Meder und die zwei Schwestern - Andreas Milanowski - E-Book

Meder und die zwei Schwestern E-Book

Andreas Milanowski

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Beschreibung

Auf der Suche nach ihrer Schwester Melimbek landen die etwas weltfremden Zwillinge Aelith und Veyra in Verdon an und geraten prompt in die Gefangenschaft der Elvin Meder, die mit dem alten Calwin, Eselchen und einer Ziege in den Ruinen des Küstenortes Manat Ender haust. Die Vier und Eselchen werden schnell Freunde und beschließen, sich gegenseitig bei ihren Vorhaben zu unterstützen, denn auch Meder hat Pläne.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 52

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Andreas Milanowski

Meder und die zwei Schwestern

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

1 – Anlandung

2 – Manat Ender

3 – Vandorns Geheimnis

4 – Die Waffe

5 – Dunhyr

Impressum neobooks

1 – Anlandung

Die Strahlen des Mondlichtes tanzten leicht und federnd auf den Wellen. Dort, wo das Meer an den Strand schwappte, erzeugten sie auf den Schaumkronen ein unwirkliches Leuchten.

Draußen vor der Bucht war am späten Abend ein Zweimaster vor Anker gegangen. Zwei Beiboote hatten von ihm abgelegt. In jedem dieser Boote stand, wie eine Statue, eine der Damen. Äußerlich glichen sich die beiden Ruderinnen bis in die Feinheiten des Schnittes ihrer Silhouetten. Man konnte leicht auf die Idee kommen, die eine sei ein Spiegelbild der anderen. Ihre Bemühungen jedoch, das jeweilige Boot voranzutreiben, erzählten von sehr unterschiedlichen Temperamenten.

Hatte es den Anschein, als kämpfe die eine der beiden bei jedem Ruderschlag mit aller Kraft ihres Körpers und ihrer Seele gegen die Widerborstigkeit der Naturgewalten, so hatte man bei der anderen das Gefühl, sie berühre mit ihrer Ruderstange kaum die Wasseroberfläche. Etwas Leichtes, geradezu Ätherisches hatte jede ihrer Bewegungen und wenn man die beiden beobachtete, musste man sich zwangsläufig fragen, wie es geschehen konnte, dass beide Boote in exakt dem gleichen Rhythmus ihre Bahnen durch das Wasser zogen.

Wie durch ein inneres Band schienen die beiden Ruderinnen miteinander verschränkt. Die eine konnte nichts tun, ohne dass es bei der anderen zu einer Reaktion führte.

Veyra war die erste, die ihre Kopfhaube gerichtet, ihren Spitzenkragen und die drei Leinenröcke, die sie übereinander trug, sortiert und glattgezogen hatte und mit einem Hopser in den nassen Sand gesprungen war.

Da stand sie nun, schüttelte ihre braunen Locken, die unter der Haube hervorlugten, kess in den Nacken. Wie ein Hündchen schnüffelte sie in die Nacht, schaute die Felsen hinauf und suchte, soweit das in der Dunkelheit machbar war, angestrengt nach einer Möglichkeit, dort hinaufzugelangen.

Dort, das waren die Klippen von Manat Ender, die in früheren Zeiten, als in dieser Ecke des verdonischen Inselreiches noch geschäftiges Treiben herrschte, dem einen oder anderen unvorsichtigen Reiter zum Verhängnis geworden, nicht, weil er nicht hinauf, sondern, weil er zu dicht an den Rand geritten und deswegen zu schnell heruntergekommen war.

„Nun Schwesterlein, was denkst du?“, rief Veyra ihrem Spiegel zu, nachdem sie die erste Sichtung abgeschlossen hatte. Die Angesprochene stand vier bis fünf Schritte entfernt, noch immer mit den Füßen sicher in ihrem Boot, obwohl es in exakt dem gleichen Moment wie das andere mit einem Knirschen auf den Strand gelaufen war.

Aelith betrachtete, wie ihre Schwester ebenfalls die Klippe, wenn auch mit erheblich weitschweifigerem Blick als diese und machte keinerlei Anstalten, dieses finstere, fremde Land zu betreten.

„Ich denke, wenn du schon danach fragst“, rief sie nach einigen Augenblicken in die Dunkelheit, „ich denke, dass diese Klippe, genau betrachtet, aussieht wie ein schlafender Drache und dass dieser Drache, wenn er denn aufwachte, in der Lage wäre, uns mit einem einzigen, mächtigen Schwung seiner starken, männlichen Flügel durch die Lüfte zu tragen, hinauf auf diese Klippen, nicht wahr, Liebste?“

„…oder uns mit einem einzigen Schlag seines harten, schuppigen Schwanzes, seiner scharfen Krallen oder einem Hauch seines feurigen Atems von der Erde zu tilgen.“

„Meinst du?“

„Nun, Schwesterherz, Drachen, habe ich mir sagen lassen, machen solche Sachen. Seltsam und für dich vielleicht traurig, aber wahr. Das Schuppentier dort oben, wenn es denn überhaupt eines ist, ist möglicherweise ein ganz unartiger Bursche, der es gar nicht so gut mit uns meint, wie du denkst. Vielleicht erinnerst du dich, was seinerzeit mit dem Dragûn geschehen ist, als die Drachen dort im Wald gegen die Riesen gekämpft haben. Was glaubst du, warum er heute der ‚schwarze Wald‘ genannt wird? Das war nicht immer so und dass es so ist, ist die Schuld der Drachen.“

„Oh ja, natürlich! Diese alte Geschichte. Gut, dass du mich daran erinnerst. Wir müssen, wenn wir die Dinge hier geregelt haben, unbedingt mal dorthin reisen, um die Sache selbst in Augenschein zu nehmen. Man erzählt, der Dragûn habe sich von diesem Brand nie erholt. Ich glaube zwar nicht, dass dieser Drache dort oben uns im Angesicht Ithildins etwas zuleide tun würde…“

„…zumal es sich“, unterbrach ihre Schwester, meiner Meinung nach nicht um die Schuppen eines Drachenpanzers handelt, sondern lediglich um ein paar spitze Steine, die dort irgendwann einmal zum Schutz der Reiter aufgestellt worden sind.“

Aelith führte nun ihrerseits das Kleiderritual mit der Haube und den Leinenröcken durch, zog sich etwas umständlich ein Paar Brokathandschuhe bis zu den Ellbogen hinauf und betrat den Strand.

„Dass du die Dinge immer so schrecklich nüchtern betrachten musst, Vey. Wir sollten aber, falls es doch ein Drache sein sollte, darauf achten, keine übermäßige Unruhe zu verursachen – wer weiß, was geschieht, sollten wir ihn wecken?“

„Eben wolltest du dich noch von ihm durch die Lüfte tragen lassen. Nun ja, den Weg nach oben werden wir sicher auch finden ohne das zweifelhafte Vergnügen, auf einem geflügelten, feuerspeienden Schuppentier zu reiten. Vielleicht gibt es irgendwo eine Treppe, die in den Felsen hineingehauen wurde. Wir sind ja schließlich nicht die ersten, die die verdonische Inselwelt abseits der großen Häfen betreten.“ Sie entrollte eine der mitgebrachten Karten. „Wenn die Zeichnungen stimmen, die ich in der Kapitänskajüte gefunden habe, müssten sich exakt dort oben die Überreste der Siedlung Manat Ender befinden. Und da in diesem Ort Leute gewohnt haben, die irgendwie zum Strand heruntergekommen sein müssen – bestimmt zum Fischen, vielleicht sogar zum Baden...“ Sie ließ den Gedanken unvollendet.

Aelith schaute versonnen ins Weite. „Ob der Käpt’n diesen Strand gekannt hat?“

„Wie kommst du denn jetzt gerade auf ihn?“