Lore-Roman 228 - Renate Busch - E-Book

Lore-Roman 228 E-Book

Renate Busch

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Wolf Graf von Felsenstein verachtet die Mädchen seiner Gesellschaft, die nur danach trachten, ein sorgenfreies Leben zu führen, Geld zu verschwenden und sich dem Luxus hinzugeben. In seinem Herzen jedoch keimt ein unerschütterlicher Entschluss: Er will eine einfache, arbeitsame und bescheidene Braut. So schaltet er eine Anzeige. Unter all den Zuschriften fällt ihm eine besonders ins Auge, und sein Entschluss ist gefasst: Carola Aue soll die Auserwählte sein. Welch ein Glück oder welches Schicksal ihn erwartet, ahnt Graf Wolf freilich nicht - er weiß nicht, welch eigenwilliges Geschick er sich mit ihr ins Haus holt ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 137

Veröffentlichungsjahr: 2026

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Inhalt

Prinzessin Carola auf Abwegen

Vorschau

Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?

Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Prinzessin Carola auf Abwegen

Ein ungewöhnlicher Liebes- und Schicksalsroman

Von Renate Busch

Wolf Graf von Felsenstein verachtet die Mädchen seiner Gesellschaft, die nur danach trachten, ein sorgenfreies Leben zu führen, Geld zu verschwenden und sich dem Luxus hinzugeben. In seinem Herzen jedoch keimt ein unerschütterlicher Entschluss: Er will eine einfache, arbeitsame und bescheidene Braut.

So schaltet er eine Anzeige. Unter all den Zuschriften fällt ihm eine besonders ins Auge, und sein Entschluss ist gefasst: Carola Aue soll die Auserwählte sein. Welch ein Glück oder welches Schicksal ihn erwartet, ahnt Graf Wolf freilich nicht – er weiß nicht, welch eigenwilliges Geschick er sich mit ihr ins Haus holt ...

Die beiden Freunde schüttelten sich die Hand. Im nächsten Moment lagen sie sich in den Armen. Wolf Graf Felsenstein klopfte Philip von Bergen vor innerer Bewegtheit einige Male auf den Rücken.

»Dass wir uns endlich einmal wiedersehen«, sagte er mit etwas rauer Stimme.

»Ja, ich habe auch kaum geglaubt, dass es einmal klappen wird«, gab der andere in ähnlichem Ton zurück. »Aber nun gib mir deinen Mantel, damit ich ihn aufhängen kann.«

Graf Wolf tat es. Kurz darauf saßen die beiden langjährigen Freunde zusammen an einem runden Tisch.

»Augenblick, ich komme gleich wieder«, sagte Philip von Bergen, der junge Rechtsanwalt, und erhob sich. Er ging in die Küche und kam kurz darauf mit zwei Platten zurück.

Auf einer lagen Brothäppchen mit Käse belegt, auf der anderen welche mit Wurst.

»Die hat meine treue Hanne vorbereitet«, erklärte der Gastgeber. »Ohne sie wäre ich aufgeschmissen.«

Graf Wolf schmunzelte. »Traust du deiner Zukünftigen so wenig zu? Letzten Endes wirst du in absehbarer Zeit verheiratet sein.«

Über Philip von Bergens Gesicht lief ein dunkler Schatten.

»Denkste«, warf er kurz und spöttisch ein.

Einen Moment war Wolf betroffen. »Das verstehe ich nicht«, murmelte er dann.

Philip lachte, aber es war ein hartes, freudloses Lachen.

»Wie solltest du auch! Du wähnst mich ja wohl noch immer glücklich verlobt und den Ehehafen ansteuernd.«

»Ja, das tue ich«, stimmte ihm der Freund zögernd zu.

»Da kann ich nur erneut ›denkste‹ sagen, denn meine Braut hat mir den Laufpass gegeben.« Philip grinste etwas schief.

Offenbar wusste Wolf nicht recht, wie er reagieren sollte. Er fühlte sich unbehaglich, das sah der Freund.

»Du brauchst mich nicht zu bedauern. Ich bin froh, dass mir noch vor unserer Eheschließung die Augen geöffnet worden sind.« Er lachte erneut freudlos. »Dabei hätte ich von Berufs wegen misstrauisch sein müssen.«

»Das verstehe ich nicht ganz.«

»Wie solltest du auch, du ahnungsloser Engel.« Es folgte ein tiefer Seufzer. »Aber als Rechtsanwalt werde ich täglich damit konfrontiert, wie süß und unschuldig Frauen aussehen und wie berechnend sie in Wahrheit sind.«

»Ich bitte dich, Philip, das trifft doch nur für eine bestimmte Sorte zu, und es gibt auch genug Männer, die keinen lauteren Charakter haben.«

»Das streite ich nicht ab. Aber von der Heirat versprechen sich vor allem Frauen eine gute Versorgung und sehen in uns Männern eine Kuh zum Melken. Sie sagen Liebe und meinen das liebe Geld.«

»Da muss ich aber energisch protestieren«, erwiderte Graf Wolf mit Nachdruck.

»Ich kann dich nicht daran hindern.« Der Freund zuckte die Schultern. »Außerdem wünsche ich dir auch niemals, dass du je so eine bittere Erfahrung wie ich machst.« Im nächsten Moment vollführte seine Rechte eine Bewegung, als wolle er das leidige Thema fortwischen. »Wie solltest du wohl, Wolf. Du bist reich. Ich dagegen hatte nur die berechtigte Hoffnung, es einmal zu werden. Die ist nun jedoch geplatzt.«

»Nimm es mir nicht übel, alter Freund, aber du sprichst für mich tatsächlich in Rätseln.«

»Das glaube ich dir gern. Aber stärken wir uns erst einmal. Danach spricht es sicher besser. Soll ich dir Bier oder Wein kredenzen?«, wollte er in einem Atemzug wissen.

»Ich hätte Appetit auf ein kühles Helles.«

Kurz darauf schäumte das Bier in den Gläsern. Die Freunde ließen sich die Butterbrote gut schmecken.

Wolf half anschließend mit, die Reste in die Küche zu tragen.

»Die gute Hanne hat uns bestens versorgt, aber ich denke, danach können wir einen Verdauungsschnaps vertragen«, meinte Philip launig. Er holte aus dem Eisschrank eine von Kälte beschlagene Flasche mit Kirschwasser und goss zwei Gläser ein.

»Das hat gutgetan«, lobte Wolf und grinste. »Aber nun spanne mich nicht länger auf die Folter.«

»Du hast recht, höre also. Ich war verlobt, das weißt du ja, jedenfalls so gut wie«, schränkte er ein. »Unsere öffentliche Verlobung sollte in Kürze erfolgen. Dann wollten wir auch nicht lange warten und heiraten.«

»Ja, das hast du mir alles geschrieben, und ich hatte gehofft, hier bei meinem Besuch die Dame deines Herzens kennenzulernen.«

Philip grinste schief. »Elvira hätte dir bestimmt auf Anhieb gefallen. Sie sieht blendend aus, sie ist nicht dumm und bekommt sofort mit jedem Kontakt.«

»Ja, ja, aber du sagtest vorhin, dass du nur Aussicht gehabt hättest, reich zu werden oder solch einen Blödsinn.«

»Das ist leider kein Blödsinn! Mein lieber Herr Papa hat es nämlich vorgezogen, sein Alleinsein aufzugeben und gedenkt in Kürze eine Frau zu heiraten, die vierzig Jahre jünger als er ist. Dreimal kannst du raten, warum sie den alten Knaben nimmt. Entschuldige, wenn ich so respektlos von meinem Vater spreche«, fügte er hinzu.

»Dein Vater ... will wieder heiraten?«, murmelte Wolf erschüttert.

Philip nickte. »Du sagst es. Meine zukünftige Schwiegermutter ist etwa so alt wie ich, und meinen Vater kann man beim besten Willen nicht mehr einen forschen, attraktiven, älteren Herrn nennen. Ihr geht es also auch wieder einmal nur ums Geld, um eine gute Versorgung. Und die ist ja an der Seite meines Vaters gewährleistet.«

»Hat er den Verstand verloren?«, fragte Wolf betroffen.

»Nicht mehr als alle Männer, wenn sie auf die liebevollen Blicke eines weiblichen Wesens hereinfallen.«

»Wie bitter du geworden bist«, sagte Wolf ein bisschen mitleidig.

»Nicht bitter! Ich betrachte gewisse Dinge realistischer«, widersprach der Freund. »Jenes holde Wesen, das mein Vater demnächst zu heiraten gedenkt, ist wiederum eine gute Bekannte meiner verflossenen Fastverlobten«, erläuterte Philip in bewusst munterem Ton. »Elvira kannte also die Dame gut und schätzte sie daher richtig ein. Sie wusste, dass die zukünftige Ehefrau meines Mannes dafür sorgen wird, dass ihr Herzallerliebster sofort sein Testament zu ihren Gunsten ändert und ich froh sein muss, wenn mir später mein Pflichtteil zufällt. Und das war nun wiederum der Dame meines Herzens nicht genug«, schloss er spöttisch.

»Das tut mir wirklich alles schrecklich leid, aber es ist falsch, wenn du nun aus der Reaktion von Elvira schließt, alle Frauen seien so. Bei Ria wäre ich mir sicher, dass sie mich auch als armen Schlucker nehmen würde«, trumpfte Wolf auf und erntete von seinem Freund einen mitleidigen Blick.

»Da wäre ich mir an deiner Stelle nicht so sicher. Aber wenn du es genau wissen willst, so brauchst du ihr ja nur irgendwie verständlich zu machen, plötzlich arm geworden zu sein.«

Wolf war im ersten Moment sehr betroffen.

»Ich käme mir ewig schäbig vor, so misstrauisch ihr gegenüber zu sein.«

»Das ist schon möglich. Ich kenne dich, Anstand und Ehre sind für dich nicht nur leere Worte. Aber dann wirst du natürlich auch nie erfahren, ob du von deiner Verlobten ehrlich geliebt wirst oder nur deines Geldes wegen.«

***

Wolf von Felsenstein konnte den Besuch bei seinem Freund und das Gespräch, das er mit ihm geführt hatte, nicht wieder vergessen, sosehr er sich auch darum bemühte.

»Ria, liebst du mich eigentlich?«, fragte er heute, als er mit ihr zusammen war.

Sie schien betroffen zu sein. Sie schmiegte sich an seine Brust wie ein Kätzchen. In ihren nachtschwarzen Augen schimmerten sogar Tränen.

»Wie kannst du nur so etwas sagen?« In ihrer Stimme war ein verhaltenes Schluchzen.

Graf Wolf atmete erleichtert auf. Er verwünschte sein Misstrauen.

»Ich weiß es nicht, Riakind«, murmelte er schuldbewusst und drückte sie enger an sich.

»Wie kannst du nur an meiner Liebe zweifeln, Wolf«, klagte sie nun.

»Kleines, das tue ich absolut nicht«, beruhigte er sie, doch das Gespräch mit Philip ging ihm nicht aus dem Kopf. »Ich weiß eigentlich gar nicht, wie ich es dir sagen soll«, murmelte er zögernd.

Rias Kopf löste sich von seiner Brust.

»Was?«, fragte sie und war plötzlich nicht mehr beleidigt oder eingeschnappt.

»Ich habe in der letzten Zeit ... große Verluste erlitten«, schwindelte Wolf und beobachtete sie dabei genau.

Er konnte nicht begreifen, was er sah. Aber auf ihren Zügen zeichnete sich eine gewisse Fassungslosigkeit ab.

»Wie groß?«, wollte sie in einem Ton von ihm wissen, der neu für ihn war.

»Ziemlich«, schwindelte er weiter, obwohl er das Spiel eigentlich nicht so weit hatte treiben wollen.

Ria trat einen Schritt zurück und brachte zwischen sich und ihn einen gewissen Abstand.

»Wäre es möglich, dass du dein Vermögen verlieren würdest?«, wollte sie entsetzt wissen.

»Ja, durchaus«, sagte er und legte sein Gesicht in Sorgenfalten.

Ihre nachtschwarzen Augen begannen zu funkeln.

»Das ... das kannst du mir doch nicht antun! Du hast mich immer im Glauben gelassen, du seiest sehr reich«, hielt sie ihm vor.

»Nun ja«, sagte er langgedehnt. »Ich habe immer geglaubt, alles in den Griff zu bekommen, aber die Banken ...«

»Nein«, rief Ria da im höchsten Diskant. »Nein, dass es schon so weit ist, dass die Banken dir keinen Kredit mehr gewähren ...« Sie schlug beide Hände vor ihr Gesicht, brach mitten im Satz ab und atmete schnell.

Eigentlich betrachtete Wolf sie zum ersten Male realistisch, machte er sich klar.

Sie war schön, seine Braut, schön und gepflegt, aber ihre Hände wirkten plump und grob. Das hatte er vorher nie bemerkt. Und als sie sie nun vom Gesicht nahm, hatte auch die Schönheit ihres Gesichtes gelitten.

Sie hatte den Lippenstift etwas verschmiert. Der rote Strich im Gesicht störte sehr und gab ihr ein etwas clownmäßiges Aussehen. Ihre Züge waren gespannt und wirkten plötzlich sehr hart.

»Ria ...« Irgendwie hatte er trotz seiner Enttäuschung mit ihr Mitleid. Darum ging er auf sie zu. Er reichte ihr versöhnlich beide Hände. Aber sie ergriff sie nicht.

»Nein«, sagte sie sehr erregt. »So kannst du mich nicht mehr ködern, so nicht!«

»Ich verstehe dich nicht«, murmelte Wolf wie erschlagen. »Wir lieben uns doch und ...«

»Darum bist du wohl der Meinung, ich könnte mit dir zusammen in eine Hütte ziehen, was?«, schleuderte sie ihm entgegen. »Nein, oh nein, da musst du dir schon eine andere Frau suchen. Mit mir nicht, hörst du! Du hast mit mir kein ehrliches Spiel getrieben. Du hättest mich von Anbeginn über deine Vermögensverhältnisse aufklären müssen, anstatt sie zu verheimlichen.«

»Soll das heißen ...« Wolfs Stimme war nun auch sehr kühl.

»Genau das«, unterbrach sie ihn. »Hier nimm deinen Ring zurück.« Sie hatte etwas Mühe, den Verlobungsring von ihrem etwas plumpen Finger zu ziehen. Dann gelang es ihr!

Sie legte ihn auf ein kleines Tischchen, wandte sich kurz um.

»Leb wohl«, sagte sie und ging.

Wolf blieb in tiefster Betroffenheit zurück. Noch eine Stunde später konnte er das Erlebnis nicht begreifen.

Ihm war mit Ria, der Frau seiner Liebe, tatsächlich das Gleiche passiert wie Freund Philip mit seiner Verlobten! Offenbar waren wohl alle Frauen habgierig und besitzergreifend. Das Wort »Liebe« kam ihnen sehr leicht über die Lippen, aber es bedeutete ihnen im Grunde genommen nichts.

Sie hatte sich von der Ehe ein Leben in Wohlstand versprochen. Sie hatte erwartet, von ihm verwöhnt zu werden. All ihre Wünsche sollten ihr von ihm erfüllt werden. Ja, so in etwa hatte sie sich ein Leben an seiner Seite vorgestellt.

Ria war ein Luxusgeschöpf, das wahrscheinlich nie daran gedacht hätte, auch einmal mit zuzupacken, wenn es nötig gewesen wäre.

Nach diesen immer wiederkehrenden Überlegungen atmete er wie befreit auf, dass ihm noch rechtzeitig über seine Braut die Augen aufgegangen waren.

Er war Landwirt und brauchte eine Frau, die ihm zur Seite stehen würde, die Reichtum nicht nur genießen wollte. Und er wunderte sich, dass er die ganze Angelegenheit so kühl und nüchtern betrachten konnte.

Er wünschte sich Kinder, aber eine Frau wie Ria wäre sicher nicht bereit gewesen, ihm diese Wünsche zu erfüllen. Ihm wurde auch erst jetzt klar, dass er eigentlich mit ihr nie über Dinge gesprochen hatte, die wichtig waren.

***

Baronin Elise von Lichtenstein, Wolfs Cousine, war fast zwanzig Jahre älter als er. Zurzeit hatte sie Besuch von ihrer Nichte. Prinzessin Carola von der Aue hatte vor etlichen Wochen ihr Abitur gemacht. Zum Kummer ihrer Eltern war es nicht so ausgefallen, wie sie es sich erhofft hatten.

Carola störten die Vierer dagegen absolut nicht. Die Schule war ihr immer verhasst gewesen, und sie hatte gerade immer so viel für sie getan, um nicht sitzenzubleiben.

Am liebsten hätte sie längst einen praktischen Beruf ergriffen und hätte die Schule schon etliche Jahre verlassen. Aber als vernünftiger Mensch wusste sie, dass ihr dieser Wunsch garantiert nicht erfüllt werden würde.

»Was möchtest du einmal werden?«, fragte ihre Tante, weil sie meinte, sich verhört zu haben.

Carola wollte gerade herzhaft in einen Apfel beißen, aber aus Gründen der Höflichkeit unterließ sie es.

»Hauswirtschafterin«, kam es sofort zurück.

»Aber Kind ...« Die Baronin schluckte und stellte sich das Entsetzen von Carolas Eltern vor, wenn sie von diesem Wunsch erfuhren.

»Warum? Ist etwas an diesem Beruf auszusetzen?«, fragte Carola in aller Unschuld, während ihre kugelrunden Augen lustig funkelten.

»Nein, natürlich nicht«, beeilte sich die Baronin schnell zu versichern, »nur ... wirst du Schwierigkeiten bekommen.«

»Ach, das meinst du!« Carola lachte glockenhell. »Ehrlich gesagt, habe ich die schon.«

»Sie machen dir nichts aus, Kind?«, forschte die Baronin besorgt.

»Natürlich, mir wäre es viel lieber, man ließe mich gewähren. Aber ich habe die Eltern gottlob inzwischen so weit, dass sie mich sozusagen in den von mir gewünschten Beruf hineinriechen lassen wollen. Wahrscheinlich hoffen sie, dann werde ich die Nase von ihm vollhaben und mich, wenn überhaupt, für ein repräsentatives Studium entscheiden.«

Die Baronin musste ein Lächeln unterdrücken. Carola durchschaute die Angelegenheit. Sie war ein frisches, natürliches Geschöpf, ganz im Gegenteil zu ihren Geschwistern. Die Baronin fand es ungewöhnlich, dass Carola, die in einem sehr adelsbewussten Elternhaus aufgewachsen war, in der Beziehung so völlig unverdorben war.

»Vielleicht wirst du es tatsächlich tun, denn glaube mir, eine Hauswirtschaftsleiterin muss körperlich hart ran. Und du bist ja absolut kein Schrankkoffer.«

Carola lachte erneut glockenhell.

»Gottlob habe ich nicht die Figur von Mamsell Lene, aber ich bin stark und kann arbeiten. Mama fand es immer unschicklich, wenn ich zu viel in der Küche gewesen bin. Etwas Ahnung könnte ich wohl vom Kochen und Backen haben, das käme mir später einmal zugute, hat sie einmal gemeint, aber richtiggehend mitarbeiten, nein, das sah sie nicht gern.«

»Du hast es trotzdem getan, nicht wahr?«

»Ja, warum auch nicht! Ich halte nichts davon, dass sich Mädchen aus unseren Kreisen möglichst nicht die Hände schmutzig machen sollten. Warum sollte beispielsweise ich etwas Besseres sein, nur weil in meinen Adern blaues Blut fließt! Das ist alles Blödsinn«, schloss sie.

»Unrecht hast du natürlich nicht, nur ...«

»O Tantchen, bitte sage mir nur nicht, dass es sich so gehört«, unterbrach Carola sie.

Die Baronin seufzte. »Ach Kind, du musst auch deine Eltern verstehen. Sie sind so erzogen worden.«

»Aber wir leben nicht mehr zu Kaisers Zeiten«, rief Carola heftig.

»Die moderne Zeit hat uns eingeholt. Gegen sie will ich mich nicht stemmen. Früher wäre es ja wohl unmöglich gewesen, wenn eine Prinzessin nur einen Berufswunsch geäußert hätte. Die Mädchen aus unseren Kreisen sollten schön Klavier spielen, sticken, lesen ... und auf einen Mann warten. Nein, danke, nicht mit mir«, sagte Carola heftig.

»Dein hitziges Temperament geht wieder einmal mit dir durch, mein Liebes. Aber in etwa stimmt deine Einschätzung der Situation der damaligen Mädchen.«

»Ich bin froh, dass du genauso denkst wie ich, Tante Elise.«

Carola schoss impulsiv auf die Baronin zu und umarmte sie.

Wenig später stieg sie in ihr Reitzeug. Die Baronin sah sie wie ein Wirbelwind davonjagen. Sie musste unwillkürlich daran denken, dass Carola ihrem zukünftigen Mann gewiss eine harte Nuss zu knacken geben würde. Sie war kein anschmiegsames Täubchen, sondern würde immer versuchen, ihren Willen durchzusetzen.

Als der Baronin später der Besuch ihres Vetters gemeldet wurde, freute sie sich darüber.

»Wölfchen, wir haben uns so lange nicht gesehen. Wie schön, dass du hergekommen bist«, sagte sie.

Graf Wolf grinste. »Aus dem Wölfchen ist inzwischen ein Wolf geworden, denke ich. Aber wenn es dir Spaß macht, bleibe bei dem Wölfchen.«

Sie schüttelten sich die Hände.

»Nimm Platz. Was darf ich dir servieren lassen, Kaffee oder Tee?«, fragte die Baronin.