Silvia-Gold 150 - Karen Sanders - E-Book

Silvia-Gold 150 E-Book

Karen Sanders

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Die Konditorin Liliane Röther trägt seit vielen Jahren ein Geheimnis mit sich herum: Nie hat sie ihrer Tochter Elena verraten, wer deren Vater ist. Ihr einziges Kind hat sie mit aufopferungsvoller Liebe und Fürsorge allein großgezogen, aber dieser brennenden Frage des Mädchens ist sie stets ausgewichen.
Mittlerweile ist Elena vierundzwanzig Jahre alt und hat sich damit abgefunden, dieses Rätsel nie zu lösen. Sie merkt ihrer Mutter an, dass es schmerzhafte Erinnerungen sind, die sie noch immer traurig machen.
Doch als Liliane eine neue Stelle als Leiterin der Burgcafés auf Burg Ebersfeld antritt, verändert sich plötzlich alles. Zwischen ihr und dem Burgherren Rudolf scheint eine ungewöhnliche Spannung zu herrschen. Dessen Sohn Stefan wiederum fasziniert Elena auf den ersten Blick, und auch er kann seine Augen nicht von der schönen jungen Frau lassen.
Auf der romantischen Burganlage bahnen sich Verwicklungen an, die alles in ein neues Licht rücken werden ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 135

Veröffentlichungsjahr: 2021

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Die süßeste Versuchung

Vorschau

Impressum

Die süßeste Versuchung

Roman um das Geheimnis einer begnadeten Konditorin

Von Karen Sanders

Die Konditorin Liliane Röther trägt seit vielen Jahren ein Geheimnis mit sich herum: Nie hat sie ihrer Tochter Elena verraten, wer deren Vater ist. Ihr einziges Kind hat sie mit aufopferungsvoller Liebe und Fürsorge allein großgezogen, aber dieser brennenden Frage des Mädchens ist sie stets ausgewichen.

Mittlerweile ist Elena vierundzwanzig Jahre alt und hat sich damit abgefunden, dieses Rätsel nie zu lösen. Sie merkt ihrer Mutter an, dass es schmerzhafte Erinnerungen sind, die sie noch immer traurig machen.

Doch als Liliane eine neue Stelle als Leiterin der Burgcafés auf Burg Ebersfeld antritt, verändert sich plötzlich alles. Zwischen ihr und dem Burgherren Rudolf scheint eine ungewöhnliche Spannung zu herrschen. Dessen Sohn Stefan wiederum fasziniert Elena auf den ersten Blick, und auch er kann seine Augen nicht von der schönen jungen Frau lassen.

Auf der romantischen Burganlage bahnen sich Verwicklungen an, die alles in ein neues Licht rücken werden ...

Als Elena in die Backstube trat, hatte ihre Mutter Mehl auf der Nase und glänzende Augen.

»Du kommst gerade recht«, verkündete sie. »Ich habe ein neues Rezept ausprobiert. Versuch mal die gefüllten Hörnchen! Ich kann mich nicht entscheiden, ob sie mit Nuss-Nougat-Creme oder Marzipan-Füllung besser schmecken.«

Liliane schnappte sich ein mit Puderzucker bestäubtes Hörnchen vom Blech und hielt es ihrer Tochter entgegen.

Elena ließ sich nicht zweimal bitten. Sie öffnete den Mund und biss herzhaft in das süße Kleingebäck hinein.

»Mhm«, war ihr erster Kommentar, während sie noch kaute. »Sind die köstlich!«, nuschelte sie mit vollem Mund, schluckte hinunter und griff sich das zweite Exemplar vom Backblech. »Sind das die mit der Marzipan-Füllung?« Dieses Hörnchen war von einer glänzenden Zuckerglasur überzogen.

»Genau! Ich habe die Glasur mit einem Spritzer Rum angerührt, statt Zitronensaft zu nehmen. Ich glaube, das passt besser zum Marzipan.«

Elena nahm einen großzügigen Bissen und verdrehte genießerisch die Augen.

»Sie schmecken fantastisch. Ich würde beide Varianten anbieten, falls dir das nicht zu viel Arbeit macht.«

»Ich glaube, du hast recht«, meinte Liliane, die Konditormeisterin, freudestrahlend und knabberte an dem Nusshörnchen mit der Nougatfüllung, von der Elena bereits gekostet hatte. »Dann mache ich an diesem Tag halt eine Sorte Schneckennudeln weniger. Rosinen- und Mohnschnecken reichen völlig.«

Liliane wischte sich über die Nase und verteilte dadurch das Mehl darauf noch großzügiger.

»Komm, setz dich an den Tisch und trink eine Tasse Kaffee, während ich hier aufräume. Für heute bin ich fertig.«

»Draußen im Café ist auch nicht besonders viel los«, entgegnete Elena, die sich mit einem Plumpsen auf den angebotenen Platz in einer Ecke der Backstube fallen ließ. »Puh, bin ich geschafft!«

»War es so anstrengend in der Uni?«, erkundigte sich ihre Mutter.

»Der Mathe-Prof macht mich verrückt«, sagte Elena. »Das Newtonsche Gesetz werde ich nie verstehen. Ich frage mich, wozu ich das überhaupt lernen muss. Als ob ich irgendetwas davon beim Unterricht von Grundschülern benötigen würde.«

Liliane tauschte einen mitfühlenden Blick mit ihr.

»Bald hast du es ja geschafft«, versuchte sie zu trösten und stellte ihrer Tochter eine große Tasse aromatisch duftenden Kaffees auf den Tisch. Danach wusch sie sich die Hände und gesellte sich, zusammen mit einem Teller Nusshörnchen, zu ihr.

Elena griff beherzt zu und nickte.

»Noch zwei Prüfungen, und dann war's das erst mal. Auf das Referendariat an der Max-Eyth-Schule nach den Sommerferien freue ich mich schon.«

Elena war Lehramtsstudentin. Seit sie klein war, war es ihr Wunsch gewesen, Lehrerin zu werden. Sie liebte Kinder und betrachtete diesen Beruf eher wie eine Berufung als lediglich wie eine Arbeit, mit der man Geld verdienen konnte. Und obwohl sie selbst auch eine gute Bäckerin war – kein Wunder bei der Mutter –, war es nie ihr Bestreben gewesen, in die Fußstapfen der Konditormeisterin zu treten.

Aber Liliane ging völlig in ihrem Beruf auf. Nach so vielen Jahren in verschiedenen Backstuben, Konditoreien und Cafés hatte sie noch immer Freude daran, neue Rezept-Varianten zu kreieren. Ihre Kundschaft dankte es ihr.

Elena betrachtete jedes Gebäckstück ihrer Mutter wie ein kleines Kunstwerk. Ein Kunstwerk, das geradezu auf der Zunge zerging.

»Ich glaube, ich muss heute Abend eine Extrarunde um den Häuserblock joggen«, murmelte sie und leckte mit der Zunge den Puderzucker von ihren Lippen ab. »Bloß gut, dass ich deinen guten Stoffwechsel geerbt habe.« Trotz der vielen Naschereien war es ihr gelungen, ihre schlanke Linie zu bewahren.

Liliane seufzte und strich sich mit einer Hand über ihre Hüften.

»Glaub mir, je älter du wirst, desto schneller setzt sich das Hüftgold fest.«

»Du siehst noch immer top aus«, versicherte Elena ihr spontan. »Meine Kommilitonen haben dich für meine ältere Schwester gehalten, als wir ihnen in der Stadt begegnet sind.«

»Na, na«, machte Liliane zweifelnd. »Die wollten mir nur schmeicheln. Immerhin bin ich doppelt so alt wie du.«

»Stimmt.« Elena schüttelte den Kopf und stellte die Kaffeetasse, an der sie eben hatte nippen wollen, zurück. »Wahnsinn, dass du mit vierundzwanzig schon schwanger warst. Wie du es nur geschafft hast, mich allein großzuziehen!« Sie guckte versonnen. »Ich weiß nicht, ob ich das könnte.«

Liliane lächelte. »Ich hatte Hilfe. Deine Großeltern standen mir immer zur Seite.«

»Ja, Oma und Opa sind toll«, bestätigte Elena. Sie hatte in ihrer Kindheit nichts vermisst. Außer, dass sie gerne gewusst hätte, wer ihr Vater war. Aber das war ein schmerzliches Thema für ihre Mutter.

Sie hatte den Mann sehr geliebt, den sie in jungen Jahren auf einem Gastronomie-Lehrgang kennengelernt hatte. Doch sie waren auseinandergegangen, ein jeder zurück in sein eigenes Leben. Liliane hatte ihn ziehen lassen – und erst später erkannt, dass sie ein Kind von ihm erwartete: Elena.

»Iss noch ein Hörnchen«, forderte sie ihre Tochter auf.

»Ich kann nicht mehr«, stöhnte Elena. »Ich bin pappsatt! – Aber wo ist eigentlich Annemarie, deine Chefin? Ist sie vorne im Café?«

Liliane schüttelte den Kopf. Ihre dunkelbraunen Haare mit den kastanienfarbenen Strähnen hatte sie zu einem strengen Dutt zurückgebunden und an den Seiten mit Haarklammern befestigt, damit sich während ihrer Arbeit kein Härchen lösen konnte.

»Sie hat einen Termin bei ihrem Anwalt«, antwortete sie und guckte bedenklich drein. »Hoffentlich kommt etwas Gutes bei der Unterredung heraus.«

»O weh!«, machte Elena erschrocken. »Geht es um den Abriss? Ich kann einfach nicht glauben, dass die Stadtverwaltung die ganze Straßenzeile plattmachen will. So heruntergekommen sind die Gebäude doch noch gar nicht.«

»Neubauten und ein luxuriöses Geschäftsviertel sind eben lukrativer«, entgegnete Liliane niedergeschlagen. »Außerdem passen sie besser ins Stadtbild. Und die alten Häuser stehen nicht unter Denkmalschutz. Sie sind nur Überbleibsel aus der Nachkriegszeit, als man schnell neue Bauwerke in die Höhe gezogen hat.«

»Und was wird Annemarie machen, wenn es tatsächlich so weit kommt?«, hakte Elena nach.

Liliane senkte unglücklich den Blick. Im Laufe der Zeit hatte sich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen ihr und der Cafébesitzerin Annemarie entwickelt.

»Sie wird den Laden schließen. Das Café dichtmachen«, erklärte Liliane schweren Herzens. »Ich kann sie ja verstehen: Sie ist jetzt über sechzig. Da will sie keinen Neuanfang in einem anderen Stadtteil wagen. Das Café hier war ihr Lebensinhalt. Doch wenn es jetzt geschlossen werden muss, will sie zu ihrer Schwester aufs Land ziehen und dort ihren vorgezogenen Ruhestand genießen. Und das kann sie auch, wenn die Abfindung der Stadtverwaltung so hoch ausfällt, wie ihr Anwalt in Aussicht gestellt hat.«

»Wie schade!«, rief Elena. »Du arbeitest doch so gerne hier.«

Liliane nickte. »Mir tut es auch leid. Mehr, als ich sagen kann. Die Arbeit für das Café macht mir viel Spaß. Es ist entschieden besser, als in irgendeiner Bäckerei zu schuften. Die wollen auch lieber junge, belastbare Leute einstellen anstatt eine Frau Ende vierzig.«

»Jetzt tu mal nicht so, als ob du schon zum alten Eisen gehören würdest«, protestierte Elena, obwohl sie die Bedenken und die Niedergeschlagenheit ihrer Mutter gut nachvollziehen konnte. »Du wirst schon wieder eine neue Arbeitsstelle finden.«

Liliane seufzte schwer. »Am liebsten würde ich einmal etwas ganz anderes machen«, meinte sie mehr zu sich selbst. »Oder wegziehen. Vielleicht sogar ins Ausland.«

Elena verschluckte sich fast an ihrem Kaffee.

»Etwa eine Backstube auf Mallorca?«, rief sie entsetzt. »Oh nein, Mama, das kannst du mir nicht antun.«

Liliane wischte ihren Einwand mit einer Handbewegung weg.

»Kindskopf! Als ob ich nach Mallorca auswandern würde!« Dann nahm sie einen schweren Atemzug und seufzte erneut. »Mein Traum war es immer, eine eigene kleine Konditorei zu führen.«

»Aber dann bin ich dir dazwischengekommen«, führte Elena den Satz zerknirscht zu Ende. »Statt eigene Brötchen zu backen, musstest du Windeln wechseln. Ich habe dein Lebensglück zerstört.«

Liliane lachte laut prustend auf.

»Wie theatralisch du sein kannst, Elena!«, rief sie. »Und mein Lebensglück bist du, das weißt du ganz genau. Dich würde ich für keine Million Backstuben eintauschen!«

Elena grinste zufrieden. Sie hatte schon immer ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter gehabt. Selbst jetzt, da sie längst erwachsen war, standen sie sich noch immer sehr nahe.

Auch wenn sie sich vor einigen Jahren im Studentenwohnheim eingemietet hatte, weil es einfach praktischer war, um schnell in die Uni zu gelangen, verbrachte sie die meisten Wochenenden zu Hause in der Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung ihrer Mutter.

»Du könntest das Projekt jetzt in die Hand nehmen und ein eigenes kleines Café eröffnen«, überlegte sie.

Liliane schwieg einen Moment.

»Daran habe ich auch schon gedacht«, meinte sie dann leise. »Aber irgendwie fehlt mir der Mut.«

Elena konnte die Befürchtungen ihrer Mutter nachvollziehen. Was ihr wirklich fehlte, war ein geeigneter Partner. Nicht nur im geschäftlichen Sinn. Ein Lebenspartner, der ihr Halt gab und den Rücken stärkte.

Elena hatte die Jahre über nie besonders oft darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn ihre Mutter einen Mann finden und vielleicht sogar heiraten würde. Das war nie ein Thema gewesen. Doch so langsam fragte sie sich, weshalb sie nicht wieder eine Beziehung eingegangen war. Hatte es ihr tatsächlich genügt, ein Kind zu haben?

Ihre Großeltern hatten vor einem Jahr ihre Eigentumswohnung aufgegeben, um in eine kleinere Einrichtung mit betreutem Wohnen zu ziehen. Dort erfreuten sie sich bester Gesundheit und fühlten sich gut aufgehoben.

Wann immer Elena und ihre Mutter sie besuchten, schwärmten sie von den gemeinsamen Spieleabenden im angeschlossenen Seniorenwohnheim, den Busfahrten und dem Seniorenturnen. Sie lebten ihr eigenes Leben, so wie Elena und ihre Mutter auch. Aber irgendetwas fehlte bei Liliane, und diese Lücke konnte auch ein Traumjob nicht vollständig ausfüllen.

Als kurz darauf Annemarie den Raum betrat und ein ernstes Gesicht machte, ahnten sie, was die Stunde geschlagen hatte. Sie trug ein klassisches Kostüm und hatte die grauen Haare, die sonst immer ein wenig zerzaust wirkten, offensichtlich mit viel Haarspray in eine elegante Frisur gelegt.

Hinter ihr betrat ihre zweite Angestellte Veronika, die vorne für die Bedienung im Café zuständig war, die Backstube.

Elena wollte aufspringen und sich davonmachen, aber Annemarie hielt sie zurück.

»Bleib ruhig, Elena! Was ich euch zu sagen habe, dauert nicht lange. Ich komme gerade von meinem Anwalt. Bis zum Ende des Jahres sollen die Häuser hier geräumt werden. Das Bauamt der Stadt hat einen strengen Terminplan vorgelegt. Die Eigentümer erhalten eine Entschädigung, wenn sie sich an die Frist halten.«

Annemarie räusperte sich umständlich.

»Deshalb habe ich beschlossen, das Café bereits zum Quartalsende zu schließen. Ich kann euch also nicht länger weiterbeschäftigen, was mir unsagbar leidtut. Aber es ist mir möglich, euch mit einer kleinen Abfindung zu entschädigen. Und ich hoffe, ihr werdet schnell eine neue Arbeitsstelle finden. An einem guten Empfehlungsschreiben soll es nicht liegen. – Ich bedauere es sehr, wie das alles gekommen ist. Ich hätte das Café gerne noch für einige Jahre weitergeführt. Aber was vorbei ist, ist vorbei.«

Alle machten traurige Augen, und Elena fühlte mit ihnen. Wenig später verließ sie gemeinsam mit ihrer Mutter das Café, in dem sie so viele Jahre wie selbstverständlich ein- und ausgegangen war.

Nie würde sie vergessen, wie oft sie als Kind nach der Schule hier hereingeplatzt war, sich einen Streuselkuchen oder eine Quarktasche geschnappt und in einer Ecke am Tisch bereits mit den Schularbeiten begonnen hatte. All die süßen, verlockenden Düfte, die dabei um ihre Nase geweht waren, würden für immer in ihrem Gedächtnis haften bleiben.

Dieser Teil ihres Lebens war vorüber. Aber das war bei aller Wehmut für sie nicht so schlimm wie für ihre Mutter, die nun vor der großen Aufgabe stand, ihr Leben neu zu organisieren.

♥♥♥

Liliane benötigte einige Tage, um die Lethargie abzuschütteln, die zusammen mit der niederschmetternden Neuigkeit einhergegangen war, dass sie früher als erwartet ihren Job verlieren würde.

Da half auch der Spaziergang mit Elena durch den Stadtpark nicht. So sehr die Tochter auch versuchte, sie aufzumuntern: Die Traurigkeit blieb.

Liliane ließ ihr Leben Revue passieren und musste sich eingestehen, dass vieles nicht so verlaufen war, wie sie sich das als junges Mädchen gewünscht hätte. Doch ihre Tochter war ihr ein Trost.

Elena war eine Frohnatur. Die Haarfarbe hatte das Mädchen von ihr geerbt, doch die tiefblauen Augen, die hatte sie von ihrem Vater. In diesen Augen lag ihr ganzer Gefühlsreichtum, von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Sie spiegelten den Zustand ihrer Seele, glichen dem strahlendblauen Himmel oder einem dunklen See.

Am Samstagmorgen war Liliane frühzeitig in der Backstube gewesen, um die Kuchen und Törtchen vorzubereiten, die gerade am Wochenende reißenden Absatz fanden. Sonntags trafen die meisten Gäste in dem kleinen Café am Rande der Altstadt ein.

Liliane hatte genügend vorgebacken. Am heutigen Sonntag hatte sie frei. Und am Montag war Ruhetag. Zeit für Liliane, sich mit dem Unausweichlichen zu beschäftigen.

Auch Elena hatte an diesem Montag keine Vorlesungen und daher beschlossen, den Tag zu Hause zusammen mit ihr zu verbringen und für die anstehenden Prüfungen zu lernen. Während sie mit dicken Büchern und ihrem Laptop bewaffnet am Esszimmertisch saß und sich seitenlange Notizen machte, hatte sich Liliane an ihrem kleinen Schreibtisch niedergelassen. Sie fuhr den Computer hoch und hielt nach Stellenanzeigen Ausschau.

Sich durch die verschiedenen Portale zu klicken, war mühselig, doch die Samstagszeitung mit ihren Stellenangeboten hatte nicht viel gebracht. Wahrscheinlich würde Liliane der Gang zur Arbeitsagentur nicht erspart bleiben.

Sie wollte schon niedergeschlagen aufgeben, als ihr der letzte Link auf eine Stellenanzeige eine überraschende Möglichkeit eröffnete:

Konditormeister/in für selbstständiges Arbeiten im Burg-Café gesucht.

Und das Bild, welches kurz darauf auf ihrem Monitor aufpoppte, ließ ihr den Atem stocken.

Sekundenlang starrte sie auf den Bildschirm. Ihre Finger verkrampften sich um die elektronische Maus. Einen Moment lang war ihr schwindlig. Dann stieß sie den angehaltenen Atem aus, nur um erneut tief Luft zu holen. Nervös richtete sie sich auf ihrem Stuhl auf. Ihr Rückgrat bildete eine kerzengerade Linie.

Burg Ebersfeld! Das imposante Bauwerk erhob sich am Gipfel eines grünen Hügels, umrahmt von Wäldern, felsigen Klettersteigen und Weinstöcken am Südhang. Aus grauem Stein erbaut, ragte die Burg in einen sonnendurchfluteten Himmel, mit einem wehrhaften Turm in der Mitte, auf dem eine Fahne mit Wappen wehte.

Ein Vier-Sterne-Burghotel mit hervorragender Gastronomie, inmitten des schwäbischen Waldes, gelegen in einem malerischen Luftkurort. Dem Restaurant angeschlossen befand sich das Café mit Außenbewirtung.

Liliane überflog die Stellenausschreibung nur und folgte dem Link zur Homepage. Sie schlug sich eine Hand vor den Mund, als die Fotografie der Besitzer auftauchte. Mit brennenden Augen starrte sie auf das Bild. Es zeigte ihr den Gastronom und Hotelier Rudolf Wiedmann mit seinem Sohn Stefan.

Am liebsten wäre Liliane aufgesprungen und einmal quer durch die kleine Wohnung gerannt. Stattdessen schielte sie vorsichtig über den Computermonitor hinweg zu ihrer Tochter. Doch Elena brütete konzentriert über ihren Unterlagen und hatte nichts von ihrer Aufregung bemerkt.

Liliane schloss für einen Moment die Augen und versuchte sich zu beruhigen. Es erschien ihr wie ein Wink des Schicksals, dass sie gerade jetzt auf dieses Angebot stieß. Ihre Gedanken wirbelten wild durcheinander.

Sich für diese Stelle zu bewerben, erschien ihr im Augenblick noch zu abwegig. Doch je länger sie die Homepage las und sich das Stellenangebot noch einmal ganz genau anschaute, desto mehr reifte in ihr die Gewissheit, dass sie eine solche Chance nicht einfach übergehen konnte. Vielleicht war es ihre Bestimmung, diese Möglichkeit wahrzunehmen. Vielleicht war es auch nur Zufall.

Welche Aussichten bestanden für sie, diese Arbeitsstelle zu ergattern? Nun, das würde sie nie erfahren, wenn sie sich nicht darum bewarb. Eine Ablehnung zu erhalten war wahrscheinlicher, als die Zusage zu diesem Job zu erringen, der es zudem erfordern würde, ihren Wohnort zu verlassen, um Quartier in Burg Ebersfeld zu beziehen.

Wollte sie das wirklich?