Silvia-Gold 208 - Karen Sanders - E-Book

Silvia-Gold 208 E-Book

Karen Sanders

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Beschreibung

Leon zieht sie an wie ein Magnet. Ihr Körper glüht unter seinen Küssen. Sie will mehr von ihm - einfach alles! Und dann klingelt sein Telefon, und Melanie hat Zeit nachzudenken. Was tut sie hier eigentlich? Sie ist doch nicht so eine, die sich von einem Fremden im Hinterzimmer einer Bar vernaschen lässt! Nein, sie ist alles andere als eine Frau für ein schnelles Abenteuer, sondern das vernünftige, schüchterne Mädchen vom Land, das versucht, in der Stadt Fuß zu fassen, und irgendwann heiraten und Kinder bekommen will. Als ihr das klar wird, flüchtet sie vor Leon - und vor ihren eigenen Gefühlen.
Aber von nun an denkt sie ständig an diesen attraktiven und selbstbewussten Mann aus der Bar, der sie so aus dem Konzept gebracht hat. Nur einmal im Leben bekommt man so eine Gelegenheit - und Melanie hat versäumt, sie beim Schopf zu packen! Bis sie Leon in einer unangenehmen Situation wieder trifft ...

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Seitenzahl: 132

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Cover

Einmal im Leben ...

Vorschau

Impressum

Einmal im Leben ...

Wenn man nichts mehr zu verlieren hat, bleibt nur die Flucht nach vorne

Von Karen Sanders

Leon zieht sie an wie ein Magnet. Ihr Körper glüht unter seinen Küssen. Sie will mehr von ihm – einfach alles! Und dann klingelt sein Telefon, und Melanie hat Zeit nachzudenken. Was tut sie hier eigentlich? Sie ist doch nicht so eine, die sich von einem Fremden im Hinterzimmer einer Bar vernaschen lässt! Nein, sie ist alles andere als eine Frau für ein schnelles Abenteuer, sondern das vernünftige, schüchterne Mädchen vom Land, das versucht, in der Stadt Fuß zu fassen, und irgendwann heiraten und Kinder bekommen will. Als ihr das klar wird, flüchtet sie vor Leon – und vor ihren eigenen Gefühlen.

Aber von nun an denkt sie ständig an diesen attraktiven und selbstbewussten Mann aus der Bar, der sie so aus dem Konzept gebracht hat. Nur einmal im Leben bekommt man so eine Gelegenheit – und Melanie hat versäumt, sie beim Schopf zu packen! Bis sie Leon in einer unangenehmen Situation wieder trifft ...

Melanie zog das Reinigungstuch durch die Querflöte und verpackte sie anschließend im Instrumentenkoffer. Die Musikprobe war zu Ende. Die Klänge des neuen Stückes, welches Herr Lorenz, ihr Dirigent, mit ihnen eingeübt hatte, hallte noch in ihren Ohren nach. Doch es erzeugte, anders als sonst, kein beschwingtes Wohlgefühl in ihr. Ihre trübe Stimmung konnte nichts verscheuchen.

»Du machst ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter«, bemerkte ihre Freundin.

Linda spielte Klarinette im Amateur-Orchester an der Musikakademie, wo sie sich auch kennengelernt hatten. Melanie war damals gerade aus der ländlichen Gemeinde, in der sie aufgewachsen war, in die Kleinstadt gezogen.

Sie verzog schmerzlich einen Mundwinkel zu einem schiefen Lächeln.

»Drei Tage nur?«, konterte sie in dem missglückten Versuch, einen Scherz zu machen. »Seit Wochen hängt diese Wolkendecke über uns, die keinen Sonnenstrahl durchlässt.«

Linda seufzte. »Das miese Wetter ist bestimmt nicht der Grund für deine schlechte Laune. Wie können wir dich denn wieder aufmuntern? Wie wäre es mit einem Abstecher in die Attacca-Bar nebenan? Lass uns was trinken. Und dabei kannst du mir dein Herz ausschütten.«

Melanie nickte. Warum eigentlich nicht? Es war Freitagabend, und sie hatte nichts Besseres vor. Die Instrumente verstauten sie in ihren Schließfächern.

Die Attacca-Bar lag gleich um die Ecke und war nicht nur ein beliebter Treffpunkt für Musiker, sondern ein Geheimtipp für alle, die in einer gepflegten Lokalität Leute treffen oder sich lediglich einen kurzen Drink genehmigen wollten.

Linda war wohl öfter dort, denn der Barmann hinter dem Tresen begrüßte sie mit ihrem Namen und einem breiten Grinsen.

»Was darf's denn heute sein, Mädels? Einen Sex on the Beach?«, fragte er mit einem Augenzwinkern. »Oder fangen wir erst mal mit einem Pils an?«

»Sex on the Beach klingt prima!«, antwortete Linda mit einem gekonnten Augenaufschlag. »Und für meine Freundin natürlich das Gleiche.«

Melanie wollte protestieren. Sie war durstig und hätte sich lieber eine Cola bestellt, aber da hatte sich der Barmann bereits umgedreht und griff nach dem Wodka in dem verspiegelten Flaschenregal hinter sich.

Melanie war schon ein- oder zweimal hier gewesen, aber so voll wie heute war das Attacca noch nie. Die kleinen Tische im Gastraum waren alle besetzt. Lachen und Stimmengemurmel vermischten sich zu einem erhöhten Geräuschpegel.

Melanie kletterte neben Linda auf den Barhocker und zog ihren Rock, der dabei über ihre Schenkel zu rutschen drohte, tiefer. Gewöhnlich gab sie praktischen Jeanshosen den Vorzug, doch nach ihrem Vorstellungsgespräch bei einem hiesigen Autohändler, war keine Zeit mehr zum Umkleiden gewesen.

»Bist du noch immer auf Jobsuche?«, erkundigte sich Linda bei ihr. »Keinen Erfolg gehabt?« Sie steckten die Köpfe zusammen, um sich besser unterhalten zu können. »Scheinbar werden doch überall Leute auf dem Arbeitsmarkt gesucht, sofern man den Medien Glauben schenken darf.«

»Schön wäre es«, antwortete Melanie zerknirscht. »Offensichtlich gilt das nur für qualifiziertes Fachpersonal. Einfache Angestellte fürs Büromanagement gibt's wie Sand am Meer und sind im Moment scheinbar nicht sehr gefragt. Zumindest nicht im näheren Umkreis.«

Auch bei dem Autohändler rechnete sie sich keine Chancen aus. Der suchte zwar eine Angestellte fürs Büro, bevorzugte aber Bewerber, die sich gleichzeitig in der Branche auskannten. Damit konnte Melanie nicht dienen.

Da hatte ihr auch der enge Bleistiftrock nichts eingebracht, mit dem sie ein respektables Erscheinungsbild erzielen wollte. Der wohlbeleibte Firmenchef mit dem Schnauzbart hatte lediglich ihre langen, seidenbestrumpften Beine in den eleganten Pumps mit begehrlichen Blicken gestreift, im nächsten Atemzug jedoch ihre Eignung für den Job infrage gestellt.

Melanie hatte bei einer Firma für Heimtextilien gearbeitet. Doch die schlechte wirtschaftliche Lage ließ diese kriseln und hatte schließlich zum Konkurs geführt. In kürzester Zeit war das Verfahren abgewickelt worden, und genau vor einer Woche war ihr letzter Tag dort gewesen.

Die Bewerbungsschreiben, die sie gleich nach der Kündigung verschickt hatte, waren zumeist abgelehnt worden. Nur zu zwei Vorstellungsgesprächen war sie eingeladen worden. Doch dabei hatte sie sich so ungeschickt angestellt und vor Nervosität kaum den Mund aufbekommen, dass sie sich keinen großen Hoffnungen hingab.

Der Barmann stellte die bauchigen Longdrink-Gläser vor ihnen ab, und Melanie schlürfte durstig die alkoholisierte Flüssigkeit aus dem Strohhalm, während sich Linda die Cocktailkirsche herausfischte und geziert daran knabberte.

»Alles geht schief«, jammerte Melanie und starrte trübsinnig in ihr buntes Glas. »Was mache ich nur falsch? Wenn es so weitergeht, muss ich zurück zu meiner Familie.«

»In den Bio-Bauernhof?«, fragte Linda erschrocken und verschluckte sich fast an dem Stück Ananas, das sie sich in den Mund geschoben hatte. »Kühe hüten und Ställe ausmisten?«

Melanie schüttelte den Kopf. »Du hast ja keine Ahnung! Da geht heute vieles vollautomatisch! Aber trotzdem, die Landwirtschaft ist nichts für mich. Ich war so froh, dass ich nach der Berufsfachschule den Job hier bekommen habe.«

Melanie war nicht wie ihre ältere Schwester. Im Gegensatz zu ihr hatte sie das Landleben satt gehabt und den Schritt gewagt, sich eine eigene kleine Wohnung in der Stadt zu nehmen. Sie wollte endlich auf eigenen Füßen stehen, selbstständig sein. Die erste Zeit hatte sie genossen. Und Kevin kennengelernt. Damals hing der Himmel noch voller Geigen. Doch das war schnell vorbei. Freund weg! Job weg! Und sie fragte sich, wie lange sie sich ohne geregeltes Einkommen noch über Wasser würde halten können.

»Ich mache alles falsch«, jammerte Melanie niedergeschlagen. »Was ist bloß los mit mir?«

Linda rieb ihr tröstend über den Arm. »Du findest schon etwas Neues. Du brauchst nur ein bisschen Glück.« Dann veränderte sich ihre Miene. »Oder trauerst du am Ende noch diesem Kevin nach? Diesem Armleuchter?«

Melanie senkte beschämt den Blick. Kevin war ein unrühmliches Kapitel, dem sie gerne auswich. Rasch griff sie nach ihrem Cocktailglas und nahm einen tiefen Schluck.

»Ich habe sowieso nie verstanden, was du an dem gefunden hast«, sprach Linda leichtfertig weiter. »Den hätte ich schon längst abserviert.«

»So war das doch gar nicht. Nicht ich habe mich getrennt. Er hat mit mir Schluss gemacht«, gab Melanie kleinlaut zu. Der ungewohnte Alkohol machte sie redselig.

»Weil er ein Idiot ist! Sage ich doch!« Linda verdrehte die Augen. »Aber warum eigentlich? Hat er eine andere?«

»Schon möglich! Ich war ihm zu langweilig!«

»Was?« Linda runzelte ihre Stirn. »Hat er das gesagt?«

»Nicht direkt«, druckste Melanie herum. Mit ihren Fingerspitzen malte sie unsichtbare Kreise auf die glatte blankpolierte Oberfläche. »Er war mir einfach zu schnell.«

»Zu schnell?«, wiederholte Linda konsterniert. »Was soll das heißen? Hat er dir etwa einen Heiratsantrag gemacht?«

Melanie schnaubte. »Im Gegenteil! Ins Bett wollte er mit mir. Und als ich dazu noch nicht bereit war, hat er gemeine Worte zu mir gesagt und mich regelrecht beschimpft.«

Mit Schaudern erinnerte sich Melanie an diesen Abend. Richtig wohl hatte sie sich mit Kevin nie gefühlt, aber einen Freund zu haben schien einfach zu ihrem neuen Leben dazugehören zu müssen. Seine Küsse und die feuchten Hände, mit denen er unter ihren Pullover wanderte, waren ihr unangenehm. Und diesmal wollte er sich nicht an der Haustür verabschieden und abspeisen lassen. Da hatte sie ihn von sich gestoßen – und Kevin war wütend geworden.

»Oha!«, machte Linda. »Ihr habt also nicht zusammen ... Ich meine ...« Sie brach ab und ließ die Worte im Raum stehen.

»Zweite Runde?«, fragte der Barkeeper, als er bei ihnen vorbeikam und die leeren Gläser bemerkte.

Linda nickte ihm zu, bevor sie sich wieder an Melanie wandte: »Warum wolltest du nicht?«, flüsterte sie ihr ins Ohr. »War er zu grob?«

Melanie zuckte mit den Schultern.

»Konnte er nicht gut küssen?«, insistierte Linda weiter.

»Überhaupt nicht gut!«, platzte Melanie wütend heraus. »Er war einfach nicht der Richtige! Und es ist mir egal, dass ich vierundzwanzig bin und keinerlei Erfahrung habe. Ich bin trotzdem froh, dass ich Kevin los bin.«

Linda seufzte tief. »Du bist ein Landei, Melanie«, sagte sie kopfschüttelnd und bedachte sie mit einem langen, nachdenklichen Blick. »Du solltest das Leben ein bisschen leichter nehmen. Kevin ist ein Waschlappen! Aber auch andere Väter haben hübsche Söhne.«

Sie griff nach dem neuen Cocktailglas und prostete ihr zu.

»Ich bin ein hoffnungsloser Fall«, meinte Melanie deprimiert.

Sie nippte an ihrem Getränk. Es schmeckte eigentlich ganz köstlich. Und dass ihr der Alkohol langsam zu Kopf stieg, bemerkte sie kaum. Und wenn, dann wäre ihr das auch egal gewesen.

»Was du brauchst, ist ein ganzer Kerl! Und ein bisschen Mut!«

Ach ja! Wenn das so einfach wäre! Als ob man Mut in Flaschen kaufen oder am Grund ihres Cocktailglases finden könnte! Melanie nahm gleich noch einen weiteren Schluck.

Linda schielte über ihr Glas hinweg und betrachtete zwei Männer, die gerade die Bar betraten.

»Ein Mann wie einer von denen da«, führte sie ihr Gespräch fort. »Ja! Die sind von einem ganz anderen Kaliber!«

»Wer?«, hakte Melanie gelangweilt nach und guckte in die Richtung, die ihre Freundin andeutete.

Sie sah zwei hochgewachsene Typen im Business-Outfit. Ihr Blick blieb gleich an dem Dunkelhaarigen hängen. Das Jackett trug er leger über eine breite Schulter geworfen, die Ärmel seines weißen Oberhemdes hochgekrempelt, dazu schwarze Jeans, soweit sie das in der gedämpften Beleuchtung der Bar erkennen konnte. Er hatte eine Arroganz und Überlegenheit in seinem Blick.

Sein Freund mit dem dunkelblonden Haar und dem Dreitagebart wirkte umgänglicher. Ein verschmitztes Grinsen zuckte um seinen Mund und den dunkelbraunen Augen. Er schien einen Witz gemacht zu haben, denn sein Begleiter wirkte amüsiert und knuffte ihn mit einer Faust spielerisch in den Oberarm.

»Pass auf!«, zischte ihr Linda zu, richtete sich auf, schob die Brust raus und die Schultern zurück.

Die schlanken Beine in den hautengen Skinny-Jeans schlug sie aufreizend übereinander. Sie spielte mit ihrem Haar, ergriff eine platinblonde Strähne und wickelte sie um ihren Finger. Mit leicht schräggelegtem Kopf blinzelte sie die beiden Neuankömmlinge an und machte einen leichten Schmollmund.

Es funktionierte. Der dunkelblonde Typ bemerkte zuerst, dass er von ihr angestarrt wurde. Seine Augenbrauen hoben sich, halb fragend, halb bewundernd.

»Lass das doch!«, flüsterte Melanie ihrer Freundin aufgeregt zu.

Ihr Verhalten war eindeutig darauf angelegt, die beiden Männer zu sich zu locken. Und ihr Plan ging auf. Bevor Melanie auch nur ein weiteres Wort sagen oder sich unangenehm berührt vom Fleck bewegen konnte, hatte der Blonde seinen Freund auf die Frauen aufmerksam gemacht, und beide schlenderten auf sie zu.

»Ist hier noch frei, schöne Dame?«, erkundigte er sich bei Linda.

Sein Lächeln war provokant, und in seinen Augen funkelte der Schelm.

Linda kicherte. »Ich habe den Platz extra für dich reserviert«, säuselte sie.

Der Dunkelhaarige setzte sich neben Melanie auf den einzigen Barhocker, der noch frei war.

Lässig stützte er sich auf eine Armbeuge. »Hallo! Ich bin Leon! Verrätst du mir auch deinen Namen?«

Verwirrt und nervös guckte Melanie erst ihn und dann ihre Freundin Linda an. Doch die schenkte ihre ganze Aufmerksamkeit ihrem direkten Nachbarn. Melanie schluckte. Ihre Hände wussten plötzlich nicht mehr, wohin. Also ergriff sie ihr Cocktailglas und drehte es spielerisch hin und her.

»Mel – Melanie«, brachte sie stockend hervor. Sie hatte den Atem angehalten und schnappte nun nach Luft.

»Melanie.« Er wiederholte es langsam, ließ jede Silbe träge über seine Lippen perlen, als müsse er den Klang auskosten. »Das ist schön«, sagte er. »So schön wie du!«

Sein Blick wanderte anerkennend über ihre Gestalt und verharrte besonders lange auf ihren schlanken Beinen, die Melanie unbewusst seitlich zusammengelegt und an den Fesseln überkreuzt hatte.

Ihre Bluse war dünn. Trotzdem wurde es Melanie seltsam warm. Sie spürte, wie sich ihre Wangen röteten und wich verlegen seinem eindringlichen Blick aus.

Puh! Augen hatte dieser Leon. Eisgrau und glitzernd. So wie er sie ansah, fühlte sie sich beinahe nackt, und endlich verstand Melanie, was andere Frauen meinten, wenn sie sich von Blicken ausgezogen fühlten.

Melanie rutschte unruhig auf ihrem Barhocker herum. Leon flirtete mit ihr. Und seinen eindeutigen Avancen war sie nicht gewachsen. Das war ein Spiel, dessen Regeln sie nicht kannte.

Sie wagte es ja kaum, ihm ins Gesicht zu sehen. Markante Züge, eine energische Kinnpartie, die scharf geschnittene Nase und der durchdringende Blick – dieser Mann wusste, was er wollte. Im Gegensatz zu Melanie, die am liebsten vom Barhocker gehopst und weggelaufen wäre.

Aber nein! Sie würde sich und Linda nicht blamieren. Ein bisschen Mut! Melanie nippte an ihrem Getränk. Reiß dich zusammen!, befahl sie sich selbst, wandte sich dem Fremden mit einem zittrigen Lächeln zu und leckte sich, unbewusst und keinesfalls auf die Wirkung bedacht, die dies zwangsläufig erwecken musste, über die Unterlippe, an der noch etwas von der süßen, alkoholischen Flüssigkeit haftete.

Sein Blick sprang prompt zu ihren Lippen und blieb daran kleben. Melanie war gefesselt von diesen Augen, die sich plötzlich zu verdunkeln schienen. Sie bemerkte zunächst nicht, wie er eine Hand hob. Doch plötzlich lag sein Daumen auf ihrer Unterlippe, berührte sie sachte, strich vorsichtig darüber.

Melanie zuckte zurück. Ihr Herz machte einen Purzelbaum, und mit einem Mal fiel es ihr schwer, zu atmen.

Da hob Leon den Daumen an seinen eigenen Mund. »So süß ...«, murmelte er leise.

Seine Stimme klang tief und grummelte in Melanies Magen. Die Welt um sie herum verschwamm. Nur noch der Mann an ihrer Seite war präsent. Alles andere verblasste.

»Darf ich?« Er deutete auf ihr beinahe leeres Cocktailglas und winkte mit einer kurzen Bewegung den Barkeeper heran. »Ein neuer Drink für die Dame«, bestellte er. »Für mich einen Gin Tonic!«

Die Getränke kamen schnell. Und als er sich vorlehnte, um ihr zuzuprosten, berührte sein Knie ihren Oberschenkel.

Ein Prickeln fuhr durch ihren Körper. Ihre Blutbahnen hatten sich in elektrische Leitungen verwandelt, durch die Starkstrom pulsierte.

Auf einmal war er ihr sehr nahe. Seine Augen schauten tief in ihre. Melanie konnte sich nicht davon lösen. Sie wusste nicht, was mit ihr geschah. War es der Alkohol, von dem sie mehr genossen hatte, als sie es gewohnt war? In ihrem Kopf schwirrte es, als summten tausend Bienen darin herum. Gleichzeitig fühlte sie sich träge und schwach.

Warme Finger lösten die Berührung seines Knies ab. Sie strichen sanft über ihr Bein, verhielten am Saum ihres Rockes und wanderten wieder nach unten.

»Wer bist du, Schönheit? Und wo hast du dich bisher versteckt?«

Schönheit? Ja! In diesem Augenblick fühlte sich Melanie schön. Er gab ihr dieses Gefühl, als gäbe es keine andere Person in diesem Raum. Er hielt sie mit seinen intensiven Blicken gefangen. Sie fühlte sich dadurch bewundert und begehrt.

Sie biss sich auf die Lippe. Und Leon stöhnte.

♥♥♥

Linda riss sie aus ihrer Trance.

»Wir gehen in einen Tanz-Club«, rief sie ihr zu. »Du kommst zurecht, oder?«

Kurz huschte ihr Blick zu Leon hinüber. Sie grinste frech und nickte Melanie zu. Dann war sie verschwunden. Zusammen mit ihrer neuen Eroberung, ein Fremder, von dem Melanie nicht einmal den Namen kannte.

»Frank ist ein alter Kamerad von mir«, klärte Leon sie ungefragt auf. »Keine Angst! Er wird sich gut um deine Freundin kümmern.«

Was er darunter verstand, wollte Melanie lieber nicht so genau ergründen. Die kurze Unterbrechung hatte sie jedoch aus der Lethargie gerissen, und plötzlich war sie sich wieder ihrer Umgebung, der vielen Menschen und des lauten Stimmengewirrs bewusst.