender Wut auf ihn stürzte, sich zwei-, dreimal hochwarf und dann mit der Vorderhand auf ihn niederwuchtete.
Doch nur beim ersten Mal wurde der Palomino getroffen, dann wälzte er sich schon geschmeidig zur Seite und kam mit einem jähen Sprung wieder auf die Beine. Ein wilder Schrei kam aus seiner Kehle, als dabei ein ganzes Büschel seiner Mähne zwischen den gelben, malmenden Zähnen des mächtigen Widersachers zurückblieb.
Der rote Leithengst schien nun vollends in Raserei zu verfallen und warf sich erneut auf sein Opfer. Diesmal aber hatte Golden Boy den ersten Schock überwunden. Mit hoch gewölbtem Rücken vollführte er einen Satz, krümmte sich dabei noch zur Seite und feuerte gleichzeitig mit der Hinterhand aus.
Nur weil er seine Drehung nicht ganz hatte beenden können, blieb Red Cloud von der vollen Wucht dieses Schlags verschont. Dafür jedoch streiften die stahlharten Hufe seinen Hals und die breite Brust, sodass sich sein Fell gleich an zwei Stellen vom Blut dunkelrot färbte. Ungeachtet der Verletzung griff er wieder an.
Es war ein Kampf der Giganten. Immer wieder wuchsen ihre Leiber aus Sage und Scrubwoods empor, wenn sie sich auf die Hinterhand erhoben und einander mit Zähnen und Vorderhufen bearbeiteten. Was der rasende Leithengst an Massigkeit und brutaler Kraft voraushatte, glich der Palomino durch Behändigkeit und die unglaubliche Schnelligkeit seiner Bewegungen aus.
Mitunter waren sie in dem rasenden Wirbel zwischen dem Gestrüpp kaum auseinanderzuhalten, wenn sie sich umkreisten, nach wildem Schlagaustausch auseinanderstoben und doch im nächsten Moment wieder zusammenprallten.
Der Rest des Rudels schien an dieser Schlacht keinerlei Anteil zu nehmen. Die Pferde hielten sich in sicherem Abstand von den beiden Kämpfern und grasten oder äugten von Zeit zu Zeit unbewegt herüber. Zwei Stuten und ein Jährling trotteten einfach davon, als sich der Kampf weiter zu ihnen und in die Nähe des Creeks verlagerte.
Es schien, als habe der mächtige Rotschimmel eine gewisse Überlegenheit erlangt, weil sich seine Erfahrung aus hundert ähnlichen, wenn auch sicher längst nicht so erbitterten Machtkämpfen bemerkbar machte. Golden Boy löste sich nun immer häufiger von seinem Gegner, machte aber stets nur wenige Sätze, um den Rivalen dann wieder kommen zu lassen.
Schon aus dieser Taktik ging hervor, dass es sich nur um eine scheinbare Überlegenheit des Leithengstes handelte. Der Palomino schien klug genug zu sein, sich nicht die Kampfesweise Red Clouds aufzwingen zu lassen, sondern selbst die Regeln dieser erbarmungslosen Auseinandersetzung zu bestimmen. Nur auf diese Art konnte er seine katzenhafte Gewandtheit voll ausspielen und durch Zähigkeit die wilde Kraft seines Gegners ausgleichen.
Allenfalls zwei Minuten währte das Toben bislang, aber Clay Ballard kam es so vor, als ob es zwei Stunden wären. Golden Boy, ebenfalls bereits mehrfach gezeichnet, brach plötzlich durch das lichte Erlengestrüpp und jagte mit peitschenden Hufen ein Stück durch das seichte Wasser. Im Creek blieb er jäh wieder stehen und wandte sich nur halb um. Fast sah es so aus, als böte er dem herannahenden Verfolger mit Absicht die ungeschützte Flanke.
Red Clouds fanatischer Siegeswille schien endgültig seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Mit gewaltigen Sätzen schnellte er auf den Rebellen los und stieg erst im letzten Moment, um wieder einmal seine liebste Waffe, die Vorderhufe, einzusetzen und den Rivalen niederzustampfen.
Ein Seufzer kam über Clay Ballards Lippen, als er das unausweichliche Verhältnis sah. Ihm schien es, als sei der Palomino schon zu benommen, um seinen Widerstand noch fortzusetzen. Und die Kräfte des mächtigen Leithengstes reichten vollkommen aus, um seinem Opfer mit den herabsausenden Vorderhufen das Rückgrat zu brechen. Sogar der stoische Jicarilla-Apache stöhnte bei diesem Anblick auf.
Aber dann kam es doch ganz anders. Buchstäblich in letzter Sekunde vollführte Golden Boy einen geschmeidigen Sprung, und wieder zeigte er dabei die typische, zusammengekrümmte Haltung. Nur um eine Handbreit verfehlten die Hufe des Gegners seine Flanke.
Begierig reckte Red Cloud den Kopf und verrenkte dabei den Hals, doch auch seine gelben, malmenden Zähne schnappten ins Leere. Auch er musste die Gefahr nun erkennen und schien herumwirbeln zu wollen. Aber er brachte seine Vorderhand nicht mehr hoch. Mitten in der Bewegung krachten ihm die Hufe des Palominos gegen die Rippen. Diesmal trafen sie voll, mit der ganzen Kraft der gespannten Muskeln und Flechsen, die der jüngere Hengst noch aufzubieten hatte.
Red Cloud wurde zur Seite geworfen und hatte Mühe, auf den Beinen zu bleiben. Er schwankte, und aus seiner Kehle kam unwillkürlich ein gequältes, röchelndes Wiehern. Jetzt schwang keine Herausforderung mehr darin mit.
Nach dem Ausschlagen hatte Golden Boy zwei oder drei Galoppsätze vollführt; sie genügten, um den breit und träge dahinfließenden Creek zu durchqueren. Nun stand er am anderen Ufer, das von niedrigen Erlen und Weiden gesäumt wurde. Den Kopf hatte er vorgereckt – bereit, auch den nächsten und jeden weiteren Angriff abzuwehren.
Aber dem großen Leithengst war die Lust zu solchen Angriffen vergangen. Noch nie in seinem acht- oder neunjährigen Pferdeleben war er auf einen so zähen Gegner gestoßen. Er spürte, dass ihn eine Fortsetzung des Kampfes an den Rand der Niederlage bringen würde.
Ungefähr eine halbe Minute lang standen sie sich gegenüber – der mächtige Rotschimmel und sein jüngerer Herausforderer, beide noch in wachsamer Haltung, aber ohne sich vom Fleck zu rühren. Dann endlich drehte Red Cloud den Kopf nach hinten, um schnaubend seine Verletzungen zu inspizieren. Wie auf Kommando senkte auch Golden Boy den Kopf und tauchte die Nüstern ins Wasser.
Mit einem Schlag wich die Spannung. Der Ausgang dieses Kampfes war nun völlig undramatisch.
Die Hengste ließen einfach voneinander ab. Es gab keinen Sieger und keinen Unterlegenen.
Diesmal hatte Red Cloud seinen Führungsanspruch behaupten können, aber sein Zustand war eine eindringliche Mahnung, dass da in seinem eigenen Rudel ein neuer König heranwuchs, dessen Forderungen nicht mehr lange zu überhören waren.
Das Rudel nahm seine gemächliche Wanderung wieder auf. Mit Red Cloud an der Spitze trottete es durch das Gestrüpp bachabwärts, und wieder bildete Golden Boy mit den drei Junghengsten den Abschluss. Ein paar Minuten später waren sie allesamt zwischen den dunklen Juniperen verschwunden.
Nun endlich reckte Cloonay die Schultern und wandte sich um. Noch immer zeigte sich in seinen jettschwarzen Augen ein Abglanz der Bewunderung, als er kehlig sagte:
»Nur noch Wochen zwei oder drei, nicht mehr als ein Mond, dann wir nehmen Catch-Rope und fangen ein Golden Boy mit Herde. Besser nicht fangen Red Cloud, savvy?«
Clay Ballard nickte und richtete sich aus seiner kauernden Haltung auf.
»Du hast recht, Mister«, gab er mit einem tiefen Atemzug zurück. »Er ist schon zu alt, um ihn noch jemals wirklich zu zähmen. Well, ich hoffe nur, dass uns nicht noch jemand die ganze Herde verrückt macht und von der Wild Horse Mesa verjagt.«
Die Miene des Jicarillas verdüsterte sich.
»Du denkst an Brian Mahoney?«
»Er hat es schon lange auf Red Cloud und sein Rudel abgesehen«, bestätigte Ballard spröde. »Und er wäre zu jeder Gemeinheit fähig, nur um nicht mir diese prächtige Herde zu überlassen.«
Der Apache schüttelte den Kopf, dass seine Haare flogen.
»Er viel reden und trinken, aber nicht arbeiten oder kämpfen.«
»Aus Hass und purer Bosheit brächte dieser niederträchtige Bursche sogar das fertig«, erwiderte Ballard verkniffen. »Es ist jetzt schon mehr als zwei Jahre her, aber er hat es bis heute nicht überwunden, dass ich ihn damals auf seine richtige Größe zurechtgestutzt habe und anschließend nicht aus den Hügeln verschwunden bin. Er sieht in mir noch immer das lebende Denkmal seiner Niederlage. Dass ich seinetwegen meinen Job verloren habe, kümmert ihn einen Dreck.«
Cloonay sah den bitteren Zug um den Mund seines Begleiters.
»Wir reiten auf Ranch zu Monty«, sagte er aufmunternd. »Und du bringen Masse Geld zu Mr. Trimble auf Bank. Dann nicht mehr Verdruss, savvy?«
Clay Ballard begann bei diesem unbeholfenen Versuch der Aufheiterung zu grinsen.
✰✰✰
Als Clay Ballard die Main Street entlangritt, lag die Stadt wie ausgestorben. Nur in der Gasse neben May Belles Restaurant schnupperte ein Bastardhund an der Abfalltonne und schickte dem Reiter ein zorniges Kläffen nach. Vor dem Bankgelände saß Ballard ab und schlang die Zügel des Appaloosa-Wallachs um den Holm.
Er kniff die Augen zusammen, als er die Tür der Bank verschlossen vorfand. Unschlüssig wandte er sich um und schaute die Straße entlang. Auf den ersten Blick war zu erkennen, dass auch der Barber Shop geschlossen hatte, und das bei einem Mann wie Sid Eccles, von dem die Sage ging, dass er beim ersten Hahnenschrei öffnete, den Laden erst gegen Mitternacht wieder schloss und die Nacht dazu nutzte, um seine Einnahme zu zählen.
Für Clay Ballard blieb diese Stille vollkommen rätselhaft. Fast hatte es den Anschein, als habe eine geheimnisvolle Epidemie sämtliche Bewohner von Wild Horse dahingerafft.
Er zog den Wallach am Zügel hinter sich her und gelangte an die Ecke, sah die Gestalt auf den Stufen von Reillys Saloon hocken und atmete auf. Wenigstens ein Mensch war also am Leben geblieben, auch wenn es sich nur um einen so undurchschaubaren Burschen wie Yuma handelte.
Außerdem standen da auch noch ein paar Pferde am Holm. Demnach konnte es sich wohl doch nicht um eine grassierende Seuche gehandelt haben, durch die die Stadt entvölkert worden war.
Der Satteltramp auf den Stufen des Saloons schien vollauf mit sich selbst beschäftigt zu sein. Trübsinnig knackte er Erdnüsse, deren Schalen er mit lässigen Bewegungen um sich verstreute.
Als ihm der Schatten Clay Ballards direkt vor die Füße fiel, zog er die Beine an und blickte Ballard mit schräggelegtem Kopf an.
»Hey, Ballard! Um dem toten König die letzte Ehre zu erweisen, kommst du ein bisschen spät. Dabei siehst du so aus, als ob du verdammt lange und scharf geritten wärst.«
Unwillkürlich fuhr sich Clay Ballard mit dem Handrücken über sein stoppeliges Kinn. »Was soll der Quatsch, Yuma?«, fragte er dann rau. »Und was ist in Wild Horse los?«
Der Satteltramp stopfte die restlichen Erdnüsse in die Rocktasche und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. »Du weißt es also noch nicht?«
»Was, zum Teufel, soll ich noch nicht wissen?«, entgegnete Ballard ungeduldig. »Ich war über zwei Wochen mit der Remuda nach Camp Verde unterwegs, um die Kavallerie mit neuen Pferden zu versorgen.«
»Und du warst noch gar nicht bei Monty auf deiner Pferderanch?«
Ballard schüttelte unwillig den Kopf. »Also, was ist los hier?«
»Sie sind alle draußen, um Tom Sheldon zu begraben«, erklärte Yuma ernst. »Eigentlich müsste es schon vorbei sein.«
»Tom?«, stieß Ballard bestürzt hervor. »Tom Sheldon ist tot? Warum muss man dir jedes Wort einzeln aus den Zähnen ziehen, Mister? Wie ist es passiert?«
Yuma erhob sich, klopfte die Erdnussschalen von seiner Hose und zuckte mit den Achseln.
»Genaues weiß man noch nicht. Es heißt, dass er hinausgeritten ist, um die Gulch-Weide zu inspizieren. Dabei scheint er den Saumpfad über den Rim gewählt zu haben und abgestürzt zu sein. Jedenfalls hat man ihn und sein Pferd nach langem Suchen zerschmettert am Fuße des Table Rock Rim gefunden.«
Geraume Weile blieb Clay Ballard stumm und starrte aus schmalen Augen vor sich hin. Dann nickte er fragend in Richtung der Pferde, die seitlich des Saloons am Holm standen.
»Es gibt Schufte«, erklärte Yuma, »deren Hass noch über das Grab hinausreicht. Die verdammte Bande wird es Tom Sheldon nie vergessen, dass er sie von den Grenzen seines Weidereichs vertrieben hat wie eine Meute Kojoten.«
»So ist das also«, murmelte Clay Ballard. »Nun, diese Burschen will ich mir mal genauer ansehen.«
✰✰✰
Die Gespräche im Saloon verstummten, als sich Clay Ballard an die Bar begab und einen Whisky bestellte. Am anderen Ende der Theke standen die Buschrancher Fess Carmack und Bruce Natwick sowie einer von Natwicks Leuten, ein Bursche namens Rude Jolston. Sie gaben sich den Anschein, als ob sie Ballard noch gar nicht bemerkt hatten. Doch kaum hatte Saloonkeeper Reilly ein Glas vor Clay Ballard gestellt, verkündete Jolston mit niederträchtigem Kichern:
»Ich hätte einen feinen Trinkspruch.« Er hob Ballard sein Glas entgegen und setzte grinsend hinzu: »Auf den verblichenen Thomas Sheldon, und dass er in der Hölle braten möge!«
Erwartungsvoll starrten auch die anderen Clay Ballard an, dessen Miene mit einem Mal kantig geworden war. Er brachte noch genug Beherrschung auf, um ebenfalls nach seinem Glas zu greifen und sich gemächlich wieder umzuwenden. Dann aber schnellte seine Rechte plötzlich vor, und der Inhalt seines Glases klatschte Rude Jolston ins Gesicht.
Der stiernackige Kerl brüllte auf und ließ sein Glas fallen, als ihm der Whisky beißend in die Augen drang. Mit einem Röhren warf er sich vorwärts und führte einen wilden Hieb nach Ballards Kopf. Aber der hagere Wildpferdjäger tauchte darunter hinweg, und schon im nächsten Moment krachte seine schwere Linke Rude Jolston ans Kinn und warf ihn auf die Dielen.
Von irgendwoher kam ein Glas geflogen, es zersplitterte an Clay Ballards Stirn und hinterließ eine Schnittwunde, aus der ihm das Blut über Schläfe und Wange rann. Aber er fand keine Gelegenheit, sich darum zu kümmern, weil er nun gleich von drei Männern angefallen wurde. Auch Fess Carmack war dabei, während Bruce Natwick die raue Arbeit lieber seinen Rustlerkumpanen überließ.
Zwei, drei Schläge brachte Ballard blitzschnell ins Ziel und federte dann mit einem Satz zurück, um der drohenden Einschließung durch die Meute zu entgehen. Mit der Schulter krachte er gegen die Nickelstange der Bar, und ein gepresster Seufzer kam aus seiner Kehle, als ihn von der Seite her ein brutaler Hieb in die Nierengegend traf.
Er warf sich herum und bekam den Gegner beim Genick zu packen. Ein harter Ruck ließ den Burschen nach vorn stolpern. Ballard trat zu und fegte ihm die Beine unter dem Leib weg.
Der Mann versuchte ihn noch im Sturz zu umklammern, aber da riss Ballard schon ein Knie in die Höhe, sodass es sich dem fallenden Gegner in die Magengrube bohrte. Mit einem würgenden Stöhnen glitten die Hände des Mannes ab, und er fiel verkrümmt in sich zusammen.
Zwei von insgesamt vier Gegner waren auf diese Weise in Sekundenschnelle außer Gefecht gesetzt. Dann aber war das Verhängnis nicht mehr aufzuhalten. Wie aus weiter Ferne hörte Ballard das Zetern Duff Reillys, der um seine Einrichtung bangte. Zwar gelang es ihm noch, Fess Carmack die Faust auf die Nase zu schmettern, aber da traf es auch schon ihn selbst ein paarmal von der Seite her, dass es in seinem Schädel rauschte und dröhnte.
In verzweifelter Abwehr wollte er herumfahren, doch es gelang ihm nicht, weil seine Beine von einem der am Boden liegenden Kerle festgehalten wurden. Er verlor das Gleichgewicht und versuchte sich durch verzweifelte Tritte aus dieser Umklammerung zu befreien – vergebens.
So stürzte auch er gegen die Bar und bekam dabei einen Tritt in die Rippen, dass ihm die Luft wegblieb und ein schneidender Schmerz seine ganze Seite zu lähmen drohte.
