Meine Ortstafeln – Meine Zeittafeln - Peter Handke - E-Book

Meine Ortstafeln – Meine Zeittafeln E-Book

Peter Handke

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Beschreibung

Das Versetzen von Ortstafeln, das Anbringen einer neuen Aufschrift, der Streit um Gedenktage – solche Veränderungen machen deutlich, wie stark politisch-gesellschaftliche Ereignisse realer und symbolischer Landkarten und zeitlicher Bezugspunkte bedürfen. Auch das »Volk der Leser« braucht eine eigene Landkarte und die korrespondierenden Daten. Peter Handke hat für sie, für uns in seinen Essays die Rolle des Kartographen und Chronisten der letzten vier Jahrzehnte übernommen: In Schrift-Text-Bildern breitet er in allen Dimensionen die persönliche Karte der Kunstkontinente aus - von Prosa, Drama, Lyrik, Essay, Film und bildender Kunst.

Die ersten Koordinaten dieser Landschaft zeigten sich bekanntlich, als Peter Handke es mit einer fast gesetzgeberischen literarischen Institution aufnahm: bei einem Angriff auf die Gruppe 47 während deren Tagung in Princeton. Der listige »Bewohner des Elfenbeinturms« nimmt später die sich bietenden Gelegenheiten wahr, um Kollegen bekannt zu machen: Schriftsteller (wie Hermann Lenz, Jurij Brezan und...), Filmemacher (wie Jean-Marie Straub, Abbas Kiarostami und ...), Maler (wie Emil Schumacher, Zoran Music und ...). Gleichzeitig schafft er selbst Situationen und Anlässe, um anhand von Beschreibungen des Lesens, des Übersetzens von Autorpoetiken in zahlreichen mündlichen und schriftlichen Interventionen grundlegende Unterscheidungen und neue Werte im künstlerischen Feld zu treffen und zu installieren. Dabei handelt er von Anfang an gemäß der Maxime: »Es wäre schön, wenn man möglichst viele dieser Texte als Geschichten lesen könnte.«

Der vorliegende Text folgt dem Abdruck in Peter Handke Bibliothek Aufsätze 1. Zur Vermeidung von Doppelungen werden nur jene Aufsätze präsentiert, die nicht in Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms, Als das Wünschen noch geholfen hat, Das Ende des Flanierens, Langsam im Schatten sowie Mündliches und Schriftliches abgedruckt sind.

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Seitenzahl: 126

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Peter Handke

Meine Ortstafeln — Meine Zeittafeln

Suhrkamp Verlag

Wut und Geheimnis

Jetzt wird's ernst …

Eines ist klar, liebe Leute von der Universität Klagenfurt: Diese Ehre habe ich nicht verdient. Das sage ich ohne Koketterie. Ich habe vielleicht etwas anderes verdient, ich weiß nicht was, aber diese Sache nicht. Ich will dafür zur Ehre der Universität beiläufig etwas gesagt haben.

Was ich von der Arbeit der Universität Klagenfurt weiß und kenne, an wissenschaftlichen Ergebnissen, an Büchern, Übersetzungen, das macht nicht nur der Wissenschaft Ehre, sondern macht auch, wie aus dem Reden von Klaus Amann herauskam, dem Widerstand Ehre. Das ist für mich eine der wenigen oder vielleicht die einzige Universität (vielleicht ist das das Glück dieser Universität in Klagenfurt?) im deutschen Sprachraum, die in der Lage ist, Widerstand zu leisten. Und das tut sie. Dazu möchte ich euch Professoren beglückwünschen — weniger mich.

Es wurde oft in den letzten Jahren, auch zu Recht, gespottet, daß in meinem Geburtsort Altenmarkt oder Stara vas, wie das auf slowenisch einmal geheißen hat und wieder, immer, heißen wird, und im Begräbnisort meiner Vorfahren, Stift Griffen, eine Art von »Gedächtnisraum« für mich errichtet wurde. Das war mir auch sehr recht, weil ich gedacht hatte, das wäre die einzige Möglichkeit, daß in diesem wunderbaren Stift Griffen die verwahrlosten Räume renoviert werden könnten, und das ist — glaube ich — auch durch meinen beiläufigen, flüchtigen Namen geschehen. Ich würde mir jetzt wünschen, daß diese etwas belastende Sache mit meiner Anwesenheit hier aufgehoben wird. Diese Geschichte ist geschehen, und ich freue mich darüber, daß die Kirche ihre Räume in Stift Griffen hat renovieren können und dürfen. Ich würde mir jetzt wünschen — ich möchte das auch verlangen —, daß es weitergeht, daß diese Veranstaltungsräume in Stift Griffen weiter bestehen (wie auch immer sie genutzt werden); daß aber mein Name oder der »Gedächtnisraum« — jemand hat gesagt, das sei ein »Gedenkraum«, als ob ich schon zur Heuschrecke geworden wäre — verschwinden. Ich wünsche den Räumen alles Gute, für welchen Zweck auch immer: Singen, Grenzlandsingen, was auch immer — nur möchte ich, daß der Archivraum verschwindet! Wie ein Katalysator (ich glaube, das haben wir gelernt in Chemie), der einmal nötig war. Dann zieht man ihn heraus, die chemische Reaktion ist fertig, und der Katalysator (wobei ich mir einbilde, einer von vielen Katalysatoren gewesen zu sein) verschwindet. Den braucht man nicht mehr. So bitte ich höflich, dem zu folgen.