Rätselhafte Rebecca 15 - Marisa Parker - E-Book

Rätselhafte Rebecca 15 E-Book

Marisa Parker

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Beschreibung

Rebecca - Eine außergewöhnliche junge Frau, die dem Rätselhaften immer auf der Spur ist. Die Licht in jedes Dunkel bringt. Und die auch in gefährlichen Situationen stets einen Ausweg weiß. Auf ihren Reisen begegnet sie unheimlichen Abenteuern und dramatischen Schicksalen - und immer wieder der Liebe. Doch das größte Mysterium bleibt ihre eigene Herkunft. Was als erholsamer Urlaub auf der grünen Insel geplant war, gerät mehr und mehr zu einem grauenhaften Albtraum. Immer häufiger ertönt der schaurige Ruf der Banshee, der irischen Todesfee. Bedeutet das wirklich was die alte Sheila behauptet - dass jemand sterben muss? Rebecca glaubt nicht an Geister. Doch im Angesicht der Banshee werden ihre Nerven auf die Zerreiß Probe gestellt. Kann sie dem Spuk ein Ende bereiten? Begleite Rebecca auf ihren unheimlichen wie schicksalshaften Abenteuern an exotische Schauplätze und lüfte mit ihr das dunkle Geheimnis ihrer Vergangenheit. Die digitale Neuausgabe der Romantic Thriller-Reihe von 2003 jetzt endlich und nur als eBooks erhältlich. Jede Folge umfasst eine in sich abgeschlossene Geschichte und kann unabhängig von den restlichen Folgen der Serie gelesen werden. Jetzt herunterladen und sofort loslesen!

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Seitenzahl: 122

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Inhalt

Cover

Über diese Serie

Über diese Folge

Über die Autorin

Titel

Impressum

Der Ruf der Todesfee

In der nächsten Folge

Rätselhafte Rebecca

In einer rabenschwarzen Winternacht finden eine panische junge Frau und ihr Baby Zuflucht in einer Villa. Am nächsten Morgen ist die Frau verschwunden – nicht aber ihr Baby. Bei dem namenlosen Bündel nur ein silbernes Amulett, darauf die Initialen R und G. Das war alles, was Rebecca über ihre Vergangenheit wusste.

Warum war ihre Mutter so in Panik? Wieso ließ sie sie bei einer Fremden zurück? Und was bedeuten die Initialen?

Tante Betty, wie Rebecca ihre Adoptivmutter und die Besitzerin der Villa zärtlich nennt, hatte ihr die Geschichte oft erzählt. Aber auf all die Fragen hatte sie leider keine Antwort.

Heute, fast achtundzwanzig Jahre später, ist Rebecca eine erfolgreiche Reiseschriftstellerin. Als solche ist sie viel unterwegs und überall auf der Welt hat sie Freunde. Und wäre da nicht ihre rätselhafte Vergangenheit, wäre sie fast eine gewöhnliche junge Frau.

Fast – denn irgendwie scheint sie Abenteuer und Mysterien magisch anzuziehen. Und dabei glaubt sie gar nicht an Magie!

Folge 01: Hexenzauber

Folge 02: Schatten der Vergangenheit

Folge 03: Stimmen aus dem Jenseits

Folge 04: Im Bann des Magiers

Folge 05: Das Geheimnis der weißen Lady

Folge 06: Satans Töchter

Folge 07: Ozean der bösen Träume

Folge 08: Fürstin der Finsternis

Folge 09: Das Geheimnis des schwarzen Mönchs

Folge 10: Kalter Hauch der Angst

Folge 11: Grüße aus dem Totenreich

Folge 12: Schreckensnächte in Kairo

Folge 13: Der Fluch der schwarzen Villa

Folge 14: Angriff der Todesvögel

Folge 15: Der Ruf der Todesfee

Folge 16: Schritte in der Dunkelheit

Folge 17: Vom Teufel besessen

Folge 18: Das Schloss, in dem das Unheil wohnt

Folge 19: Die Insel des Schreckens

Folge 20: Die Nacht der Wahrheit

Über diese Folge

Was als erholsamer Urlaub auf der grünen Insel geplant war, gerät mehr und mehr zu einem grauenhaften Albtraum. Immer häufiger ertönt der schaurige Ruf der Banshee, der irischen Todesfee. Bedeutet das wirklich, was die alte Sheila behauptet – dass jemand sterben muss? Rebecca glaubt nicht an Geister. Doch im Angesicht der Banshee werden ihre Nerven auf die Zerreißprobe gestellt. Kann sie dem Spuk ein Ende bereiten?

Über die Autorin

Marisa Parker, 1947 in Washington D.C. geboren, zog schon früh mit ihren Eltern nach Heidelberg. An der Heidelberger Universität studierte sie Germanistik, Latinistik und Philosophie. Nach ihrem Studium war sie viele Jahre als Journalistin und freie Schriftstellerin tätig. Heute lebt sie zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden gemeinsamen Kindern in der Nähe von Köln.

Marisa Parker

Der Ruf der Todesfee

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Für die Originalausgabe:

Copyright © 2003 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Für diese Ausgabe:

Copyright © 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Projektmanagement: Nils Neumeier/Stefan Dagge

Umschlaggestaltung: Manuela Städele-Monverde unter Verwendung einer Illustration von © shutterstock/Claire McAdams | coka

E-Book-Erstellung: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-2452-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Der Ruf der Todesfee

Die grüne Insel bot von oben betrachtet einen lieblichen Anblick. Rebecca hatte einen Platz am Fenster des Fliegers und schaute voller Begeisterung auf die saftig grünen Wiesen, die sich unter ihr ausdehnten. Weit hinten am Horizont mündete das Grün in graue und schwarze Ränder, dort schlugen die Wellen des Atlantik gegen den steilen Fels.

„Ein schönes Land“, sagte sie leise.

„Das ist wohl wahr“, bestätigte ihre Sitznachbarin, eine Irin, mit der sie sich während des Flugs lebhaft unterhalten hatte. „Ein Land, nach dem sich Tausende und Abertausende Iren, die in aller Welt zerstreut leben, immer wieder zurücksehnen. Wussten Sie, dass fast alle unsere berühmten Schriftsteller im Ausland gelebt haben?“

Rebecca hatte es nicht gewusst. Sie lächelte ihrer Bekannten freundlich zu. „Mit einer Ausnahme“, sagte sie heiter. „Sie selbst leben in Irland, nicht wahr?“

Sie hatten sich recht bald nach dem Abflug einander vorgestellt und Rebecca hatte erfahren, dass ihre Gesprächspartnerin eine bekannte irische Schriftstellerin war. Eine sehr selbstbewusste und redefreudige Dame, die sich ob ihrer Leibesfülle zwei Plätze im Flugzeug hatte reservieren lassen.

„Ich, mein Kind, bin nur ein kleines Licht. Aber ich bin stolz darauf, meine Heimat in ganz Europa bekannt und populär gemacht zu haben. Schauen Sie, wir werden jetzt gleich landen. Ich hoffe, mein Mann wird mich abholen, sonst habe ich mit dem Gepäck Schwierigkeiten.“

„Kein Sorge, ich helfe Ihnen natürlich, falls Ihr Mann sich verspätet haben sollte. Meine Freundin Martina will mich mit dem Wagen abholen.“

„Nun, ich hoffe wirklich, dass Sie einen schönen Urlaub gemeinsam mit ihren Freunden haben werden. Die Gegend, in der sich das Cottage ihrer Freunde befindet, scheint mir reichlich einsam zu sein. Geradezu gottverlassen, diese Gegend. Nur Meer, Felsen und Gras. Für mich wäre das nichts, ich brauche die Städte, die Menschen, das brodelnde Leben. Und meinen allabendlichen Drink, aber den hat mir der Arzt leider verboten.“

„Ach, ein ganz kleiner müsste doch hin und wieder drin sein, oder?“, meinte Rebecca schmunzelnd.

„So ein ganz kleiner – sozusagen noch ein Baby und kein ausgewachsener Drink – da haben Sie Recht. Der ist drin. Absolut.“

„Meine Damen und Herren, wir befinden uns im Anflug auf Galway. Stellen Sie bitte das Rauchen ein und legen Sie die Sicherheitsgurte an …“

„Na dann wollen wir mal“, erklärte die Irin und gab sich redlich Mühe, die Anweisung des Flugkapitäns zu befolgen, indem sie mit dem Gurt herumhantierte.

„Wenn Sie dort in der Einsamkeit leben wollen, müssen Sie sich gut mit den Fairies stellen“, meinte sie dann grinsend. „Die irischen Fairies sind sehr mächtig.“

„Ich habe davon gehört“, gab Rebecca heiter zurück. „Sie sollen in Hügeln leben und den Menschen des nachts erscheinen. Gibt es auch solche, die gefährlich sind?“

Die Schriftstellerin gab den Kampf mit dem Gurt endgültig auf, er war für ihre Körperfülle einfach nicht vorgesehen. Seufzend klappte sie den Tisch ein und hob ihre Tasche vom Boden auf den Schoß.

„Gefährliche Fairies gibt es bei uns in Irland nicht mehr,seitdem der heilige Patrick sie alle aus unserem Land verbannt hat. Unsere Fairies sind durchweg Menschen, die zu früh verstorben sind oder ein schlimmes Leben geführt haben. Sie müssen ihre Zeit im Zwischenreich zwischen Mensch und Geist zu Ende leben. Hin und wieder – so sagt man – treiben sie mit den Menschen ein wenig Schabernack.“

„Also sind sie alle gutartig, die Fairies.“

Der Flieger setzte zur Landung an, man spürte eine kleine Erschütterung als er auf der Landebahn aufsetzte. Rebecca sah das weiße, flache Gebäude des Flughafens, einige Wagen, die auf das Gepäck warteten, eine Reihe weißer und grüner Flugzeuge.

„Nicht alle. Aber die meisten“, sagte ihre Reisebegleiterin. „Ein paar gibt es allerdings, vor denen sollte man sich in Acht nehmen.“

Rebecca war mit den Gedanken schon so weit weg, dass sie ihre Frage ganz vergessen hatte. Trotz der Anweisung des Flugkapitäns hatten sich einige Fluggäste erhoben und ihr Gepäck an sich gerissen, um nur ja zuerst am Ausstieg zu sein. Als der Flieger zum Stehen gekommen war, begann das übliche Gedränge beim Aussteigen, Kinder wuselten herum und lärmten, Männer mit dicken Aktentaschen versuchten, andere Reisende beiseite zu schieben, um vor ihnen aus dem Flugzeug zu steigen. Rebeccas wohlbeleibte Reisegefährtin wirkte wie ein Pfropfen im Mittelgang – niemand kam an ihr vorbei, und darum bestimmte sie freundlich, aber energisch das Tempo der Fluggäste, die sich hinter ihr befanden.

Martina stand in der kleinen Halle und winkte Rebecca aufgeregt zu. Mindestens genauso aufgeregt war die dreijährige Marie, die von ihrer Mutter auf dem Arm getragen wurde, damit sie Rebecca schon von weitem sehen konnte.

„Becca!“, brüllte die Kleine. „Hier! Ich bin hier!“

„Ich bin auch hier!“, rief Rebecca und lief den beiden entgegen. „Jetzt sind wir alle hier, Marie. Was sagst du dazu?“

Rebecca schloss Martina mitsamt der Tochter in die Arme und wurde simultan auf beide Wangen geküsst.

„Wir haben so auf dich gewartet, Tante Becca“, erzählte die Kleine ernsthaft. „Ich hab dir sogar ein Bild gemalt. Mit Wasser drauf.“

„Mit Wasser drauf – wie schön. Hast du das Meer gemalt? Und die Steine?“

Martina lachte. „Aber nein. Sie hat das Wasserglas umgekippt, und da war das Bild ein Wasserbild geworden. Eigentlich sollte es ein Haus darstellen. Mit einer großen, gelben Sonne darüber. Meine Güte, du hast mir richtig gefehlt, Rebecca. Ich bin froh, dass du gekommen bist!“

„Eine Babysitterin ist immer eine heiß begehrte Person, wie?“, witzelte Rebecca und winkte ihrer irischen Reisebegleiterin zu, die ihren Ehemann im Trubel der Halle gefunden hatte.

„Wir haben dich natürlich nur angerufen, damit du uns vom frühen Morgen bis zum späten Abend von den lästigen Kindern befreist“, gab Martina mit gespieltem Ernst zurück, während Marie von ihrem Arm zu Rebecca hinüberkletterte.

„Das habe ich mir schon gedacht“, nickte Rebecca und sah Marie mit gerunzelter Stirn an. „Ich werde euch beide am besten bei Wasser und Brot in einen dunklen Keller sperren, dann habe ich tagsüber wenigstens meine Ruhe.“

Maries Augen wurden groß. „Das tust du nicht!“, rief sie laut. „Sonst kommt der Zwerg und beißt dich ins Bein.“

Martina lachte mit Rebecca um die Wette.

„Was für ein Zwerg?“, wollte Rebecca wissen, während sie zu dem Wagen gingen, den die Kellers für den Urlaub gemietet hatten.

„Der mit den roten Haaren. Der im Castle wohnt. Von dem Sheila erzählt hat …“

Martina half ihrer Freundin, den umfangreichen Koffer im Wagen zu verstauen, dann galt es, Marie zu überreden, hinten im Kindersitz Platz zu nehmen. Die Kleine mochte den Sitz nicht, er war enger als der, den sie zu Hause benutzte, und außerdem durfte ihr älterer Bruder Jonas in Irland mangels zweitem Kindersitz auf dem normalen Sitz Platz nehmen. Es war riesig ungerecht, dass nur sie allein in solch einem blöden Kindersitz festgeschnallt wurde, fand das Mädchen.

„Weißt du, unsere Vermieter wohnen in der Nähe unseres Cottages“, erklärte Martina, nachdem sie endlich im Wagen saßen und Marie ihren Protest aufgegeben hatte. „Die beiden heißen Brian und Sheila und sind waschechte Iren. Bestimmt schon über siebzig, aber immer noch topfit. Brian fährt noch mit dem Boot raus und bringt am Abend Netze voller Fische heim.“

„Sind es freundliche Leute?“

Martina überlegte einen Moment und schaute in den Rückspiegel nach Marie. Die Kleine hatte nach dem großen Aufstand, den sie gemacht hatte, die Augen geschlossen – vermutlich war sie eingenickt.

„Wie man’s nimmt, Rebecca“, gestand Martina ehrlich. „Sie überschlagen sich nicht gerade vor Höflichkeit. Manchmal sind sie richtig komisch, finde ich. Rolf sieht das allerdings anders. Er meint, das sei halt die irische Mentalität.“

„Aber mit den Kindern scheinen sie sich doch zu unterhalten“, warf Rebecca ein.

„Das stimmt. Mit den Kindern kommen sie recht gut aus. Sie mögen Kinder, glaube ich. Vielleicht sind sie auch deshalb so komisch, weil alle ihre fünf Kinder weggezogen sind. Drei davon sind sogar in Amerika, die anderen in Dublin.“

Rebecca nickte verständnisvoll. Natürlich, wenn man in solch einer Einsamkeit lebte, dann hatten erwachsene Kinder wenig Chancen, einen Job zu finden. Also gingen sie fort, und die Eltern blieben allein zurück.

Sie hatten jetzt die Küste erreicht und fuhren ein Stück an ihr entlang. Sie war an dieser Stelle nicht steil, machte aber einen wilden und rauen Eindruck. Schwarze, eigenartig geformte Felsen lagen im Sand, als habe ein Riese sie hier ausgestreut, und die unruhigen Wogen brachen sich daran. In der Ferne waren die Umrisse einer zerstörten Burganlage zu erkennen, die weit ins Meer hinein gebaut worden war und vermutlich schon seit langer Zeit eine Ruine war. Fasziniert starrte Rebecca auf die schäumenden, dunklen Wellen, die vom Meer her eilig und einander überstürzend herbeirollten, um dann mit Getöse an die Felsen zu schlagen. Gischt stob empor, Möwen und andere Seevögel schwebten über Wasser und Strand.

„Was für eine ursprüngliche Gegend“, sagte Rebecca beeindruckt. „Man kann keinerlei menschliche Ansiedlung entdecken. Natur pur – genau das, was ihr gesucht habt, oder?“

„Das ist wahr“, gab Martina zu. „Allerdings wäre es mir auf die Dauer zu einsam hier. Und zu rau, verstehst du? Der Wind ist hin und wieder ganz schön heftig, und einmal hatten wir Nebel – der hat mir richtig Angst gemacht.“

„Wieso denn das?“

Martina warf noch einmal einen Kontrollblick nach hinten – die kleine Marie schlief friedlich in ihrem Sitz. Es war auf jeden Fall besser, wenn sie nicht mithörte, fand Martina. Schließlich wollte sie der Kleinen keine Furcht einjagen.

„Weißt du, der kam ganz plötzlich. Wir saßen mit den Kindern am Strand und ich teilte gerade die Sandwichs aus, da kam – wie aus dem Nichts heraus – eine Nebelwolke vom Meer herübergeweht, und im Nu hatte sie uns eingehüllt. Du, der Nebel war so dicht, dass ich keinen Meter weit sehen konnte. Ich konnte nicht einmal Jonas sehen, den ich dicht vor mir wusste, weil er auf sein Sandwich wartete. Und Rolf war mit Marie völlig verschwunden, obgleich sie nur ein paar Schritte von uns entfernt am Wasser standen. Es war geradezu gespenstisch, Rebecca.“

Rebecca lachte. „Solch ein Nebel ist doch am Meer nichts Ungewöhnliches. Deshalb soll man ja immer einen Kompass mitnehmen, wenn man unterwegs ist. Sonst können die Fairies unsereinen vom Wege abbringen.“

Martina schüttelte den Kopf. „Hast du auch von diesem Unsinn gehört? Brian und Sheila, unsere Vermieter, reden auch ständig von den Fairies. Das scheint so eine Art irischer Nationalsport zu sein. Man hat angeblich vor zwei Jahren eine Straße mit viel Aufwand um einen Felsen herumgeführt, anstatt ihn zu sprengen. Weil es ein Feenfelsen, ein sithe, sei. Weißt du, was Asterix zu den Iren sagen würde, Rebecca?“

Rebecca, die Jonas bereits etliche Asterixhefte vorgelesen hatte, nickte heiter. „Die spinnen, die Iren“, würde er sagen. Aber ich finde es großartig, wenn ein Volk sich seine Mythen und Märchen so lebendig bewahrt.“

Martina seufzte und musste zugeben, dass Rebecca im Grunde Recht hatte. Es musste an der Einsamkeit liegen, dass sie diesen Urlaub nicht so genießen konnte, wie sie es in Italien oder Portugal getan hatte. Aber damit war es ja nun vorbei, jetzt war Rebecca da.

„Hier ist es“, sagte Martina als ein niedriges, graues Gebäude vor ihnen auftauchte,, das von einem kleinen Garten umgeben war.

„Das schaut doch sehr gemütlich aus“, fand Rebecca. „Und man ist in fünf Minuten am Strand. Wie wundervoll.“

Ein kleiner, blonder Junge in Jeans war im Hauseingang zu sehen, der nun auf sie zugerannt kam.

„Rebecca ist da!“, brüllte Jonas begeistert. „Ich darf heute Abend neben dir sitzen, Rebecca. Papa hat es gesagt.“

Im Hauseingang wurde jetzt Rolfs kräftige Gestalt sichtbar, er winkte ihnen fröhlich zu. Hinten im Auto regte sich Marie und verlangte, aussteigen zu dürfen, Jonas hing schon von außen am Türgriff, bevor Martina noch eingeparkt hatte. Es war ein richtiger Tumult als Rebecca aus dem Wagen stieg und den Rest der Familie Keller begrüßte.