Beschreibung

Romantisch und gefühlvoll: Der dritte Roman des Jahreszeitenzyklus von Nora Roberts

Gemeinsam mit ihren drei besten Freundinnen betreibt die hübsche Konditorin Laurel die erfolgreiche Hochzeitsagentur Vows. Tag für Tag hilft sie glücklichen Paaren, ihre Liebe mit einem rauschenden Fest zu krönen, in Laurels eigenem Privatleben sieht es aber alles andere als rosig aus. Doch dann verliebt sie sich in den smarten Staranwalt Del. Er ist für sie die Liebe ihres Lebens, aber sieht der heißbegehrte Junggeselle das ebenso?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 517


Inhaltsverzeichnis
ZUM BUCH
ZUR AUTORIN
Widmung
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Vorschau
Copyright
ZUM BUCH
Die große Liebe gehört für die Konditorin Laurel, Teilhaberin der stets ausgebuchten Hochzeitsagentur Vows, zum Geschäft. Obwohl sie schon zahllosen Paaren geholfen hat, den schönsten Tag in ihrem Leben zu gestalten, gleicht ihr eigenes Privatleben einer Achterbahnfahrt. Sie beschließt, den Männern abzuschwören. Vor allem ihren Jugendschwarm Del, den älteren Bruder ihrer besten Freundin Parker, will sie endgültig aus ihrem Herzen streichen. Allerdings ist es nicht leicht, ihm zu widerstehen und so wird aus der süßen Zuckerbäckerin und dem attraktiven Anwalt nach einigen Startschwierigkeiten doch noch ein Paar. Zunächst schwebt Laurel auf Wolke sieben, ist jedoch auch davon überzeugt, dass sie früher oder später auf dem harten Boden der Realität landen wird. Del ist schließlich der begehrteste Junggeselle der Stadt, völlig ausgeschlossen also, dass er in Laurel mehr als ein flüchtiges Abenteuer sieht. Oder etwa doch nicht?
Der dritte Roman des Jahreszeitenzyklus von Nora Roberts!
ZUR AUTORIN
Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt. Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von 300 Millionen Exemplaren überschritten. Mehr als 125 Titel waren auf der New-York-Times-Bestsellerliste und ihre Bücher erobern auch in Deutschland immer wieder die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Keedsville, Maryland.
Bei Heyne unter anderem lieferbar: Das Haus der Donna – Träume wie Gold – Sehnsucht der Unschuldigen – Eine Frage der Liebe – Der weite Himmel – Verborgene Gefühle – Im Licht der Träume – Der Anfang aller Dinge – Der Ruf der Wellen – Dunkle Herzen – Lilien im Sommerwind – Die Tochter des Magiers – Insel der Sehnsucht – Heute und für immer – Schatten über den Weiden – Erinnerung des Herzens – Rückkehr nach River’s End – Im Sturm des Lebens – Tödliche Liebe – Gefährliche Verstrickung – Nächtliches Schweigen – Königin des Lichts – Verlorene Seelen – Tödliche Flammen
Außerdem die Familiensaga: Tief im Herzen – Gezeiten der Liebe – Hafen der Träume – Ufer der Hoffnung, die Garten-Eden-Trilogie: Blüte der Tage – Dunkle Rosen – Rote Lilien und der Jahreszeitenzyklus: Frühlingsträume – Sommersehnsucht – Herbstmagie
Für meinen Bruder Jim,den Bäcker in unserer Familie
Ich sing von Bächen, Blüten, Turteltauben,April, Mai, Juni, Julis Blumenlauben,Ich sing von Maibaum, Erntewagen,Von Totenwachen, Trinkgelagen,Von Bräutigam und Braut und ihren Hochzeitstorten.
Robert Herrick
Ich frag mich, was wir taten, du und ich,Bis wir uns liebten?
John Donne
Prolog
Als sich ihr letztes Jahr auf der Highschool dem Ende zuneigte, lernte Laurel McBane eine unumstößliche Tatsache: Der Abschlussball war die Hölle.
Wochenlang sprachen alle nur darüber, welcher Junge welche Ballpartnerin im Auge hatte, wer wen gefragt hatte – und wer eine andere aufgefordert hatte, was unweigerlich Heulkrämpfe und hysterische Anfälle hervorrief.
Während der Ballsaison standen die Mädchen in Laurels Augen unter schier unerträglicher Spannung und waren geradezu beschämend passiv. Die Korridore, Klassenräume und der Innenhof der Schule pulsierten vor Emotionen, die vom einen Ende der Skala – himmelhochjauchzende Euphorie, weil irgendein Typ sie zu einem völlig überbewerteten Ball eingeladen hatte – zum anderen reichte – bitteren Tränen, weil die ersehnte Einladung irgendeines Typen nicht erfolgt war.
Alles drehte sich um dieses »irgendein Typ«, was Laurel albern und frustrierend fand.
Später ging die Hysterie weiter, steigerte sich sogar noch – mit der Suche nach einem Kleid, nach Schuhen, mit heißen Diskussionen, ob Hochfrisuren oder offen getragenes Haar angesagt waren. Limousinen, Afterpartys, Hotelsuiten, das Ja / Nein / Vielleicht in Sachen Sex.
Laurel hätte auf all das gepfiffen, wenn sich ihre Freundinnen, allen voran »Parker-platz-da-jetzt-komm-ich-Brown«, nicht gegen sie verschworen hätten.
Ihr Sparkonto – all die hart verdienten Dollars und Cents von unzähligen Stunden in ihrem Aushilfsjob als Kellnerin – bekam fast einen Herzkasper angesichts der abgehobenen Summen für ein Kleid, das sie wahrscheinlich nie wieder anziehen würde, für die Schuhe, die Tasche und den ganzen Rest.
Auch das kreidete sie ihren Freundinnen an. Parker, Emmaline und Mackensie hatten sie zum gemeinsamen Shoppen verleitet, und dabei hatte sie unvernünftig viel Geld ausgegeben.
Der Gedanke, den Emma dezent ins Spiel gebracht hatte, nämlich ihre Eltern zu bitten, ihr das Kleid zu schenken, war indiskutabel, jedenfalls für Laurel. Das lag vielleicht an ihrem Stolz, doch Geld war im McBaneschen Haushalt auch ein heikles Thema geworden, seit ihr Vater mit seinen riskanten Investitionen ein Fiasko erlebt hatte und dann die amtlichen Rechnungsprüfer angerückt waren.
Nein, es kam nicht infrage, ihre Eltern zu bitten. Sie verdiente ihr eigenes Geld, und das schon seit einigen Jahren.
Sie redete sich ein, es spiele keine Rolle. Sie hatte noch nicht annähernd genug gespart, um sich die Gastronomieschule leisten zu können oder die Lebenshaltungskosten in New York, trotz der Stunden, die sie nach der Schule und an Wochenenden im Restaurant geschuftet hatte. Die Ausgaben dafür, einen Abend lang blendend auszusehen, änderten daran nichts – und zum Kuckuck, sie sah ohnehin blendend aus.
Sie befestigte ihre Ohrringe, während auf der anderen Seite des Zimmers – Parkers Schlafzimmer – Parker und Emma ausprobierten, was sie mit Macs Haaren anstellen konnten, die sie sich, einer spontanen Eingebung folgend, abgeschnitten hatte. In Laurels Augen sah sie jetzt aus wie Cäsar, der gerade den Rubikon überschreitet. Sie versuchten, die Überreste von Macs Haar mit verschiedenen Haarnadeln, Glitterspray und strassbesetzten Clips aufzupeppen, während alle drei nonstop quasselten und Aerosmith aus dem CD-Player dröhnte.
Laurel liebte es, ihnen zuzuhören, wenn sie ein kleines bisschen abseits stand. Vielleicht besonders, wenn sie sich, so wie jetzt, ein bisschen abseits fühlte. Sie waren alle von klein auf befreundet, und nun – Übergangsritus oder nicht – änderte sich so viel. Im Herbst würden Parker und Emma aufs College gehen, um zu studieren. Mac würde arbeiten und zwischendurch ein paar Kurse in Fotografie einschieben.
Und sie selbst? Da ihr Traum von der Gastronomieschule geplatzt und die Ehe ihrer Eltern vor kurzem gescheitert war, würde sie wohl keine berufsvorbereitende Schule besuchen, sondern vermutlich eine kaufmännische Ausbildung machen. Sie musste praktisch denken. Realistisch sein.
Aber sie würde jetzt nicht darüber nachdenken. Sie wollte den Augenblick und dieses Ritual genießen, das Parker organisiert hatte.
Parker und Emma würden auf den Ball der Academy gehen, während sie und Mac den an der staatlichen Highschool besuchten, doch sie hatten diese gemeinsame Zeit, in der sie sich anzogen und schminkten. Unten warteten Parkers Eltern, und es würde Dutzende Fotos – »Oh, sieh dir unsere Mädels an!« -, Umarmungen und wahrscheinlich einige verdächtig glänzende Augen geben.
Macs Mutter Linda war zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um sich mit dem Abschlussball ihrer Tochter zu befassen, was in Anbetracht ihrer Art auch besser war. Und Laurels Eltern? Tja, sie steckten zu tief in ihrem Leben, ihren Problemen, um sich darum zu kümmern, wo sie heute Abend war oder was sie machte.
Sie war daran gewöhnt und fand es mittlerweile sogar angenehmer.
»Nur das Glitterspray«, entschied Mac und neigte den Kopf prüfend von einer Seite zur anderen. »Das sieht irgendwie tinkerbellmäßig aus. Aber auf coole Art.«
»Ich glaube, du hast Recht.« Parker, der das glatte braune Haar wie ein glänzender Wasserfall über den Rücken fiel, nickte. »Heroin-Chic. Zerbrechlich, aber mit dem gewissen Etwas. Was meinst du, Em?«
»Ich finde, wir müssen die Augen stärker betonen, ein bisschen dramatischer.« Emmas Augen, tiefbraun und verträumt, verengten sich nachdenklich zu schmalen Schlitzen. »Das kann ich.«
»Nur zu.« Mac zuckte die Achseln. »Aber macht schnell, okay? Ich muss noch alles für unser Gruppenbild aufbauen.«
»Wir sind gut in der Zeit.« Parker sah prüfend auf die Uhr. »Wir haben noch dreißig Minuten, bis …« Als sie sich umdrehte, fiel ihr Blick auf Laurel. »He, du siehst umwerfend aus!«
»Aber echt!« Emma klatschte in die Hände. »Ich wusste, dass das Kleid das richtige ist. Durch das schimmernde Rosa wirken deine Augen noch blauer.«
»Wahrscheinlich, ja.«
»Du brauchst nur noch eines.« Parker eilte zu ihrer Frisierkommode und öffnete eine Schublade, um ihr Schmuckkästchen herauszuholen. »Diese Haarklammer.«
Laurel, ein schlankes Mädchen in schimmerndem Rosa, deren sonnengebleichtes Haar auf Drängen Emmas in langen, großen Korkenzieherlocken herabrieselte, zuckte die Achseln. »Meinetwegen.«
Parker hielt die Klammer in verschiedenen Winkeln an Laurels Haar. »Lach doch mal«, befahl sie. »Du hast bestimmt viel Spaß.«
Gott, reiß dich zusammen, Laurel! »Ich weiß. Entschuldige. Es würde bestimmt noch mehr Spaß machen, wenn wir vier auf denselben Ball gehen würden, vor allem, da wir alle echt umwerfend aussehen.«
»Ja, stimmt.« Parker beschloss, ein paar Locken von der Seite nach hinten zu nehmen und dort festzustecken. »Aber nachher treffen wir uns und feiern. Wenn wir fertig sind, kommen wir wieder her und erzählen uns alles. Hier, schau mal.«
Sie drehte Laurel zum Spiegel um, und die Mädchen betrachteten sich selbst und einander.
»Ich sehe echt klasse aus«, stellte Laurel fest, worauf Parker lachen musste.
Nachdem sie der Form halber kurz angeklopft hatte, kam Mrs Grady, die langjährige Haushälterin der Browns, herein und stemmte die Hände in die Hüften, um die Mädchen zu begutachten.
»Es wird reichen«, sagte sie. »Was es nach dem Aufwand auch sollte. Seht zu, dass ihr fertig werdet, und dann kommt runter zum Fotografieren. Du …« Sie zeigte mit dem Finger auf Laurel. »Mit dir muss ich noch ein Wörtchen reden, junge Dame.«
»Was hab ich angestellt?«, wollte Laurel wissen und schaute von einer Freundin zur anderen, als Mrs Grady sich wieder entfernte. »Ich hab nichts gemacht.« Doch da Mrs G.’s Wort Gesetz war, eilte sie ihr nach.
Im Wohnzimmer der Familie wandte Mrs Grady sich mit verschränkten Armen um. Wie zu einer Standpauke, dachte Laurel, und ihr Herzschlag setzte kurz aus. Sie kramte in ihrem Gedächtnis, ob sie irgendetwas angestellt hatte, wofür sie von der Frau, die ihr in ihren Teenagerjahren mehr Mutter gewesen war als die echte, eine Strafpredigt verdient hatte.
»So«, begann Mrs Grady, als Laurel hereinhuschte. »Ich nehme an, du denkst, du wärst jetzt erwachsen.«
»Ich …«
»Bist du nicht. Aber du kommst allmählich dorthin. Ihr vier seid hier herumgelaufen, seit ihr Windeln getragen habt. Manches davon wird sich jetzt ändern, weil jede von euch bald ihren eigenen Weg geht. Zumindest eine Zeit lang. Ich hab läuten hören, du willst nach New York und auf diese schicke Backschule.«
Laurels Herz stolperte erneut, dann verspürte sie den Stich eines zerplatzten Traums. »Nein, ich, äh, behalte meinen Job im Restaurant und mache eine Ausbildung an der …«
»Falsch.« Wieder zeigte Mrs G. mit dem Finger auf sie. »Also, wenn ein Mädel in deinem Alter nach New York geht, sollte sie clever und vorsichtig sein. Und soweit ich gehört habe, musst du hart arbeiten, wenn du diese Schule schaffen willst. Da geht es um mehr, als hübschen Zuckerguss und Kekse zu machen.«
»Es ist eine der besten Schulen, aber …«
»Dann wirst du auch eine der Besten sein.« Mrs G. griff in ihre Tasche und hielt Laurel einen Scheck hin. »Das reicht für das erste Semester – für Schulgeld, einen anständigen Ort zum Leben und genug zu essen, um Leib und Seele zusammenzuhalten. Mach guten Gebrauch davon, oder du bist mir eine Erklärung schuldig. Wenn du schaffst, wozu ich dich für fähig halte, sprechen wir bald über das nächste Semester.«
Perplex starrte Laurel auf den Scheck in ihrer Hand. »Sie können doch nicht – das kann ich nicht …«
»Ich kann, und du wirst. So viel dazu.«
»Aber …«
»Hab ich nicht gerade gesagt, so viel dazu? Wenn du mich enttäuschst, ist was los, das sage ich dir. Parker und Emma gehen aufs College, und Mac ist fest entschlossen, ihre Fotografie zum Vollzeitjob zu machen. Dein Weg ist ein anderer, also geh ihn. Das willst du doch, oder?«
»Mehr als alles andere.« Tränen brannten in ihren Augen, in ihrer Kehle. »Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, Mrs G. Ich zahle Ihnen das zurück. Ich …«
»Allerdings. Du zahlst es mir zurück, indem du was aus dir machst. Jetzt liegt es an dir.«
Laurel warf die Arme um Mrs Grady, klammerte sich an sie. »Sie werden es nicht bereuen. Sie werden stolz auf mich sein!«
»Das glaube ich auch. Komm, ist gut. Jetzt lauf und sieh zu, dass du dich fertig machst.«
Laurel hielt sie noch einen Augenblick fest. »Das vergesse ich Ihnen nie«, flüsterte sie. »Niemals. Danke!«
Sie eilte zur Tür, voller Ungeduld, ihren Freundinnen die Neuigkeit zu berichten. Dann drehte sie sich noch einmal um, jung und strahlend. »Ich kann es kaum erwarten anzufangen.«
1
Zur leisen Musik von Norah Jones aus dem iPod arbeitete Laurel allein daran, eine Fondantplatte in ein Stück eleganter, essbarer Spitze zu verwandeln. Sie hörte die Musik nicht, ließ sie mehr als Hintergrundgeräusch denn als Unterhaltung laufen, während sie die fertige Platte akribisch genau an der zweiten von vier Etagen einer Torte befestigte.
Sie trat zurück, um das Ergebnis zu betrachten, ging um die Torte herum, suchte nach Fehlern. Die Kunden von Vows erwarteten Perfektion, und genau die wollte sie ihnen bieten. Zufrieden nickte sie und griff zu einer Flasche Wasser, um zu trinken, während sie den Rücken durchstreckte.
»Zwei fertig – jetzt noch zwei.«
Sie warf einen Blick auf die Pinnwand, an die sie verschiedene Muster antiker Spitze und die endgültige Skizze der Torte geheftet hatte, mit der die Braut von Freitagabend einverstanden gewesen war.
Sie musste noch drei verschiedene andere Torten fertigstellen, zwei für Samstag, eine für Sonntag – doch das war nichts Neues. Der Juni war bei Vows, der Hochzeits- und Veranstaltungsagentur, die sie mit ihren Freundinnen betrieb, Hochsaison.
Innerhalb weniger Jahre hatten sie aus einer Idee ein florierendes Unternehmen gemacht. Manchmal ein bisschen zu florierend, sinnierte Laurel – weshalb sie um kurz vor ein Uhr nachts Fondantspitze herstellte.
Doch das war sehr gut so, entschied sie. Sie liebte die Arbeit.
Sie alle hatten ihre Passion – Emma die Blumen, Mac die Fotografie, Parker die Organisation der Details. Sie selbst hatte die Torten. Und das Feingebäck, dachte sie, und die Schokoladen. Aber die Torten waren die Krönung.
Dazu kehrte sie nun zurück und begann, die nächste Platte auszurollen. Gewohnheitsmäßig hatte sie das sonnenblonde Haar mit Clips hochgesteckt, damit es ihr nicht im Weg war. Maisstärke staubte auf die Bäckerschürze, die sie über Baumwollhosen und T-Shirt trug, und in den Küchenschuhen zum Hineinschlüpfen hatten ihre Füße es auch nach stundenlangem Stehen noch bequem. Ihre Hände, vom jahrelangen Kneten, Rollen, Hochheben gestärkt, waren geschickt und schnell. Als sie mit dem nächsten Muster begann, wurden die ausgeprägten Züge ihres eckigen Gesichts wieder ernst.
Wenn es um ihre Kunst ging, war Perfektion nicht einfach ein Ziel. Für Icing, ihre Konditorei bei Vows, war sie absolut notwendig. Die Hochzeitstorte war mehr als Backwerk und Verzierung, Zuckerguss und Füllung. Ebenso wie die Hochzeitsfotos, die Mac machte, mehr als nur Bilder und die Gestecke und Sträuße, die Emma herstellte, mehr als nur Blumen waren. Auch die Details, Zeitpläne und Wünsche, die Parker unter einen Hut brachte, waren am Ende mehr als die Summe ihrer Teile.
Zusammen wurde aus den einzelnen Elementen eine unvergessliche Veranstaltung, die Feier der Reise, von der zwei Menschen beschlossen hatten, sie gemeinsam anzutreten.
Das war romantisch, gewiss, und Laurel glaubte an die Romantik. Zumindest in der Theorie. Mehr noch glaubte sie an Symbole und Feiern. Und an eine traumhafte Torte.
Ihre Gesichtszüge wurden weicher, zufriedener, als sie die dritte Etage fertigstellte, und in ihre dunkelblauen Augen trat ein warmer Glanz, als ihr Blick zur Tür schweifte und sie Parker dort stehen sah.
»Warum bist du nicht im Bett?«
»Details.« Parker ließ einen Finger über dem Kopf kreisen. »Ich komme nicht zur Ruhe. Wie lange bist du heute Abend schon hier dran?«
»Eine Weile. Ich muss das fertig machen, damit die Torte über Nacht ruhen kann. Außerdem muss ich morgen noch die zwei für Samstag zusammensetzen und dekorieren.«
»Ist dir nach Gesellschaft?« Parker kannte sie gut genug, um nicht beleidigt zu sein, falls Laurel Nein sagte. Oft, wenn sie tief in der Arbeit steckte, lautete die Antwort tatsächlich Nein.
»Klar.«
»Der Entwurf gefällt mir.« Wie Laurel zuvor ging Parker um die Torte herum. »Das Weiß auf Weiß wirkt fein, und dass jede Etage verschieden hoch ist, macht das Ganze interessant. Und jede Einzelne hat so ein kompliziertes Muster. Es sieht wirklich aus wie unterschiedliche Bahnen aus Spitze. Altmodisch, Vintage-Stil. Genau das Thema unserer Braut. Damit hast du es getroffen.«
»Um den Ständer schlingen wir blassblaues Band«, erklärte Laurel, während sie mit der nächsten Lage anfing. »Und rings um den Fuß der Torte streut Emma weiße Rosenblütenblätter. Das wird der Knaller.«
»Mit der Braut ließ es sich gut arbeiten.«
Parker, die bereits einen bequemen Pyjama angezogen hatte und das lange braune Haar offen trug, statt es wie bei der Arbeit zum glatten Pferdeschwanz oder Knoten zu schlingen, stellte den Wasserkocher an, um Tee zu machen. Einer der Vorzüge davon, das Geschäft von zu Hause aus zu leiten – Laurel wohnt mit im Haus, Emma und Mac auf dem Gelände des Anwesens -, waren diese Besuche am späten Abend.
»Sie weiß, was sie will«, bemerkte Laurel und wählte ein Werkzeug, um den Rand der Platte mit bogenförmigen Verzierungen zu versehen. »Aber sie ist offen für Vorschläge und ist bisher noch nicht durchgedreht. Wenn sie es schafft, in den nächsten vierundzwanzig Stunden so zu bleiben, verdient sie eindeutig Vows’ begehrte Auszeichnung ›Gute Braut‹.«
»Heute Abend beim Probelauf sahen beide glücklich und entspannt aus. Das ist ein gutes Zeichen.«
»Ja.« Laurel setzte das Muster mit genau platzierten Löchern und Durchbrüchen fort. »Also noch mal, warum bist du noch nicht im Bett?«
Parker seufzte, während sie eine kleine Teekanne vorwärmte. »Ich glaube, ich war ein bisschen sentimental. Ich saß mit einem Glas Wein auf der Terrasse, um abzuschalten. Ich konnte Macs Wohnung sehen und Emmas, in beiden brannte Licht, und ich habe den Duft der Gärten gerochen. Es war so still, so hübsch. Dann gingen die Lichter aus – zuerst Emmas, etwas später auch Macs. Ich dachte daran, wie wir Macs Hochzeit planen, und dass Emma sich gerade verlobt hat. Und an die vielen Male, die wir Heiraten gespielt haben, wir vier, als wir Kinder waren. Jetzt ist das Wirklichkeit. Ich saß da in der Stille, im Dunkeln, und ertappte mich bei dem Wunsch, meine Eltern könnten da sein und das alles sehen. Was wir hier geschaffen haben, und wer wir jetzt sind.« Parker hielt inne, um Tee abzumessen. »Ich war hin- und hergerissen. Einerseits war ich traurig darüber, dass sie nicht mehr da sind, andererseits glücklich, weil ich weiß, sie würden stolz auf mich sein. Auf uns.«
»Ich denke sehr oft an sie. Genau wie die anderen.« Laurel arbeitete weiter. »Weil sie ein wichtiger Teil unseres Lebens waren und weil es hier so viele Erinnerungen an sie gibt. Ich verstehe, was du mit hin- und hergerissen meinst.«
»Das mit Mac und Carter würde ihnen sehr gefallen und das mit Emma und Jack auch, oder?«
»Ja. Und was wir hier geschaffen haben, Parker … Das ist genial. Auch davon wären sie begeistert.«
»Ich bin froh, dass du noch wach warst und gearbeitet hast.« Parker goss heißes Wasser in die Kanne. »Du hast mich wieder beruhigt.«
»Stets zu Diensten. Aber ich sage dir, wer noch Glück hat – die Braut von Freitag. Weil diese Torte …« Laurel pustete sich eine lose Haarsträhne aus den Augen und nickte selbstgefällig. »Die ist der Oberhammer. Und wenn ich die Krone aufsetze, werden die Engel Freudentränen weinen.«
Parker stellte die Kanne zum Ziehen beiseite. »Also wirklich, Laurel, du solltest echt stolzer auf deine Arbeit sein.«
Laurel lächelte. »Zum Kuckuck mit dem Tee. Ich bin fast fertig. Schenk mir ein Glas Wein ein.«
Am nächsten Morgen, nach vollen sechs Stunden Schlaf, schob Laurel eine rasche Session im Fitnessstudio ein, bevor sie sich für den Arbeitstag anzog. Während des größten Teils davon würde sie an die Küche gefesselt sein, doch bevor diese Routine begann, fand das Gipfeltreffen statt, das jeder Veranstaltung vorausging.
Laurel stürmte aus ihrem Flügel im zweiten Stock nach unten in den Haupttrakt des weitläufigen Hauses und nach hinten in die Familienküche, wo Mrs Grady gerade einen Obstteller anrichtete.
»Morgen, Mrs G.«
Mrs Grady zog die Augenbrauen hoch. »Du siehst angriffslustig aus.«
»So fühle ich mich auch. Ich fühle mich spitze.« Laurel ballte die Hände zu Fäusten, ließ die Muskeln spielen. »Ich will Kaffee. Viel.«
»Parker hat den Kaffee schon mit raufgenommen. Du kannst das Obst und das Gebäck mitnehmen. Iss was von dem Obst. Ein Tag sollte nicht mit Plundergebäck anfangen.«
»Jawohl, Madam. Sonst schon jemand hier?«
»Noch nicht, aber vor einer Weile hab ich Jacks Transporter wegfahren sehen, und ich schätze, Carter kommt bald vorbei und guckt mich mit seinem Dackelblick an, in der Hoffnung auf ein anständiges Frühstück.«
»Ich mach schon Platz.« Laurel schnappte sich die Teller und balancierte sie mit dem Geschick der Kellnerin, die sie einst gewesen war.
Sie trug sie hinauf in die Bibliothek, die nun als Konferenzraum von Vows diente. Parker saß an dem großen Tisch; das Kaffeegeschirr stand auf dem vorspringenden Mittelteil des Bücherschranks. Ihr BlackBerry lag wie immer in Reichweite. Durch das glatt zum Pferdeschwanz frisierte Haar lenkte nichts von ihrem Gesicht ab, und die gebügelte weiße Bluse strahlte Professionalität aus, während sie Kaffee trank und auf ihrem Laptop Daten überprüfte – mit ihren mitternachtsblauen Augen, denen, wie Laurel wusste, nichts entging.
»Proviant«, verkündete Laurel. Sie stellte die Teller ab und steckte sich dann das kinnlange Haar hinter die Ohren, bevor sie Mrs Grady gehorchte und sich ein Schälchen Beeren zurechtmachte. »Hab dich heute Morgen im Fitnessstudio vermisst. Wann bist du aufgestanden?«
»Um sechs, was auch gut so war, weil um kurz nach sieben die Braut von Samstag anrief. Ihr Vater ist über die Katze gestolpert und hat sich vielleicht die Nase gebrochen.«
»Oh je.«
»Sie macht sich Sorgen um ihn, aber beinahe ebenso sehr darum, wie er bei der Hochzeit aussehen wird – und auf den Fotos. Ich rufe gleich die Maskenbildnerin an, um zu hören, was sich da machen lässt.«
»Tut mir leid, dass der BV so ein Pech hatte, aber wenn das an diesem Wochenende das größte Problem ist, stehen wir gut da.«
Parkers Finger schoss nach vorn. »Beschwör es nicht.«
Mac schlenderte herein, groß und schlank, in Jeans und schwarzem T-Shirt. »Hallo, Mädels.«
Angesichts des lässigen Lächelns und der schläfrigen grünen Augen der Freundin kniff Laurel die Augen zusammen. »Du hattest Morgensex.«
»Wahnsinns-Morgensex.« Mac schenkte sich Kaffee ein, schnappte sich einen Muffin. »Und du?«
»Biest.«
Lachend ließ Mac sich auf ihren Stuhl fallen und streckte die Beine aus. »Ich ziehe meine Morgengymnastik deiner Tretmühle und dem Bowflex vor.«
»Gemeines Biest.« Laurel warf mit einer Himbeere nach ihr.
»Ich liebe den Sommer, wenn die Liebe meines Lebens nicht früh raus muss, um junge Geister zu erleuchten.« Mac klappte ihren Laptop auf. »Jetzt bin ich rundum gerüstet für die Arbeit.«
»Der BV von Samstagnachmittag hat sich vielleicht die Nase gebrochen«, informierte Parker sie.
»Verdammt.« Mac runzelte die Stirn. »Mit Photoshop kann ich einiges machen, wenn sie das wollen, aber das wäre irgendwie Betrug. Es ist, wie es ist. Und ich finde, es ist eine witzige Erinnerung.«
»Wir sehen mal, was die Braut meint, sobald er vom Arzt zurück ist.« Parkers Blick schweifte zur Tür, da Emma hereinstürmte.
»Ich bin nicht zu spät. Es sind noch zwanzig Sekunden.« Mit wippenden schwarzen Locken flitzte sie zur Kaffeestation. »Ich bin wieder eingeschlafen. Danach.«
»Oh, dich hasse ich auch«, maulte Laurel. »Wir brauchen eine neue Regel. Keine Prahlerei mit Sex bei geschäftlichen Besprechungen, wenn die Hälfte von uns keinen kriegt.«
»Einverstanden«, sagte Parker sofort.
»Och nee.« Lachend füllte Emma sich etwas Obst in eine Schüssel.
»Der BV von Samstagnachmittag hat sich vielleicht die Nase gebrochen«, sagte Mac.
»Och nee!«, wiederholte Emma betroffen.
»Wir kümmern uns darum, wenn wir Genaueres wissen, aber egal, wie es ausgeht, es betrifft eigentlich nur Mac und mich. Ich halte dich auf dem Laufenden«, sagte Parker zu Mac. »Jetzt zur Veranstaltung heute Abend. Alle auswärtigen Brautjungfern, Begleiter des Bräutigams, Verwandte und Gäste sind eingetroffen. Braut, BM und die Gefolge sollen um drei für Frisuren und Make-up hier sein. Die Mutter des Bräutigams hat einen Termin bei ihrem eigenen Friseur und soll um vier kommen, zusammen mit ihrem Mann. Der BV kommt zusammen mit seiner Tochter. Wir halten ihn bei Laune und beschäftigt, bis es Zeit ist für die offiziellen Fotos, auf denen er dazugehört. Mac?«
»Das Brautkleid ist ein Prachtstück. Vintage-Romantik. Das will ich betonen.«
Während Mac einen Überblick über ihre Ideen und ihren Zeitplan gab, stand Laurel auf, um sich eine zweite Tasse Kaffee zu holen. Hier und da machte sie sich Notizen, auch, als Emma übernahm. Da Laurels Arbeit im Wesentlichen erledigt war, würde sie einspringen, wann und wo sie gebraucht wurde.
Es war eine Routine, die sie perfektioniert hatten, seit aus den Plänen für Vows Wirklichkeit geworden war.
»Laurel«, sagte Parker.
»Die Torte ist fertig und ein Hammer. Sie ist schwer, ich brauche also ein paar Aushilfen, um sie zum Empfang zu transportieren. Bei dieser Sorte muss ich aber vor Ort nichts mehr zusammensetzen. Emma, sobald die Torte drüben ist, brauche ich dich für die Bänder und weißen Rosenblütenblätter, aber das ist auch schon alles, bis es Zeit zum Servieren ist. Das Brautpaar hat sich gegen eine Bräutigamstorte entschieden, stattdessen eine Auswahl von Minigebäck und herzförmigen Schokoladen bestellt. Die sind auch fertig, und wir servieren sie auf weißem Porzellan mit Spitzendeckchen, um das Design der Torte wieder aufzunehmen. Die Tischdecke auf dem Tortentisch ist blassblau mit durchbrochener Spitze. Kuchenmesser und Tortenschaufel werden vom Brautpaar mitgebracht. Sie stammen von der Großmutter der Braut, also müssen wir gut darauf aufpassen.
Heute arbeite ich überwiegend an den Torten für Samstag, aber ab vier müsste ich frei sein, falls mich jemand braucht. Beim letzten Musikblock füllen die Aushilfen die übrige Torte in die Schachteln zum Mitnehmen und binden sie mit blauen Schleifen zu, die wir mit den Namen des Brautpaars und dem Datum haben beschriften lassen. Das Gleiche gilt, wenn Schokoladen oder Gebäck übrig sind. Mac, ich hätte für meine Unterlagen gern ein Foto von der Torte. Dieses Design habe ich vorher noch nie gemacht.«
»Geht klar.«
»Und Emma, ich brauche die Blumen für die Torte von Samstagabend. Kannst du sie mir vorbeibringen, wenn du rüberkommst, um für die heutige Feier zu schmücken?«
»Kein Problem.«
»Noch was Persönliches?«
Mac hob die Hand. »Niemand hat erwähnt, dass morgen die jüngste Hochzeit meiner Mutter stattfindet, in Italien. Was Gott sei Dank weit, weit weg ist von unserem glücklichen Heim hier in Greenwich, Connecticut. Um kurz nach fünf heute Morgen hat sie mich angerufen. Linda kapiert das mit den Zeitzonen nie, und seien wir ehrlich, es kümmert sie auch nicht.«
»Warum hast du es nicht einfach klingeln lassen?«, wollte Laurel wissen, während Emma Mac mitfühlend übers Bein strich.
»Weil sie es dann immer wieder versuchen würde. Und ich versuche, mit ihr klarzukommen. Zur Abwechslung aber auf meine Weise.« Mac fuhr sich mit den Fingern durch das leuchtende Rot ihres knabenhaften Haarschopfs. »Wie nicht anders zu erwarten, gab es Tränen und Vorwürfe, weil sie doch entschieden hatte, mich dabeihaben zu wollen. Im Gegensatz zu letzter Woche, als sie das noch nicht wollte. Da ich nicht die Absicht habe, in ein Flugzeug zu springen, schon gar nicht, wenn ich heute Abend eine Veranstaltung habe, morgen zwei und eine weitere am Sonntag, nur um zu sehen, wie sie zum vierten Mal heiratet, spricht sie jetzt nicht mehr mit mir.«
»Wenn das nur von Dauer wäre.«
»Laurel«, murmelte Parker.
»Ist doch wahr. Du hast ihr wenigstens mal die Meinung gesagt«, erinnerte Laurel Parker. »Ich nicht. Ich kann das nur rauseitern lassen.«
»Dafür bin ich auch dankbar«, sagte Mac. »Ehrlich. Aber wie ihr seht, hat sie mich nicht eingeschüchtert, ich schwimme nicht in Schuldgefühlen und bin nicht mal ein bisschen angenervt. Ich glaube, es ist von Vorteil, einen Typen gefunden zu haben, der vernünftig, liebevoll und grundsolide ist. Ein Vorteil, der noch mehr wiegt als toller Morgensex. Ihr alle habt mir beigestanden, als ich Probleme mit Linda hatte. Ihr habt versucht, mir zu helfen, wenn sie ihre Forderungen stellte und sich unmöglich benommen hat. Ich schätze, Carter war das Zünglein an der Waage, und jetzt komme ich allein damit klar. Das wollte ich euch sagen.«
»Allein dafür würde ich Morgensex mit ihm nicht ablehnen.«
»Finger weg, McBane. Aber danke für deine Anteilnahme. So.« Mac stand auf. »Ich will noch was schaffen, bevor ich mich auf die heutige Veranstaltung konzentrieren muss. Wegen der Fotos von der Torte komme ich irgendwann vorbei.«
»Warte, ich gehe mit dir.« Emma hievte sich hoch. »Ich komme gleich mit dem Team wieder her, dann bringe ich dir die Blumen vorbei, Laurel.«
Als sie gegangen waren, blieb Laurel noch einen Augenblick sitzen. »Sie hat das ernst gemeint.«
»Ja, hat sie.«
»Und sie hat Recht.« Laurel nahm sich einen letzten Moment Zeit, um sich zurückzulehnen und bei ihrem Kaffee zu entspannen. »Carter ist derjenige, der den Schlüssel umgedreht hat. Ich frage mich, wie es ist, einen Mann zu haben, der so was kann. Der so helfen kann, ohne sich aufzudrängen. Der dich so lieben kann. Ich glaube, unterm Strich beneide ich sie darum sogar noch mehr als um den Sex.« Achselzuckend stand sie auf. »Ich sollte mich lieber an die Arbeit machen.«
In den nächsten Tagen hatte Laurel keine Zeit, über Männer nachzugrübeln. Sie hatte auch weder Zeit noch Energie, an Liebe oder Romantik zu denken. Sie mochte zwar knietief in Hochzeiten stecken, doch das war Geschäft – und das Hochzeitsgeschäft verlangte Konzentration und Genauigkeit.
Ihre »Alte Spitzen«-Torte, mit deren Herstellung sie fast drei Tage lang beschäftigt gewesen war, hatte ihren großen Auftritt im Rampenlicht, bevor sie auseinandergenommen und verschlungen wurde. Am Samstagnachmittag war ihre flippige »Blütenblätter in Pastell« mit Hunderten von geprägten Rosenblütenblättern aus Blütenpaste dran, am Samstagabend die »Rosengarten«, in der sich Etagen voller leuchtend roter Rosen mit Schichten von Vanilletorte mit seidigem Buttercremeüberzug abwechselten.
Für die kleinere, zwanglosere Feier am Sonntagnachmittag hatte die Braut sich die »Sommerbeeren« ausgesucht. Laurel hatte den Teig gebacken, die Füllung hergestellt, alles zusammengesetzt und mit einem Überzug verziert, der wie ein Korb geflochten wurde. Jetzt, genau während das Brautpaar sich auf der Außenterrasse wenige Treue schwor, vollendete sie das Werk, indem sie die frischen Früchte und Minzeblättchen auf den Etagen verteilte.
Hinter ihr stellten die Aushilfen die Tischdekoration für den Hochzeitsbrunch fertig. Laurel trug eine Bäckerschürze über einem Hosenanzug von beinahe der gleichen Farbe wie die Himbeeren, die sie ausgewählt hatte.
Sie trat zurück, um zu sehen, wie die Torte wirkte, überprüfte, ob alles gleichmäßig verteilt war. Dann griff sie zu einem Büschel Champagnertrauben, um sie auf einer Etage zu drapieren.
»Sieht lecker aus.«
Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen, als sie Kirschen mit Stiel verteilte. Es war nicht ungewöhnlich, dass sie bei ihrer Arbeit unterbrochen wurde, doch das bedeutete nicht, dass ihr das gefallen musste. Außerdem hatte sie nicht damit gerechnet, dass Parkers Bruder während einer Veranstaltung vorbeikam.
Andererseits kam und ging er, wie es ihm passte, erinnerte sie sich.
Als ihr Blick auf seine Hand fiel, die sich auf eine ihrer Schüsseln zubewegte, gab sie ihm einen leichten Klaps darauf und schob sie beiseite. »Finger weg.«
»Als ob du merken würdest, wenn ein paar Brombeeren fehlen.«
»Aber ich weiß nicht, was du vorher angefasst hast.« Laurel platzierte ein Trio aus Minzeblättchen auf der Torte und würdigte ihn noch keines Blickes. »Was willst du? Wir arbeiten.«
»Ich auch. Mehr oder weniger. Anwaltsgeschäfte. Ich musste Parker ein paar Unterlagen vorbeibringen.«
Del kümmerte sich um ihre rechtlichen Dinge, privat wie geschäftlich. Laurel wusste sehr gut, dass er viele Stunden für sie opferte, die oft von seiner Freizeit abgingen. Doch wenn sie ihm kein Kontra gab, würde sie mit einer langjährigen Tradition brechen.
»Und das hast du so getimt, dass du was vom Hochzeitsessen stibitzen kannst.«
»Alles hat seine Vorteile. Gibt es einen Brunch?«
Laurel kapitulierte und drehte sich um. Auch in Jeans und T-Shirt sah er nicht weniger wie ein Top-Anwalt aus, der an einer Elite-Uni studiert hatte, jedenfalls nicht in ihren Augen. Delaney Brown von den Browns aus Connecticut, dachte sie. Groß und schlaksig, was ihm gut stand, und das dichte braune Haar gerade ein wenig länger, als es in Anwaltskreisen üblich war.
Machte er das extra? Vermutlich ja, dachte Laurel, denn er war jemand, der immer einen Plan hatte. Er hatte die gleichen mitternachtsblauen Augen wie Parker, doch obwohl Laurel ihn von klein auf kannte, konnte sie selten darin lesen.
Ihrer Meinung nach sah Del einfach unverschämt gut aus, zu gut für sich und andere. Außerdem war er absolut loyal, großzügig, ohne viele Worte darum zu machen, und leider eine richtige Glucke.
Jetzt lächelte er sie an, kurz und lässig, mit entwaffnendem Humor, der vermutlich auch im Gericht seine tödliche Waffe war. Oder im Schlafzimmer.
»Kalter pochierter Lachs, Hähnchenbrusthäppchen Florentiner Art, gegrillte Sommergemüse, Kartoffelpfannkuchen, eine Auswahl an Quiches, Kaviar mit allem Drum und Dran, eine Auswahl an Gebäck und verschiedenen Brotsorten, dazu diverses Obst und eine Käseplatte, gefolgt von Mohntorte mit Orangenmarmeladenfüllung, einem Überzug aus Grand-Marnier-Buttercreme und frischen Früchten obendrauf.«
»Ich bin dabei.«
»Vermutlich kannst du den Partyservice bezirzen.« Laurel rollte die Schultern und ließ den Kopf kreisen, während sie die nächsten Beeren auswählte.
»Tut dir was weh?«
»Das Korbflechten ist die Hölle für Nacken und Schultern.«
Del hob die Hände, schob sie dann wieder in die Taschen. »Sind Jack und Carter in der Nähe?«
»Irgendwo. Hab sie heute noch nicht gesehen.«
»Vielleicht schaue ich mal, ob ich sie finden kann.«
»Okay.«
Doch Del spazierte durch den Raum zum Fenster und schaute hinunter auf die blumengeschmückte Terrasse, die mit Hussen bezogenen Stühle, die hübsche Braut, die sich dem Bräutigam zuwandte. »Sie tun das Richtige«, rief er.
»Hat Parker mir gerade berichtet.« Laurel tippte an ihr Headset. »Ich bin so weit. Emma, die Torte ist bereit für dich.«
Sie vollendete die oberste Etage mit einem einzelnen Ast voller Brombeeren. »Die Fünf-Minuten-Vorwarnung«, verkündete sie und begann, ihren Transportbehälter mit den übrigen Früchten zu füllen. »Lasst uns den Champagner einschenken, die Bloody Marys und Mimosas mixen. Kerzen anzünden, bitte.« Sie wollte den Behälter hochheben, doch Del kam ihr zuvor.
»Das trage ich.«
Achselzuckend ging Laurel zur Musikanlage, um die Hintergrundmusik anzustellen, die laufen würde, bis das Orchester zu spielen begann.
Sie gingen die hintere Treppe hinunter, vorbei an uniformiertem Servicepersonal, das mit Hors d’Œuvres für den kurzen Cocktailempfang auf dem Weg nach oben war. Damit sollten die Gäste bei Laune gehalten werden, während Mac die offiziellen Fotos vom Brautpaar, der Hochzeitsgesellschaft und der Familie machte.
Laurel eilte in ihre Küche, wo die Caterer unter Hochdruck am Werk waren. Da sie an das Chaos gewöhnt war, schlängelte sie sich zwischen ihnen hindurch, holte eine kleine Schüssel und füllte sie mit Früchten. Dann reichte sie Del das Schälchen.
»Danke.«
»Bleib einfach aus dem Weg … Ja, sie sind fertig«, sagte sie, an Parker gewandt, in ihr Headset. »Ja, in dreißig. An Ort und Stelle.« Sie warf einen Blick auf die Caterer. »Im Zeitplan. Ach, Del ist hier … Nee.«
Del beobachtete sie, an die Arbeitsplatte gelehnt, und futterte Beeren, während sie die Bäckerschürze abstreifte. »Okay, ich komme jetzt raus.«
Del stieß sich von der Arbeitsplatte ab, um ihr zu folgen, als sie durch den Windfang ging, der bald zu ihrem Kühl-und Vorratsraum umgebaut werden sollte. Sie zog sich die Spange aus den Haaren, warf sie beiseite und schüttelte ihre Frisur zurecht, während sie nach draußen trat.
»Wohin gehen wir?«
»Ich helfe, die Gäste hineinzugeleiten. Du verschwindest, irgendwohin.«
»Mir gefällt es hier.«
Nun war es an Laurel zu lächeln. »Parker hat gesagt, ich soll dich aus dem Weg schaffen, bis es Zeit zum Aufräumen ist. Geh deine kleinen Freunde suchen, Del, und wenn ihr brav seid, kriegt ihr später was zu essen.«
»Na schön, aber wenn ich zum Aufräumen verdonnert werde, will ich was von der Torte haben.«
Sie trennten sich – er schlenderte auf das umgebaute Poolhaus zu, das Mac als Fotostudio und Zuhause diente, sie hastete mit großen Schritten zur Terrasse, wo Braut und Bräutigam den ersten Kuss als Eheleute tauschten.
Laurel warf einen Blick zurück. Sie kannte Del seit Ewigkeiten – Schicksal, nahm sie an. Doch es war ihre Schuld und ihr Problem, dass sie schon fast genauso lange in ihn verliebt war.
Sie gestattete sich einen Seufzer, bevor sie ein strahlendes, professionelles Lächeln aufsetzte, um beim Zusammentreiben der Feiernden zum Empfang behilflich zu sein.
2
Lange nachdem die letzten Gäste gegangen waren und die Caterer alles eingeladen hatten, streckte Laurel sich mit einem wohlverdienten Glas Wein auf dem Sofa im gemeinsamen Wohnzimmer aus.
Sie wusste nicht genau, wo die Männer waren – vielleicht hatten sie sich mit einem Sixpack in ihre Höhlen verzogen -, und es war sehr schön, nur unter Frauen und in relativ ruhiger Atmosphäre abzuschalten.
»Ein echt gutes Wochenende.« Mac erhob ihr Glas. »Vier Probeläufe und vier Veranstaltungen. Und es gab keine einzige Panne. Nicht mal andeutungsweise. Das ist neuer Rekord.«
»Die Torte war traumhaft«, fügte Emma hinzu.
»Du hast ein ganzes Gäbelchen voll gegessen«, stichelte Laurel.
»Ein traumhaftes Gäbelchen. Außerdem war es heute einfach süß, wie der kleine Sohn des Bräutigams sich als Trauzeuge geschlagen hat. Er war so niedlich. Mir kamen fast die Tränen.«
»Sie werden eine schöne Familie.« Parker saß mit geschlossenen Augen da, den BlackBerry auf dem Schoß. »Wenn man manche, für die es die zweite Ehe ist, mit den Kindern sieht, denkt man, ah-oh, das werden schwere Zeiten. Aber hier? Man merkte einfach, dass die Braut und das Kind ganz vernarrt ineinander sind. Das war wirklich süß.«
»Ich hab ein paar geniale Fotos. Und die Torte war der Hammer«, ergänzte Mac. »Vielleicht sollte ich für mich doch die Mohntorte aussuchen.«
Laurel krümmte und streckte die Zehen, um sie zu lockern. »Letzte Woche wolltest du noch die italienische Buttercreme.«
»Vielleicht sollte ich Probiertorten nehmen. Kleine Versionen von verschiedenen Torten in verschiedenen Designs. Das wäre eine kulinarische Orgie; außerdem würde es klasse Fotos geben.«
Laurel bog einen Finger. »Stirb, Mackensie. Auf der Stelle.«
»Du solltest bei der italienischen Buttercreme bleiben. Es ist deine Lieblingstorte.«
Mac schürzte die Lippen und sah Emma an. »Du hast Recht. Und es geht ja nur um mich. Wozu neigst du in Sachen Torte?«
»Daran kann ich nicht einmal denken. Ich muss mich immer noch dran gewöhnen, dass ich jetzt verlobt bin.« Mit einem selbstzufriedenen Lächeln betrachtete Emma den Diamanten an ihrem Finger. »Außerdem rechne ich damit, dass ich, sobald ich mich mit Hochzeitsplänen und Details befasse, vollkommen durchdrehe. Das sollten wir also so lange wie möglich rausschieben.«
»Ja, bitte.« Laurel seufzte zustimmend.
»Zuerst brauchst du ohnehin ein Kleid.« Parker ließ die Augen geschlossen. »Das Kleid kommt immer als Erstes.«
»Zu spät«, murmelte Laurel.
»Daran hab ich fast überhaupt noch nicht gedacht. Nur etwas über tausend Mal«, erklärte Emma. »Ich habe kaum mehr als eine halbe Million Bilder angeschaut. Es soll ein Prinzessinnenkleid sein. Ein Rock mit kilometerweise Stoff. Wahrscheinlich eine schulterfreie Corsage, vielleicht mit herzförmigem Dekolleté. Schließlich hab ich einen klasse Busen.«
»Das stimmt allerdings«, pflichtete Mac ihr bei.
»Was Schlichtes kommt nicht infrage. Üppig und verschwenderisch ist angesagt. Ich will ein Diadem – und eine Schleppe.« Emmas dunkle Augen leuchteten bei dem Gedanken. »Und da wir die Hochzeit noch in den Mai zwängen, mache ich mir selbst einen unglaublichen und verschwenderischen Brautstrauß. In Pastellfarben, denke ich. Vielleicht. Wahrscheinlich. Romantische, herzzerreißend schöne Pastellfarben.«
»Aber sie denkt kaum daran«, warf Laurel ein.
»Ihr alle in zarten Farben«, fuhr Emma unbeirrt fort. »Meine Freundinnen sollen ein Garten sein.« Verträumt stieß sie einen tiefen Seufzer aus. »Und wenn Jack mich sieht, soll es ihm die Sprache verschlagen. In diesem einen Augenblick, wenn wir einander ansehen, soll die Welt für uns stehen bleiben. Nur für eine Minute, eine Wahnsinnsminute.«
Von ihrem Platz auf dem Fußboden aus lehnte Emma den Kopf an Parkers Bein. »Das haben wir damals nicht gewusst, bei den vielen Malen, die wir Heiraten gespielt haben, als wir noch Kinder waren. Was dieser eine Wahnsinnsmoment bedeutete. Wir haben echt Glück, dass wir das heute so oft zu sehen bekommen.«
»Es ist der beste Job der Welt«, murmelte Mac.
»Weil wir die Besten sind.« Laurel setzte sich so weit auf, dass sie den anderen zuprosten konnte. »Wir haben das aufgebaut, damit andere diesen Wahnsinnsmoment erleben können. Du wirst deinen haben, Em – bis ins letzte Detail von Parker durchorganisiert, umgeben von Blumen, die du selbst gebunden hast, und das Ganze von Mac auf einem Foto festgehalten. Und gefeiert mit einer Torte, die ich nur für dich entwerfen werde. Eine üppige, verschwenderische. Garantiert.«
»Oh …« Emmas dunkle Augen füllten sich mit Tränen. »So sehr ich Jack auch liebe, und das tue ich wirklich – ich könnte jetzt nicht so glücklich sein, wenn ich euch nicht hätte.«
Mac reichte ihr ein Taschentuch. »Aber ich bin immer noch zuerst dran. Ich will auch eine Torte, die nur für mich ist«, sagte sie zu Laurel. »Wenn Em eine kriegt, will ich auch eine.«
»Ich könnte kleine Kameras und Stative um die Etagen herum verteilen.«
»Und kleine Bücherstapel für Carter?« Mac lachte. »Albern, aber treffend.«
»Es passt zum Thema deiner Verlobungsfotos.« Emma trocknete ihre Tränen. »Es gefällt mir so gut, wie du die arrangiert hast, mit dir und Carter auf der Couch. Eure Beine ineinander verschlungen, er mit einem Buch auf dem Schoß, du mit der Kamera in der Hand, so dass es aussieht, als hättest du sie gerade sinken lassen, nachdem du ein Foto von Carter gemacht hast. Und wie ihr euch so breit anlächelt. Das führt mich zur Frage nach unserem Verlobungsfoto. Wann, wo, wie?«
»Ganz einfach. Du und Jack im Bett, nackt.«
Emmas Fuß schoss hervor, um Mac einen leichten Tritt zu versetzen. »Hör auf.«
»Wäre genauso treffend«, war Laurels Meinung.
»Wir machen auch noch was anderes als Sex.«
»Ja, klar. Ihr denkt daran, Sex zu haben.« Parker öffnete ein Auge.
»Unsere Beziehung ist sehr vielschichtig«, beharrte Emma. »Dazu gehört auch jede Menge Sex. Aber im Ernst …«
»Ich hab schon ein paar Ideen. Wir sollten mal in unsere Terminkalender schauen und was ausmachen.«
»Sofort?«
»Klar. Parker muss doch unsere Termine auf ihrem Crackberry haben.« Mac streckte die Hand aus.
Jetzt schlug Parker beide Augen auf und warf Mac einen gefährlich drohenden Blick zu. »Wenn du den anfasst, bist du tot.«
»Himmel. Komm, gehen wir in mein Studio und schauen dort in meinen Kalender. Wahrscheinlich sollten wir ohnehin die Jungs zusammentrommeln, und wir brauchen Jack, um sicherzugehen, dass ihm der Termin auch passt.«
»Wunderbar.«
»Wo sind denn die Jungs?«, erkundigte sich Laurel.
»Unten bei Mrs G.«, berichtete Emma. »Pizza essen und Poker spielen – das hatten sie jedenfalls vor.«
»Und uns hat keiner zu Pizza und Poker eingeladen.« Laurel gelang es, in der Rückenlage die Achseln zu zucken, als die anderen sie anstarrten. »Okay, ich will gar keine Pizza und kein Poker; ich fühle mich nämlich gerade ganz wohl hier. Aber trotzdem.«
»Na dann.« Mac schob sich von ihrem Platz hoch. »Unter diesen Umständen könnte das Zusammentrommeln ein Weilchen dauern. Lass uns einfach schon mal anklopfen, und dann gehen wir und schauen in den Terminkalender.«
»Das ist ein Wort. Gute Arbeit heute, Mädels«, sagte Emma, während sie aufstand.
Als Mac und Emma gegangen waren, reckte sich Laurel. »Ich brauche eine Massage. Wir sollten einen hauseigenen Masseur haben, einen Sven oder Raoul.«
»Setze ich auf die Liste. Vorerst könntest du Serenity anrufen und einen buchen.«
»Aber wenn wir Sven hätten – ich glaube, Sven ist besser als Raoul -, könnte ich mich gleich hier und jetzt massieren lassen und dann ganz schlaff ins Bett fallen und schlafen. Wie viele Tage noch bis zum Urlaub?«
»Zu viele.«
»Das sagst du jetzt, aber wenn wir erst freihaben und in die Hamptons fahren, rennst du immer noch mit dem BlackBerry in der Hand herum.«
»Ich kann jederzeit damit aufhören.«
Laurel erwiderte Parkers Lächeln. »Du kaufst bestimmt eine wasserdichte Tasche dafür, damit du ihn zum Schwimmen mitnehmen kannst.«
»Sie sollten die Dinger gleich wasserdicht machen. Wir brauchen die Technik.«
»Tja, dann lasse ich dich mal mit deiner einzigen großen Liebe allein, versinke in einem heißen Bad und träume von Sven.« Laurel rollte sich von der Couch. »Es ist schön, Emma und Mac so glücklich zu sehen, nicht?«
»Ja.«
»Bis morgen früh.«
Das heiße Bad wirkte Wunder, doch danach war Laurel nicht entspannt und schläfrig, sondern hellwach. Anstatt eine Stunde lang vergeblich zu versuchen, sich zum Schlafen zu zwingen, stellte sie in ihrem Wohnzimmer zur Gesellschaft den Fernseher an und setzte sich an den Computer, um ihre Termine der kommenden Woche zu überprüfen. Sie surfte im Internet nach Rezepten – wonach sie ebenso süchtig war wie Parker nach ihrem BlackBerry – und fand ein paar, die zu markieren sich lohnte, damit sie später daran feilen und sie individuell abändern konnte.
Immer noch ruhelos setzte sie sich mit ihrem Skizzenblock in ihren Lieblingssessel. Der Sessel hatte Parkers Mutter gehört, und Laurel fand ihn urgemütlich und fühlte sich darin stets geborgen. Im Schneidersitz saß sie auf dem dicken Polster, den Block auf dem Schoß, und dachte an Mac. An Mac und Carter. An Mac in dem traumhaften Brautkleid, das sie ausgesucht hatte – oder das Parker für sie entdeckt hatte.
Klare Linien, dachte sie, die gut zu Macs großer, schlanker Figur passten. Schnörkellos mit nur einem Hauch von Frivolität. Sie zeichnete eine Torte, die diesen Gedanken wieder aufnahm – klassisch und schlicht. Und verwarf sie sofort wieder.
Klare Linien für das Kleid, ja, aber für Mac waren auch Farben und Blitzlichter typisch, das Einzigartige und Freche. Und das, so begriff sie, war einer der Gründe dafür, dass Carter sie so abgöttisch liebte.
Also frech. Eine bunte Herbsthochzeit. Eher viereckige Etagen als die traditionelle runde Form, mit dem Buttercremeüberzug, den Mac am liebsten mochte. Gefärbt. Ja, ja. Altgolden, übersät mit Herbstblumen, die sie übergroß machen würde, mit breiten, fein ausgearbeiteten Blütenblättern – in Rostrot, leuchtendem Orange und Lodengrün.
Farbe, Konsistenz und Form sollten dem Auge der Fotografin gefallen und zugleich romantisch genug für jede Braut sein. Das Ganze gekrönt von einem Strauß, von dem Bänder in dunklem Goldton herabhingen. Weiße Akzente in den Verzierungen, um die Farben noch mehr zur Geltung zu bringen.
»Mac’s Fall«, dachte sie und fügte lächelnd weitere Details hinzu. Der perfekte Name: für die Jahreszeit – »Fall« war der amerikanische Begriff für Herbst – und für die Art und Weise, wie ihre Freundin in die Liebe hineingestolpert war.
Laurel hielt die Zeichnung auf Armeslänge von sich, dann grinste sie zufrieden. »Ich bin echt gut. Und jetzt hab ich Hunger.«
Sie stand auf, um das aufgeschlagene Skizzenbuch an eine Lampe zu lehnen. Bei nächster Gelegenheit würde sie Mac den Entwurf zeigen, um die Meinung der Braut einzuholen. Doch wenn sie Mac kannte – und das tat sie -, würde die Antwort ein lautes, strahlendes JAAA! sein.
Jetzt hatte sie sich einen Imbiss verdient – vielleicht ein Stück kalte Pizza, falls noch welche übrig war. Was ihr am nächsten Morgen leidtun würde, dachte sie im Hinausgehen, aber da konnte man nichts machen.
Sie war wach und hatte Hunger. Einer der Vorzüge davon, selbstständig zu leben und zu arbeiten, war es, dass man sich von Zeit zu Zeit ein bisschen verwöhnen konnte.
Sie schlich durch das Dunkel und die Stille, fand sich gut zurecht, da sie sich im Haus auskannte und das Mondlicht durch die Fenster hereinfiel. Sie verließ ihren Trakt des Hauses, und während sie die Treppe hinunterging, überredete sie sich, statt der kalten Pizza lieber etwas Gesünderes zu essen, frisches Obst und Kräutertee.
Sie würde früh aufstehen müssen, um noch ein Workout einzuschieben, bevor sie mit der Montagmorgenbäckerei anfing. Am Nachmittag kamen dann drei Paare zu einer Verkostung, wofür sie alles vorbereiten und sich anschließend frischmachen musste.
Am Abend stand eine Besprechung an – das komplette Team und eine Kundin, um die grundlegenden Einzelheiten für eine Winterhochzeit festzulegen. Den Rest des Abends hatte sie frei und konnte erledigen, was noch zu tun war oder wozu sie Lust hatte.
Gott sei Dank hatte sie sich in Sachen Dates eine Abstinenz auferlegt, so dass sie sich keine Gedanken darüber machen musste, ob sie sich zum Ausgehen aufbrezeln und was sie in einem solchen Fall anziehen sollte. Sie brauchte keine Konversation zu führen und nicht zu entscheiden, ob ihr nach Sex war oder nicht.
Das Leben war einfacher, dachte sie, als sie sich am Fuß der Treppe zur Seite wandte. Es war einfacher, leichter und weniger stressig, wenn man Dates und Sex von der Speisekarte strich.
Da prallte Laurel gegen irgendetwas Festes, eine männliche Gestalt, und taumelte zurück. Fluchend ruderte sie mit den Armen, um das Gleichgewicht zu halten. Ihr Handrücken klatschte gegen etwas aus Fleisch und Blut, worauf weitere Flüche zu vernehmen waren, die nicht von ihr stammten. Noch im Fallen krallte Laurels Hand sich in Stoff, und sie hörte es ratschen, als die männliche Gestalt auf sie fiel.
Außer Atem lag Laurel da, schlaff wie ein nasser Lappen, und ihr brummte der Schädel an der Stelle, wo sie gegen die Treppenstufe geknallt war. Obwohl sie sich ganz benommen fühlte und es stockdunkel war, erkannte sie Del an seiner Gestalt und seinem Duft.
»Himmel. Laurel? Verdammt. Bist du verletzt?«
Laurel holte tief Luft, was durch sein Gewicht erschwert wurde – und vielleicht auch dadurch, dass ein bestimmter Bereich seines Gewichts sehr intim zwischen ihre Beine gepresst wurde. Warum zum Teufel hatte sie eben an Sex gedacht? Oder an dessen Nichtvorhandensein?
»Geh runter von mir«, brachte sie hervor.
»Ich arbeite dran. Bist du okay? Ich hab dich nicht gesehen.« Del hievte sich ein Stück hoch, so dass sich ihre Blicke in dem gedämpften blauen Mondlicht begegneten. »Autsch.«
Da seine Bewegung den Druck noch verstärkte – Körpermitte an Körpermitte -, begann außer dem Kopf noch ein anderer Teil Laurels zu pochen. »Geh sofort runter.«
»Okay, okay. Ich hab das Gleichgewicht verloren – außerdem hast du dich an meinem T-Shirt festgehalten und mich mit dir runtergezogen. Ich hab versucht, dich aufzufangen. Warte, ich mach das Licht an.«
Laurel blieb, wo sie war und wartete darauf, dass ihr Atem wieder ruhiger ging und jegliches Pochen aufhörte. Als Del das Licht im Eingangsbereich anknipste, schloss sie geblendet die Augen.
»Ah«, sagte er und räusperte sich.
Laurel lag breitbeinig unten auf den Stufen und trug nichts als ein weißes Tanktop und rote Boxershorts. Ihre Zehennägel waren knallpink lackiert. Del beschloss, dass es besser war, sich auf ihre Zehennägel zu konzentrieren als auf ihre Beine oder darauf, wie das Tanktop saß oder … irgendwas anderes.
»Komm, ich helfe dir hoch.« Und am besten in ein ganz langes, dickes Gewand.
Laurel wehrte ab und setzte sich halb auf, um sich den Hinterkopf zu reiben. »Verdammt, Del, wieso schleichst du hier im Haus herum?«
»Ich bin nicht geschlichen. Ich bin gegangen. Warum bist du geschlichen?«
»Ich bin nicht … Himmel! Ich wohne hier.«
»Hab ich auch mal«, brummelte Del. »Du hast mein T-Shirt zerrissen.«
»Und du mir den Schädel zertrümmert.«
Augenblicklich schlug sein Ärger in Besorgnis um. »Hab ich dich echt verletzt? Zeig mal.«
Bevor sie sich rühren konnte, kauerte er sich neben sie und streckte die Hand aus, um ihren Hinterkopf zu befühlen. »Du bist ganz schön hart aufgeschlagen. Aber es blutet nicht.«
»Autsch!« Wenigstens lenkte der neue Schmerz sie von dem zerrissenen T-Shirt ab und von den Muskeln darunter. »Hör auf, daran rumzubohren.«
»Wir sollten dir besser etwas Eis holen.«
»Ist schon gut. Mir geht’s gut.« Aber aufgewühlt bin ich, keine Frage, dachte sie und wünschte, Del würde nicht so zerzaust, verstrubbelt und geradezu lachhaft sexy aussehen. »Was zum Teufel machst du hier? Es ist mitten in der Nacht.«
»Es ist kaum Mitternacht, was trotz des Begriffs nicht mitten in der Nacht ist.«
Del starrte Laurel in die Augen, suchte wohl nach Anzeichen für einen Schock oder ein Trauma. Verdammt, gleich würde er ihr noch den Puls fühlen.
»Das beantwortet meine Frage nicht.«
»Mrs G. und ich haben uns festgequatscht. Es war Bier im Spiel. So viel Bier, dass ich beschlossen habe …« Del zeigte nach oben. »Ich wollte in einem der Gästezimmer pennen, statt beschickert heimzufahren.«
Laurel konnte ihm schlecht vorwerfen, dass er so vernünftig war – vor allem, da er immer vernünftig war. »Na dann …« Sie imitierte seine Geste und zeigte nach oben.
»Steh auf, damit ich sehen kann, dass du okay bist.«
»Ich bin nicht diejenige mit dem Schwips.«
»Nein, du bist die mit dem Schädelbruch. Komm.« Del löste das Problem, indem er Laurel unter die Arme griff und sie hochzog, so dass sie auf der Stufe über ihm stand und ihre Gesichter fast auf gleicher Höhe waren.
»Ich sehe keine Sternchen in deinen Augen und keine Vögel, die über deinem Kopf flattern.«
»Sehr witzig.«
Er schenkte ihr ein Lächeln. »Als du mir eine geknallt hast, hab ich allerdings ein paar Vögel zwitschern hören.«
Auch wenn Laurel finster dreinschaute, zuckte es unwillkürlich um ihren Mund. »Wenn ich gewusst hätte, dass du das bist, hätte ich mehr Schwung geholt.«
»So hab ich dich gern.« Und stimmte das nicht genau, dachte Laurel mit einer gefährlichen Mischung aus schlechter Laune und Enttäuschung. Er mochte sie eben nur gern.
»Geh deinen Rausch ausschlafen, und es wird nicht mehr hier herumgeschlichen.«
»Wohin gehst du?«, fragte er, als sie davoneilte.
»Wohin ich will.«
Das tat sie für gewöhnlich, sinnierte Del, und das war mit das Reizvollste an ihr. Es sei denn, man zählte mit, wie ihr Hintern in knappen roten Boxershorts aussah.
Doch das tat er nicht. Nicht wirklich. Er hatte sich nur vergewissert, dass sie sicher auf den Beinen stand. Auf den wirklich traumhaften Beinen.
Del wandte sich demonstrativ ab und ging die Treppe zum zweiten Stock hinauf. Dort begab er sich in Parkers Flügel und öffnete die Tür zu dem Raum, der in seiner Kindheit und Jugend sein Zimmer gewesen war.
Es war nicht mehr dasselbe. Das erwartete und wollte er auch nicht. Wenn Dinge sich nicht veränderten, wurden sie schal und abgestanden. An den Wänden, die nun in sanftem, gedämpftem Grün gehalten waren, hingen geistreiche Gemälde statt der Sportposter aus seiner Jugend. Das Bett, ein prächtiges altes Himmelbett, stammte von seiner Großmutter. Beständigkeit, dachte Del, war nicht dasselbe wie Stagnation.
Er zog Kleingeld und Schlüssel aus der Hosentasche, um sie auf den großen Teller zu werfen, der auf dem Schreibtisch stand. Dann fiel sein Blick auf sein Spiegelbild.
Sein T-Shirt war an der Schulter zerrissen, sein Haar zerzaust, und wenn er sich nicht täuschte, konnte er auf seinem Wangenknochen den schwachen Abdruck von Laurels Fingerknöcheln erkennen.
Sie war immer schon taff gewesen, überlegte er, als er die Schuhe abstreifte. Taff, stark und ziemlich unerschrocken. Die meisten Frauen hätten aufgeschrien. Aber nicht Laurel – die wehrte sich. Wenn man sie schubste, dann schubste sie zurück. Und zwar fester.
Das konnte er nur bewundern.
Ihr Körper hatte ihn überrascht. Das konnte er ruhig zugeben, sagte er sich, als er das zerrissene T-Shirt auszog. Nicht, dass er ihren Körper nicht gekannt hätte. Im Laufe der Jahre hatte er sie unzählige Male umarmt. Doch eine Freundin zu umarmen war was ganz anderes, als im Dunkeln auf einer Frau zu liegen.
Was ganz anderes.
Und etwas, worüber er besser nicht mehr so lange nachdachte.
Er streifte seine restlichen Klamotten ab und schlug die gequiltete Steppdecke zurück – diesmal das Werk seiner Urgroßmutter. Er stellte den altmodischen Wecker neben das Bett und knipste das Licht aus.
Als er die Lider schloss, tauchte vor seinem inneren Auge wieder das Bild von Laurel auf, wie sie auf der Treppe lag. Und es ließ sich nicht verscheuchen. Er rollte sich auf die andere Seite und dachte an die Termine, die er am nächsten Tag hatte. Und sah sie in ihren knappen roten Boxershorts davoneilen.
»Verflucht.«
Ein Mann hatte das Recht, mit seinen Gedanken zu verweilen, wo er wollte, wenn er allein im Dunkeln dalag.
Wie jeden Montagmorgen trafen Laurel und Parker beinahe gleichzeitig in ihrem hauseigenen Fitnessraum ein. Parker begann mit Yoga, Laurel mit Cardio-Training. Da beide ihre Routine ernst nahmen, unterhielten sie sich nur wenig.
Als Laurel sich der Fünf-Kilometer-Grenze näherte, wechselte Parker zu Pilates – und Mac trottete herein, um wie üblich einen verächtlichen Blick auf das Bowflex-Gerät zu werfen.
Amüsiert drosselte Laurel das Tempo, um sich abzukühlen. Macs Bekehrung zu regelmäßigen Workouts rührten daher, dass sie fest entschlossen war, in ihrem schulterfreien Brautkleid spitzenmäßige Arme präsentieren zu können.
»Sieht gut aus, Elliot«, rief Laurel, während sie sich ein Handtuch schnappte. Mac verzog nur die Lippen.
Laurel rollte eine Matte auseinander, um sich auszustrecken, während Parker Mac ein paar Tipps zu ihrer Form gab. Als Laurel zu den freien Gewichten überging, schob Parker Mac gerade zum Elliptical Trainer.
»Ich will nicht.«
»Gewichtheben allein reicht nicht für eine Frau. Fünfzehn Minuten Cardio, fünfzehn Stretching. Laurel, woher hast du denn den blauen Fleck?«
»Welchen blauen Fleck?«
»An deiner Schulter.« Parker kam herüber und strich leicht mit dem Finger über die Prellung, die dank Laurels Ringershirt gut zu sehen war.
»Oh, da bin ich unter deinen Bruder gestolpert.«
»Hä?«
»Er spazierte im Dunkeln hier herum, als ich runterging, um mir einen Tee zu holen – aus dem am Ende kalte Pizza und Mineralwasser wurde. Del ist gegen mich gerannt und hat mich umgeworfen.«
»Und warum ist er im Dunkeln hier rumgelaufen?«
»Das war genau meine Frage. Viel Bier und Mrs G. Er hat in einem der Gästezimmer gepennt.«
»Ich wusste gar nicht, dass er hier war.«
»Er ist noch da«, sagte Mac. »Sein Wagen steht vor dem Haus.«
»Ich schau mal, ob er schon auf ist. Fünfzehn Minuten, Mac.«
»Nervensäge. Wann krieg ich meine Endorphine?«, wandte Mac sich an Laurel. »Woran merke ich das?«
»Woran merkst du, dass du einen Orgasmus hast?«
»Echt?« Macs Miene hellte sich auf. »Ist das genauso?«
»Leider nicht, aber das Prinzip, dass du weißt, wenn du so weit bist, ist das Gleiche. Willst du hier frühstücken?«
»Ich liebäugele damit. Ich finde, ich hab das verdient. Außerdem, wenn ich Carter anrufe und ihm sage, er soll rüberkommen, dann kann er Mrs G. überreden, Arme Ritter zu machen.«
»Tu das. Ich hab was für dich, das ich dir zeigen will.«
»Was?«
»Nur so eine Idee.«
Es war kurz nach sieben, als Laurel fertig angezogen für den Tag mit ihrem Skizzenbuch in der Hand in die gemeinsame Küche trat.
Sie hatte angenommen, Del wäre schon weg, aber da stand er, lehnte mit einem dampfenden Kaffeebecher an der Arbeitsplatte. In beinahe genau der gleichen Haltung lehnte Carter auf der anderen Seite.
Und doch waren sie so verschieden. Del strahlte selbst in dem zerrissenen T-Shirt und den Jeans noch eine gewisse maskuline Eleganz aus, während Carter einfach entwaffnend süß wirkte. Aber nicht klebrig süß, dachte sie. Das hätte sie verabscheut – Carter war vielmehr von Natur aus lieb.
Del war trotz seines Herumstolperns in der Nacht agil und sportlich, während Carter eher zum Tollpatsch neigte.
Und doch waren sie beide so verdammt süß.
Dagegen war offenbar auch die robuste Mrs Grady nicht immun. Sie werkelte am Herd – die Armen Ritter hatten das Rennen gemacht. Ihre Augen strahlten, ihre Wangen waren leicht gerötet. Sie freute sich, dass sie die Jungs um sich hatte, dachte Laurel.
Parker kam von der Terrasse herein und ließ ihren BlackBerry in die Tasche gleiten. Dann fiel ihr Blick auf Laurel. »Die Braut von Samstagabend. Lampenfieber. Läuft alles glatt. Emma und Jack sind auf dem Weg hierher, Mrs G.«
»Also, wenn ich für eine ganze Kompanie koche, setzt sich ein Teil der Truppe besser mal hin. Finger weg von dem Frühstücksspeck, Freundchen«, warnte sie Del, »bis du am Tisch sitzt wie alle zivilisierten Menschen.«
»Ich wollte nur ein bisschen Vorsprung rausholen. Ich bring das rüber. He, Laurel, was macht dein Kopf?«
»Sitzt noch auf meinen Schultern.« Laurel legte das Skizzenbuch hin und griff zum Saftkrug.
»Morgen.« Carter lächelte ihr zu. »Was ist denn mit deinem Kopf?«
»Del hat ihn gegen die Treppe geknallt.«
»Nachdem sie mir eine reingehauen und mir das T-Shirt zerrissen hat.«
»Weil du besoffen warst und mich umgerannt hast.«
»Ich war nicht besoffen, und du bist gefallen.«
»Das ist seine Version.«
»Setzt euch und benehmt euch«, befahl Mrs G. Sie wandte sich um, als Jack und Emma hereinkamen. »Sind deine Hände sauber?«, wollte sie von Jack wissen.
»Jawohl, Madam.«