Silvia-Gold 180 - Karen Sanders - E-Book

Silvia-Gold 180 E-Book

Karen Sanders

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Beschreibung

Es ist empfindlich kalt in dieser Nacht. Sein Atem bildet Nebelwolken, als Patrick die Autotür zustößt und auf das Haus zueilt, das er erst vor wenigen Wochen gekauft hat. Plötzlich stutzt er, denn ein schwacher Lichtschein schimmert durch die heruntergelassenen Jalousien. Seltsam ... immerhin wohnt er ganz allein hier.
Vorsichtig öffnet er die Haustür. "Hallo?!" Oben und im Erdgeschoss ist alles dunkel, doch der Pool im Anbau ist hell erleuchtet.
Im ersten Moment wallt empörter Zorn in ihm auf. Wer ist so dreist, nachts in sein Haus einzudringen, um dort zu schwimmen? Auf der Stelle will er den unberechtigten Besucher in die kalte Winternacht hinausjagen. Doch als er einen zweiten Blick auf die Silhouette wirft, die unter dem Wasser dahingleitet wie ein silberschimmernder Fisch, vergisst er dieses Ansinnen augenblicklich. Die süße Wassernixe im Pool ist splitternackt ...

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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Cover

Was ich nicht von dir wusste ...

Vorschau

Impressum

Was ich nicht von dir wusste ...

Sie hielt ihn für einen Schuft, dabei war er ihr Retter

Karen Sanders

Jessica stockt der Atem, als sie aus dem Wasser des Schwimmbeckens auftaucht und direkt in ein Paar braune Augen blickt, die sie unnachgiebig mustern. Patrick!

Augenblicklich wird sie von einer Flut von Erinnerungen übermannt. Der fünf Jahre ältere Patrick war ihre erste große Liebe, von ihm hat sie einst ihren ersten Kuss bekommen. Und dann war plötzlich von einem Tag auf den anderen alles vorbei.

Jessica hat sich damals geschworen, nie wieder ein Wort mit ihm zu wechseln. Zu schlimm ist das, was er ihr und ihrer Familie angetan hat.

Doch nun, fast zehn Jahre später, ist Patrick plötzlich wieder in ihrem Leben, und sie spürt, wie er sie mit seinem Charme und seinem attraktiven Äußeren noch immer in seinen Bann zieht. Aber Jessica ist fest entschlossen, sich von ihm fernzuhalten.

Wenn ihr Herz doch bloß nicht so schnell schlagen würde, sobald er sie nur ansieht ...

Im Haus war es still geworden. Alle Handwerker, Elektriker und Bodenleger hatten ihre Arbeit beendet. Nachdem die Möbelpacker die Schlafzimmereinrichtung aufgebaut hatten, kam Jessicas Putztruppe zum Einsatz. Sie hatten heute bereits das Obergeschoss geschafft. Bis zum Ende der Woche sollte alles blitzblank sein.

Das war ein straffer Terminplan, doch ihnen winkte ein Bonus, wenn sie fristgerecht fertig wurden. Ein Grund mehr, selbst Hand anzulegen, auch wenn sie als Chefin ihres kleinen Unternehmens meist nur mit den administrativen Aufgaben beschäftigt war.

Aber das hier war kein Auftrag wie jeder andere. Er war etwas Besonderes, in mehrfacher Hinsicht. Jessica kannte dieses Haus. Als Kind hatte sie hier gelebt. Es war ihr Elternhaus gewesen.

Als sie ein letztes Mal die Räumlichkeiten im oberen Stockwerk inspizierte, überfluteten sie die damit verknüpften Emotionen. Die Wände waren frisch gestrichen. Dort zartes Vanillegelb, da ein Lichtgrau und dezente Blautöne in dem Kinderzimmer. Jenes Zimmer, welches ihr früher einmal selbst gehört hatte. Doch nichts erinnerte mehr daran.

Nur Jessicas inneres Auge vermochte es noch, sich die alte Einrichtung zurückzurufen. Die weißen Möbel, die bunten Vorhänge, Poster von Pop-Stars an der Wand über ihrem Bett.

Das war lange her. Inzwischen hatte hier eine andere Familie gelebt, war weggezogen und hatte die Villa wieder verkauft. An die Immobilienfirma JP Westhagen GmbH, die sich das Gebäude schon einmal angeeignet hatte. Damals ...

Der frisch geschliffene und polierte Parkettboden glänzte im Licht der modernen LED-Lampe, und in den blankgeputzten Fensterscheiben, hinter denen die Schwärze des Winterabends lag, spiegelte sich schemenhaft Jessicas Gestalt. Eine schlanke, mittelgroße Frau in einfachen Jeans und Pullover, das dunkelbraune Haar aus dem schmalen Gesicht zurückgebunden.

Der leichte Zitrusduft des Putzmittels vermischte sich mit dem Geruch der Politur. Es roch sauber, und das war es auch. Sauberkeit war ihr Geschäft. Für Gründlichkeit war ihr kleines Unternehmen bekannt. Die Reinigungsfirma Flink & Sauber.

Ihr eigener Name tauchte nicht vordergründig in der Firmenbezeichnung auf. Jessica Anke Hoffmann, ein gebräuchlicher Name, den niemand zwangsläufig mit dem Skandal vor beinahe zehn Jahren in Verbindung brachte, außer vielleicht ihr Auftraggeber selbst: Patrick Westhagen.

In die Fußstapfen seines erfolgreichen Vaters tretend, hatte er aber offensichtlich Besseres zu tun, als sich um einen kleinen Putztrupp zu kümmern, den seine Firma engagiert hatte. Sonst hätte er ihr diesen Auftrag niemals zugesprochen. Das glaubte Jessica ganz sicher.

Sie löschte das Licht und ging die Stufen nach unten. Der letzte Arbeiter hatte inzwischen das Gebäude verlassen. Jessica war allein. Nur der Hauch der Vergangenheit schwebte durch die Räume, die jetzt frisch renoviert waren. Eine Wand war entfernt worden und eine ultramoderne Wohnküche neu entstanden.

Jessica zog die Ärmel ihres flauschigen Pullovers über ihre Handgelenke. Es fröstelte sie, denn die Heizungsbauer hatten nach dem Testlauf die Temperatur auf ein Minimum gedrosselt.

An der Garderobe hing ihr alter, dicker Wollmantel. Sie war schon im Begriff, sich den Hausschlüssel aus der tiefen Tasche zu fischen, als ein innerer Zwang sie noch einmal innehalten ließ. Sie atmete tief durch. In diesem Haus war sie einmal glücklich gewesen. Aber das Lachen war verhallt.

Die Erinnerung war bittersüß und erzeugte einen krampfhaften Kloß in ihrem Bauch, der sie vor Schmerz beinahe aufstöhnen ließ.

Vielleicht hätte sie doch nicht kommen sollen. Aber einen so großen und noch dazu lukrativen Auftrag bekam sie selten. Da hätte sie, selbst wenn sie nicht eigenhändig mitgearbeitet hätte, am Ende doch wenigstens die Schlussinspektion durchführen müssen. Das war sie ihrem kleinen, im Wachsen begriffenen Unternehmen schuldig.

Die Tür ins Untergeschoss war nur angelehnt. Anstatt sie zu schließen, zog Jessica sie ganz auf. Unten war der Heizungskeller. Im ehemaligen Fitnessraum hatte ihre Mutter trainiert, um sich ihre schlanke Taille zu bewahren. Ihr Vater hatte lieber in der Kellerbar gesessen, die dem Indoor-Pool angeschlossen war.

Vor wenigen Stunden hatten die Schwimmbeckenbauer ihre Arbeiten abgeschlossen und den Pool grundsaniert und einsatzbereit hinterlassen.

Hier war es warm. Die angenehme Umgebungstemperatur entspannte Jessicas verkrampfte Muskeln. Ansonsten hatte sich hier unten wenig verändert. Selbst die Bar aus dunklem Holz mit ihren samtbezogenen Hockern am Tresen war noch so, wie sie es in Erinnerung hatte. Die Glaswand gab den Blick auf den angrenzenden Pool frei, der jetzt im Dunkeln lag.

Jessica betätigte einen der Lichtschalter, und die indirekte Beleuchtung erhellte gedämpft den Raum. Glatt und unbewegt schimmerte die Wasseroberfläche in dem türkisfarbenen Schwimmbecken.

Wie von selbst zogen ihre Füße sie an den Beckenrand, magnetisch angezogen von der Flut an Erinnerungen, die sie an diesem Ort überströmten.

Wie gerne hatte sie sich früher hier aufgehalten! Eine kleine Wasserratte war sie als Kind gewesen, hatte mit den Freundinnen, die immer gerne gekommen waren, hier gespielt, geplantscht und getobt. Und als Heranwachsende – ja, da hatte sie hier ihren ersten Kuss bekommen.

Für einen Moment schloss Jessica die Augen und spürte dem Gefühl nach, welches sie als Teenager empfunden hatte. Sie war allein mit ihrer Freundin Isabell hier gewesen, während ihre Eltern oben eine kleine Party gefeiert hatten. Ihre Gespräche und ihr Lachen waren nicht bis nach unten gedrungen.

Isabell war in dem kleinen Umkleideraum verschwunden, während sie selbst auf den warmen Fliesen am Beckenrand ausgestreckt gelegen hatte. Ein wenig atemlos, denn sie war viele Bahnen geschwommen.

Das Wasser hatte leise gegluckst. Den Schatten, der plötzlich über sie gefallen war, hatte sie nicht bemerkt. Sie hatte tief Luft geholt, genau in dem Moment, als sich ein Paar Lippen über ihre gelegt und ihren Mund verschlossen hatten. Erschrocken hatte sie die Augen aufgerissen und in den Kuss hineingekeucht, als Fingerspitzen vorsichtig eine nasse Haarsträhne hinter ihr Ohr gestrichen hatten.

Die Berührung war beruhigend und aufregend zugleich gewesen. Sanft hatte sich eine Hand seitlich um ihren Hinterkopf und ihre Wange gelegt. Und der Kuss, so behutsam und zärtlich, war intensiver geworden. Er hatte die Frau in ihr geweckt und sie zum ersten Mal in ihrem Leben die Glut der Leidenschaft verspüren lassen.

Doch viel zu schnell hatten die räuberischen Lippen sie wieder freigegeben, und ein Augenpaar hatte prüfend auf sie hinabgeschaut. Braune Augen, in denen kleine, honigfarbene Fünkchen stoben.

Doch der gutmütige Spott und die schelmische Neckerei, mit denen sie ihr sonst immer begegnet waren, waren daraus verschwunden gewesen. Und der Mann, welcher er mit den fünf Jahren, die er ihr voraus hatte, bereits gewesen war, der heimliche Schwarm ihrer Mädchenträume und der ältere Bruder ihrer Freundin Isabell, hatte ihr gezeigt, dass sie kein Kind mehr war.

Als Isabell aus der Umkleide gekommen war, war er ein Stück von Jessica abgerückt.

»Wenn ihr noch etwas von den Partyhäppchen haben wollt, solltet ihr langsam nach oben kommen«, hatte er frohgelaunt gesagt. »Das Büfett ist schon ziemlich leergeräumt.« Augenzwinkernd hatte er sich erhoben und war zu der Abendgesellschaft zurückgekehrt.

Isabell und sie selbst waren ihm wenig später gefolgt. Aber über den Kuss hatten sie nie wieder gesprochen.

Die schöne Erinnerung aus der Vergangenheit war vergiftet. Was schon kurze Zeit danach geschehen war, hatte ihr Leben komplett verändert. Wie ein schwarzer, erdrückender Fluss aus Schleim und Pech hatte es sie überzogen. Und egal, wie sehr sie innerlich gekämpft, gestrampelt und geschrien hatte, nie mehr war es ihr gelungen, sich von dieser Bitternis reinzuwaschen.

Jessica öffnete die Lider und verscheuchte die erdrückenden Gedanken. Sie beugte sich nieder und prüfte mit einer Hand die Wassertemperatur. Es war kühl, aber nicht zu kalt.

Einmal noch in den Pool hineinspringen! Sich noch einmal fühlen wie damals, als sie hier zu Hause gewesen war. Ein Kind, sorglos und unbefangen. Dieses Gefühl zurückzuholen war wohl unmöglich, doch das blauschimmernde Wasser verlockte sie sehr.

Ein Hauch von kindischem Trotz stieg in ihr auf. Das alles hatte einmal ihr gehört. Ihr und ihrer Familie. Niemals hätte geschehen sollen, was sie letztendlich aus dem Haus getrieben hatte. Ein Großteil von ihr haderte noch immer mit diesem Schicksal. Als sei sie zu Unrecht vertrieben worden. Als sei es ihr gutes Recht, in Anspruch zu nehmen, was sie früher einmal besessen hatte.

Etwas in ihr rebellierte, brannte heiß und begehrlich auf.

Schon riss sie sich den Pullover über den Kopf, schleuderte die Schuhe herunter und stieg aus der Jeans. Trotzig schlüpfte sie selbst aus der Unterwäsche und warf sie zu dem Kleiderhaufen am Boden, bevor sie sich mit einem Hechtsprung abstieß, in das kühle Wasser eintauchte, wie ein Fisch hindurchglitt und erst wieder kurz vor dem gegenüberliegenden Ende an die Oberfläche kam.

Sie schnappte nach Luft. – Herrgott, ja! Das fühlte sich gut an! Sie tauchte noch einmal unter, kam prustend empor und schüttelte die langen Haarsträhnen aus dem Gesicht, dass es nur so spritzte. Erst dann wurde es ruhiger in ihr. Mit einem seltsamen Glücksgefühl in der Brust, dem sie einfach nachgab, ohne es zu hinterfragen, zog sie Bahn um Bahn in dem Schwimmbecken.

Das Wasser, frisch eingelassen und aufbereitet, floss wie Seide um ihre nackte Haut.

♥♥♥

Es war empfindlich kalt. Sein Atem bildete Nebelwolken, als er die Autotür zustieß. Kleine Steinchen knirschten unter seinen Schuhsohlen. Es waren nur wenige Schritte bis zum Haus. Der Himmel war wolkenumhangen, und der aufgehende Mond, welcher sich zu einer halben Scheibe rundete, warf ein diffuses Licht auf die umgebende Landschaft.

Die Gartenanlage rechts und links des Weges war in den letzten Jahren sehr vernachlässigt worden. Darum würde man sich später kümmern müssen.

Er erinnerte sich noch gut an die einstmals säuberlichen Rabatten, das Blumenbeet und den gepflegten Rasen. Doch inzwischen war die akkurat geschnittene Buchsbaumhecke verschwunden. Ein krummer Apfelbaum erhob sich als schwarzer Schatten. Seine knorrigen, jetzt blattlosen Äste kämpften ums Überleben.

Ihm war, als schimmere ein schwacher Lichtschein durch die heruntergefahrenen Jalousien. Oder war es der Bewegungsmelder, der bei seinem Näherkommen anschlug?

Die Haustür ließ sich einfach aufziehen. Er steckte seinen Schlüssel wieder weg. Waren doch noch Handwerker im Haus? Sie waren dazu verpflichtet, nach Beendigung der Arbeiten ordnungsgemäß abzuschließen. Das konnte er so nicht durchgehen lassen. Es war gut, dass er sich trotz der späten Stunde noch dazu entschlossen hatte, nach dem Fortschritt zu sehen.

Im Inneren war es nicht viel wärmer als draußen. Die Heizung war auf Nachtabsenkung geschaltet. Das Licht im Eingangsbereich brannte, und an der Garderobe hing einsam ein schwarzer, abgetragener Wollmantel.

»Hallo?«, rief Patrick. Seine Stimme hallte durch die leeren Gänge. Oben und im Erdgeschoss war alles dunkel. Doch als er die Tür nach unten aufzog, empfing ihn sanft schillerndes Licht. Er folgte den Stufen abwärts und stand bald in der Kellerbar, die noch unbestückt und staubig war. Die Reinigungsfirma war wohl noch nicht bis hierher vorgedrungen. Der würde er mal Beine machen!

Und dann vernahm er das leise Plätschern, blickte durch die Glastür hindurch auf den Poolbereich, der nur teilweise beleuchtet war, und entdeckte den Übeltäter.

Im ersten Moment wallte empörter Zorn in ihm auf. Was fiel dieser Person ein, unberechtigterweise das Schwimmbecken zu benutzen? Schon riss er die Tür auf und trat mit wenigen Schritten an den Beckenrand, dort, wo ein Berg Kleidung achtlos hingeworfen war.

Er war versucht, den Kleiderhaufen mit einem Fußtritt ins Wasser zu befördern, um den Eindringling danach in klatschnassen Klamotten vor die Tür und hinaus in die Winternacht zu jagen. Doch als er einen zweiten Blick auf die Silhouette warf, die unter dem Wasser dahinglitt wie ein silberschimmernder Fisch, vergaß er dieses Ansinnen augenblicklich. Die kleine Wassernixe in dem Pool war splitternackt.

Fast wäre ihm der Mund vor Staunen aufgeklappt. Er traute seinen Augen kaum. Und die waren an den Anblick von unbekleideten Frauenkörpern wahrlich gewöhnt. Er war nie ein Kostverächter gewesen, schönen Frauen und ihren Reizen nie abgeneigt. Er wusste es zu schätzen, was ihm die holde Weiblichkeit im reichlichen Maße anbot. – Aber dies ...?

In dem klaren Wasser blieb ihm nichts von ihrer Schönheit verborgen: ein schlanker, geschmeidiger Körper mit wundervollen Proportionen. Das lange, dunkle Haar zog sie hinter sich her wie einen Schleier.

Ein Muskel an seinem Kiefer zuckte. Sein Mundwinkel schnellte anerkennend in die Höhe. Der Tag war mühsam und aufreibend gewesen. Sich jetzt am Abend noch eine süße Wassernixe einzuverleiben, wäre genau das Richtige für ihn.

Er rieb sich das Kinn in der Vorfreude, den kleinen Eindringling zur Rede zu stellen. Dieser Meerjungfrau würde er gehörig auf den Zahn fühlen, sich an ihrer Verlegenheit weiden und ihr Schuldbewusstsein schüren. Vielleicht glaubte sie, ihn auf pikante Weise entschädigen zu können. Zur Wiedergutmachung sozusagen.

Möglicherweise hatte es die kleine Nixe auch genau darauf abgesehen. Sie wäre nicht die erste Frau, die sich ihm so freizügig präsentierte und an den Hals warf.

In diesen Gedanken verstrickt, gefiel ihm die Situation immer besser.

Im schnellen Freistil kraulte sie durch das Wasser und tauchte am Beckenrand auf. Doch dort hatte er sich bereits niedergebeugt. Und noch bevor sie sich erneut abstoßen und eine Kehrtwendung vollführen konnte, fasste er mit beiden Händen zu.

Sie schrie auf, als er ihre Arme umspannte. Ihr Gesicht mit den erschreckten Augen hob sich empor – und er blickte in ein Antlitz, welches ihm den Atem nahm.

Eiskalt und gleich darauf siedend heiß durchströmte es ihn. Der Schock des Wiedererkennens ließ ihn fester zupacken, als es ihm bewusst war.

»Jessica ...« Seine Stimme klang rau und heiser. Die Kehle war ihm eng. »Verdammt ...« Sein Fluch war nur ein undeutliches Keuchen. »Du bist es wirklich!«

Er blickte in ein Paar große, blaugrüne Augen, umkränzt von langen, feuchten Wimpern. Diese Augen hatte er nie vergessen. Ihre ungewöhnliche, leuchtende Farbe hatte ihn immer fasziniert. Jetzt jedoch guckten sie verschreckt und abweisend.

»Patrick«, flüsterte sie. Ihre Lippen zitterten. Sie hatte ihn auch erkannt.

Er brauchte noch ein paar Minuten, um sich zu sammeln.

»Was machst du hier?«, erkundigte er sich bemüht sanft. Er konnte jedoch nicht verhindern, dass es wie ein Knurren klang – wo er sie doch am liebsten laut angeschrien hätte. Er schnaubte durch die Nase. Sein Versuch, sich zu beruhigen, schlug fehl. »Was – machst – du – hier?«, herrschte er sie an.

Sie schluckte. Er entdeckte die Bewegung an ihrem schlanken Hals. Jetzt sah sie ihn beinahe ängstlich an.

»Du tust mir weh«, wisperte sie.

Patrick stöhnte verhalten auf. Er kniff misstrauisch ein Auge zusammen. Nie und nimmer hätte er erwartet, ausgerechnet Jessica Hoffmann hier zu begegnen. Hier! In ihrem ehemaligen Haus, welches ihre Eltern und somit auch sie selbst vor so vielen Jahren in Schimpf und Schande hatten verlassen müssen. Er hatte sie nie vergessen – das Kind, das junge Mädchen von damals. Sie waren Freunde gewesen. Oder so etwas in der Art ...

Erst als die Villa erneut zum Verkauf gestanden und er sie über seine Firma und im Grunde für sich selbst erworben hatte, hatte er wieder häufiger an sie gedacht. Sie schlich sich heimlich in seine Gedanken, erzeugte dort ein unbehagliches Gefühl, ein Ziehen und Brennen und diesen reißenden, unbestimmten Schmerz der Unzufriedenheit.