Zeit der Hoffnung - Nora Roberts - E-Book

Zeit der Hoffnung E-Book

Nora Roberts

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Beschreibung

Eine geheimnisvolle Einladung führte die drei Freundinnen Mallory, Dana und Zoe zusammen und stürzte sie in das größte Abenteuer ihres Lebens. Nach Mallory ist es jetzt an Dana, mithilfe eines alten Bildes und eines Gedichts das Rätsel um die drei verschwundenen keltischen Prinzessinnen zu lösen. Keine leichte Aufgabe, denn Dana gerät nicht nur plötzlich in Lebensgefahr, es tritt auch noch ein Mann wieder in ihr Leben, den sie am liebsten für immer vergessen hätte: Jordan Hawke, der Mann der ihr einst das Herz brach …


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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 455




Inhaltsverzeichnis
 
Buch
Autorin
Widmung
 
Kapitel 1
Kapitel 2
 
Copyright
Buch
Vor Jahren brach er ihr Herz, seitdem wünscht sie ihn in die Hölle. Die junge Bibliothekarin Dana Steele ist keineswegs begeistert, als plötzlich der bekannte Thrillerautor Jordan Hawke wieder vor ihrer Tür steht. Denn Dana hat schlicht und einfach keine Zeit für ehemalige Lover, romantische Abenteuer oder ein erneut gebrochenes Herz. Schließlich steht sie vor der größten Aufgabe ihres Lebens: Gegen alle Widerstände muss sie ein Rätsel um drei keltische Prinzessinnen lösen. Jordan allerdings umwirbt seine störrische Ex-Freundin nach allen Regeln der Kunst - zum Glück, denn Dana droht von allen Seiten Gefahr …
Autorin
Nora Roberts schrieb vor rund zwanzig Jahren ihren ersten Roman und hoffte inständig, veröffentlicht zu werden. Inzwischen ist sie längst eine der meistgelesenen Autorinnen der Welt. Unter dem Namen J. D. Robb schreibt sie mit ebenso großem Erfolg auch Kriminalromane.
Von Nora Roberts sind bereits erschienen:
Die Irland-Trilogie: Töchter des Feuers (35405) ⋅ Töchter des Windes (35013) ⋅ Töchter der See (35053)
Die Templeton-Triologie: So hoch wie der Himmel (35091) ⋅ So hell wie der Mond (35207) ⋅ So fern wie ein Traum (35280)
Die Sturm-Trilogie: Im Licht der Sterne (35560) ⋅ Im Licht der Sonne (35561) ⋅ Im Licht des Mondes (35562)
Die Zeit-Trilogie: Zeit der Träume (35858)
 
Mitten in der Nacht (36607)
Das Leuchten des Himmels (Limes, geb. Ausgabe, 2492)
Ein gefährliches Geschenk (Limes, geb. Ausgabe, 2481)
 
Von J. D. Robb ist bereits erschienen:
Rendezvous mit einem Mörder (1; 35450) ⋅ Tödliche Küsse (2; 5451) ⋅ Eine mörderische Hochzeit (3; 35452) ⋅ Bis in den Tod (4; 35632) ⋅ Der Kuss des Killers (5; 35633) ⋅ Mord ist ihre Leidenschaft (6; 35634) ⋅ Liebesnacht mit einem Mörder (7; 36026)
Für Ruth und Marianne
Sie sind das kostbarste Geschenk - Freundinnen.
 
 
 
 
Für die Wahrheit braucht man zwei - einen, der sie ausspricht, und einen, der sie hört.
THOREAU
1
Dana Steele hielt sich für eine flexible, offene Frau, die ein gerüttelt Maß an Geduld, Toleranz und Humor besaß.
Wahrscheinlich stimmten nicht alle Menschen mit dieser Selbsteinschätzung überein, aber sie konnten ja auch nicht wissen, dass ihr Leben ohne ihr eigenes Zutun innerhalb eines Monats völlig aus der Bahn geraten war und eine so unerwartete Wendung genommen hatte, dass sie sich weder zurechtfand noch den eingeschlagenen Weg erklären konnte.
Also ließ sie sich einfach treiben.
 
Ohne mit der Wimper zu zucken, hatte sie hingenommen, dass Joan, die bösartige Direktorin der Bibliothek, ihre angeheiratete Nichte anderen Kandidaten, die qualifizierter, verlässlicher, gewissenhafter und ganz bestimmt attraktiver waren, vor die Nase gesetzt hatte. Aber sie, Dana, hatte sich doch gut gehalten und still ihre Arbeit gemacht, oder etwa nicht?
Und als durch die völlig ungerechtfertigte Beförderung der Nichte einer gewissen, wesentlich qualifizierteren Angestellten die Arbeitszeit und das Gehalt gekürzt wurden, hatte sie da die grässliche Joan und die unablässig stichelnde Sandi gewürgt, geviertelt und in die Umlaufbahn geschossen?
Nein, natürlich nicht. Und das bewies doch, wie gut sie sich beherrschen konnte.
Als ihr gieriger Blutsauger von Vermieter ihr zudem die Miete erhöht hatte, hatte sie ihm da etwa eine Stinkbombe vor die Tür gelegt? Nein, im Gegenteil, wieder einmal hatte sie heroische Selbstbeherrschung gezeigt.
Eigentlich sollten diese Tugenden schon Belohnung genug sein, aber Dana zog leider greifbarere Erfolge vor.
Wer immer diesen Quatsch erfunden hatte, dass sich eine Tür öffnete, wenn sich ein Fenster schloss, der verstand nichts von keltischen Göttern. Danas Tür hatte sich nicht nur geöffnet, sondern sie war aus den Angeln gehoben worden.
Und jetzt saß sie trotz der Erlebnisse in den letzten vier Wochen hinten im Auto ihres Bruders und fuhr mit ihm wieder einmal die steile, kurvenreiche Straße zu dem prächtigen Haus am Warrior’s Peak hinauf.
Dieses Mal stürmte es nicht wie damals, als sie und noch zwei andere Frauen von Rowena und Pitte eine Einladung zu »Cocktails und Gesprächen« bekommen hatten. Und dieses Mal fuhr sie auch nicht allein, und vor allem wusste sie genau, was sie erwartete und worauf sie sich eingelassen hatte.
Sie schlug ihr Notizbuch auf und las ihre Zusammenfassung der Geschichte, die sie bei ihrem ersten Besuch auf Warrior’s Peak gehört hatte.
 
Der junge keltische Gott, der König werden soll, verliebt sich während seines obligatorischen Aufenthalts in der Welt der Sterblichen (der meiner Meinung nach am Frühlingsanfang stattfindet) in ein Mädchen. Die Eltern lassen ihn gewähren, brechen die Regeln und erlauben ihm, das Mädchen hinter den Vorhang der Träume oder der Macht, wie er auch genannt wird, in das Reich der Götter zu bringen.
Einige Götter finden das gut, andere aber werden stinksauer. Es folgen Krieg, Streitigkeiten und Intrigen.
Der junge Gott wird König und macht die sterbliche Frau zur Königin. Sie bekommen drei Töchter.
Jede Tochter - sie sind alle Halbgöttinnen - hat eine besondere Gabe. Bei der einen ist es Kunst oder Schönheit, bei der zweiten Wissen oder Wahrheit, bei der dritten Mut oder Tapferkeit.
Die Schwestern stehen sich sehr nahe und wachsen zu glücklichen jungen Frauen heran, bla bla bla, sorgsam bewacht von der Lehrerin und dem Krieger, denen der Gottkönig diese Aufgabe übertragen hat.
Die Lehrerin und der Krieger verlieben sich ineinander und sind so abgelenkt, dass sie nicht mehr auf die Mädchen aufpassen.
In der Zwischenzeit schmieden Bösewichter ein Komplott. Sie wollen keine Menschen oder Halbgötter in ihrer Welt, vor allem nicht in Machtpositionen. Dunkle Mächte gehen ans Werk. Ein besonders böser Zauberer (der wahrscheinlich mit der Bibliotheksdirektorin Joan verwandt ist) ist ihr Anführer. Er belegt die Töchter mit einem Zauber, während die Lehrerin und der Krieger sich anhimmeln. Die Seelen der Töchter werden gestohlen und in einen Glaskasten, den Kasten der Seelen, eingeschlossen, der nur mit drei Schlüsseln, die Menschenhände drehen müssen, geöffnet werden kann. Die Götter wissen zwar, wo die Schlüssel sind, aber von ihnen kann keiner den Zauber brechen und die Seelen befreien.
Lehrerin und Krieger werden verbannt und durch den Vorhang der Träume in die Welt der Sterblichen gejagt. Dort kommen in jeder Generation drei Frauen zur Welt, die in der Lage sind, die Schlüssel zu finden und den Fluch zu beenden. Lehrerin und Krieger müssen die Frauen finden, und diese Frauen dürfen sich frei entscheiden, ob sie die Suche annehmen oder ablehnen.
Jede hat eine Mondphase lang Zeit, um einen Schlüssel zu finden. Wenn die Erste versagt, ist das Spiel vorbei. Und es gibt auch eine Strafe - jede verliert irgendein Jahr ihres Lebens. Hat sie jedoch Erfolg, macht sich die Zweite auf die Suche und so weiter. Ein widerlich kryptischer Hinweis - die einzige Hilfe, die Lehrerin und Krieger den drei glücklichen Auserwählten geben dürfen - erfolgt zu Beginn des Vier-Wochen-Zyklus.
Ist die Suche erfolgreich beendet, wird der Kasten der Seelen geöffnet, und die Glastöchter werden befreit. Und die drei Frauen bekommen jede eine Million Dollar.
 
Eine hübsche Geschichte, überlegte Dana. Allerdings wohl nur so lange, bis man herausfand, dass es gar keine Geschichte war, sondern Wirklichkeit. Und bis man erkannte, dass man eine von den drei Frauen war, die auserkoren waren, den Kasten der Seelen zu öffnen.
Danach war alles nur noch äußerst seltsam. Und gab man dann noch den dunklen, mächtigen Zauberergott Kane dazu, der nicht zulassen wollte, dass man Erfolg hatte und einen Dinge sehen ließ, die gar nicht da waren, dann konnte man echt Angst bekommen.
Aber die Situation hatte auch ihr Gutes. Sie war zwei wirklich interessanten Frauen begegnet, und da sie von Anfang an das Gefühl gehabt hatten, sich schon ihr ganzes Leben lang zu kennen, hatten sie beschlossen, gemeinsam ein Geschäft zu eröffnen. Und eine Frau war die große Liebe ihres Bruders geworden.
Malory Price, die organisierte Geschäftsfrau mit dem Herzen einer Künstlerin, hatte nicht nur einen Zauberer, der bereits ein paar tausend Jahre auf dem Buckel hatte, überlistet, sondern auch den Schlüssel gefunden, das Schloss aufgeschlossen und den Kerl in seine Schranken verwiesen. Und das alles in knapp vier Wochen.
Dana und ihrer Freundin Zoe würde es schwer fallen, noch besser zu sein.
Andererseits, dachte Dana, waren Zoe und sie nicht durch irgendwelche romantischen Verstrickungen abgelenkt. Und sie, Dana, hatte kein Kind wie Zoe, für das sie sorgen musste. Nein, Dana Steele war frei wie ein Vogel und brauchte sich nur voll und ganz auf den Schlüssel zu konzentrieren.
Wenn sie als Nächste am Zug war, dann sollte Kane sich warm anziehen.
Dabei hatte sie gar nichts gegen Romantik, überlegte sie, und schlug das Notizbuch wieder zu, während sie müßig aus dem Fenster blickte. Nein, sie mochte Männer.
Na ja, die meisten Männer.
Vor einer Million Jahren war sie sogar mal in einen verliebt gewesen. Aber damals war sie jung und dumm gewesen. Jetzt war sie viel klüger.
Jordan Hawke mochte ja nach Pleasant Valley zurückgekommen sein, und er mochte auch versucht haben, bei der Suche nach dem Schlüssel mitzumischen, aber er gehörte einfach nicht mehr zu Danas Welt.
Für sie war er nicht existent, es sei denn, er wand sich nach irgendeinem schrecklichen Unfall vor Schmerzen oder er hatte eine schwere, entstellende Krankheit.
Blöd war nur, dass ihr Bruder Flynn so geschmacklos war, ihn zum Freund zu haben. Aber das konnte sie Flynn verzeihen. Insgeheim rechnete sie ihm seine Treue sogar hoch an, denn immerhin kannten er, Jordan und Bradley Vane sich schon seit Kindertagen.
Und irgendwie hatten Jordan und Brad ja ebenfalls mit der Geschichte zu tun. Damit würde sie sich eben abfinden müssen.
Als Flynn einbog, um durch das offene Eisentor zu fahren, hob sie den Kopf, um zu den beiden riesigen Steinkriegern emporzublicken, die die Einfahrt zum Haus bewachten.
Groß, gut aussehend und gefährlich, dachte Dana. Solche Männer hatten ihr immer schon gefallen - selbst wenn es nur Skulpturen waren.
Sie selber hätte gut zu diesen Steinkriegern gepasst - sie war groß und hatte die Figur einer Amazone. Dana fuhr sich mit den Fingern durch die langen braunen Haare. Seit Zoe, die seit kurzem arbeitslose Friseurin und Danas neue beste Freundin war, ihr einen neuen Haarschnitt und Strähnchen verpasst hatte, fielen sie glockenförmig um ihr Gesicht, ohne dass Dana etwas dafür tun musste. Das ersparte ihr morgens viel Zeit, was sie sehr schätzte, zumal sie zu so einem Zeitpunkt nie auf der Höhe war. Und die Frisur schmeichelte ihr, was ihrer Eitelkeit entgegenkam.
Mit ihren tiefdunkelbraunen Augen blickte sie auf das elegante, weitläufige Gebäude. Halb Schloss, halb Festung, lag es wie ein Traumbild auf dem Hügel, und die Zinnen und Türme ragten in den nachtschwarzen Himmel.
Die zahlreichen Fenster waren hell erleuchtet, und doch gab es so viele Geheimnisse dahinter.
Dana lebte im Valley, seit sie vor siebenundzwanzig Jahren das Licht der Welt erblickt hatte. All die Jahre hatte sie das Gebäude auf dem Hügel fasziniert. Es war ihr stets vorgekommen wie ein Märchenschloss. Sie hatte sich oft gefragt, wie es wohl sein mochte, dort zu wohnen, durch die Zimmer zu wandern, oben auf den Zinnen zu stehen oder von einem der Türme herunterzublicken. Wie mochte es wohl sein, so hoch oben zu leben, in so prachtvoller Einsamkeit, mitten in den majestätischen Hügeln und mit dem Wald direkt vor der Tür.
Dana beugte sich vor zu Flynn und Malory. Sie waren so süß zusammen, dachte sie. Flynn mit seiner schlampigen, gelassenen Art und Malory mit ihrem Bedürfnis nach Ordnung. Flynn mit seinen schläfrigen grünen Augen und Malory mit ihren strahlend blauen. Mal mit ihrem elegant koordinierten Outfit und Flynn, der sich schon glücklich schätzen konnte, wenn er zwei zueinander passende Socken trug.
Ja, dachte Dana, sie waren wirklich ein perfektes Paar.
Sie betrachtete Malory mittlerweile als Schwester durch Umstände und Schicksal. Schließlich war auch Flynn damals nicht anders ihr Bruder geworden, als ihre Eltern heirateten und jeder ein Kind mit in die Ehe brachte.
Als ihr Dad krank geworden war, war Flynn ihr eine große Stütze gewesen. Vermutlich hatten sie sich damals gegenseitig geholfen. Dann hatten die Ärzte ihrem Vater empfohlen, in ein wärmeres Klima zu ziehen, und Flynns Mutter hatte ihrem Sohn die Verantwortung für den Valley Dispatch übergeben. Mit einem Schlag war er Verleger einer Kleinstadtzeitung geworden und musste den Traum begraben, nach New York zu ziehen und dort als Star-Reporter zu arbeiten.
Zur gleichen Zeit war Dana von dem Jungen verlassen worden, den sie liebte. Ebenso hatte auch Flynn die Frau verloren, die er heiraten wollte.
Also hielten sie sich aneinander fest. Und jetzt hatten sie gewissermaßen beide Malory. Irgendwie hatten sich die Dinge wunderbar gefügt.
»Nun.« Dana legte den beiden die Hände auf die Schultern. »Auf ein Neues.«
Malory drehte sich lächelnd um. »Nervös?«
»Nein, eigentlich nicht.«
»Entweder bist du heute Abend an der Reihe oder Zoe. Möchtest du gerne ausgewählt werden?«
Dana zuckte betont gelangweilt mit den Schultern. »Ich möchte einfach, dass es weitergeht. Warum müssen wir denn ständig diese Zeremonie durchmachen? Wir wissen doch, worum es geht.«
»Hey, wir sind zum Essen eingeladen«, warf Flynn ein.
»Ja, klasse. Ich frage mich, ob Zoe wohl schon da ist. Und dann sollten wir das Festmahl so schnell wie möglich hinter uns bringen und loslegen.«
Flynn hatte kaum angehalten, als Dana schon aus dem Auto sprang. Sie stemmte die Hände in die Hüften und blieb vor dem Haus stehen. Der uralte Butler mit den dichten weißen Haaren eilte herbei, um die Wagenschlüssel an sich zu nehmen.
»Du magst ja nicht nervös sein.« Malory trat neben sie und hakte sich bei ihr ein. »Aber ich bin es.«
»Warum? Du hast doch alles schon hinter dir.«
»Aber es geht uns doch trotzdem nach wie vor alle an.« Malory spähte zu der weißen Fahne mit dem Emblem, die auf den Zinnen flatterte.
»Denk einfach positiv.« Dana holte tief Luft. »Bereit?«
Sie gingen auf die riesigen Eingangstüren zu, die aufschwangen, als sie näher kamen. Rowena stand im Licht, und ihre Haare fielen wie eine Feuerflut über das Mieder ihres saphirgrünen Samtkleides. Ihre grünen Augen strahlten, und sie verzog die Lippen zu einem warmen Lächeln.
An ihren Ohrläppchen, ihren Handgelenken und ihren Fingern funkelte Diamantschmuck, und um den Hals trug sie eine lange Kette, an der ein Kristall, so klar wie Wasser und so dick wie eine Babyfaust, hing.
»Willkommen«, sagte sie mit tiefer, melodischer Stimme. »Ich freue mich so, euch zu sehen.« Sie streckte Malory die Hände entgegen und küsste sie auf beide Wangen. »Du siehst wundervoll aus.«
»Du auch, wie immer.«
Leise lachend griff Rowena nach Danas Hand. »Und du. Mmmh, was für ein schönes Jackett.« Sie fuhr mit den Fingern über das weiche Leder des Ärmels. Dann blickte sie suchend an den beiden Frauen vorbei. »Habt ihr Moe nicht mitgebracht?«
»Es schien uns unpassend, heute Abend einen großen, tollpatschigen Hund dabeizuhaben«, erwiderte Flynn.
»Moe stört nie.« Rowena reckte sich, um Flynn ebenfalls auf die Wange zu küssen. »Das nächste Mal müsst ihr ihn unbedingt wieder mitbringen.«
Sie hakte sich bei Flynn ein. »Kommt, im Salon ist es gemütlicher.«
Sie durchquerten die große Eingangshalle mit ihrem Mosaikboden und gingen durch den Bogen in den weitläufigen Raum, der von dem flackernden Feuer in dem massiven Kamin und zahlreichen weißen Kerzen erhellt war.
Pitte stand an der Kaminumrandung, ein Glas mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit in der Hand. Der Krieger am Tor, dachte Dana. Er war groß, dunkelhaarig, sah gefährlich gut aus, und selbst sein eleganter schwarzer Anzug konnte seinen geschmeidigen, muskulösen Körperbau nicht verbergen. Man konnte ihn sich ohne weiteres in einer Rüstung und mit einem Schwert vorstellen oder wie er auf einem riesigen schwarzen Streitross dahingaloppierte, wobei sein Umhang sich im Wind bauschte.
Er verbeugte sich höflich, als sie eintraten.
Dana wollte etwas sagen, hielt jedoch inne, als sie aus den Augenwinkeln eine Bewegung sah. Ihr freundliches Lächeln erlosch, sie zog die Brauen zusammen, und ihre Augen schossen Blitze.
»Was macht er denn hier?«
»Er«, erwiderte Jordan trocken und hob sein Glas, »ist eingeladen.«
»Natürlich.« Rowena drückte Dana eine Champagnerflöte in die Hand. »Pitte und ich freuen uns sehr, euch heute Abend alle hier zu haben. Bitte, fühlt euch wie zu Hause. Malory, du musst mir unbedingt erzählen, welche Fortschritte die Pläne für deine Galerie gemacht haben.« Sie schob sie sanft zu einem Sessel und gab ihr ebenfalls ein Champagnerglas. Flynn warf einen kurzen Blick auf die finstere Miene seiner Schwester und beschloss dann, ihnen zu folgen.
Dana blieb stehen und warf Jordan über den Rand ihres Kristallglases hinweg finstere Blicke zu. »Du hast hier nichts zu suchen.«
»Vielleicht, vielleicht aber doch. Wenn ich von einer wunderschönen Frau zum Abendessen eingeladen werde, nehme ich auf jeden Fall an, vor allem, wenn sie eine Göttin ist. Hübsch«, fügte er hinzu und fuhr mit dem Finger über die Manschette von Danas Jackett.
»Hände weg!« Dana brachte ihren Arm in Sicherheit und nahm sich ein Canapé von einem Tablett. »Und geh mir aus dem Weg.«
»Ich bin dir nicht im Weg«, erwiderte Jordan sanft und trank einen Schluck.
Obwohl Dana hohe Absätze trug, war er ein ganzes Stück größer als sie, was nur noch ein Grund mehr war, um sie wütend zu machen. Wie Pitte hätte er für einen der Krieger Modell stehen können. Er war gut einsneunzig und fantastisch gebaut. Seine dunklen Haare hätten mal wieder einen Schnitt vertragen können, aber die etwas zu langen, lockigen Strähnen betonten seine kraftvollen Gesichtszüge.
Er sah auf eine sinnliche Weise gut aus mit seinen leuchtend blauen Augen unter den schwarzen Brauen, der geraden Nase und dem großzügigen Mund.
Noch schlimmer jedoch fand Dana, dass unter seinem harten Schädel ein wacher, kluger Verstand saß. Und sein angeborenes Talent als Schriftsteller hatte ihn schon vor dem dreißigsten Lebensjahr äußerst erfolgreich gemacht.
Früher einmal hatte sie geglaubt, sie würden sich ein gemeinsames Leben aufbauen, aber dann waren ihm Ruhm und Reichtum offensichtlich lieber gewesen. Und das hatte sie ihm nie verziehen.
»Es gibt noch zwei weitere Schlüssel«, rief er ihr ins Gedächtnis. »Und wenn du sie finden möchtest, solltest du dankbar für jede Unterstützung sein, egal wo sie herkommt.«
»Ich brauche deine Hilfe nicht. Du kannst gerne wieder nach New York zurückfahren.«
»Ich bleibe hier. Du gewöhnst dich besser schon mal daran.«
Schnaubend griff Dana nach einem weiteren Canapé. »Was hast du denn davon?«
»Willst du das wirklich wissen?«
Sie zuckte mit den Schultern. »Es ist mir absolut gleichgültig. Aber selbst jemand mit deiner beschränkten Sensibilität sollte sich klar darüber sein, dass du es den beiden Turteltauben hier ziemlich schwer machst, wenn du weiter bei Flynn campierst.«
Jordan folgte ihrem Blick. Flynn und Malory saßen nebeneinander, und sein Freund spielte geistesabwesend mit einer blonden Haarsträhne von Malory.
»Ich lasse sie in Ruhe«, erwiderte Flynn. »Sie tut ihm gut.«
Was Dana auch gegen Flynn vorbringen konnte - und es gab eine Menge -, es stand fest, dass er Flynn liebte. Deshalb schluckte sie eine giftige Bemerkung herunter und spülte mit einem Schluck Champagner nach.
»Ja, das stimmt. Sie tun einander gut.«
»Sie will nicht mit ihm zusammenziehen.«
Dana blinzelte. »Hat er sie gebeten, zu ihm zu ziehen? Mit ihm zusammenzuleben? Und sie hat nein gesagt?«
»Nicht ganz. Aber die Dame stellt Bedingungen.«
»Und welche?«
»Richtige Möbel im Wohnzimmer, und er muss die Küche renovieren.«
»Im Ernst?« Amüsiert und sentimental zugleich schüttelte Dana den Kopf. »So ist unsere Mal. Bevor Flynn weiß, wie ihm geschieht, wohnt er in einem richtigen Haus statt in einem Gebäude mit Türen, Fenstern und Umzugskartons.«
»Er hat Geschirr gekauft. Richtiges Geschirr, keine Pappteller.«
Dana grinste erheitert. »Ist nicht wahr.«
»Und Messer und Gabeln, die nicht aus Plastik sind.«
»O mein Gott, jetzt fehlt nur noch Tischwäsche.«
»Hat er leider auch schon.«
Dana brach in Lachen aus und prostete dem Rücken ihres Bruders zu. »Er hängt fest an der Angel.«
»Ich habe wohl was verpasst«, stellte Jordan fest. »Seit ich zurück bin, habe ich dich eben zum ersten Mal aus ganzem Herzen lachen hören.«
Sofort verfinsterte sich Danas Miene wieder. »Es hatte nichts mit dir zu tun.«
»Als ob ich das nicht wüsste.«
Bevor Dana etwas erwidern konnte, rauschte Zoe McCourt ins Zimmer, dicht gefolgt von Bradley Vane. Sie wirkte aufgebracht und verlegen. Wie eine sexy Waldfee, dachte Dana, die einen schlechten Tag gehabt hatte.
»Entschuldigung, es tut mir Leid, ich komme zu spät.«
Sie trug ein kurzes, eng anliegendes schwarzes Kleid mit langen, schmalen Ärmeln, das ihre schlanke Figur betonte. Ihre schwarzen, glänzenden Haare waren kurz geschnitten, mit langen Ponyfransen, die ihr in die bernsteinfarbenen Augen fielen.
Brad sah aus wie ein goldener Märchenprinz in einem italienischen Anzug.
Der Anblick brachte Dana auf den Gedanken, dass sie eigentlich ein tolles Paar waren - wenn man mal von Zoes frustriertem Gesichtsausdruck und Brads ungewohnt steifer Haltung absah.
»Sei nicht albern.« Rowena trat auf sie zu. »Du kommst überhaupt nicht zu spät.«
»Doch. Ich hatte Probleme mit meinem Auto. Es war zwar in der Werkstatt, aber … Na ja, ich kann dankbar sein, dass Bradley vorbeikam und anhielt.«
Besonders dankbar klang sie nicht, stellte Dana fest, eher sauer.
Rowena gab mitfühlende Laute von sich, führte Zoe zu einem Sessel und drückte ihr ein Glas Champagner in die Hand.
»Ich glaube, ich hätte es auch alleine reparieren können«, murmelte Zoe.
»Das mag sein.« Bradley ergriff dankbar sein Glas. »Aber Sie hätten sich das ganze Kleid mit Öl beschmiert. Dann hätten Sie noch mal nach Hause fahren und sich umziehen müssen, und Sie wären noch viel später hierher gekommen. Es ist ja wohl normal, sich von jemandem mitnehmen zu lassen, den man kennt und der dasselbe Fahrtziel hat.«
»Ich habe ja gesagt, dass ich Ihnen dankbar bin«, erwiderte Zoe gereizt. Dann holte sie tief Luft. »Es tut mir Leid«, sagte sie zu den anderen im Zimmer. »Es war mal wieder einer dieser Tage. Und außerdem bin ich nervös. Ich hoffe, ich habe euch nicht aufgehalten.«
»Keineswegs.« Rowena tätschelte ihr beruhigend die Schulter. In diesem Moment trat ein Diener in den Raum und verkündete, dass das Essen bereitstünde. »Siehst du? Du bist absolut pünktlich.«
 
Man aß nicht jeden Tag Lammrücken in einem Schloss auf einem Hügel in Pennsylvania. Und die Tatsache, dass von der zirka 3,70 m hohen Decke drei prächtige Kronleuchter mit ihrem funkelnden Licht das Esszimmer erhellten und dass der Kamin mit der rubinroten Granitumrandung groß genug war, um die gesamte Bevölkerung von Rhode Island aufzunehmen, erhöhte den Reiz beträchtlich.
Eigentlich hätte die Atmosphäre einschüchternd und förmlich sein müssen, aber sie wirkte einladend. In einer solchen Umgebung schlang man keine Pizza herunter, dachte Dana, aber sie war großartig für ein festliches Essen mit interessanten Menschen geeignet.
Die Gespräche drehten sich um Reisen, Bücher und Geschäfte, und Rowena und Pitte waren die perfekten Gastgeber, weil alles völlig normal wirkte, obwohl sie doch keltische Götter waren.
Den nächsten Schritt in der Suche nach den Schlüsseln erwähnte niemand.
Weil Dana zwischen Brad und Jordan platziert worden war, wandte sie sich betont Brad zu und bemühte sich, ihren anderen Tischpartner weitestgehend zu ignorieren.
»Was hast du getan, um Zoe so wütend zu machen?« Brad warf Zoe über den Tisch einen Blick zu. »Anscheinend reicht es aus, dass ich atme.«
»Ach komm.« Dana stieß ihn leicht mit dem Ellbogen an. »Zoe ist doch gar nicht so. Was hast du getan? Hast du sie verprügelt?«
»Ich schlage keine Frauen.« Brad redete leise, aber die Bitterkeit in seiner Stimme war nicht zu überhören. »Vielleicht hat es sie ja geärgert, dass ich mich geweigert habe, ihren Motor auseinander zu bauen. Schließlich waren wir beide in Abendgarderobe und schon ein bisschen zu spät dran.«
Dana zog die Augenbrauen hoch. »Na, na. Du musst sie irgendwie auf die Palme gebracht haben.«
»Es ist mir egal, wenn man mich anmaßend und selbstherrlich nennt, nur weil ich auf das Offensichtliche hinweise.«
Lächelnd kniff Dana ihn in die Wange.
»Aber, Süßer, du bist anmaßend und selbstherrlich. Deshalb liebe ich dich ja so.«
»Ja, ja, ja.« Seine Mundwinkel zuckten. »Warum hatten wir denn dann nie wilden, verrückten Sex?«
»Keine Ahnung. Ich denke mal darüber nach.« Sie spießte ein Stück Lamm auf ihre Gabel. »Du bist wahrscheinlich schon auf vielen schicken Essen in so einer schicken Umgebung gewesen.«
»Das hier ist einmalig.«
Dana fiel es leicht zu vergessen, dass ihr Kumpel Brad Bradley Charles Vane IV. war, der Erbe eines Holzimperiums, aus dem eine der größten Baumarktketten im Land, HomeMakers, entstanden war. Aber die Tatsache, dass er sich so problemlos in dieser eleganten Umgebung bewegte, erinnerte sie daran, dass er längst nicht mehr der unbedarfte Junge aus der Kleinstadt war.
»Hat dein Dad nicht vor ein paar Jahren irgendein großes Schloss in Schottland gekauft?«
»Ein Herrenhaus in Cornwall. Ja, es ist unglaublich prächtig. Sie isst so wenig«, murmelte er und nickte leicht in Zoes Richtung.
»Sie ist nervös. Ich übrigens auch«, fügte Dana hinzu und schnitt ein weiteres Stück Lamm ab, »aber mein Appetit leidet nicht darunter.« Sie hörte, wie Jordan über ihre Bemerkung lachte, und ihre Haut prickelte. Entschlossen steckte sie sich den Bissen Fleisch in den Mund. »Absolut nicht.«
Die meiste Zeit ignorierte sie ihn. Das war Danas Verhaltensmuster, wenn es um ihn ging, dachte Jordan.
Er sollte sich eigentlich mittlerweile schon daran gewöhnt haben, und es war definitiv sein Problem, wenn es ihn kränkte.
Früher einmal waren sie Freunde gewesen, sogar viel mehr als Freunde. Es war seine Schuld, dass es jetzt nicht mehr so war. Er war allerdings fest entschlossen, die Freundschaft wieder zu beleben. Aber wie lange musste ein Mann eigentlich dafür bezahlen, dass er eine Beziehung beendet hatte? War das nicht irgendwann verjährt?
Sie sah umwerfend gut aus, dachte er, als sie sich zu Kaffee und Brandy im Salon versammelten. Aber ihr Aussehen hatte ihm immer schon gefallen, selbst als sie noch ein Kind war, zu groß für ihr Alter und mit Babyspeck auf den Hüften.
Jetzt gab es nirgends mehr Anzeichen für Babyspeck. Nur noch Rundungen an den richtigen Stellen.
Irgendetwas hatte sie mit ihren Haaren gemacht, stellte er fest. In dem Braun tanzten auf einmal so geheimnisvolle Lichter. Dadurch wirkten ihre Augen dunkler und geheimnisvoller. Gott, wie oft war er in ihren schokoladenbraunen Augen versunken.
Hatte er nicht das Recht dazu gehabt, einmal aufzutauchen, um nach Luft zu schnappen?
Auf jeden Fall hatte er das, was er vorhin zu ihr gesagt hatte, ernst gemeint. Er war jetzt wieder zurück, und daran würde sie sich gewöhnen müssen. Genauso, wie sie sich daran gewöhnen musste, dass er Teil dieser seltsamen Geschichte war, in die sie hineingeraten war.
Sie würde sich wohl oder übel mit ihm auseinander setzen müssen. Und er würde mit Vergnügen dafür sorgen, dass dies so oft wie möglich der Fall war.
Rowena erhob sich. Irgendetwas an der Bewegung kam Jordan bekannt vor. Dann trat sie lächelnd einen Schritt vor, und der Moment war vorüber.
»Wenn ihr bereit seid, sollten wir jetzt beginnen. Ich denke, wir sollten uns dazu in den anderen Salon begeben.«
»Ich bin bereit.« Dana stand auf und warf Zoe einen Blick zu. »Und du?«
»Ja.« Zoe war ein wenig blass geworden, aber sie ergriff Danas Hand. »Beim ersten Mal habe ich die ganze Zeit nur gedacht, ich wollte nicht die Erste sein. Aber jetzt weiß ich es nicht.«
»Ich auch nicht.«
Sie gingen durch die große Halle in den nächsten Salon. Jordan wusste genau, dass es nichts nützte, darauf vorbereitet zu sein. Das Porträt überwältigte ihn genauso wie beim ersten Mal, als er es gesehen hatte.
Die leuchtenden Farben, die Freude und Schönheit von Motiv und Ausführung. Und der Schock, Danas Körper, Danas Gesicht zu sehen - Danas Augen, die ihn von der Leinwand anblickten.
Die Glastöchter.
Sie hatten Namen, die er mittlerweile kannte. Niniane, Venora, Kyna. Wenn er jedoch das Bild betrachtete, dachte er nur an Dana, Malory und Zoe.
Sie waren umgeben von Sonnenlicht und Blumen.
Malory trug ein lapislazuliblaues Kleid, und ihre goldenen Locken fielen ihr fast bis zur Taille. Im Schoß hielt sie eine kleine Harfe. Zoe stand schlank und aufrecht in ihrem schimmernden grünen Kleid da, ein Schwert an der Hüfte, und hielt einen Welpen im Arm. Dana, mit blitzenden braunen Augen, war in leuchtendes Rot gekleidet. Sie saß mit Feder und Schriftrolle da.
In jenem Moment in der hellen Welt hinter dem Vorhang der Träume bildeten sie eine Einheit. Aber das Böse lauerte bereits hinter ihnen.
Im dunklen Grün des Waldes sah man den Schatten eines Mannes. Und über die silbernen Fliesen glitt eine Schlange.
Im Hintergrund, unter den anmutigen Ästen eines Baumes, umarmte sich ein Liebespaar. Lehrerin und Krieger, beide viel zu sehr ineinander versunken, als dass sie die Gefahr für ihre Schützlinge bemerkten.
Und die drei Schlüssel waren geschickt in dem Porträt versteckt. Einer in der Form eines Vogels, der über den strahlend blauen Himmel flog, ein weiterer, der sich im Wasser des Brunnens hinter den Töchtern spiegelte, und der dritte verborgen im Laub des Waldes.
Jordan wusste, dass Rowena das Bild aus dem Gedächtnis gemalt hatte - und ihre Erinnerung reichte weit zurück.
Er wusste auch, was Malory entdeckt und erfahren hatte - den Zeitabschnitt, nachdem die Seelen geraubt und im Kasten verschlossen worden waren.
Pitte ergriff einen geschnitzten Kasten und hob den Deckel. »Darin sind zwei Scheiben, eine mit dem Emblem des Schlüssels. Wer die geprägte Scheibe nimmt, muss den zweiten Schlüssel finden.«
»Wie letztes Mal, okay?« Zoe drückte Danas Hand. »Wir machen es gemeinsam.«
»Okay.« Dana holte tief Luft. Malory trat zu ihnen und legte ihnen beiden die Hand auf die Schulter. Dann sagte sie zu Zoe: »Willst du anfangen?«
»O Gott. Ja, ich glaube schon.« Zoe schloss die Augen und griff nach einer Scheibe.
Dana hielt die Augen geöffnet, blickte aber zum Porträt, während sie ihre Scheibe nahm.
Dann streckten sie beide die Hand aus.
»Nun«, sagte Zoe, »du fängst an.«
Dana fuhr mit dem Daumen über den geprägten Schlüssel auf ihrer Scheibe. Es war ein kleiner Schlüssel, ein gerader Stab mit einem spiralförmigen Kopf. Er sah schlicht aus, aber sie wusste es besser. Sie hatte den ersten Schlüssel in Malorys Hand gesehen - ganz aus Gold -, und sie wusste, er war keineswegs schlicht.
»Okay, ich bin an der Reihe.« Sie hätte sich gerne hingesetzt, weil ihre Knie zitterten, aber sie zwang sich, sich zu beherrschen. Vier Wochen, dachte sie. Sie hatte vier Wochen Zeit, von Neumond zu Neumond, um das Fantastische zu vollbringen.
»Ich bekomme noch einen Hinweis, nicht wahr?«
»Ja.« Rowena entfaltete einen Pergamentbogen und las vor: »Du kennst die Vergangenheit und suchst die Zukunft. Was war, was ist, was sein wird, ist in den Stoff des Lebens gewoben. Zur Schönheit gehört Hässlichkeit, zu Wissen Unwissenheit, und Mut ist mit Feigheit verbunden. Das eine wird geringer durch das andere.
Um den Schlüssel zu erkennen, muss der Verstand das Herz anerkennen, und das Herz feiert den Verstand. Finde deine Wahrheit in seinen Lügen, und das, was wahr ist, in der Fantasie.
Wo eine Göttin geht, wartet eine andere, und Träume sind nur Erinnerungen, die uns noch bevorstehen.«
Dana ergriff einen Cognacschwenker und nahm einen großen Schluck. »Kinderspiel«, sagte sie.
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»McDonald’s hat den Big Mac 1968 eingeführt.« Dana drehte sich langsam in ihrem Stuhl am Informationsschalter der Bibliothek. »Ja, Mr. Hertz, ich bin mir ganz sicher. Der Big Mac wurde’68, nicht’69 eingeführt, Sie hatten also den Genuss ein ganzes Jahr länger, als Sie glaubten. Sieht so aus, als ob Mr. Foy dieses Mal gewonnen hat, was?« Lachend schüttelte sie den Kopf. »Ich wünsche Ihnen morgen mehr Glück.«
Sie legte auf und strich die tägliche Wette zwischen Mr. Hertz und Mr. Foy von ihrer Liste, dann notierte sie sorgfältig, wer heute Wettsieger war.
In der Runde des letzten Monats hatte Mr. Hertz Mr. Foy geschlagen, und Mr. Foy hatte ihm ein Abendessen im Diner an der Main Street bezahlen müssen. Auf das ganze Jahr gesehen jedoch lag Mr. Foy um zwei Punkte vorne, und damit hatte er gute Aussichten, den jährlichen Preis zu gewinnen, ein Abendessen im Mountain View Inn.
Diesen Monat lagen sie Kopf an Kopf, also war noch alles offen. Es war Danas Aufgabe, jeden Monat den Sieger zu verkünden und dem Jahresgewinner den Preis zu verleihen.
Der Wettstreit der beiden ging jetzt fast schon zwanzig Jahre lang, und sie nahm daran teil, seit sie ihre Stelle in der Bibliothek in Pleasant Valley angetreten hatte. Das tägliche Ritual würde ihr fehlen, wenn sie kündigte.
Aber der Gedanke verflüchtigte sich wieder, als Sandi mit ihren wippenden blonden Ponyfransen und ihrem Schönheitsköniginnenlächeln an ihren Schalter trat. Das würde ihr keineswegs fehlen, darauf konnte sie gut verzichten.
Eigentlich hätte sie schon längst kündigen müssen, weil ihre Arbeitszeit auf fünfundzwanzig Stunden in der Woche verkürzt worden war. Aber sie konnte die freie Zeit gut nutzen.
In zwei Monaten würde sie ihre Buchhandlung eröffnen, ihr Anteil an dem Geschäft, das sie gemeinsam mit Malory und Zoe gegründet hatte. Und es gab noch viel zu tun. Sie musste renovieren und Ware bestellen.
Sie hatte bereits alle notwendigen Genehmigungen beantragt, war die Vorschauen der Verlage durchgegangen und hatte sich überlegt, was sie zusätzlich noch anbieten konnte. Nachmittags würde man bei ihr Tee trinken können, abends Wein. Und es würde schicke kleine Events geben, Lesungen und Vorträge.
Sie hatte immer wieder davon geträumt, sich jedoch nie vorstellen können, dass sie es wirklich schaffen könnte.
Wahrscheinlich hatten Rowena und Pitte es möglich gemacht, und nicht nur durch die fünfundzwanzigtausend Dollar, die sie von ihnen bekommen hatte, als sie zugestimmt hatte, an der Suche teilzunehmen, sondern auch dadurch, dass sie sie mit Malory und Zoe zusammengebracht hatten.
Am ersten Abend in Warrior’s Peak hatte jede von ihnen in gewisser Weise am Scheideweg gestanden. Und dann hatten sie beschlossen, den Weg gemeinsam zu gehen.
Wenn einem zwei Freundinnen - zwei Partnerinnen - zur Seite standen, war es längst nicht so Furcht einflößend, sein eigenes Geschäft zu beginnen.
Tja, und dann war da der Schlüssel. Natürlich konnte sie den Schlüssel nicht vergessen. Malory hatte fast die gesamten vier Wochen, die ihr zur Verfügung standen, gebraucht, um den ersten zu finden. Und es war keineswegs besonders lustig gewesen, ganz im Gegenteil.
Trotzdem hatte sie in dieser Runde sicher einen Vorteil, weil sie jetzt wusste, was auf sie zukommen konnte, und weil sie die Situation besser einschätzen konnte.
Dana lehnte sich zurück, schloss die Augen und dachte über den Hinweis nach, den Rowena ihr gegeben hatte. Er hatte mit der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zu tun.
Das war eine große Hilfe.
Wissen, natürlich. Wahrheit und Lügen. Herz und Verstand.
Wo eine Göttin geht.
In Malorys Hinweis war ebenfalls eine Göttin vorgekommen, eine singende Göttin. Und Malory - die Kunstliebhaberin, die davon träumte, Künstlerin zu sein - hatte ihren Schlüssel in einem Gemälde gefunden.
Wenn die Suche nach den anderen beiden Schlüsseln dem gleichen Muster folgte, dann müsste sie, die Buchnärrin, ihren Schlüssel eigentlich im Umfeld von Büchern finden.
»Ein kleines Büronickerchen, Dana?«
Dana öffnete die Augen und blickte in Joans missbilligendes Gesicht. »Nein, ich konzentriere mich nur.«
»Wenn Sie nichts Aufregenderes zu tun haben, können Sie Marilyn beim Einsortieren helfen.«
Dana zauberte ein fröhliches Lächeln auf ihr Gesicht. »Schrecklich gerne. Soll ich Sandi bitten, den Informationsschalter zu übernehmen?«
»Sie scheinen nicht gerade von Anfragen überhäuft zu werden.«
Und du hast anscheinend überhaupt nichts zu tun, dachte Dana, sonst würdest du mir nicht so auf die Nerven gehen. »Ich habe soeben eine Anfrage über privates Unternehmertum und Kapitalismus erledigt. Aber wenn Sie gerne möchten, dass ich …«
»Entschuldigung.« Eine Frau trat an den Schalter. Sie zerrte einen etwa zwölfjährigen Jungen hinter sich her. Genauso sah es aus, wenn Flynn Moe an der Leine hinter sich herzog - er hatte zwar die Hoffnung, ihn unter Kontrolle halten zu können, wusste aber gleichzeitig, dass der Hund bei der ersten Gelegenheit stiften gehen würde.
»Können Sie uns vielleicht helfen? Mein Sohn muss einen Aufsatz schreiben … bis morgen«, fügte sie mit grimmigem Nachdruck hinzu. »Über den Kontinentalkongress. Können Sie uns sagen, welche Bücher er da zu Rate ziehen sollte?«
»Natürlich.« Joans kaltes Fischgesicht verzog sich zu einem herzlichen Lächeln. »Ich zeige Ihnen gerne ein paar Quellen in unserer Abteilung über amerikanische Geschichte.«
»Entschuldigung.« Dana konnte nicht an sich halten und tippte dem mürrischen Jungen auf die Schulter. »Bist du in der siebten Klasse? Mrs. Janesburg in amerikanischer Geschichte?«
Seine Mundwinkel sanken noch ein wenig mehr herunter. »Ja.«
»Ich weiß genau, was sie haben will. Mit zwei Stunden solider Arbeit kannst du es schaffen.«
»Wirklich?« Die Mutter griff nach Danas Hand wie nach einem Rettungsanker. »Das wäre ein Wunder.«
»Ich hatte Mrs. Janesburg selber in Geschichte.« Dana zwinkerte dem Jungen zu. »Ich kenne sie in- und auswendig.«
»Ich überlasse Sie den fähigen Händen von Ms. Steele«, zischte Joan mit eingefrorenem Lächeln.
Dana beugte sich vor und flüsterte dem Jungen verschwörerisch zu: »Ihr treten regelmäßig die Tränen in die Augen, wenn sie von Patrick Henrys ›Gebt mir Freiheit‹ spricht, oder?«
Seine Miene hellte sich auf. »Ja. Sie musste aufhören und sich die Nase putzen.«
»Manche Dinge ändern sich eben nie. Okay, lass uns mal sehen, was du brauchst.«
Eine Viertelstunde später trat die Mutter wieder an Danas Schalter. »Ich wollte Ihnen noch einmal danken. Ich bin Joanne Reardon, und Sie haben gerade meinem Erstgeborenen das Leben gerettet.«
»Oh. Mrs. Janesburg ist zwar streng, aber sie hätte ihn nicht umgebracht.«
»Sie vielleicht nicht, aber ich. Sie haben erreicht, dass Matt mit Begeisterung an die Sache herangeht, wenn auch vielleicht nur, um seiner Lehrerin eins auszuwischen.«
»Der Zweck heiligt die Mittel.«
»Das sehe ich genauso. Auf jeden Fall bin ich Ihnen dankbar. Sie sind wundervoll in Ihrem Job.«
»Danke. Viel Glück.«
Sie war tatsächlich wundervoll in ihrem Job, dachte Dana. Ja, verdammt noch mal, das war sie. Der intriganten Joan und ihrer blöden Nichte würde es noch Leid tun, wenn sie nicht mehr hier war.
Als Danas Schicht zu Ende war, räumte sie ihren Arbeitsplatz auf, ergriff ein paar Bücher, die sie sich ausgesucht hatte, und steckte sie in ihre Aktentasche. Diese Routine am Ende des Arbeitstages würde ihr auch fehlen, dachte sie, ebenso wie der kurze, angenehme Spaziergang von der Arbeit zu ihrer Wohnung. Das war einer der Gründe gewesen, warum sie es abgelehnt hatte, bei Flynn einzuziehen.
Sie mochte die Vorhersehbarkeit ihres Heimwegs, die Dinge, die sie Jahr für Jahr sah. Jetzt, im Herbst, waren die Straßen vom Laub der Bäume in ein goldenes Licht getaucht. Und die Hügel erhoben sich hinter der Stadt wie ein von Göttern gewebter Teppich. Durch den kleinen Park zwischen der Bibliothek und dem Haus, in dem ihre Wohnung lag, rannten schreiend und lachend Kinder. Es war ein frischer, klarer Tag, und in der Luft lag der Duft der Stiefmütterchen von den Rabatten vor dem Rathaus.
Die Zeiger der großen runden Uhr auf dem Platz standen auf fünf nach vier. Mit leiser Wehmut dachte sie daran, dass sie früher immer erst um halb sieben nach Hause gegangen war.
Ach, was soll es, überlegte sie dann. Genieß einfach den schönen Nachmittag und den netten Spaziergang.
»Hey, Große. Soll ich sie dir abnehmen?«
Bevor sie reagieren konnte, hatte Jordan ihren Bücherstapel ergriffen.
»Gib sie mir zurück.«
»Nein, ich habe sie schon. Wunderschöner Tag, was? Es geht doch nichts über das Valley im Oktober.«
Sie hasste es, dass er ihre eigenen Gedanken aussprach. Er studierte die Titel der Bücher, die sie mitgenommen hatte. Eins über keltische Sagen und Märchen, eins über Yoga und den neuesten Roman von Stephen King.
»Yoga?«
Es war typisch für ihn, dass er sich gerade das herauspickte, was ihr ein wenig peinlich war. »Na und?«
»Nichts. Ich kann mir nur so schlecht vorstellen, dass du irgendeine von den komischen Positionen einnimmst. Aufschauender Hund oder so.« Er kniff die Augen zusammen und musterte sie verschmitzt. »Allerdings, wenn ich so darüber nachdenke …«
»Hast du nichts Besseres zu tun, als um die Bibliothek herumzulungern und mich zu belästigen?«
»Ich lungere nicht herum, und dir die Bücher zu tragen ist keine Belästigung.« Mit vertrauter Leichtigkeit passte er seine Schritte ihren an. »Das ist schließlich nicht das erste Mal, dass ich dich nach Hause bringe.«
»In den letzten Jahren ist es mir ganz gut gelungen, den Weg alleine zu finden.«
»Dir sind viele Dinge ganz gut gelungen. Wie geht es deinem Dad?«
Sie schluckte einen bissigen Kommentar hinunter, weil sie wusste, dass Jordan die Frage aus ehrlichem Interesse stellte. Joe Steele und Jordan Hawke waren immer bestens miteinander ausgekommen.
»Es geht ihm gut. Der Umzug nach Arizona war genau das, was er brauchte. Er und Liz haben ein schönes Haus, und sie führen ein angenehmes Leben. Er hat angefangen zu backen.«
»Backen? Joe backt Kuchen?«
»Und Scones und Brot.« Unwillkürlich lächelte Dana. Die Vorstellung, wie ihr Vater, der große Macho Joe, in einer Schürze dastand und Teig knetete, erheiterte sie jedes Mal. »Ich bekomme alle zwei Monate ein Care-Paket. Seine ersten Versuche waren hervorragend als Türstopper geeignet, aber mittlerweile backt er richtig gute Sachen.«
»Grüß ihn von mir, wenn du das nächste Mal mit ihm sprichst.«
Dana zuckte mit den Schultern. Sie hatte nicht vor, Jordan Hawkes Namen jemals wieder auszusprechen, es sei denn in einem deftigen Fluch. »Wir sind da«, sagte sie, als sie an ihrem Haus angekommen waren.
»Ich möchte mit hereinkommen.«
»Im Leben nicht.« Sie griff nach den Büchern, aber Jordan wich ihr aus. »Hör auf, Jordan. Wir sind nicht mehr zehn.«
»Wir haben einiges zu bereden.«
»Nein.«
»Doch. Und behandle mich bitte nicht ununterbrochen wie einen Zehnjährigen.« Er atmete aus und betete um Geduld. »Sieh mal, Dana, wir haben doch eine gemeinsame Geschichte. Lass uns wie erwachsene Menschen damit umgehen.«
Er hätte besser nicht angedeutet, dass sie sich unreif benahm. »Okay, genauso gehen wir damit um. Gib mir die Bücher und verschwinde.«
»Hast du gehört, was Rowena gestern Abend gesagt hat?« Sein Tonfall klang jetzt leicht gereizt. »Hast du überhaupt richtig zugehört? Deine Vergangenheit, deine Gegenwart und deine Zukunft. Ich bin Teil deiner Vergangenheit. Ich gehöre dazu.«
»Und du wirst in meiner Vergangenheit bleiben. Ich habe zwei Jahre meines Lebens mit dir verschwendet. Aber das ist vorbei. Kannst du das nicht ertragen, Jordan? Hält dein riesengroßes Ego nicht aus, dass ich über dich hinweggekommen bin?«
»Hier geht es nicht um mein Ego, Dana.« Er gab ihr ihre Bücher. »Aber es scheint mit ziemlicher Sicherheit um deins zu gehen. Du weißt, wo du mich findest, wenn du bereit bist.«
»Ich will dich nicht finden«, murmelte sie, als er wegging.
Verdammt, es sah ihm gar nicht ähnlich, dass er einem Streit aus dem Weg ging. Sie hatte ihm doch angesehen und angehört, wie wütend er war. Seit wann konnte er sich so gut beherrschen?
Dana hatte sich auf einen heftigen Wortwechsel eingestellt, und jetzt war ihr der Wind aus den Segeln genommen worden. Das war sehr, sehr ärgerlich.
In ihrer Wohnung warf sie die Bücher auf den Tisch und holte sich eine Schachtel Eiscreme aus dem Tiefkühlfach. Um sich abzukühlen, aß sie das Eis direkt aus der Schachtel.
»Bastard! Hinterhältiger Bastard! Du alleine bist schuld, dass ich so viele Kalorien zu mir nehme!«
Sie verharrte kurz und nahm dann noch ein paar große Löffel Eis. »Aber, verdammt, es schmeckt wirklich gut.«
Erfrischt zog sie sich einen Trainingsanzug an, kochte sich eine Kanne Kaffee und kuschelte sich dann in ihren Lieblingssessel mit dem neuen Buch über keltische Sagen.
Im letzten Monat hatte Dana unzählige Bücher über das Thema gelesen. Aber für sie war Lesen genauso angenehm wie Eisessen und so lebenswichtig wie Atmen.
Sie war bei der Arbeit und zu Hause von Büchern umgeben. Sie waren für sie nicht nur Wissen, Unterhaltung und Trost, sondern ein Element der Einrichtung, und ihre Wohnung zeugte von ihrer einzigen und größten Liebe. Die Regale waren voll gestopft, und die Tische bogen sich unter Stapeln von Büchern.
Für einen flüchtigen Betrachter wirkte die Bücherflut ungeordnet und zufällig, aber Dana als Bibliothekarin hatte ein System. Sie wusste genau, wo welcher Titel lag.
Ohne Bücher konnte sie nicht leben, ohne die Geschichten, die Informationen, die Welt, die sie ihr vermittelten. Selbst jetzt, wo die schwierige Aufgabe vor ihr lag und die Zeit drängte, versank sie in das Leben der Götter, das sich ihr beim Lesen eröffnete.
Sie zuckte zusammen, als es an der Tür klopfte. Blinzelnd kehrte sie in die Realität zurück und bemerkte, dass die Sonne untergegangen war, während sie bei Dagda, Epona und Lug zu Besuch gewesen war.
Mit dem Buch in der Hand trat sie an die Tür. Fragend zog sie die Augenbrauen hoch, als sie Malory gegenüberstand. »Was ist los?«
»Ich dachte, ich schaue mal bei dir vorbei, bevor ich nach Hause fahre. Ich habe den ganzen Tag mit Künstlern und Kunsthandwerkern hier am Ort geredet. Für den Anfang habe ich schon ein paar schöne Stücke für meine Galerie beisammen, glaube ich.«
»Gut. Hast du was zu essen dabei? Ich bin am Verhungern.«
»Nein, nur Pfefferminzdrops.«
»Das bringt es nicht«, erwiderte Dana. »Ich sehe mal in der Küche nach. Hast du auch Hunger?«
»Nein, aber mach nur. Hast du irgendwelche brillanten Ideen? Können Zoe und ich etwas für dich tun?«, fragte Malory und folgte Dana in die Küche.
»Nicht so besonders brillant. Spaghetti! Oh, super.« Dana holte eine Schüssel mit Pastaresten aus dem Kühlschrank. »Willst du ebenfalls welche?«
»Nein, danke.«
»Ich habe noch Cabernet da.«
»Ja, den trinke ich gerne. Aber nur ein Glas.« Malory, die sich in Danas Küche auskannte, holte die Weingläser aus dem Schrank. »Was für eine Idee hast du denn?«
»Bücher. Du weißt schon, alles was mit Wissen zu tun hat. Und Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.« Sie nahm sich eine Gabel und begann, die kalten Nudeln direkt aus der Schüssel zu essen. »Das Problem ist nur, um welches Buch es sich handelt.«
»Willst du die Pasta nicht warm machen?«
»Was?« Verblüfft blickte Dana auf die Spaghetti. »Warum?«
»Ach, nur so.« Malory reichte Dana ein Glas Wein, dann ergriff sie ihres und setzte sich an den Küchentisch. »Ein Buch oder Bücher würden Sinn machen. Und so wüsstest du wenigstens, welchen Weg du einschlagen musst. Aber …«
Sie blickte sich in Danas Wohnung um. »Wenn du allein die Bücher nimmst, die du persönlich besitzt, das würde schon Wochen dauern. Und dann kommen ja noch all die anderen Bücher im Valley, in der Bibliothek, in der Buchhandlung im Einkaufszentrum und so weiter dazu.«
»Und selbst wenn ich Recht hätte, würde es noch lange nicht bedeuten, dass der Schlüssel tatsächlich in einem Buch ist. Das könnte ja auch nur im übertragenen Sinn gemeint sein, oder dass in einem Buch nur irgendein Hinweis auf den Schlüssel versteckt ist.« Achselzuckend
Die Originalausgabe erschien 2003 unter dem Titel
»Key of Knowledge« bei Jove Books, The Berkley Publishing Group, a division of Penguin Group (USA) Inc., New York.
 
 
Der Blanvalet Verlag ist ein Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH.
 
1. Auflage
Deutsche Erstveröffentlichung Dezember 2004
Copyright © der Originalausgabe 2003 by Nora Roberts Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2004 by Verlagsgruppe Random House GmbH Published by arrangement with Eleanor Wilder
Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück, Garbsen.
Umschlagfoto: mauritius images/AGE
Titelnummer: 35859
Lektorat: Maria Dürig
Redaktion: Petra Zimmermann
Herstellung: Heidrun Nawrot
eISBN : 978-3-641-02134-4
www.blanvalet-verlag.de
 
Leseprobe
 

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