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Seit dem Tod der Eltern trägt die junge Petra Nansen allein die Verantwortung - für das kleine Geschäft und für ihre Schwester Evi. Pflichtbewusst und stolz stemmt sie den Alltag, bis ein tragischer Unfall alles verändert. Ein Brief vom Anwalt, ein unerschwinglicher Schadenersatz - und ein Mann, der ihr Leben in den Abgrund zu reißen droht. Doch das Schicksal spielt seltsam: Wenig später begegnet Petra einem Fremden, der so anders scheint als alle Männer - gütig, hilfsbereit, fast vertraut. Zwischen zarter Hoffnung und altem Schmerz erwacht etwas, das sie längst verloren glaubte. Aber als sie erfährt, wer dieser Mann wirklich ist, steht sie vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens. Ist Vergebung möglich - oder bedeutet Liebe diesmal Abschied?
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Inhalt
Abschied
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Der Leidensweg einer Liebe
Von Renate Busch
Seit dem Tod der Eltern trägt die junge Petra Nansen allein die Verantwortung – für das kleine Geschäft und für ihre Schwester Evi. Pflichtbewusst und stolz stemmt sie den Alltag, bis ein tragischer Unfall alles verändert. Ein Brief vom Anwalt, ein unerschwinglicher Schadenersatz – und ein Mann, der ihr Leben in den Abgrund zu reißen droht.
Doch das Schicksal spielt seltsam: Wenig später begegnet Petra einem Fremden, der so anders scheint als alle Männer – gütig, hilfsbereit, fast vertraut. Zwischen zarter Hoffnung und altem Schmerz erwacht etwas, das sie längst verloren glaubte. Aber als sie erfährt, wer dieser Mann wirklich ist, steht sie vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens. Ist Vergebung möglich – oder bedeutet Liebe diesmal Abschied?
Petra Nansen überflog nochmals mit stolzem Blick die neudekorierten Schaufenster.
Ganz vorn lag eines der Oberhemden, die sie noch nach Feierabend selbst genäht hatte. Der Stoff war sehr gut, das Muster modern und ansprechend. Alles in allem war es auch wirklich preisgünstig.
Dann schweiften Petras Blicke über die Schürzen, die zarten Nachthemden. Ein tiefer, befreiender Seufzer kam über ihre frischen roten Lippen. Ihre biegsame, elastische Gestalt straffte sich, sie presste das kleine Handtäschchen fester an sich und ging schnellen Schrittes die Straße hinunter.
Ihr Blick streifte die Normalzeituhr an der Straßenecke. Sie dachte dabei an Heinz Mahnken, der um diese Stunde wieder zurückfuhr in die Universitätsstadt, wo er Medizin studierte. Gestern Abend hatten sie sich verabschiedet, und er hatte Petra gestanden, dass er sie liebte. Ein netter junger Mann, fand Petra, mehr aber konnte sie nicht für ihn empfinden. Das hatte sie ihm schonend gesagt, doch wollte er seine Hoffnung nicht begraben und wieder mit ihr sprechen, wenn er sein Studium beendet hätte.
Mit flinken Bewegungen erklomm Petra einige Stufen und ging dann durch die Flügeltür in das kleine Postamt. Ein Schalter war frei. Gottlob – so wurde sie schnell abgefertigt.
»Guten Morgen, Herr Senken!« Der Gruß der hellen Mädchenstimme klang frisch und froh.
Der Postbeamte blickte auf und lächelte.
»Ach, das Fräulein Nansen! Wie geht es?«, fragte er.
»Gut!«
»Freut mich, freut mich. Sie sind ein tüchtiges Mädchen. Ihre Eltern wären stolz auf Sie gewesen, wenn sie das alles noch erlebt hätten!«
»Ich wollte Geld einzahlen.«
»Ach, es ist wohl wieder eine der Raten für die Ladenausstattung?«, forschte er neugierig.
Petra war die direkte Frage peinlich. Trotzdem gab sie Auskunft.
»Ja, nun bin ich sie bald los, die letzten werde ich auch noch schaffen.«
»Gewiss doch, Fräulein Petra. Wer so viel Courage besitzt wie Sie, und wer dazu so tüchtig ist, schafft im Leben alles.«
»Sie machen mich noch ganz verlegen, Herr Senken!«
»Aber, aber! Ich sage doch nur, wie es ist.«
Andere Menschen kamen durch die Flügeltür. Petra warf dem Postbeamten noch einen freundlichen Blick zu und grüßte einige ihrer Kunden, bevor sie das Postamt wieder verließ.
Bald befand sie sich wieder vor ihrem kleinen Geschäft. In großen Buchstaben stand noch der Name des Vaters über dem Schaufenster.
Freilich, ihr allein gehörte das Geschäft ja auch nicht. Nach dem Gesetz stand der kleinen Schwester die Hälfte des Nachlasses zu. Seit die Eltern tot waren – die Mutter starb bei Evis Geburt, und der Vater verunglückte beim vorzeitigen Abspringen von der Straßenbahn – vertrat Petra Mutterstelle an der Kleinen. Petra drückte jetzt die Klinke hinunter. Die Glocke gab einen frischen, schwingenden Ton, und sofort eilte der kleine Lehrling Elsbeth herbei.
»Ich bin es nur, Elsbeth. Wo ist Evi?«
»Sie spielt noch mit dem Reifen draußen. Ihre Freundin Rosemarie ist bei ihr.«
Petra hatte ihr das erlaubt, wenn sie nur auf dem Bürgersteig den Reifen kullern ließ.
»Nie auf der Fahrbahn spielen, der Verkehr ist zu gefährlich!«, hatte sie Evi ermahnt.
Elsbeth zog sich wieder in das Zimmerchen hinter dem Laden zurück. Petra hatte hier einen Arbeitsraum eingerichtet. In ihm standen zwei Nähmaschinen, und da Petra aus eigener Erfahrung wusste, dass man nie zu viel im Leben wissen konnte, brachte sie Elsbeth das Weißnähen bei.
Petra hatte in Abendkursen das Schneidern gelernt. Ihr machte es genauso viel Freude wie Elsbeth.
Unwillkürlich ließ Petra jetzt ihre Blicke über die mattglänzenden Regale gleiten, die mit Waren bis oben hin gefüllt waren.
Der neue Tresen bestand fast nur aus Glas. In ihm waren die zu verkaufenden Gegenstände zur Ansicht ausgelegt. Es handelte sich um gute, stabile und moderne Stücke. Da Petra einen ausgezeichneten Geschmack besaß und gut rechnen konnte, so war es nicht verwunderlich, dass das Geschäft unter ihrer Leitung einen derartigen Aufschwung genommen hatte.
Zuerst war man aus Mitleid in den kleinen Laden gekommen. Schließlich war es keine Kleinigkeit für ein achtzehnjähriges Mädchen, schon ein Geschäft führen zu müssen. »Die armen Nansens«, hatten sich damals die Leute zugeraunt und dabei Petra und das winzige, schreiende Etwas, die kleine Evi, vor Augen gehabt.
Petra hatte darauf bestanden, dass man ihr das kleine Schwesterchen anvertraute. Zuerst war man skeptisch gewesen. Der Vormund wollte diesen Entschluss durchaus nicht billigen, Fürsorgerinnen liefen Petra alle paar Tage das Haus ein, um sich von dem Wohlbefinden der kleinen Evi zu überzeugen.
Doch jedes Mal, wenn sie in den sauberen Laden kamen und das Kind kreuzfidel im Kinderwagen krähen hörten, gingen sie still und nachdenklich wieder heim. Und allmählich hörten die ständigen Besuche auf. Man wusste, dass Petra trotz ihrer Jugend ein Menschenkind war, das sich vom Leben nicht beugen ließ.
So waren die Jahre dahingegangen.
Petra ging durch die Tür, die zu der Wohnung hinter dem Laden führte, zog den Mantel aus und kämmte sich nochmals über. Sie kehrte dann in den Laden zurück.
Plötzlich hörte sie vor dem Laden Stimmen durcheinanderreden. Schon öffnete sich die Tür. Eine Nachbarin trug ein Kind auf dem Arm. Petras Augen blickten starr. Es war Evi! Die Kleine lag leblos, das Köpfchen an der Brust Frau Johns gebettet.
»Mein Gott, mein Gott«, stieß Petra da wie in höchster Not hervor.
Eine zweite Frau tauchte dicht hinter Frau John auf. Sie hielt den völlig zerbrochenen Reifen in der Hand.
Petra schloss die Augen.
»Es ist nichts, Fräulein Nansen, Evi ist gottlob nichts passiert.«
Petra traten Tränen in die Augen – sie merkte es nicht.
»Evi – Liebling.«
Petra riss Frau John fast das leichte Dingelchen vom Arm. Der Kinderkörper war warm, das kleine Herzchen klopfte.
Im gleichen Augenblick begann Evi fürchterlich zu schreien.
Da ertönte draußen laut, klagend und anhaltend das Martinshorn. Die Menge stob auseinander, wandte sich wichtigeren – sehenswerteren Dingen zu.
Petra presste das Kind an sich – sie stand allein. Selbst Frau John eilte aus dem Laden. Sie war wohl auch neugierig, wie es draußen weitergehen würde.
Evi weinte noch immer. Es war ein klagendes, monotones Wimmern. Petra schaukelte das Kind auf dem Arm, als sei es ein Baby.
»Mein Liebes, tut es dir denn irgendwo weh?«
Evi fand es anscheinend wunderschön, so recht bedauert zu werden. Petra hatte während der Geschäftszeit sonst immer Eile – und nun hielt sie sie schon einige Minuten auf dem Arm.
Darum nickte sie eifrig.
Petra hielt inne und blickte das Kind ängstlich an.
»Wo denn, Liebling?«
»Überall!«, kam es spontan zurück.
»Nicht mehr weinen, Liebling. Wo tut es denn nun tatsächlich weh?« Petra tastete Arme und Beine der Kleinen ab.
Evi hörte mit Weinen auf, wartete, teils neugierig, teils ängstlich darauf, wie es nun weiterging.
»Jetzt ist es wohl besser, Evi?«, fragte Petra.
Doch da schüttelte das Kind erneut den Kopf und weinte wieder herzerweichend.
»Komm!« Petra trug die kleine Schwester behutsam ins Wohnzimmer und bettete sie auf die Couch.
Im gleichen Augenblick schellte die Glocke.
»Willst du gehen, Petra?«, fragte Evi klagend.
»Ich muss doch, es sind Kunden gekommen.«
Im gleichen Moment verstummte das Weinen. Das Kind wusste, dass es keinen Zweck mehr hatte, noch zu versuchen, Petra zum Bleiben zu bewegen.
Doch es war kein Kunde, der vor Petra stand, sondern ein Wachtmeister, der einen gezückten Bleistift in der Hand hielt und Petra allerhand Fragen stellte.
»Herr Wachtmeister, nun möchte ich erst einmal erfahren, was überhaupt passiert ist!«
Petra fand allmählich ihre Sicherheit wieder. Als der Angesprochene einige Sekunden zögerte, bat ihn Petra mit in ihr kleines Kontor. Sie sah schnell noch einmal nach Evi und stellte befriedigt fest, dass die Kleine wirklich fest schlief.
»Eine verteufelt dumme Geschichte! Ihre Schwester hat den Reifen geschlagen, das Spielzeug ist auf die Straße gerollt.«
»Und?« Petra fürchtete sich plötzlich vor dem, was jetzt kam.
»Ja, die Kleine ist ihm nach Kinderart nachgelaufen. Ein Autofahrer musste plötzlich stoppen, bremste so hart, dass sich der Wagen um die eigene Achse drehte und gegen einen Baum prallte.«
»Aber das ist doch nicht möglich. Alles nur durch Evi.«
Evi lebt – aber der Autofahrer? Tiefes Mitleid, eine große Angst kroch in ihr hoch.
»Leider ist das möglich! Sie ahnen gar nicht, wie oft gerade Kinder ungewollt Anlass zu großen Verkehrsunfällen geben.«
»Wie geht es dem Autofahrer?«, brachte sie scheu hervor.
»Keine Ahnung! Man hat ihn ins Krankenhaus gebracht. Aber ich glaube nicht, dass etwas Ernstliches passiert ist«, setzte er sogleich tröstend hinzu, als er bemerkte, dass Petra nach einem Halt suchte.
»Gottlob!«
»Na, so gottlob ist es auch wiederum nicht. Er fuhr einen schweren, ausländischen Wagen – ganz große Klasse.«
»Dann wird er ja Geld haben, es tut ihm nicht so weh«, meinte Petra gleich praktisch.
»Sind Sie eigentlich gegen so etwas versichert?«
»Ich ...? Wie meinen Sie das? Nein, das bin ich nicht.«
Natürlich hatte sie Laden und Wohnung gegen Brandgefahr versichert, war des Geschäftes wegen in der Haftpflicht. Es konnte ja schließlich immer mal sein, dass jemand gerade vor ihrer Tür ausrutschte.
Allmählich dämmerte es Petra, was der Wachtmeister andeuten wollte.
»Ist denn der Mann nicht versichert?«, fragte Petra kläglich.
Da erhob sich der Wachtmeister.
»Ich weiß es natürlich nicht. Aber nicht alle Autofahrer sind Vollkasko versichert. Die Versicherungen kommen nur für Schäden auf, die die Versicherten schuldhaft anderen zufügen. Ich drücke Ihnen den Daumen«, meinte er dann gutmütig, als er sah, dass Petras Hände bebten.
»Kennen Sie den Namen des Mannes? Ich möchte ihn wenigstens in Evis Namen um Entschuldigung bitten und ihm einen Blumenstrauß bringen«, sagte Petra, so gefasst sie konnte.
Der Beamte schüttelte bedauernd den Kopf.
»Es tut mir leid, ich habe nur dieses Protokoll aufgenommen und die Autonummer festgestellt. Ich habe mit dem Herrn nicht ein Wort gewechselt. Er stieg gleich in den Sanitätswagen.«
***
In den nächsten Tagen strich das Kind nur im Haus und Garten herum. Anscheinend hatte das furchtbare Erlebnis wirklich eine tiefere Spur in dem kleinen Herzen hinterlassen, als Petra anfangs glaubte.
Petra verrichtete wie sonst die Arbeit.
Dann traf sie einmal auf der Straße den Vater von Heinz, den alten Dr. Mahnken. Er drückte ihr die Hand, fragte nach dem Befinden der Kleinen.
»Es geht Evi schon wieder gut, Herr Doktor«, gab Petra freundlich Auskunft.
»Freut mich, freut mich. Sie ist ein nettes, kleines Dingelchen geworden.«
Er machte eine Pause. Petra wusste, dass er jetzt von ihr eine Frage nach Heinz erwartete.
Petra stellte sie nach einigem Zögern. Da hellte sich das Gesicht des Arztes auf.
»Er ist fleißig am Büffeln, der Bub. Lass ihn nur – das haben wir alle durchmachen müssen.« Der Arzt grüßte nochmals freundlich und ging weiter.
Petra eilte nach Hause. Elsbeth nickte ihr lächelnd zu.
»Der Postbote war gerade eben da«, berichtete das junge Mädchen. »Er hatte einen Einschreibebrief, wollte ihn jedoch nicht hierlassen. Er bringt ihn am Nachmittag nochmals her.«
»Danke, Elsbeth!« So freundlich Petra vermochte, lächelte sie. Sie wollte sich nicht einschüchtern lassen.
Am Nachmittag sah Petra dem alten Postboten mit einer gewissen Nervosität entgegen.
Dann endlich hielt sie den bewussten Einschreibebrief in der Hand.
Sie öffnete ihn mit zitternden Händen – und las.
Das Schreiben stammte von einem Rechtsanwalt. Mit kurzen, dürftigen Worten wurde ihr mitgeteilt, dass der Mandant des Anwalts, Herr Bernd Rückert, Schadenersatz verlange.
Dann folgte eine Aufzählung der Gründe, die zu dem Unglück geführt hatten.
Als Letztes wurde der seinem Mandanten entstandene Schaden genannt. Eine Zahl von schwindelnder Höhe stand dort schwarz auf weiß. Und man drohte Petra, umgehend einen Prozess anzustreben, wenn das Geld nicht innerhalb einer gewissen Frist überwiesen worden sei.
Petra musste sich setzen. Ihr schwindelte. Die Paragraphen, Zahlen, Daten, die dürren Worte tanzten vor ihren Augen einen wilden Reigen. Sie allein war für das Kind verantwortlich – das stand da unmissverständlich. Sie hatte eigentlich gehofft, der Wachtmeister habe damals übertrieben.
Nun hatte das Schicksal erneut zugeschlagen.
Evi kam hereingesprungen. Sie tanzte von einem Bein auf das andere, war so vergnügt, wie ein Kind nur sein konnte.
Petra versteckte den Brief schnell, als fürchte sie, damit das kleine Seelchen zu belasten. Evi war doch noch solch ein kleines Kind. Sie traf keine Schuld. Petra wusste, dass sie Evi nie entgelten lassen würde, was sie unbewusst angerichtet hatte.
»Petra, bist du traurig?«, fragte das Kind.
»Aber! Warum sollte ich wohl traurig sein?«
Petra strich zärtlich über das seidige Haar der kleinen Schwester.
Da lachte das lustige Kind dankbar und froh.
Am anderen Tag machte sie sich mit schwerem Herzen auf den Weg. Sie wollte mit dem Rechtsanwalt Rücksprache nehmen.
Rechtsanwalt Trenner schien ein sehr freundlicher Herr zu sein – dachte Petra im ersten Augenblick.
Er reichte ihr die Hand, lud sie zum Sitzen ein. Petra versank in einem tiefen Sessel, kam sich hilflos darin vor und hätte lieber gehabt, wenn sie sich auf einen festen, geraden Stuhl hätte setzen können. Sicher hätte eine einfache Sitzgelegenheit ihr mehr Courage gegeben.
Der ältere Herr ihr gegenüber verzog wohlwollend sein Gesicht.
»Sie wollen mir wohl mitteilen, wann Sie den gewünschten Betrag auf das Konto meines Mandanten überweisen?«
Er rieb sich die dicken, kurzen Finger, die nur durch einen großen Siegelring geschmückt waren.
»Ja – nein – das heißt ...«
»Wollen Sie es etwa auf einen Prozess ankommen lassen?« Der Rechtsanwalt beugte sich etwas vor. Seine Stimme klang jetzt schon ein Deut schärfer.
»Ich will bezahlen«, sagte sie steif und hölzern. »Aber ich möchte Sie bitten, mir die Schuld zu stunden. Ich habe Unterlagen mitgebracht ....«
»Darauf kann sich mein Mandant auf keinen Fall einlassen, bestes Fräulein Nansen!« In die so gutmütig blickenden Augen trat ein harter Glanz, der Petra Angst einflößte. »Mein Mandant, Herr Rückert, ist leider gezwungen, umgehend einen neuen Wagen zu kaufen. Er wird mit keinem Vorschlag, der nicht die unverzügliche Auszahlung der geforderten Summe betrifft, einverstanden sein.«
Petras Kopf senkte sich immer tiefer.
»Wünschen Sie sonst noch etwas, Fräulein Nansen?«, fragte er geschäftsmäßig kühl.
Petra meinte, dass seine Stimme jetzt völlig gefühllos klänge.
Da ging durch den schlanken Mädchenkörper ein Ruck, das etwas eigenwillig geformte Kinn streckte sie noch um einige Millimeter vor.
»Ich möchte bitte die Adresse Herrn Rückerts haben!«
»Mein Klient wünscht nicht, mit der Regelung der Angelegenheit behelligt zu werden«, kam es abweisend zurück.
»Aber er gibt Ihnen den Auftrag, mir meine Existenz zu ruinieren, er gibt Ihnen den Auftrag, meiner Schwester und mir alles zu nehmen.«
»Es tut mir leid, Fräulein Nansen, aber jeder muss nun einmal für den Schaden aufkommen, den er anrichtet. Sie sind noch reichlich jung, man hätte Ihnen Ihre Schwester nicht anvertrauen dürfen, wenn Sie sie nicht hinreichend beaufsichtigen können.«
Wirkungsvoller hätte Petra auch der Schlag einer Keule nicht treffen können.
Der fremde Mann wollte ihr absprechen, nicht genügend auf Evi geachtet zu haben? Petra bebte plötzlich am ganzen Körper.
