Kinderlachen - Folge 021 - Karen Sanders - E-Book

Kinderlachen - Folge 021 E-Book

Karen Sanders

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Sonja, Bianca und Anna sind alles andere als drei süße kleine Mädchen. Mit ihren feuerroten Haaren und den Sommersprossen, die in ihren Gesichtern tanzen, sind sie jedem in der Stadt bekannt. Wer ihnen einmal begegnet ist, weiß, dass es die drei Schwestern faustdick hinter den Ohren haben.

Sarah Bambach, die schon bald eine Stelle als Haushälterin bei dem alleinstehenden Vater und seinen Töchtern annehmen soll, macht sich auf einiges gefasst. Aber das, was sie in dieser Familie erwartet, übersteigt selbst ihre Vorstellungskraft ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 103

Veröffentlichungsjahr: 2016

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Impressum

Teufelchen mit rotem Haar

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: shutterstock / AnikaNes

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-3783-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Teufelchen mit rotem Haar

Bezaubernder Roman um ein kleines Mädchen mit ganz besonderen Fähigkeiten

Von Karen Sanders

Sonja, Bianca und Anna sind alles andere als drei süße kleine Mädchen. Mit ihren feuerroten Haaren und den Sommersprossen, die in ihren Gesichtern tanzen, sind sie jedem in der Stadt bekannt. Wer ihnen einmal begegnet ist, weiß, dass es die drei Schwestern faustdick hinter den Ohren haben.

Sarah Bambach, die schon bald eine Stelle als Haushälterin bei dem alleinstehenden Vater und seinen Töchtern annehmen soll, macht sich auf einiges gefasst. Aber das, was sie in dieser Familie erwartet, übersteigt selbst ihre Vorstellungskraft …

Natürlich, das hatte Sarah vorausgesehen! Als sie endlich zu Hause angekommen war, stand sie vor verschlossener Tür, ein Cowgirl in Westernbluse, Wildlederweste mit Fransen und engen Designer-Jeans, die in angestaubten Cowboystiefeln steckten.

Müde blickte die junge Frau über das Anwesen: Ein Grundstück, umschlossen von einem braunen Gartenzaun, in dessen Mitte das alte Haus ruhte, unverwüstlich, auf festem Grund – ihr Elternhaus.

Sie seufzte tief auf, tippte mit dem Finger an die Krempe ihres Hutes und schob ihn zurück. Sonnenstrahlen fielen ihr ins Gesicht und malten goldene Schatten auf die gebräunte Haut. Ihre Augen strahlten wie die Türkise des indianischen Ohrschmucks.

Sie seufzte noch einmal. Eine lange Reise war zu Ende, aber kein Mitglied ihrer Familie war da, um sie willkommen zu heißen. Verdammtes Flugzeug! Es war mit reichlicher Verspätung in Stuttgart gelandet, und Sarah musste von dort aus noch mit der S-Bahn und dem Taxi weiterfahren. Und jetzt stand sie da, inmitten all ihrer Koffer.

Dabei hatte es eine Überraschung sein sollen, dass sie eine Woche früher als geplant heimkehrte. Doch jetzt, um fast neun Uhr, war ihre Familie natürlich zum sonntäglichen Kirchgang bereits aufgebrochen.

Sarah erwog die Möglichkeit, am alten Rosenspalier hochzuklettern, um über das offen stehende Balkonfenster einzusteigen. Aber die Erinnerung an frühere Abenteuer dieser Art mit zerrissener Kleidung und zerkratzter Haut ließ sie zögern.

Sie konnte auch auf einem der Gartenstühle hinter dem Haus gut eine Stunde warten, oder aber sie konnte die Überraschung perfekt machen und ihrer Familie zur Kirche folgen.

Sarah blickte auf die Uhr. In vier Minuten begann der Gottesdienst – sie würde es schaffen! Also drehte sie sich auf dem Absatz um und rannte los.

Ihre Stiefel hallten auf dem Asphalt, als sie um die Ecke bog und der Straße folgte, die ins Dorfzentrum führte. In der Geschwindigkeit, mit der sie die Strecke nahm, konnte sie kaum feststellen, ob sich während der Monate ihrer Abwesenheit etwas an ihrem Heimatort verändert hatte. Der Hut rutschte ihr in den Nacken und wurde nur durch das Band um ihren Hals gehalten.

Mit dem Verklingen der Glocken gelangte Sarah vor dem Kirchengebäude an. Abgekämpft, aber in gefasster Haltung und mit stolz erhobenem Haupt, trat sie vor das Portal. Es war eine schwere, mächtige Tür aus dunklem Gusseisen, gegen die sie sich mit beiden Händen stemmen musste.

Langsam!, ermahnte sich die junge Frau, und ohne den geringsten Laut schlüpfte sie durch den schmalen Spalt.

Die wohlvertraute Kühle empfing Sarah, der Geruch des Weihrauchs und der Blumen vom Altarschmuck, vermengt mit den Ausdünstungen des uralten Holzes der Kirchenbänke. Vorsichtig ließ sie das Tor wieder zugleiten, bis es sich geräuschlos schloss. Geschafft!

Sarah wandte sich um. Vor ihr saß ein Großteil der Gemeindemitglieder auf ihren angestammten Plätzen, den Blick nach vorn auf den Altar gerichtet. Die Lichtstrahlen brachen sich an den bunten Mosaikfenstern, die Szenen aus dem Leben Jesu, von der Geburt bis zur Kreuzigung, darstellten. Der alte, modrige Beichtstuhl war ihr ebenso vertraut wie die Madonnenstatue mit den vielen brennenden Kerzen gegenüber.

Sarah zuckte zusammen, als just in diesem Moment der Choralgesang erklang und die Gemeinde sich von ihren Plätzen erhob.

Der Pfarrer mit seinen Ministranten betrat das Kirchenschiff.

Peter! Mein Gott, es hatte ihn erwischt! Sarah erkannte ihren kleinen Bruder sofort wieder, obwohl er in der weißen Kutte und mit dem sauber gezogenen Scheitel kaum noch dem Lausbuben glich, den sie in Erinnerung hatte. Sie biss sich auf die Lippen, um nicht laut loszulachen.

Schnell machte sie einen Knicks und huschte in die letzte Kirchenbank. Es war völlig unmöglich, jetzt noch zu Mutter und Schwester zu gelangen, die in einer der vorderen Bänke saßen. Sie hätte zu viel Aufsehen verursacht, vor allem in ihrer momentanen Kleidung, die wenig geeignet für einen Gottesdienstbesuch war.

Der kräftige Bass ihres Vaters schallte wie immer aus dem Chorgesang. Mutter und Schwester waren genauso unmusikalisch wie Sarah selbst und hatten nie versucht, in den Kirchenchor aufgenommen zu werden.

Allmählich wurde Sarah ruhiger. Tränen der Rührung traten ihr in die Augen, und ihr wurde klar, dass sie endlich wieder zu Hause war.

Empfindlich wurde sie aus diesem Gefühl des Wohlbehagens und der Glückseligkeit gerissen. Unsensibel war die schwere Eisentür aufgestoßen worden. Sie schwang so heftig auf, dass ein Luftzug Sarah streifte und ihr das durchdringende Quietschen der angerosteten Angeln durch Mark und Bein fuhr.

Das hatte sie aber entschieden besser gemacht! Doch dem Mann, der so rücksichtslos störte, konnte dies wohl kaum verübelt werden. Er war ein Bär.

Wie erwartet richteten sich alle Augen auf den Nachzügler. Er hielt die Tür auf, und an ihm vorbei marschierte eine Mädchenschar, größenmäßig abgestuft wie die Orgelpfeifen.

Mit lautem Knarren und anschließendem dumpfen Bong schloss sich die Eisentür wieder, und die späten Gäste trappelten zu Sarah in die letzte Bankreihe.

Mit nachsichtigem Kopfschütteln wandten sich die Kirchenbesucher wieder um, aber Sarahs Augen wurden immer größer, als sie die drei Mädchen musterte.

Die Kleinste stockte in ihrem Gang und starrte mit offenem Mund zurück. Unsanft wurde sie von ihrer nachfolgenden Schwester angerempelt.

»Mann, latsch doch weiter«, wisperte diese, wurde aber von einem vernehmbaren Zischen unterbrochen und gab der Kleinen deshalb nur noch einen kleinen Schubs.

Das Mädchen stolperte und prallte gegen Sarahs Hüfte. Die junge Frau fing es auf und half ihm das Gleichgewicht wiederzufinden. Ein erschrockenes, grünbraunes Augenpaar richtete sich auf sie.

»Hallo!«, sagte die Kleine. »Wer bist denn du?«

»Wirst du wohl gleich still sein«, grollte es da tief zu ihnen hinüber, und Sarah hob ihren Blick. Die Stimme gehörte zweifellos dem Hünen von Mann, dem Vater der Kinder. Er hatte einen Vollbart, und der war rot.

»Ich bin Anna«, brachte sich die Kleine flüsternd in Erinnerung. »Und du stehst auf meinem Platz.«

»Oh«, murmelte Sarah und rückte weiter. Sie wollte sich auf den Gottesdienst konzentrieren, doch es war unmöglich, da sie vier Augenpaare zu erdolchen schienen. Sie spürte, wie Hitze in ihre Wangen stieg. Langsam wandte sie das Gesicht und holte tief Luft. »Willkommen im Klub der Rothaarigen!«

Wie blöd, wie unpassend! Aber etwas Besseres war Sarah nicht eingefallen, und es veranlasste die Kleinste, in fröhliches Gekicher auszubrechen, gerade in dem Augenblick, als die Orgelmusik und der Chorgesang endeten – in die plötzlich entstandene Stille hinein.

Prompt drehte sich eine Dame aus der Vorderbank zu ihnen um.

»Die rote Sarah, natürlich!«, raunte sie missbilligend. »Bist du wieder da?«

Inzwischen hatte sich eine große Männerhand auf den Mund der Kleinen gelegt.

»Autsch, Papi«, beschwerte sich das eingekeilte Mädchen dazwischen. »Du erdrückst mich ja!«

»Wir tauschen die Plätze«, befahl der Riese und zwängte sich an seiner mittleren Tochter vorbei. Nur noch durch die kleine Anna getrennt, standen die beiden Erwachsenen nebeneinander und funkelten sich zornig an. Anna schaute abwechselnd von einem zum anderen empor und verrenkte sich dabei beinahe den Hals.

Der Gottesdienst nahm seinen gewohnten Gang. Schließlich kam die Wandlung. Andächtig sank Sarah auf die Knie und faltete die Hände, bemüht, sich ihre innere Unruhe nicht anmerken zu lassen. Anna blinzelte zwar immer wieder mit einem Auge zu ihr hin, aber Sarah tat so, als würde sie es nicht bemerken.

Etwas hatte sich während ihrer Abwesenheit also doch in dem Örtchen getan: Es waren neue Bewohner hinzugezogen. Sarah kannte so ziemlich jeden in ihrer kleinen Gemeinde, bis auf diese Fremden hier.

Was für ein Zufall, dass gerade sie mit den »Neuen« in eine Bankreihe geraten war. Wer waren sie? Ihr Haar war so rot wie Feuermelder. Fast schien es ihr, als wollten sie mit dieser schimmernden Pracht in Konkurrenz mit ihr selbst treten.

Ein Lächeln zuckte um Sarahs Lippen, als sie daran dachte, dass sie nun die längste Zeit »rothaarige Dorfschönheit« gewesen war.

Als sich der Chor auf der Empore zu einer neuen Strophe rüstete, nahm die Gemeinde wieder Platz.

Noch während sich Sarah niederließ, spürte sie den Widerstand unter sich. Luft entwich mit einem vernehmlichen Zischlaut – sie hatte sich auf ihren Hut gesetzt. Verlegen zog sie ihn unter sich hervor und versuchte, ihre irritierten Banknachbarn zu ignorieren.

»Pfui, schäm dich«, sagte das mittelgroße Mädchen zu ihrer älteren Schwester und unterdrückte ein Lachen.

»Das war ich nicht, Sonja«, beteuerte die Große, die ganz am Ende der Bankreihe saß, entrüstet. »Das war die komische Dame da hinten«, setzte sie hinzu, was Sonja dazu brachte, vor Vergnügen zu hüpfen. Sie benötigte die zweite Hand, um sich vor Lachen Mund und Nase zuzuhalten.

Eine strafende Männerhand fuhr in die Zöpfe und zauste sie.

»Ruhe jetzt!«

Anna beugte sich vor und lugte an ihrem Vater vorbei, um Sonja in das hochrote Gesicht sehen zu können. Dann zupfte sie an einer Lederfranse von Sarahs Weste.

»Warum muss sie denn so lachen?«, fragte sie flüsternd.

Sarah, die komische Dame, zuckte mit den Schultern und legte einen Finger auf die Lippen.

Enttäuscht und nach wie vor neugierig, beugte sich Anna wieder zurück und versuchte, hinter dem Rücken ihres Vaters zu der großen Schwester vorzuschielen.

»Bianca«, wisperte sie. »Pst, Bianca!«

Die rächende Hand ihres Vaters ergriff auch sie.

»Ich will jetzt keinen Mucks mehr hören, Anna! Verstanden?«, flüsterte er und sah dabei, über den Kopf seiner Tochter hinweg, Sarah streng in die Augen, um keinen Zweifel daran zu lassen, dass sein Befehl gleichermaßen auch ihr galt.

Die junge Frau wäre am liebsten im Erdboden versunken und bereute es inzwischen längst, dass sie zur Kirche gegangen war. Sie hätte sich daheim in den Garten setzen und auf ihre Familie warten sollen.

Zusammen mit diesem rotbärtigen Rübezahl und seinen drei Töchtern bildete sie eine Einheit, auf die sie gerne verzichtet hätte. Wie die Aussätzigen hatten sie sich, die Rothaarigen, in dieser letzten Bankreihe eingefunden. Das vermittelte den Eindruck, als würden sie zusammengehören. Etwas, was der jungen Frau aufs Höchste widerstrebte.

Sarah erinnerte sich an ihre Kinder- und Jugendzeit. Sie war in eine Familie von Blondschöpfen hineingeboren worden, und, als würde man es von ihr erwarten, hatte sich auch stets redlich Mühe gegeben, anders zu sein als die anderen.

Jeder Streich und jeden Unfug, der in ihrer Gemeinde stattgefunden hatte, war ihr in die Schuhe geschoben worden, und oftmals nicht zu unrecht. Im Kindergarten und in der Schule war sie die Anführerin gewesen, die die wildesten Kinder um sich versammelt hatte, und im dörflichen Umfeld war die »Rote Sarah«, wie man sie nannte, in aller Munde und bekannt wie ein bunter Hund.

Erst später, als sie nach Abschluss der Mittleren Reife eine Sekretärinnenschule besucht hatte, begann sich ihr ungestümes Verhalten zu legen.

Sarah lächelte vor sich hin. Nicht nur ihr Chef, sondern auch viele ihrer neuen Bekannten würden über den Ruf staunen, den sie in ihrem Heimatort innehatte. Doch mit der vertrauten Umgebung spürte sie einen Hauch der alten Ungezwungenheit zurückkehren, ein Gefühl, als würde es all die Jahre, die seitdem vergangen waren, nicht geben.

Und dennoch war sie nicht mehr die alte Sarah, der Wildfang mit den feuerroten Rattenschwänzen, die »Pippi Langstrumpf« mit den zerrissenen Hosen und aufgeschlagenen Knien, die dürre, staksige Göre. Es gab auch weniger schöne Erlebnisse in ihrer Jugend, die in ihrem Gedächtnis hafteten. Aber nur eines hatte ihr dabei geholfen, sich nicht genau zu den unbrauchbaren Menschen zu entwickeln, dessen Nutzlosigkeit ihr immer wieder prophezeit worden war: eine Familie, die zu ihr hielt.

***

Nach dem Gottesdienst schob der Rotbart seine Kinder so schnell hinaus, als sei Sarah plötzlich von einer ansteckenden Krankheit befallen worden, vor der er die Mädchen in Sicherheit bringen musste. Die kleine Anna fand gerade noch Zeit, ihr einmal zuzuwinken.